Warum es für Schulen nicht ratsam ist, den Mathematik-Unterricht auf einen Freitag zu verlegen

Irgendwie hat es sich in der Welt – vor allem in Asien – noch nicht herumgesprochen, dass man dem deutschen Weg in Sachen Energiewende folgen sollte.

(Quelle Statista, CC-BY-ND)

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Anton Piëch, Sohn von Ferdinand Piëch, hat ein Startup gegründet. Es ist nicht erstaunlich, dass es sich um einen PKW Hersteller handelt. In der WELT gibt er zusammen mit seinem Management ein Interview.

„Wir unterscheiden uns auch durch unseren Fokus auf nachhaltige Mobilität, weil wir planen, die Batterieelektromotoren eines Tages durch Wasserstoffantriebe oder Verbrennungsmotoren zu ersetzen, die mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. So erreichen wir die drei- bis vierfache Laufleistung. Das reduziert den CO2-Fußabdruck dramatisch.“

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Daniel Wetzel hat sich die neuen EU-Ziele in Sachen Klima angesehen und ausgerechnet, was sie für Deutschland bedeuten. Es wird vor allen Dingen eines: teuer. Der Artikel aus der WELT steht hinter einer Bezahlschranke.

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UN Generalsekretär Guterres ruft alle UNO Staaten dazu auf, den Klimanotfall auszurufen. Ob bereits über weitere Superlative gegrübelt wird, die nach einem Notfall kommen? Immerhin scheint dem Führer der Vereinten Nationen das 1,5 Grad Ziel, für das es am Freitag noch zahlreiche Demonstrationen durch Fridays For Future gab, nicht mehr zu reichen. Weiterlesen in der WELT.

Den passenden Kommentar zur der Meldung gibt es ebenfalls bei der WELT durch Axel Bojanowski: „Der UN-Chef verrät die Welt“. Der Kommentar liegt hinter einer Bezahlschranke. Bojanowski ordnet die Aussagen des Generalsekretärs anhand von Daten etwas ein, stellt sie richtig und fragt, warum wir nicht schon lange einen Ernährungsnotstand haben. Über 800 Millionen Menschen auf der Welt hungern. Er spricht damit auch das Bevölkerungswachstum an, das zwangsweise den Energiekonsum und die Landnutzung zur Lebensmittelproduktion erhöht. Um dieses Thema machen fast alle einen großen Bogen.

Bojanowski geht dabei nicht einmal auf den bizarrsten Umstand der Entwicklung ein: Das Pariser Abkommen erlaubt es den Emittenten (siehe Grafik Kohlestrom) explizit weiter Treibhausgase bis 2030 in die Atmosphäre zu entlassen. Die westlichen Länder, die bereits senken und sich immer neue Ziele setzen, hecheln der Entwicklung hinterher und werden zusätzlich abgewatscht.

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Öko-Rangliste: Gute Noten für deutsche Unternehmen. Die NGO Carbon Disclosure Project gibt eine Liste von Unternehmen heraus, die beim Klimaschutz, Erhaltung der Wälder und Wassersicherheit gute Noten erhalten. 19 von 317 Unternehmen auf der Liste sind deutsche Unternehmen. Zum Artikel bei der Tagesschau geht es hier lang.

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Was macht ein sich wandelndes Klima mit der Sprache der Menschen? Offenbar einiges, wenn man sich die Sprache von Extinction Rebellion (XR) ansieht. Die Aktivisten haben am 11.12.2020 einige Straßen blockiert und twittern mit ihrer Hamburger Sektion darüber. Es fällt jetzt auch die Infantilisierung der Sprache auf. Sie wird allerdings nicht ganz konsequent durchgezogen, sonst müsste es ja auch Polizistis heißen.

#Noroomforgas ist ohnehin ein interessanter Hashtag. In Zeiten, in denen sich die Natur weigert, Wind zu liefern und die Sonne in der Nacht scheinen zu lassen, bleibt nach dem Aus für Kohle und Kernenergie nichts mehr übrig, was die wetterabhängigen Umweltenergien in solchen Phasen ersetzen könnte. Oder sollte man besser schreiben, die Naturis bringt keine Windis und Sonnis, die Windkraftanlagis und Solarpanelis zur Erzeugung von Stromis befähigt?  Vielleicht wird das im XR-Sprech ja besser verstanden?

(Abbildung von Enformer.de)

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Kohle war in Deutschland der wichtigste Energieträger bei der Stromproduktion im 3. Quartal 2020. Es wird interessant, wie das 4. Quartal abschneidet. Sowohl der November als auch der Dezember hatten windschwache Phase und die Tage sind kurz, was die Sonne angeht. Bei dichter Bewölkung ist es zudem schwer Sonnenstrom zu erzeugen. Weiterlesen im Spiegel.

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An der Erdgas-Pipeline Nordstream 2 wird weitergebaut. Die Tagesschau berichtete.

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Aktivisten protestieren für mehr Klimaschutz. Ein Bericht in der Tagesschau behandelt das Thema. Warum es für Schulen nicht ratsam ist, den Mathe-Unterricht auf einem Freitag zu verlegen, das zeigen die Aussagen von führenden Klimaaktivisten.

„Das neue Klimaziel hatten Thunberg und ihre Mitstreiter – unter ihnen auch die deutsche Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer – schon Anfang Oktober als unzureichend bezeichnet und der EU dabei Schönrechnerei vorgeworfen. Da dieser Wert auf dem Vergleichsjahr 1990 basiere, würden dabei die CO2-Rückgänge der vergangenen 30 Jahre miteingerechnet. Damit sei das Ziel gemessen an den Werten von 2018 in Wirklichkeit eher ein 42-Prozent-Ziel. „Die EU mogelt mit den Zahlen – und klaut unsere Zukunft“, schrieben sie.“

In Mathe lernt man Rechnen und natürlich sinkt eine Prozentzahl wenn man einen bereits verminderten Wert mit einem höheren Wert (Basis) vergleicht. Das passiert mit allen Rechnungen, die sich auf einen Basiswert beziehen. Ansonsten müsste man solche Ziele jedes Jahr an den sich immer weiter vermindernden Wert anpassen, was sicherlich ein schönes Chaos wäre weil jeder mit anderen Zahlen hantiert.

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Wenn die eigene Ideologie das Denken, Lesen und Verstehen beschränkt: Der haushaltspolitische Sprecher der CDU, Eckhard Rehberg, nahm die Grünen-Vorsitzende Baerbock in einer Rede zum Bundeshaushalt auseinander. Die Grünen-Chefin prangerte Hilfen des Bundes in Höhe von 500 Millionen Euro für Regionalflughäfen an. Rehberg musste Baerbock erst einmal erklären, dass 300 Millionen Euro für die Flugsicherung enthalten sind. Die sorgt unter anderem auch für Grüne, die ja gern mal fliegen, dass diese sicher ans Ziel kommen. Es ist eine Bundesaufgabe. Weitere 170 Millionen sind in Flughäfen geflossen, bei denen der Bund Anteilseigner ist. Die Summe von 500 Millionen schrumpfte zu 20 Millionen zusammen für kleinere Flughäfen, dort aber auch nur Flugsicherung, einer wie gesagt hoheitlichen Aufgabe. Es ist eigentlich unangemessen zu erwarten, dass sich Mitglieder der Opposition informieren, bevor sie ans Rednerpult gehen?

Es ist nicht der erste Fauxpas in Sachen Verkehrswende beim Grünen-Führungspersonal. Grünen Co-Chef Habeck blamierte sich auch nicht schlecht als er offenbarte, dass er die Pendlerpauschale nicht ansatzweise verstanden hat und Benzinpreise und Entfernungspauschale verwechselte. Weiterlesen in der WELT.

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Pressemitteilung der Universität Bonn vom 25.11.2020:

Eisschilde an den Polen beeinflussen sich gegenseitig

Forscher unter Beteiligung der Uni Bonn entdecken dynamische Beziehung zwischen Nord- und Südhalbkugel

In den letzten 40.000 Jahren haben sich Eisschilde, die Tausende Kilometer voneinander entfernt sind, durch Veränderungen des Meeresspiegels gegenseitig beeinflusst. Ein internationales Wissenschaftlerteam unter Beteiligung der Universität Bonn verglich Modellierungen von Eisschildveränderungen während des jüngsten Eiszeitzyklus mit neu verfügbaren geologischen Aufzeichnungen. Die Studie unter der Leitung von Natalya Gomez von der McGill-Universität in Montreal (Kanada) zeigt erstmals, dass in diesem Zeitraum Veränderungen des antarktischen Eisschildes im Süden durch schmelzende Eisschilde in der nördlichen Hemisphäre beeinflusst wurden. Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal Nature veröffentlicht.

Als sich das Klima während der letzten Eiszeit abkühlte, wurde Wasser im Landeis der nördlichen Hemisphäre gebunden, was zu einer Ausdehnung des Eisschildes in der Antarktis führte. Denn wenn der Meeresspiegel im Süden fällt, ist mehr Landfläche vorhanden, die Unterseite des Eises liegt stabil auf und kann sich ausdehnen. Als sich das Klima vor 19.000 bis 9.000 Jahren erwärmte, führte der Rückgang des Eises in der nördlichen Hemisphäre dagegen zu einem Rückzug des Eisschildes in der Antarktis. Durch den steigenden Meeresspiegel wird die Unterlage destabilisiert, das Eis droht aufzuschwimmen und abzubrechen. Dadurch zieht es sich insgesamt zurück.

“Wir haben jetzt ein sehr variables Signal des Eismassenverlusts in den letzten 20.000 Jahren gefunden, das von Eisbergen hinterlassen wurde, die aus der Antarktis abbrechen und in den umliegenden Ozeanen Gerölle beim Abschmelzen zurücklassen”, sagt Michael Weber vom Institut für Geowissenschaften der Universität Bonn. Diese Belege konnten kaum mit bestehenden Modellen in Einklang gebracht werden, solange die Forschenden nicht berücksichtigt haben, wie die Eisschichten beider Hemisphären auf der ganzen Welt miteinander über längere Zeiträume interagieren. „Aus einer früheren Studie wussten wir lediglich, dass die Eisschilde an beiden Polen am Ende der letzten Eiszeit verbunden waren“, ergänzt Weber. Jedoch nur mit Hilfe neuer Modelle, die Ozean, Eisschild und vertikale Krustenbewegungen koppeln, konnten die Forscher nun längere Zeiträume betrachten und mit neuesten geologischen Befunden vergleichen.

“Eisschilde können sich aufgrund des Wassers, das zwischen ihnen fließt, über große Entfernungen hinweg gegenseitig beeinflussen”, sagt Natalya Gomez. “Es ist, als ob sie durch Veränderungen des Meeresspiegels miteinander kommunizieren würden.” Das Ergebnis der Modellrechnungen stimmt mit den Aufzeichnungen in Ozeansedimenten und von vergangenen Küstenlinien überein. Polare Eisschilde seien nicht nur große, statische Eisberge. Sie entwickelten sich auf verschiedenen Zeitskalen und seien in ständigem Fluss. “Wobei das Eis – je nach Klima und den umgebenden Wasserständen – wächst und sich wieder zurückzieht”, so die Wissenschaftlerin weiter. Das Eisschild wächst, wenn sich Schnee darauf auftürmt, und die entstehende Eismasse sich unter ihrem eigenen Gewicht wie ein Wackelpudding nach außen ausbreitet. Dort strömt die Masse in den umgebenden Ozean, von den Rändern brechen Eisberge ab.

Um die Mechanismen zu untersuchen, die die Veränderungen des antarktischen Eisschildes über geologische Zeitskalen vorantreiben, stützt sich die Studie auf numerische Modelle und eine breite Palette geologischer Aufzeichnungen, von Sedimentkernen des Meeresbodens in der Nähe der Antarktis bis hin zu Aufzeichnungen über Landflächen und vergangene Küstenlinien. Mit diesen Informationen waren die Forscher erstmals in der Lage, gleichzeitig Veränderungen sowohl des Meeresspiegels als auch der Eisdynamik in beiden Hemisphären über die letzten 40.000 Jahre zu simulieren. Dieser Zeitrahmen bildet die Grundlage für ein tieferes Verständnis, wie Klimafaktoren die Eisschilde beeinflussen. Denn der Zeitraum umfasst den Höhepunkt der letzten Eiszeit zwischen 26.000 und 20.000 Jahren bis zur Gegenwart.

Wasser und Eisschilde in Bewegung

Die Aufzeichnungen aus Bohrkernen und die Rekonstruktion der Küstenlinien deuten darauf hin, dass der Eisverlust des antarktischen Eisschildes in diesem Zeitraum erheblich war, mit zeitweiligen Perioden beschleunigten Rückzugs. Die Forscher fanden heraus, dass der einzige Mechanismus, der dieses Phänomen erklären könnte, die Änderungen des Meeresspiegels in der Antarktis sind. Sie wurden wiederum durch Veränderungen der Eisschilde in der nördlichen Hemisphäre verursacht.

“Das Ausmaß und die Komplexität der Eisschilde und der Ozeane sowie die Geheimnisse des vergangenen Klimas der Erde sind faszinierend und inspirierend”, sagt Gomez. Die Ergebnisse zeigten, wie vernetzt das Erdsystem ist: Veränderungen in einem Teil des Planeten bewirken Veränderungen in einem anderen Teil. Der Rückzug der großen Eisschilde im sich künftig weiter erwärmenden Klima sei beispiellos. Der Blick auf Aufzeichnungen und Modelle von Veränderungen in der Erdgeschichte könne darüber informieren.

Beteiligte Institutionen und Förderung

Neben der McGill University, Montreal (Kanada), waren die Universität Bonn, die Oregon State University (USA), die University of Ulster (Vereinigtes Königreich) und die Harvard University, Cambridge (USA), beteiligt. Die Studie wurde durch das Natural Sciences and Engineering Research Council (NSERC), das Canada Research Chair’s programme, die Canadian Foundation of Innovation, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die NASA und die Harvard University gefördert.

Publikation: Natalya Gomez, Michael E. Weber, Peter U. Clark, Jerry X. Mitrovica & Holly K. Han: Antarctic ice dynamics amplified by Northern Hemisphere sea-level forcing, Nature, DOI: 10.1038/s41586-020-2916-2

Der Standard berichtete über die Studie:

Schmilzt das Eis am Nordpol, schrumpfen auch die antarktischen Gletscher

Über den steigenden und fallenden Meeresspiegel stehen die Eismassen von Nord- und Südpol miteinander in Verbindung

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