NordLink bleibt vorerst Strom-Einbahnstraße

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an den Klimaschau-Beitrag „NEUES STROM-SEEKABEL: Wer profitiert am meisten von NordLink? Deutschland oder Norwegen?“ in der Klimaschau #45.

Deutsche Politiker warben für das Kabel, weil dadurch überschüssiger Offshore-Windstrom für gutes Geld nach Norwegen verkauft werden könnte. Gleichzeitig würde man zu Dunkelflautenzeiten Wasserkraft-Strom aus Norwegen beziehen Lücken füllen. Bis jetzt wurde das Kabel allerdings nur in eine Richtung betrieben: Von Strom aus Norwegen nach Deutschland. Erst ab 1. Januar 2022 sollte der bilaterale Handel eingeführt werden, also Windstrom nach Norwegen geschickt werden. Diesen Termin hat die norwegische Seite nun verschoben. Sie ist mit den Bedingungen des „countertrades“ offenbar nicht zufrieden. und will nachverhandeln. Das Abkommen sieht vor, dass die norwegische Statnett Ausfallzahlungen erhält, wenn Deutschland wegen hoher Windproduktion keinen Strom aus Norwegen abnimmt. Laut Vertrag muss Deutschland offenbar mindestens 23,3% der Leitungs-Kapazität für Strom-Importe markttechnisch ermöglichen.

Irgendwie hört sich das ganz anders an, als das von Politikern skizzierte harmonische Bild einer Win-Win-Situation. Bei viel Wind bekommen also sowohl die deutschen Windproduzenten als auch die norwegischen Wasserkraftwerker Ausfallzahlungen. Alles zu zahlen vom deutschen Stromkunden. Herrlich.

In Norwegen ist man im Übrigen nicht allzu froh über das bilaterale Stromkabel. Die Strompreise sind nämlich in Norwegen kräftig nach oben geschossen, möglicherweise auch als Folge von NordLink. Denn die norwegische Statkraft verkauft lieber Strom teuer nach Deutschland, als billig in Norwegen. Und wenn Deutschland 200 Euro bietet verkauft Statkraft in Norwegen auch zu 200 Euro. Um Unmut zu vermeiden, zahlt Norwegens Regierung mittlerweile norwegischen Haushalten einen Ausgleich für hohe Strompreise.

Wie bei einer guten Seifenoper kann man auf die Fortsetzung der Geschichte gespannt sein.

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Wikipedia

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine kleine Anmerkung zum Blog vom 27.12.2021. Bei einem Beitrag geht es um den Spendenaufruf von Wikipedia. Im Screenshot von Wikipedia wird erläutert, dass sich Wikipedia auch mit Werbung finanzieren könnte. „Aber dann wäre das Programm ein völlig anderes. Man könnte sich nicht mehr darauf verlassen.“

Ich kann das kaum glauben. Meint Wikipedia wirklich, dass man sich jetzt völlig auf die Aussagen verlassen kann? Es hat ja schon verschiedene Berichte gegeben, wie einseitig Wikipedia zum Thema Klimawandel berichtet. Als ein ausgewogenes Informationsportal wäre auch Darstellung abweichender Meinungen angesagt. So kann sich der Leser seine eigene Meinung bilden. Doch wie es zurzeit läuft, wird nur die Alarmstimmung weitergegeben.

Ich habe in Wikipedia einmal nach den holozänen Warmphasen oder der römischen Warmzeit gesucht – keine Ergebnisse. Lediglich die mittelalterliche Warmphase ist enthalten (unter dem Titel „Mittelalterliche Klimaanomalie“) enthalten. Dabei wird die Warmphase jedoch heruntergespielt. Es wurde auch berichtet, dass die mittleren Temperaturen der letzten 30 Jahre insgesamt höher waren als in gleichlangen Phasen des Mittelalters.

Eine in dem Artikel abgebildete Kurve zeigt etwa 2000 Jahre ein mehr oder weniger gleiches Niveau, welches erst im 20. Jahrhungert in die Höhe schnellt. Mit solchen Aussagen kann ich Wikipedia nicht mehr trauen, auch zu anderen Themen. Die gesamte Plattform hat sich für mich als äußerst unseriös dargestellt. Eine Spende wird Wikipedia von mir nicht bekommen.

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Von Frank Bosse

In der Zeit erschien am 26.12.2021 ein Bericht eines ex- Forschers am Max-Planck-Institut für Marine-Mikrobiologie in Bremen, heute freier Journalist, Tim Kalvelage. Es geht zunächst um sein Fachgebiet, Algen an der Oberfläche von Gletschereis. Sie sind nicht weiß, reduzieren also das Rückstahlvermögen (die Albedo) des Eises, was dadurch mehr Wärme aufnimmt als wäre es ohne diese Algen. Dann bezieht er sich auf eine Arbeit vom Mai 2021, die ein positives Feedback beim Eisverlust von Grönland fand: Je mehr Eis durch Erwärmung schmilzt, je geringer wird die Höhe des Eisschildes werden, desto wärmer wird es und desto mehr schmilzt. Eine Kettenreaktion! Der Leitautor der Studie: Niklas Boers vom PIK. Tim Kalvelage führt dazu in dem „Zeit“ -Artikel aus:

„Ende der Achtzigerjahre konnten Schneefälle die Eisverluste auf Grönland – durch Schmelzen oder kalbende Gletscher – noch ausgleichen. Doch seitdem weist die Massenbilanz ein immer dickeres negatives Vorzeichen auf. Neueste Studien sehen die Insel bereits kurz vor einem Point of no return, jenseits dessen der langfristige Kollaps großer Teile des Eisschilds droht. Dahinter steckt ein simpler wie fataler Mechanismus: Schmelzende Gletscher verlieren an Höhe. Ihre Oberfläche ist so zunehmend wärmerer Luft ausgesetzt – dadurch schmelzen sie noch schneller.“

Nun würde man ja erwarten, dass sich das vermehrte Schmelzen in der Gesamt-Massenbilanz durch immer höhere Verluste an Masse bemerkbar machen:

Das geben die Fakten (Daten: dänisches Meereisportal) jedoch nicht her. Man erkennt tatsächlich eine Beschleunigung, jedoch nur bis 2012. Danach „bremsen“ die Verluste. Wenn das „positive Feedback“ also wirkt, warum sieht man es nicht in den Daten? Es gibt noch mehr Fragen! Kalvelage weiter unten im Artikel:

„Sollte der Klimawandel ungebremst voranschreiten, dürfte nicht nur das Anschwellen der Ozeane bisherige Prognosen deutlich übertreffen. Mehr Schmelzwasser könnte auch die bereits schwächelnde Atlantische Umwälzzirkulation und damit den Golfstrom abbremsen.“

„Schwächelnde AMOC“? Welche Arbeit liefert dafür den Hintergrund? Wohl diese hier! Autor: wieder Niklas Boers vom PIK! Wer Einzelheiten recherchieren will: bitteschön. Die „nature climate change“ Arbeit schreibt in den Abstracts:

„Observations and recently suggested fingerprints of AMOC variability indicate a gradual weakening during the last decades…“ .

Und was schreibt der IPCC, AR6 ganz aktuell zum Phänomen auf Seite TS 41?

„There is low confidence  in the quantification of AMOC changes in the 20th century because of low agreement in quantitative  reconstructed and simulated trends, missing key processes…“ 

Das wird natürlich im „Zeit“-Artikel nirgends erwähnt. Es werden da offensichtlich die Außenseiter-Darstellungen des PIK völlig unkritisch an den Leser gebracht und dem diametral widersprechende Erkenntnisse der internationalen Klimaforschung, präsentiert vom IPCC AR6 erst kürzlich, verschwiegen. Man muss jedoch dem PIK auch für die handwerkliche Leistung gratulieren: Es hat es geschafft, dass in den Medien ihre in der Welt der Klimaforschung kaum akzeptierten Thesen immer und immer wieder 1:1 wiederholt werden. So gesehen müsste die Nachbemerkung des „Zeit“-Artikels nicht lauten: „Diese Recherche wurde durch ein Stipendium der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) unterstützt“, sondern: „Teile des Inhalts direkt vom PIK“.

Ach so: In dem Artikel geht es ja um die Algen auf dem Eis Grönlands. Die gibt es schon immer. Welchen Einfluss sie haben und wie sie reagieren ist Gegenstand der beschriebenen Forschung. Ob die Zukunft Grönlands also „dunkel“ ist, wie vom Autor Kalvelage unterstellt, ist also völlig offen. Aber das klickt nicht so gut.

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Eugène Ionesco:

„Wer sich an das Absurde gewöhnt hat, findet sich in unserer Zeit gut zurecht.“

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Youtube:

PANDORA’S PROMISE – Das Versprechen der Pandora

Der Film räumt radikal mit den Mythen der AKW-Gegner auf und zwar durch Aussagen von ehemaligen antinuklearen Aktivisten. Es kommen auch Pioniere der ersten Stunde der Kernenergie zu Wort, so Charles Till, der die Entwicklung des IFR geleitet hat. Eine Dokumentation über die Vergangenheit und Zukunft der Kernenergie. Mit Aufnahmen aus Tschernobyl und Fukushima. Regie: Robert Stone

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Judith Curry im November 2021:

Solar variations controversy

“The field of Sun-climate relations . . . in recent years has been corrupted by unwelcome political and financial influence as climate change sceptics have seized upon putative solar effects as an excuse for inaction on anthropogenic warming” – Lockwood (2012)

“We argue that the Sun/climate debate is one of these issues where the IPCC’s “consensus” statements were prematurely achieved through the suppression of dissenting scientific opinions.” –  Connolly et al. (2021)

The impact of solar variations on the climate is uncertain and subject to substantial debate. However, you would not infer from the IPCC assessment reports that there is debate or substantial uncertainty surrounding this issue.

The Sun goes through cycles of approximately 11 years (the Schwabe Cycle) in which solar activity goes up and down. Above the Earth’s atmosphere, the difference in Total Solar Irradiance (TSI, measured in Watts per square meter W/m2) between the 11-year maxima and minima is small, on the order of 0.1% of the total TSI, or about 1 W/m2.  A multidecadal increase in TSI should cause global warming (all else being equal); similarly, a multidecadal decrease in TSI should cause global cooling. Researchers have speculated that multi-decadal and longer changes in solar activity could be a major driver of climate change.

Exactly how TSI has changed over time has been a challenging problem to resolve. Since 1978, we have had direct measurements of TSI from satellite.  However, interpreting any multi-decadal trends in TSI requires comparisons of observations from overlapping satellites.  Substantial uncertainty exists in the TSI composites during the period from 1978 to 1992. This is mostly due to the fact that the ACRIM2 solar satellite mission was delayed because of the Space Shuttle Challenger disaster in 1986 (ACRIM2 was eventually launched in late 1991). This delay prevented this record from overlapping with the ACRIM1 record that ended in July 1989. The ACRIM-gap prevents a direct cross-calibration between the two high-quality ACRIM1 and ACRIM2 TSI records. [link]

Weiterlesen bei Judith Curry