Der 31. März 2021 – ein bemerkenswerter Tag

Die Zeit der spitzen Bleistifte. Der Bundesrechnungshof ist eine wichtige Einrichtung, schauen wir uns einmal an, was in der schlauen Wikipedia zum Bundesrechnungshof steht:

„Der Bundesrechnungshof (BRH) prüft die Rechnung sowie die Wirtschaftlichkeit und Ordnungsmäßigkeit der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes (Art. 114 GG). Er ist eine oberste Bundesbehörde und als unabhängiges Organ der Finanzkontrolle nur dem Gesetz unterworfen (§ 1 S. 1 BRHG). Im Rahmen seiner gesetzlichen Aufgaben unterstützt der Bundesrechnungshof den Deutschen Bundestag, den Bundesrat und die Bundesregierung bei ihren Entscheidungen (§ 1 S. 2 BRHG).“

Als unabhängiges Organ ist der Bundesrechnungshof tätig und es ist interessant, dass er sich nun die Energiewende etwas näher angesehen hat. Die Bestandsaufnahme klingt nicht wie das Verkünden eines Erfolgs. Die Rechnungsprüfer gehen mit der Energiewende auf Basis der Zahlen hart ins Gericht. Die WELT würdigt die wenig schmeichelhaften Ausführungen in einem Artikel.

„Der Bundesrechnungshof sieht die Gefahr, dass die Energiewende in dieser Form den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet und die finanzielle Tragkraft der Strom verbrauchenden Unternehmen und Privathaushalte überfordert“, warnte Scheller bei der Präsentation des Sonderberichts: „Das kann dann letztlich die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende aufs Spiel setzen.“

„Konkret werfen die Prüfer der Bundesregierung vor, die Folgen des Kohleausstiegs nicht richtig berücksichtigt zu haben. So wurden zu Beginn dieses Jahres bereits elf Steinkohlekraftwerke abgestellt. Insgesamt wird der Ausstieg nach dem „Kohleverstromungsbeendigungsgesetz“ jetzt schneller umgesetzt, als in den Gutachten zur Versorgungssicherheit vorausgesehen.“ …

„Doch in der Gesamtheit kann das Ministerium die Prüfer nicht überzeugen: „Der Bundesrechnungshof bleibt dabei, dass wesentliche Annahmen, auf denen die derzeitige Bewertung der Versorgungssicherheit am Strommarkt beruht, unrealistisch oder überholt sind“, heißt es im Fazit des Sonderberichts.“

Es gibt offensichtlich zwei Arten mit den harten Zahlen umzugehen. Eine ergebnisoffene, so wie es der Bundesrechnungshof jetzt gemacht hat oder eine ideologische so wie es die Pressesprecherin der Energiewende Claudia Kemfert macht, die mal eben einige Milliarden in ihren Rechnungen „vergisst“, die Grundlast kurzerhand abschafft (da ein Mythos) und stattdessen virtuelle Kraftwerke erfindet. Jeder kann für sich überlegen, was dichter an der Realität ist.

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Die „Tagesschau“, RTL und die ideologische Idee einer täglichen Klimasendung, so lautet derTitel eines Kommentars von Axel Bojanowski in der WELT. Wir hatten dieses Thema zugegeben etwas lakonisch bereits behandelt, aber Bojanowski stellt interessante Fragen.

„Eine weltweite Umfrage der Vereinten Nationen ergab 2012, dass Menschen andere Dinge wichtiger waren als der Klimawandel: Ernährungssicherheit, Energie, Zugang zu sauberem Wasser, Gesundheit, Bildung, der Kampf gegen Armut. Die Vereinten Nationen haben sich neben der Bekämpfung des Klimawandels weitere 16 gleichwertige Ziele gesetzt, um die Welt besser zu machen, darunter Wirtschaftswachstum und verlässliche Energie.“

Was passiert, wenn nun diese 16 Ziele bereits gegeneinander laufen? Bekommt zukünftig jeder dieser Ziele eine eigene Sendung vor der Tagesschau? Der gesamte Kommentar befindet sich hinter einer Bezahlschranke.

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Der letzte Tag im März 2021 bescherte großen Teilen Deutschland zum Teil sommerliche Temperaturen von 25 Grad und mehr. Es wurden hier und da neue Rekorde für den März aufgestellt in Sachen Temperatur. Zu verdanken war das einem Vorstoß warmer Luft aus dem Süden, der zugleich viel Sonne mit sich brachte. Dieser Sonne verdankt Deutschland an diesem Tag den hohen Anteil an Solarstrom bei der Stromerzeugung. Ein Chart von Agora Energiewende zeigt die Solarbeule an dem Tag sehr gut.

(Abbildung: Screenshot Agora Energiewende)

Sollte jemand den Windstromanteil auf dem Chart suchen: Es sind die beiden blauen Linien unten, kurz vor der grünen Fläche, die Biomasse darstellt. Sie sind fast nicht zu erkennen. Auf ca. 2 GW Leistung kam der Wind in der Spitze an dem Tag. Wir stellen an dieser Stelle wieder den einfachen Dreisatz auf: Wieviel Kapazität an Windkraft müssen wir Deutschland haben, um bei ähnlichen Windverhältnissen den Part der konventionellen Erzeugung zu kompensieren? Damit es sich einfacher rechnet: Es wäre 20 mal so viel. Statt also 30.000 Windkraftanlagen müssten ca. 600.000 in Deutschland stehen, um dann immer noch Strom zu erzeugen. Wo mögen die Anlagen wohl alle gebaut werden?

So eine Kapazität ruft aber gleich das nächste Problem auf. Sollten wir dann tatsächlich Wind haben, müsste massiv abgeregelt werden, denn es wäre in dem Fall viel zu viel Strom vorhanden. Windbauern dürften sich dabei noch die wenigsten Sorgen machen, sie werden egal wie immer vergütet. Windkraftanlagen sind nach dem Betrieb einer Spielbank das sicherste Geschäft, man gewinnt immer. Sehr gut sieht man bei Agora auch, was passierte, als die Sonne unterging. Deutschland fing an, Strom zu importieren und zwar zu gesalzenen Preisen.

(Abbildung: Screenshot Agora Energiewende)

Viel Strom kam aus der Schweiz und aus Frankreich. Unsere Nachbarn werden sich über das gute Geschäft gefreut haben. Funny German Money. Möglicherweise hat die Einschätzung des Rechnungshofes zu den Kosten, dem Nutzen und der Perspektive der Grünen Stromquellen etwas mit solchen Tageswerten zu tun. Man kann sich über hohe Anteile bei der Stromgewinnung durch Wind und Sonne durchaus freuen, aber dann muss man auch konsequenterweise Angst haben, wenn Zahlen wie am 31.03.2021 zu Tage kommen.

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Klimaschutz bekommt kein eigenes Gesetz – MV LandtagsNachrichten, Seite 11 (pdf hier)

Weiterlesen hier (S. 11).