Sie heißt nicht Greta, sondern Antje

Frau Prof. Dr. Antje Boetius ist Meeresbiologin und Direktorin des Bremerhavener Alfred-Wegener Instituts (AWI). In der Klimadebatte ist sie eher auf der Seite der Klimawarner angesiedelt. Wikipedia:

In der öffentlichen Debatte um die Klimakrise setzt sich Boetius für eine deutliche Verschärfung des Klimaschutzes ein; so schrieb sie 2019 mit Blick auf die Politik: „Mutig bedeutet hier, jetzt für den Klimaschutz einen großen Schritt zu tun. Mutig heißt, dafür zu sorgen, dass der Bürger mitkommt und dabei mitmachen will und kann. Wir können uns wirklich keine Verzögerung beim Klimawandel und auch nicht das Verpassen unserer eigenen Ziele leisten.“[2] Sie ist eine der Verfasserinnen der Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina aus dem Jahr 2019, die den Titel Klimaziele 2030: Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der CO2-Emissionen trägt.[3] Darin wird u. a. die rasche Einführung einer CO2-Bepreisung gefordert.

Als Chefin eines neutral forschenden Instituts sind das ziemlich einseitige Ansichten. Oder war dies vielleicht der Grund, weshalb sie überhaupt zur Direktorin berufen wurde? Unter ihrer Leitung haben AWI-Pressemitteilungen jedenfalls immer wieder einen alarmistischen Unterton. Auf fachliche Kritik aus der Bevölkerung antwortet sie nicht, obwohl genau diese Öffentlichkeit auch ihr Gehalt und ihr Institut bezahlt. Beispiel:

Um Antwort wird gebeten: Weshalb schneidet AWI-Pressemitteilung das Mittelalter weg?

Um die großen Massen mit ihrer persönlichen Botschaft zu erreichen, lässt sich Boetius auch gerne mal von der Bildzeitung interviewen, so geschehen am 11.11.2019. Bild.de:

Interview zum Klimawandel mit Arktis-Expertin: »Das Eis am Nordpol schmilzt dramatisch schnell weg

Sie heißt nicht Greta, sondern Antje. Sie ist keine Schülerin, sondern Professorin und weltbekannte Arktis-Forscherin. Aber ihre Botschaft ist die gleiche wie die von Greta Thunberg (16): Beim Klimaschutz läuft uns die Zeit davon. Antje Boetius (52), Chefin des Alfred-Wegener-Institutes in Bremen, war Gastrednerin auf der Falling Walls Conference in Berlin. BILD sprach mit ihr.

Frau Prof. Boetius äußert sich dort wie folgt:

„Die Temperaturen dort steigen zwei bis dreimal so schnell wie in unseren Breitengraden. Das liegt vor allem an der dünneren Atmosphäre dort. Sie erwärmt sich schneller und damit erwärmt sich auch das Eis und das Meer schneller.“

Sie meint damit die Erklärung für die arktische Verstärkung gegeben zu haben. Und tatsächlich: Bei der deutschen Wikipedia wird man fündig: Unter dem Begriff „polare Verstärkung“  liest man dort eine ähnliche Erklärung: „Die wichtigsten Effekte sind hierbei der in der Arktis veränderte atmosphärische Temperaturgradient und die erhöhte Abstrahlung bei höheren Temperaturen. Da die Atmosphäre an den Polen flacher als in niedrigen Breiten ist, muss auch weniger Masse aufgeheizt werden.“ 

Allerdings fragt sich der interessierte Beobachter, ob er diese so einfach anmutende Erklärung  in wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema bestätigt findet. Der in der deutschen Wiki angeführte Link dazu bringt keine Bestätigung. Auch in der englischen Wikipedia sucht man diese Erklärung vergebens. Da ist auch von Wärmetransport die Rede, schließlich wird ein Großteil der vor allem in den Tropen aufgenommenen Wärme in den flächenmäßig kleinen polaren Gebieten in den Weltraum abgegeben. Die Erwärmung ist dort natürlich höher als in den viel größeren tropischen Bereichen unserer Erde. Das leuchtet ein.

Auch in neueren Arbeiten (z.B. hier) findet sich ein ganzer Strauß an Gründen ( auch das zurückgehende Eis) für den Effekt, es ist keine Rede von „dünnerer Luft“. Wir prüfen daher das wohl so nur in der deutschen Wikipedia aufgeführte „wichtigste“ Argument der „dünneren Atmosphäre“ als Grund für die stärkere Erwärmung der Arktis. Es ist in der Tat so, dass die Mächtigkeit der Troposphäre über den Polen im Winter nur etwa 60% der über den Tropen entspricht. Dann sollte  ja der Luftdruck am Boden der Arktis bedeutend niedriger sein ( in der dunkeln Jahreszeit November-März)   als beispielsweise in den gemäßigten Breiten ( 30°N-60°N), da die Atmosphäre ja so viel dünner ist? Tatsächlich finden wir in den Jahren 1979-2018 in den hohen arktischen Breiten einen im Mittel niedrigeren Luftdruck: etwa 0,3% oder 30 hpa nach der Reanalyse Reihe ERAinterim! Wenn man einen 300 m hohen Berg „erklimmt“ ist es mehr Druckabfall. Das soll den Effekt bringen? 

Wir versuchen es skeptisch weiter: Die polare Absenkung der Tropopause (der oberen Grenze der Troposphäre) passiert ja auf beiden Halbkugeln genauso. Dann wäre zu erwarten, dass dieser „wichtigste“ Effekt bei beiden Polen sehr ähnlich auftritt. Aber das tut er nicht. Die Temperaturen laut GISS steigen seit 1980 in der inneren Arktis ( 70°N-90°N) um den Faktor 5 stärker als sie es zwischen 60°N und 60°S tun, bei der inneren Antarktis (70°S-90°S) ist es gerade mal der Faktor 1,4, nur etwa 1/4 dessen, was wir in der Arktis messen. Die Luftsäule über den Polen kann also nicht der „wichtigste Effekt“ sein. 

Offensichtlich machte man es sich zu einfach bei der deutschen Wikipedia, leider kein Einzelfall. Nur in diesem online Nachschlagewerk wird der von Frau Professor Boetius herausposaunte Hauptgrund der schnelleren Erwärmung in der Arktis vorgebracht. Sollte etwa die “ weltbekannte Arktisforscherin“ (O-Ton „Bild“) aus der deutschen Wikipedia zitieren? Was dort geschrieben steht ist im akademischen Umfeld nicht zitierfähig, ist gewissermaßen eine Todsünde. Frau Professor Boetius tat das offensichtlich trotzdem. Wir haben wirklich Koryphäen an der Spitze unserer Institute. Das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven kann richtig stolz auf seine Chefin sein!   

Abbildung: Die Erwärmung der polaren Gebiete nach 2000 im Vergleich zum Zeitraum 1950…1980 nach GISS. Quelle

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Flut in Venedig. Bild war dabei. Der Bürgermeister macht den Klimawandel verantwortlich. Er weiß ganz genau: Der steigende Meeresspiegel trägt die Schuld! Bild.de:

Der Bürgermeister machte den Klimawandel für die immer häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich. „Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein.“

Faktencheck: Die nahe gelegene Pegelmeßstation in Trieste erzeugt eine homogene Reihe seit 1900. Die Daten sagen: seit 1966 (die letzte, noch höhere Flut) ist der Meeresspiegel in der Gegend um 5,7 cm angestiegen. Der aktuelle Flutberg war 1,20m übernormal, hier kann man es anzeigen. Der Anteil des steigenden Meeresspiegels an der Flut dort beträgt also ganze 4,8%. Keine Schlagzeile wert! 

Übrigens: Der Boden unter Venedig senkt sich stetig, zum Teil sogar schneller, als der globale Meeresspiegel steigt. Livescience.com 2012:

The team use data from 2000 to 2010 to track changes in the elevation of Venice and its surrounding lagoons and found that the city of Venice was subsiding on average about 1 to 2 millimeters a year (0.04 to 0.08 inches per year). The patches of land in Venice’s lagoon (117 islands in all) are also sinking, with northern sections of the lagoon dropping at a rate of 2 to 3 mm (0.08 to 0.12 inches) per year, and the southern lagoon subsiding at 3 to 4 mm (0.12 to 0.16 inches) per year.