Die schreiende Stille der Medien

Jörg Kachelmann beschreibt diese Stille auf Twitter und er nimmt Bezug auf eine Temperaturmeldung der Antarktis-Station Vostock, die mit – 75 Grad Celsius einen neuen Kälterekord für den März 2020 meldet.

Es handelt sich lediglich um eine Momentaufnahme und auf der Südhalbkugel ist es Herbst, daher wahrscheinlich nicht einmal etwas Ungewöhnliches, wenn es dort auf den Winter zugeht. Aber wie gesagt, eine kurze Betrachtung eines Ereignisses, allerdings von den meisten Medien unbeachtet. Im Gegensatz dazu gingen die Meldungen von warmen Temperaturen in der Antarktis breit durch die Medien. Sonnenschirm- und Sonnenliegenhersteller witterten schon neue Geschäftsfelder. Dieser Blog widmete sich der Anomalie in diesem und diesem Artikel und erklärt auch die Hintergründe inkl. längerfristiger Temperaturbetrachtungen und warum es bei der geographischen Lage und dem Höhepunkt des Sommers in der Antarktis nicht ungewöhnlich ist.

Wetterextreme nur in eine Richtung zu publizieren, wenn das Ergebnis in die eigene Agenda passt, gehört mittlerweile zum Alltag. Wir erinnern hier an Özden Terli, der Temperatur-Anomalien Februar 2020 auf einer Weltkarte beim ZDF Wetter präsentierte. Ein eher eigenartiger Versuch, denn ohne jegliche Erklärung wie z. B. seine Kollegin Horneffer im Falle der Heuschreckenplage, ist das leider ohne Substanz. Darüber, dass Terli nicht einmal die NASA richtig benennen kann und von einer renommierten Behörde spricht, sehen wir einmal großzügig hinweg. Geographie ist nicht die Stärke des ZDF Wetterinärs.

Die Karte im Hintergrund suggeriert, dass es extreme Wärme (rot) gibt, es ist allerdings ein großer Unterschied, ob der Februar 2020 in Sibirien statt -30 Grad Celsius „nur noch“ – 18 Grad Celsius hatte, also 12 Grad über dem Mittelwert liegt oder 12 Grad Wärme herrschen. Aber darum ging es Terli wohl auch nicht sonst hätte er auch den tatsächlichen Mittelwert gezeigt.

Ein Blick auf die statistischen Februar-Werte für Yakutsk in Sibirien macht es noch etwas deutlicher.

Natürlich gab es im Februar 2020 eine Erwärmung gegenüber dem langjährigen Mittel, keine Frage, aber ohne entsprechende Erklärung wird eine ganz andere Botschaft vermittelt. Diese lautet: Sibirien taut gerade auf, was aber falsch ist, es ist dort immer noch sehr kalt, auch im Februar 2020 war das so.

Es gehören halt viele Aspekte dazu, um Entwicklungen bei einem komplexen Thema wie Klima einschätzen zu können. Dazu gehört auch die Schneedecke in der nördlichen Hemisphäre, diese erreicht z. B. gerade Rekordwerte und liegt deutlich über dem 30 Jahre Mittel. Dieses in Kombination mit den Temperaturanomalien wäre sicherlich interessant gewesen für einen Exkurs. Die Schneebedeckung ist ein wichtiger Faktor. Je mehr Schnee liegt und je später dieser im Jahr schmilzt desto größere Auswirkungen hat das u. a. auf Permafrostböden.

Große Teile Nordamerikas liegen unter Schnee, genauso wie asiatische Teil Russlands wie Ventusky am 28.03.2020 zeigt. Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme. Erst wenn sich solche Entwicklungen wiederholen und über einen längeren Zeitraum zu beobachten sind, haben sie eine Aussagekraft.

Zu solchen Erklärungen reicht es bei Meteorologen wie Özden Terli leider nicht. Lieber bedient er die eigene Agenda und das anekdotische Denken der Zuschauer. Weil es in Westeuropa einen milden Winter 2019/2020 mit wenig Schnee gab, muss es auf der ganzen Welt genauso sein. Es ist nachweislich nicht so, allerdings werden die wenigsten Zuschauer davon etwas erfahren. Leider.

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Grüne im Sinkflug

Wie schnell sich die Prioritäten verschieben, zeigt die Wahlumfrage von Forsa vom 26.03.2020. Bis zum Thema Corona war das Klima eindeutig beherrschend, was die Wählergunst anging. Ein Profiteur davon waren eindeutig die Grünen, die voll auf das Thema Klima gesetzt haben, aber bei anderen Dingen wie jetzt der Corona-Krise offenbar deutlich weniger wahrgenommen werden. Die Grünen verloren seit Anfang März 2020 fast 7% in der Wählergunst. Und wenn weiter lediglich untaugliche Vorschläge wie das Auswechseln der Heizungen (Robert Habeck) oder das unverschämte Lobbyieren (Oliver Krischer) kommen, dann könnte die Partei noch weiter verlieren. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass der Stillstand in Deutschland noch weiter gehen wird und mit fortschreitender Dauer werden die Werte für die handelnden Parteien steigen. Die Opposition hat wenig Möglichkeiten zu glänzen, sie kann eigentlich nur verlieren. Warten wir es einfach ab.

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Der Vulkan Shiveluch auf der russischen Halbinsel Kamtschatka ist ausgebrochen.
Seine Aschewolke stieg in eine Höhe von 10 -15 Km. Weitere Infos hier.

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Der Windkrieg von Osterburg. Eine Dokumentation des MDR. Zu sehen hier.