Windkraft, aber richtig

Ein interessanter Artikel zum Thema Windkraft kommt von der Max-Plank-Gesellschaft. Es geht um den Effekt der Entziehung von Energie durch Windkraftanlagen, was für dahinterliegende Anlagen erheblichen Einfluss hat.

“Da Turbinen dem Wind Energie entziehen und einen Windschatten erzeugen, werden sie meist in einem Abstand von vier bis sechs Rotordurchmessern, also etwa 600 bis 800 Metern, errichtet. Dann kann die Energie von oben nachgeliefert werden.

Das gilt jedoch nur begrenzt: Je mehr Windräder in einer Region stehen, desto weniger kann die Atmosphäre die Verluste ausgleichen – der Wind wird schwächer. Dieser Effekt dürfte beim geplanten Ausbau an Land in einigen Regionen den Stromertrag reduzieren und wird eine große Rolle für den angestrebten Ausbau in der Nordsee spielen.

Das Gebiet, das in der Nordsee für Windkraftanlagen zur Verfügung steht, ist viel kleiner als die Landfläche Deutschlands. Dort soll bis 2050 mit 70 Gigawatt aber ein Drittel der an Land angestrebten Leistung installiert werden. Daher ist dort mit einer Ertragsreduktion von 40 Prozent zu rechnen. Das würde die Kosten der Stromerzeugung dort deutlich erhöhen.”

Man könnte auch sagen: Wird die Nordsee wie geplant mit Windkraftanlagen bebaut, dann werden sich die den Wind gegenseitig wegnehmen. Ob die Planer das wissen oder nur ignorieren?

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Als diese Nachricht durch die Medien lief, dachten wahrscheinlich viele Leser an Böcke und Gärtner. Aber nach etwas Überlegen könnte die Sache sogar Charme entwickeln. Warum geht es? Claudia Kemfert ist offenbar als Kandidatin für den Aufsichtsrat von Uniper vorgesehen. Dem Bund steht nach seinem Einstieg in das Energieunternehmen so ein Sitz zu. Sie wird als Kandidatin in verschiedenen Medien gehandelt.

Es dürfte einen Unterschied machen, Dinge vom warmen Büro in Berlin aus theoretisch zu analysieren oder mit der harten Realität konfrontiert zu werden. Bei Uniper geht es nämlich um reale Zahlen und weniger Wunschdenken. Ein Mitglied des Aufsichtsrates eines Energieunternehmens würde man es sicherlich nicht durchgehen lassen, wenn es sich mal eben um einige Hundert Milliarden verrechnet. Von daher könnte das sogar eine gute Seite haben, wenn es nämlich zu neuen Erkenntnissen bei Claudia Kemfert führt. Ein Aufsichtsrat ist allerdings lediglich ein Kontrollgremium. Die Entscheidungen trifft der Vorstand. Das könnten also interessante Diskussion bei Uniper ergeben.

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In der Stuttgarter Erklärung fordern 20 Wissenschaftler den Wiedereinstieg in die Kernenergie als dritte CO2-arme Säule bei der Stromerzeugung. Die Welt berichtete.

“”Wir fordern die sofortige Aufhebung der Atomausstiegs-Paragraphen und eine Prüfung der sicherheitstechnischen Betriebserlaubnis, um deutschen Kernkraftwerken den Weiterbetrieb zu ermöglichen“, schreiben die Wissenschaftler in der Erklärung. „Mit einseitiger Ausrichtung auf Sonne, Wind und Erdgas wurde Deutschland in Energienot manövriert“, mahnen die Forscher, die in technischen und ökonomischen Fachbereichen arbeiten.”

Noch hält Wirtschaftsminister Habeck laut Tagesschau eisern fest am Abschalten der letzten drei Kernkraftwerke.

“Bei der Atomenergie habe eine Vorprüfung seines Ministeriums ergeben, dass es ebenfalls kein Ausweg wäre, wenn die letzten drei AKW anders als geplant in diesem Jahr nicht abgeschaltet würden. „Ich würde das nicht ideologisch abwehren“, sagte Habeck zwar. Aber: „Für den Winter 2022/23 würde uns die Atomkraft nicht helfen.“ Die Vorbereitungen für die anstehenden Abschaltungen seien so weit fortgeschritten, dass die AKW „nur unter höchsten Sicherheitsbedenken und möglicherweise mit noch nicht gesicherten Brennstoffzulieferungen“ weiter betrieben werden könnten. „Und das wollen wir sicher nicht.“”

Offenbar ahnt der Grünen-Vorstand Böses und gibt eine Formulierungsempfehlung heraus. Der Spiegel berichtete. Wer das Habeck-Zitat liest, der wird feststellen, dass er sich vorbildlich an die Formulierung gehalten hat. Die Grüne Jugend ebenfalls mit einer fast identischen Wortwahl. Jedenfalls, wenn man diesen Handelsblatt-Artikel liest. Es muss den Grünen gerade echt der Hut brennen, wenn der Vorstand seine Schäfchen mittels vorgefertigten Sprechtexten zusammentreiben muss.

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Nicht nur Russland profitiert von den hohen Preisen für Energie. Auch Norwegen macht prächtige Geschäfte mit Öl und Gas, das berichtet msn.com.

“Und das Geld sprudelt wie nie zuvor. Norwegens größter Öl- und Gaskonzern, das Staatsunternehmen Equinor gab am Mittwoch fürs letzte Quartal erneut einen Rekordgewinn bekannt, der alle Erwartungen übertraf: Gewinn vor Steuern 17,6 Milliarden Dollar. Das Unternehmen will nun umgerechnet zwei Milliarden Euro an Dividende an die Aktionäre ausschütten und für eine Milliarde Euro Aktien zurückkaufen. Equinor Vorstandschef Anders Opedal nannte den Grund am Mittwoch selbst: Russlands Invasion in der Ukraine, diese habe „eine Energiekrise mit hohen Preisen geschaffen“. Opedal war bemüht, sein Unternehmen als fleißigen Arbeiter im Dienste des Guten zu zeichnen: „Equinor tut sein Bestes, um eine sichere Energieversorgung Europas zu gewährleisten.””

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Das Alfred-Wegener-Institut sieht keine extreme Situation beim Meereis der Arktis. Auf der Seite des Instituts heißt es:

Das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) beteiligt sich auch in diesem Jahr mit dem AWI-Consortium Modell, einem dynamischen gekoppelten Meereis-Ozeanmodell und berechnete in seiner Juni-Prognose eine Meereisausdehnung im September von 4,75 Millionen Quadratkilometer. Dieser Wert liegt etwa 4 % oberhalb des Medianwertes aller eingereichten Modelle aber in der Mitte der für dynamische Modelle abgegebenen Vorhersagen.

Dr. Frank Kauker, Physiker in der Sektion Meereisphysik am AWI, bewertet die erste Vorhersage wir folgt: „Die erste Vorhersage eines Jahres von Anfang Juni zeichnet sich in der Regel noch durch eine recht große Unsicherheit aus (dieses Jahr 0.43 Millionen Quadratkilometer). Trotzdem deutet im Moment nichts auf eine extreme Lage im September hin.

Die Eisbedeckung im September wird mit einer großen Wahrscheinlich im Bereich der letzten Jahre liegen, also zwischen 4 und 5 Millionen Quadratkilometer. Die nächste Vorhersage Anfang Juli wird die Unsicherheit etwas reduzieren, da sich im Juni herausstellen wird, wie viele Schmelztümpel sich gebildet haben werden, die dann durch ihre geringere Rückstrahlung der solaren Einstrahlung entscheidend die Schmelzraten des Eises im weiteren Verlauf des Jahres bestimmen werden“.

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Angenehm anders ist das Interview, das Pierre Ibisch, Biologe und Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Tagesschau gegeben hat.

“tagesschau.de: Was sind die häufigsten Brandursachen?

Ibisch: Wir müssen bei Bränden zwischen Auslösern und Ursachen der Entzündung sowie der Ausbreitung unterscheiden. Die wichtigste Ursache ist in Deutschland das Vorhandensein von ausgedehnten Nadelbaummonokulturen anstelle der natürlichen Laubmischwälder. Die Nadelbaumforsten entzünden sich leicht, und das Feuer breitet sich in ihnen sehr leicht aus. Das hat mit brennbaren Substanzen in Bäumen und der Nadelstreu zu tun, mit der Vegetation unter den Bäumen und mit der offenen und extrem einfachen Struktur der Forsten. Es fehlen oft Kräuter und Sträucher, die das Feuer bremsen können. Auch wasserspeicherndes Totholz aus dickeren Stämmen kann ein Bodenfeuer bremsen oder stoppen – in den meisten Forsten fehlt es weitgehend.

In offenen Kiefernforsten wird es auch viel wärmer und trockener als in dichten Laubwäldern. Zudem wirken die Nadelbäume wie Kiefern, Fichten oder auch Douglasien sehr ungünstig auf den Boden, die Humusbildung und die Bodenlebewesen. Dadurch ist die Fähigkeit, Wasser zu speichern, schlechter ausgeprägt.

tagesschau.de: Was löst die Brände dann aus?

Ibisch: Ausgelöst werden Feuer natürlicherweise eigentlich nur durch Blitzschlag. Inzwischen ist es der wichtigste Auslöser der Mensch, der fahrlässig Brände auslöst oder gar mutwillig stiftet. In bestimmten Fällen kann auch alte Munition in Waldböden zu einem Problem werden.

Oftmals schränkt sie die Beweglichkeit der Feuerwehr ein, was dazu beitragen kann, dass Brände außer Kontrolle geraten. Dafür, dass Feuer sich nach der Entzündung ausbreitet, braucht es brennbares Material sowie trocken-warme Witterung. Wenn dann noch starker Wind hinzukommt, kann es sehr schnell gefährlich werden, wie sich an mehreren Feuern zeigte. Ein Brand bei Beelitz in Brandenburg erfasste bei Extremtemperaturen und starkem Wind innerhalb von wenigen Stunden circa 200 Hektar.””

Moment gibt es Feuer in Brandenburg und Sachsen. In Brandenburg machen Munitionsreste die Löscharbeiten schwer, in Sachsen die Topographie der Sächsischen Schweiz. Das berichtet die Tagesschau. Immer wieder Brandenburg, als wenn der Name Programm ist. In diesem Bundesland kommen mehrere ungünstige Dinge zusammen. Ein Boden, auf dem Nadelhölzer besser gedeihen als Laubbäume, Menschen, die schnell wachsendes Holz also Nadelbäume durch Pflanzungen bevorzugten, ein ohnehin trockeneres Klima und jede Menge verlassene Truppenübungsplätze, die für die Feuerwehren eine erhebliche Gefahr darstellen, wenn dort gelöscht werden soll. Wenn dann noch zwei Faktoren dazukommen, nämlich Dürre und Deppen, die den Wald willentlich oder fahrlässig anzünden, dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es ist daher fast kein Wunder, dass Brandenburg in der Waldbrandstatistik immer ganz vorne dabei ist. Wir haben schon mehrfach darüber berichtet.

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Alex Reichmuth im Nebelspalter:

Klimaklage

Hilfswerk fällt Schweizer Vorzeigeunternehmen in den Rücken

Holcim ist in Sachen Klimaschutz ein Vorbild. Um satte 30 Prozent hat der Schweizer Zementweltkonzern den CO₂-Ausstoss seines Produkts gegenüber 1990 verringert. Holcim nimmt damit innerhalb der Zementindustrie international einen Spitzenplatz ein. Überhaupt glänzt die Schweizer Zementindustrie mit einem Minus von ebenfalls 30 Prozent beim CO₂-Ausstoss pro Tonne seit 1990. Und es soll in diesem Stil weitergehen. Bis 2050 wollen die Schweizer Branchenvertreter ihre Emissionen gar ganz zum Verschwinden bringen. Das sind beachtliche Pläne, wenn man bedenkt, dass die Herstellung von Zement aus chemischen Gründen unweigerlich mit grossen Mengen an Klimagasen einhergeht. Holcim und andere Zementproduzenten wollen aber bald in der Lage sein, das CO₂ abzuscheiden und unterirdisch zu lagern. Und dennoch steht das Schweizer Vorzeigeunternehmen nun als Klimasünder am Pranger. Vier Bewohner der indonesischen Insel Pari haben diese Woche bekannt gegeben, dass sie gegen Holcim eine Klage eingereicht haben – wegen der angeblichen Mitschuld des Konzerns am Klimawandel.

Weiterlesen im Nebelspalter

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Leserpost von Michael Kalisch:

Ich habe mir gerade eine ARTE-Doku angetan, über das Ahrtalhochwasser – wenn auch mit Widerstreben, aber der Titel war einfach zu bizarr: „Die Nacht, als die Flut kam – Protokoll einer Klimakatastrophe“. Das hat wieder mal einige Fragen bei mir aufgeworfen bzw. aktualisiert – es kommt bei solchen Dokus ja meistens nichts Neues heraus. Und wenn es ‹neu› ist, dann wird es mit der Bemerkung ‹überraschenderweise› kommentiert, und es ist etwas, das eigentlich zu erwarten war: Nachdem man es vor Spannung kaum noch aushalten konnte, erfahren wir in der Doku endlich, warum der Pegelstand so einmalig hoch war: nämlich nicht deshalb, weil es mehr geregnet hätte – nein, das ist das ‹Überraschende›, es hat ungefähr genauso viel geregnet wie 1910 oder 1804, also bei den 2 vorigen ähnlichen Ereignissen!

Dass der Pegel so hoch stieg, hat mit anderen Faktoren zu tun, und die waren/sind tatsächlich alle vom Menschen gemacht. Vor Ort und flussaufwärts. Einige kennt man (die Römer haben nicht direkt in der Aue gebaut!, ihre Kultur ist deshalb aus anderen Gründen untergegangen), andere sind spekulativ (z.B. dass in den Weinbergen mit ihren Zeilen der Regen schneller abfließen würde. Allerdings verlaufen die i.d.R. quer zum Hang). So dass man sich fragt, wo denn nun der Abdruck des Klimawandels ist! Dass die Zeitreihe dieser Flutkatastrophen sich anhand der Aufzeichnungen weiter zurück verfolgen lässt bis ins 17. Jh., ist dem Dokumentarier offenbar nicht bekannt. Schade. Reitschuster hatte das nämlich damals gleich veröffentlicht, sehr dankenswert. Und es gibt auch einen Bewohner dieser Gegend, der sich mit dieser Historie befasste. Schade, dass der nicht befragt wurde.

Bevor es mit dem Film richtig losging, wurde erst einmal das Ganze ausführlichst in den richtigen Zusammenhang geframt – die Hauptursache stand von Anfang an fest: es war der Klimawandel (wer hätte das gedacht…). Das Versagen der Behörden und Politiker wurde eher gestreift. Diskret wurden keine Namen benannt. Am Ende des Films kamen dann noch Planungsfehler zur Sprache, und Vorschläge für die Zukunft.

Aber es wurde ein dutzendmal wiederholt, dass ja die Extremwetter überall auf der Welt im Zunehmen seien. Als feststehende Tatsache. Das ist immer aufs Neue irritierend, da ich ja einiges an Literatur hierüber durchgearbeitet habe (u.a. von Vahrenholt et al.), die ein wesentlich davon abweichendes Bild zeigt, und auch das IPCC hat sich bisher sogar sehr vorsichtig dazu geäußert. Hat sich da also grundlegend etwas geändert in der Einschätzung der Extremwetter? Oder lautet die richtige Erklärung für diese ‹dramatischen Veränderungen› so:

1a) Die Aufmerksamkeit steigt und steigt, da die Medien immer öfter und dramatischer auf das jeweils gerade stattfindende Extremereignis fokussieren… /

1b) … und jedes Ereignis außerdem 100%ig in die Erzählung vom ‹stetig zunehmenden Extremwetter› hineinframen,

2) der Zeitraum, auf den geschaut wird, ist so kurz, dass man mit gutem Gewissen sagen kann, es habe etwas ‹stetig zugenommen› – was man aber gleichzeitig verschweigt, ist: … in den letzten 10 Jahren vielleicht, öfter sogar weniger, oder maximal 30 Jahren. Längere Schwankungswellen werden nicht berücksichtigt, vielleicht ist den Autoren nicht einmal bekannt, dass es sie gibt. Außerdem gibt es gewisse psychologische Abhaltungsgründe, nicht zu tief in der Vergangenheit zu wühlen… Man könnte ja auf wirklich ‹überraschende› Tatsachen stoßen.

Vom Macher des Films werden neue Experten hinzugezogen, Hannah Cloak vom britischen EFAS (Hochwasserwarnsystem), die vor der Flut eine Warnung nach Dtschl. schickte, die irgendwo im Dickicht der Behörden unterging… wie schade. Dann natürlich das PIK (wer hätte nun das auch wieder gedacht…), Katja Frieler, die Attributionsforschung betreibt, und noch ein paar mehr. Eine dieser Expertinnen (Haley Fowler, Newcastle) kommentiert das Hochwasser Juli 2021 so: Es war das erste Mal(!), dass wir weltweit sehen konnten, wie gleichzeitig Starkregen und Dürren stattfanden.

Das erste Mal? Mir fällt sofort 2018 ein (wo die umfassend ausgebildeten Fachleute der taz die Dürre in Mitteleuropa so kommentierten: „Hitzering über der Nordhalbkugel!“ … Das hatte es in der Tat noch nie gegeben, denn er existierte gar nicht). Aber man kann ja jede weitere Großwetterlage hinzuziehen, die in Europa als langanhaltende omega- oder Vb-Lage auftrat, mit einem stark mäandrierenden Polarfrontjetstream. Das bewirkt leider, dass ich mich fragen muss, wie vertrauenswürdig eine solche Expertin eigentlich ist? Weiß sie von älteren Ereignissen nichts?- Und warum wurde gerade sie befragt?

Es wurden auch die üblichen Spekulationen über die langfristige Veränderung ‹des› Jetstreams (sie kennen nur einen) durch die zunehmende Temperatur erwähnt – immer öfter immer lascher, immer stärker in Mäanderform. Dazu wurde noch die Erklärung geliefert: bei steigender Temperatur würden vor allem die Pole stärker erwärmt, womit der T-Unterschied Äquator—Pol sinkt, und damit der ‹Antrieb› für die Jetstreamstärke. Ist das so einfach? Dass hier noch andere Ursachen für zyklische Schwankungen bekannt sind, wie der natürliche ‹Puls› der NAO, darüber fiel kein Wort. Es gibt offenbar Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Faktoren der Entstehung eines Jetstreams, die zu einer natürlichen und durchgängigen Oszillation seiner Gestalt führen, die teilweise unabhängig ist von der momentanen ‹globalen Mitteltemperatur› (denn es geht nicht nur um die T-Unterschiede, sondern auch um den Transport von Wirbel-Drehimpuls, und das bleibt, solange sich die Erde selbst drehen wird).

Mein bisheriger Wissensstand ist, dass diese Korrelation zwischen Temperatur und Jetstream-Energie nicht besteht; Lockwood hat sogar schon vor über 10 mit einer historischen Analyse gezeigt, dass Blockadelagen in den kälteren Zeiten häufiger waren. Und die Arbeit von ‹L.L.L.› („Influence of solar activity…“ 2019) weist in dieselbe Richtung.

Liegen hier also echte neue Erkenntnisse vor über den Polarfront-Jetstream (die dann zu den bereits erworbenen in Widerspruch stehen würden), oder ist es nur einfach ‹das immer neue Erzählen derselben Geschichte›? Denn im Lichte der bekannten Forschungsergebnisse gesehen kann die oben zitierte ‹einfache Erklärung› nicht stimmen.

Die größten Probleme habe ich allerdings mit der Attributionsforschung (das Buch von Friederike Otto liegt mir immer noch im Magen…). Deren Zaubertrick scheint darin zu bestehen, dass sie uns zeigen wollen, dass ein stattgefundenes Ereignis durch die Klimaüberhitzung(…) um soundso viel Prozent wahrscheinlicher geworden sei. Das hat eine suggestive Wirkung! Die Angst wächst, noch mehr geschürt durch jede neue Autobahnblockade durch ‹Selbstklebende Klimaaktivisten der Letzten Generation› und die regelmäßigen Kassandra-Auftritte von Luisa Neubauer in unseren Leitmedien (zwischen den Flügen). So dass wir inzwischen sogar die selbstmörderischen Sanktionen ‹bereitwillig ertragen› (angeblich), weil sie uns die ‹Chance geben, die Energiewende energisch voranzutreiben› (ein anderes Thema, ich belasse es dabei).

Aber wiederum bei Licht betrachtet: was sagt so eine Attributionsrechnung in Wirklichkeit aus z.B. inbezug auf das Ahrtal-Ereignis? 1.) Es fügte sich ja in einen über Jahrhunderte gehenden Zyklus, der mit dem Gleissberg-Zyklus zusammenhängen dürfte – und 2.) war die Niederschlagsmenge nicht signifikant größer als 1910. Wo also ist nun diese ‹erhöhte Wahrscheinlichkeit›? Das bleibt doch reine Zukunftsmusik! Es könnte nämlich in Zukunft jetzt ‹immer öfter› dazu kommen, wobei das auch nicht plausibel ist, denn warum hat es sich dann nicht schon in den letzten 140 Jahren ‹veröftert und verschlimmert›, da doch der Kochtopf schon um 1.2° zum Kochen gebracht wurde?

Zu dem geringen Vertrauen, das von solchen Diskrepanzen ausgeht – was mich betrifft jedenfalls –, kommt noch die Methodik hinzu, wie sie diese ‹Ergebnisse› generieren. Sie vergleichen ja zwei Erden: eine ohne Klimawandel(!!), und eine mit. Und sie haben bereits ‹mit Überraschung› (s. oben) festgestellt, dass mit steigenden Temperaturen (auch ins 22. Jh. fortgeschrieben…) die Extremwetter immer schlimmer, immer öfter usw. werden. Was ja eigentlich zu erwarten war… Nicht klimatisch, aber methodisch.

Nur ist leider die ‹Erde ohne Klimawandel› ein reines Computerartefakt, das wiederum davon abhängt, was man dem Computer vorher als Futter darbot (dass es sich hier um einen Vorgang handelt, der mit der Konditionierung eines Hundes oder Affen mit Leckerli nicht ganz unähnlich ist, ist vielleicht interessant: der Computer reagiert ja erwartungsgemäß, wenn ich ihm einfüttere ‹Temperatur treibt Extremwetter›, dann gibt er das auch wieder, wenn nicht, wird nachjustiert – genauso wie bei der Parametrisierung des CO2-Forcing, das dann ‹beweist›, dass die Sonne keinen Einfluss haben kann. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: die Haltung dieser Hunde bzw. Affen kostet uns jährlich Milliarden weltweit, und schlaflose Nächte wegen alarmistischer IPCC-Berichte sowie ‹Dokus› auf ARTE spät in der Nacht). Die Bezeichnung ‹Erde ohne Klimawandel› allein schon wirkt befremdlich – denn hat es jemals eine Erde ohne Klimawandel gegeben? Nein. Ist mein Verdacht richtig, dass sie wiederum das Thema Klimazyklen ausgeklammert haben?

Und eine naheliegende Frage wäre ja noch: Wie gut sind diese Attributionsmodelle dann, wenn man sie nicht auf eine ausgedachte Erde anwendet, sondern auf die reale – für die ‹Rückvorhersage› der letzten 140 Jahre zum Beispiel? Das Ergebnis dieser Wanderung durch die Wüste ist: Das Ahrtal-Ereignis war (noch) nicht eine Folge des Klimawandels! Es war eine Katastrophe! Oh ja! Aber aus Gründen, für die wir das Fass Klimawandel gar nicht aufmachen müssten!

Aber warte ein bisschen, dann wird der Klimawandel zuschlagen…!!

So viel für heute.

Herzlichen Gruß,
Michael Kalisch (Diplombiologe)
Tübingen

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Müllprobleme, Atomausstieg

Sehr geehrte Damen und Herren,

einige Anmerkungen zum Blog vom 28. 07. 22. Ein Beitrag berichtete über anfallenden Müll in Amerika, wenn Solarpanels nach Ende der Nutzungsdauer entsorgt werden müssen. Weiterhin wurden die Flügel von Windkraftanlagen angesprochen, welche ebenfalls nach einer Nutzungsdauer entsorgt werden. Ein weiteres Problem wurde nicht erwähnt. Mit der zunehmenden Zahl von E-Autos, fallen irgendwann Massen an Schadstoffen aus den Batterien an. Auch diese Materialien müssen entsorgt werden und das ist sicherlich nicht sehr umweltfreundlich.

Ein weiterer Beitrag berichtet über die Energiewende in Deutschland. Dabei wurde auch der Atomausstieg durch die Regierung von Angela Merkel im Jahr 2011 erwähnt. Der Anlass, zum Ausstieg wurde durch den Unfall in japanischen Atomkraftwerk Fukushima gegeben. Der Unfall kam durch das Seebeben und den daraus folgenden Tsunami zustande. Die Atomkraftgegner Atomkraftgegner brachten des Slogan heraus: „Fukushima ist überall“. Das zeugt nur von erheblicher Unkenntnis. Japan liegt am pazifischen Feuerring. Diese Verhältnisse sind jedoch in Mitteleuropa nicht gegeben. Deshalb ist eine solche Katastrophe nicht zu erwarten.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn