Egal in welche Richtung, Hauptsache vorwärts

Der geneigte Interessierte kommt momentan gar nicht so schnell hinterher, so eine Dynamik entwickelt das Thema Kernenergie gerade in Deutschland. Nicht immer ist die Richtung klar. Starten wir mit der Grünen Katrin Göring Eckhard. Sie hat den Ernst der Lage offenbar nicht wirklich erkannt. Laut Zeit geht die Grünen-Politikerin nämlich davon aus, dass die Debatte um die Kernenergie nur aus einem einzigen Grund geführt wird: Den Grünen eins reinzuwürgen. Wir lernen, nicht die Sicherung der Stromversorgung ist ein hohes Gut sondern die Parteilinie der Grünen muss geschützt werden. Das sind schon interessante Prioritäten.

Vermutlich wollen auch die Nachbarländer Deutschland den Grünen nur “eins reinwürgen”. Die fassen sich nämlich an den Kopf, warum sie dafür büßen sollen, dass Deutschland seinen Energiewendeweg ums Verrecken durchziehen will und sie nun schön Gas sparen sollen für Deutschland. Die Welt berichtet dazu:

“Aus Sicht von Ländern wie Ungarn, Rumänien, der Slowakei und Frankreich könnte ein Weiterbetrieb deutscher Atomkraftwerkeerheblich dazu beitragen, Gas zu sparen, da in der Bundesrepublik zuletzt noch immer etwa 15 Prozent des Stroms von Gaskraftwerken erzeugt wurde. Sollte Russland seine Gaslieferungen in die EU komplett einstellen, wären dann mehr Reserven für das Heizen von Haushalten und für die Industrie verfügbar.”

Sicherlich nicht ganz ernst gemeint war der Vorschlag aus Polen, dass Deutschland seine Kernkraftwerke an das Land verpachten soll, wie man bei n-tv lesen kann.

“Natürlich sei der Vorschlag einer AKW-Pacht ungewöhnlich, sagte der Razem-Abgeordnete Maciej Konieczny. Er solle die in seiner Sicht absurde Lage in Deutschland veranschaulichen. Zugleich sprach der Oppositionspolitiker von einem „attraktiven Angebot an die Regierungspartei“, die nationalkonservative PiS: „Polen sollte sich bereit erklären, diese Anlagen zu übernehmen, um das Klima und die Energiesolidarität zu retten.“

Aus dem deutschland-kritischen Regierungslager befürwortete der Abgeordnete Janusz Kowalski (Solidarna Polska) den Vorschlag. „Das Problem der deutschen politischen Debatte ist ganz einfach: Sie sind unfähig, ihren Fehler einzugestehen und einen Rückzieher zu machen.“”

Eine, die Sprechtexte der Grünen ebenfalls brav auf Twitter wiederholt, ist die Grüne Britta Hasselmann. Sie zweifelt zudem an der Kompetenz von TüV Süd, der sich zu einem möglichen Weiterbetrieb der Anlagen geäußert hat. Wer von den Lesern hier seine Hauptuntersuchung an eine der Abnahmestellen von TüV Süd gemacht haben sollte, dem raten wir zur Vorsicht. Bei einer Verkehrskontrolle könnte das Fahrzeug ansonsten stillgelegt werden, wenn man der Logik von Hasselmann folgt. Ein Polizist könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass der TüV bei einem Dammbruch in Brasilien, oder bei der Zertifizierung von Brustimplantaten gravierende Fehler gemacht hat.

Warum sollte man daher den Hauptuntersuchungen vertrauen? Damit das richtig verstanden wird, die mafiösen Machenschaften mit frisierten KfZ-Gutachten sind ein Skandal, aber wie immer sind es einige wenige, die reichen, um den Ruf eines ganzen Unternehmens zu ruinieren. Was bitte haben Hauptuntersuchungen bei Kraftfahrzeugen mit den Prüfungen von Kernkraftwerken zu tun? Dass es gar nicht der TüV Süd war, der in den Skandal um die Brustimplantate verwickelt war, ist nur eine störende Randnotiz. Vielleicht sind für eine Grüne ein Kernkraftwerk, ein Staudamm, ein Brustimplantat oder eine Hauptuntersuchung auch alle in etwa das Gleiche?

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Es kommt aber noch besser. Greepeace gibt ein Gutachten in Auftrag. Und weil man in der Grünen Szene weiß, wie gut Family-Business funktioniert, wird die Kanzlei von Michael Günter beauftragt. Er war einige Zeit im Präsidium von Greenpeace International und ist nach wie vor im Ethikrat von Greenpeace. Aber nicht nur dort, auch bei Green Planet Energy. Einige werden sich erinnern, das Unternehmen hieß früher mal Greenpeace Energy und segelte lange unter falscher Flagge, betrieb sogar eigenes Lobbying und narrte die Politiker, die glaubten, dass Greenpeace vor ihnen stand. Ob sich Günter jemals gefragt hat, wie ethisch es ist, russisches Pipeline-Gas zu verkaufen, dem winzige Mengen Biogas und sogenanntes Windgas beigemischt wurden?

Wie auch immer, das Gutachten der Kanzlei wirft dem TüV-Süd vor, ein Gefälligkeitsgutachten erstellt zu haben. Wenn man auf Aberwitz steht, dann könnte man jetzt laut lachen oder sich an Robert Gernhardt erinnern. Die größten Kritiker der Elche, sind selber welche. Das aktuelle Grüne Positionspapier gegen die Kernenergie nimmt sich der Focus vor und findet beachtliche Fehler darin.

“”Atomkraftwerke helfen nicht aus der Gaskrise.“

Das ist falsch. Der Weiterbetrieb der drei in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke und vielleicht sogar ein Wiederhochfahren der drei erst vor einem halben Jahr abgeschalteten Meiler würde die Gaskrise zumindest lindern. 13 Prozent des deutschen Stroms stammen derzeit aus Gaskraftwerken, sechs Prozent aus Atomkraft.

Wenn der Atomstrom wegfällt, muss mit anderen Energieträgern mehr erzeugt werden – also mit Kohle, Gas oder erneuerbaren Energien. Würden die Atomkraftwerke länger laufen, müsste dieser Stromanteil nicht ersetzt werden. Die drei Kernkraftwerke haben vergangenes Jahr 33 Terrawattstunden Strom erzeugt. Wenn man das in Gas umrechnen würde, kann man damit rund drei Millionen Einfamilienhäuser heizen. Neun Millionen Menschen könnten duschen.”

Nun bringt Finanzminister Lindner die Grünen laut SZ in die Bredouille, weil er sich gegen einen Einsatz von Gas zur Stromerzeugung ausspricht.

“Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) fordert von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die Stromproduktion mit Hilfe von Gas zu stoppen. „Wir müssen daran arbeiten, dass zur Gaskrise nicht eine Stromkrise kommt“, sagte Lindner der Bild am Sonntag. Deshalb dürfe mit Gas nicht länger Strom produziert werden. Habeck habe die gesetzliche Ermächtigung, das zu unterbinden. Um andere Stromkapazitäten zu erhalten, empfiehlt Lindner die Atomenergie: „Vieles spricht dafür, die sicheren und klimafreundlichen Kernkraftwerke nicht abzuschalten, sondern nötigenfalls bis 2024 zu nutzen.“

Erdgas ist mit 10,1 Prozent am Strom aus der Steckdose beteiligt. Daneben gibt es auch Gaskraftwerke für die rein industrielle Stromerzeugung. Bezieht man diese mit ein, dann geht das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) von einem Anteil von insgesamt 15,4 Prozent aus.”

In dem gleichen Artikel können wir lesen:

“Dagegen lehnt der Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, Wolfram König, verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken in Deutschland ab. König sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Der mühsam errungene gesellschaftliche Konsens würde auch grundsätzlich infrage gestellt werden.“ Außerdem ist die Frage über ein Endlager für hoch radioaktive AKW-Abfälle noch immer nicht gelöst.”

Wie gut, dass die Grünen hier ein Parteimitglied und gelernten Stadtplaner! in die führende Position der noch jungen Bundesbehörde gehievt haben. Veganer schreiben für gewöhnlich immer noch die besten Steakhouse-Führer, sagt man jedenfalls. Wie die Haltung von König, der eigentlich als Leiter einer Bundesbehörde neutral sein muss, zur Kernenergie passt, steht auf einem anderen Blatt. In der FAZ schreibt er ein langes Essay, welches im Grunde nur den Grünen Sprechtext der letzten Zeit wiederkäut.

Die Entsorgung der Abfälle aus den Kernkraftwerken muss so oder so geregelt werden, ganz gleich, ob es zu einer Laufzeitverlängerung kommt oder nicht. Offenbar wird aber so getan, als wenn sich die Menge an Abfällen dramatisch vergrößert, wenn nun 3 oder gar 6 Anlagen länger laufen.
Vor allem spricht König vom gesellschaftlichen Konsens. Aber genau davor macht er die Augen zu, wenn man sich die Umfragen zur Laufzeitverlängerung ansieht. Der Aufsatz hat einige gravierende Fehler, die hier aufgezeigt werden. Müsste der Leiter einer Behörde nicht absolut sattelfest in der Materie sein?

Mittlerweile wehren sich die Stadtwerke München gegen Vorwürfe vom Eiskugelprofi Jürgen Trittin. Im Spiegel beschwert sich der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Dr. Florian Bieberbach über Trittin und dessen Belehrungen:

“Zwar solle die Strom- und Wärmeerzeugung der Stadtwerke maßgeblich durch die Nutzung von Steinkohle, Müll, Geothermie und Heizöl und nur noch zu einem geringen Teil durch Gas sichergestellt werden. Ein harter Winter könne aber bei Fernwärme und Strom für stark steigende Netzlasten sorgen. Besonders in Süddeutschland wäre es dann nötig die Stromerzeugung in Gaskraftwerken zu erhöhen. Ein Streckbetrieb des AKW könnte in dieser Zeit das Gas bei der Stromerzeugung teilweise ersetzen, heißt es von den Stadtwerken »wenngleich der Streckbetrieb das Gasversorgungsproblem natürlich nicht lösen kann”

»Zudem entlastet ein Grundlastkraftwerk wie Isar 2, weil es die heute in der Mittellast fahrenden, aber grundsätzlich flexiblen Kohlekraftwerke in die Spitzenlast verschiebt und damit Gaskraftwerke verdrängt«, so Bieberbach. Auch das spare Erdgas ein. »Eine komplexe Thematik, über die wir uns bei Gelegenheit auch gerne mit Herrn Trittin austauschen.”

Abgerundet werden die Ereignisse rund um die Kernenergie der letzten Zeit durch die Ankündigung der Ukraine, künftig mehr Strom nach Europa zu exportieren. Müßig zu erwähnen, dass dieser zu einem Gutteil aus Kernkraftwerken stammt. Der Spiegel berichtete hier ebenfalls.