Seid umschlungen ihr Milliarden

Von Peter Sommer

Der australische Riesenspeicher für Elektrizität Hornsdale Power Reserve wurde hier im Blog ja immer wieder einmal erwähnt. In Australien sorgt der Speicher dafür, sehr schnell Strom zu liefern, er gleicht in erster Linie Schwankungen aus. Könnte man mit solchen Speichern ein Land wie Deutschland mit Strom versorgen? Ja, das ist theoretisch möglich, aber – wie alles im Leben – nur eine Frage des Preises.

Der australische Speicher hat eine Kapazität, die für Deutschland durchschnittlich gerechnet etwa 14 Sekunden reichen würde. Man bräuchte also, um damit eine Minute hierzulande zu überbrücken, etwa 4 davon, für eine Stunde etwa 240 und wenn man eine längere Nacht im Herbst/Winter komplett damit managen will, dann müsste dieser Wert mit den Stunden multipliziert werden.

Gehen wir von einem Tag aus, an dem die Sonne gegen 16:00 Uhr verschwindet und um 08:00 Uhr wieder aufgegangen ist, es wären also 18 Stunden. Wir nehmen außerdem an, dass nur sehr wenig Wind weht, so wie es z. B. dieses Jahr im November oft der Fall war. Die Leistung von Wind und Sonne sind also nur marginal andere Stromquellen stehen außer etwas Wasserkraft und Biogas nicht zur Verfügung. Um diese Zeit zu überbrücken wären demnach 4.320 dieser Speicher nötig. Die Kosten des Speichers belaufen sich auf 100 Millionen Euro pro Stück bei der australischen Bauart. Das lässt sich sehr gut rechnen, denn es sind 432 Milliarden Euro.

Gebt uns Euer ganzes Lithium

In dieser Rechnung ist nicht beinhaltet, dass es möglicherweise günstiger wird, wenn sehr viele Speicher bestellt werden, also eine Art Mengenrabatt. Allein die Fläche, die benötigt wird, um die Speicher in die Landschaft zu stellen, dürfte beträchtlich sein und wir lassen auch die Frage offen, ob es überhaupt genügend Rohstoffe gibt, diese Speicher zu bauen. Grob überschlagen würde in diese Zahl der Speicher die Weltjahresproduktion von Lithium und Kobalt gehen. Alle anderen Akkus auf der Welt könnten also nicht mehr produziert werden, wollte man sie in einem Jahr bauen.

Eines darf bei dieser Betrachtung nicht vergessen werden, diese Speicher müssen irgendwann ja auch wieder gefüllt werden. Angenommen, Kernenergie und Kohle fallen komplett weg. Dann müssten Windkraft, Sonne, Biogas, Wasserkraft und wahrscheinlich Erdgas die Speicher ja auch wieder auffüllen. Und zwar in ganz kurzer Zeit, nämlich in 8 Stunden, weil danach ja wieder der Speicher ran muss. Die ersten 2 genannten werden aber nicht helfen wenn man sie braucht, nämlich in einer wind- und sonnenarmen Zeit, sind sie nicht zuverlässig verfügbar. Der Speicher wird ja gerade deshalb eingesetzt, weil es diese Bedingungen gibt. Soll dann Erdgas einspringen, also die Versorgung übernehmen und gleichzeitig die Speicher aufladen? Viel mehr Möglichkeiten gibt es ja kaum, es sei denn das Ausland ist so freundlich, uns in der Zeit mit Strom zu beliefern. Vielleicht sollte man zusehen, dass Nordstream 2 schnell fertig wird, wenn man solche Pläne für Speicher schmiedet.

Nun sind diese ganzen Rechnungen immer mit unbekannten Faktoren versehen. Und natürlich wird die Erzeugung von Strom nicht komplett Null gehen (aber schon minimal sein) bei den grünen Stromquellen, dennoch ist es wichtig sich einfach einmal Gedanken darüber zu machen, wie es für den Fall aussieht, der eintreten könnte. Am Speicher hängt also alles. Bei konventionellen Kraftwerken ist der Speicher in der Regel ein Lager, das die Energie einlagert. Denkbar sind auch Pipelines, aber auch da kommt am Ende etwas aus einem Speicher.

Die falsche Hoffnung Skalierung

Wir unterstellen einfach einmal, dass die bedingungslosen Befürworter der Energiewende (Primärenergie ist in dieser Rechnung übrigens noch gar nicht berücksichtigt) keine Dummköpfe sind. Warum werden solche Überlegungen dort nicht angestellt? Oder werden sie angestellt und man ignoriert das Ergebnis lieber? Beides wäre fatal. Oder blendet die Ideologie die Vernunft aus? Aussagen wie die der Ökonomin Claudia Kemfert machen daher extrem stutzig. Sie behauptete ja jüngst, dass die grünen Stromquellen längst in der Lage wären die Vollversorgung mit Strom in Deutschland zu übernehmen.

Wer auf die Charts von Agora blickt, gern auf das vom ganz Jahr, der sieht, dass das keineswegs der Fall ist. Skalierung ist leider auch keine Lösung. Deutschland ist bei den Windkraftanalagen bereits heute das gemessen an der Landfläche am dichtesten mit WKA bebaute Land der Welt. Solar hätte noch Potential, weil es immer noch sehr viele Dächer in Deutschland gibt, die keine Anlage haben. Wenn wir allerdings Freiflächen anfangen mit Paneelen zu pflastern sollte alle Alarmglocken angehen, weil das wieder Eingriffe in die Natur sind, die wir ja eigentlich schützen wollen.

Aber auch hier gilt, es wird ohne Speicher oder Alternativen nicht gehen. Die Sonne geht sehr sicher jeden Abend unter und jedem Morgen auf. Wetterfest ist auch diese Technik nicht, bedeckter Himmel oder einfach weniger Sonnenkraft im Winterhalbjahr reichen schon, um die Erzeugung zu schmälern.

Reden wir über Geld

Umgerechnet 500 Mrd. Euro hat Deutschland bereits in seine Energiewende gesteckt. Ein Resultat, im Sinne von verlässlichen Stromquellen und günstigen Preise hat es nicht gebracht. Im Gegenteil, Deutschland hat einen Spitzenplatz bei den Strompreisen inne. Der Grund ist klar, üppige Subventionen für die Betreiber von Wind- und Solaranlagen, dazu eine quasi doppelte Infrastruktur, weil die grünen Energiequellen volatil sind. All das muss bezahlt werden. Das machen die Stromverbraucher.

Wir rechnen für Deutschland einfach einmal etwas weiter. Nehmen wir also an, es gibt den politischen Willen diese Speicher für Deutschland bauen zu lassen. Außerdem gehen wir davon aus, dass die Menge der gesamtem Speicher (wie gesagt nur 16 Stunden Überbrückung beim Stand des heutigen Strombedarfs) über einem Zeitraum von 10 Jahren gebaut wird. Dann ergibt das rein rechnerisch Kosten von 35 Milliarden Euro pro Jahr. Darin ist noch nicht eingerechnet, dass die Betreiber ihre Investition nicht nur bezahlt haben wollen sondern eine Rendite auf den Einsatz erwarten.

Momentan betragen die zusätzlichen Aufwendungen für den Umbau der Stromwirtschaft zwischen 25-30 Mrd. Euro pro Jahr für den zahlenden Stromkunden über alle möglichem Umlagen und Steuern. Zusätzlich zu den genannten 35 Milliarden wären wir also bei 65 Milliarden pro Jahr. Das ist alles noch sehr konservativ geschätzt, denn es soll ja noch viel mehr elektrisiert werden in Deutschland: Mobilität und Heizen von Gebäuden über Wärmepumpen. Mehr Strom und mehr Speicher wird die Folge sein und damit noch höhere Kosten.

Kann das so gelingen?

Bis hier her ist das lediglich ein Gedankenspiel, die wirklichen Kosten der Energiewende sind allerdings harte Realität. Wenn diese zusätzlichen Kosten kommen sollten, dann katapultiert sich Deutschland uneinholbar an die Spitze bei den weltweiten Strompreisen. Wundern, warum andere Länder uns nicht folgen, sollte man sich dann allerdings nicht. Das machen sehr viele Länder bereits heute nicht, sie werden wissen warum. Vielleicht hat man in solchen Ländern einfach einen gesunden Menschenverstand, kann etwas Dreisatzrechnung und stellt Vernunft über Ideologie?