Stromversorgung: Deutschlands Nachbarn machen gerade sehr gute Geschäfte mit uns

Kreativ mit Zahlen. Folgt der Wissenschaft. Man kann es sehr oft lesen. Zur Wissenschaft gehört als Grundlage die Mathematik. Und mit der kann man kreativ sein, zumindest, wenn man einfach einige Dinge außenvorlässt. So wie die Grünen. Die sehen etwa 4 Wochen vor der Bundestagswahl möglicherweise die eigenen Felle etwas davonschwimmen, jedenfalls, wenn man den Umfragen Glauben schenken darf. Der Reihe nach, die Grünen schlagen Alarm, denn 2021 wird nach Berechnungen von Agora die Emission von Treibhausgasen wieder steigen.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Zum Bild gehört aber auch, sich einen längeren Zeitraum anzusehen. Denn 2020 war das Corona-Jahr in Deutschland mit Lockdown und Home-Office und Fernunterricht.

(Abbildung: Grafik Bundesumweltamt)

Die Botschaft, dass 2021 immer noch unter 2019 liegt, dem Jahr ohne Corona-Auswirkungen, passt natürlich nicht in eine Meldung. Da bläst man besser Alarm. Als die 2020er Zahlen publiziert wurden, konnte man von den Grünen hören, das läge ja nur an Corona. Das stimmt zum Teil sicherlich auch. Allerdings scheinen die Grünen genau das vergessen zu haben bei den 2021er Zahlen. Double Standards. In der Grünen Blase wird aber lediglich ankommen, dass es immer schlimmer wird.

Es ist sogar in gewisser Art und Weise selbstprophezeiend für die Zukunft. 2022 tauscht Deutschland CO2 arme Stromerzeugung gegen CO2 reiche ein, wenn die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Die grünen Stromquellen haben trotz einer theoretischen Leistung von  61 GW bei Wind und 56 GW nicht das Potential Deutschland gesichert mit Strom zu versorgen.

Wir haben hier oft genug auf schwache Phasen hingewiesen. In denen muss aber auch eine Versorgung sichergestellt werden. Es bleiben ab 2022 nur noch Kohle, Gas, Biomasse und etwas Wasserkraft. Außerdem noch der Import. Und da wird es hinten höher als vorne, weil es in erster Linie die Länder sein werden, die auf Kohle setzen (Polen) oder Kernenergie (Frankreich) oder auch die Schweiz die Deutschland aushelfen werden. Exemplarisch dafür der 20.08.2021 nach Daten von Agora. Deutschland muss bis 12:00 Uhr mehr importieren als exportieren und das zu relativ hohen Preisen von bis zu 125 Euro/MWh.

(Abbildung: Screenshot Agora Energiewende)

Deutschlands Nachbarn machen gerade sehr gute Geschäfte mit uns und werden in der nächsten Zukunft sehr wahrscheinlich noch besser machen. Bezahlt wird es von den deutschen Stromkunden, die jetzt schon die höchsten Preise weltweit zahlen.

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TV Tipp: bei 3Sat Nano gibt es eine Dokumentation über den Zustand der Amazonas-Wälder. Die Sendung ist noch bis zum 18.08.2026 zu sehen.

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Die Gas-Pipeline Nordstream 2 wird nach Angaben der Tagesschau dieses Jahr noch Gas nach Deutschland liefern.

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Es könnte sich lohnen Waldbrände noch intensiver zu bekämpfen. Laut eines Artikels von Sky News wird die Menge an Treibhausgas pro Jahr, die durch weltweite Feuer emittiert wird, höher eingeschätzt als die Emissionen von Deutschland. Da der Mensch der Hauptauslöser von Bränden ist, wäre hier sogar ein Ansatz möglich.

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Die National Oceanic and Atmospheric Admistration NOAA hat ein interessantes Tool auf seiner Webseite. Man kann dort für die Bundesstaaten der USA aber auch andere Regionen der Welt sehr viele Parameter abrufen und sich Trend und Mittelwerte anzeigen lassen. Zur Eingabeseite geht es hier.

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Die Tagesschau legt noch eine Schippe drauf. Die Klimaziele 2030 dürften verfehlt werden, titelt sie.

“Laut dem Bericht würden die Emissionen bis 2030 um 49 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Vorgeschrieben sind nach dem geltenden Klimaschutzgesetz minus 65 Prozent. Für 2040 wird eine Minderung um lediglich 67 Prozent vorhergesagt, weit unter der Emissionsminderung um 88 Prozent, die das Klimaschutzgesetz vorschreibt. Die bisherigen Bemühungen im Klimaschutz dürften also nicht ausreichen, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen.”

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Der Kohleausstieg in Deutschland vollzieht sich derzeit schneller als geplant. Deutschlandfunkt berichtete.

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Amazon und Google spitze bei langfristigen Grünstromverträgen, sagt ein Artikel bei En-former, dem Energieblog von RWE. Woher die US-Giganten ihren Strom beziehen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, steht in dem Artikel leider nicht. Ob Wasserkraft und Biomasse ausreichen?

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Buchempfehlung:

Unsettled: What Climate Science Tells Us, What It Doesn’t, and Why It Matters (English Edition)

Buchbeschreibung:

“Surging sea levels are inundating the coasts.”

“Hurricanes and tornadoes are becoming fiercer and more frequent.”

“Climate change will be an economic disaster.”

You’ve heard all this presented as fact. But according to science,  all of these statements are profoundly misleading.

When it comes to climate change, the media, politicians, and other prominent voices have declared that “the science is settled.” In reality, the long game of telephone from research to reports to the popular media is corrupted by misunderstanding and misinformation. Core questions—about the way the climate is responding to our influence, and what the impacts will be—remain largely unanswered. The climate is changing, but the why and how aren’t as clear as you’ve probably been led to believe.

Now, one of America’s most distinguished scientists is clearing away the fog to explain what science really says (and doesn’t say) about our changing climate. In Unsettled: What Climate Science Tells Us, What It Doesn’t, and Why It Matters, Steven Koonin draws upon his decades of experience—including as a top science advisor to the Obama administration—to provide up-to-date insights and expert perspective free from political agendas.

Fascinating, clear-headed, and full of surprises, this book gives readers the tools to both understand the climate issue and be savvier consumers of science media in general. Koonin takes readers behind the headlines to the more nuanced science itself, showing us where it comes from and guiding us through the implications of the evidence. He dispels popular myths and unveils little-known truths: despite a dramatic rise in greenhouse gas emissions, global temperatures actually decreased from 1940 to 1970. What’s more, the models we use to predict the future aren’t able to accurately describe the climate of the past, suggesting they are deeply flawed.

Koonin also tackles society’s response to a changing climate, using data-driven analysis to explain why many proposed “solutions” would be ineffective, and discussing how alternatives like adaptation and, if necessary, geoengineering will ensure humanity continues to prosper. Unsettled is a reality check buoyed by hope, offering the truth about climate science that you aren’t getting elsewhere—what we know, what we don’t, and what it all means for our future.

Die Asia Times hat ein Webinar mit dem Autor Steven Koonin veröffentlicht:

AsiaTimes Webinar: Debunking the Doom

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Immer wieder geht es um El Niño und La Niña. Hier sind die aktuellen Charts dazu für die vergangenen 10 und 70 Jahre.