Fritz Vahrenholts monatliche Sonnenkolumne

Hier schreibt Fritz Vahrenholt seine monatliche Kolumne. In allgemeinverständlicher Form berichtet er über neue Entwicklungen aus den Klimawissenschaften – und natürlich von unserer lieben Sonne. Ganz unten auf der Seite finden Sie ein Archiv aller seiner Rundbriefe.

18.10.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

In meinem letzten Newsletter habe ich auf die Deklaration der 500 Wissenschaftler und Experten hingewiesen. Heute, am 18.10., werden in Oslo die weiteren Schritte und der Stand der Unterschriften vorgestellt. Es sind jetzt 700 Unterzeichner, einer davon ein Nobelpreisträger für Physik, Ivan Giaever.

Es war zu erwarten, dass diese Initative mit allen Mitteln bekämpft wird. Besonders hervorgetan hat sich die Medien-Plattform Correctiv, die versuchte, der Deklaration Fehler anzuhängen, und dabei schmählich scheiterte.
Ich habe den Chefredakteur, Herrn Schraven,angeschrieben:

„Die Recherche kritisiert schon in der Überschrift , es hätten keine „500 Wissenschaftler unterzeichnet“. Das ist auch nie behauptet worden. „A group of 500 prominent scientists and professionals“ heisst es am Anfang der Deklaration. Dann wird hervorgehoben, dass es besonders viele emeritierte und retired Unterzeichner gäbe. Haben sich die Rechercheure mal gefragt, woher das kommen mag? Ich behaupte, das dies  ein höheres Maß an Unabhängigkeit mit sich bringt, auch von staatlicher Förderung, ebenso keine  Rücksichtnahme auf die anvertrauten Diplomanden und Doktoranden und deren Zukunft. Diese Personen können freier, ohne Rücksicht auf den nächsten Karriereschritt, die nächste Berufung, die nächste anstehende Verlängerung des Arbeitsvertrages ihre wissenschaftliche Position kundtun. In der Sache ist die Recherche beschämend schlecht.

1. Behauptung
Natürliche wie auch anthropogene Faktoren verursachen Erwärmung
.

Auf die entscheidende Kritik, wonach das IPCC die Klimaerwärmung seit 1850 dem menschlichen Einfluss vollständig zuschreibt, wird nicht eingegangen. Da wird mit der NASA argumentiert, die schreibt , das zu den wichtigen Klimafaktoren im Industriezeitalter sowohl menschliche Aktivitäten als auch in geringerem  Masse solche natürlichen Ursprungs zaehlen.

1:0 für die Unterzeichner. Einige von uns sagen,  weniger als 50 %, einige andere sagen etwas mehr als 50 % sind durch menschlicher Aktivitaeten bedingt. Aber einig sind wir uns: 100 % menschengemachter Klimawandel ist falsch. Und dann mit folgendem Zitat des Umweltbundesamtes zu entgegnen, ist lächerlich:

„Seit der Industrialisierung werden jedoch deutliche überregionale und globale Änderungen im Stoffhaushalt der Atmosphäre als Folge des menschlichen Wirkens beobachtet“. Wer bezweifelt denn das ? Dass die CO2- Konzentration zugenommen hat, ist doch unbestritten. Die Frage ist doch, wieviel des festgestellten Erwärmungseffektes von etwa 1 Grad seit der Kleinen Eiszeit bewirkt diese CO2-Zunahme.

Aber der Knüller kommt im letzten Satz. Correctiv fuehrt an, dass nach Ansicht der Forscher des Potsdam-Instituts CO2-Emissionen die nächste Eiszeit mindestens 100 000 Jahre aufschieben koennten. „Mindestens“ ist richtig schön. Fragen Sie mal die Klimawissenschaftler wie Prof. Hans von Storch oder Prof. Marotzke oder Prof. Björn Stevens, was sie von einer solchen Aussage von Herrn Schellnhuber vom Potsdam Institut halten . Das ist der gleiche Schellnhuber , der 2009 behauptet hat, dass 2035 die Gletscher des Himalaya verschwunden seien. Der gleiche Schellenhuber behauptet, dass bis 2100 die Erwärmung 4-5 Grad Celsius bei business as usual betragen wird. Das behauptet kaum ein Wissenschaftler des IPCC. Aber er ist IHR Kronzeuge gegen die  500 kritischen Unterzeichner der Deklaration.

2. Behauptung
Die Welt hat sich weniger als die Hälfte der ursprünglich vorhergesagten Rate erwärmt… wir sind weit davon entfernt den Klimawandel zu verstehen.

Da kommen Ihre Rechercheure nicht weiter, weil auch die Helfer vom Potsdam-Institut ratlos waren. Daher geben die Rechercheure an, die Quellen nicht zu kennen. Es ist so einfach : gehen Sie einfach ins Netz dann finden Sie Folgendes (Quelle: Nir Shaviv, 2019).

3. Behauptung
Klimapolitik stützt sich auf inadequate Modelle

Diese Behautung erledigt sich eigentlich schon mit der eben gezeigten Grafik.  Interessant ist aber , dass Rechercheure , die die Triftigkeit einer These prüfen wollen, bei demjenigen anfragen, gegen den diese These zu Felde geführt wird. ( in diesem Fall das Potsdam-Institut). Man sollte nicht die Frösche fragen, wenn man eine Tümpel trocken legen will. Und wie toll die Antwort der Pressesprecherin des Potsdam-Instituts ist : „die Erwärmung läuft so ziemlich genauso ab wie vorhergesagt“. Jetzt schauen Sie auf die 102 Modelle  ( unten) und insbesondere auf die roten und blauen Balken. Das sind die gemessenen Werte. Ist so ziemlich genau wie vorhergesagt, nicht wahr ! Es ist schlimm, das Sie zum Ergebnis kommen : „Dass die Klimaforschung generell unplausibel oder mangelhaft sei, ist demnach nicht richtig.“  Das ist also eine correctiv- Schlussfolgerung. Nein , Modelle, die so daneben liegen, sind unplausibel und mangelhaft. Denn immerhin erwartet doch die Klimaforschung, dass die Politik auf Grund dieser mangelhaften Ergebnisse, massive Eingriffe in die Industriegesellschaft vornimmt.

Ein einziges Model liegt unterhalb der Messungen; es stammt aus Russland. Noch einmal zum Verständnis : Die Modelle geben eine hinter uns liegende Temperaturentwicklung mit 50-100% falsch wieder. Und die sagen dann aber die Zukunft richtig voraus, schon klar. Man könnte auch boshaft sagen, die Modelle werden so getuned, dass sie am Ende des Jahrhunderts die gewünschten 2-3,5 Grad Celsius erreichen, auch wenn sie heute danebenliegen. Hauptsache sie verbreiten die notwendige Panik.

4.CO2 ist pflanzliche Nahrung, die Grundlage alles Lebens

Die Deklaration sagt : „Zusätzliches CO2 in der Luft hat das Wachstum der globalen pflanzlichen Biomasse gefördert. Es ist auch gut für die Landwirtschaft, da es die Erträge der Pflanzen weltweit erhöht“. Daran ist nichts und rein gar nichts falsch. Die Erde wird grüner. Das zeigen Satellitenbilder eindeutig. Etwa auf einem Viertel bis zur Hälfte der bewachsenen Gebiete  der Erde hat sich die Vergrünung breit gemacht.

Sie schreiben aber mit Bezug auf ein aktivistisches Portal  „ dass mehr CO2 gut für die Landwirtschaft ist“ sei, wie im Brief behauptet, „nicht richtig“. Sie zitieren einen Professor aus dem Jahre 2009. Aber vielleicht überzeugt Sie diese Grafik.

Wie Sie sehen, steigt die Photosynthese bei Reis, Weizen und Bäumen zwischen 200 und 600 ppm CO2 fast linear. Unter 200 ppm stellen die Pflanzen die Photosynthese ein. In einer im Februar diesen Jahres erschienenen Studie  stellen Alexander Winkler und Victor Brovkin vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Ranga Myeni vom Department of Earth and Environment der Boston University fest : “Diese Modelle, welche die wissenschaftliche Basis für die IPCC Assessment Reports sind, unterschätzen wahrscheinlich auch die zukünftige Kohlenstoffaufnahme durch Photosynthese – ein zentraler Aspekt für Klimaprojektionen. In den letzten beiden Jahrzehnten entstanden im Mittel 310 000 km² zusätzliche Blatt- und Nadelfläche,-ungefähr die Größe Polens oder Deutschlands – jedes Jahr.“

„Unsere zentrale Erkenntnis ist”, so die Forscher weiter, „dass der Effekt der CO2- Konzentration auf die terrestrische Photosynthese größer als zuvor gedacht ist und daher bedeutende Implikationen für den zukünftigen Kohlenstoffkreislauf hat.“ Dieser Effekt beträgt etwa 4  Milliarden zusätzliches CO2 , das aufgenommen wird und zwar jährlich. Das entspricht der Gesamtemission an CO2 durch die EU – jährlich.

Der CO2- Dämpfungseffekt ist 60 % höher als das Mittel der Modelle angenommen hatte bei einer Verdoppelung von 280 ppm auf 560 ppm CO2. Und die Realität gibt den Forschern Recht. Schon heute verbleiben nur 46 % CO2 in der Atmosphäre, 24 % in den Ozeanen und 30 % auf Land und in Pflanzen.Übrigens die Sahel Zone wird grüner, die Sahara schrumpft. Wollen wir das mal der Öffentlichkeit sagen ?

5. Die globale Erwärmung hat die Zahl der Naturkatastrophen nicht erhöht

Das sagt sogar das IPCC in seinem Bericht von 2013. Aber das Recherche-Team stützt sich lieber auf staatliche Stellen wie das Umweltbundesamt, die wissen es ja immer richtig. Und dagegen Kritik zu üben, darf man auch nicht zulassen.
Die Grafiken, die die Position der Deklaration stuetzen finden Sie hier bei Tichys Einblick . Aber der Vogel wird dann abgeschossen, wenn es um den Schutz der Windindustrie durch Ihr Team geht :

„Eine abschließende Beurteilung zum Ausmaß des Schadens für Vögel oder Fledermäuse durch Windenergie ist nicht möglich, wie wir recherchiert haben.“

12.000 Greifvögel und 240.000 Fledermaeuse werden der Studie des ehemaligen Leiters der Vogelschutzwarte Hessen-Rheinland-Pfalz-Saarland zufolge jaehrlich durch Windkraftanlagen in Deutschland getoetet. Googeln Sie mal hier.

Eine Studie im Auftrag des Bundesministers für Wirtschaft kommt zum Ergebnis, dass der Rotmilan und der Mäusebussard bestandsgefährdet sind durch Windkraftanlagen. Und dabei hat die Studie noch nicht einmal den geplanten Ausbau auf das Dreifache in den nächsten Jahren einberechnet, sondern nur den heutigen Bestand zugrundegelegt.

Zur 6. These “Klimapolitik muss wissenschaftliche und wirtschaftliche Realitäten respektieren
sagt Correctiv nichts. Das wäre ja eine Meinung. Na ja.

Ihr Fazit: „Die Aussagen – sind bis auf zwei (welche denn, liebes Team) – zwar in Teilen richtig, sie lassen aber oft den zentralen Kontext aus, etwa zur bisheriger Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen.“ Genau! – die des Potsdam-Instituts und des Umweltbundesamtes. So macht Journalismus doch Spaß: Nicht den „offiziellen Stellen“ kritische Fragen stellen, sondern brav das wiedergeben, was diese Ihnen erzählen, dagegen aber diejenigen in Misskredit bringen, die es wagen, den „offiziellen Stellen“ zu widersprechen.“

Herzlichst Ihr
Fritz Vahrenholt

———————————

6.10.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sonne schwächte sich im August 2019 weiter ab. Die festgestellte Sonnenfleckenzahl betrug nur noch 0,7. Die NASA hat in diesem Monat eine Prognose veröffentlicht, die das Minimum des jetzigen Sonnenzyklus in 2022 sieht. Wenn es so käme – wir können uns dieser Einschätzung noch nicht anschliessen – wird sich das in den globalen Mitteltemperaturen mit Zeitverzögerung niederschlagen.

Die Abweichung der globalen mittleren Temperatur stieg im September bei den UAH-Satelittenmessungen (s.Bild oben) auf 0.61 °C an. Das überrascht insoweit , als die erdgestützten und Meeresbojenmessungen eine Seitwärtsentwicklung zeigen. Die Satellitenmessungen von UAH (Universität von Alabama) und RSS (North Carolina) finden in 7, 15 und 22 km Höhe statt und die dort gemessenen Temperaturen werden dann auf die Erdoberfläche heruntergerechnet.

Und hier ereignete sich im September etwas Aussergewöhnliches. Ein auf der Südhalbkugel sehr seltenes Phänomen, Sudden stratospheric Warming (Plötzliche stratosphärische Erwärmung) : eine Erwärmung der unteren Stratosphäre um 50° Celsius. Ähnliche Ereignisse gab es, jeweils im September in den Jahren 2002 und 2010. Zunächst erwärmt sich die Luft über der Antarktis, dann bricht der Polarwirbel zusammen und es folgt eine durchgreifende Abkühlung ausserhalb der Antarktis. Down Under wird die Abkühlung bald zu spüren bekommen. Das hat nichts zu tun mit CO2 oder Global Warming. Es ist ein Vorgang, der aus der Interaktion von Troposphäre, Sonne und Stratosphäre entsteht und bezeichnender Weise häufiger entsteht in solaren Schwächeperioden.

Die Deklaration der 500

Der holländische Klimaforscher und Geophysiker Guus Berkhout hat die Initiative „Es gibt keinen Klimanotfall“ gestartet, um eine Deklaration an den UNO-Generalsekretär zu senden.  Die Deklaration und ihre Unterzeichner sind hier in englisch und hier in deutsch nachzulesen. Vor dem Hintergrund des UN-Gipfel und der Hype um die 16-jährige Greta Thunberg („You are killing, we are suffering“) kritisieren die Wissenschaftler die „sinnlose Verschwendung von Billionen von  Dollar auf der Grundlage unwissenschaftlicher Annahmen und unreifer Klimamodelle.“ Politisch wichtig sei es, als Entscheidungsgrundlagen nicht nur die Forschungsergebnisse der Mainstream-Wissenschaftler heranzuziehen. Vielmehr müssten auch die Arbeiten solcher Forscher  eingehend analysiert und diskutiert werden, die den derzeitigen Klimamodellen kritisch gegenüberstehen.

Klimawandel In Deutschland  

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, bei einem Vortrag mit Vertretern von Fridays for Future zu diskutieren. Ich war erschrocken, wie wenig die Jugendlichen über das Thema, das sie aufgerüttelt hat, wissen. Wenn  man Fakten präsentiert, etwa, dass die Temperaturen global seit 2016 wieder zurückgehen, reagieren sie einfach mit „Das glauben wir Ihnen nicht.“ Um vom Glauben zum Wissen zu kommen, hat verdienstvoller Weise Sebastian Lüning in den letzten Monaten viel Arbeit investiert, um sämtlich öffentlich zugängliche Fakten zum „Klimawandel in Deutschland“ zusammenzutragen. Ein wahre Fundgrube für Faktensucher.

Oder wussten Sie schon, dass die Sonnenscheindauer in Deutschland bis 1980 zurückging und danach um 200 Stunden im Jahr zugenommen hat ? Eine dreiviertel Stunde am Tag mehr Sonne -wer hätte das gedacht. Oder die Eifel zwischen 900 und 1100 deutlich wärmer war als heute. Oder, dass sich seit 135 Jahren die Dürrehäufigkeit in Deutschland nicht verändert hat, die Niederschläge im Sommer sich auch nicht verändert haben, dagegen im Winter um 30 % zugenommen haben. Und dass die Häufigkeit der Weißen Weihnacht sich in den letzten 50 Jahren nicht verändert hat (10 % Wahrscheinlichkeit). Für meine österreichischen Leser dieses Rundbriefs gibt es das bald auch für Österreich. Fürs erste ein Schmankerl : auch die Sonnenscheindauer in Österreich hat zugenommen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Fritz Vahrenholt

———————————

28.8.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sonne schwächte sich im Juli  2019   weiter ab. Die festgestellte SSN (für SunSpotNumber) betrug nur noch 0,9. In den globalen Mitteltemperaturen wird sich das Minimum erst mit erheblicher Zeitverzögerung niederschlagen. Die Abweichung der globalen mittleren Temperatur sank im Juli  bei den UAH-Satelittenmessungen (s.Bild oben) auf 0.38 °C ab auf Grund der Beendigung des El-Nino. Im August erreicht der El-Nino Index negatives Terrain, was die Temperaturen insbesondere in der Südhemisphäre weiter zurückgehen lässt.

Die Erde wird grüner

Jahr für Jahr stößt die Menschheit mehr CO2 aus als zuvor. Waren es 1959 noch 8,5 Milliarden Tonnen sind es heute schon etwa 37 Milliarden Tonnen. Und egal wie hoch die Emissionen wurden, zunächst knapp die Hälfte, heute mehr als die Hälfte der Emissionen wurden durch die Ozeane und das vermehrte Pflanzenwachstum aufgesogen.

Das ist sogar im letzten IPCC-Bericht von 2013 nachzulesen (Summary for policymakers, S.26). Allerdings wird in den vom IPCC zugrunde gelegten Modellen die zukünftige Aufnahmefähigkeit des CO2 in Frage gestellt. Auf der gleichen Seite 26 heißt es: „Basierend auf Erdsystem -Modellen, gibt es hohe Konfidenz, dass das feedback zwischen Klimaentwicklung und Kohlenstoffkreislauf im 21. Jahrhundert positiv ist. Als Resultat wird mehr des emittierten anthropogenen CO2 in der Atmosphäre verbleiben.“

Mit der hohen Konfidenz, mit der die abnehmende Aufnahmefähigkeit der Biosphäre und der Ozeane durch den IPCC prognostiziert wurde, ist es nun  vorbei. Denn das Global Carbon Project, an dem unter anderem die UN-Organisation WMO (World Meteorological Organisation) beteiligt ist, zeigt in seinem vor kurzem erschienenen Bericht, dass die Pflanzenwelt mehr CO2 aufnimmt als gedacht.

Die Forscher fanden, dass “globale Land- und Ozeansenken im Großen und ganzen Schritt gehalten haben mit den wachsenden CO2- Emissionen seit 1958, da sie 60 Jahre später immer noch rund 50 % des in die Atmosphäre abgegebenen CO2 aufnehmen. Diese Intensivierung der Absorption kann zurückverfolgt werden auf die in der Nordhemisphäre gelegenen Landsenken, die auf die wachsenden Emissionen reagieren, vor allen Dingen durch Wälder.“

Die Nordhemisphäre beheimatet ungefähr zwei Drittel der Landfläche und der Vegetation der Erde, während die Südhemisphäre durch die Ozeansenken bestimmt wird. Das Global Carbon Project stellt also von 1958 bis 2016 eine Intensivierung der Aufnahme in der Nord- Hemisphäre fest. Die vom IPCC behauptete Abnahme der Aufnahmefähigkeit hat sich bis heute durch neuere Untersuchungen nicht bestätigt, eher im Gegenteil. Zur Zukunft kommen wir weiter unten.

Wie kommt es überhaupt zu dieser starken Dämpfung durch Pflanzen?

Für Pflanzen ist CO2 überlebensnotwendig. 90 % aller Pflanzen sind sogenannte C3- Pflanzen, die unterhalb von 150 ppm CO2 die Photosynthese einstellen, sie sterben ab. Unsere Bäume, aber auch Weizen, Roggen, Reis wachsen besser mit steigendem CO2-Gehalt der Luft. C4- Pflanzen wie Gräser und Mais reagieren nicht ganz so empfindlich auf CO2.

Von der vorindustriellen Zeit bis heute hat sich die Photosyntheseleistung der meisten Pflanzen um 65 % gesteigert. Bei einem weiteren Anstieg des CO2 in der Luft von den heutigen 410 ppm auf 600 ppm legen die Pflanzen noch einmal 35 % zu. Manche Gewächshausbesitzer machen sich das zunutze, in dem sie die Treibhäuser auf 600 ppm CO2 anreichern, um damit eine entsprechend bessere Nahrungsmittelausbeute von mehr als einem Drittel zu erreichen.

CO2 macht die Erde grüner

Die Erde wird grüner. Das zeigen Satellitenbilder eindeutig. Etwa auf einem Viertel bis zur Hälfte der bewachsenen Gebiete der Erde hat sich die Vergrünung breit gemacht. Die Zunahme an grüner Biomasse entspricht einem neuen grünen Kontinent, doppelt so groß wie die USA. Etwa 70 % ist auf die gesteigerte Photosynthese durch CO2 zurückzuführen. Geholfen hat natürlich auch die Erwärmung um 1 Grad Celsius seit 1850. Und diese Erwärmung hat zusätzlich die Feuchtigkeit in der Luft erhöht. Die Ernteerträge sind gestiegen, nicht nur, aber vor allen Dingen auch wegen des  „Klimakillers“ CO2.

Die grüner werdende Erde saugt das CO2 auf

Für die Klimamodelle ist die Senkendiskussion von zentraler Bedeutung. Und nun, 6 Jahre nach dem Bericht des IPCC vom Jahre 2013, stellt sich heraus, dass die Modelle vollständig daneben lagen, in dem sie die Aufnahmefähigkeit von Ozean und Land dramatisch unterschätzten.

In einer im Februar diesen Jahres erschienenen Studie (hier die Pressemitteilung) stellen Alexander Winkler und Victor Brovkin vom Max-Planck -Institut für Meteorologie in Hamburg und Ranga Myeni vom Department of Earth and Environment der Boston University fest :

“Diese Modelle, die  die wissenschaftliche Basis für die IPCC Assessment Reports sind, unterschätzen wahrscheinlich auch die zukünftige Kohlenstoffaufnahme durch Photosynthese – ein zentraler Aspekt für Klimaprojektionen. In den letzten beiden Jahrzehnten entstanden im Mittel 310 000 km² zusätzliche Blatt- und Nadelfläche,-ungefähr die Größe Polens und Deutschlands – jedes Jahr.“

„Unsere zentrale Erkenntnis ist”, so die Forscher weiter, „dass der Effekt der CO2- Konzentration auf die terrestrische Photosynthese größer als zuvor gedacht ist und daher bedeutende Implikationen für den zukünftigen Kohlenstoffkreislauf hat.“

Der CO2- Dämpfungseffekt ist 60 % höher als das Mittel der Modelle angenommen hatte, bei einer Verdoppelung von 280 ppm auf 560 ppm CO2. Und die Realität gibt den Forschern Recht. Schon heute verbleiben nur 46 % CO2 in der Atmosphäre, 24 % in den Ozeanen und 30 % auf Land und in Pflanzen.

Der Weltklimarat IPCC nahm bislang an, dass der Verbleib des CO2 in der Luft uns viel länger  zu schaffen machen würde. Von mehreren hundert Jahren Verweildauer war noch in den ersten Weltklimaberichten zu lesen. Im letzten Bericht von 2013 gab es dann schon ein kleinlautes Heranpirschen an die Realität und man schätzte die Verweildauer des CO2 in der Luft auf 30 bis 100 Jahre.

Die Erkenntnisse des Hamburger MPI über die unterschätzte CO2- Senke durch Pflanzen müsste zu einer Revision der Verweildauer führen. Und weder bei der Vegetation noch bei der der Verlagerung des CO2 in die tieferen Schichten der Ozeane ist  eine Sättigung in Sicht. Erst bei 1500 ppm bleibt die Aufnahme von CO2 durch die Pflanzen nahezu  konstant. Aber 1500 ppm erreichen wir niemals, eher geht uns Kohle, Erdöl oder Erdgas aus.

Drastische Emissionsminderung nicht erforderlich

Und nun kommt das höchst überraschende: Entschließt sich die Menschheit,  in den nächsten Jahren einfach, die weiteren Emissionen nicht weiter ansteigen zu lassen, sozusagen die Gesamtemissionen bei 37 Mrd. Tonnen CO2 einzufrieren, wird sich nach geraumer Zeit eine neues Gleichgewicht einpendeln zwischen den jährlichen Emissionen und den Ozeanen und Pflanzen.

Roy Spencer von der Universität Alabama hat das in einem einfachen Modell berechnet, bei welchem CO2- Niveau man landen wird. Er kommt bei einem Festhalten an den CO2- Emissionen des Jahres 2018 zum Ergebnis, dass ein Niveau von 500 bis 520 ppm nicht überschritten wird. Denn er kann zeigen, dass die Rate der Entfernung des CO2 aus der Atmosphäre in den letzten Jahren 50 Jahren von 40 % auf  über 50 % der jährlichen Emission angestiegen ist.
Eine sehr schöne Ableitung mit einem ähnlichen Ergebnis ist bei Dr. Rainer Link nachzulesen.

Wir haben dieses einfache CO2- Modell nachgebildet und für folgenden Fall berechnet. Bis 2030 steigen die globalen Emissionen auf 45 Milliarden Tonnen an. Danach bleiben sie konstant.
China wird bis 2030 die Emissionen von heute 9,5 auf 12,5 Milliarden Tonnen CO2 ansteigen lassen und Indien wie viele andere sich entwickelnde Länder werden mehr Emissionen ausstoßen. Die Verweildauer ist mit Tau= 65 Jahren (IPCC 30-100 Jahre) angenommen worden. (Die Abklingzeit Tau ist definiert als die Zeit, in der die Konzentration des CO2 auf 37 % zurückfällt)

Es ist also nicht erforderlich, dass die Emissionen auf Null zurückgefahren werden.

Wir können solange fossile Energieträger nutzen, bis sie alle sind – unter einer einzigen Voraussetzung: wir dürfen nicht wesentlich mehr als 45 Mrd. Tonnen pro Jahr ausstoßen und sollten diese Emissionen auch niemals mehr ansteigen lassen.

Durch ein Einfrieren der CO2- Emissionen würde  eine Verdopplung der CO2- Konzentrationen von vorindustriellen 280 ppm auf 560 ppm eintreten. Bei einer Verdoppelung auf 560 ppm wäre eine Erwärmung von 1,8 Grad Celsius zu erwarten, legt man die neuesten empirischen Klimaempfindlichkeitsberechnungen (ECS) zum CO2 zugrunde.

Fazit: Der schon beschlossene Schritt der Bundesregierung, die CO2-Emissionen auf 80 % zurückzufahren, ist überflüssig und die Ankündigung der Kanzlerin, das Ziel auf 100 % hochzuschrauben, ist mehr als fragwürdig und sinnlos.

Nun kann man darüber diskutieren, wieviel die entwickelten Länder zurückfahren müssen, um den sich entwickelnden Nationen einen Nachholbedarf in Sachen CO2-Emissionen zu ermöglichen. Das sollte aber nicht in der Weise erfolgen, dass Deutschland seine Emissionen bis 2030 um 300 Millionen Tonnen reduziert und China um 3000 Millionen hochfährt. Immerhin emittiert China schon heute mehr CO2 pro Kopf als Europa, nämlich 6,9 Tonnen pro Kopf.

5 Tonnen pro Kopf bei einer 9 Milliarden Weltbevölkerung wäre doch eine akzeptable weltweite Größe. Macht insgesamt die obengenannten 45 Milliarden Tonnen pro Jahr. Das hieße für Deutschland eine Reduktion auf nicht einmal 50 %. Das wärs.

Panik ist also völlig unnötig. Mutter Erde hält das CO2 – Problem für uns in Grenzen. Wir sollten ihr dabei helfen. Je mehr Pflanzen und Bäume wachsen, umso mehr kann auch an CO2 aufgenommen werden. Das macht jedenfalls sehr viel mehr Sinn als abenteuerliche Konzepte von Elektromobilität  bis zum Zupflastern schöner Landschaften mit Windkraftanlagen.

Liebe Bundestagsabgeordnete, liebes Bundeskabinett : Listen to the Sience.

Herzlichst
Ihr
Fritz Vahrenholt

———————————————————————

Frühere Rundbriefe, mit Angabe des besprochenen Sonnenmonats:

2019

Juli 2019: Die Erde wird grüner und die ausbleibende Katastrophe

Juni 2019: Die Muster der Erwärmung

Mai 2019: Die steigende Wetterfühligkeit von Klima-Aktivisten

April 2019: Der 4600  Milliarden Flop

März 2019: Eine Umweltsünde im Namen des Klimas

Februar 2019: Ein neues Klimamodell, das nichts taugt

Januar 2019: Eine Klima-Hitzewelle

2018

Dezember 2018: Klimatische Überraschungen

November 2018: Die Sache mit der „Pause“ oder dem „Hiatus“

September & Oktober 2018: Arktisches Meereis, Ozeanerwärmung und Neues von Wolken

August 2018: Atmosphärische Konflikte

Juli 2018: Ein heißer Sommer

Juni 2018: Das arktische Klima

Mai 2018: antarktische Alpträume

April 2018: Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2 und die Kohlekommission

März 2018: Neues über die Treibhausgase

Februar 2018: Der Status der Ozeane

Januar 2018: Der Koalitionsvertrag

2017

Dezember 2017: Klima-Wetter

November 2017: Neues über Aerosole

Oktober 2017: Das Christmädchen steht vor der Tür

September 2017: Der Rückgang des arktischen Meereises kommt zum Erliegen

August 2017: Hurrikane zwischen Propaganda und Wissenschaft

Juli 2017: CO2-Klimasensitivität sackt in neuer Arbeit dramatisch ab

Juni 2017: Modelharakiri

Mai 2017: Der Iris-Effekt

April 2017: Antarktische Blütenträume

März 2017: Eine ENSO-Nachlese

Februar 2017: Das antarktische Meereis

Januar 2017: „Pause“ oder nicht?

2016

Dezember 2016: Eine Vorschau

November 2016: Modellannäherungen an die Realität

Oktober 2016: Die Ozeane im „Klima“-Modell und der Realität

September 2016: Ein Rückblick auf die arktische Schmelzsaison

August 2016: Die Wirkung der Sonne auf Wolken

Juli 2016: Die Sache mit der AMO

Juni und Mai 2016: Die Entwicklung der Temperaturen nach dem El Nino

April 2016: El Nino-klimatisch

März 2016: Ein versiegender El Nino und die berüchtigten „Tipping Points“

Februar 2016: Die aktuellen Wärmerekorde

Januar 2016: Rekorde und Ozeanströmungen: Der Golfstrom bleibt stabil!

2015

Dezember 2015: Klimamodell-Kopfstände in der Antarktis

November 2015: Modellgeflüster (Teil 1)

Oktober 2015: Fußgängerampeln in New York

September 2015: Ein Bericht zum Wissensstand vor der Pariser Klimakonferenz

August 2015: Der klimatische UV-Verstärker in der Stratosphäre

Juli 2015: Neues auf dem Wege nach Paris

Juni 2015: Neues Maunder-Minimum angekündigt. Droht eine Neuauflage der Kleinen Eiszeit?

Mai 2015: Atlantikwellen

April 2015: Sonnenzyklus

März 2015: Eiszeitvisionen

Februar 2015: Die Validierung von Klimamodellen

Januar 2015: Atlantische Prognosen

2014

Dezember 2014: Eine aufschlussreiche Arbeit zum Temperaturantrieb

November 2014: Modell-Kuriositäten

Oktober 2014: Die Annäherung der Klimaforschung an die Realitäten

September 2014: Achtung, X-Flares!

August 2014: Die interne Variabilität des Klimas und neueste Nachrichten über das arktische Eis

Juli 2014: Das arktische Eis im Hochsommer

Juni 2014: Aktuelles von Land und Wasser

Mai 2014: Wärme aus dem Meer

April und März 2014: Was uns die Ozeane bis zum Jahresende bescheren könnten

Februar 2014: Wird die nordatlantische Variabilität schon seit langem von der Sonnenaktivität bestimmt?

Januar 2014: Neues vom polaren Sonnenfeld

2013

Dezember 2013: Ein Aufleben

November 2013: Sie werden noch etwas Gefrierschutzmittel nachfüllen müssen

Oktober 2013: Minima voraus!

September 2013: Spektrale Fortschritte

August 2013: Wissenschaft bei der Arbeit

Juli 2013: Aktuelles und ein wenig Statistik

Juni 2013: Auf dem Weg in ein großes Minimum? Neue Arbeit zu den möglichen Folgen

Mai 2013: Neuigkeiten zum Klimaeinfluss durch kosmische Strahlung

April 2013: Polt jetzt der Südpol um?

März und Februar 2013: Wer ist Schuld am Kältewinter?

Januar 2013: Aktivität bleibt ungewöhnlich niedrig

Dezember 2012: Sonne nur ein Drittel so aktiv wie im Durchschnitt

November 2012: Die Sonne im November 2012