Eine Branche im Sturm

Beim rnd wird die Situation bei Siemens und dort bei der Windkraftsparte thematisiert: Verluste trotz voller Auftragsbücher. Das beliebte Argument, Peter Altmeier habe die deutsche Windkraftindustrie höchstpersönlich kaputtgemacht, greift hier leider nicht. Es sind Managementfehler.

“Hersteller von Windkraftanlagen kämpfen derzeit zwar weltweit, weil Lieferketten reißen und Herstellungskosten explodieren. Aber bei Siemens Gamesa kommen hausgemachte Probleme mit einer Turbine für Windparks an Land dazu. Prognosen wurden zuletzt in Serie nach unten korrigiert und das Management in Spanien ausgetauscht. Hoffnungsschimmer bei Siemens Energy ist derzeit neben der Energieübertragung das zum Auslaufmodell erklärte Geschäft mit Gaskraftwerken, das gemessen am Umfeld beeindruckend profitabel arbeitet. Der Auftragseingang ist mit einem Plus von 60 Prozent im jüngsten Quartal über alle Geschäfte hinweg intakt. Weil zumindest bei Windkraftanlagen damit in der Vergangenheit regelmäßig Verlustaufträge verbunden waren, ist ein aktueller Rekordauftragsbestand von 93 Milliarden Euro jedoch keine ausschließlich gute Nachricht.”

Ebenfalls beim rnd kommentiert Stefan Winter die Kapitalanlagen in die Windkraftindustrie:

“Die Zeiten, in denen dann automatisch die Windkraft als Inbegriff grüner Geldanlage auf den Tisch kam, sind allerdings vorbei. Denn in der Branche gab es alles zu besichtigen, was man von hochgejubelten Anlagetrends kennt: rosarote Prognosen, aufgeblähte Preise, halbseidene Angebote am grauen Kapitalmarkt, Pleiten, Prozesse. Das ging auch an den Anlagenbauern nicht spurlos vorbei. Wer Aktien von Siemens Gamesa, Nordex oder Vestas in dem Vertrauen kaufte, auf einen Megatrend mit stabilem Wachstum zu setzen, hat einige Nerven gelassen. Das Geschäft ist keineswegs rentabler oder stabiler als andere. Neben eigenen Fehlern der Unternehmen liegt das auch an der extremen Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen.”

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Wenn Nikolaus Blohme jemals Ambitionen hatte, Mitarbeiter des Monats beim Spiegel zu werden, dann kann er diese nach dem Kommentar über die Grünen nun endgültig aufgeben.

“Die Grünen haben es spektakulär versemmelt. Ausgerechnet in der Debatte über eine an sich läppische Laufzeitverlängerung haben sie das Framing, die intellektuelle Souveränität und schließlich die Deutungshoheit verloren. Es ist ein Mix aus selbstbezogener Ideologietreue, Wurstigkeit und unerklärlich schlechtem Handwerk, welcher das grüne Debakel zu einem selbst verschuldeten macht. Wann ist ihnen das zum letzten Mal passiert? Ihnen, denen alles gelingt. Ihnen, denen alles möglich scheint. Aus grüner Sicht ist es der GAU, der größte anzunehmende Unfall. Man wird Doktorarbeiten darüber schreiben.”

Ähnlich unbeliebt dürfte Marco Evers sein, der einen Artikel (Bezahlschranke) zum Thema Ausstieg aus dem Ausstieg beim Spiegel geschrieben hat. Zu allem Ärger für die Grünen bittet nun auch noch die Ukraine Deutschland laut Tagesspiegel darum, die Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen.

“Die ukrainische Regierung appelliert an die Grünen in Deutschland, die letzten drei Atomkraftwerke über das Jahresende hinaus weiterlaufen zu lassen. „Dieser Winter ist ein Schlüsselwinter“, sagte der engste Berater von Präsident Selenskyj, Mychailo Podoljak, in einem Interview mit dem Tagesspiegel in Kiew. Auf die Frage, ob es angesichts der Drosselung russischer Gaslieferungen und einem drohenden Bröckeln der Solidarität mit der Ukraine sinnvoll sei, die drei Anlagen im Dezember abzuschalten, sagte Podoljak: „Nein“. Und betonte: „Wir müssen zwingend alles nutzen, was wir haben, um schnellstmöglich eine neue Energielandkarte in Europa zu schaffen und um nicht weiter den Krieg Russlands zu finanzieren.“ […] Es gehe in dieser Frage auch um Führungsstärke, sagte Podoljak. „Wir zahlen einen hohen Preis, viele Menschen sterben. Wir hoffen, dass unsere Partner diesen Preis sehen und verstehen, und ihrerseits alles tun, was möglich ist“, betonte Podoljak. „Das ist auch eine Frage der Freiheit, der Abkehr von der Abhängigkeit von Russland und einer trotzdem stabilen Energieversorgung im Winter.“”

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Der ADAC zeichnet die seiner Meinung nach umweltfreundlichsten Autos aus. Auf Platz 1 und 2 landen zwei Erdgasfahrzeuge. Businessinsider berichtete:

(Abbildung: Screenshot Businessinsider)

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Groß war die Empörung in Sachen Energieabhängigkeit von Russland. Dagegen wurden die Erneuerbaren Energien als Freiheitsenergien gepriesen. Bei diesen spielt sich aber etwas ähnliches ab mit China. Sollte es zu einem Konflikt mit Taiwan kommen, erwarten Deutschland mit Sicherheit sehr schwierige Zeiten in mehrfacher Hinsicht. Die FAS nimmt sich des Themas an.

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Ökonomen sehen laut FAZ nicht, dass Deutschland und seine Wirtschaft bei einem Gaslieferstopp kollabieren.

“In ihren neuen Berechnungen kommen die Ökonomen zu dem Schluss, dass Industrie, Haushalte, Unternehmen und öffentlicher Sektor im Fall eines Lieferstopps ihren Gasverbrauch insgesamt noch um ein Fünftel reduzieren müssten. Eine solche Reduktion sei bei einer kollektiven Anstrengung umsetzbar. Dafür sehen die Forscher drei zentrale Stellschrauben: erstens den Verbrauch von Gas in der Stromerzeugung zu reduzieren, zweitens den Verbrauch von Gas zur Gebäudeheizung zu verringern und drittens den Gasverbrauch in der Industrie sowohl zu reduzieren als auch zu substituieren. Das Beheizen von Gebäuden mache den Großteil des Gasverbrauchs in den Wintermonaten aus, sodass Sparanstrengungen hier besonders wirksam seien.”

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“Alle reden von der deutschen Energiekrise – doch in Frankreich ist die Situation weitaus schlimmer”

So titelt die NZZ und beschreibt die Situation in unserem Nachbarland.

“Für Privatverbraucher sind die Strompreise zwar gedeckelt, doch französische Unternehmen müssen die explodierenden Marktpreise bezahlen. Im kommenden Winter geht die Nachrichtenagentur Bloomberg daher von einem üblen Szenario aus: Der Preis der Grundlast wird im Dezember voraussichtlich auf 1000 Euro pro Megawattstunde steigen, in den Abendstunden sogar auf 2000 Euro. Das entspreche dem Doppelten der erwarteten Preise in Deutschland. Sollte im Herbst wenig Wind wehen und der Winter überdurchschnittlich kalt werden, könnte die Nachfrage das Angebot an Strom übersteigen. Dann könnte der Netzbetreiber RTE einzelnen energieintensiven Unternehmen für 15 Minuten bis hin zu einer Stunde den Strom abstellen, um das Netz zu entlasten. Die betroffenen Unternehmen erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich […] Es ist wahrscheinlich, dass der französische Netzbetreiber im Winter die höchste Energiewarnstufe ausrufen wird. In diesem Fall werden Haushalte und Unternehmen dazu angehalten, ihren Verbrauch zu reduzieren, um ein Blackout zu verhindern.”

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Und noch eine Publikation, die die Aussage von Claudia Kemfert (“Wir haben Speicher noch und nöcher” aus der ZDF-Dokumentation Blackout) in das richtige Licht rückt oder soll man besser sagen die Absurdität der Aussage klar macht? Bei Energie.de sind die Speicher nämlich die Stiefkinder der Energiewende.

“Der beschleunigte Ausbau der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien, die angestrebte Sektorkopplung sowie die Gewährleistung der Versorgungssicherheit zwingen zum raschen Aufbau großer Speicherpotentiale für Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Rückgrat der bisherigen Speicherinfrastruktur sind Pumpspeicherkraftwerke, deren Ausbaupotential eng begrenzt ist. Batteriespeicher sowie die Nutzung von Wasserstoff oder synthetischem Methan liefern derzeit noch keine technisch oder wirtschaftlich überzeugenden Lösungen für die Langzeit- oder Reservespeicherung.”

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Der so oft beschworene Konsens zum Atomausstieg ist weitestgehend zerbröselt. Die Tagesschau zeichnet verschiedene Szenarien, wie es weitergehen könnte und wagt jeweils eine Prognose. Spoiler: Dem Ausstieg vom Ausstieg werden die geringsten Chancen gegeben.

“Mit der Sorge vor einer akuten Energiekrise im Winter ist die Frage nach längeren Laufzeiten wieder auf die Tagesordnung gekommen. Eine längere Laufzeit könne „Sinn machen“, wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor wenigen Tagen sagte. Auch die öffentliche Stimmung hat sich gedreht: Laut dem jüngsten ARD-Deutschland-Trend sind mehr als 80 Prozent der Deutschen für eine längere Nutzung der Kernkraftwerke. Die einen befürworten nur eine Nutzung im kommenden Jahr, die anderen plädieren sogar für eine längerfristige Nutzung. Drei Szenarien für eine längere Laufzeit sind denkbar.”

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Martin Schlumpf berichtete am 8. August 2022 im Nebelspalter: 

Weniger Klimatote dank fossiler Energie – Schlumpfs Grafik 51

Vor einer Woche habe ich hier beschrieben, wie fundamental wichtig fossile Energie für das beispiellose Aufblühen und Gedeihen der Menschheit in den letzten 200 Jahren gewesen ist (siehe hier). Um diese – für viele provokative – Erkenntnis nachvollziehen und bestätigen zu können, muss man allerdings imstande sein, mehrere geistige Hürden zu überspringen.

Erstens muss man einen unabhängigen Geist besitzen, um nicht der medialen Dauerberieselung mit Katastrophen-Nachrichten über die dringend notwendige Eliminierung fossiler Energien zu erliegen. Zweitens muss man sich um eine längerfristige Perspektive bemühen, um nicht von kurzfristigen Ausreissern und Rückschlägen verwirrt zu werden.

Drittens muss man verstehen, dass der zunehmende Wohlstand der Menschheit nicht nur einer höheren Lebenserwartung, einem vervielfachten Einkommen und der dadurch ermöglichten wachsenden Bevölkerung geschuldet ist, sondern auch im wachsenden Kultur- und Bildungsangebot, in der Armutsbekämpfung und der Gewalteindämmung, im verbesserten Umweltschutz sowie im sanitären und medizinischen Fortschritt zu erkennen ist.

Was wichtig ist:

– Der Anteil fossiler Energie lag bis vor kurzem noch nahe bei 90 Prozent
– Mit Kohle, Öl und Gas ist es gelungen, die Zahl der Klimatoten drastisch zu reduzieren
– Dieser unglaubliche Fortschritt wird im Rahmen der Klimapolitik ignoriert

Weiterlesen im Nebelspalter. Auch verfügbar auf schlumpf-argumente.ch.

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Im Nebelspalter sind kürzlich auch diese drei interessanten Artikel von Alex Reichmuth erschienen:

Sind die Bürgerlichen schuld an der Stromkrise?

Hier lesen

Der Elektromobilität geht das Lithium aus

Hier lesen

Windkraft: Mindestabstände wären neu für die Schweiz

Hier lesen

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Heather Handley auf The Conversation:

A volcano is erupting again in Iceland. Is climate change causing more eruptions?

The Fagradalsfjall volcano in Iceland began erupting again on Wednesday after eight months of slumber – so far without any adverse impacts on people or air traffic.

The eruption was expected. It’s in a seismically active (uninhabited) area, and came after several days of earthquake activity close to Earth’s surface. It’s hard to say how long it will continue, although an eruption in the same area last year lasted about six months.

Climate change is causing the widespread warming of our land, oceans and atmosphere. Apart from this, it also has the potential to increase volcanic activity, affect the size of eruptions, and alter the “cooling effect” that follows volcanic eruptions.

Any of these scenarios could have far-reaching consequences. Yet we don’t fully understand the impact a warming climate could have on volcanic activity.

Weiterlesen auf The Conversation