Uni Bonn: „Fleischkonsum muss um mindestens 75 Prozent sinken“

Die Universität Bonn stellte am 25.4.2022 Forderungen an die Gesellschaft:

Fleischkonsum muss um mindestens 75 Prozent sinken

In geringen Mengen kann er dagegen durchaus nachhaltig sein, zeigt eine Studie der Universität Bonn

Damit die Erde uns auch in Zukunft ernähren kann, müssen die Industrienationen den Verzehr von Fleisch deutlich reduzieren – im Idealfall um mindestens 75 Prozent. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Universität Bonn. Die Übersichtsarbeit wertet den aktuellen Stand der Forschung zu verschiedenen Aspekten des Fleischkonsums aus. Dazu zählen neben den Auswirkungen auf Umwelt und Klima auch Gesundheits- und wirtschaftliche Effekte. Ein Fazit der Forscher: In geringen Mengen Fleisch zu essen, kann durchaus nachhaltig sein. Die Ergebnisse erscheinen in der Zeitschrift Annual Review of Resource Economics.

Rund 80 Kilogramm Fleisch nimmt jede Bürgerin und jeder Bürger der EU im Jahr zu sich. Doch jedes leckere Steak, jede knackige Grillwurst hat einen Preis, den wir nicht an der Ladentheke bezahlen. Denn die Nutztierhaltung schädigt Klima und Umwelt. Beispielsweise erzeugen Wiederkäuer Methan, das die Erderwärmung beschleunigt. Tiere setzen zudem nur einen Teil der verfütterten Kalorien in Fleisch um. Um dieselbe Zahl an Menschen zu ernähren, braucht man bei Fleisch daher entsprechend mehr Fläche. Das geht zu Lasten der Ökosysteme, da weniger Raum für den natürlichen Artenschutz bleibt. Wer zu viel Fleisch isst, lebt zudem gefährlich – Fleisch in Übermengen ist nicht gesund und kann chronische Krankheiten begünstigen.

Es gibt also gute Argumente, den Konsum tierischer Lebensmittel stark einzuschränken. „Würden alle Menschen so viel Fleisch verzehren wie die Europäer oder die Nordamerikaner, würden wir die Klimaziele weit verfehlen, und viele Ökosysteme würden kollabieren“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Matin Qaim vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. „Wir müssen unseren Konsum daher deutlich senken, idealerweise auf 20 Kilogramm oder weniger jährlich. Der Krieg in der Ukraine und die dadurch entstehenden Engpässe für Getreide auf dem Weltmarkt zeigen zudem sehr deutlich, dass weniger Getreide an Tiere verfüttert werden sollte, um die globale Ernährung sicherzustellen.“ Derzeit wandere rund die Hälfte der weltweiten Getreideproduktion in den Futtertrog.

Massen-Vegetarismus ist nicht die beste Lösung

Sollte die Menschheit nicht besser komplett auf vegetarische oder noch besser vegane Kost umschwenken? Laut Studie wäre das die falsche Konsequenz. Einerseits gibt es viele Regionen, in denen sich keine pflanzlichen Lebensmittel anbauen lassen. „Wir können uns nicht von Gras ernähren, Wiederkäuer aber sehr wohl“, verdeutlicht Qaims Kollege und Koautor Dr. Martin Parlasca. „Wenn sich Grasland nicht anders nutzen lässt, ist es daher durchaus sinnvoll, darauf Vieh zu halten.“ Gegen eine schonende Weidehaltung mit nicht zu vielen Tieren sei auch aus Umweltsicht wenig einzuwenden.

Gerade in ärmeren Regionen fehlt es zudem an pflanzlichen Quellen für hochwertige Proteine und Mikronährstoffe. So lassen sich Gemüse und Hülsenfrüchte nicht überall anbauen und zudem nur zu bestimmten Zeiten ernten. „In solchen Fällen sind Tiere oft ein zentrales Element für eine gesunde Ernährung“, betont Parlasca. „Für viele Menschen sind sie außerdem eine wichtige Einnahmequelle. Wenn die Einkünfte aus Milch, Eiern oder auch Fleisch wegfallen, kann das für sie existenzbedrohend sein.“ Ohnehin seien nicht die ärmeren Länder das Problem, verdeutlichen die Autoren. Bei ihren Bewohnern steht Fleisch meist viel seltener auf dem Speiseplan als in den Industrienationen. Vor allem die reichen Länder müssen daher den Fleischkonsum reduzieren.

Steuer auf Fleischprodukte sinnvoll

Im Moment ist davon wenig zu spüren. Obwohl es mehr Vegetarier gibt als früher, stagniert der Fleischkonsum europaweit gesehen. Am höchsten ist er jedoch in Nordamerika und Australien. Qaim hält es für wichtig, auch über höhere Steuern auf tierische Lebensmittel nachzudenken. „Das ist sicher unpopulär, zumal es mit einem zehn- oder zwanzigprozentigen Aufschlag wahrscheinlich nicht getan wäre, falls er eine Lenkungswirkung entfalten soll“, sagt er. „Fleisch verursacht jedoch hohe Umweltkosten, die sich in den aktuellen Preisen nicht widerspiegeln. Es wäre durchaus sinnvoll und gerecht, die Konsumentinnen und Konsumenten stärker an diesen Kosten zu beteiligen.“

Die Autoren fordern zudem, das Thema „nachhaltiger Konsum“ verstärkt in die schulischen Curricula zu integrieren. Auch in der Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte müssten diese Inhalte besser berücksichtigt werden. „Wir müssen sensibler für die globalen Auswirkungen unserer Entscheidungen werden“, betont Qaim, der auch Mitglied im Exzellenzcluster PhenoRob sowie (wie sein Kollege Martin Parlasca) im Transdisziplinären Forschungsbereich „Sustainable Futures“ der Universität Bonn ist. „Das gilt nicht nur beim Essen, sondern auch für das T-Shirt, das wir beim Discounter kaufen, um es einen einzigen Abend auf einer Party zu tragen.“

Publikation (Open Access): Martin C. Parlasca & Matin Qaim: Meat consumption and sustainability; Annual Review of Resource Economics

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Der Treibhauseffekt ist ein heißdiskutiertes Thema: Wie funktioniert er, welche Rolle spielen die Absorptionsbanden? Sind die Verstärker des Grundeffekts positiv oder negativ? David Siegel hat dazu ein Video gemacht.

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Rice University:

Electric vehicle supply chains owned mostly by China jeopardize US energy transition, says report

The global push to convert the world to electric vehicles will cause supply chain complexities that could undermine the alternative energy transition in the United States, according to a new report from Rice University’s Baker Institute for Public Policy.

While Russia holds significant leverage in influencing oil and gas prices, it pales in comparison to China’s position in several strategic industries critical to the energy transition, says Michelle Michot Foss, fellow in energy and materials at the Baker Institute.

„From our case study and supporting analysis, it is becoming increasingly clear that China has positioned itself as a gatekeeper to the energy transition, with broad implications for strategic planning in the United States,“ according to the report she co-authored with Jacob Koelsch, a research intern at the Baker Institute.

Nickel is critical to battery-powered vehicles; nickel sulfate is a key ingredient in cathode precursors for the lithium-ion batteries they use. Indonesia is home to the largest nickel reserves in the world, and the privately owned Tsingshan Holding Group has made significant investments in the country. Based in China, Tsingshan operates the world’s largest nickel syndicate—including nickel ore mining, nickel refining, purification, ferronickel production, crude steel production, logistics, port management, trading and transportation.

Between 2010 and 2021, worldwide nickel usage grew almost 90%. This surge occurred mostly in China, driven by steel manufacturing. Batteries currently comprise about 7% of nickel demand, but this could increase to one-third of nickel consumption by 2040, which could create a disruptive supply chain environment for the U.S., according to the report.

China’s status as a battery gatekeeper—along with its stationary storage capabilities in power grids and its emergence as the „factory to the world“ on energy, non-fuel minerals and other key commodities—presents major challenges according to Foss. Its model of economic „soft power“ has crept into commodity warehouses, EV factories and everything in between, giving Chinese entities significant control over several links of these critical supply chains.

Government incentives can boost electric vehicle sales in the U.S., she said, but policies to incentivize EV adoption will still be disrupted by inadequate infrastructure. The U.S. faces a number of problems, including unstable raw material supply chains, insufficient battery manufacturing capacity and a lack of infrastructure to power EVs or supplement intermittent supplies of wind and solar power.

There are also „unanswered questions about how to even finance electrification or road construction and maintenance given lost revenues from fuels taxes,“ Foss said.

„In an era of unparalleled geopolitical friction, how China’s dominance will affect emissions reduction goals in places like the United States and Europe remains to be seen,“ she wrote.

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The Conversation:

From ‘biologically dead’ to chart-toppingly clean: how the Thames made an extraordinary recovery over 60 years

It might surprise you to know that the River Thames is considered one of the world’s cleanest rivers running through a city. What’s even more surprising is that it reached that status just 60 years after being declared “biologically dead” by scientists at London’s Natural History Museum. Yet despite this remarkable recovery, there’s no room for complacency – the Thames still faces new and increasing threats from pollution, plastic and a rising population.

The Thames runs 229 miles from Kemble in Gloucestershire to Southend-on-Sea in Essex, where it flows into the North Sea. Where it bisects London, it has experienced pressures from expanding numbers of citydwellers since medieval times.

The river became a repository for waste, with leaking cesspits and dumped rubbish reducing many of its tributaries to running sewers. Many of these small rivers now lie underneath the streets of London, long covered up to hide their foul smells: the Fleet, which runs from Hampstead and enters the Thames at Blackfriars, is probably the best known.

The final straw was the hot summer of 1858 – referred to as the Great Stink – when the high levels of human and industrial waste in the river actually drove people out of London. The civil engineer Sir Joseph Bazelgette was commissioned to build a sewage network to alleviate the problem, which is still in use today. What followed was over a century of improvements to the network, including upgrading sewage treatment works and installing household toilets linked to the system.

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Chinese Academy of Sciences:

First multi-centennial streamflow variability of the Karnali River

The Karnali River is one of the major transboundary rivers of the Nepalese central Himalaya and a major tributary of the Ganges River. Though there is a huge potential for dendrohydrological research in the Karnali River Basin (KRB) region in Nepal, no multi-centuries streamflow reconstruction is available yet.

In a study published in the Journal of Hydrology, researchers from the Xishuangbanna Tropical Botanical Garden (XTBG) of the Chinese Academy of Sciences presented the first multi-centennial spring- to early-summer season (March–July) streamflow reconstruction for the Karnali River in the central Himalaya by using moisture-sensitive tree ring-width chronologies of multiple tree species.

The researchers compiled eleven tree ring-width chronologies based on 354 exactly dated tree cores from five coniferous species (A. spectabilis, C. deodara, P. smithiana, P. roxburghii, and P. wallichiana) for the Karnali River catchment.

The tree-ring site chronologies from the Karnali River Basin showed high dendroclimatological potential. The composite chronologies from the KRB were generally positively correlated with spring and early summer season precipitation and drought index and negatively correlated with spring season temperature. The growth of trees is mainly limited by the moisture availability during spring and early summer seasons.

Their reconstruction revealed annual to multi-decadal fluctuations in the streamflow of the Karnali River. Several moderate and extreme flow years were also observed in their reconstruction. An increasing frequency of extreme events occurred during the recent decades.

Moreover, Karnali river flow has short-term (inter-annual) to decadal periodicities, similar to frequencies of broad-scale climate modes/phases like El Niño-Southern Oscillation and the Pacific Decadal Oscillation.

„Since periodic (decadal or even longer period) below average streamflow was found during the past four centuries, streamflow-based water and energy sectors could be affected periodically. Therefore, dynamic water resource management and use approach is required to adapt the climate change and water-induced disasters,“ said Fan Zexin of XTBG.

Paper: Narayan Prasad Gaire et al, Increasing extreme events in the central Himalaya revealed from a tree-ring based multi-century streamflow reconstruction of Karnali River Basin, Journal of Hydrology (2022). DOI: 10.1016/j.jhydrol.2022.127801

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Chinese Academy of Sciences:

Global spatiotemporal continuous land surface temperature dataset released

Land surface temperature (LST) plays a critical role in the study of physical and biological processes of the Earth’s surface at global and regional scales. It is widely used in fields such as meteorology, climate, hydrology, agriculture, and ecology.

The global spatiotemporal continuous land surface temperature dataset was released at the National Tibetan Plateau/Third Pole Environment Data Center, according to researchers from the Aerospace Information Research Institute (AIR), Chinese Academy of Sciences (CAS).

The study, led by Dr. Zhao Tianjie from the State Key Laboratory of Remote Sensing Science of AIR, was recently published in Scientific Data.

The dataset is based on the data interpolating empirical orthogonal functions (DINEOF) method and the cumulative distribution function (CDF) matching method. The main input data are Terra/Aqua MODIS LST products and ERA5-Land reanalysis data.

The method makes full use of the spatiotemporal information of satellite (thermal infrared) remote sensing LST products and the spatiotemporal continuity of reanalysis data to alleviate the influence of atmospheric conditions such as clouds on the estimation of LST, and finally reconstructs a high-quality global spatiotemporal continuous LST dataset.

The temporal resolution of this dataset is four times a day, the spatial resolution is 0.05°, and the time span is from 2002 to 2020.

Paper: Pei Yu et al, Global spatiotemporally continuous MODIS land surface temperature dataset, Scientific Data (2022). DOI: 10.1038/s41597-022-01214-8