Der Name der Rose – Reloaded

Es lief in etwa so ab, wie im Buch der Name der Rose vom Umberto Eco. Der Großinquisitor heißt in diesem Fall aber nicht Bernard Gui sondern Volksverpetzer. Die Rolle des blinden Horge übernimmt diesmal Stefan Rahmstorf.

Der Reihe nach: Auf Twitter greift Rahmstorf Axel Bojanowksi von der Welt an und bezeichnet diesen ernsthaft als Klimaskeptiker. Das Pikante an der Sache, Rahmstorf taggt Bojanowski nicht, der dürfte also nur rein zufällig von dieser Attacke erfahren haben. Das Vergehen von Bojanowski war es, Daten und Aussagen das Deutschen Wetterdienstes für einen Artikel in der Welt zu benutzen. Die Art und Weise, wie Rahmstorf hier vorgegangen ist könnte man auch als Ad Hominem Deluxe bezeichnen.

Simon Hass springt Bojanowksi bei und verweist auf seinen Artikel in der NZZ, warum der Schluss, der Klimawandel sei an der jüngsten Hochwasserkatastrophe schuld, zu kurz greift. Die Fan-Meute von Rahmstorf hatte aber schon die Spur aufgenommen und unter seinem Posting lesen sich die verrücktesten Verschwörungstheorien. Eine lautet, dass die WELT dem Springer Investor KKR einen Gefallen tun wollte, weil dieser in fossilen Energien investiert sei. Puhhh…

Im Buch kommt Großinquisitor Bernard Gui dann in einer Kutsche ins abgelegene Kloster vorgefahren, um einen Disput zu schlichten. Im Grunde will er aber die Hauptfigur William von Baskerville als Ketzer überführen. In das Jetzt übersetzt, schreibt der Volksverpetzer eine Faktenprüfung und übernimmt die Rolle von Bernard Gui. Beim Begriff „Faktenprüfung“ sollten immer alle Alarmglocken angehen, denn fast immer ist diese ideologisch motiviert und selten der wissenschaftlichen Wahrheit verpflichtet. Das war auch Anfang 2020 schon so, als die Aufklärer vom Volksverpetzer allen Ernstes die Warnungen vor Corona für ein Hirngespinst der Rechten hielten. Sie befanden sich damit aber in guter Gesellschaft wie dem ARD-Magazin Monitor oder das BR-Magazin Quer. Immerhin löschte die ARD das Verschwörungstheorie-Video von Quer, das Video von Monitor (“Hysterie, in einem Jahr spricht kein Mensch mehr davon”) ist nach wie vor verfügbar, es wurde nie berichtigt oder klargestellt.

Wie läuft es nun weiter? Bojanowski empörte sich auf Twitter über die Volksverpetzer, auch diese hatten ihn nicht getaggt. Der Wissenschaftsjournalist erfuhr über einen ZDF-Moderator bzw. dessen privaten Kanal von dem Artikel. Auch das ist Ad Hominem vom Feinsten. Es ist anzunehmen, dass Bojanowski, der die Auslassung der vermeintlichen Faktenchecker schon kurz danach kommentierte, bereits an einem etwas längeren Aufsatz schreibt. Er äußerte bereits den Verdacht, dass die Volksverpetzer allenfalls die Abstracts der angeführten Arbeiten gelesen haben könnten und selbst die nicht verstanden hätten.

Im Buch geht es übrigens so weiter: Der Großinquisitor fährt erfolglos von dannen. Kenner des Werkes wissen, wie es mit dem blinden Horge und der Bibliothek weitergeht. Das hat aber nichts mehr mit der fiktiven „Reloaded-Version“ zu tun. Wir berichten natürlich gern weiter von diesem Disput.

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Immer wenn man denkt, es kann eigentlich nicht schlimmer kommen… Plagiatsforscher Steffan Weber bringt die nächste Ungereimtheit in Sachen Baerbock Buch ans Licht. Diesmal hat sich die Grüne Kanzlerkandidatin bei ihrem Kollegen Robert Habeck bedient. Vielleicht hat sie sich gedacht, es bleibt ja in der Familie? Die Frage, wer das Buch denn nun wirklich geschrieben hat, stellt sich immer mehr. Die Lösung könnte sein, dass ein oder mehrere Ghostwriter das Teil in Hektik zusammengesammelt haben und Baerbock nur noch ihren Namen hergegeben hat. Mittlerweile dürfte es zu spät sein, das noch zuzugeben. Der Point of no Return ist längst erreicht, auch wenn die Gefahr einer Crashlandung mit jeder weiteren Enthüllung zunimmt. Zum Blog von Weber geht es hier lang.

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Was dem YouTuber Rezo nicht gelang, das versuchen nun Aktivisten von Fridays For Future (FFF): Die Zerstörung der CDU. Man verabredet sich in einem Telegram Kanal und versucht dann zeitgleich Postings auf Twitter zu setzen, die bestimmte Hashtags haben. Damit soll erreicht werden, dass diese in den Trends auftauchen. Vielleicht sollte irgendjemand den Aktivsten einfach mal sagen, dass die Zahl der Twitternutzer in Deutschland zwar 26 Millionen beträgt, aber bei der Bundestagswahl im September zusätzlich 34 Millionen Menschen abstimmen, die mit Twitter nichts am Hut haben. Zudem sind auch nicht alle 26 Millionen deutschen Twitternutzer automatisch Anhänger von FFF. Weiterlesen bei T-Online.

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Ganz im Sinne der von den Grünen erklärten fairen Wahlkampfstrategie, äußert sich der Strippenzieher der Grünen, Jürgen Trittin. Dummerweise hat er die Anführungszeichen vergessen, als er das Zitat aus einer ZDF-Satiresendung verwendete.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Vielleicht ist er in diesem Bereich auch einfach sehr gut bewandert?

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Frédéric Schwilden von der Welt bespricht das Buch ”Noch haben wir die Wahl” von Bernd Ulrich (Zeit-Chefredakteur) und Luisa Neubauer. Erstaunlich genug, dass sich die junge Aktivistin auf eine Zusammenarbeit mit dem alten weißen Mann überhaupt einließ. Aber Ulrich, so beschreibt es Schwilden, sucht nach der Absolution bei ihr. Er, der Boomer und die Umweltsau hat einfach zu viel auf dem Kerbholz, sagt er sinngemäß. Zukünftig werden wir Menschen immer nach unserer Ökobiographie beurteilt werden. Und er vergleicht die Selbstgeißelungen Ulrichs mit den Büßergürteln, die Anhänger von Opus Die gern trugen, um die Schmerzen Christi am eigenen Leib zu erfahren oder ein frommes Leben zu führen. Weiterlesen in der Welt.

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Und nochmal Luisa Neubauer. Jan Fleischhauer, ehemals beim Spiegel, nun beim Focus nimmt sich der Reisen der Grünen Aktivistin an, benennt aber noch viel krassere Beispiele bei denen Anspruch und Wirklichkeit bei den Grünen weit auseinanderklaffen. Die Ökobiographien sprechen eine deutliche Sprache. Zum Kommentar geht es hier.

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Leserkommentar von Jürgen Lachmann zur öffentlichen Flutdiskussion:

Mojib Latif und die Klimakatastrophe

Das einzig Tröstliche an der populistischen Angstmache der Klimaaktivisten ist, dass sie sich selbst um Kopf und Kragen reden, wenn man sie länger zu Wort kommen lässt. Das geht nicht nur Annalena und Langstrecken-Luisa so, oder dem unsäglichen Hirschhausen und Lauterbach (stellt gerade auf Klima um!), sondern sogar „Wissenschaftsjournalisten“, denen in den Medien überreichlich Gelegenheit geboten wird, Logik und Rationalität über Bord zu werfen, derzeit in’s Hochwasser der Ahr.

Auch der allgegenwärtige Mojib Latif wurde in der FAZ von der Volontärin Othmara Glas zur Unwetterkatastrophe befragt und hat Antworten gegeben, die Respekt verdienen:

„Läßt sich die Frage, ob der extreme Stark-und Dauerregen, den wir derzeit in mehreren Teilen Deutschlands erleben, klima- oder wetterbedingt ist, eindeutig beantworten?“

„Nein, …“

„Wie sieht der aktuelle Forschungsstand zu dieser Frage aus?“

„…die Datenlage ist einfach noch zu schlecht, als dass man dazu etwas sicher sagen kann.“

„Kann man in Deutschland eine Häufung von Extremniederschlägen in den vergangenen Jahren beobachten?“

„Nein, das ist eben genau der falsche Schluss. Die Datenlage ist einfach so schlecht, dass man weder das eine noch das andere nachweisen kann.“

Das war’s dann aber auch mit der Seriosität. Als habe er Zuweisungen nicht eindeutig ins Reich der Spekulationen und Hypothesen verwiesen, vergisst er seine Vorrede, und der Klimawandel, der anthropogene selbstredend, muss es gewesen sein:

Das (unzutreffende) Zitat von Politikern in Rheinland-Pfalz, es habe so eine Katastrophe in der Region noch nie gegeben, nimmt Latif dankbar auf, obwohl er wissen muss, das die Geschichte z.B. des Ahrtals die einer ständigen Abfolge von Flutkatastrophen ist, einfach nachzulesen auf den Internetseiten der Ahrgemeinden.

Latif: „Wir reden jetzt schon wieder von einer Jahrhundertflut. Ich frage mich, wieviele Jahrhundertfluten wir in den letzten 30 Jahren hatten. Dabei sollten sie, wie der Name schon sagt, im statistischen Mittel nur einmal im Jahrhundert vorkommen.“

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil und muss nicht einmal Meteorologie studiert haben: In der Region hatten  wir in den letzten Dekaden zwar Überschwemmungen, aber keine Jahrhundertflut, es war die erste in diesem Jahrhundert. Die letzte war 1910, die vorletzte 1804, mit ganz ähnlichen Opferzahlen und Verwüstungen wie in diesem Jahr, trotz viel geringerer Besiedlung und Flächenversiegelung. In den Jahrhunderten davor gab es sie auch, sie wurden aber nicht so akribisch dokumentiert; man nahm sie als Gottesstrafe hin und stellte wieder Marterln auf, die die Flut mitgerissen hatte.

„Wären die Überschwemmungen im Westen Deutschlands auch ohne den Klimawandel passiert?“

Latif: „ Die Wahrscheinlichkeit wäre extrem gering gewesen.“

Wenn in den Talkshows von Illner, Lanz und Co. Aktivisten und Schnatterinchen dummes Zeug erzählen, das in das derzeitige Katastrophennarrativ passt, ist das schon ärgerlich genug. Aber dann auch noch im Namen DER WISSENSCHAFT als staunendes Publikum permanent hinters Licht  geführt zu werden, geht einfach zu weit.

Cui bono, was steckt dahinter? Agitation zur großen Transformation (früher: Weltrevolution)? Persönliche Karrieresucht? Oder nur Mediengeilheit?

Was kann man dagegen tun? Öffentlich-rechtliche und andere staatsalimentierte Medien meiden. Und sich täglich den Mund verbrennen, indem man versucht, Dinge richtig zu stellen. Vielleicht auch Marterln errichten.

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Alex Reichmuth am 19.7.2021 im Nebelspalter:

Kein Trend zu mehr Hochwasser-Ereignissen

Es ist der Klimawandel! Reflexartig geben Politiker und Aktivisten der Erderwärmung die Schuld an der Überschwemmungskatastrophe in Deutschland. Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur zeigt jedoch, dass diese Zuordnung falsch ist.

[…]

Am Freitag meldete sich die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf Twitter zu den Unwettern zu Wort. «Es ist verheerend», schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst. «Das ist die Klimakrise, die sich nun in einer der reichsten Gegenden der Welt entfaltet – einer Gegend, von der man lange Zeit dachte, sie sei sicher.» Kein Ort sei aber mehr sicher vor dem Klimawandel, fügte Neubauer an. Support bekam sie von Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich. «Bis es auch der Hinterletzte verstanden hat: Starkniederschläge nehmen mit dem Klimawandel zu», schrieb er auf Twitter.

[…]

Doch schaut man wissenschaftliche Resultate an, ist die Sache bei weitem nicht so klar, wie behauptet. Ein Artikel im deutschen Magazin «Tichys Einblick» führte Studienresultate an, die so gar nicht in das Bild von immer mehr Hochwasser wegen dem Klimawandel passen. So hat eine Forschergruppe der National University im australischen Canberra die globalen Niederschläge in der Zeitspanne von 1940 bis 2009 untersucht. Die Studie, die in der Fachzeitschrift «Geophysical Research Letters» erschien, kam zum Schluss, dass die Niederschläge in dieser Zeit weniger extrem geworden sind, und dies sowohl in zeitlicher wie in räumlicher Hinsicht.

Vollständigen Artikel im Nebelspalter lesen, in dem Alex Reichmuth regelmäßig in ausgewogener Weise über Klima- und Energiethemen berichtet.