Der Nabu im Dilemma

Eine Studie in Nordrhein-Westphalen, die den Bau von Windkraftanlagen in Wäldern empfiehlt, zeigt einmal mehr, in welcher Zwickmühle Umweltschutzverbände stecken. Die WAZ berichtet.

Für den NABU-NRW ein Unding. Die Studie bestätige „schlimmste Befürchtungen“, so die Landesvorsitzende Heide Naderer. Windenergie im Wald sei die letzte Option, wichtiger sei, dass die 1000-Meter-Abstandsregel zur Wohnbebauung falle. Sinke der Abstand nur um 260 Meter, stünden 25.000 Hektar mehr für Windkraft zur Verfügung, so der NABU.

160 bis 180 Anlagen müssen pro Jahr entstehen, soll das geplante Niveau 2030 erreicht sein – insgesamt rund 2400 Anlagen. Gleichzeitig fallen ähnlich viele, aber deutlich kleinere Altanlagen weg, so dass die Zahl der Windräder mit rund 3800 etwa auf dem Stand von heute bleibt. Das Ersetzen durch leistungsstärkere Modelle birgt nach Auffassung des Lanuv kaum Potenzial: die meisten vor 2010 gebauten Altanlagen fänden sich durch die neuen Abstandsregeln an Standorten, an denen sie nicht ersetzt werden können.

Wie in diesem Fall zeigt sich, dass die Bundesspitze des Nabu und die Landesverbände nicht immer einer Meinung sein müssen. Die Organisationen vor Ort haben mit den realen Problemen vor Ort zu kämpfen, während wie beim Nabu die Führung längst jegliche Kritik an Windkraft in Wäldern abgelegt hat und mit der Zerstörung von Natur als Naturschutz-Organisation keine Probleme hat.

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Stichwort Windkraft. Siemens Gamesa baut die erste Windturbine mit einem Rotordurchmesser von 236 Metern, wie bei Golem zu lesen ist. Neu ist nicht nur die Höhe, sondern auch die bessere Recyclingfähigkeit der Rotorblätter. Ein Schwachpunkt bei bisherigen Verfahren, weil Rotorblätter in der Regel in Zementwerken verbrannt werden.

“Siemens Gamesa hat nach eigenen Angaben zusammen mit dem indischen Unternehmen Aditya Birla Advanced Materials ein neuartiges Kunstharz entwickelt. Die mit der Recyclable Blade genannten Technik hergestellten Windräder sollen einfach recyclebar sein. Die Windräder vom Typ SG 14-236 DD sind ebenfalls in diesem Verfahren gefertigt.”

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Vattenfall eröffnet in den Niederlanden einen Energiepark, der eine Kombination aus Wind, Sonne und Speicher beinhaltet.

“Der Energiepark besteht aus sechs Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 22 Megawatt (MW), einer Freiflächen-Photovoltaikanlage mit 115.000 Solarmodulen (38 MW) und einem Batteriespeicher aus zusammen 288 Batterien, die in 12 handelsüblichen Seecontainern untergebracht sind. Die Einzelkomponenten teilen sich einen gemeinsamen Netzanschluss. Pro Jahr erzeugt die Anlage erneuerbaren Strom, der rechnerisch dem Verbrauch von 40.000 niederländischen Haushalten entspricht.  

Hierzu sagt Claus Wattendrup, Leiter des Geschäftseinheit Solar & Batteries bei Vattenfall: „Um die Klimaziele im Blick zu behalten, müssen wir die Energiewende beschleunigen. Das ist eine herausfordernde Aufgabe, für die wir die verfügbaren Ressourcen so effizient wie möglich einsetzen müssen. In Haringvliet ist es gelungen, Wind, Sonne und Batterien so zu koordinieren, dass wir erneuerbare Energie zu geringeren Kosten und mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Umwelt liefern. Damit gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt hin zu einem fossilfreien Leben innerhalb einer Generation.””

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Schwimmende Kernkraftwerke, das ist der Plan eines Startups aus Dänemark. WNN berichtet über eine Kooperation des dänischen Unternehmens Seaborg mit Samsung. Die Koreaner sollen die Schiffe bauen, auf denen dann Compact Molten Salt Reactors (CMSR) laufen, die eine Leistung von 200-400 MW haben sollen. In 2026 soll die Serienfertigung beginnen.

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Nochmal Kernenergie: Boris Johnson, britischer Premierminister, hat den Plan Groß Britannien zum Saudi-Arabien für Windkraft zu machen. So ganz traut Johnson dem “Wind-Braten” wohl nicht, denn gleichzeitig kündigt er laut Heise an, die Kernenergie ausbauen zu wollen.

“Den Plan, die Atomkraft in Großbritannien auszubauen, hatte Johnson im März nach einem Treffen mit Vertretern aus der Branche bereits angedeutet, nun hat er ihn konkretisiert: Damit der Anteil der Atomkraft am britischen Strommix von derzeit 15 auf 25 Prozent im Jahr 2050 ansteigt, sollen in Großbritannien acht neue Atomreaktoren entstehen. Insgesamt sollen 24 GW Strom aus ihnen erzeugt werden. Hier verweist Johnson darauf, dass fünf von den derzeit sechs bestehenden Anlagen innerhalb dieses Jahrzehnts abgeschaltet werden sollen und momentan mit Hinkley Point C nur ein Projekt im Bau sei. Die dortigen zwei geplanten Druckwasserreaktoren sollten eigentlich schon 2017 ans Netz gehen, nun heißt es, 2026 und 2027 werde es so weit sein.”

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Die Welt beschreibt in einem Artikel, dass nicht nur Europa von Energie aus Russland abhängig, sondern auch Russland vom Absatz in Europa. Ein einfaches Umlagern geht bei Gas aus Gründen der Infrastruktur nicht und Abnehmerländer in Asien wissen um die Not der Russen. Sie verlangen kräftige Preisabschläge. Die Russen müssen z. B. Öl verramschen. Wir haben Anfang März schon einem auf den russischen Analysten Galeev aufmerksam gemacht, der unter anderem die Förderkosten der immer weiter nach Norden ziehenden Förderung von Öl und Gas in Russland kommentierte. Diese Förderung kostet enorm viel Geld. Der Artikel der Welt hat eine Bezahlschranke.

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Wer sich über die enorm gestiegenen Preise bei Energie ärgert, dem könnte ein alter Spruch beim Aktienhandel in den Sinn kommen bei Verlusten: Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders. So ähnlich könnte man den Artikel von The Conversation verstehen, der die gestiegenen Energierechnungen im Vereinigten Königreich kommentiert und auch beschreibt, wo das Geld bleibt. Die Lösung ist jedenfalls nicht einfach.

“One argument is that the UK should produce more gas within its own borders. But this won’t solve the problem, since gas is a global commodity and prices in the UK are determined based on global trades, regardless of where the gas is extracted. UK-produced gas exports to mainland Europe in October 2021 were more than four times that of the previous October simply because it was more profitable.”

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(Abbildung: Screenshot YouTube)

Erst kürzlich berichteten wir über den Rücktritt der Umweltministerin von NRW, Ursula Heinen-Esser, CDU. Sie hatte ihren Urlaub im Juli 2021 nur kurz unterbrochen als es zu der Flutkatastrophe kam. Immerhin zog sie nun die Konsequenzen. Ihre damalige Kollegin in Rheinland-Pfalz Anne Spiegel, mittlerweile Familienministerin im Bund, hat 10 Tage nach den Ereignissen laut FAZ ihren 4-wöchigen Frankreich Urlaub angetreten.

Nun hat Spiegel die Flucht nach vorne angetreten und auf einer Pressekonferenz, die der erfahrene Journalist Theo Koll vom ZDF als bemerkenswert und in dieser Art und Weise als einmalig bezeichnete, einen sehr privaten Blick in ihr Leben gegeben. Die Gründe, die Spiegel für den Urlaub angibt, sind absolut nachvollziehbar, allerdings hätte sie dann schon im letzten Jahr eine Auszeit nehmen müssen und schon gar nicht ein Bundesministeramt ab September übernehmen dürfen. Wer aber Grüne Parteimathematik kennt, der weiß, dass Posten streng nach Geschlecht und Ausrichtung (Fundi/Realo) verteilt werden, nicht nach Kompetenz. Vermutlich gab es niemanden, der in das Profil passte.

Warum weder die Ministerpräsidentin Malu Dreyer noch jetzt der Bundeskanzler Scholz oder die Vorsitzenden der Grünen ihrer Fürsorgepflicht nachkommen, das ist unverständlich. Spiegel schien mit der Pressekonferenz, auf der sie um Entschuldigung bat, komplett überfordert. Sie könnte auch mit dem Amt überfordert sein. Derweil bemüht die Ministerpräsidentin Malu Dreyer den Eindruck zu erwecken, es habe keine Hinweise auf das Starkregen-Ereignis im Juli 2021 gegeben. Aber ganz so einfach ist es nicht. Auf den Seiten von Kachelmannwetter sind die Präsentationen der Meteorologen vor den jeweiligen Untersuchungsausschüssen zu sehen. Frau Dreyer kennt entweder die Fakten nicht oder behauptet hier etwas Unwahres. Schuld sind im Zweifel sowieso immer die Anderen.  Jörg Kachelmann jedenfalls versteht die Welt nicht mehr.

(Abbildung: Screenshot Twitter)