Windklau auf hoher See

Ein Gutachten des Dresdeners Experten für Energierecht an der TU Dresden, Ulrich Büdenbender, im Auftrag der STEAG kommt zu dem Schluss, dass die Einigung zum Kohleausstieg gegen die Verfassung verstößt. Lange Prozesse wie beim Atomausstieg könnten die Folge sein. Den Artikel aus der WELT kann man hier nachlesen.

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Über das kleine Riepsdorf in Ostholstein und die dortigen Probleme mit Windkraft wurde hier schon berichtet. Jetzt kommt heraus, dass einer der Windmüller aus dem Ort Bäume beschnitten hat, leider ohne Genehmigung und zudem noch Bäume, die auf Gemeindeland oder Grundstücken von Dritten standen. Grund waren die erwarteten Lieferungen von neuen Windkraftanlagen. Den Artikel gibt es hier (Paywall).

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Noch nicht genug von Claudia Kemfert? Dann gibt es bei Novo Argumente Nachschub. Der Artikel stammt aus 2016 und stellt die richtigen Fragen zu Äußerungen von Frau Kemfert.

„Auch Frau Kemfert ist offenbar der Meinung, dass die Rechnung so hoch ist, weil die Stromversorger uns abzocken. Sie schreibt: „Die Strom-Börsenpreise, die immerhin ein Fünftel des Endkundenpreises ausmachen, sind sehr niedrig, sie werden jedoch nur selten an die Stromkunden weitergegeben.“

Die eigentlich interessante Information in diesem Satz besteht darin, dass die Stromanbieter eben nur sehr wenig Spielraum haben, den Preis zu senken. Denn wenn der Preis für das eigentliche Produkt, den Strom, nur ein Fünftel dessen ausmacht, was wir Kunden bezahlen, heißt das, dass vier Fünftel woanders herkommen. Woher? Gut 75 Prozent des Strompreises machen Umlage, Abgaben, Steuern und Netzentgelte aus. Das restliche Viertel Stromerzeugung und Handel. Die Versorger haben also nur einen recht kleinen Einfluss auf den Preis.“

Vielleicht ist es ja für eine Ökonomin doch zu schwer zu verstehen: Wenn der variable Teil der Stromrechnung (die Erzeugung) nur 25% beträgt, dann bedeutet z. B. eine 10% Senkung in diesem Teil nur einen 2,5% Rückgang beim Gesamtpreis. Die anderen 75% der Rechnung entstehen u.a. durch Netzengelte oder EEG Abgaben. Und dieser Teil entsteht auch, weil wir uns auch den Luxus einer doppelten Infrastruktur bei der Erzeugung leisten. Nochmal der Edgeworthblog zu dem Thema von Wirtschaftsverständnis bei Frau Kempfert:

„Zum sog. „Geisterstrom“ ist zu lesen: „Wenn jemand eine Pizza bestellt, sie dann aber doch nicht isst, muss er sie trotzdem bezahlen.“ Das stimmt natürlich. Nur haben die Verbraucher den Windstrom eben nicht bestellt. Der passende Vergleich wäre eher, dass jeder Pizzabäcker mich ungefragt mit so viel Pizza beliefern darf, wie er möchte (nicht ich) und ich diese Pizzen jederzeit abnehmen muss, ob ich will oder nicht.“

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Another one bites the dust. Die Post gibt das Geschäft mit E-Mobilen auf. Über die Gründe, warum das Unternehmen nach geschätzten 1 Mrd. Investment nun doch bei anderen Herstellern kaufen möchte, berichtet die WELT.

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Der Windkraft geht offshore die Puste aus. Die TAZ berichtet von einer Studie von Forschern aus Jena und Rosskilde.

„Die Experten kommen zu dem Schluss, dass die bisherigen Planungen den „Windklau“ auf hoher See unterschätzt haben. Wenn viele Windräder zusammenstehen, verringern sich hinter den Rotoren Kraft und Geschwindigkeit der Luftströme. Dieses Phänomen, das für Windparks gut erforscht ist, habe auch Auswirkungen auf eine ganze maritime Region wie die Nordsee, zeigen die Rechenmodelle.“

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Die Regenmenge in Schleswig-Holstein war im Februar 2020 fast doppelt so hoch wie üblich. Auffällig dabei, dass die beiden Gegenden mit viel Windkraftanlagen (Nordfriesland und die Insel Fehmarn) deutlich weniger Regen abbekommen haben als der Rest des Landes. Ob es einen Zusammenhang mit der Studie (TAZ) gibt? Bei vorwiegend westlicher Wetterlage erstaunt vor allem Nordfriesland.

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Der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. jubelt. Dank mehrerer Stürme, die ja paradoxerweise nach Aussage von Lobbyisten wie Simone Peter eine Auswirkung des Klimawandels sein sollen, wurde im Februar eine Rekordzahl an erzeugtem Windstrom erreicht. Dumm nur, dass dieser nicht bedarfsgerecht erzeugt wird, sondern nach Laune der Natur. Das Chart des Verbandes zeigt aber sehr gut, wie schwankend der Ertrag über das Jahr 2019 war. Bildlich muss man sich jeweils einen Balken über dem grünen Balken vorstellen, der die Differenz zum tatsächlichen Bedarf zeigt und fragen, wie diese Differenz gefüllt werden soll. Spätestens dann wird klar, dass flexible Backups gebraucht werden, da es immer noch keine wirksame Speichermöglichkeit gibt.

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Der NABU legt Einspruch gegen den Offshore-Windpark Gennaker vor der Küste von Vorpommern ein.

Massive Umweltschäden können von den rund 103 Windenergieanlagen zehn Kilometer nördlich des Darß ausgehen, insbesondere für Zug- und Rastvögel.

„Gennaker offenbart leider das Totalversagen der Windkraft-Landesplanung. Trotz massiver Naturschutzbedenken und fehlender Netzanbindung wurde der Windpark genehmigt. Dabei würde er eine der wichtigsten Vogelzuglinien in der südlichen Ostsee abschneiden. Mit schlecht geplanten Anlagen wie diesen riskieren wir die gesellschaftliche Akzeptanz der Windkraft“, sagte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.“

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Das Pariser Abkommen macht es möglich: China und Indien planen in den nächsten 10 Jahren 320 neue Flughäfen.

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Clemens Taub, einst Mitstreiter bei Fridays For Future (FFF) mit einem Buch, in dem er die Bewegung analysiert.

„Fridays for Future ist die Rebellion der Privilegierten, und die Bewegung bietet ihnen die perfekte Möglichkeit, ihren eigenen kosmopolitischen Lebensstil und das eigene Talent zur Schau zu stellen. Viele meiner klimabegeisterten Freund*innen fragen sich, warum die soziale Herkunft der Demonstrant*innen überhaupt eine Rolle spiele.“

„Die Bewegung in ihrem Elfenbeinturm merkt dabei gar nicht, dass ihre Kritik den Lebensstil vieler sozial Schwächerer betrifft, die aus finanziellen Gründen nicht immer die freie Wahl haben. Sie werden als Klimasünder*innen gebrandmarkt, weil sie nicht im Bioladen einkaufen, sondern beim Discounter.“