Die Bankrotterklärung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) feiert 100 jähriges Bestehen. Aus diesem Grund wurden verschiedene Prominente um ein Statement gebeten. Dazu gehörte auch der Kabarettist Dieter Nuhr. Der sprach einen kleinen Text ein, den er verfasst hatte. Dieser lautete gemäß der Facebookseite von Nuhr so:

„Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100% sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben. Weil viele Menschen beleidigt sind, wenn Wissenschaftler ihre Meinung ändern: Nein, nein! Das ist normal! Wissenschaft ist gerade, DASS sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft „Folgt der Wissenschaft!“ hat das offensichtlich nicht begriffen. Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig.“

Zunächst bedankte sich die DFG für den Text. Am 30.07.2020 überlegte man es sich aber anders und entfernte den Text von der Webseite, nachdem er dort vorher zu sehen war. Vorangegangen waren offenbar Proteste gegen den Text, der auch nach mehrmaligem Lesen harmlos bleibt. Er muss aber vor allen Dingen Klimaaktivisten stark gereizt haben, die DFG unter Druck zu setzen. Diesem Druck gab die DFG nach. Nuhr versteht die Welt nicht mehr und macht nun seinerseits der DFG schwere Vorwürfe.

„Ich halte dies für mehr als alarmierend. Dass Kritik aufkommt, wenn ich mich äußere, erstaunt mich nicht weiter. Egal, was ich sage, sobald es im Netz öffentlich wird, gibt es organisierten Hass. Das ist offensichtlich eine im Netzwerk organisierte Kampagne, die mich als an der Meinungsbildung Beteiligten diskreditieren soll. Es ist offensichtlich, dass dies ideologisch begründet ist, da ich mich politisch kritisch gegenüber Linken UND Rechten äußere und mich immer wieder gegen jeden politischen Extremismus wende. Das empört linke wie rechte Fanatiker, und da ich immer wieder auch Religionskritik äußere, wird auch von religiöser Seite aus Kritik an mir geübt.“ […]

„Ich habe noch nie (!!!) wissenschaftsfeindlich argumentiert, bin im Gegenteil immer gegen den Missbrauch der Wissenschaft eingetreten. Ein Beispiel: Ich habe IMMER gesagt, dass ich die Friday-For-Future-Bewegung im Grunde für sympathisch halte, den Satz „Folgt der Wissenschaft“ aber für bedenklich halte, weil er suggeriert, es gäbe die eine, unantastbare Meinung und Lösungsstrategie für den Klimawandel, weil so die Wissenschaft zum Erlösungsnarrativ erklärt wird. Das ist das Gegenteil von Wissenschaft.“

Sollte nicht gerade eine nationale übergeordnete Gesellschaft aus dem Bereich Forschung und Wissenschaft verstehen, dass sowohl die Meinung als auch die Wissenschaft in einer freien Gesellschaft frei sein müssen?

Nuhr steht keinesfalls der Wissenschaft kritisch gegenüber, allerdings all denjenigen, die sie wie bei einer Religion für die absolute Wahrheit halten. Nuhr hat sich mehrfach in Sachen Klima gemeldet. So äußerte er sich 2015 über die Unfähigkeit von Klimamodellen, den Hiatus korrekt vorherzusagen. Irgendwie fühlt man sich an das Mittelalter zurück erinnert, wo bei unliebsamen Botschaften gern mal der Überbringer umgebracht wurde. Auch in seiner Jahresendsendung 2019 äußerte er sich nicht wissenschaftsfeindlich – im Gegenteil – und auch keineswegs feindlich der Klimabewegung gegenüber.

„Ich bin froh, dass es Greta gibt, und das meine ich völlig ohne Ironie. Sie war nicht nur für das Time Magazine, sondern auch für mich die Person des Jahres. Niemand hat diesem Jahr mehr seinen Stempel aufgedrückt- und das war gut so. Ich finde gut – und das habe ich immer so gesagt – dass ihr Thema jetzt endlich die Öffentlichkeit bekommt, die es verdient. Der Klimawandel ist das Problem der nächsten Jahre und Jahrzehnte und Greta sagt, folgt der Wissenschaft.“

Vermutlich ist der weitere Teil seines Vortrags, der den Klimaaktivisten die Zornesröte ins Gesicht treibt:

„Das tue ich und ich folge nicht nur der Klimawissenschaft, sondern auch der Wirtschaftswissenschaft und der Geschichtswissenschaft. Und diese Wissenschaften sagen mir, wenn wir das tun, was unsere Klimaaktivisten fordern, nämlich nicht weniger als die Abschaffung des globalisierten Welthandels, dann wird die Weltwirtschaft in eine Krise fallen, die Milliarden Menschen zurückwirft in die Armut. Und das werden die sich nicht gefallen lassen, denn dann kommt bei denen der Hunger zurück. Und ja, natürlich wird es dann auch Kriege geben um Ressourcen, um Nutzungsrechte, wenn wir Milliarden Menschen ihren frisch gewordenen Wohlstand wieder wegnehmen.“

Auf Twitter herrscht ein regelrechter Krieg um dieses Thema. Allen Ernstes wirft man einem Kabarettisten vor, „klima-leugnerische“ Thesen zu verbreiten. Nochmal zum Mitschreiben, der Mann ist kein Wissenschaftler. Er macht das, was man von einem Kabarettisten erwarten darf und kann, nämlich, sich mit aktuellen Themen zu beschäftigen und diese auch zu überspitzen. Sein großes „Vergehen“ war, dass es für ihn neben Klimawissenschaftlern aus Potsdam eben auch andere Wissenschaftler gibt, auf die er hört. Dass Klimamodelle sich irren können, ist bedauerlich, aber nicht die Schuld des Überbringers dieser Botschaft. Trotzdem wird Nuhr auf Twitter und Facebook auf das virtuelle Schafott geführt, so wie die beschriebenen Boten im Mittelalter. Daran beteiligen sich auch Medien wie die Süddeutsche Zeitung in einem Meinungsartikel. Was würde dessen Autor Felix Hütten wohl sagen, wenn sein Stück auf Druck von irgend jemandem von der SZ Seite entfernt wird? Es wäre das Pendant zu der Aktion der DFG.

Wir sind bei der öffentlichen Diskussion auf einem sehr bedenklichen und gefährlichen Weg und die, die es eigentlich erkennen müssten, befördern diesen Weg auch noch. Die DFG und auch die SZ sind traurige Beispiele dafür.

Siehe auch Beiträge auf Tichys Einblick und in der Welt sowie unseren Artikel „Scheidender DFG-Präsident fordert Klimawissenschaftler auf, abweichende Meinungen nicht zu unterdrücken„.