Wo ist Windkraft sinnvoll?

Wo ist Windkraft sinnvoll? So lautet der Titel eines Artikels bei der Deutschen Welle. Der lobt die Windkraft in höchsten Tönen und kommt zu interessanten Kostenvergleichen. Die hinken aber etwas, denn die Backups für Windkraft, egal ob Batteriespeicher oder fossile Kraftwerke, werden einfach elegant fallengelassen. Ohne Speicher und ohne Backups geht es nicht, das ist mittlerweile sogar der Ampel-Koalition klar, die nun viele Gaskraftwerke in Deutschland bauen will/muss, um hier einen Ausgleich zu schaffen. Die Autoren des Artikels scheinen davon auszugehen, dass 24/7 immer der Wind und dann auch noch ausreichend weht. Speicher und Backups tauchen in der Rechnung nicht auf.

Auch auf Übertragungsverluste geht der Artikel ein. Gemeint ist der lange Transport von Strom aus den Gebieten der Erzeugung zu den Verbrauchern. Als Lösung schlagen sie dann erstaunlicherweise vor, E-Fuels vor Ort herzustellen. Nun wird man E-Fuels so oder so brauchen, denn nicht sämtlicher Verkehr lässt sich elektrifizieren. Auch Branchen wie Chemie brauchen Grundstoffe, die man auf diese Weise herstellen könnte. Allerdings zu einem horrenden Preis. Bildlich gesprochen, muss man 4 Euro investieren, um am Ende 1 Euro herauszubekommen. Insofern ist diese Lösung den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Dennoch verweist man auf ein Projekt von Porsche und Siemens zur Produktion von E-Fuels. Das wird allerdings in Chile passieren. Der Grund ist die Geographie. Das Land ist über 4.000 km lang und hat daher eine entsprechend lange Küste. An der See weht Wind nun einmal stärker als an Land. Chile hat zudem nur 19 Millionen Einwohner und kommt auf 25 Einwohner je km2.  Zum Vergleich. Deutschland hat 232 Einwohner auf die gleiche Fläche.

Zurück nach Deutschland. Wir hatten kürzlich einen Hinweis auf ein YouTube-Video zur Leistung einer Windturbine. Wenn man nun noch in Betracht zieht, dass die Nennleistung einer Windkraftanalage ab einer Windgeschwindigkeit von 15 m/sec erreicht wird, wird auch etwas klarer, dass diese Anlagen sich gemittelt an 4 von 5 Tagen langweilen. Auch die Pläne von Baden-Württemberg mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 4-5 m/sec sind verblüffend, wenn man sich die Farben ansieht.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

Wir warten also weiterhin auf Journalismus, der genau das macht, was er eigentlich machen sollte: kritisch hinterfragen.

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Was bedeuten die Ampel-Pläne für die Elektromobilität? Golem hat es untersucht.

“Konkret sollen bis zum Jahr 2030 mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw auf deutschen Straßen unterwegs sein. Das bedeutet, dass rein rechnerisch in den kommenden neun Jahren durchschnittlich 1,55 Millionen E-Autos pro Jahr neu zugelassen werden müssen. Ausgehend von etwa 300.000 neuen vollelektrischen Autos im Jahr 2021 müssten die Verkaufszahlen kontinuierlich jedes Jahr um 33 Prozent steigen, um am Ende auf die 15 Millionen Fahrzeuge zu kommen.” …
“Zudem erscheint das klimapolitische Mobilitätskonzept erstaunlich auto-fokussiert. Die Grünen haben nicht nur ihre Forderung nach einem Tempolimit oder einem Aus für Verbrenner, sondern auch die geplante Förderung von Job- und Lastenrädern sowie S-Pedelecs sang- und klanglos fallen lassen.”

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„Unter diesen Bedingungen besteht die Gefahr, dass Deutschland auf Blackouts zuläuft“. Das meint Tobias Kaiser von der Welt. Es geht um den Streit von Deutschland und Frankreich. Die Franzosen wollen die Kernenergie in den New Green Deal heben, die Deutschen müssen das mit Erdgas machen, weil sie schlicht keine anderen Backups haben.

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Das Umweltbundesamt würde gern Politik machen. Aus diesem Grund hat es eine Pressemeldung herausgegeben, in der es eine Umschichtung von Subventionen fordert. Das Blöde ist nur, die werden in ganz anderen Ressorts verwaltet. Dazu passt eine Meldung aus der Tagesschau, in der der Rechnungshof moniert, dass Gelder in der Klimapolitik nicht an den richtigen Stellen eingesetzt werden. Vielleicht sollte das Bundesumweltamt erst einmal dort ansetzen.

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Österreich möchte laut neu.at seinen Anteil von Wasserkraft an der Stromproduktion steigern. Das soll u. a. auch dadurch erreicht werden, dass Altanlagen ertüchtigt werden.

“Und tatsächlich ist der Branchenprimus längst nicht das einzige österreichische Unternehmen auf dem Markt. Vor allem im Bereich der Kleinwasserkraftwerke tut sich derzeit extrem viel. Laut dem oberösterreichischen Anlagenbauer WWS Wasserkraft könne man durch Strömungssimulation auch bei Kleinwasserkraftwerken der Wirkungsgrad weiter mal steigern. Das Ergebnis: Wirkungsgrade von bis zu 94 Prozent, wie bei großen Wasserkraftwerken.”

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Nicht mehr taufrisch ist ein Artikel bei startblog-f über Läufer und deren CO2-Bilanz. Gemeint ist nicht die Atemluft, sondern die Produktion von Schuhen und Kleidung.

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Weiter geht es mit der Visualisierung von Daten. Auf YouTube gibt es die Einwohner- Entwicklung von Städten zu sehen. Wer sich die zukünftigen Einwohnerzahlen ansieht, der bekommt ein Gefühl dafür, wo die tatsächlichen Probleme dieses Planeten liegen.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas gewonnen. Er kann das Klima schützen, sagt das Paul- Scherrer-Institut aus der Schweiz, wenn der Kohlenstoff abgeschieden wird. Deutschland hat sich gegen diesen Weg entschieden und somit gegen den Rat des IPCC, der dieses Carbon Capture & Storage als Maßnahme empfiehlt. Follow the science? Wer bei den ganzen Wasserstoff-Farben den Überblick verloren hat, das Institut listet sie auf.

“Nomenklatur des Wasserstoffs
Je nachdem, wie Wasserstoff hergestellt wird, erhält er in der Energiebranche verschiedene Namen. Hier die gängige „Farbenlehre“:

Grüner Wasserstoff: Hergestellt mit Strom aus erneuerbaren Energien

Türkis: Hergestellt durch sogenannte Methanpyrolyse: Das Erdgas wird thermisch in Wasserstoff und festen Kohlenstoff gespalten

Orange/gelb: Hergestellt aus organischen Stoffen wie Biomasse, Biogas und Biomethan

Violett/rot: Hergestellt mit Strom aus Kernenergie

Blau: Hergestellt aus Erdgas unter Abscheidung und geologischer Speicherung des Kohlendioxids

Weiss: Natürlich vorkommender Wasserstoff

Grau: Hergestellt aus Erdgas (oft werden unter „grau“ auch alle fossilen Energieträger zusammengefasst)Braun: aus Braunkohle”

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Leserpost von Wolfgang Richter:

Ich habe ein neues „Tool“ zur Schau in die Zukunft im Internet gefunden: Die Funktion „Zukunft“ im agorameter. Damit lässt sich auf Basis der aktuellen oder bisherigen Windkraft- und PV-Produktion die zukünftige Produktion bei einem Anteil von 68% im Jahr 2030 bis zu einem Anteil von 86% im Jahr 2040 projezieren. Außerdem wurde in diesem Tool der zunehmende Stromverbrauch Deutschlands durch E-Autos, Wärmepumpen usw. eingebaut, wie es der erläuternde Text beschreibt.

Die verlinkte Einstellung mit den aktuellen Produktionsdaten vom 6. bis 9.12.21 und der Projektion aufs Jahr 2030 mit 68% „Erneuerbaren“ zeigt ziemlich viel düsteres Grau, die fehlende Energie zur Erreichung der Residuallast bzw. des Strombedarfs. Es fehlen so grob gesehen 50% gegenüber dem Strombedarf bzw. es wäre eine Verdopplung bei Windkraft und PV-Flächen notwendig.

Ich habe das mal für ein ganzes Jahr, und zwar die Monate Dezember 2020 bis November 2021  Monat für Monat „durchgespielt“ und dabei die beiden Szenarien mit 68% und 86% benutzt. Da sieht jeder, der nicht auf beiden Augen grünblind ist, dass das Märchen von der autarken Stromversorgung Deutschlands mit Wind- und Sonnenergie pure Träumerei ist. Auch bei 86% gibt es noch fast jede Nacht im Sommer und oft mehrere Tage und Nächte in Folge im Winter zu wenig Strom um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, geschweige denn genügend „Überschussstrom“ um damit irgendwelche Speicher zu füllen, so es sie gäbe.

Wenn das mal unser neuer „Windradminister“ Habeck, wie der Spiegel gerade titelte, und sein Staatssekretär, der ja auch der agorameter-Betreiber ist, gemeinsam anschauen würden und dann die Frage beantworten würden, woher der Strom kommen soll, käme man vielleicht doch zum Nachdenken und zum dringend notwendigen Umsteuern. Wenn es nicht bald viele neue Gaskraftwerke gibt, dann wird das nichts mit dem Abschalten der Kohlekraftwerke.