Wenig Licht und viel Schatten bei der ARD

Zunächst zum Licht: Eine Reportage über die Dürresituation in Deutschland schildert in 45 Minuten sehr eindringlich, welche Probleme es gibt. Keine Frage, die aktuelle Situation ist ernst. Es geht um die Wasserbeschaffung, ganz besonders um die Stadt Frankfurt. Die bezieht viel Wasser aus der Umgebung. Auch die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft kommen zu Wort, teilweise mit dramatischen Bildern, wenn einer Waldbesitzerin die Tränen kommen.

Die Mischung aus Daten, Einschätzungen, Aussagen der Betroffenen und Warnungen ist hier insgesamt schon recht stimmig. Zu Daten ist zu sagen, dass offizielle Stellen diese nur noch eingeschränkt erheben. Studiendaten werden z. T. von Freiwilligen erbracht. Einige Positionen lässt die Dokumentation allerdings aus, dazu gehören z. B. der Wasserbedarf der Industrie sowie der Verlust von Humus durch falsche Bewirtschaftung, aber 45 Minuten sind nun einmal sehr kurz. Zu kurz, um auf alle Probleme einzugehen. Die Dokumentation ist noch bis zum 29.08.2023 in der ARD-Mediathek zu sehen.

(Abbildung: ARD-Mediathek)

Daran schloss sich eine Talkrunde bei Hart aber fair an. Eingeladen waren die Aktivistin Carla Reemtsma, die Grüne Wirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen Mona Neubauer, ARD-Meteorologe Sven Plöger und der Unternehmer und ehemaliger Politiker Werner Marnette. Man könnte auch sagen 3 gegen 1, denn Marnette wagte es, auch das Thema Kernenergie anzusprechen. Aber hier schritt der Moderator Frank Plasberg nicht ein, da es in Deutschland zunächst um den Weiterbetrieb der 3 oder möglicherweise 6 Anlagen geht und nicht um den Neubau von Anlagen.
So durften die anderen drei Gäste ihre gut einstudierten Verslein aufsagen, deutsche und französische Anlage munter mischen und überhaupt, die Franzosen sind an den hohen Energiepreisen in Europa schuld. Und außerdem Hochrisikotechnologie!

Wie gut hätte dieser Sendung ein Gast mit profunden Kenntnissen getan. Marnette versuchte es immer wieder mal mit Zahlen (CO2 Einsparung durch die Kernenergie in der Vergangenheit) scheiterte aber jedes Mal. Es hat bei Reemtsma nur noch dieses “das ist alles genau durchgerechnet” gefehlt. Sie glaubt fest an die Studien, dass Deutschland seine “Energie” komplett! aus den Erneuerbaren beziehen kann. Hinweise auf Backups und Speicher durch Marnette wurden mal eben vom Tisch gewischt.

Es hätte ja schon gereicht, wenn er den Unterschied zwischen Strom, Wärme, Prozessenergie und fossile Brennstoffe als Ausgangsprodukt für andere Produkte erklärt hätte. Marnette hätte Reemtsma doch einfach nur fragen müssen, warum vor Kurzem Kanzler Scholz und Minister Habeck nach Kanada gereist sind, um Grünen Wasserstoff einzukaufen. Die Antwort hätte spannend werden können, denn sie steht im Widerspruch zu der These Deutschland könne autark werden in Sachen Energie.

Immerhin, Reemtsma kommt in solchen Talkshows nicht so latent aggressiv rüber wie ihre Cousine Louisa Neubauer, sie beantwortet sogar die Fragen des Moderators, was Neubauer schon lange nicht mehr macht. Neubauer stellt sie sich gern selbst (“Das ist doch gar nicht die Frage, die Frage ist doch viel mehr…”), beantwortet dann die eigene Frage und kaum ein Fragesteller greift ein. Moderator Frank Plasberg umschmeichelt Reemtsma an diesem Abend auch ehrfürchtig:
“Wer, wenn nicht Sie, hat sich so mit dem Thema beschäftigt?”

Eine Sonderrolle kam Sven Plöger zu. Es sei alles ganz schrecklich und auch noch nie dagewesen, Jahrhundertdürre. Im Laufe der Sendung schien ihm aber einzufallen, dass ein “Es ist ohnehin alles zu spät” vielleicht auch demotivierend sein kann. Also holte er wieder Deadlines hervor. Wir haben noch 5-10 Jahre, dann ist aber wirklich alles unumkehrbar. Es sind die Deadlines, die wir nun seit 20 Jahren kennen. Wäre es nicht klasse gewesen, er hätte hier eine plausible Erklärung zum erhöhten Sonnenschein, ganz besonders im Sommer, gehabt hätte, oder auch zum Thema Ausdünnen der Wolken?

Undankbar war die Rolle von Mona Neubauer. Sie bekam ihr Fett weg von Reemtsma (“die Politik versagt”) und sie musste den Spagat zwischen der Realität und den Wunschvorstellungen der Grünen wagen. Das Anfahren alter Kohlekraftwerke und das gleichzeitige Ablehnen einer Laufzeitverlängerung der letzten deutschen Kernkraftwerke bedarf schon einer extremen Flexibilität im Denken oder einer ganz simplen Ideologie, die Lösungen ignoriert.

Am Ende durfte noch ein Psychologe auftreten. Der macht Carla Reemtsma erst einmal Avancen (“Warum hört niemand Ihren tollen klugen Worten zu”) und erklärte dann unter Dauergrinsen, warum wir Menschen nur mit einer Krise gleichzeitig fertigwerden. Statt eines Schluss-Statement wurden Bilder von Gärten des Grauens gezeigt. Gemeint sind Schottergärten, oft versiegelt durch Kunststoff-Folie, damit nichts von unten nachwächst. Allein für dieses Thema hätte man allerdings eine Extra-Sendung machen können, denn solche Gärten sind in den meisten Bauordnungen der Bundeslänger eigentlich gar nicht erlaubt. Es mangelt also nicht nur an der Einsicht der Eigentümer, dass Schottergärten übel sind, sondern auch an der mangelnden Aufsicht der Länder, Kreis und Kommunen. Für die schrecklichen Schotter-Bilder am Ende bekommt die Diskussion daher auch ein Lob.

Eine Sendung mit 4 Gästen, die die Zuschauer mit mehr Fakten als mit Meinung und Ideologie versehen hätte, mag man sich gar nicht vorstellen. Aber vielleicht ist genau das gar nicht gewünscht. Die Sendung entfernte sich ohnehin sofort von dem Thema Wasser, wo jetzt eigentlich kluges Handeln notwendig wäre, sie ist ebenfalls noch bis 29.03.2023 in der ARD-Mediathek zu sehen.

(Abbildung: ARD-Mediathek)

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Der deutsche Gasverbraucher ist der Dumme, und zwar gleich doppelt. Hugo Müller-Vogg kommentiert im Focus.

“Die große Abhängigkeit der Deutschen von einer einzigen Energiequelle ist ja nicht etwa dadurch entstanden, dass alle plötzlich nach Erdgas Schlange standen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Politik und Wirtschaft haben sehr einseitig auf preiswertes und (angeblich) sicheres Erdgas aus Russlandgesetzt.

Hinzu kommt, dass der von der CDU/FDP-Koalition unter Angela Merkel betriebene überstürzte Ausstieg aus der Kernkraft die Nachfrage nach Energieimporten deutlich erhöht hat. Dasselbe war nach dem von der Großen Koalition ebenfalls unter Merkel beschlossenen Ausstieg aus der Kohle der Fall. Die Energieknappheit ist zunächst einmal unser Werk; Putin nutzt nur aus, was wir selbst angerichtet haben.”

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Ein etwas längeren Artikel zum Thema E-Fuels gibt es bei Elektronikpraxis.

“Grundsätzlich sind eFuels umfassend erforscht. Die Technologie ist industriell skalierbar. Unsere Mitglieder bieten heute schon eFuels für Produktionskosten zwischen 1-2 Euro pro Liter aus geeigneten Regionen an. Langfristig wird der Preis unter 1 Euro pro Liter fallen. eFuels Preise von 4-10 Euro sind ein Mythos und beziehen sich auf im Labor und ersten Forschungsanlagen produzierte eFuels.

Eine Kernkomponente des Endpreises, den die Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen müssen, ist die Energiesteuer. Diese wird aktuell auf europäischer Ebene überarbeitet. Der Kommissionsvorschlag sieht eine klare steuerliche Begünstigung von eFuels vor, die die Mehrkosten fast vollständig kompensiert. Des Weiteren können eFuels fossilen Kraft- und Brennstoffen beigemischt werden, so dass sich die anfangs höheren Produktionskosten bei geringen Beimischungsmengen kaum auf den Endverbraucherpreis auswirken.

Durch Skaleneffekte lassen sich langfristig Produktionskosten senken, wie wir es bei Wind, Photovoltaik und Batterien gesehen haben. Unterm Strich bleibt klimaneutrales Heizen oder Tanken damit für alle BürgerInnen jederzeit auf dem heutigen Niveau bezahlbar.”

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Nach Frankreich gibt es noch einen zweiten Prügelknaben in Sachen Energie momentan: Bayern. Der Grüne Parteivorsitzende Nouripour gibt nach t-online Bayern die Schuld an instabilen Netzen.

“”Das Problem ist Bayern”

Vorwürfe machte Nouripour dagegen der bayerischen Landesregierung um Markus Söder. Dort habe man es versäumt, die Windkraft in den vergangenen Jahren auszubauen: „Das Problem ist Bayern und die Netzstabilität dort.“ Der bayerische Ministerpräsident kündigte unterdessen an, dass man in Bayern nun plane, mehr als 1.000 Windräder aufzustellen.”

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Erinnert sich noch jemand an Detlef Flintz? Der gut bezahlte Ressortleiter beim WDR forderte im Oktober 2021, dass Öl und Gas noch viel teurer werden müssten. Wir nominierten den Gutverdiener (ca. 120.000 Euro Jahresgehalt beim WDR) für den Auweiha 2021 Award. Wer hätte damals wohl gedacht, dass Flintz mittlerweile Parteimitglied bei den Grünen ist? Da wächst zusammen, was zusammengehört. Er ist Vorstand eines Grünen Ortsverbands. Wir warten gespannt auf den nächsten Kommentar des Grünen Schriftführers.

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phys.org:

Study finds cleaner air leads to more Atlantic hurricanes

Cleaner air in United States and Europe is brewing more Atlantic hurricanes, a new U.S. government study found.

The National Oceanic and Atmospheric Administration study links changes in regionalized air pollution across the globe to storm activity going both up and down. A 50% decrease in pollution particles and droplets in Europe and the U.S. is linked to a 33% increase in Atlantic storm formation in the past couple decades, while the opposite is happening in the Pacific with more pollution and fewer typhoons, according to the study published in Wednesday’s Science Advances.

NOAA hurricane scientist Hiroyuki Murakami ran numerous climate computer simulations to explain change in storm activity in different parts of the globe that can’t be explained by natural climate cycles and found a link to aerosol pollution from industry and cars—sulfur particles and droplets in the air that make it hard to breathe and see.

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