Militär und Klima

Der NDR-Podast “Streitkräfte und Strategien” beschäftigt sich in der Ausgabe von 11.11.2022 mit dem Thema Klima in Bezug auf Militär. In den Shownotes der Ausgabe findet sich einige Links zu Publikationen, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben, welche Auswirkungen militärische Aktivitäten auf das Klima haben. Zahlreiche Studien kommen zu verschiedenen Ergebnissen, allen gemein ist allerdings, dass man jeden Krieg besser nicht führen sollte wenn es ums Klima geht.

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Noch einmal Podcast. SWR-Wissen hat das Thema Erneuerbare Energien im Nahen Osten. Ägypten war lange Jahre ein Importeur von Flüssiggas. Nach einem großen Fund in 2015 änderte sich die Situation und das Land exportierte fortan Gas. Die aktuellen Gaspreise führen zu interessanten Entwicklungen. So verbrennt Ägypten lieber Öl als Gas bei der Stromproduktion, weil man ja seinen Partner “helfen” will. Nüchterner klingt es, wenn man hier von einem guten Geschäft der Ägypter spricht. Aber auch die Ambitionen von Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten werden beschrieben. Sie sind mit Sonne gesegnet und könnten daher sehr günstig Wasserstoff produzieren. Die Sendung ist 30 Minuten lang und recht kurzweilig.

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Wir bleiben thematisch im Nahen Osten, wo momentan die Klimakonferenz COP 27 stattfindet. Einer der Hauptsponsoren der Konferenz ist erstaunlicherweise Coca Cola, wie rnd berichtet.

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Deutschland sieht sich gern als Musterschüler in Sachen Klima. Thorsten Giersch vom Focus kommentiert das.

“Warum muss Deutschland ein perfekter Klima-Musterschüler sein, um bilaterale Partnerschaften mit Namibiaüber grünen Wasserstoff zu schließen? Steht und fällt so ein Deal mit dem Datum für den Kohleausstieg? Das darf bezweifelt werden. Man muss nicht um jeden Preis der Vorreiter sein, um weltweit effektiv Klimaprojekte abzuschließen. Man muss sich Mühe geben, kluge Kooperationen mit Win-Win-Effekt für beide Seiten zu schmieden – was viel zu lange vernachlässigt wurde.

Auch allzu ambitionierte Jahreszahlen sind nicht entscheidend: Für die innenpolitische Show mag wichtig sein, ob man den Kohleausstieg für 2030, 2035 oder 2038 beziffert. Dem Weltklima ist nur sehr bedingt damit geholfen, wenn wir die Meiler hierzulande drei Jahre früher oder später abstellen. Im Gegenteil: Der Schaden wäre enorm, wenn Länder wie Deutschland zu hoch gesteckte Ziele verfehlen – wonach es ja durchaus aussieht.” 

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Eine interessante Gegenposition zu den Ansichten von Ulrike Herrmann (nur Degrowth und Ende des Kapitalismus wird uns retten, wir berichteten) kommt von Malte Kreutzfeld, ebenfalls wie Herrman bei der taz.

“Doch diese Zahl führt in die Irre. Denn für den Fortschritt der Energiewende ist der Endenergieverbrauch der falsche Maßstab. Er lässt den Bedarf größer erscheinen, als er in der Zukunft tatsächlich sein wird. Denn durch den Umstieg von fossilen Kraftstoffen auf Ökostrom sinkt der Endenergiebedarf im Verkehr und beim Heizen: Ein Liter Diesel hat einen Energiegehalt von etwa 10 Kilowattstunden. Damit kommt ein Wagen der Golf-Klasse etwa 17 Kilometer weit. Ein vergleichbar großes E-Auto fährt mit 10 Kilowattstunden Strom über 50 Kilometer. Durch den Umstieg auf Elektroautos, die mit Ökostrom angetrieben werden, sinkt der Bedarf an Endenergie um 70 Prozent.

Ähnlich sieht es beim Heizen aus: Bei Gas- und Ölheizungen geht ein Teil der Energie verloren; aus einer Kilowattstunde Energie im Brennstoff entsteht also immer weniger als eine Kilowattstunde Wärme in der Wohnung. Bei einer Wärmepumpe ist es umgekehrt: Sie entzieht der Umgebung Wärme und erzeugt dadurch aus einer Kilowattstunde Strom 3 bis 5 Kilowattstunden Wärme. Beim Umstieg von einer fossilen Heizung auf eine Wärmpumpe, die mit Ökostrom angetrieben wird, sinkt der Endenergiebedarf also auf ein Drittel bis ein Fünftel – ohne dass es in den Wohnungen kälter wird.”

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En-former, der Energieblog von RWE hat sich den Energy Outlook der Internationalen Energie Agentur angesehen.

“Die IEA prognostiziert erstmals, dass in diesem Szenario der Ausstoß von energiebedingten CO2-Emissionen und folglich auch der globale Bedarf an fossilen Energieträgern im Jahr 2025 ihren Höchststand erreichen werden. Zunächst werde der Kohleverbrauch in den kommenden Jahren zurückgehen, ehe auch der von Gas (Ende des Jahrzehnts) und Öl (Mitte der 2030er-Jahre) stagnieren und im besten Fall anschließend leicht abflachen werden. Die Gesamtnachfrage für fossile Energieträger könnte dann von 2025 an bis 2050 stetig sinken.

Bis 2050 erwartet die IEA im STEPS auch, dass der Energiemix-Anteil der fossilen Energieträger von knapp 80 auf gut 60 Prozent sinken wird, zudem sollen die CO2-Emissionen im gleichen Zeitraum von 37 Milliarden Tonnen (am Peak) (2021: 36,6) auf 32 Milliarden Tonnen zurückgehen. Dies könnte bis 2100 für einen Temperaturanstieg von 2,5 Grad Celsius sorgen. Das Pariser Klimaschutz-Ziel von 1,5 Grad würde demnach immer noch klar verfehlt.”

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Im Vereinigten Königreich wollen Gas-Unternehmen die Regierung verklagen. Die Premierministerin Truss hatte das Moratorium für Fracking aufgehoben. Ihr Nachfolger Sunak machte diese Entscheidung wieder rückgängig. This is money berichtet:

“If putting pressure on the Government to re-lift the ban does not work, the industry is now keen for compensation for years of investment.

A source said: ‚It would almost certainly reach hundreds of millions of pounds – at least £500m and potentially as much as £1billion.‘

Ministers claim that they would need new scientific evidence that fracking does not cause harm. The process involves pumping a mixture of sand, water and chemicals into the earth to crack shale rock and release trapped gas.

The key reason the Government has turned against fracking is because it can cause minor earthquakes.

Fracking is subject to more stringent requirements than many other industries. The source said: ‚If the same rules applied, the UK would have no quarrying, construction or geothermal energy.”

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“Eine riesengroße deutsche Dummheit”

So kommentiert Florian Harms bei T-Online die Entscheidung Deutschlands gegen die Kernenergie.

“Bei Lichte betrachtet sprechen sämtliche Fakten gegen den deutschen Alleingang beim Atomausstieg:

Deutsche AKW-Technologie war weltweit führend – kein Vergleich zum Unglücksmeiler in Tschernobyl.

Deutsche AKW standen auch nicht an tsunami-anfälligen Küsten wie in Japan.

Hätten die Betreiber ihre Technologie weiterentwickeln können, hätte diese sich zum Exportschlager mausern können. Afrikanische Länder müssten nicht chinesische Ruckzuck-Meiler mit Rissen im Beton kaufen.

Unsere Nachbarländer setzen weiter fröhlich auf Atomkraft, der deutsche Ausstieg macht die Lage hierzulande also keinen Deut sicherer.

Atomstrom ist – anders als Wind- und Solarenergie – konstant vorhanden und lässt sich exakt in der benötigten Menge produzieren.

Finnland macht uns vor, dass sich sogar das Endlagerproblem lösen lässt. Über die deutschen Befindlichkeiten schüttelt man dort den Kopf.”

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Spektrum der Wissenschaft analysierte im April 2022:

Die Energiewende bekommt ein Rohstoffproblem.

[…] “Das liegt jedoch nicht allein an erneuerbaren Energien: Die Forschenden untersuchten in ihrer Studie auch viele andere neue Technologien, die für eine erfolgreiche Energiewende wichtig sind. Dazu gehören Elektrofahrzeuge, stationäre Stromspeicher, aber ebenso Großanlagen für Wasserelektrolyse zur Herstellung von grünem Wasserstoff, für deren Membranen die seltenen Metalle Iridium und Scandium in zunehmendem Maße gebraucht werden dürften. Hinzu kommt der Metallbedarf anderer Hightechtechnologien, von traditionellen Rechenzentren über Quantencomputer und Radiofrequenz-Mikrochips für 5G- und 6G-Funkmasten bis zu Meerwasserentsalzungsanlagen. All diese Bereiche entwickeln sich derzeit schnell und dürften schon in einigen Jahren nicht nur nennenswerte Teile des globalen Rohstoffmarktes für strategische Metalle einfordern, sondern auch um sie konkurrieren.

Der wachsende Bedarf an metallischen Rohstoffen wird dabei zu einem Risiko für die deutsche und europäische Energiewende. Denn während sich Volkswirtschaften in den nächsten Jahren von Erdgas-, Erdöl- und Kohlelieferanten abwenden, werden sie sich in neue Abhängigkeiten von Metallen begeben. Diese sind häufig sogar noch konzentrierter als bei den fossilen Energieträgern: Während Erdöl, Kohle und mittels Flüssiggascontainern auch Erdgas von einem Dutzend großer Förderländer geordert werden können, sind Abbau und Verarbeitung etlicher Metalle momentan auf wenige oder sogar einzelne Länder begrenzt.”