Family Business

Im Jahre 1989 erschien der Film Family Business vom Altmeister Sidney Lumet (Die zwölf Geschworenen, Mord im Orientexpress u.a.). Leider ist Lumet bereits 2011 verstorben ansonsten hätte er den Stoff für einen zweiten Teil seines Films. Er spielt dieses Mal in Berlin und Teil des Familiengeschäfts ist Patrick Graichen, ehemaliger Leiter des Thinktanks Agora Energiewende – mittlerweile versorgt mit einem Staatssekretärsposten im Wirtschaftsministerium.  Das ist die Besoldungsgruppe B11 (ca. 15.000 im Monat).

In gleicher Position sitzt Michael Kellner, politischer Geschäftsführer der Grünen. Dem hat Robert Habeck offenbar die Pannen um den Lebenslauf und das Buch von Annalena Baerbock verziehen. Auch er ist nun gutbezahlter Staatssekretär. Kellners Frau ist zufälligerweise die Schwester von Patrick Graichen. Sie arbeitet beim Öko-Institut und beim BUND. Das sind also zukünftig sehr kurze Wege zwischen Beratung, NGO und Politik.

Wer weiß, vielleicht spart es auch Arbeitszeit, wenn demnächst bei Feierlichkeiten die Großfamilie aufeinandertrifft? Oder allmorgendlich beim Müsli essen und Mate-Tee trinken am Frühstückstisch. Dass es hier zu argen Interessenskonflikten kommen kann, das hat sogar die taz schon bemerkt, sie stellt aber auch fest, dass dann einfach einer der anderen 7! Staatssekretäre Aufträge an das Öko-Institut vergibt. Das könnte dann zum Beispiel Oliver Krischer machen, der es auch auf so einen gut dotierten Posten geschafft hat und das als Studienabbrecher. Die Grünen halt sind eine Partei der sozialen Durchlässigkeit und des Familiensinns. Nur der Vollständigkeit wegen: Der offizielle deutsche Alternativtitel für den Film lautet “Ehrbare Ganoven”.

+++

Stichwort Oliver Krischer. Der gab der Welt ein interessantes Interview (Bezahlschranke).

WELT: Was sagen Sie den Menschen, die das Gefühl haben, die zum Teil groteske Verspargelung der Landschaft mit Windenergie sei ein zu hoher Preis?

Krischer: Ich finde, das ist eine Geschmacksfrage. Wenn ich zum Beispiel mit Menschen in Schleswig-Holstein, wohl dem Land mit der höchsten Windrad-Dichte, rede, da wird das ganz anders beurteilt. Die sagen: Windräder gehören zum Landschaftsbild. Das wird natürlich unterschiedlich diskutiert. Aber die Frage ist natürlich immer: Was ist die Alternative?

Wenn Sie jetzt mal zum Beispiel ins Sauerland gehen: Da sind riesige Fichten-Forste über Hunderte Hektar praktisch tot, eine Landschaft, die sich in den letzten drei Jahren rigoros gewandelt hat infolge der Klimakrise: Da hat sich die Stimmung gegenüber der Windenergie geändert und ist definitiv offener geworden.

Wir lernen, es ist alles eine Geschmacksfrage. Und sehr schön ist es mal eben alle Bewohner eines Bundeslandes über einen Kamm zu scheren (Die sagen…). Das scheint in der Tat eine neue Taktik zu sein. Während Mitstreiter von Krischer es eher mit Geld versuchen (Wir müssen die Leute mitnehmen…) wird es nun zur Geschmacksfrage. Geschmäcker, das ist allgemein bekannt, können unterschiedlich sein. Den Geschmack der Schleswig-Holsteiner gibt es nicht. Sehr schön auch der zweite Teil. Übersetzt sagt er: Das ist doch eh alles tot dort, dann können wir das doch auch mit Windkraftanlagen zubauen. Und “offener geworden” meint hier dann wohl tatsächlich doch Geld.

+++

Einiges erinnert an die alte Ausrede des Gemüsehändlers, dass seine Tomaten zu weich sind.
Nein, entgegnete der, die Finger des Kunden seien nur zu hart. Das Handelsblatt titelt, dass es in 2021 zu wenig Wind gab und folglich der Anteil von Windstrom sinkt. Zu wenig Wind, dazu könnte sicherlich einiges sagen, zum Beispiel, dass der Wind eine Laune der Natur ist. Zu wenig Wind bekämpft man aber nach Simone Peter mit mehr vom Gleichen.

Wir haben das ja schon einige Mal thematisiert. Gibt es ein Sturmtief mit Sturmflut, dann sind Windkrafträder die Lösung für Simone Peter. Brennt es in Kaliforniern dann auch, es gilt auch für sommerliche Hitze in Sibirien, Überflutungen im Ahrtal oder auch Waldbrände in Brandenburg. Das Rezept lautet stets mehr Windkraftanlagen in Deutschland. Sie werden es richten, und zwar weltweit. Schauen wir einmal auf den Dezember 2021 zurück, so wie Agora Energiewende sie darstellt. Es klaffen doch schon einige Lücken, auch wenn in dieser Darstellung der Solarstrom und die Biomasse fehlen. Selbst beim Peak Anfang des Monats betrug die Differenz mehr als 40 GW.

(Abbildung Screenshot Agora Energiewende sowie Bearbeitung)

Auch mit allen zugeschalteten Grünen Stromquellen sieht die Bilanz leider auch kaum besser aus.

(Abbildung Screenshot Agora Energiewende)

+++

Irgendwie nicht gut gealtert ist ein Tweet von Fridays For Future von vor 2 Jahren.

(Screenshot Twitter)

Damals wünschte man den Großeltern noch den baldigen Tod. Die Alten stören nur bei der Rettung der Welt. Dass nur kurze Zeit später das Corona-Virus den Klimakindern diesen Wunsch zum Teil erfüllt hat, dürfte diese vielleicht sogar mit Freude erfüllt haben. Wer von den Großeltern dann tatsächlich noch überlebt hat, der war dann gut genug als Stimmvieh bei der Bundestagswahl 2021 zu dienen als sogenannte Enkelbriefe verschickt wurde.

“OK Oma und Opa, ihr habt vielleicht die Pandemie überlebt, aber jetzt wählt gefälligst Grün.”

+++

Wie bereits schon vermeldet steuern gerade zahlreiche Schiffe mit Flüssiggas Europa an. Sie lockt der hohe Preis und die große Nachfrage, vielleicht auch, dass die Europäer offenbar verschlafen haben, genügend Gas in Russland zu bestellen. Die Welt behandelt das Thema:

“Die Menge von knapp 5 Millionen Kubikmeter LNG in diesen Schiffen würde ausreichen, den Bedarf von Deutschland, dem größten europäischen Gasverbraucher, in einem Wintermonat zu einem Drittel zu decken. Im Sommer entspricht diese Menge einem ganzen Monatsverbrauch Deutschlands.

Die europäischen Gaspreise waren am Großhandelsmarkt in diesem Jahr um mehr als 700 Prozent gestiegen, da Russland die Lieferungen gerade dann drosselte, als die Volkswirtschaften wieder eröffneten und die Nachfrage anstieg. Das Preisportal Verivox hatte den deutschen Verbrauchern für 2022 bereits Gaspreiserhöhungen um 20 Prozent vorher gesagt, zusätzlich zu einem zehnprozentigen Plus bei den Strompreisen.”