Katapult schießt sich ins Aus

Das populärwissenschaftliche Magazin Katapult verbreitet gerade eine Grafik, die erschreckende Defizite in Physik und Mathematik offenbart. Um noch etwas Feuer in die Debatte um die EU-Taxonomie Entscheidung in Sachen Kernenergie zu gießen, werden die Kosten für Nennleistung von Kernenergie und Solaranlagen verglichen. Kernkraft rechnet sich nicht, urteilt der Autor Ole Kracht und vergleicht, was man mit 19 Mrd. Euro so alles machen könnte.

(Abbildung: Screenshot Katapultwebseite CC-BY-NC-ND 2022 KATAPULT)

Nennleistung produziert aber keinen Strom. Da macht auch Solar keine Ausnahme. Wenn man so etwas schon vergleichen möchte, dann sollte man die Erzeugung von Strom vergleichen. Je nach Betrachtung kommen bei den beiden Stromerzeugungen aber ganz andere Daten zusammen. Das Kernkraftwerk kommt im Laufe seiner Lebenszeit auf 757 Twh, die Solarmodule auf 330 TWh.

Ganz unwissenschaftlich wurde hier der Platz, den 400 Millionen Solarmodule brauchen, komplett ignoriert. Man braucht dazu etwa 10 Millionen Dachflächen in Deutschland, das wäre jedes zweite Gebäude. Auf denen müssten dann 70.000 Hektar Platz geschaffen werden für die Module. Von der Speicherproblematik wollen wir lieber gar nicht erst anfangen. Wie ein Wissenschaftsmagazin auf solche Ideen kommt, das bleibt ein Rätsel. Außer, es dient einer Agenda.

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Japan will nach Angaben der NZZ die Kernenergie wiederbeleben.

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Bloomberg: Europa schlafwandelt in eine Energiekrise, die Jahre dauern könnte. Die EU ist auf Gnade angewiesen, die vom Wetter und von Putin.

“Still, Europe’s leaders betrayed no alarm. On July 14, the European Commission unveiled the world’s most ambitious package to eliminate fossil fuels in a bid to avert the worst consequences of climate change. With their eyes trained on longer-term goals, such as reducing greenhouse gas emissions at least 55% by 2030 from 1990 levels, the politicians did not sufficiently appreciate some of the potential pitfalls that lay immediately ahead on the road to decarbonization.”

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Bitte nicht von der Webseite erschrecken lassen.  Auf der Seite gwup.org analysiert Anna Veronika Wendland ein Papier der Scientist for Future zum Thema Kernenergie.

“Während bei der Begutachtung nur die wissenschaftliche Qualität der Argumente betrachtet wurde und nicht die Person der Verfasser, ist nach einem derart offensichtlichen Bias-Befund die Frage berechtigt, wie es dazu kommen konnte. Eine Durchsicht der Forschungsprofile und institutionellen Zuordnung der Autoren gibt Hinweise: 16 von 16 Autoren haben ihre Forschungsarbeiten und Projekte mit der Energiewende-Ökonomie bzw. mit Institutionen im Umfeld atomkritischer Umweltbewegungen verbunden, sei es als Forscher:innen, als Berater:innen und Auftragnehmer: innen von Bundesregierung und grünen NGOs, oder als atomkritische Gutachter:innen; ein Autor ist Mitinhaber eines Software-Unternehmens, das seine Kunden im Feld des Ökostromvertriebs hat. Diese Autorengruppe war also weder unabhängig noch unvoreingenommen: sie hat ein Interesse an der Ausschließung der Kernenergie aus deutschen und europäischen Klimaschutzstrategien, ob nun aus Überzeugung oder aus professioneller Zugehörigkeit zum Unternehmen Energiewende, oder aus beiden Gründen.

Man stelle sich nur einen Augenblick vor, S4F hätte 16 Autoren beauftragt, ein Gutachten über die Eignung von Erneuerbaren Energien für den Klimaschutz zu verfassen, und 16 von 16 Autoren widmeten sich in ihrem Arbeitsleben vor allem der Simulierung und Optimierung von Kernenergiesystemen, der Beratung von kernenergienutzenden Regierungen und der Verfassung von Gutachten gegen Windparks. Das hätte zu Recht einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Warum der ausgeprägte Bias des Papiers selbst, seines Literaturkorpus, aber auch seiner Verfassergruppe bei S4F durchgewinkt wurde, hat wohl auch mit einer mangelnden Qualitätssicherung in dieser Organisation zu tun. Weder wurde das Papier unabhängig begutachtet, noch kam es zu einem organisationsöffentlichen Diskussionsprozess. Von mir befragte S4F-Mitglieder erinnerten sich an keine öffentlich kommunizierten Arbeitsstände oder Möglichkeiten der Kommentierung. Anfragen an die Pressestelle der S4F sowie an die drei als Ansprechpartner benannten Verfasser:innen blieben unbeantwortet.”

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Eckhard von Hirschhausen, der ja auch gern mal vor tödlichen Aufenthalten in Saunen warnt, weil sich ab 41 Grad das Körpereiweiß zersetzt (daher sei der Klimawandel ja auch so gefährlich!) trommelt in letzter Zeit für Degrowth. Also für Schrumpfen, gemeint ist die Wirtschaft. Wachstum sagt der Mediziner sei wie Krebs. Das allein ist ja schon eine interessante Ansicht über Wucherungen, die er mit Wachstum verwechselt. Nun gut, er hat auch schon Lufttemperatur mit Körpertemperatur verwechselt, von daher wäre das nicht sehr weit weg. Noch interessanter ist allerdings, dass von Hirschhausen persönlich nicht viel von Schrumpfen hält. Er hat eine Diät App herausgegeben, natürlich gegen Bezahlung und er betreibt damit Wertschöpfung und das ist das Gegenteil von Schrumpfen. Aber vielleicht soll ja auch nur der Bauch der App-Nutzer schrumpfen?

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Das Handelsblatt sieht den Grünen Wirtschaftsminister Habeck unter Druck.

“Teile der Grünen und erst recht die Aktivisten von Fridays for Future sowie anderer Klimaschutzorganisationen lesen die Vorschläge der EU-Kommission für die Einbeziehung von Erdgas in die EU-Taxonomie so, als würde Erdgas dort zum Heilsbringer auf dem Weg zur Klimaneutralität verklärt.

Das ist aber mitnichten so. Man kann die Vorschläge vielmehr ganz anders deuten: Die Latte für den Einsatz von Erdgas wird extrem hoch gelegt. Zwei Beispiele: Für Anlagen, die nach 2030 genehmigt werden, sollen nach den Vorstellungen der EU-Kommission nur noch bis zu 100 Gramm CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Strom erlaubt sein – gerechnet auf den Lebenszyklus. Bei einem modernen Gaskraftwerk sind es 350 Gramm. Es gehört nicht viel Fantasie zu der Einschätzung, dass es höchst anspruchsvoll wird, die 100-Gramm-Grenze zu erreichen.”

“Das alles weiß auch Robert Habeck. Dennoch stellt er die Dinge so dar, als sei es eine Überraschung, dass die EU-Kommission bereit ist, Erdgas als Brückentechnologie zu akzeptieren, und als wolle die Kommission einem inflationären Erdgas-Einsatz Vorschub leisten. Es sei „fraglich“, ob man Erdgas in die Taxonomie aufnehmen dürfe, sagt Habeck.”

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Der Stern berichtet über Chinas Thorium Reaktoren.

“Dazu ist der Reaktor sehr klein: Er soll nur 3 Meter hoch und 2,50 Meter breit sein. Das sind allerdings die Maße des reinen Reaktors. Um Strom zu erzeugen, muss er an Turbinen und ans Stromnetz angeschlossen werden. Doch die Minigröße des nuklearen Teils macht es möglich, den Reaktor unter Reinraumbedingungen zu bauen, man muss ihn nicht auf einer Baustelle zusammensetzen. Letztlich wäre eine Serienfertigung wie in der Autoindustrie möglich. Bei Wartungen könnte das Reaktormodul einfach ausgetauscht werden und von einem normalen Lkw zurück zum Hersteller gebracht werden.

Der kommerzielle Reaktor wird 100 Megawatt Strom erzeugen – genug, um 100.000 Menschen mit Strom zu versorgen. Weil die Anlage nur wenig Wasser verbraucht, wird China den ersten kommerziellen Reaktor in Wuwei, einer Wüstenstadt in der Provinz Gansu des Landes bauen.”

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Auf dem Auge Rohstoffe und deren Gewinnung sind die Fans der Erneuerbaren Energien leider oft blind. Umweltzerstörung und miserable Arbeitsbedingungen werden konsequent weggelächelt. Die Welt beschreibt einige der Sünden, die beim Abbau passieren, speziell bei Kobalt. Der Artikel zitiert eine Studie der Universität Evanston, Illinois, USA.

“Ein weiteres Problem betrifft der Studie zufolge die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner, da der Bergbau vielerorts Böden, Luft und Wasser verseucht. So sei etwa das Wasser an jenen Stellen, wo das geförderte Erz gewaschen wird, nicht mehr zum Trinken geeignet und auch für viele andere Zwecke unbrauchbar. „Ackerland kann ebenfalls unfruchtbar werden durch Gifte und Schadstoffe, die beim Kobaltabbau anfallen.“ Demnach verschlechterten sich vielerorts die landwirtschaftlichen Erträge so sehr, dass manche Menschen sich jenseits der Grenze im angrenzenden Sambia mit Lebensmitteln versorgen müssen.”

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Bildzeitung am 6.1.2022:

Er moderiert heute zum letzten Mal das „heute journal“: Claus Kleber kritisiert Ideologie bei Öffentlich-Rechtlichen

Der scheidende ZDF-„heute journal“-Moderator Claus Kleber (66) bemängelt eine zunehmende Ideologisierung im Journalismus.

Denn: Nach Ansicht von Kleber halten nicht alle Kollegen die Grenze zwischen Aktivismus und Journalismus ein. Er sei schockiert, „mit welcher Selbstverständlichkeit da Urteile abgegeben werden“, ohne dass recherchiert wurde, sagte Kleber der „Zeit“. Der Moderator kritisierte: „Selbst die Kommentare im Öffentlich-Rechtlichen sind oft eher Besinnungsaufsätze.“

Kleber: „Ideologie vergiftet den Journalismus.“

Weiterlesen bei der Bildzeitung

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Tim Sumpf in der Epoch Times:

Vergessene Erneuerbare? Wie viel Potenzial haben Gezeitenkraftwerke?

Bei der Energiewende dreht sich fast alles um Wind und Sonne, seltener um, beziehungsweise im, Wasser. Dabei sind Wasserkraftwerke nicht auf Flüsse oder Speicherseen begrenzt: Seit Jahrhunderten nutzen Menschen die unerschöpfliche Kraft der Gezeiten.

Weiterlesen in der Epoch Times (für Abonnenten).

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Prof. André D. Thess am 30.12.2021:

Energiewendemärchen der Woche 52-2021

Kipppunkte

Die Behauptung: Der Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung PIK hat in einem vielzitierten Fachaufsatz „Tipping elements in the Earth System“ im Jahr 2009 das Konzept der Kipppunkte begründet. Das Wissenschaftsmagazin Quarks zitiert einen namentlich nicht näher benannten PIK-Mitarbeiter hierzu mit der Metapher: „Schiebt man eine Kaffeetasse ein Stück über den Schreibtischrand, passiert erst nichts. Problematisch wird es, wenn sie einen kritischen Punkt erreicht, an dem sie kippt und abstürzt.“

Meine Analyse: In den Fachgebieten Strömungsmechanik, angewandte Mathematik und nichtlineare Dynamik gibt es keine Zweifel, dass es sich beim Erdklima um ein nichtlineares System handelt, bei dem kleine Änderungen von CO2-Emission oder Sonneneinstrahlung große oder gar sprungartige Änderungen im Systemverhalten erzeugen können. In der Öffentlichkeit wird jedoch durch unwissenschaftliche Aussagen der falsche Eindruck erweckt, diese Kipppunkte ließen sich beim Klima ähnlich leicht vorhersagen wie der Absturz einer Kaffeetasse. Es ist aus diesem Grund hilfreich, sich an zwei unpolitischen Anschauungsbeispielen die Schwierigkeit der Vorhersage von „Kipppunkten“ zu veranschaulichen.

Weiterlesen bei der Universität Stuttgart

Weitere Energiewendemärchen:

06.01.2022 | Energiewendemärchen der Woche 01-2022 EU-Taxonomie und der Marsmensch Zum Artikel

30.12.2021 | Energiewendemärchen der Woche 52-2021 Kipppunkte Zum Artikel

23.12.2021 | Energiewendemärchen der Woche 51-2021 Unversicherbare Kernenergie Zum Artikel

16.12.2021 | Energiewendemärchen der Woche 50-2021 Ausgerechnet! Zum Artikel

09.12.2021 | Energiewendemärchen der Woche 49-2021 Das Schweigen der „Faktenchecker“ Zum Artikel

02.12.2021 | Energiewendemärchen der Woche 48-2021 Die klimaschonende Trinkflasche Zum Artikel

25.11.2021 | Energiewendemärchen der Woche 47-2021 Klimasensibler Kirchenfunktionär HBS Zum Artikel

18.11.2021 | Energiewendemärchen der Woche 46-2021 Teure Kernenergie Zum Artikel

11.11.2021 | Energiewendemärchen der Woche 45-2021 Überschätzte Energieeffizienz Zum Artikel

04.11.2021 | Energiewendemärchen der Woche 44-2021 Jugendwahlrecht fürs Klima? Zum Artikel

28.10.2021 | Energiewendemärchen der Woche 43-2021 Alternativlose Endlagerung? Zum Artikel

21.10.2021 | Energiewendemärchen der Woche 42-2021 Schnelllade-Legenden Zum Artikel

13.10.2021 | Energiewendemärchen der Woche 41-2021 Alternativloser Kohleausstieg? Zum Artikel

07.10.2021 | Energiewendemärchen der Woche 40-2021 Microsoft-Firmenlyriker am Werk Zum Artikel

30.09.2021 | Energiewendemärchen der Woche 39-2021 Abschied von Mallorca? Zum Artikel

23.09.2021 | Energiewendemärchen der Woche 38-2021 Falschinformation aus dem Hause Correctiv Zum Artikel

16.09.2021 | Energiewendemärchen der Woche 37-2021 Propaganda auf Wikipedia Zum Artikel