Und schon wieder Wirbel um den Polarwirbel

In Schottland findet in Kürze die COP26-Klimakonferenz statt. Um die hohen Herrschaften von Veranstaltung zu Veranstaltung zu fahren, hat Großbitannien 20 Tesla-Limousinen gekauft. Allerdings haben sie nun nicht genug Ladestationen. Also wurden Generatoren beschafft, die mit Gemüse-Öl laufen sollen (weil Diesel nicht nachhaltig ist). Die Bevölkerung ist „not amused“, denn in Großbritannien ist momentan alles knapp, vom Erdgas über den Strom bis hin zum Fleisch. Die Generatoren würden anderswo dringend gebraucht. Auf die Kritik angesprochen, empfiehlt ein COP26-Sprecher den Delegationen, möglichst den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Nachzulesen beim Scotsman und The Courier.

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Leserzuschrift von Dipl.-Ing. Peter Dietze zum Blogartikel vom 14.10.2021:

Ich möchte darauf hinweisen dass Herr Flintz (ARD) den Denkfehler fast aller Politiker (und auch der DENA-Studie) macht: Die Deutschen verwenden nur die Fossilen weil sie so billig sind, anstatt in CO2-neutrale elektrische Zukunfts-Technologien zu investieren, welche Sonne und Wind nutzen. Wir erzeugen doch schon (im Jahresmittel) ~45% des Stroms mit Öko, und da sind sicher auch 100% machbar…

Genau das ist gar nicht realisierbar, denn weder soviel Ökostrom noch die nötigen Speicher wird es geben. Wir brauchen ja nicht nur 66 GW, sondern den gesamten Energiebedarf, also mindestens 400 GW +50%. Auch die Elektromobilität sowie Verluste durch Wasserstoff, synthetische Treibstoffe und Speicherung müssten durch eine mehr als 20fache (!) Ökostromerzeugung gedeckt werden.

Dann bräuchten wir einen gigantischen saisonalen Jahresspeicher mit einer Kapazität von 360 TWh entsprechend 25 Tagen Dunkelflaute. Das wäre z.B. 42000mal Goldisthal oder ein Li-Akku von 2300 Mio t für etwa 126 Billionen € der z.B. nach 8 Jahren erneuert werden muss -nicht auszudenken, wenn der abbrennt. Davon abgesehen sind 20 Mio mit Ökostrom betriebene Heizungs-Wärmepumpen eine Schnapsidee. Z.B. ist bei 50 mW/m² Erdwärmefluss für eine 6-monatige Entnahme von 5 kW ein Grundstück von 50000 m² erforderlich, das z.B. 50 Mio € kosten kann.

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Leserpost von Detlef Dechant zum Kalte-Sonne-Blogartikel vom 14.10.2021:

Betreff: Fintz: Sprit 5 €

Nicht nur, dass der größte Teil aufgrund des Einkommens sich diese Energiepreise nicht leisten kann, kommt für viele, vor allem Rentner mit durchschnittlicher oder minderer Rente noch hinzu, dass sie für ein Elektroauto gar keine Finanzierung bekommen! Es bleibt da, um mobil zu bleiben, eh nur der Kauf eines älteren Gebrauchtwagens oder den bisherigen zu fahren bis zum unvermeindlichen Ende. Ich habe jedenfalls diese Erfahrung gemacht!

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Geomar am 17.9.2021:

Den Ozean zum Verbündeten beim Klimaschutz machen

Mesokosmen-Experiment auf Gran Canaria untersucht möglichen Lösungsansatz zur langfristigen Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre mit Hilfe des Ozeans

17.09.2021/Kiel/Gran Canaria. In einem gerade begonnenen Mesokosmen-Experiment auf Gran Canaria erforschen Wissenschaftler*innen aus sechs Nationen unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, inwieweit der Ozean dabei unterstützen kann, mehr Kohlendioxid (CO2) aus der Luft aufzunehmen, und welchen Einfluss dies auf das Leben im Meer hat. Das Experiment findet im Rahmen des EU-Projekts Ocean-based Negative Emission Technologies (OceanNETs) statt. Das seit Juli 2020 laufende Projekt hat zum Ziel, eine integrierte Bewertung gezielter Maßnahmen zur CO2-Entnahme im Ozean zu liefern.

Der durch den Menschen verursachte Anstieg der Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre hält weiterhin an. Mit bekannten Folgen: Das Klima ändert sich, Extremwetterereignisse nehmen vielerorts zu, mit dramatischen Auswirkungen auf Mensch und Natur. Nach aktuellen Einschätzungen des Weltklimarates (IPCC) ist das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel, die globale Erwärmung auf möglichst 1,5° Celsius zu beschränken, ohne aktive Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre nicht mehr zu schaffen. Ob und in welchem Maße ozeanbasierte Ansätze der CO2-Entnahme hierzu beitragen können, untersucht das von der Europäischen Union geförderte und am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordinierte Projekt Ocean-based Negative Emission Technologies (OceanNETs).

Auf lange Sicht wird das durch den Menschen freigesetzte Kohlendioxid größtenteils durch die Verwitterung von Gestein an Land wieder gebunden und im Ozean als gelöstes Hydrogenkarbonat gespeichert werden. Allerdings wird es bis zu zehntausend Jahre dauern, bis der menschliche CO2-Fußabdruck über diesen Prozess wieder weitgehend ausgelöscht ist. Zu lang, um bei der Bewältigung des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten eine nennenswerte Rolle zu spielen. Es sei denn, dieser Prozess ließe sich aktiv beschleunigen. Ob das möglich ist und wie die Lebensgemeinschaften im Meer darauf reagieren, untersuchen aktuell 50 Wissenschaftler*innen aus sechs Nationen unter Leitung des GEOMAR in einem Freiland-Experiment auf Gran Canaria.

In übergroßen Reagenzgläsern im Meerwasser, sogenannten Mesokosmen, simulieren die Forscherinnen und Forscher beschleunigte Verwitterung von Gestein durch Zugabe von Mineralien, wie sie auch durch natürliche Prozesse in die Ozeane eingetragen werden. Je Kilogramm gelöster Gesteinsmineralien kann bei diesem Ansatz etwa ein halbes Kilogramm CO2 zusätzlich im Meerwasser gebunden werden. In den neun Mesokosmen wurden unterschiedliche Mengen an Mineralien mit der entsprechenden Menge an CO2 zugegeben. Der so eingestellte Konzentrationsgradient soll Aufschluss über mögliche Grenzwerte zur Umweltverträglichkeit von beschleunigter Verwitterung geben. Neben der langfristigen Speicherung von CO2 hat der als Ozeanalkalisierung bezeichnete Ansatz den positiven Nebeneffekt, dass er der Ozeanversauerung entgegenwirkt. Die zunehmende Versauerung des Meerwassers ist Folge der anhaltenden CO2-Emissionen. Etwa ein Viertel des jährlich durch Menschen freigesetzten CO2 löst sich nämlich im Meer und reagiert mit dem Wasser zu Kohlensäure – mit gravierenden Auswirkungen auf das Leben im Meer.

„Das Ziel unseres Experiments ist es, die möglichen Risiken und Nebenwirkungen von Ozeanalkalisierung für die Lebensgemeinschaften im Meer zu untersuchen, aber auch eventuelle positive Effekte durch Eindämmung der Ozeanversauerung zu erfassen“, erläutert Prof. Ulf Riebesell, Meeresbiologe am GEOMAR und Leiter der Studie. „Außerdem hoffen wir, Einblicke zu bekommen, wie wirksam und sicher Ozeanalkalisierung als Methode zur CO2-Entnahme eingesetzt werden könnte.“

Das marine Ökosystem vor Gran Canaria ist repräsentativ für große Bereiche des subtropischen offenen Ozeans. Im kommenden Frühjahr werden Riebesell und sein Team daher, unterstützt von Forscher*innen anderer europäischer und außereuropäischer Institutionen, die Kieler Mesokosmen vor der norwegischen Küste aussetzen und die Studie dort wiederholen. „Im Gegensatz zum nährstoffarmen, subtropischen Ozean um die Kanaren sind die küstennahen Ökosysteme vor Norwegen nährstoffreich und hochproduktiv. Durch den Vergleich zweier gegensätzlicher Ökosystemtypen können wir die Bandbreite an möglichen Einflüssen von Ozeanalkalisierung auf das Leben im Meer besser abschätzen“, so Riebesell.

Die Ergebnisse der Studien werden in eine übergreifende Bewertung aller ozean-basierten Maßnahmen zur aktiven CO2-Entnahme einfließen. „Das OceanNETs-Projekt bündelt die Expertise von Wissenschaftler*innen aus den Naturwissenschaften, dem Ingenieurwesen, der Ökonomie, Soziologie und dem Seerecht,“ erklärt Dr. David Keller, Erdsystemmodellierer am GEOMAR und Koordinator des OceanNETs-Projekts. „Die von uns erzielten Ergebnisse und Bewertungen sollen dazu beitragen, eine Entscheidungsgrundlage für den möglichen Einsatz von Maßnahmen zur aktiven CO2-Entfernung zu liefern. Welche Maßnahmen letztlich zum Einsatz kommen, kann nur durch Abwägung aller Vor- und Nachteile und eingebunden in einem gesamtgesellschaftlichen Prozess zur Minderung des Klimawandels entschieden werden.“

Welchen Beitrag Ozeanalkalisierung dabei leisten kann, soll das Experiment vor Gran Canaria nun erstmals an natürlichen Lebensgemeinschaften untersuchen.

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Leserzuschrift von: Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Wind- und Solarenergie, tropische Bergwälder

Im Blog vom 11.10.2021 sind einige interessante Aspekte, zu welchen ich hier einige Anmerkungen geben möchte.

Es wird immer wieder der vermehrte Ausbau der Wind- und Solarenergie gefordert. Die Nachteile dieser Technologien werden dabei hartnäckig verschwiegen oder geleugnet. Ein Nachteil ist der Vogelschlag bei Windenergieanlage, welcher durchaus ein Problem darstellt. Dass die Befürworter der Technologie dann Verluste von Gartenvögeln mit denen von seltenen Greifvögeln vergleichen ist ein typisches Beispiel für dieses Leugnen. Der weitere geplante Ausbau der Windenergie wird das Problem deutlich verschärfen. Es ist eigentlich eine Schande, dass die Grünen oder einige Naturschutzverbände, welche ja eigentlich für die Erhaltung der Natur stehen sollten, solche Probleme einfach beiseiteschieben.

Ein weiteres Problem der Windenergieanlagen ist der Infraschall, welcher geeignet ist, bei den Menschen gesundheitliche Beschwerden zu erzeugen. Doch auch das wird ignoriert, es wird den Betroffenen sogar vorgeworfen, dass sie diese gesundheitlichen Störungen nur vortäuschen. Dabei liegen eine ganze Reihe von ärztlichen Untersuchungen vor, dass die Beschwerten tatsächlich auftreten. Eine Schande, wie mit der Gesundheit der Menschen umgegangen wird.

Auch der Ausbau der Solarenergie ist ein Fall für sich. Es werden Solarparks angelegt, wobei Flächen von Solaranlagen errichtet werden. Wäre es nicht sinnvoller, auf diesen Flächen Bäume anzupflanzen?

Ein Bericht handelt von den tropischen Bergwäldern als Kohlenstoffspeicher. Darin wird erwähnt, dass auch solche Wälder gerodet werden, um Flächen für Landwirtschaft zu schaffen. Das Problem ist bekannt, z. B. in Brasilien sind solche Rodungen (meist Brandrodungen) bekannt, um landwirtschaftliche Flächen zu erhalten.

Dabei werden stets die Industrieländer als „Treiber“ gebrandmarkt, weil Produkte wie z. B. Palmöl dort angebaut werden. Das mag zum Teil sicherlich stimmen, doch ein mehr an landwirtschaftlichen Flächen wird auch benötigt, weil die Weltbevölkerung rasant ansteigt. Um 1800 lag die Weltbevölkerung bei 1. Milliarde Menschen. Es dauerte über 100 Jahre, bis Mitte der 1920er Jahre die zweite Milliarde überschritten wurde. Dann folgten in immer geringeren Zeiträumen weitere Milliarden und heute beträgt die Weltbevölkerung etwa 7,9 Milliarden Menschen.

Dafür werden eine Menge an Nahrungsmitteln benötigt. Es wird oft über vermehrten Hunger aufgrund des Klimawandels berichtet. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Durch die Erwärmung verlängern sich die Wachstumsphasen, was zu mehreren Ernten führt. Durch den erhöhten CO2 Gehalt wachsen die Pflanzen, auch die Nahrungsmittelpflanzen, üppiger. Doch das wird bei einer weiteren rasant wachsenden Weltbevölkerung nicht mehr reichen.

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Alex Reichmuth am 14.10.2021 im Nebelspalter:

«Big Tech» torpediert die freie Meinungsäusserung

Facebook und Youtube löschen Millionen von Einträgen, die der offiziellen Corona-Politik widersprechen. Und Google will Webinhalte abwürgen, die den menschengemachten Klimawandel in Frage stellen. Die grossen Technologiekonzerne entwickeln sich zu einer Gefahr für den freien Diskurs. Ein Kommentar.

Weiterlesen im Nebelspalter

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Wetter.de am 12.9.2021:

Es spricht einiges dafür

Kälte, Schnee und Eis – Wird der Winter 2021/22 wieder extrem?

[…] Wir wissen bereits, dass der Polarwirbel einen großen Einfluss auf unser Wetter im Winter hat. Der Polarwirbel baut sich im Herbst langsam auf, wenn es im Norden immer dunkler wird. Durch die fehlende Sonne sinken die Temperaturen. Der Polarwirbel ist dann intakt, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Pol besonders groß sind. Dann bringt der Polarwirbel vornehmlich Westwind nach Europa, der tendenziell nass und warm ist. Wir bekommen den klassischen Winter mit Schnee auf den Bergen und sonst eher Matsch.

Ist nun der Wirbel gestört, dann kann die kalte Luft sozusagen ausbrechen. Es kommt zu Phasen, in denen östliche Winde dominieren – wie bei einem Polarwirbel-Split. Die Ostwinde sorgen für Kaltluft-Import aus Nord- und Nordosteuropa – möglicherweise bringen sie sogar eine sibirische Kältewelle. Es kommt aber auch zu Lufteinfuhr aus dem hohen Norden. Ein gestörter Polarwirbel kann auch horrende Kälte bis in südliche Staaten der USA wie Texas tragen – wie im vergangenen Winter.

Weiterlesen bei Wetter.de

Die alte Masche: Der Polarwirbel würde durch die anthropogene Erwärmung gestört, mehr Extremwetter, das schmelzende arktische Eis habe Schuld – die uralten Geschichten. Der Schreiber muss wohl in Potsdam studiert haben. Dabei entgeht ihm, dass die Mehrheit der Wissenschaft außerhalb Potsdams diese Themen ganz anders sieht. Siehe:

und

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Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover am 15.9.2021:

Über 25.000 Jahre Einfluss der Umwelt auf die Tierwelt

Schon bevor Menschen sich auf Madagaskar ansiedelten, beeinflussten Umweltveränderungen die dort lebenden Lemurenpopulationen

In einem interdisziplinären Projekt untersuchte ein Team unter Leitung von apl. Professorin Dr. Ute Radespiel, Institut für Zoologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), und Professor Dr. Hermann Behling, Abteilung Palynologie und Klimadynamik der Georg-August-Universität Göttingen, den Einfluss von Umweltveränderungen über die letzten 25.000 Jahre auf die Tierwelt von Madagaskar. In der Zeitschrift Communications Biology berichten sie in einem heute veröffentlichten Artikel, dass der Rückgang madagassischer Wildtiere im Norden der Insel bereits erheblich war, bevor Menschen Einfluss darauf nahmen.

Auf Madagaskar leben viele Tier- und Pflanzenarten, die nur dort vorkommen. Darum eignet sich die Insel besonders gut, um in einem regional begrenzten Gebiet zu untersuchen, welche Einflüsse wie auf Tierarten und Populationen wirken. So gehen Forschende beispielsweise davon aus, dass in der Vergangenheit vor allem Klimaveränderungen dafür verantwortlich waren, dass sich Lemuren in den Wäldern auf unterschiedliche Lebensräume verteilten und sich zu getrennten Arten entwickelten. Lemuren gehören zu den Primaten. Sie kommen ausschließlich auf Madagaskar vor. Über die Klima- und Umweltveränderungen, die vor über 10.000 Jahren in Madagaskar stattgefunden haben, war bisher sehr wenig bekannt. Das Forschungsteam hat auf der Insel darum in einem definierten Untersuchungsgebiet zwei unterschiedliche Aspekte beleuchtet und kombiniert: Die Umweltveränderungen auf Madagaskar innerhalb der letzten 25.000 Jahre und die Entwicklung einer im Wald lebenden Lemurenart im selben Zeitraum.

TiHo-Doktorandin Helena Teixeira untersuchte in den immergrünen Feuchtwäldern des Montagne d’Ambre Nationalparks (NP) im Norden Madagaskars stellvertretend für andere Tierarten die Mausmakiart Microcebus arnholdi. Sie nahm Gewebeproben, extrahierte die DNA, und modellierte die demographischen Schwankungen der Lemuren über die Zeit mit Hilfe genomischer Daten. Im selben Jahr bohrte Dr. Vincent Montade aus der Arbeitsgruppe von Hermann Behling im selben Gebiet Sedimentkerne aus mehreren vulkanischen Seen (Maarseen). Sie liefern natürliche Aufzeichnungen über die lokale und regionale Umwelt- und Klimadynamik bis ins späte Pleistozän, das vor über 2,5 Millionen Jahren begann und vor etwa 11.700 Jahren endete.

Anschließend analysierten, interpretierten und kombinierten sie die genomischen und paläoökologischen Daten. Die paläoökologischen Daten setzen sich aus Analysen von Pollen und der Gesteinskörnung sowie anorganisch-geochemischen Untersuchungen zusammen. Sie zeigten, dass es in den vergangenen 25.000 Jahren im nördlichen Madagaskar fünf Hauptperioden mit Umweltveränderungen gab. So endete laut der Analysen vor etwa 5.500 Jahren eine auch von Kontinental-Afrika bekannte Feuchtperiode. Die Niederschläge wurden weniger und die Vegetation rund um den Nationalpark entwickelte sich in eine offene Graslandschaft, in der es insbesondere seit 900 Jahren auch häufig zu Bränden kam. Menschen besiedelten Madagaskar erst vor 1.000 bis 2.000 Jahren. Die Forscherinnen und Forscher gehen in ihrer Veröffentlichung deshalb davon aus, dass sie die Lebensräume vorher nicht nennenswert beeinflussten und die von ihnen beschrieben Veränderungen auf natürliche klimatische Einflüsse zurückzuführen sind.

Die Forscherinnen und Forscher nutzen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im genetischen Code der Tiere in Kombination mit geschätzten Mutationsraten und Generationsdauern, um die zurückliegende Entwicklung der Populationen zu modellieren. Die verschiedenen genomischen Untersuchungen des Arnhold-Mausmakis zeigten, dass sich die Populationsgrößen in den vergangenen 25.000 Jahren mehrfach stark veränderten. Auf einen Populationsrückgang während der letzten kühl-trockenen Eiszeit folgte eine deutliche Zunahme während der afrikanischen Feuchtperiode. Ein starker Populationsrückgang begann laut dem Forschungsteam in den letzten 5.000 Jahren, als es zunehmend trockener wurde. Im letzten Jahrtausend, also mit verstärktem Eingreifen des Menschen, hat sich der Rückgang noch verstärkt. „Unsere Studie zeigt, dass der Rückgang der madagassischen Wildtiere im Norden bereits erheblich war, bevor der Einfluss des Menschen auf die Insel einsetzte, und bringt neue Erkenntnisse darüber, wie Umweltveränderungen in der Vergangenheit die heutigen Biodiversitätsmuster in tropischen Regionen geprägt haben“, sagt Radespiel.

Die Originalpublikation: Past environmental changes affected lemur population dynamics prior to human impact in Madagascar. Helena Teixeira, Vincent Montade, Jordi Salmona, Julia Metzger, Laurent Bremond, Thomas Kasper, Gerhard Daut, Sylvie Rouland, Sandratrinirainy Ranarilalatiana, Romule Rakotondravony, Lounès Chikhi, Hermann Behling, Ute RadespielCommunications Biology
DOI: https://doi.org/10.1038/s42003-021-02620-1