Solarstrom darf in Katar nur 1,5 Cent pro Kilowattstunde kosten

Im SWR Wissen Podcast geht es in einer aktuellen Folge um das Thema Wasserstoff und die Rolle als Klimaretter. Dabei kommen verschiedene Stimmen zu Wort, und die verschiedenen Arten von Wasserstoff bzw. seiner Gewinnung werden erläutert: grüner, grauer und blauer Wasserstoff. Unter anderem äußert sich der Geschäftsführer der Firma Sunfire aus Dresden. Sunfire stellt Technik zur Gewinnung von Wasserstoff her. Erstaunlicherweise ist das EEG einer der Gründe, warum eine Anlage bei Sunfire nicht mehr läuft. Bei den Strompreisen bedingt durch die zahlreichen Zuschläge war eine Produktion nicht mehr rentabel.

Auch der Grüne Oliver Krischer kommt zu Wort, der vor Wasserstoff aber eher warnt, weil die Infrastruktur zu teuer wäre. Wie gut, dass es Batterie-Ladestationen offenbar kostenlos gibt… Da die Grünen fossile Brennstoffe gänzlich aufgeben wollen, verwundet es etwas, warum das Thema dort nicht für mehr Begeisterung sorgt. Wie sollen zukünftig Schiffe, Loks, Flugzeuge oder LKW angetrieben werden, wenn Öl ausfällt? Krischer sagt in dem Artikel:

„Entscheidend ist am Ende die Frage – nicht die Technik, die haben wir bereits – sondern haben wir genug Strom aus Erneuerbaren? Und da hapert es zurzeit, weil der Ausbau von Wind und Sonne deutlich ausgebremst wird und damit gibt es da einen Flaschenhals.“

Auch eine Wasserstoff Produktion ist/wäre auf eine verlässliche Stromversorgung angewiesen. Es ist schwer vorstellbar, dass nur dann produziert wird, wenn gerade genügend Wind- und Solarstrom verfügbar ist. Der Juni 2020 hat gerade demonstriert, wie windarme Zeiten aussehen können. Da nutzen dann leider auch nicht mehr Windkraftanlagen, wenig oder kein Wind bleibt das Problem. Das ist der Flaschenhals, aber einer, den man nicht mal eben beseitigen kann. Es bleibt eine Laune der Natur.

Interessant ist sicherlich ein Hinweis im Podcast auf eine Ausschreibung für die Herstellung von Solarstrom in Katar. Der darf nämlich nur 1,5 Cent pro Kilowatt Stunde (Abgabepreis) kosten. Damit wären dann Wirkungsgradverluste vertretbar, die bei der Gewinnung von Wasserstoff oder nachfolgenden Produkten anfallen, allerdings sind es Preise, von denen Deutschland nur träumen kann. Dank EEG und Co. liegt der Preis hier beim 20 fachen, Tendenz weiter steigend.

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Die FAZ berichtet über eine Verschiebung bei der Stromproduktion von Kohle zu Gas. Das geschieht bei einer nach wie vor geringen Nachfrage nach Strom. Als Grund gibt die FAZ den Preis für CO2-Zertifikate an, der nach dem ersten Corona-Schock wieder auf alte Marken klettert. Das macht die Erzeugung aus Gas lukrativ und aus Kohle nicht. Der Juni macht, wie hier schon beschrieben, seinem Ruf als windarmer Monat alle Ehre:

„Dass Strom im Großhandel dennoch wieder mehr kostet, liegt also eher an der Angebotsseite. So entfielen nach den Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme im Juni nur 17 Prozent der Stromerzeugung auf die Windkraft. Das ist viel weniger als in den vergangenen Monaten – im Februar hatte er sogar die Marke von 45 Prozent geknackt, und auch sonst war das erste Halbjahr nach Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende besonders windreich.“

Den gesamten Vorjahreswert 2019 von Stunden mit negativem Strompreis (Abnehmer erhalten Geld dazu, Endverbraucher aber nicht!) hat Deutschland schon Ende Juni 2020 erreicht.

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Kein Dürresommer in Sicht in Deutschland

Auch die etwas konkreteren Aussichten für die nächsten 10 Tage nach dem ECMWF Modell sehen kein ruhiges Sommerwetter vor. An Regen wird es in einigen Bereichen Deutschlands nicht fehlen, der Bereich Ruhrgebiet und südliches Niedersachsen könnte sogar mehr als 50 l/m2  Niederschlag bekommen. Damit fehlt allerdings auch die Grundlage, dem Klimawandel bzw. der Wärme mögliche Waldbrände anzuhängen. Bis zum 04.07.2020 sind weite Teile Deutschlands bei 1 oder 2 im Index. Das bedeutet geringe Waldbrandgefahr. Entscheidend für Waldbrände ist die Abwesenheit von Niederschlägen, danach sieht es aber bis Mitte Juli in Deutschland nicht aus. Selbst prognostizierte 30 Grad in einigen Teilen Deutschlands reichen nicht aus, um den Index zu ändern.

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Flaue Zeiten

Die ZEIT frohlockt über den hohen Anteil an Erneuerbaren Energien im 1. Halbjahr in Deutschland. Gleichzeitig beweist der Artikel ein interessantes Geschick in Mathematik, denn rein rechnerisch reicht danach die Menge des produzierten Ökostroms, um Deutschland und die Niederlande ein Jahr lang zu versorgen. Aber, das ist natürlich nicht ganz korrekt gerechnet. Fällt einen Monat z. B. kein Niederschlag, am letzten Tag des Monats aber die gesamte Menge eines Monats, dann hat der Monat rechnerisch einen normalen Wert erreicht. Dafür dürfte der Boden in den 29 Tagen zuvor langsam, aber sicher vertrocknet sein.

Strom ist ein kurzlebiges Gut. Er muss in dem Moment, in dem er produziert wird, verbraucht werden. In Deutschland können wir ihn nicht speichern, allenfalls indirekt in den wenigen Pumpspeichern, die es bei uns gibt. Da sind Länder mit vielen Bergen wie Norwegen oder Österreich im Vorteil.

Viel wichtiger wäre daher die Frage, wie oft der Strom bedarfsgerecht produziert wurde. Hier gibt das Chart von Agora Energiewende Aufschluss. Immer dann, wenn weiße Flächen zwischen der Erzeugung und dem Verbrauch liegen, wurde weniger produziert als benötigt. Im gleichen Atemzug springt die Kurve des CO2 Faktors hoch, weil konventionelle Kraftwerke einspringen müssen neben dem Import von Strom. An den Stellen, an denen die in dem Chart grau markierten Flächen über die rote Kurve steigen, wurde mehr Strom produziert als benötigt.

Das sind die Zeiten mit negativen Strompreisen. Abnehmer des überflüssigen deutschen Stroms bekommen Geld dazu, damit der Strom abgenommen wird. In Ländern wie Österreich wird man sich bei jedem Aufkommen von starken Westwinden in Deutschland daher die Hände reiben und schon mal die eigenen Pumpspeicher ablassen. Für das Wiederauffüllen gibt es dann in Kürze Geld dazu und sobald die Westwinde einschlafen, gibt es beim Stromexport noch einmal Geld. Win/Win – für Österreich. Für Deutschland ist es eher Lose/Lose.

Auf die Frage, wie die Volatilität ausgeglichen werden soll, wenn demnächst Kohle und Kernkraft fehlen, gibt es nach wie vor keine Antwort, nehmen wir mal die „virtuellen Kraftwerke“ á la Claudia Kemfert aus. Die aber gibt es allenfalls in der Phantasie. Schon heute erfolgt ein reger Austausch in Europa ansonsten könnte es keinen Stromimport und Export geben. „Viel hilft viel“ funktioniert bei den Erneuerbaren Energien nicht wirklich, wenn die Basis Null ist, sprich keine Sonne oder kein bzw. zu wenig Wind herrschen. Nachts wird es niemals Strom aus Photovoltaik geben und um selbst bei sehr schwachem Wind wie im Juni 2020 immer noch ausreichend Strom zu erzeugen, müsste eine völlig utopische Menge an Windkraftanlagen installiert werden.

Wie man mit Speicher etwas steuern kann sieht man übrigens in dem Chart auch. Biomasse hat einen sehr gleichmäßigen Anteil an der Stromproduktion. Im Falle von Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen hat jede Anlage den Speicher direkt nebenan. Auch die Produktion von Biogas unterliegt Schwankungen, diese werden durch die Speicher ausgeglichen. Bei Wind und Solar fehlen diese Speicher und das macht die Sache schwierig und Rechenbeispiele wie die in der ZEIT fast wertlos.

Dem Landwirt oder Gärtner wird die monatliche Regensumme an einem Tag nichts nutzen, wenn vorher Dürre war. So ähnlich ist es mit dem Strom. Er muss bedarfsgerecht produziert werden, diesen Gefallen tut uns die Natur nur leider nicht bei den Erneuerbaren Energien. Komplementäre Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen sind daher in Ermangelung von Speichern immer noch eine Notwendigkeit und letztlich auch der Grund, warum der Strompreis in Deutschland auf dem Höhenflug ist. Irgendjemand muss die doppelte Infrastruktur bezahlen.