Biden, die Null und 29 Millionen Jobs

Joe Biden, der US Präsidentschaftskandidat, hat ambitionierte Ziele, sollte er im November 2020 gewählt werden. Bis 2035 möchte er die Stromproduktion in den USA CO2-frei machen. Roger Pielke Jr. hat das einmal auf Twitter nachgerechnet. Um das Ziel von Biden zu schaffen, müssten die USA dann alle 2 Wochen ein neues Atomkraftwerk ans Netz bringen oder 1.700 2-MW-Windkraftanlagen während man jeweils 1 großes Gas- oder Kohlekraftwerk außer Betrieb setzt. Alternativ könnte man das CO2 auch auffangen, wobei Pielke davon ausgeht, dass diese Technik noch nicht existiert, jedenfalls nicht im großen Maßstab.

Das Ziel geht erheblich über das von Ex-Präsident Obama hinaus, der plante bis 2030 lediglich 37% der Stromproduktion durch Erneuerbare zu gewährleisten. Es gibt aber durchaus Prognosen, die annehmen, dass das Ziel bis 2035 zu schaffen ist. So eine Prognose kommt von der Universität Berkeley in Kalifornien. Bei der Ausrichtung dieser Uni kann allerdings auch der Wunsch der Vater des Gedanken gewesen sein. Ob darin auch die Probleme der Volatilität von Erneuerbaren Energien beachtet werden, die in Deutschland zu massiven Preissteigerungen führen, ist nicht klar. Immerhin spielt bei der Prognose Kernenergie auch im Jahre 2035 immer noch eine Rolle. Selbst Gas findet sich darin im Jahre 2035. Das aber wäre nicht „Net Zero Carbon“ wie Biden es plant.  Die Prognose nennt sich deshalb auch „90% Clean“.

Ab 2035 rechnet die Prognose mit beachtlichen Reserven durch Speicherbatterien. Wind und Solar sollen demnach die größten Anteile bei der Stromproduktion in Zukunft haben. Erfreulich klein ist der Bereich Biomasse, was in den USA aber lediglich das Verbrennen von Holz bzw. Roden von Wäldern meint.

Ähnlich wie in Deutschland gehen die Förderer von Erneuerbaren Energien von gigantischen Zahlen für den Arbeitsmarkt aus. Sage und schreibe 29 Millionen Jobs soll der Umstieg an Arbeitsplätzen bringen. Das US-Papier geht aber nicht darauf ein, wie diese Zahl zustande kommen soll. Es wäre auch für ein großes Land wie die USA eine enorme Zahl. Auf das viel kleinere Deutschland umgerechnet wären es 7,2 Millionen Jobs. Davon ist man hierzulande aber weit entfernt, bei einem erheblich höheren Anteil von Erneuerbaren Energien am Strommix. Solar und Wind kommen hier auf ca. 150.000 Arbeitsplätze, das ist nicht signifikant für den deutschen Arbeitsmarkt. Kein Experte kann bisher erklären, aus welchen Bereichen bei einem noch stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien genau diese Jobs herkommen sollen.

Im windreichen Schottland wurden die geschätzten (erhofften?) Zahlen deutlich verfehlt, statt 28.000 Jobs wurden es nur 1.700. Es nutzen auch keine selbstgebastelten Charts mit Phantasiezahlen, wie sie z. B. Professor Volker Quaschning publiziert, wenn seriöse Schätzungen nur von einem Bruchteil der Arbeitsplätze ausgehen. Vielleicht hätten sich die Prognose-Ersteller einfach einmal die Situation in Deutschland ansehen sollen.

Die Woche vom 08.07.2020 – 15.07.2020 ist erneut eine windarme Zeit. Die Produktion von Windstrom hatte in diesem Zeitraum nur einen Peak, das war am 12.07.2020. Dort betrug die Produktion etwa 22 GW. Danach schlief der Wind ein und mit ihm die Erzeugung. Am 15.07.2020 um 09:00 betrug sie nur noch 1,5 GW bei einer theoretischen Kapazität von 62 GW. Ohne Backup-Kapazitäten geht es nicht, jedenfalls nicht, solange es keine ausreichenden Speicher gibt. Da nutzen auch keine Slogans wie „virtuelle Kraftwerke“ (© Claudia Kemfert), denn die stellen leider nur virtuellen Strom her. Industrieländer wie die USA oder Deutschland brauchen aber realen Strom.

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So langsam nähert sich die 46 Tage ECMFW Prognose der Zeit entgegen, in denen noch meteorologischer Sommer ist. Es sind die Monate Juni, Juli und August. Danach könnte es einen leicht zu kühlen Sommer 2020 geben in Deutschland, vor allem in Norddeutschland. Das aber alles wie gehabt mit allen Unsicherheiten. Wetter ist nicht Klima, und auch ein solcher Sommer wie in 2020 besagt nicht viel. Alle, die stumpf im Frühjahr von Schocksommer oder Horrorsommer geschrieben haben oder Youtube Videos ins Netz gestellt haben, sollten sich ernsthaft überlegen, wie seriös das ist. Wettergeschehen ist sehr komplex und es gehört schon sehr viel Mut oder Naivität dazu, bereits einen Monat vor Sommeranfang über einen weiteren 3 Monatszeitraum zu spekulieren, ohne sich an guten Argumenten zu orientieren.

Auch für Sibirien kündigt sich nach dem ECMFW-Modell ein Ende der sehr warmen Phase an. Die Warmluftblase wandert in Richtung Südwesten und zum Teil in Richtung Pazifik. Ab der zweiten Augusthälfte (2020) könnten sich in weiten Teilen des großen Landes Temperaturen von um die 10 Grad Höchstwerte einstellen. Vermutlich wird das aber weniger Aufsehen erregen.

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Das deutsche Paradoxon. Weltweit wird die Erzeugung von Erneuerbaren Energien günstiger, wie IRENA (International Renewable Energy Agency) berichtet. In Deutschland steigen die Strompreise kontinuierlich. Bei uns muss also etwas gewaltig schief laufen, wenn sinkende Herstellungspreise höhere Abgabepreise bewirken. Der 14. Juli 2020 ist erneut ein Tag, an dem der Wind nur wenig zur Stromproduktion beiträgt. 3,36% beträgt der Anteil, von installierten 63 GW werden nur 2,13 GW abgerufen, weil der Wind nicht entsprechend weht.

Was man sich auch immer von Kopplungen usw. verspricht, am 14.07.2020 gegen 12:30 war der Wind in fast ganz Europa ähnlich schlapp. Nur am Mittelmeer, der Agäis und den Schwarzen Meer wehte etwas mehr Wind. Glück hatten zudem die Dänen. Im Westen des Landes wehte etwas mehr Wind. Der Exportanteil nach Deutschland betrug aber gerade einmal 239 MW. Die Kapazität in Westdänemark liegt allerdings auch nur bei 3,55 GW, das wird Deutschland nicht wirklich helfen im Falle eines Falles.

Die Frage bleibt, welcher Energieträger solche Phasen zukünftig ausgleichen soll, wenn demnächst 2 davon wegfallen.

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Eigentlich liegt Schweden etwas privilegiert, denn der norwegische Bergrücken schirmt das Land bei bestimmten Wetterlagen ganz gut ab. Die Gegend, die mehr oder weniger direkt an Norwegen grenzt, heißt nicht umsonst Värmland. Wolken blieben gern mal an den Bergen hängen und das führt zu mehr Sonne und Wärme an den großen schwedischen Seen. Im Juli 2020 aber kommt der Wind über die relativ kalte Nord- und Ostsee ins Land. Das führt zu Temperaturen von 12-15 Grad im Westen von Schweden. Dort, wo der Wind lange über Land weht, sich also erwärmen kann, werden auch 20 Grad erreicht. Das ist aktuell in Stockholm der Fall. Bis Ende Juli wird sich das auch nur unwesentlich ändern. Ob wir nach einem vermutlich normalen Juli 2020 in Schweden auch wieder Schreckensmeldungen lesen werden wie die von Greta Thunberg nach einem zu warmen Juni 2020? Warten wir es ab.