Zeitenwende beim Spiegel?

Es wäre sicherlich zu schön, um wahr zu sein. Alexander Neubacher fordert in einem Kommentar im Spiegel den Weiterbetrieb der 3 verbliebenden Kernkraftwerke in Deutschland.

Vor einigen Wochen sah es so aus, als käme auch in Deutschland Bewegung in die Sache. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte über eine mögliche Laufzeitverlängerung, er »würde das nicht ideologisch abwehren«.
Doch wenig später legte Habeck mit seiner grünen Parteifreundin Steffi Lemke aus dem Umweltressort einen »Prüfvermerk« vor, wonach der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke nur einen begrenzten Beitrag in der aktuellen Energiekrise leisten könne. Und so endete die Atomdebatte bei den Grünen, bevor sie richtig begonnen hatte. Habeck flog nach Katar und verneigte sich vor dem Emir, um Flüssiggas zu erbetteln. Nachdem die Grünen schon in der Rüstungspolitik eine 180-Grad-Wende hingelegt haben, wäre ein Kursschwenk beim Atom offenbar zu viel verlangt.

Neubacher verweist auf die Knappheit an Zeit, um noch eine Entscheidung zu treffen. Was mag so ein Kommentar in der Alarm-Redaktion des Spiegels auslösen? Wird das Auto von Neubacher jetzt auf dem Redaktionsparkplatz zerkratzt oder wird er in der Kantine von hinten angerempelt?

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Polens Kernenergiepläne nehmen immer mehr Gestalt an. Bis 2040 will das Land 6 Kernkraftwerke bauen, die ersten sollen schon 2033 ans Netz gehen. Um den Auftrag bewirbt sich u. a. das koreanische Unternehmen KHNP, wie Business Korea berichtet.

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Ob das zu den Plänen des DIW zur Erhöhung der Importe von Erdgas aus den Niederlanden passt? Unsere Nachbarn wollen zwar mehr Erdgas fördern, allerdings für den eigenen Bedarf. Der Spiegel berichtet über die Pläne und auch, wer sie torpediert, es ist Deutschland.

“”In einer idealen Welt würden wir keine neuen Gasfelder in der Nordsee erschließen«, sagte Jetten dem »Handelsblatt«. »Aber die Situation macht dies notwendig.« Wirtschaftsminister Robert Habeck(Grüne) hatte dem Vorhaben bei einem Treffen im April eine Absage erteilt. Die Niederlande und Deutschland streiten seit Monaten darüber, ob die Gasförderung in der Nordsee ausgeweitet werden soll oder nicht.”

Dazu passt ein Bericht in der Heute Sendung vom 22.04.2022. Es ging um die Pläne vor Borkum, wo die Niederländer gern fördern würden.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

Ein ganz heißer Tipp kam in dem kurzen Beitrag von einer Repräsentantin des BUND: Wir sollten kein Gas fördern, sondern lieber Energie sparen. Warum ist da nur niemand vorher draufgekommen? Diesen Ratschlag sollte man Unternehmen der Grundstoff-Industrie wie BASF umgehend übermitteln.

Immerhin eines hat der Autor des Berichts, Peter Kunz, erkannt. Zuvor hatten ihm nämlich Feriengäste und der Bürgermeister von dem dann getrübten Blick auf den Horizont berichtet. Es folgt ein Kameraschwenk auf einen – Trommelwirbel – Windpark. Das scheint die Urlauber offenbar nicht zu stören.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

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Bizarre Aussagen von Kanzler Scholz im Spiegel Interview (Bezahlschranke). LNG-Terminals wären nicht gebaut worden, weil der Spiegel das ständig kritisierte.

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Am Beispiel E-Lkw zeigt sich, wie Berater und Politik an der Realität vorbeiplanen. So lautet der Titel eines Artikels im Focus, der gut aufzeigt, was gerade so alles schief läuft bei dem Thema.

“BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt weist aber darauf hin, dass die Politik bei diesem Thema schon einmal Vertrauen verspielt habe: „Viele Transportunternehmen und Speditionen haben dem politischen Drängen nachgegeben und teilweise Millionenbeträge in die einzige aktuell für den Lkw-Fernverkehr zur Verfügung stehende klimafreundliche Antriebstechnologie, nämlich LNG, investiert. Jetzt, wo die LNG-Preise noch stärker gestiegen sind als die Dieselpreise, stehen diese Familienbetriebe reihenweise vor dem Aus und sehen sich von der Politik im Stich gelassen, weil von dort keine Hilfe für die LNG-Pioniere kommt. Vor dem Hintergrund des Biodiesel-Desasters vor einigen Jahren wird das aktuelle LNG-Desaster aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ohne Auswirkungen auf die Innovationsbegeisterung für neue alternative Antriebe in der Transportbranche bleiben.“”

Ganz besonders werden Studien kritisiert, die eher NGO-Wunschdenken als wissenschaftliche Einschätzung sind.

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Efahrer berichtet über neue Effizienz-Rekorde bei der Wasserstoff-Elektrolyse. Der Haken: es braucht dazu sehr hohe Temperaturen und für die braucht man dann wieder Energie. Als Zusatznutzen bei der Stahlproduktion klingt es allerdings interessant.

““Die Anlage läuft bei Betriebstemperaturen von 850 °C und nutzt Wasserdampf aus der Abwärme der Stahlproduktion in Salzgitter“, erklärt Konstantin Schwarze, Leiter für Produktentwicklung bei Sunfire. „Deswegen benötigt unser Hochtemperatur-Elektrolyseur viel weniger Strom als herkömmliche Technologien, um große Mengen grünen Wasserstoff zu produzieren.“

Neben Salzgitter Flachstahl und Sunfire sind auch die Salzgitter Mannesmann Forschung, das SMS-Group Unternehmen Paul Wurth, Tenova und die französische Forschungseinrichtung CEA am GrInHy2.0 Projekt beteiligt.”

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Gute Stiftungen – schlechte Stiftungen. Viel Aufmerksamkeit bekommt die Umweltstiftung, die im Zuge der Arbeiten an Nordstream 2 gegründet wurde. Wegen ihr steht die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, gerade stark unter Druck. Axel Bojanowski von der Welt war investigativ (Bezahlartikel) unterwegs und hat sich die Ostsee-Stiftung angesehen. Sie wurde im Zuge von Nordstream 1 gegründet. Beteiligte waren der WWF und der BUND. Sie zogen Klagen zurück als das Pipeline Betreiberunternehmen zusagte 20 Millionen in die Ostseestiftung zu legen. Alles hat seinen Preis.

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Japans Autoindustrie plant laut Heise mit Feststoff-Batterien.

“Die japanischen Hersteller Toyota, Honda und eben Nissan gehören dabei zu den Technologieführern. Toyota hat bereits Prototypen präsentiert. Die beiden kleineren Lokalrivalen konterten nun mit genaueren Zeitplänen. Honda und Nissan wollen 2024 in Pilotfabriken die Massenfertigung ausprobieren.

Nissan gibt sogar ein Datum für die Markteinführung vor: das Jahr 2028. Honda erklärte am Dienstag auf einem eigenen Briefing zur Elektromobilität etwas vager, in der späten zweiten Hälfte des Jahrzehnts sein Produkt auf den Markt bringen zu wollen. Doch bis die beiden Hersteller zuversichtlich genug waren, sich aus der Deckung zu wagen, verwendeten sie mehr als zehn Jahre auf die Entwicklung der verheißungsvollen Technologie.”

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Ob hier absichtlich missverständlich formuliert wurde? Der Sommer 2021 war der heißeste in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen. Das war die Schlagzeile des Spiegels und nur, wer genauer hinsieht, der entdeckt, dass der Zeitraum seit 1979 gemeint ist. Regelmäßige Wetteraufzeichnungen gibt es aber schon etwas länger. Laut DWD in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert. Aber bleiben wir bei dem Jahr 1979 als Satelliten anfingen, die Temperaturen auf der Welt zu messen. Ein Datensatz, den es bis heute mit einem monatlichen Update gibt, ist der UAH Datensatz.

Um hier deutlich zu sein, der Spiegel Artikel bezieht sich auf Europa, die UAH-Daten auf die ganze Welt. Dort kann man aber zwischen verschiedenen Bereichen unterscheiden. Ein weiterer Unterschied ist die zeitliche Auflösung.

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Sind es die Katzen, Autos, Fensterscheiben oder gar vergiftete Nagetiere? Keines davon, wir werden aber sicherlich bald ganz plausible Beweise geliefert bekommen, warum so viele Fledermäuse an Windkraftanlangen sterben. Der Biologe Christian Vogt erklärt im Interview mit der taz, was solche Anlagen für bestimmte Arten so gefährlich macht.

Sie haben auch Große Abendsegler besendert, die aus dem Baltikum nach Deutschland ebenfalls entlang der Küsten wandern. Wie verhalten sich die Tiere rund um die Windenergieanlagen?

Im Küstenbereich meiden die Fledermäuse die Anlagen über mehrere Kilometer, was eine gute Nachricht ist, denn Große Abendsegler gehören zu den häufigsten Todesopfern an Windenergieanlagen.

Warum?

Das liegt an ihren Jagdweisen, genau wie bei den beiden anderen häufigsten Schlagopfern, der Rauhautfledermaus und der Zwergfledermaus. Die einen jagen im offenen Luftraum nach Insekten und sind an Windkraftanlagen den Rotorblättern ausgesetzt, die anderen jagen an Strukturelementen nach Insekten, wie die Zwergfledermaus. Die Rauhautfledermaus jagt entlang von Waldrändern und fliegt dann in die Rotorblätter hinein.

Die Großen Abendsegler haben also gelernt, mit den Windkraftanlagen zu leben.

Nein, nicht unbedingt. Wenn Anlagen nahe an Quartieren oder in bevorzugten Jagdlebensräumen stehen, dann fliegen Große Abendsegler regelmäßig die Windenergieanlagen an. Die von uns beobachtete Meidung im Küstenbereich führt dazu, dass der Lebensraum der Fledermäuse an der Küste wegen der hohen Dichten von Windenergieanlagen verschwindet. Die Küstenstandorte der Windenergieanlagen sind gleichzeitig die Migrationskorridore für die Fledermäuse.

Weiterlesen in der taz

Vogt schätzt, dass an jeder Anlage etwa 70 Tiere pro Jahr verenden. Interessant die Kommentare unter dem Interview. Die Viecher hätten doch sowieso ohne die Energiewende und durch die Klimakatastrophe ohnehin bald keine Nahrung mehr, warum also die Aufregung?

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Negative Begleiterscheinungen bei Energie- und Mobilitätswende

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Anmerkung zum Blog vom 23. 04. 22. In einer Info wird über einen Artikel zu negativen Begleiterscheinungen bei der Energie- und Mobilitätswende berichtet.

Der Artikel im Wochenblick beschreibt, wie der Abbau von Materialien für Batterien erfolgt. Der Abbau von Kobalt wird vielfach mit brutaler Kinderarbeit durchgeführt. Neben den direkten Gefahren beim Abbau (Mineneinstürzen), werden die Kinder auch giftigen und radioaktiven Stoffen ausgesetzt und atmen die verseuchte Luft ein. Die Lebenserwartung ist sicher nicht sehr hoch. Auch beim Abbau von Graphit werden entstehen erhebliche Umweltschäden.

In dem Artikel wird über die massive Werbung für „saubere“ Elektrofahrzeuge in Amerika berichtet. Doch auch hier in Deutschland werden die genannten Probleme ignoriert. Elektrofahrzeuge werden angeworben und Verbrenner „schlecht“ geredet. Dabei gibt es doch hier in Deutschland das sogenannte Lieferkettengesetz. Danach werden Unternehmen verpflichtet, die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz in den Herkunftsländern zu beachten. Ich frage mich, ob Nachweise vorliegen, welche Belegen, dass die Beschaffung der Rohstoffe für Batterien in den Herkunftsländern Mensch- und Umweltgerecht durchgeführt werden. Es wäre schon sehr verwunderlich, wenn ein solcher Nachweis vorliegen würde.

Doch mit dem Wissen, dass derartige Vorkommnisse bei der Beschaffung der Rohstoffe üblich sind, sollten E-Fahrzeuge nicht staatlich gefördert, sondern mit einer Strafabgabe versehen werden. Aber das widerspricht dem Selbstverständnis der Grünen und anderer Parteien, die sich dem übertriebenen Klimawahn verschrieben haben. Also lieber wegsehen.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn

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Sie erinnern sich an das Wolken-Paper von Dübal & Vahrenholt 2021, das in „Atmosphere“ erschien? Auf WUWT hat Charles Blaisdell nun das Thema aufgegriffen:

Where have all the Clouds gone and why care?

The earth’s cloud cover has long been an important puzzle in climate change.  Cloud cover has many types and varies significantly from year to year.  Ground records of global cloud cover over 40 years have shown a 0.41%/decade (8) decrease in cloud cover. (A 37-year European only study (16) found a 1.4%/decade decrease).  In the last 20 years, Dübal and Vahrenholt CERES satellite has data (5) that confirmed the ground observations of cloud cover decrease and a correlation with earth’s net incoming energy flux, albedo, and earth’s temperature rise.  Albedo is derived from the Latin word for white, a high albedo, 1.0, is totally reflective of sun light and a low albedo, 0.0, is totally absorbent, with albedo the lower the hotter.  These few pieces of data beg some questions.   When did cloud cover start to decrease?  Is it cyclic?  How much of the of the observed global warming, GW, can be attributed to cloud cover reduction?  What is causing it?  Will the decrease stop?  And, why should I care?  Let’s start with why should I care, every 1% reduction in cloud cover could account for 1.6 W/m^2 (about 0.8’C) increase in earth’s net incoming energy flux – a significant part of all the observed GW.  If this decrease started a 100 years ago and the current decrease is 0.4%/decade the total decrease over that time could be 2% or 3.2 W/m^2 (estimated 1.6’C GW) – more than the observed 2.2 W/m^2 (1.1’C GW).  Sumerville and Gautier (19) in 1995 summarized that if the cloudiness of the earth decrease it would have a much greater effect on GW than doubling the CO2.  In 1995 no data existed that suggested the cloud cover or relative humidity was changing over time.  That is no longer true.

Weiterlesen auf WUWT

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Noch ein Rückblick: Sie erinnern sich an unseren Blogartikel „Strandbar 54 Grad Nord in Sankt-Peter-Ording: Ein Opfer des Klimawandels?„? Ein Leser machte uns auf einen hochinteressanten Artikel zum Thema aufmerksam, der 2017 auf shz.de erschienen war:

Doch das Phänomen ist schon Jahrhunderte alt. Die Ordinger Kirche musste mehrfach landeinwärts versetzt werden, weil sich das Meer den Strand holte. An anderer Stelle wächst er wiederum wegen der Strömungsverhältnisse. „So verlagert sich die Sandbank vor der Arche Noah immer mehr Richtung Böhl, früher reichte sie nur bis Höhe Dorf. Auch ganz im Norden von St. Peter-Ording wird der Strand größer, so Jess. Auch werde immer mehr Sand gegen das Festland getrieben. „Vor 20 Jahren hatten wir noch keine Dünen, jetzt reicht die Kette vom Südstrand bis zum Norderdeich.“ Möglicherweise könnte sich sogar irgendwann die große Priellücke zwischen Böhl und Südstrand schließen. Aber wer weiß heute, welche Dynamik Wind und Wellen künftig zeigen.

Das war auch in der Vergangenheit schon so: Denn was vielen Urlaubern und Spaziergängern heute lieb und teuer ist, ist noch nicht so alt. „Vor 50 Jahren gab es den Ordinger Strand in dieser Form nicht“, erinnert sich Georg Werner Jensen. Der 70-Jährige kennt die große Sandkiste wie seine Westentasche. Er ist hier geboren und aufgewachsen. „Als Jugendliche sind mein Bruder und ich Mitte der 1960er Jahre noch mit dem Motorboot vom Priel am Südstrand zum Yachtclub in Ording gefahren. Einfach unter der Seebrücke durch. Da war vor Ording noch ein breiter Priel, der reichte bis an die heutige Überfahrt zum Strandparken. Wer dort ans offene Meer wollte, musste sich auf die Sandbank übersetzen lassen.“ Der Hauptstrand war damals Böhl, im Süden des Nordseebads. Heute versandet Böhl immer mehr, für Nicht-Schwimmer oder Anfänger ist es dort heute ideal: Das Wasser ist auf weite Strecken sehr flach. „Vermutlich hängt das mit der Eiderabdämmung zusammen. Seitdem hat sich dort immer mehr Sand abgelagert“, so Jensen. „Der Strand verändert sich halt. Das war schon immer so.“ Ärgerlich findet er, dass in St. Peter-Ording nichts für den Strand getan werden darf, da er im Nationalpark liege. Das sei auf Sylt anders, da werden jedes Jahr zig Tonnen von Sand vorgespült.

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