Wie der El Niño den transatlantischen Sklavenhandel beeinflusste

Etwas untergegangen ist ein Meinungsartikel aus der NZZ. Vom 20.10.2020. Der Angriffskrieg auf die Ukraine war damals noch weit weg und deshalb lag der Fokus woanders. Die Daten werfen aber nun ein noch ganz anderes Licht auf die russischen Bestrebungen, die Ukraine zu unterwerfen:

Die Ukraine sitzt auf riesigen Gasreserven, die bisher vergessen gingen – sie könnten Europas Energieversorgung umkrempeln

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“Die laufenden Konfrontationen und Verhandlungen über verschiedene Routen russischer Gaslieferungen in die EU lenken vom ökonomischen Potenzial der ukrainischen Erdgasreserven sowie Gasspeicher und Biogasressourcen ab. Betrachtet man die gewaltigen Erdgasreserven im asiatischen Teil Russlands als aussereuropäische Lagerstätten, verfügt die Ukraine heute über die zweitgrössten bekannten europäischen Gasvorkommen. Ende 2019 enthielten die bis dahin erkundeten ukrainischen Lagerstätten 1,09 Billionen Kubikmeter Erdgas. Dies ist ein Betrag, der innerhalb Europas nur den bekannten norwegischen Ressourcen von 1,53 Billionen Kubikmetern nachsteht.”

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Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrick Wüst, fordert laut WirtschaftsWoche eine Verschiebung des Ausstiegs aus der Kohle und der Kernenergie.

“Mit Blick auf den eigentlich beschlossenen Ausstieg aus der Kohle erinnerte Wüst daran, dass der „deutsche Klimaschutzplan bis 2028 ohne den maßgeblichen Beitrag von NRW nicht zu erfüllen wäre“, da nur Kohlekraftwerke an Rhein und Ruhr vom Netz gehen sollen. „Was die Bundesregierung an Klimaschutz verspricht, muss zunächst NRW halten“, betonte Wüst. Das bedeute, „dass wir einen positiven Beitrag leisten können, um in unsicherer Zeit die Stromversorgung sicherzustellen“.

Auch mit Blick auf die noch laufenden drei Atomkraftwerke spricht sich Wüst für eine Verschiebung der Abschaltung aus. „Mit Blick auf die Netze ist es wichtig, die Energie möglichst da zu erzeugen, wo sie auch verbraucht wird“, sagte er. „Angesichts der unsicheren Lage sollten bestehende konventionelle Kraftwerke – wo technisch möglich – in die Reserve genommen werden, um einen Beitrag für eine stabile Versorgung zu gewährleisten.“”

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Wir sollten Angst vor einem Atomkrieg haben aber nicht vorm Klimawandel. Das schreibt Björn Lomborg in einem Meinungsartikel im Wall Street Journal.

“To respond to climate change effectively, the world needs to spend more on green-energy innovation and develop renewables that are reliable and cost-effective. To address their immediate energy problems, Europe and America need to embrace fracking—despite Russian-funded propaganda discrediting it—and help the rest of the world access the oil and gas it needs. There are many serious threats in the world today, but most won’t get the attention they deserve until the political classes drop their hyperbole about climate change and treat it like what it actually is—only one of the many problems to be solved in the 21st century.”

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Am sogenannten Earth Day demonstrierten Aktivisten von Fridays For Future (FFF) in Brüssel vor der deutschen Botschaft. Sie forderten den Ausstieg aus Öl und Gas bis 2035, wie der Standard berichtete. Die Proteste richten sich auch gegen den Bau von Flüssiggas-Terminals, wie sie die Regierung laut  Tagesschau plant.

“Die zweieinhalb Milliarden Euro sollen auch dazu dienen, die Anlagen zehn Jahre lang zu betreiben. Über die schwimmenden Terminals können Schiffe Flüssiggas (in der Fachsprache: LNG – „liquefied natural gas“) in Zukunft direkt nach Deutschland liefern. Das ist aktuell nicht möglich, weil Deutschland bisher noch keinen eigenen LNG-Terminal hat und angewiesen ist auf Häfen in Nachbarländern, etwa in den Niederlanden. Mehrere deutsche Terminals an Land sind in Planung, der Bau dürfte aber einige Jahre dauern. Schwimmende Terminals sollen schneller helfen. Die Regierung hofft, dass über sie schon ab kommendem Winter Flüssiggas direkt nach Deutschland geliefert werden kann.

Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Wilhelmshaven in Niedersachsen sollen Standorte werden, weitere werden laut Ministerium geprüft. Auch Stade in Niedersachsen, Rostock in Mecklenburg-Vorpommern und der Hamburger Hafen sind im Gespräch. Laut Niedersachsens Umweltweltminister, Olaf Lies von der SPD, könnte über den Terminal in Wilhelmshaven schon zum Jahreswechsel eine Gasmenge bezogen werden, die fast 20 Prozent der jährlichen russischen Gasimporte ausmacht.”

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Der britische Ökonom Nicholas Stern spricht sich im Interview mit der Welt für den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke aus.

WELT AM SONNTAG: Wie sollte Europa jetzt reagieren?

Stern: Europa muss schneller wegkommen von Öl, Gas und Kohle. Wir müssen in Energieeffizienz investieren und die Gasspeicher ausreichend befüllen, um die kommenden ein bis zwei Jahre gut bewältigen zu können. Und wir müssen die Atomkraftwerke länger laufen lassen.

WELT AM SONNTAG: Gilt das auch für Deutschland?

Stern: Ja, Deutschland sollte seine Atomkraftwerke weiterlaufen lassen. Das ist gut für das Klima und für die Versorgungssicherheit in den kommenden Jahren. Die Politik sollte die Laufzeiten dabei nicht begrenzen.”

Auch die anderen Teile des Interviews sind durchaus lesenswert. Stern spricht auch über die Situation der großen CO2-Emitenten Indien und China.

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Sag mir wo die Wolken sind. Auch bei Copernicus, dem Satelliten-Beobachtungsprogramm ist der Rückgang der Wolkenbedeckung ein Thema. Wir hatten erst kürzlich den Hinweis auf den Rückgang der Wolkenbedeckung in einem Artikel bei WUWT.

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Neue Wege beim ÖPNV will die französische Bahn gehen, wie Golem berichtet. Kunden sollten dort zukünftig an der Haustür abgeholt bzw. abgesetzt werden. Dazu wird ein neuartiges Fahrzeug eingesetzt, das autonom fährt und per App gerufen wird. Auch für wenig befahrene Nebenstrecken gibt es eine Lösung mit einem Leichtbauzug, der mit Akkus laufen soll. 80 Passagiere hätten darin Platz.

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Kreuzfahrten haben keinen guten Ruf in Sachen Nachhaltigkeit. Was die Branche unternimmt, um diesen Ruf aufzupolieren beschreibt die Welt. Von Landstrom bis hin zu Solarsegeln, Ammoniak und LNG als Treibstoff reicht die Palette.

Es hat keinen guten Ruf: Ammoniak stinkt gewaltig. Aber dafür ist es simpel in der Herstellung, wird schnell flüssig und ist eine der meistproduzierten und -transportierten Chemikalien der Welt. Was aber hat das mit der Kreuzfahrt zu tun? Die Branche setzt große Hoffnungen auf diese Chemikalie. Denn das Interesse an der möglichen Nutzung von Ammoniak als klimaneutraler Energieträger ist groß.

Und die Zeit drängt, der Weg zur Klimaneutralität ist lang: Der Kreuzfahrtverband Clia, und damit auch Reedereien wie TUI Cruises und Aida Cruises, hat sich selbst zum Ziel gesetzt, im Jahr 2030 erste emissionsfreie Schiffe anzubieten – und dann bis 2040, spätestens 2050 klimaneutral unterwegs zu sein.

Bisher aber fahren fast alle Dampfer noch immer mit Marinediesel oder mit gefiltertem Schweröl. Als Zwischenlösung gilt Flüssigerdgas (LNG), sechs Schiffe sind damit auch schon unterwegs, darunter die „Aida Nova“ als erstes, zudem die „Iona“, „Costa Smeralda“, „Costa Toscana“, „Mardi Gras“ und die nagelneue „Aida Cosma“. 20 weitere LNG-Schiffe sind bestellt oder im Bau. Aber auch Erdgas ist letztlich nur ein fossiler, wenn auch nicht ganz so schmuddeliger Treibstoff. Emissionsfrei ist er nicht.

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Pressetext am 19.4.2022:

Energiepreis-Wahnsinn setzt sich weiter fort

Strom kostet in Deutschland um 48 Prozent mehr – Gas gegenüber Vorjahr um 135 Prozent teurer

Keine Entwarnung bei den Energiepreisen in Sicht. Laut einer aktuellen Analyse des Vergleichsportals Verivox http://verivox.de werden die Preise für Strom und Gas in den kommenden Monaten weiter ansteigen. Zahlreiche regionale Grundversorger haben demnach bereits Preiserhöhungen angekündigt. Bisher haben sich die Strompreise in Deutschland binnen Jahresfrist um 48 Prozent erhöht und im April ein neues Allzeithoch erreicht.

Weiterlesen bei Pressetext

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Universität Ulm:

Neue Destillationsanlage der Superlative: Multiple Trennwandkolonne halbiert Energie- und Investitionskosten

An der Universität Ulm ist eine weltweit einmalige Destillationsanlage in Betrieb gegangen. Die Multiple Trennwandkolonne schafft so viele Trennprozesse wie drei bislang eingesetzte Anlagen in der Chemischen Industrie. Dabei halbiert das Ulmer Unikat die Energie- und Investitionskosten. Die Multiple Trennwandkolonne steht im neuen Technikum der Universität: Sie erstreckt sich über drei Etagen und ist fast zehn Meter hoch.

Ulmer Chemieingenieure haben eine hochleistungsfähige und vor allem nachhaltige Destillationsanlage in Betrieb genommen. Die weltweit einzigartige Multiple Trennwandkolonne bewältigt ebenso viele chemische Trennprozesse wie drei übliche Destillationsanlagen in der Industrie. Dabei verbraucht die Ulmer Kolonne nur halb so viel Energie; die Investitions- und Betriebskosten sind deutlich niedriger. Die Destillation ist ein Kernprozess der chemischen Industrie, der etwa zehn Prozent des globalen Energieverbrauchs ausmacht.

Sie ist fast zehn Meter hoch und erstreckt sich über drei Etagen: Im neuen Technikum der Universität Ulm steht die erste Multiple Trennwandkolonne der Welt. Lange Zeit war strittig, ob der Betrieb einer so komplexen Destillationsanlage überhaupt möglich ist. Doch nach viereinhalb Jahren Forschungsarbeit an der Uni Ulm ist die Umsetzung geglückt. „Unsere Machbarkeitsstudien sind sehr vielversprechend. Die Multiple Trennwandkolonne erlaubt die Auftrennung eines Gemisches, für das bisher drei Destillationsanlagen erforderlich waren. Dabei ist der Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent reduziert“, erklärt Professor Thomas Grützner vom Institut für Chemieingenieurwesen.

Die Destillation zählt zu den wichtigsten Prozessen der Chemischen Industrie: Etwa zehn Prozent des globalen Energiebedarfs gehen auf das Konto dieses Trennprozesses – von der Rohölaufbereitung bis zur Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe. Zweck des Vorgangs ist nicht nur die Aufreinigung chemischer Produkte, sondern auch das Recycling von Lösemitteln.
Von einem zukünftigen Einsatz der Multiplen Trennwandkolonne würden Industrieunternehmen enorm profitieren: Die neuartige Destillationsanlage kann ein Gemisch in vier reine Komponenten trennen. Im Vergleich zu bisher eingesetzten Verfahren sind die Investitionskosten nur etwa halb so hoch.

Professor Thomas Grützner, der die Multiple Trennwandkolonne mit seinem Team erstmals umsetzen konnte, hat selbst viele Jahre in der Chemie-Industrie gearbeitet und ist mit Destillationsprozesse bestens vertraut: „Nach meinem Wechsel an die Universität Ulm habe ich sofort mit der Entwicklung der neuartigen Destillationsanlage begonnen“, erinnert sich der Chemieingenieur. Zunächst arbeiteten Thomas Grützner und sein Team mit mathematischen Modellierungen und Computersimulationen, um insbesondere das dynamische Verhalten der Anlage zu verstehen. Hätten die Forschenden Prozesse einer bislang in der Industrie eingesetzten Trennwandkolonne auf ihr Großgerät übertragen, würde das „Anfahren“, also die Inbetriebnahme, jedes Mal mehr als einen Tag dauern. Dank aufwändiger Computersimulationen ist die Beprobung der Multiplen Trennwandkolonne nun schon nach wenigen Stunden möglich.

Vor anderthalb Jahren konnten die Chemieingenieurinnen und -ingenieure den Bau der weltweit ersten Multiplen Trennwandkolonne in Auftrag geben – wozu nur wenige europäische Anbieter in der Lage waren. Zeitgleich musste das neue Technikum an der Universität Ulm fertig gestellt werden: In einer explosionsgeschützten Umgebung konnte die Destillationsanlage der Superlative im September 2021 in den Testbetrieb gehen. Das Großgerät mit einer Heizleistung von 10 kW verfügt über 70 verbaute Sensoren. Der Druck innerhalb der Anlage kann bis zum Vakuum eingestellt werden – je nachdem welches Gemisch getrennt werden soll.
Derzeit lernen die Ulmer Forschenden die Multiple Trennwandkolonne sicher zu bedienen, verschiedene Reinheitsgrade einzustellen und auf Störungen zu reagieren. Dabei stehen sie in engem Kontakt mit internationalen Forschungseinrichtungen und potenziellen Anwenderinnen und Anwendern in der Chemischen Industrie.

„Wenn die Multiple Trennwandkolonne Anwendung in der Industrie findet, trägt unsere Forschung massiv zum Klimaschutz bei. Auf chemische Trennprozesse, die einen relevanten Teil des globalen Energiebedarfs ausmachen, werden Unternehmen auch in Zukunft nicht verzichten können. Die Multiple Trennwandkolonne weist den Weg, wie dieser grundlegende Vorgang energieeffizienter werden kann. Mit unserer Anlage wollen wir demonstrieren, dass der Betrieb funktioniert“, resümiert Thomas Grützner.

Die neuartige Destillationsanlage hat etwa 600 000 Euro gekostet – die Hälfte wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Außerdem unterstützte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) das Projekt.

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University of California at Davis:

How El Niño and Drought Affected the Trans-Atlantic Slave Trade

Weather and Climate Intertwined With Slavery and Conflict, Bearing Lessons That Reverberate Today

El Niño, an oceanic phenomenon that affects worldwide weather patterns, significantly affected the number of enslaved Africans transported from West Africa to the Americas between the mid-1600s and mid-1800s, according to a study from the University of California, Davis. 

The study, published in the American Meteorological Society journal Weather, Climate and Society, bridges atmospheric science with African history. It also shares lessons for today amid a warming future that threatens to exacerbate human conflict and migrations.

The study found that El Niño can be used as a proxy — much like tree rings and corals — for historical rainfall and temperature patterns in West Africa. The authors used reconstructed El Niño indices and the Slave Voyages dataset to examine the relationship between El Niño and the trans-Atlantic slave trade.

Weiterlesen bei der University of California at Davis

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École Polytechnique Fédérale de Lausanne via phys.org:

Studying clouds can provide deeper insight into climate change

An international team of scientists conducted CALISHTO, a large-scale air measurement campaign in Greece last fall, with the goal of surveying, counting and characterizing the tiny particles and their impact on cloud formation. The goal is to incorporate this information in climate models for improved predictions of clouds, precipitation and climate.

The Earth’s climate works like a huge puzzle, and being able to understand all the different mechanisms involved requires piecing together massive amounts of data. Developing reliable climate models requires understanding the exact role that clouds play, and is currently missing. To fill this gap, an international team of scientists—including researchers from EPFL’s Laboratory of Atmospheric Processes and their Impacts (LAPI) and Environmental Remote Sensing Laboratory (LTE)—carried out air measurements recently on an unprecedented scale.

The research project is called CALISHTO, which is short for Cloud-AerosoL InteractionS in the Helmos background TropOsphere. The measurements were taken on Mount Helmos at the heart of the Peloponnese throughout the fall of 2021. The scientists spent months meticulously surveying, counting and characterizing the different types of particles in the air at different times of day. These microscopic particles, also known as aerosols, are important because they serve as „seeds“ for clouds.

„Without aerosols, there would be hardly any clouds in the sky,“ says Athanasios Nenes, the head of LAPI and one of the organizers of CALISHTO. „Water vapor condenses on these particles, forming droplets and ice crystals that we see as clouds. And the type of cloud formed can vary significantly depending on the number of aerosols, their size and their chemical characteristics. Particles of sand from the Sahara Desert, for example, will have a very different effect on clouds from those produced by forest-fires. That’s what we wanted to study with this measurement campaign.“

Understanding the process of cloud formation is especially important given the essential role that clouds play in the climate system, and therefore in climate change. Clouds form a veil over the Earth, reflecting large amounts of incoming solar radiation back into space through what’s known as the albedo effect. They also trap some of the longer-wavelength radiation (infrared radiation) that’s emitted from the Earth’s surface, keeping some of the heat in the atmosphere. What’s more, clouds are involved in regulating and distributing precipitation and the hydrologic cycle in general, meaning they have a direct influence on freshwater supplies for many ecosystems and for agriculture.