ZDF-Wettermoderator Özden Terli in der Kritik: Täuschte er die Zuschauer beim historischen Klima mit einem Taschenspielertrick?

Stahlproduktion mittels Wasserstoff. Das klingt zunächst einmal gut. Solcher Stahl hätte Stand jetzt aber keine Chance auf dem Weltmarkt. Das Handelsblatt beschreibt die Situation. Es ist absehbar gar nicht genügend Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien vorhanden und beim Thema Kosten schlagen die Wirkungsradverluste unbarmherzig zu. Stahleisen.de beschreibt die Herausforderung bei der Reduzierung von CO2 während der Gewinnung von Stahl. Möglicherweise entsteht hier eine neue Spielwiese für Subventionen.

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Anna Veronika Wendland, die zusammen mit Rainer Mormann einen Kommentar in der Zeit zum Atomausstieg geschrieben hat (wir berichteten) nimmt sich auf Salonkolumnisten der Fridays For Future Bewegung an. Ganz besonders hat es der Autorin Luisa Neubauer angetan, die neuerdings beim Thema Klima einen Generationenkonflikt beschwört, inkl. pauschaler Abwertung des Alters.

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Spitzbergen galt als das neue Sibirien, was die dortigen Temperaturen und entsprechende Meldungen anging. Zeit einmal zu sehen, was das Wetter im Nordmeer macht am 06.08.2020. Die Temperaturen bewegen sich in einem Bereich, der für die Inselgruppe normal ist im Hochsommer. Leider ist das kaum eine Meldung wert. Warum auch? Wetter ist kein Klima.

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Nach dem Diesel kommt jetzt Nordstream 2 an die Reihe, jedenfalls bei der deutschen Umwelthilfe. Der fiel nach über 90% Fertigstellung ein, dass Methan austreten könnte aus der Leitung. Nun wird vor dem Oberverwaltungsgericht in Greifswald geklagt. Verwaltungsgerichte entscheiden aber in erster Linie, ob der Rechtsweg eingehalten wurde bei Planung und Umsetzung. Der Spiegel berichtet.

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Desinformation beim ZDF? Der ZDF Meteorologe Özden Terli war schon einige Mal Thema in diesem Blog. Nun hat sich Axel Bojanowski von der Welt einen Wetterbericht bzw. eine Grafik etwas genauer angesehen, die Terli am 24.07.2020 präsentierte. Der Artikel steht hinter einer Paywall, es lohnt sich aber das Geld zu investieren. Zentrum der Betrachtung ist eine Grafik, die vom PIK stammt. Sie zeigt eine Hockey Stick-Temperaturkurve und soll Dramatik ausdrücken. Auszug aus dem Artikel in der Welt:

Der Wetterbericht des „Heute Journal“ im ZDF am 24. Juli wartete mit einer vermeintlichen Sensation auf. Moderator Özden Terli präsentierte eine Grafik, die den Verlauf der globalen Durchschnittstemperatur seit der Eiszeit zeigen sollte. Zunächst habe sich „die Erwärmung sehr langsam vollzogen“, erklärte Terli, „und dann war es lange Zeit stabil“. Plötzlich aber, seit etwa 1900, machte die Temperatur „einen Sprung nach oben“.

Die Grafik zeigte einen fast senkrechten roten Strich, dessen Spitze sämtliche Temperaturen seit der Eiszeit weit überragte. „Dieser Sprung ist schon enorm“, sagte Terli. Dem Millionenpublikum der Sendung wurde gezeigt, dass die Gegenwart wärmer wäre als die gesamte restliche Zeit menschlicher Zivilisation. Die Erkenntnis konnte nur eine wissenschaftliche Sensation sein, oder eine Ente.

Bojanowski befragte mehrere Experten dazu und die Reaktionen sprechen Bände, weil die Grafik zwei Dinge geschickt miteinander vermischt hat, nämlich geglättete Durchschnittswerte aus der Vergangenheit mit gemessenen aktuellen Werten. Schwankungen in der Vergangenheit sind dann nicht mehr zu erkennen. Das Urteil der Experten war einhellig: Das ist unseriös. Bojanowski analysiert:

Die Grafik war ein Taschenspieltrick: Die steile rote Linie am Ende war nicht vergleichbar mit den Daten in der Zeit zuvor. Sie zeigte jährlich gemessene Durchschnittstemperaturen auf der Erde seit Ende des 19. Jahrhunderts. Für frühere Zeiten aber gibt es solch genaue Aufzeichnungen nicht. Die meisten Zeiten der Zivilisationsgeschichte lassen sich nur mit Durchschnittswerten darstellen. 

Häufig gibt es nur einen Temperaturwert für Hunderte Jahre, oder Daten wurden „geglättet“, also nur ihr Durchschnittswert dargestellt – kurzzeitige Erwärmungen oder Abkühlungen werden nicht gezeigt. Um die Zeit von der Industrialisierung bis heute (der steile rote Strich) mit den Daten der restlichen Zeit vergleichbar zu machen, dürfte sie also lediglich als ein Punkt dargestellt werden, der die Durchschnittstemperatur von 1900 bis heute zeigt – der rote Strich wäre nur ein unauffälliger Punkt.

Und weil Bojanowski schon mal dabei war, kann auch das Thema Dürre noch einmal vor. Die führte Terli in einem Wetterbericht auf Veränderungen im Klimasystem zurück. Allerdings ohne auf weitere Quellen einzugehen. Vielleicht wäre dem Wettermann dann aufgefallen, dass die Jahres-Niederschläge in Deutschland in den letzten 120 Jahren zugenommen haben… Es ist erstaunlich, dass die Leiterin des ZDF Wetter, Katka Horneffer, Özden Terli diese Einschübe beim Wetterbericht immer wieder gestattet.

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Ausgerechnet das Musterland in Sachen Klimapolitik Dänemark gerät wegen seines Holzverbrauchs in die Kritik. Das waldarme Land importiert nämlich Holz, damit es in Kaminöfen und Kraftwerken verbrannt werden kann.

„Dänemark gehört zu den europäischen Ländern, in denen am meisten Holz zur Erzeugung von Energie verwendet wird. Die Dänen lieben ihre Kaminöfen. Und was an Energieholz nicht da verbrannt wird, landet in den Fernwärmewerken. Knapp zwei Drittel der erneuerbaren Energieproduktion des Landes beruht auf der Verbrennung von vorwiegend Holzbiomasse, nur das restliche Drittel liefern Wind und Sonne.“

Leidtragende sind Länder wie Estland, deren Wälder für die dänische Gemütlichkeit und das Narrativ, das es sich bei Holz um CO2-freies Verbrennen handelt, geopfert werden. Die TAZ berichtet über einen offenen Brief von Wissenschaftler und Naturschutzorganisationen an das dänische Parlament.

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Tragisch: Eine Wissenschaftlerin versteht Satire nicht

Die ARD Universal-Wissenschafts-Waffe Mai Thi Nguyen-Kim, kurz Mai, schaltet sich in den Fall Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Dieter Nuhr ein. Mai, studierte Chemikerin, ist mittlerweile auch eine Corona Expertin. Sie hat zum Thema DFG/Nuhr ein 20 minütiges Video erstellt, das noch vor der Rückkehr des Nuhr Beitrags auf der DFG Seite erschien. Es ist insofern nicht der letzte Stand der Dinge. Mai ist vergleichbar mit dem Universalgenie des ZDF Harald Lesch. Die Chemikerin weiß eigentlich in jedem Wissenschaftsgebiet Bescheid. Sollte Lesch als Telefonjoker bei der letzten Frage als Kandidat bei „Wer wird Millionär“ mal nicht erreichbar sein, Mai wäre eine gute Alternative.

Man merkt der jungen Wissenschaftlerin sofort an, dass sie Dieter Nuhr nicht mag, das kann sie nur schwer verbergen. Eines scheint sie allerdings nicht verstanden zu haben: Nuhr ist kein Wissenschaftler. Wenn er als Kabarettist Dinge überspitzt, dann ist das seine Aufgabe. So geschehen, als er über eine Meldung berichtet, die Rauchern bessere Chancen einräumt kein Corona zu bekommen oder nicht daran zu sterben. (99% aller Corona Toten sind Nichtraucher). Nuhr stellt sich dann qualmende Kinder und Erzieher in Kindergärten vor, die sich dadurch vor dem Virus schützen. Das ist eine klar erkennbare Überspitzung.


Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt das ernst – das hat Mai gemacht – oder man erkennt, dass Nuhr hier Satire betreibt, nämlich etwas mit dem Mittel der Übertreibung aufs Korn nimmt. Mai hingegen wirft Nuhr vor, dass er die Schlagzeile für bare Münze genommen hat. Nein, das hat er keineswegs. Er macht sich im Gegenteil lustig darüber. Eigentlich zeigt sich bei diesem absurden Beispiel, dass Wissenschaft (die Schlagzeile beruft sich auf eine wissenschaftliche Studie) eben keine Wahrheiten erzeugt. Der ominöse Raucherslogan nennt sich wissenschaftlich, aber dadurch ist er noch lange nicht wahr. Nuhr zitiert auch die Studie nicht direkt sondern die Schlagzeile einer Zeitung. Mai bellt also auch noch den falschen Baum an.

Aber interessant ist dann eben doch, dass auch Mai immer wieder den Bogen zum Klima schafft. Offenbar hat sie Nuhr nicht verziehen, dass er auch Greta thematisiert und nicht für deren Aufforderung zur Panik plädiert. Sie spricht auch immer wieder vom wissenschaftlichen Konsens. Da wären wir aber wieder bei den berühmten 95% (die mittlerweile 100% sind) der Wissenschaftler, die alle bestätigen, dass ausschließlich der Mensch die Ursache des Klimawandels ist. Hätte sie da vielleicht mal „nachgeforscht“, dann hätte sie auch gesehen, wie „wissenschaftlich“ diese Zahlen ermittelt wurden. Aber nachforschen ist vielleicht nicht ihre Stärke. Sie „glänzte“ schon beim Faktencheck des REZO CDU Video, als ihr etliche Patzer nicht auffielen und sie dem YouTuber die Absolution erteilte.

Insgesamt hinterlässt das Video einen gemischten Eindruck. Mai schafft es immerhin, ihre Zuschauer über ad hominem aufzuklären, aber sie kann ihre Abneigung gegen Nuhr nie verheimlichen. Am Ende kommt dann etwas Halbgares raus. Und eines hat die Chemikerin eindeutig noch nicht verstanden, das ist Satire. Sie witzelt zwar platt über den Nachnamen Nuhr, aber sie scheint nicht wirklich verstanden zu haben, was ein Kabarettist in seinem Beruf so macht. Sie will allen Ernstes am Ende Nuhr nicht anhand des Faktors Unterhaltung, sondern anhand der wissenschaftlichen Korrektheit bewerten. Tragisch, wieviel Mai missversteht. Aber möglicherweise könnte Nuhr ja Mais Youtube-Videos auf den Unterhaltungswert hin untersuchen. Das wäre doch mal was und es wäre in etwa genauso schräg.

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Showdown bei Nordstream 2. Nun drohen US-Senatoren den Betreibern des Hafens von Saßnitz auf Rügen. Dort lagern u. a. Teile der Pipeline. Rügen gehört zum Wahlkreis von Kanzlerin Merkel. An der Hafenbetreibergesellschaft ist auch die öffentliche Hand beteiligt.
Die FAZ berichtet.

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50% Anteil von erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland. Die Branche ist enttäuscht! Die FAZ beleuchtet die Situation um den Ausbau, auch in Europa. In Baden-Württemberg können sich Waldspaziergänger schon mal mit dem Gedanken vertraut machen, dass bald Windkraftanlagen in den Staatsforsten stehen.

„Laut Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) brauche es zudem mehr Windräder im Wald. „Ohne den Staatsforst werden wir uns sehr schwer tun, die Windkraft massiv auszubauen. Wir können es uns nicht leisten, unsere Wälder quasi auszuklammern, wenn wir neue Standorte suchen“, so Untersteller.“

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Offenbar bekommen es die Briten hin, ihre Energiewende deutlich günstiger zu gestalten als Deutschland. Philip Plickert von der FAZ fasst die Zahlen in einem Artikel zusammen. Das Vereinigte Königreich steigt zwar aus der Kohle aus und ersetzt diese teilweise durch Holz, gleichzeitig spielt Kernenergie dort immer noch eine große Rolle. Neue Anlagen sind in der Planung.

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Und nochmal Energiewende, dieses mal geht es um die Schweiz. Lukas Weber kommentiert den Schweizer Weg in der NZZ.

„Dessen ungeachtet ist unsere Stromversorgung heute grossen und gänzlich unbeantworteten Herausforderungen ausgesetzt. Es drohen Strommangel und Stromausfälle, besonders im Winter, wenn die Nachfrage hoch und die erneuerbare Produktion gering ist. Unsere Nachbarländer, die ebenfalls eine Energiewendepolitik verfolgen, sind immer weniger in der Lage, die ungenügende Produktion in der Schweiz durch Stromlieferungen auszugleichen, da sie zur selben Zeit unter Stromknappheit leiden und ihre gesicherten Produktionskapazitäten selbst abbauen.“