Podcast-Empfehlung: Indubio Folge 162 – Tausend Jahre Klimawandel

Podcast-Empfehlung:

Indubio Folge 162 – Tausend Jahre Klimawandel

Der Geowissenschaftler Sebastian Lüning spricht mit Burkhard Müller-Ullrich über die Temperaturmodellpolitik des Weltklimarates IPCC, über wissenschaftliche Scheuklappen und unwissenschaftlichen Aktivismus sowie über den deutschen Traum von einer Energiewende, die vom Atomstrom der Nachbarländer abhängig ist.

Technischer Hinweis: INDUBIO kann man auch über die gängigen Podcast-Apps (Apple, Deezer, Soundcloud, Spotify usw.) anhören.

Hier gehts zum Podcast.

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Mit Armin Laschet folgte am 15.09.2021 der letzte der drei Kanzlerkandidaten in der Wahlkampfarena der ARD in der Gollan-Werft in Lübeck. Die Sendung ist in der ARD-Mediathek noch bis zum 15.09.2022 zu sehen. Wieder konnten anwesende Zuschauer und zugeschaltete Teilnehmer Fragen stellen. Erneut war das Themenfeld breit.

Im Vorfeld der Veranstaltung gab es etwas Aufregung. Irgendwie konnte Emely Laquer von der Interventionistischen Linken aus Hamburg ihre Freude, dass gleich 3 der im Studio anwesenden Aktivisten durch ein Training bei ihr gelaufen sind, nicht für sich behalten. Die Organisation Interventionistische Linke wird von Hamburger Verfassungsschutz als linksradikal betrachtet und beobachtet. Laquer postet ihren Beitrag stolz vor der Sendung bei Twitter. Vielleicht war das keine so gute Idee?

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Zunächst verblüfft die Anzahl der eingeschleusten Aktivisten schon etwas und dann, dass zwei der drei Fragen stellen konnten. Auch das Ziel des Trainings, nämlich einen Politiker ”fertig zu machen“ ist schon eine interessante Aussage. Nun, die erste Aktivistin, die ihre Frage stellen durfte, war Lionie Baumgarten, die aber erstaunlicherweise ihre Frage sehr moderat stellte. Es ging um das Thema Rassismus.

Die nächste Frage kam nach langer Vorrede von der Fridays-For-Future Aktivistin Maia Stimming. Sie fragte nach einem 100 Tage Programm, weil die CDU ihrer Meinung nach nichts macht. Laschet verwies zunächst auf die NRW Vorgänger-Regierungen in Sachen Braunkohleabbau und auch Hambacher Forst.

(Abbildung: Screenshot ARD-Mediathek)

Er plädierte für zukünftig schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren u. a. für Trassen. Irgendwie mogelte sich Laschet da durch, weil er von parteiübergreifenden Anstrengungen sprach. Auch Laschet betonte, dass es mehr grüne Stromquellen brauche, weil man ja auch noch die große Aufgabe habe, die Industrie auf CO2-freie Energienutzung umzustellen. Irgendwie müsse man das gemeinsam schaffen. Laschet hätte vermutlich auch kein Problem gehabt, direkt im Anschluss der Sendung spontan ein Grußwort beim Geflügelzüchterverband zu sprechen.

Es wäre wahrscheinlich genauso nett und unverbindlich gewesen wie sein Klimabeitrag an diesem Abend. Konkret, wer den Strom liefern soll, wenn es Wind und Sonne mal wieder nicht schaffen und die Kernenergie sowie die Kohlekraftwerke abgeschaltet sind, diese Frage fehlte bei der Sendung erneut. Die Aktivistin nickte am Ende brav, aber ob die Larifari-Antwort sie wirklich befriedigte sei mal dahingestellt. Vor allem erscheint das Getöse mit Vokabeln wie ”fertigmachen” (wenn auch mit Zwinkersmiley und Herzchen) im Vorwege und im Anbetracht der brav gestellten Frage sowie dem Kopfnicken am Ende doch etwas arg auf den Putz gehauen. Wie mag die linksradikale Trainerin den Auftritt ihrer Schützlinge und besonders der ”krassen” Aktivistin Maia Stimming wohl einschätzen?
Krass war das jedenfalls nicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer sich Gedanken um die Energieversorgung in Deutschland macht, dem wird keine der Sendungen mit den drei Kandidaten irgendetwas gegeben haben.
Natürlich sind 75 Minuten eine sehr kurze Zeit und Themen können allenfalls angeschnitten werden. Bei Baerbock, Scholz und Laschet war jedenfalls nichts Konkretes zu hören, außer wir müssen jetzt anfangen. Nur mit was? Noch mehr Windkraftanlagen und Solarpanele, deren Strom nicht immer verfügbar und in vielen Fällen nicht mal abtransportiert werden kann. Zwei Stromquellen, die nachweislich nur begrenzt zur Verfügung stehen und bei denen auch Skalierung nicht wirklich etwas nutzt, solange wir Menschen die Mathematik und die Physik noch nicht ausgetrickst haben.

Nehmen wir das Beispiel des bisherigen Septembers 2021. Dort sind in der Abbildung unten mit roten Pfeilen die Zeiten markiert an denen es keinen Solarstrom und wenig Windstrom gab. Konventionelle Kraftwerke müssen einspringen. Zwei Arten davon gehen in nächster Zeit nach und nach vom Netz, nämlich Kernenergie und Kohle. Da wäre es eigentlich eine Zwangsläufigkeit in Ermangelung geeigneter Speicher sich um Backup Kapazitäten zu kümmern sofern man nicht davon ausgehen kann, dass das Ausland Deutschland schon irgendwie helfen wird. Stattdessen wird Erdgas, die dann einzige Alternative mit der Möglichkeit bis zu 30 GW Leistung, dämonisiert.

(Abbildung: Screenshot Agora Energiewende)

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Ein kleiner Vorgeschmack wie es künftig immer weiter geht: Strom wird immer teurer. Die FAZ berichtet über die Energiewende und deren Auswirkungen.

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IVECO, einer der führenden Bus- und LKW-Hersteller will zusammen mit dem US-Startup Unternehmen Nikola in Ulm moderne Elektro-LKW bauen. 3.000 Laster sollen dort pro Jahr produziert werden. Weiterlesen bei der Tagesschau.

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Aktivisten sind wie Spaltpilze. Jetzt gibt es eine neue Gruppierung im Vereinigten Königreich, die sich “Insulate Britain” nennt. Es geht den Aktivisten um die Isolierung von Häusern, da Wärme einen beträchtlichen Teil des Energieverbrauchs darstellt. Die Protestierer legten in verschiedene Teile von Groß Britannien den Autobahnverkehr lahm. Die BBC berichtete.

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Es tut sich was in Sachen CO2-Abscheidung bei der EU.

“The European Commission will publish a policy paper by the end of the year on “the sustainable management of the carbon cycle” – the first step towards an EU-wide certification scheme for negative emissions coming from agriculture, forestry and other sources, that will be tabled in 2022.”

Zum Artikel bei Euractiv geht es hier lang.

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Und noch ein Wort zu den Triells mit Baerbock, Scholz und Laschet wie wir im Blog hier bisher nicht behandelt haben. Übermedien hat die Sprechzeiten der Kandidaten noch einmal nachgerechnet und kommt zu ganz anderen Ergebnissen als die Sender. Laschet hat demnach 2 Minuten weniger als eingeblendet und Baerbock sogar fast 3 Minuten. Bei Olaf Scholz betrug die Differenz ca. 1 Minute, die er länger sprechen durfte, als es die Zuschauer zu sehen bekamen. Schuld sei laut Aussage der Sender übrigens ein Softwarefehler. Na dann.

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Das AWI gab am 16.9.2021 eine Pressemitteilung heraus. Man gibt sich große Mühe, die wichtigste Botschaft abzuschwächen. Aber der Untertitel spricht bereits für sich:

Negativtrend hält an – Vergleichsweise moderates Schrumpfen der Eisausdehnung im Jahr 2021

Hier die Ursache des eisfreundlichen Sommers:

Ausschlaggebend für die relativ langsame Eisschmelze in diesem Sommer war langanhaltender niedriger Luftdruck in der zentralen Arktis. „Seine Existenz hat vor allem im Juni und Juli den Einstrom warmer Luftmassen in die zentrale Arktis verhindert und die Meereissituation stabilisiert. Im August hat sich dann über dem europäischen Teil der Arktis ein Hochdrucksystem etabliert, das Tiefdrucksystem verlagerte sich hingegen in die Beaufortsee, was dort das Eis auseinander schob und Temperaturen von 2 bis 3 Grad Celsius unterhalb des langjährigen Mittels zur Folge hatte. Diese vergleichsweise kalte Luft verhinderte das Schmelzen des Eises, obwohl die Eiskonzentration in dieser Region teilweise sehr niedrig war”, sagt AWI-Klimatologin Dr. Monica Ionita.

Die Klimaschau war diesmal etwas schneller als das AWI. Das gedämpfte arktische Meereisschrumpfen war bereits Thema in Ausgabe #63.