Ideologie und Klimawandel oder: Wie man Journalisten mundtot macht

Drei weitere Nominierungen für den Auweiha Award 2021: Die erste Nominierung geht an Harald Welzer, der sich im Deutschlandfunk über Amazon Gründer Jeff Bezos aufregte. Seine Rakete hätte sehr viel Kerosin verbrannt beim Flug in das All und somit sehr viel CO2 erzeugt. Man muss die Taten von Bezos, Branson und demnächst Musk nicht mögen, aber wenigstens rudimentäre Recherche, bevor man einen solchen Kommentar veröffentlicht, wären hilfreich. Die Rakete von Bezos flog mit Wasserstoff!

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Der nächste Kandidat ist Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Nach dem tragischen Chemieunfall in Leverkusen waren noch nicht einmal alle vermissten Personen gefunden bzw. geborgen worden, da krähte der DUH-Mensch auf Twitter schon los. Wie denn eigentlich in einer Stadt so eine Chemiefabrik gebaut werden durfte und ob eine Lobby das ermöglicht hätte? Nun, explodiert ist eine Verbrennungsanlage und keine Chemiefabrik, aber auch sie stand schon lange dort bevor sich rund herum Menschen in Häusern ansiedelten. Sehr oft sind das Arbeiter und Angestellte von solchen Anlagen. Dennoch ist sich der DUH-Mann nicht zu blöd, um einen Bezug zum Abstand von Windkraftanlagen herzustellen – ziemlich verblendet.

Man kennt das aber leider auch von anderen Lobbyisten. Wir hatten hier schon oft Simone Peter, der auch buchstäblich Opfer von Katastrophen komplett egal zu sein scheinen, solange sie nur ihren Lobbysprech verbreiten kann. Egal ob Waldbrände auf der Welt, Hochwasser oder ungewöhnliches Wetter, es sind immer deutsche Windräder, die die Lösung aller Probleme bringen sollen. Zu denjenigen, den Tote oder verletzte Menschen eigentlich egal sind, dürfte auch der Komiker Jan Böhmermann gehören. Kurz nach dem Bekanntwerden des Unglücks twitterte er drauflos. Über 5.000 Menschen haben diesem Tweet ein Like gegeben…

(Abbildung: Screenshot Twitter)

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Es müssen harte Zeiten beim Spiegel sein. Nachdem man gerne Annalena Baerbock beim Aussuchen der neuen Vorhänge und der Teppichböden für das Kanzleramt begleitet hätte, schwindet die Hoffnung darauf immer mehr. “Glaubt Annalena Baerbock noch an sich selbst?” So titelt der Spiegel und es klingt ein wenig so, als wenn der Spiegel nicht davon ausgeht, dass andere es noch tun, sie selbst möglicherweise auch nicht.

Die Kanzlerkandidatin der Grünen kommt aus der Deckung und nimmt die Hochwasserkatastrophe als Anlaß, mehr Flächen für Windkraft zu fordern. 2% der Fläche des Landes sollen es sein.
Dazu muss man wissen, dass laut dem Bundesumweltamt Ende 2018 etwa 6,5% der Fläche der Bundesrepublik versiegelt waren, das meint Gebäude, Straßen, Plätze usw. Rechnerisch würde sich das also um ein Drittel erhöhen. Ganz richtig ist diese Rechnung nicht, weil nicht die kompletten 2% dicht and dicht mit Windkraft bebaut werden. In jedem Fall nimmt aber die Fläche zu und das wird verschiedene Auswirkungen haben.

Erstaunlicherweise stockt es in dem Land, in dem die Grünen sogar einen Ministerpräsidenten stellen (Baden-Württemberg) ganz gewaltig mit dem gewünschten Ausbau. Ist es vielleicht doch nicht so einfach wie Baerbock es sich vorstellt? Wir empfehlen den Energiewende-Rechner. Dort kann man mit den verschiedenen Stromquellen etwas spielen und per Schieberegler sehen, wie groß der Platzbedarf sein wird. Vermutlich wird Baerbock diesen Rechner nicht kennen. In der Tat ist laut Tagesschau wieder mehr Bewegung beim Thema Ausbau. Es gibt aber ein klares Nord-Süd-Gefälle.

(Abbildung: Screenshot Tagesschau.de)

Wenn man sich die Zahlen ansieht, versteht man vielleicht etwas besser, warum Lobbyisten wie Simone Peter oder auch andere Grüne langsam panisch werden und jedes Wetter auf der Welt zum Anlass nehmen und mehr Windkraftanlagen in Deutschland fordern.

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Die Tagesschau beleuchtet das Thema Flugverkehr und Nachhaltigkeit. Es scheint ein steiniger, langer und vor allem teurer Weg zu werden, den Flugverkehr zu dekarbonisieren.

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“Sicher, klein und billig – China baut den ersten Thorium-Reaktor“ so lautet die Überschrift eines Artikels aus dem – man höre und staune – Stern.

“Dazu ist der Reaktor sehr klein: Er soll nur 3 Meter hoch und 2,50 Meter breit sein.
Das sind allerdings die Maße des reinen Reaktors. Um Strom zu erzeugen, muss er an Turbinen und ans Stromnetz angeschlossen werden. Doch die Minigröße des nuklearen Teils macht es möglich, den Reaktor unter Reinraumbedingungen zu bauen, man muss ihn nicht auf einer Baustelle zusammensetzen.
Letztlich wäre eine Serienfertigung wie in der Autoindustrie möglich. Bei Wartungen könnte das Reaktormodul einfach ausgetauscht werden und von einem normalen Lkw zurück zum Hersteller gebracht werden.

Der kommerzielle Reaktor wird 100 Megawatt Strom erzeugen – genug, um 100.000 Menschen mit Strom zu versorgen. Weil die Anlage nur wenig Wasser verbraucht, wird China den ersten kommerziellen Reaktor in Wuwei, einer Wüstenstadt in der Provinz Gansu des Landes bauen.”

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Auke Hoekstra ist der Direktor der TU Eindhoven. Auf Twitter äußert er seine Kritik am Szenario RCP 8.5. RCP steht für „Repräsentative Konzentrationspfade“ (Representative Concentration Pathways – RCPs), Es bezeichnet die Änderung des Strahlungsantriebs in der Atmosphäre durch Treibgase gegenüber der vorindustriellen Zeit. Das seiner Meinung am wenigstens plausible Szenario 8.5 in Sachen wird als neues Business as usual Modell benutzt. RCP 8.5 geht von fast 1.400 ppm CO2 in der Atmosphäre bis 2100 aus. Wir berichteten erst kürzlich über einen Artikel von Roger Pielke Jun. zu dem Thema. Auch er äußert seine Zweifel daran.

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Audio-Interview mit Veronika Wendland beim Nebelspalter (kostenlos verfügbar):

«Die deutschen Atomkraftwerke müssen weiterlaufen»

Anna Veronika Wendland wehrt sich dagegen, dass bis Ende 2022 die letzten sechs AKW vom Netz gehen. Wegen des Klimaschutzes müsse Deutschland vielmehr Kohlekraftwerke abstellen, sagt die Atomkraft-Historikerin.

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In eigener Sache: Unser Buch „Unerwünschte Wahrheiten – Was Sie über den Klimawandel wissen sollten“ ist jetzt in der neuen Auflage erhältlich. Allerdings gibt es beim Druck und Vertrieb wohl einen Rückstau. Bei Amazon wird derzeit 2 Wochen Lieferzeit angezeigt. Schneller könnte es bei Tichys Einblick Shop gehen (hier werden 3-5 Werktage angegeben). Auch der JF-Buchdienst gibt an, kurzfristig liefern zu können. Das Buch sollte in keinem Regal fehlen, da es zu jedem Klimathema eine straffe Zusammenfassung des Kenntnisstandes gibt. Das umfangreiche Quellenverzeichnis ist hier.

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Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde:

Studie in Norddeutschland: Forstwirtschaft hat in den Extremsommern zur Erwärmung der Wälder beigetragen

Wissenschaftler*innen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) zeigen in einer mit Kolleginnen und Kollegen der Leuphana-Universität in Lüneburg und der Freien Universität Berlin in der Fachzeitschrift Ecological Solutions and Evidence der British Ecological Society veröffentlichten Studie, dass die forstliche Nutzung einen erheblichen Einfluss auf das Kühlungsvermögen von Wäldern und damit auch ihre Empfindlichkeit im Klimawandel nimmt.

Waldökosysteme beeinflussen das Klima auf globaler und lokaler Ebene. Eine wichtige Eigenschaft von Wäldern ist die Regulation des Ökosystem-Mikroklimas. Die Beschattung durch die Bäume, die Verdunstung von Wasser, die Speicherung von Wärme in der Biomasse sowie die Energieumwandlung durch Photosynthese bewirken, dass Wälder sich selbst und ihre Umgebung bei Hitze kühlen. Dadurch können besonders während länger andauernden Hitzewellen schädliche Höchsttemperaturen vermieden werden.

Die für die Studie verantwortliche Wissenschaftlerin Jeanette Blumröder der HNEE stellt fest: „Ein stärkerer Holzeinschlag und eine entsprechend größere Öffnung des Kronendachs treiben die Höchsttemperaturen im Wald in die Höhe. Damit wächst auch die Vulnerabilität, also die Empfindlichkeit und Verletzlichkeit, der Wälder im Klimawandel. Die umfangreichen Messreihen in Buchenwäldern und Kiefernforsten in Norddeutschland aus den Hitzesommern 2018 und 2019 bestätigen sehr konkret die Befürchtungen, die sich aus vorherigen Studien ergaben. Wird das Kronendach um 10 % geöffnet, steigen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen um ungefähr ein halbes Grad Celsius. Kiefernforste zeigen ein unterdurchschnittliches Kühlungsvermögen, sobald das Kronendach weniger als 82 % geschlossen ist.“

In biomassearmen Kiefernforsten (177 m3 pro Hektar) fiel die durchschnittliche Höchsttemperatur um 9°C höher aus, als in relativ holzreichen Buchenwäldern (> 565 m3 pro Hektar). Werden allein Kiefern-Plantagen betrachtet, zeigt sich ebenfalls ein erheblicher Einfluss der Nutzungsintensität: Während des heißesten Tages im Jahr 2019 betrug der Unterschied der Temperaturspitzen zwischen jenen mit relativ dichtem Kronendach (72 %) und solchen mit einem besonders offenen (46 %) mehr als 13°C. Der Projektleiter Prof. Dr. Pierre Ibisch fasst zusammen: „Die Schlussfolgerung ist, dass Waldbewirtschafter*innen es also im Klimawandel ein Stück weit in der Hand haben, wie stark sich die ihnen anvertrauten Wälder aufheizen und dadurch potenziell geschädigt werden. Höhere Biomassevorräte und ein geschlossenes Kronendach sind eine Versicherung gegen extreme Witterungen“.

In der veröffentlichten Studie werden auch bislang häufig ausgesprochene waldbauliche Empfehlungen zur stärkeren Durchforstung von Wäldern kritisch diskutiert und in Zweifel gezogen. Wasserverluste und das Risiko von Hitzeschäden wachsen durch stärkere Durchforstung an. Die Autor*innen empfehlen, das Kronendach möglichst geschlossen zu halten (mindestens zu 80 %) und die Wälder entsprechend behutsam zu nutzen. Außerdem bestätigen sie die bekannte Forderung, die einfach strukturierten Nadelbaummonokulturen möglichst rasch in strukturreiche Laubmischwälder zu entwickeln. Waldbewirtschafter*innen sollten ihrer herausragenden Verantwortung für das Landschafts-Temperaturmanagement im Klimawandel gerecht werden.

Die Studie wurde maßgeblich durch das Projekt „Ökologische und ökonomische Bewertung integrierter Naturschutzmaßnahmen in der Waldbewirtschaftung zur Sicherung von Ökosystemleistungen und Waldökosystemfunktionen (Gläserner Forst) – Teilprojekt 3: Ökologische Bewertung und Ökosystemleistungen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Projektpartner sind das Brandenburgische Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK), die Universität Göttingen und der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU).

Die untersuchten Wälder befinden sich unter anderem im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und auf Flächen der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe in Brandenburg sowie im Schutzgebiet der Heiligen Hallen in Mecklenburg-Vorpommern.

Originalstudie: Blumroeder, Jeanette S., Felix May, Werner Härdtle und Pierre L. Ibisch (2021) Forestry contributed to warming of forest ecosystems in northern Germany during the extreme summers of 2018 and 2019. Ecological Solutions and Evidence. DOI 10.1002/2688-8319.12087. Link zum Artikel und zur Zeitschrift: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2688-8319.12087.

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wpk über einen alten Fall, der jedoch nicht in Vergessenheit geraten sollte:

Ideologie und Klimawandel oder: Wie man Journalisten mundtot macht

Eine freie Journalistin wird zur Zielscheibe des renommierten Klimaforschers Stefan Rahmstorf, der im Kampf um die vermeintliche Wahrheit auch vor persönlichen Diffamierungen nicht halt macht.

  Im Namen des Volkes erging am 9. Februar dieses Jahres ein Urteil, das es in sich hat: Der Beklagte wird von der 28. Zivilkammer des Landgerichts Köln verurteilt „es (…) zu unterlassen, den Eindruck zu erwecken,
   a) die Klägerin habe vom Blogger Richard North und vom Journalisten Jonathan Leake abgeschrieben;
   b) die Klägerin habe dem Beklagten durch die Redaktion der Frankfurter Rundschau die Bitte ausrichten lassen, er solle den Namen der Klägerin aus dem Blogbeitrag des Beklagten ‚FR zieht Artikel gegen den Klimarat zurück’ entfernen und nur die Frankfurter Rundschau nennen.“
     Im Übrigen muss der Beklagte der Klägerin 511,58 Euro nebst Zinsen zahlen und zwei Drittel der Kosten des Rechtsstreites übernehmen. Zur Begründung stellt die Kammer fest, dass es sich um unwahre Tatsachenbehauptungen handele, die die Klägerin in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzen, „da die objektive Falschdarstellung nicht als wertneutral einzustufen ist“.

Pikant ist dieses Urteil ganz besonders deshalb, weil es sich bei dem Beklagten um den Klimaforscher Stefan Rahmstorf handelt, der in seinem Blog (http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge) immer wieder falsche Darstellungen in der Berichterstattung scharf kritisiert. Mindestens in diesem Fall, in dem er einen Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 8. Februar 2010 aufs Korn nimmt, scheint er jene Regeln nicht zu beherzigen, die zu befolgen er Journalisten immer wieder nahelegt: die Aneignung von Expertise in der Sache und eine korrekte Wiedergabe von Fakten.

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Lesen Sie hierzu auch das wpk Quarterly (pdf hier):