Strandbar 54 Grad Nord in Sankt-Peter-Ording: Ein Opfer des Klimawandels?

Wenn die Eltern und Großeltern von der Nachkriegszeit erzählen… Diese Zeiten könnten bald wiederkommen, zu mindestens, was das Sparen von Energie angeht. Wirtschaftsminister Habeck gibt schon mal Tipps (Raumtemperatur senken) und auch der Chef der Bundesnetzagentur Müller (beide gehören den Grünen an) hat Ratschläge. Müller erklärt das tägliche Duschen für einen verzichtbaren Luxus. Kommen jetzt wieder die Zeiten, wenn samstags der Badeofen angeheizt wird und die Familie nach und nach in die Wanne steigt, bis der Letzte den Schmutz der anderen am Hals hat?

Wir warten außerdem auf die Rückkehr der Kochkiste oder auf den Milchreis, der unter dem Federbett weitergarte, nachdem er kurz auf dem Herd kochte. Müller und Habeck haben also noch Optionen bei den Spartipps. Warum fragt man sich, werden von den Grünen eigentlich solche Tipps gegeben und gleichzeitig verzichtet man freiwillig auf günstigen und CO2-arm produzierten Strom aus Kernenergie? Dieser Strom könnte die Verstromung von Erdgas verringern. In die Riege reiht sich auch die Bauministerin Geywitz ein. Der neue Feind sind Einfamilienhäuser wie die Wirtschaftswoche berichtet. Die Grünen und die SPD wissen, wie man sich beliebt macht.

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Eine spannende Verschwörungstheorie: Weil der Deutsche Wetterdienst neben einer Radaranlage keine Windkraftanlage möchte, da es das Radar stört, hat ein potentieller Investor eine echte Räuberpistole laut taz zur Hand. Der Deutsche Wetterdienst untersteht nämlich dem Verkehrsministerium, und das war lange CSU-geführt. Und schon ist die Verschwörungsgeschichte gebastelt. Puh, wie groß muss die eigene Not oder besser Gier sein, um auf solche Gedankengänge zu kommen?

“Der DWD ist, ebenso wie die Flugsicherung, eine Unterbehörde des Bundesverkehrsministeriums, das lange von CSU-Ministern geführt wurde. „Ohne etwas unterstellen zu wollen: Bayern ist nicht gerade bekannt dafür, Windkraft zu fördern“, sagt Lüth. Sowohl der DWD als auch die Flugsicherung erheben häufig Protest, wenn Anlagen geplant werden.

Lüth erwartet nun, dass der DWD das vom Ministerium bezahlte Gutachten bundesweit verwenden wird, um seine Argumente zu untermauern. Zwar sei es in manchen Punkten besser als der vorherige Stand: „Natürlich kann man sagen, die Hälfte sei besser als nichts“, sagt der Windmüller. „Aber eigentlich können wir als Gesellschaft es uns nicht leisten, dass wir das Potenzial von Flächen nicht ausschöpfen.“”

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Kleben und kleben lassen. Keine Woche ohne die gleiche Aktion, nämlich sich an der Straße festzukleben.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Nun ja, der wissenschaftliche Konsens nach dem IPCC sieht 4 Maßnahmen vor:
Ausbau der Erneuerbaren Energien
Ausbau der Kernenergie
Kohlenstoffabscheidung
Aufforstung

Ob die Aktivisten der ”letzten Generation” sich für alle dieser 4 Maßnahmen einsetzen ist nicht bekannt. Vor Kernkraftwerken haben sie sich noch nicht festgeklebt, um deren Laufzeit zu verlängern.

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Videotipp: Bei YouTube gibt es einen Videomitschnitt einer Konferenz in Berlin zum Thema: Energiesicherheit in Zeiten europäischer Konflikte und ideologischer Umwälzungen. Fritz Vahrenholt trat dort ebenfalls auf und ist ab Minute 18:50 für 30 Minuten zu sehen und zu hören.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

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“Nicht Preise decken sondern Kosten.”

Was könnte die Ökonomin Claudia Kemfert vom DIW damit wohl meinen?

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Kosten sollten immer gedeckt sein, weil es zu einem der Grundsätze von Kaufleuten gehört. Vereinfacht gesagt sollten Erträge immer größer sein als die Kosten, weil dann nämlich Gewinn entsteht, jedenfalls in der Theorie. Sind die Kosten höher als der Ertrag bedeutet es einen Verlust. Ob sie Preise deckeln meint? Womöglich.

Kosten kann man nur schwer deckeln, weil sie von verschiedenen Faktoren abhängen. Auch wieder ganz vereinfacht, entweder man benutzt günstigere Alternativen oder lässt ein Produkt z. B. kleiner oder anders werden, wenn man im Rahmen der beabsichtigten Kosten bleiben möchte. Ob Claudia Kemfert wohl den Artikel von Reuters kennt über die steigenden Kosten für die Erneuerbaren Energien?

“Prices for wind and solar power in major global markets have climbed nearly 30% in a year as developers have struggled with chaotic supply chains and surging costs for everything from shipping to parts to labor, according to a report published on Wednesday.

Contract prices for renewables jumped 28.5% in North America and 27.5% in Europe in the last year, according to a quarterly index by LevelTen Energy that tracks the deals, known in the industry as power purchase agreements (PPAs).

In the first quarter alone, prices rose 9.7% in North America and 8.6% in Europe, LevelTen said.”

Was sie bei diesen steigenden Kosten wohl decken oder deckeln möchte? Kleiner Tipp: Am Ende bezahlt immer jemand die Zeche.

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Wirtschaftsminister Habeck zieht bei Plugin Hybriden, also PKW mit Verbrenner- und Elektromotor, sinnbildlich den Stecker. Laut Tagesschau sollen solche Fahrzeuge nicht mehr gefördert werden.

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Der WDR beschriebt unter dem Titel “Darum drohen NRWs Windenergie-Pläne zu scheitern” die Probleme für die Windkraft in dem Bundesland.

“Wo könnten die benötigten Windräder gebaut werden?

Das ist die entscheidende Frage. Die meisten Flächen kommen wegen der in NRW geltenden Abstandsregelung nicht in Frage, nach der ein Windrad nicht näher als 1000 Meter an einer Siedlung stehen darf. Auch in der Nähe von Autobahnen, Bahntrassen oder Flughäfen, in Naturschutzgebieten und Wäldern können derzeit keine Anlagen gebaut werden.   

Laut der aktualisierten Version der LANUV-Studie gibt es genügend Flächen für das Ziel der Landesregierung, zumindest in der Theorie. Das Land NRW könne zwar nicht zwei Prozent der Landesfläche für die Windenergie zur Verfügung stellen, wie es Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) fordert. Der Bau von Windrädern ist dem LANUV zufolge aber auf 0,3 Prozent bis 1,7 Prozent der Landesfläche möglich. Die Studie arbeitet unter anderem mit einem „Leitszenario Energieversorgungsstrategie“, das man mit optimistisch umschreiben muss. Demnach ist der Betrieb von Windenergieanlagen mit einer Leistung von bis zu 16,4 Gigawatt im Jahr 2030 möglich. Dafür wäre der Bau von 2.406 Anlagen nötig.”

Eine Lösung hat der Artikel auch schon parat: Die Abstandsregel soll fallen. Na dann…

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Luftfahrt: Airbus A380 fliegt erstmals mit 100 Prozent Biokerosin. Das berichtet Trends der Zukunft.

“Für den Testflug wurde der A380 mit 27 Tonnen Sustainable Aviation Fuel (SAF) betankt. Der Treibstoff besteht zu einem großen Teil aus Speiseöl und Fettabfällen. Das Kerosin befeuerte die Rolls-Roy-Trent-900-Triebwerke des Airbus A380 auf einem dreistündigen Testflug, der von dem Flughafen Blagnac in Toulouse am 28. März abhob. Am 29. März folgte ein Überlandflug zum Flughafen von Nizza.

Die Demonstration folgte erfolgreichen Testflügen mit einem Airbus A350 und einem Airbus A319neo, bei denen SAF verwendet wurde. Der Einsatz des Biokerosins im weltweit größten Passagierjet ist ein weiterer Schritt vorwärts für das Testprogramm von Airbus. Der Flugzeugbauer plant, bis 2035 das erste Zero-Emissions-Verkehrsflugzeug der Welt zur Serienreife zu bringen.”

Zu den Kosten steht im Artikel leider nichts.

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moin.de brachte am 30.3.2022 eine traurige Nachricht:

Sankt Peter Ording (SPO): Traditionslokal muss weg! Der Grund ist bitter

[…] Es ist noch nicht lange her, dass das Gebäude der „Strandbar 54 Grad Nord“ von den schweren Stürmen des vergangenen Monats erschüttert und beschädigt wurde (MOIN.DE berichtete). Das Restaurant „Strandbar 54 Grad Nord“ steht sehr weit draußen, knapp 70 Meter vom Nordsee-Strand entfernt. Für viele Fans macht diese Lage die Bar besonders beliebt. […] Nicht nur das Lokal muss die Küste verlassen, sondern das ganze Gebäude samt Pfahlbau. Der Grund dafür sei laut „Hamburger Abendblatt“, dass der Meeresspiegel infolge des Klimawandels steige.

Originalmeldung im Hamburger Abendblatt.

Die Strandbar als Opfer des menschengemachten Klimawandels – ein gruseliger Gedanke. So haben die mit fossilbetriebenen PKWs anreisenden Touristen letztendlich selber ihre Strandbar kaputt gemacht. Wären sie alle mit der Bahn gekommen, könnten sie vielleicht weiter in der Strandbar 54 Grad Nord speisen.

Ganz kurzer Faktencheck zum Osterfest: Stürme haben die Bar beschädigt, der Meeresspiegel steigt, die Morphologie der Sandküste verändert sich ständig.

Das Sturmportal des Helmholtz-Zentrums Hereon kennen Sie sicher schon. Hier die Sturmentwicklung für die Deutsche Bucht und Hamburg:

Kein Trend, eher Zyklen bei den Stürmen im Bereich von SPO. da hatte die Bar einfach Pech mit dem Sturm.

Nun zum Meeresspiegel. Wir nehmen den Pegel Cuxhaven:

Ein Anstieg von gut 2 Millimeter pro Jahr während der letzten 180 Jahre, ohne deutliche Beschleunigung. In 10 Jahren sind das 2 Zentimeter, in 100 Jahren 20 Zentimeter. Schwer vorzustellen, dass dieser Anstieg die Strandbar gekillt haben soll. Immerhin steht die Strandbar bereits seit 1911 am heutigen Ort. Nach einer Sturmflut musste sie 1936 noch einmal neu aufgebaut werden.

Der wahre Grund der nun beschlossenen Verlagerung liegt also woanders. In einer Pressemitteilung von SPO werden wir fündig:

Am Ordinger Strand rückt die Wasserkante 6 – 8 m pro Jahr näher; ein Grund, warum die Funktionspfahlbauten mit Wasserrettung und Sanitäranlagen bereits 2018/2019 zurückversetzt und neu errichtet wurden. Die Strandbar 54° Nord muss der Nordsee als nächstes weichen, die Standfestigkeit ist mittelfristig nicht mehr gewährleistet, Erreichbarkeit und Belieferung stellen bereits heute eine Herausforderung dar.

Das Problem ist also offenbar nicht der vertikale Anstieg des Meeresspiegels („Klimawandel“), sondern die horizontale Rückverlagerung der Küstenlinie („Regression“). Auf sandkueste-spo.de lesen wir:

Stetiger Wandel: die Sandbank von St. Peter-Ording

Der langfristige Bestand der Sandbank von St. Peter-Ording ist entscheidend für den Schutz der Küstenlebensräume, aber auch für die Menschen vor Ort. Während in der Vergangenheit ein Wechsel mehrjähriger Sedimentations- und Erosionsphasen des Strandes beobachtet wurden, könnten sich auf Grund des steigenden Meeresspiegels die Sedimentations- und Erosionsprozesse verschieben und es könnte zu zunehmenden Verlusten im Bereich der Sandbank kommen.

Der stetige Wandel dieser Sandküste ist Teil der Natur. Sandbänke bauen sich auf und verlagern sich irgendwann. Ein ständiges Kommen und Gehen, permanente Sandumlagerung. Das hat mit dem Klimawandel erstmal nicht viel zu tun. Der zweite Teil des letzten Zitat-Satzes steht nicht umsonst im Konjunktiv. Natürlich will SPO auch an die Klimaschutzgelder ran, daher muss man das Spiel auch mitspielen.

Im Jahr 2019 brachte die SZ eine dpa-Meldung, die der Sache schon näher kommt:

Strand von St. Peter-Ording wandert weiter

St. Peter-Ording/Kiel (dpa/lno) – Der breite Hauptstrand von St. Peter-Ording ist weiter auf Wanderschaft – und verstärkt dabei sein Tempo. Seit mehr als 20 Jahren hat sich der Strand jährlich um etwa fünf Meter ostwärts verlagert. Für die kommenden 20 Jahre wird eine jährliche Wanderung von sieben Metern erwartet, wie am Montag das Umweltministerium in Kiel mitteilte. Die Substanz des an den schmalsten Stellen rund 400 Meter breiten Strandes sei nicht gefährdet.

Das Lokal ist wohl letztendlich dem wandernden Sand zum Opfer gefallen. So ist es auch auf den Ostfriesischen Inseln: Kirchen, die einmal mitten auf der Insel stehen, befinden sich heute im Wasser. Nicht weil der Meeresspiegelsteigt, sondern weil sich die Inseln durch Strömung und Wellen verlagern.

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Wir wünschen allen Lesern frohe Ostern!