Fritz Vahrenholts monatliche Sonnenkolumne

Hier schreibt Fritz Vahrenholt seine monatliche Kolumne. In allgemeinverständlicher Form berichtet er über neue Entwicklungen aus den Klimawissenschaften – und natürlich von unserer lieben Sonne.

2.5.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die globale Mitteltemperatur lag im April 2020 erneut deutlich niedriger als im Februar und März  mit 0,38 °C oberhalb der Mittelwerts von 1981 bis 2010. Die durchschnittliche Temperaturerhöhung auf dem Globus von 1981 bis Februar 2020 betrug 0,14 °C pro Jahrzehnt. Die weitere Entwicklung verspricht interessant zu werden, zumal eine Reihe von Forschungsinstituten gegen Ende des Jahres mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer kühlenden La Nina im Pazifik rechnen. Die Sonnenaktivität des März war mit einer Sonnenfleckenzahl von 1,5 sehr niedrig.  Die Aktivität im April stieg leicht auf 5,4 an. Die ersten Sonnenflecken des neuen Zyklusses zeigen sich.

Was veranlasst die Sonne zu einem 11 jährigen Zyklus ?

Seit der Dessauer Apotheker Heinrich Samuel Schwabe 1843 entdeckte, dass die Sonnenflecken der Sonne in einem 11-jährigen Zyklus zu- und abnehmen, rätselt die Wissenschaft, woran es wohl liege, dass dieser Schwabe-Zyklus 11 Jahre dauert und warum in diesem Rhythmus auch das solare Magnetfeld seine Polarität wechselt : Der Nord- wird zum Südpol und umgekehrt.

Im Juli letzten Jahres, machten Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums in Dresden Rossendorf eine kaum beachtete, aber aufregende Entdeckung. Die Planeten Venus, Erde und Jupiter liegen alle 11,07 Jahre recht genau auf einer Linie. Zu diesem Zeitpunkt wirkt ihre Schwerkraft gemeinsam in eine Richtung auf die Sonne ein.

„Die Übereinstimmung ist erstaunlich genau: Wir sehen eine völlige Parallelität mit den Planeten über 90 Zyklen hinweg“, erklärt Frank Stefani, einer der Autoren der in Solar Physics veröffentlichten Publikation. Ähnlich wie die Anziehungskraft des Mondes die Gezeiten auf der Erde hervorruft, so könnten Planeten das heiße Plasma auf der Sonnenoberfläche verschieben. Doch der Effekt einer simplen Anziehungskraft ist zu schwach, um die Strömung im Sonneninneren signifikant zu stören, weswegen die zeitliche Koinzidenz lange nicht weiter beachtet wurde.

Die Forscher gehen nun davon aus, dass die Schichten des Plasmas einer Taylor-Instabilität unterworfen sind. Die Taylor-Instabilität ist bekannt aus dem Verhalten von unterschiedlich dichten Flüssigkeiten an ihrer Grenzfläche ( Wir kennen die Verwirbelungen, die entstehen, wenn man Milch in eine Tasse Tee eingiesst.)  Die Taylor-Instabilität reagiert dabei selbst auf sehr geringe Kräfte empfindlich. Ein kleiner Energieschub genügt, damit die Polarität des solaren Magnetfeldes alle 11 Jahre hin- und herpendeln. Den notwendigen Impuls hierfür könnte die Gezeitenwirkung der Planeten geben – und so letztendlich auch den Rhythmus vorgeben, in dem das Magnetfeld der Sonne umpolt.

Die Gezeitenkräfte der Planeten könnten neben ihrer Rolle als Taktgeber für den 11-Jahres-Zyklus auch weitere Effekte auf die Sonne haben. Zum Beispiel wäre denkbar, dass sie die Schichtung des Plasmas im Grenzbereich zwischen innerer Strahlungszone und äußerer Konvektionszone der Sonne, der Tachokline, so verändern, dass der magnetische Fluss leichter abgeführt werden kann. Unter diesen Bedingungen könnte sich auch die Stärke der Aktivitätszyklen verändern, so wie einst beim „Maunder Minimum“ die Sonnenaktivität über eine längere Phase deutlich zurückging, schreiben die Forscher auf der Webseite des Helmholtz-Zentrums. Es ist schon ein ungewöhnlicher Gedanke, dass die Aktivität der Sonne durch die Planeten, u.a. durch die Erde selbst, gesteuert werden. Das klingt nach Astrologie – ist aber der Stand der Sonnenforschung.

Einer der ersten Forscher, der eine Beeinflussung der Sonnenaktivität durch die Planeten annahm, war Theodor Landscheidt, der schon im Jahre 1988 in seinem Buch „Sun-Earth-Man“ die sinkende Stärke der Sonnenzyklen 22 und folgende vorhersagte. Er nahm allerdings einen anderen Mechanismus an, wonach die Planeten die Sonne aus dem Schwerpunkt (Barycenter) unseres Sonnensystems zyklisch verschieben. Landscheidt verstarb 2004.

Und auch in unserem Buch „Die kalte Sonne“ hatten wir Prof. Nicola Scafetta zu einem eigenen Kapitel eingeladen, der schon damals die Konjunktion von Saturn und Jupiter als Ursache eines  60- jährigen Zyklus interpretierte. In einer im Februar 2020 in Solar Physics erschienen Publikation, bringt er die längerfristigen Schwingungen (Hallstatt -2400 Jahre ,Eddy – 1000 Jahre ,Suess-de Vries – 210 Jahre)  ebenfalls in Zusammenhang mit Einflüssen der schweren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Die Langfassung ist hier zugänglich.

Klimawissenschaftlich ist  es von höchster Bedeutung, herauszufinden, ob es  hier einen belastbaren Zusammenhang gibt. Denn der 1000 jährige Eddy-Zyklus hat sich in den römischen, mittelalterlichen und modernen Wärmeperioden niedergeschlagen. Und der etwa 200 Jahre lange  Süss-de Vries Zyklus ist durch das Dalton Minimum um 1810 und ein Maximum um 1915 gekennzeichnet. Spannend  ist dies deswegen, weil der Eddy – Zyklus in diesem Jahrhundert sein Maximum verlässt und der Suess-de Vries – Zyklus sich seinem Minimum nähert. Insgesamt geht einher die Frage, wieviel trägt die Natur und wieviel trägt der Mensch zur Klimaänderung unserer Tage bei. Die Frage nach dem jeweiligen Anteil ist alles andere als beantwortet.

Herzlichst Ihr

Fritz Vahrenholt

————————

19.4.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die globale Mitteltemperatur lag im März 2020 deutlich niedriger als im Januar mit 0,48 °C oberhalb des Mittelwerts von 1981 bis 2010. Die durchschnittliche Temperaturerhöhung auf dem Globus von 1981 bis Februar 2020 bleibt nach wie vor bei  0,13 °C pro Jahrzehnt. Die Sonnenaktivität des Februars war mit einer Sonnenfleckenzahl von 1,5 sehr niedrig.

Unerwünschte Wahrheiten

Ich bitte um Verständnis, dass ich in diesem März-Bericht nicht auf aktuelle Ergebnisse aus der klimawissenschaftlichen Forschung eingehe. Sebastian Lüning und ich haben in den letzten Monaten sehr intensiv an der Erstellung eines neues Buches gearbeitet. Wir haben das Manuskript an diesem Wochenende an den Verlag Langen-Müller abgegeben. Das Buch wird dort Ende September mit dem Titel „Unerwünschte Wahrheiten“ erscheinen.

Wir haben in dem Buch die wichtigsten 50 Fragen und Sachverhalte zur Klimadebatte zusammengestellt, damit sich jeder das Wissen aneignen kann, das es ihm ermöglicht, sich an der für die weitere gesellschaftliche Entwicklung so entscheidenden politischen Debatte über Tempo, Art und Ausmaß von Klimaschutzmaßnahmen konstruktiv, faktenorientiert und selbstbewusst zu beteiligen. Wir haben hierzu 2300 wissenschaftliche Publikationen verarbeitet.

Warum „Unerwünschte Wahrheiten“? Die Bundeskanzlerin hat in Davos gefordert, dass Mainstream-Wissenschaftler und ihre Kritiker miteinander diskutieren sollen. Dieser Diskurs findet aber nicht statt. Diejenigen werden ausgegegrenzt, die in der Klimapolitik die tagtäglichen unzulässigen Vereinfachungen, Übertreibungen, Vernachlässigen von Zusammenhängen, verantwortungslose Zuspitzungen kritisieren. Sie werden als angebliche Klimaleugner gebrandmarkt und isoliert. Eine Politik, die ihre Kritiker nicht anhört, begeht einen schwerwiegenden Fehler. Eine Gesellschaft, in der die Mehrheit der Menschen der Auffassung ist, man kann nicht mehr sagen, was man denkt, verspielt den Pluralismus und ihre zukunftsfähige Offenheit. Und deswegen hoffen wir auf viele Leser des Buches und eine breite Debatte.

Herzlichst Ihr

Fritz Vahrenholt

————————

8.3.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die globale Mitteltemperatur lag im Februar 2020 deutlich höher als im Januar mit 0,76 °C oberhalb des Mittelwerts von 1981 bis 2010.  Die Erwärmung fand überwiegend auf der Nordhemisphäre statt, und zwar insbesondere in Europa und Russland. Demgegenüber konzentrierte sich die Kälte auf die Arktis. Die bislang vorliegenden Märztemperaturen zeigen sowohl in der Nord- als auch in der Südhemisphäre einen Rückgang. Die durchschnittliche Temperaturerhöhung auf dem Globus von 1981 bis Februar 2020, bleibt nach wie vor bei  0,13 °C pro Jahrzehnt. Die Sonnenaktivität des Februars lag mit einer Sonnenfleckenzahl von 0,4 sehr niedrig.

Wie wird sich das Klima von 2020 bis 2050 entwickeln ?

Obwohl sich die Diskussion über die Klimaprognosen des IPCC im wesentlichen über die Temperaturentwicklung bis 2100 erstreckt, ist die Beschäftigung der Entwicklung der nächsten 30 Jahre von viel größerer Bedeutung. In dieser Zeit werden die politischen Ziele der CO2 Minderung gesetzt. Die Strukturentscheidungen und finanziellen Rahmenbedingungen darüber , wie wir uns mit Energie versorgen wollen, fallen in diesem Zeitraum. Überraschungen hinsichtlich der Temperaturentwicklung werden die politischen Entscheidungen stark beeinflussen. Judith Curry , ehemals Professorin für Geo- und Atmosphärenwissenschaften am Georgia Institute of Technology, hat sich mit der vor uns liegenden Temperaturentwicklung  von 2020 bis 2050 beschäftigt.

Sie legte für ihre Betrachtung das IPCC-Szenario RCP 4.5 zugrunde, das einem Entwicklungspfad entspricht, der die Erfüllung des Pariser Abkommens zur Grundlage hat. Danach steigen die CO2-Emissionen bis 2050  immer weniger an, um nach 2050 bis 2100 auf die Hälfte der heutigen Emsisonen abzufallen. Die Temperaturantwort berechnet Curry dem 5. Sachstandsbericht des IPCC zufolge mit einer Bandbreite von 0,52 bis 0,7 Grad bis 2050. Da dieser Wert durch wenig überzeugende Modelle berechnet wurde, stellt Curry diesem IPCC- Wert den von ihr und Lewis ermittelten Wert einer Temperatursteigerung von 0,35 °C gegenüber.

Nun muss man feststellen, dass dies die zu erwartenden Werte sind, wenn der Sonneneinfluss nahezu Null ist, keine Vulkane stattfinden und die AMO ebenfalls einen Einfluss von Null hat. Tatsächlich berechnet das IPCC den Sonneneinfluss bis 2100  auf der Basis des 23. Solarzyklus, der immerhin der drittstärkste Solarzyklus seit 1850  war. Der jetzige 24. Zyklus ist der schwächste seit 1850. Und wir können davon ausgehen, dass der 25. ebenso schwach sein wird. Das IPCC tut in seinen Modellberechnungen so, als ob die Solarzyklen so stark bleiben werden  wie der 23. Selbst Rahmstorf und Feulner hatten in einer Publikation aus dem Jahre 2010 einen Effekt von -0,1 bis -0,26 °C im Falle einer solaren Abschwächung eingeräumt. Dabei sind nicht einmal stärkere Effekte aus der Veränderung des Magnetfeldes und einer Wolkenveränderung (Svensmark-Effekt) berücksichtigt. So nimmt also Curry konservativ für die solaren Effekte -0,1 bis – 0,26°C an.

Hinsichtlich der vulkanischen Eruptionen und der damit verbundenen Abkühlung sehen die Modelle ebenso keinen Effekt im Verlaufe des 21. Jahrhunderts vor. Aber es gibt eine statistische Erwartung von Vulkaneruptionen bis 2050, indem man einfach die Statistik des letzten Jahrhunderts zugrundelegt. Curry nimmt daher einen Effekt von -0,12°C Temperaturrückgang für diesen Effekt an. Den größten Effekt hat die Nichtberücksichtigung der atlantischen multidekadischen Oszillation, die wir hier schon seit Jahren beschreiben.

Der AMO-Index zeigt, dass der Absturz der atlantischen Temperaturen mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren zu erwarten ist. Seit dem letzten Phasenwechsel von 1995 sind 25 Jahre vergangen. Curry berücksichtigt daher in ihrem semi-empirischen Ansatz eine Abkühlung von -0,2 bis -0,3 °C bis 2050. Natürlich wird in der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts die AMO wieder in die positive Phase zurückschwingen, aber bis 2050 muss dieser Effekt als Abkühlung berücksichtigt werden. Curry kommt insgesamt zu folgendem Ergebnis:

Wenn alle Abkühlungseffekte nicht eintreten und die stärkste CO2 -Wirkung zugrundegelegt wird, erwärmt sich der Globus um 0,7 °C bis 2050. Im mittleren moderaten Fall, kommt es zu kaum einer Erwärmung. Sollten die von Curry und Lewis ermittelte CO2-Wirkung von 0,35 °C mit allen kühlenden Effekten zusammenkommen, kommt Curry zu einer Abkühlung von -0,5 °C.

Was das Ausbleiben einer Erwärmung – um beim mittleren Fall zu bleiben – für politische Konsequenzen hat, kann man sich leicht ausmalen. Diese Unwägbarkeiten ist den meisten Klimaforschern bewusst. Aber keiner von Ihnen wagt es ihren Zauberlehrlingen von Fridays for future zu widersprechen und sie daraufhinzuweisen : es könnte auch sein, dass in den nächsten 30 Jahren gar nichts passiert. Schliesslich leben die Alarmisten in Verbänden und Politik davon, dass schon in den nächsten 12 Jahren das Ende der Menschheit droht, wenn nicht sofort gehandelt wird. Das könnte spannend werden, wenn trotz steigender CO2 Emissionen – und dafür sorgen schon allein Indien und China – die Erwärmung bis 2050 ausbleibt.

Herzlichst Ihr

Fritz Vahrenholt

————————

15.2.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die globale Mitteltemperatur lag im Januar 2020 wie im Dezember 2019 um 0,56 °C oberhalb des Mittelwerts von 1981 bis 2010. Die durchschnittliche Temperaturerhöhung auf dem Globus in diesem Zeitraum war 0,13 °C pro Jahrzehnt. Die Sonnenaktivität des Januars lag mit einer Sonnenfleckenzahl von 6,4 deutlich höher als im Dezember.

Überraschung aus der Arktis

Vor wenigen Tagen veröffentliche eine internationale Forschergruppe aus den USA,Kanada und der Schweiz um Lorenzo Polvani von der Columbia University (New York) eine aufsehenerregende Untersuchung in Nature climate change, die einen großen Teil der Erwärmung des 20. Jahrhunderts den FCKW zuweist.(„Substantial twentieth-century Arctic warming caused by ozone-depleting substances„). Die Forscher berechnen unter Zuhilfenahme von 10 Klimamodellen die globale wie auch die arktische Temperaturentwicklung, einmal mit FCKW in der Atmosphäre und einmal ohne.

Die globalen Temperaturen erhöhen sich danach von 1955 bis 2005 mit FCKW um 0,59 °C und ohne FCKW um 0,39 °C. Ein Drittel  der Erwärmung ist also nicht vom CO2, sondern von den FCKW verursacht worden. Rechnet man die für das CO2 verbliebene Erwärmung auf die fünf Jahrzehnte um, so bleibt eine durchschnittliche Erwärmung von 0,08 °C pro Jahrzehnt übrig. Nicht gerade viel.

FCKW haben einen 19000-23000 mal stärkeren Erwärmungsantrieb als CO2. In der Arktis wirkten sich die FCKW in den Modellrechnungen noch deutlicher aus. Dort ist ja bekanntermaßen die Erwärmung von 1955 bis 2005  stärker als im globalen Maßstab ausgefallen, in den Modellen um 1,59 °C. Ohne FCKW, so Polvani, hätte der Anstieg nur 0,82°C, also nur die Hälfte betragen. Gleiches gilt für das Meereis. Die Hälfte des Rückgangs der Fläche des arktischen Meereises im September ( der jeweils geringsten Ausdehnung des arktischen Meereises) ist demnach auf FCKW zurückzuführen. Anders herum : nur maximal die Hälfte der Erwärmung und des Rückgangs des Meereises kann dem CO2 zugeordnet werden. Die Autoren kommen zum Schluss, dass durch den Rückgang der FCKW in der Luft auf Grund des Verbots der Substanzen die Erwärmung und der Rückgang des Eises zukünftig substanziell entschärft werden.

Interessant ist, dass diese klaren Schlussfolgerungen Wissenschaftler des mainstreams auf den Plan riefen. Piers Forster von der University of Leeds und John Fyfe von der kanadischen Universität Victoria forderten die Autoren auf, den Satz in der Schlussfolgerung von  „FCKW  produzieren 1/3 der globalen Erwärmung und die Hälfte der arktischen Klimaveränderung“ zu ändern in „FCKW ist ein wichtiger Beitrag im globalen Klimasystem, insbesondere in der Arktis.“ Die Zahlen bleiben bestehen, aber die Deutung wird vernebelt, weil es zu viel Aufsehen erregen würde. So funktioniert heute das Framing von Klimawissenschaft.

Die AMO und das Meereis

Aber nicht nur anthropogene Einflüsse haben dem Meereis in der  Arktis in den letzten 30 Jahren zugesetzt.

Die Ausdehnung des arktischen Eises liegt im September in den 80er Jahren  noch konstant zwischen 7 und 8 Millionen km², fällt in den 90er Jahren leicht ab, dann folgt ein starker Rückgang bis 2012 und ab 2012 scheint die Eisausdehnung einen Boden gefunden zu haben (Quelle: Dänisches Meteorologisches Institut). Betrachtet man den Verlauf der atlantischen Oszillation AMO, deren Temperaturschwankungen sich besonders im Nordatlantik auswirken, so sieht man eine auffällige Parallelität zur Entwicklung des arktischen Meereises. Die AMO befand sich von 1965 bis 1995 in einer kalten Phase und hat in der jetzigen Dekade ihr Maximum erreicht. Wenn wir mit dieser Annahme richtig liegen, wird sich die Situation des arktischen Meereises in den nächsten Jahren deutlich stabilisieren und verbessern. Eine gute Nachricht, – für Alarmisten ein Kipppunkt in die falsche Richtung.

Die Atlantische Multidekadische Oszillation (AMO) hat sich von 1980 bis 2010 von -0,3 Grad C auf +0,2 Grad C erwärmt. Da nun die FCKW durch deren Rückgang immer weniger zur Erwärmung beitragen, bleibt nicht viel übrig für das CO2, um dem arktischen Meereis zuzusetzen. Spannende Zeiten.

Herzlichst Ihr

Fritz Vahrenholt

————————

21.1.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die globale Mitteltemperatur lag im Dezember um 0,56 °C oberhalb der Mittelwerts von 1981 bis 2010. Die durchschnittliche Temperaturerhöhung auf dem Globus in diesem Zeitraum war 0,13 C pro Jahrzehnt. Die Sonnenaktivität des Dezembers lag mit einer Sonnenfleckenzahl von 1,6 leicht höher als im November. Vergleichbar geringe Sonnenaktivitäten hatten wir vor 200 Jahren mit dem Dalton-Minimum.

Fortschritte der Klimawissenschaft

Wie wir in der obigen Grafik sehen, ist die Temperatur in den letzten zwanzig Jahren um etwa 0,5 Grad angestiegen. Das wird häufig in Politik und Medien als Hinweis auf eine kritische Entwicklung angesehen. Da hilft es, wenn man die Veränderung der Energiebilanz der Erde in den letzten 20 Jahren näher untersucht. Das  haben Steven Dewitte vom Königlich Belgischen Meteorologischen Institut und Co-Autoren kürzlich gemacht. Es lohnt sich die Arbeit anzuschauen. Sie werteten die Messungen der auf die Erde einfallenden Strahlung der Sonne und die der ausgehenden Strahlung aus.

Die Arbeit basiert auf den Daten der Satelittenmission CERES (Cloud’s and the Earth’s Radiant Energy System) der NASA. Die Satelitten messen die Strahlung von der Sonne ( in der Abbildung lila) und die gesamte ausgehende  Strahlung TOR (total outgoing radiation in grün), die sich zusammensetzt aus der von der Erde ausgehenden langwelligen, durch die Treibhausgase abgeschwächten Strahlung  und der von Wolken und Aerosolen reflektierten Strahlung.

Interessanterweise sieht man einen leichten Rückgang der solaren Strahlung von 2000 bis heute von etwa 0,25 W/m², die der zurückgehenden Sonnenaktivität in den letzten beiden Sonnenzyklen geschuldet ist. Die Differenz der Komponenten der ausgehenden Strahlung bleiben über den Zeitraum mit Schwankungen konstant.

Subtrahiert man die beiden Kurven, ergibt sich die Energiebilanz der Erde EEI (im nächsten Diagramm lila). Sie  ist die Summe der eingehenden Strahlung und der ausgehenden Strahlung an der Grenze der Atmosphäre (Top of the atmosphere TOA).

Und diese Energiebilanz EEI (in lila)  nimmt  leicht ab (Mittelwert grün). Die Energiebilanz ist eine bedeutende Größe: Überschreitet die ausgehende Strahlung die eingehende, so kühlt das System ab, im anderen Fall erwärmt es sich. In Zeiten von Erwärmung der Erde und stark steigenden Treibhausgasen sollte man also eine steigende positive Bilanz erwarten: Es kommt immer mehr Leistung pro m² an, als die Erde abstrahlt. Die Satelittenmessungen zeigen überraschenderweise , dass sich die Erde zwar erwärmt, aber die Erwärmung in den letzten 20 Jahren leicht abnimmt. Das bringen auch die Autoren zum Ausdruck :“„At first sight it seems surprising that the EEI is decreasing during a period of continued greenhouse gas emission”.

Frank Bosse ging einen Schritt weiter. Wenn das Energiebudget der Erde nicht weiter zunimmt (eher sogar leicht abnimmt), dann bildete die beobachtete Temperaturerhöhung durch die Klimaantriebe in den entsprechenden Jahren den Gleichgewichtszustand ab, es würde  die Klimasensitivität ECS, also die „Equilibrium Climate Sensitivity“, sichtbar werden.

Mit einer geeigneten Technik ermittelte er die ECS aus den vorliegenden EEI-Daten, den Temperaturdaten und den CO2-Daten der letzten 20 Jahre und kam zum Ergebnis : die ECS ist 1,7 °Celsius. Das bedeutet, bei einer Verdopplung des CO2- Gehaltes erwärmt sich das Klimasystem nur um 1,7°C bis zum Gleichgewicht. Man muss einschränkend darauf hinweisen, dass der zur Verfügung stehende  Zeitraum von 1998 bis 2018  kurz ist, denn bei Klimaberechnungen legt man Wert auf eine mindestens 30-jährige Zeitspanne.

Den fast genau gleichen Wert (1,66 °C) hatten Nic Lewis und Judy Curry schon aus Langzeituntersuchungen der Temperaturen und Antriebe unter Berücksichtigung der Wärmeinhaltsänderung der Ozeane (OHC für „Ocean Heat Content“) gefunden. Auch Roy Spencer konnte die ECS auf einem unabhängigem Weg bestimmen: 1,7°C !

Es gibt „multiple lines of evidence“ der Beobachtungen, dass der Wert für die ECS in diesem Bereich liegt und nicht bei 3,2°C, wie es der 5. Sachstandbericht des IPCC 2013 (AR5) aus den entsprechenden Modellen (CMIP5) ableitete, oder gar bei 4°C, wie es die „verbesserten“ Modelle CMIP6 für den nächsten Sachstandsbericht vermuten lassen.

Was bedeutet das für unser Handeln ?

Eine Klimasensitivität des CO2 von 1,7 bedeutet, dass sich bei einer Verdoppelung des CO2 -Gehalts der Atmosphäre – von 280 ppm im Jahre 1860 auf 560 ppm in 2100 – lediglich eine Erwärmung von 1,7 Grad einstellt. Damit landet man im Korridor des Pariser Abkommens zwischen 1,5 und 2,0 Grad in diesem Jahrhundert. 560 ppm erreicht man nämlich, wenn zu den heutigen 410 ppm noch 150 ppm hinzukommen. Bei einer jährlichen Zunahme um die heute erreichten 2 ppm landen wir also in 75 Jahren, also 2095, bei 560 ppm. Wir sollten daher alle Anstrengungen unternehmen, dass es zu keinem größeren Zuwachs kommt und nach 2095 nichts mehr hinzukommt.

Im Augenblick steigen allerdings die Zuwächse weltweit, insbesondere in China. Chinas CO2 -Emissionen steigen weiter, in 2018 und 2019 um 2,3 bzw. 4 %. Es sind 245 GW Kohlekraftwerke bis 2030 geplant ( so die Erklärung Chinas zum Pariser Abkommen) und 102 GW Kohlekraftwerke weltweit werden durch China finanziert ( das allein ist zweimal so groß wie der deutsche Kohlekraftwerkspark).

Der Schlüssel zur Einhaltung von 560 ppm und damit des Pariser Ziels liegt nicht in Deutschland. 2035 wird der Peak in China erreicht sein und man wird dann in China mehr als dreimal die deutschen Gesamtemissionen von heute hinzuaddiert haben und selbst pro Kopf deutlich vor Deutschland liegen. Das interessiert die Machthaber dort aber nicht die Bohne. Die schauen sich den deutschen industriepolitischen Harakiri -Kurs mit Interesse an. Etwa, dass nun die Grünen die Nichtinbetriebnahme des letzten, aber modernsten Kohlekraftwerks in der Welt, Datteln, fordern.“Die Inbetriebnahme eines neuen Kohlekraftwerks und das weitere Abbaggern von Dörfern lässt sich weder national noch international erklären», sagte Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter der Deutschen Presse-Agentur.

Vielleicht lässt sich das national nicht mehr erklären, international schon.

Es grüßt Sie
herzlich
Ihr Fritz Vahrenholt

———————————————————————

Frühere Rundbriefe, mit Angabe des besprochenen Sonnenmonats:

2019

August-Dezember 2019: Alle Kolumnen hier

Juli 2019: Die Erde wird grüner und die ausbleibende Katastrophe

Juni 2019: Die Muster der Erwärmung

Mai 2019: Die steigende Wetterfühligkeit von Klima-Aktivisten

April 2019: Der 4600  Milliarden Flop

März 2019: Eine Umweltsünde im Namen des Klimas

Februar 2019: Ein neues Klimamodell, das nichts taugt

Januar 2019: Eine Klima-Hitzewelle

2018

Dezember 2018: Klimatische Überraschungen

November 2018: Die Sache mit der „Pause“ oder dem „Hiatus“

September & Oktober 2018: Arktisches Meereis, Ozeanerwärmung und Neues von Wolken

August 2018: Atmosphärische Konflikte

Juli 2018: Ein heißer Sommer

Juni 2018: Das arktische Klima

Mai 2018: antarktische Alpträume

April 2018: Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2 und die Kohlekommission

März 2018: Neues über die Treibhausgase

Februar 2018: Der Status der Ozeane

Januar 2018: Der Koalitionsvertrag

2017

Dezember 2017: Klima-Wetter

November 2017: Neues über Aerosole

Oktober 2017: Das Christmädchen steht vor der Tür

September 2017: Der Rückgang des arktischen Meereises kommt zum Erliegen

August 2017: Hurrikane zwischen Propaganda und Wissenschaft

Juli 2017: CO2-Klimasensitivität sackt in neuer Arbeit dramatisch ab

Juni 2017: Modelharakiri

Mai 2017: Der Iris-Effekt

April 2017: Antarktische Blütenträume

März 2017: Eine ENSO-Nachlese

Februar 2017: Das antarktische Meereis

Januar 2017: „Pause“ oder nicht?

2016

Dezember 2016: Eine Vorschau

November 2016: Modellannäherungen an die Realität

Oktober 2016: Die Ozeane im „Klima“-Modell und der Realität

September 2016: Ein Rückblick auf die arktische Schmelzsaison

August 2016: Die Wirkung der Sonne auf Wolken

Juli 2016: Die Sache mit der AMO

Juni und Mai 2016: Die Entwicklung der Temperaturen nach dem El Nino

April 2016: El Nino-klimatisch

März 2016: Ein versiegender El Nino und die berüchtigten „Tipping Points“

Februar 2016: Die aktuellen Wärmerekorde

Januar 2016: Rekorde und Ozeanströmungen: Der Golfstrom bleibt stabil!

2015

Dezember 2015: Klimamodell-Kopfstände in der Antarktis

November 2015: Modellgeflüster (Teil 1)

Oktober 2015: Fußgängerampeln in New York

September 2015: Ein Bericht zum Wissensstand vor der Pariser Klimakonferenz

August 2015: Der klimatische UV-Verstärker in der Stratosphäre

Juli 2015: Neues auf dem Wege nach Paris

Juni 2015: Neues Maunder-Minimum angekündigt. Droht eine Neuauflage der Kleinen Eiszeit?

Mai 2015: Atlantikwellen

April 2015: Sonnenzyklus

März 2015: Eiszeitvisionen

Februar 2015: Die Validierung von Klimamodellen

Januar 2015: Atlantische Prognosen

2014

Dezember 2014: Eine aufschlussreiche Arbeit zum Temperaturantrieb

November 2014: Modell-Kuriositäten

Oktober 2014: Die Annäherung der Klimaforschung an die Realitäten

September 2014: Achtung, X-Flares!

August 2014: Die interne Variabilität des Klimas und neueste Nachrichten über das arktische Eis

Juli 2014: Das arktische Eis im Hochsommer

Juni 2014: Aktuelles von Land und Wasser

Mai 2014: Wärme aus dem Meer

April und März 2014: Was uns die Ozeane bis zum Jahresende bescheren könnten

Februar 2014: Wird die nordatlantische Variabilität schon seit langem von der Sonnenaktivität bestimmt?

Januar 2014: Neues vom polaren Sonnenfeld

2013

Dezember 2013: Ein Aufleben

November 2013: Sie werden noch etwas Gefrierschutzmittel nachfüllen müssen

Oktober 2013: Minima voraus!

September 2013: Spektrale Fortschritte

August 2013: Wissenschaft bei der Arbeit

Juli 2013: Aktuelles und ein wenig Statistik

Juni 2013: Auf dem Weg in ein großes Minimum? Neue Arbeit zu den möglichen Folgen

Mai 2013: Neuigkeiten zum Klimaeinfluss durch kosmische Strahlung

April 2013: Polt jetzt der Südpol um?

März und Februar 2013: Wer ist Schuld am Kältewinter?

Januar 2013: Aktivität bleibt ungewöhnlich niedrig

Dezember 2012: Sonne nur ein Drittel so aktiv wie im Durchschnitt

November 2012: Die Sonne im November 2012