PIK: Wechselhafte Regenfälle machen Amazonaswald robuster gegen den Klimawandel

Täglich, ja stündlich erscheinen Medienartikel voller Klimaalarm. In einigen Fällen sind die inhaltlichen Fehler so offensichtlich, dass eine Korrektur dringend notwendig wäre. In unserer Reihe „Um Antwort wird gebeten“ können Sie ein paar Beispiele einer solchen Korrespondenz sehen. Dabei gelten allerdings leider die Hebelgesetze: Wer am längeren Ende sitzt, kann tun und lassen was er möchte. Schöne Beispiele finden Sie bei der Tagesschau-Korrespondenz.

Aber manchmal führen Leserbriefe und Kritik auch zu einer Korrektur des beanstandeten Artikels. Paul Homewood führt in seinem Blog ein Beispiel der BBC an. Der britische Sender hatte klimaalarmistische Behauptungen einer Aktivistengruppe zum Extremwetter einfach ungeprüft als Nachrichten weitergegeben. Allerdings handelte es sich um Fake News. Homewood informierte die BBC und erhielt zunächst ein nichtssagendes Antwortschreiben. Homewood ließ jedoch nicht locker und harkte nach, woraufhin der Artikel dann korrigiert wurde. Ob irgendeiner der ursprünglichen Leser diese späte Änderung mitbekommen hat, dürfte bezweifelt werden. Aber immerhin, eine gute Geste der BBC. Bei deutschen Medien ist dies momentan noch komplett undenkbar. Das Eingeständnis eines inhaltlichen Fehlers gegenüber einem klimarealistischen Kritiker könnte als Einknicken fehlinterpretiert werden und zöge sicher schlimmste Strafmaßnahmen aus Potsdam und Berlin nach sich.

Hier können Sie die Schilderung der BBC-Korrektur nachlesen.

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In den Niederlanden hat eine Partei einen historischen Sieg errungen, die sich kritisch mit dem Klimaalarm auseinandersetzt. GWPF im März 2019:

Marcel Crok: A Historic Victory For Holland’s Climate Sceptics Party

Forum for Democracy (FvD), the Dutch right-wing party led by Thierry Baudet, has gained a landslide victory in yesterday’s provincial elections in The Netherlands.

Forum for Democracy became the biggest party by winning 13 seats in the Senate (out of a total of 75). For the first time since 1917 a new party – FvD was only founded in 2016 – was able to win these elections.

Climate change was a central theme in the elections and the historic victory seems to be a clear signal that Dutch voters increasingly reject the government plans for more ambitious and more costly climate policies. Baudet strongly opposes these plans. The current government under the leadership of Prime Minister Mark Rutte (VVD) has a very ambitious climate target of 49% reduction of greenhouse gases by 2030. This goal is far more ambitious than the 40% the EU has promised under the Paris Agreement.

Last year around 100 societal stakeholders – from industry to environmental NGO’s – negotiated a climate package that would be needed to reach the 49% target. However, Baudet, whose party won two seats in Parliament in the 2017 general elections, heavily criticised the climate package, saying it was far too costly and would attain a reduction in global temperature of only 0.0003 degree Celsius by 2100. He also announced he intends to leave the Paris Agreement, just like US President Trump did shortly after he entered the White House.

Apart from the climate package an alliance of several government and opposition parties also embraced a climate law with very ambitious goals: a 95% reduction of CO2 and a 100% renewable energy target by 2050. This law passed Parliament late last year but still has to get approval in the Senate. Yesterday’s elections could become a major obstacle now the government lost it’s majority in the Senate. The FvD will likely try to block the climate law in the Senate. Critics are afraid that environmental campaigners will go to court when the law becomes legally binding, just like what happened in the famous Urgenda court case which is forcing the government’s hands.

Marcel Crok is a science writer based in Amsterdam

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Pressemitteilung des PIK aus dem Februar 2019:

Der Amazonaswald kann durch wechselhafte Regenfälle trainiert werden – dem Tempo des Klimawandels ist er möglicherweise dennoch nicht gewachsen

Der Amazonas Regenwald hat sich über Millionen von Jahren entwickelt und sogar Eiszeiten überlebt. Heute droht diesem riesigen Ökosystem durch menschliche Einflüsse und durch den weltweiten Klimawandel ein großflächiges Absterben – mit weit reichenden Folgen für seine Funktion als globale CO2-Senke. Eine jetzt in Nature Geoscience veröffentlichte Studie zeigt, dass die Teile des Amazonaswaldes, in denen die Regenmengen stärker schwanken, widerstandsfähiger gegen heutige und zukünftige Klimastörungen sind. Trotz dieses „Trainingseffekts“ wird der Regenwald wohl jedoch mit dem Tempo des fortschreitenden Klimawandels nicht Schritt halten können, erklären die Forscher.

„Angesichts der enormen Bedeutung des Amazonas-Regenwaldes für unser Klima und die Artenvielfalt ist es erstaunlich, wie wenig wir immer noch über seine Fähigkeit wissen, sich im Laufe der Zeit an veränderte Umweltbedingungen anzupassen“, sagt Leitautorin Catrin Ciemer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Mit der fortschreitenden globalen Erwärmung wird es im Amazonasbecken wahrscheinlich vermehrt Dürren geben, die die Baumsterblichkeit und das Brandrisiko erhöhen könnten. „Wir haben einen Mechanismus entdeckt, der die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems mitbestimmt. Dabei haben wir herausgefunden, dass Regionen des Amazonas-Regenwaldes, die stärker wechselnden Regenmengen ausgesetzt waren, offenbar mehr Widerstandskraft haben gegen Klimastörungen“, so Ciemer.

Mathematische Methoden der Analyse nicht-linearer Systeme kombiniert mit Beobachtungsdaten

Der Amazonas-Regenwald bedeckt etwa zwei Drittel Südamerikas und ist der größte zusammenhängende Regenwald der Erde – mit einer beispiellosen Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Riesige Mengen an Kohlenstoff werden in der Biomasse des Waldes gespeichert, was den Amazonas-Regenwald zur wichtigsten terrestrischen CO2-Senke macht. Basierend auf Daten zu Niederschlag und Baumbedeckung im brasilianischen Amazonasbecken konstruierten die Forscher nun so genannte potenzielle Landschaften, um die Regenfallmuster zu ermitteln, in denen das Ökosystem stabil bleibt; und um kritische Schwellenwerte zu identifizieren, jenseits derer die Vegetation von Wald zu Savanne wechseln könnte.

„Wir konnten dieses bislang unbekannte dynamische Stabilitätsverhalten quantifizieren, indem wir moderne Techniken der Analyse nicht-linearer Systeme kombiniert haben mit modernsten Beobachtungsdaten“, erklärt Jürgen Kurths, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Komplexitätsforschung und Ko-Autor der Studie. „Wir entwickeln und nutzen innovative mathematische Methoden, um reale Probleme zu untersuchen, die enorme Auswirkungen auf Menschen auf dem ganzen Planeten haben. Denn klar ist: der Amazonas-Regenwald ist von großer Bedeutung für globale CO2- und Wasserkreisläufe und steht in Wechselwirkung mit einer Reihe anderer kritischer Elemente des Erdsystems,“ ergänzt Marina Hirota von der Federal University of Santa Catarina in Brasilien, auch sie ist Ko-Autorin der Untersuchung.

„Unser Ansatz erlaubt es uns zu erkennen, welche Regionen anfälliger für zukünftige Veränderungen des Niederschlags sein könnten“, sagt Ricarda Winkelmann, Leiterin des PIK FutureLab ‚Earth Resilience in the Anthropocene‘ und Ko-Autorin der Studie. Weniger ‚trainierte‘ Regionen, die nicht an häufige Änderungen der Niederschläge gewöhnt sind, werden dabei besonders betroffen sein. „Unsere Analyse zeigt, dass in einem Business-as-usual-Szenario des Ausstoßes von Treibhausgasen eine große zusammenhängende Region im südlichen Amazonasgebiet Gefahr laufen könnte, vom Wald zur Savanne zu werden.“ Aber wie viel Veränderung kann die Amazonasregion verkraften? Es stellt sich heraus, dass der Amazonaswald zwar ein sehr altes Ökosystem ist, das sich über lange Zeiträume anpassen konnte – dass es aber fraglich ist, ob er dem Tempo des fortschreitenden Klimawandels gewachsen ist.

Forstpolitik Brasiliens: „Es gibt keine Möglichkeit, sich an Motorsägen anzupassen“

Natürlich ist der Klimawandel nicht der einzige große Stressfaktor für den Amazonas-Regenwald. „Der Mensch mischt sich noch viel direkter ein“, sagt Niklas Boers, Koautor der Studie. Großflächige Rodungen, vor allem zur Umwandlung der Naturlandschaft in Weideland für Rinder zur Fleischerzeugung, stellt bereits heute eine ernsthafte Bedrohung für den Regenwald dar. Auch wenn einige Regionen im Amazonasgebiet aufgrund des Trainingseffekts besser auf den Klimawandel vorbereitet sind als andere, könnte die aktuelle Forstpolitik Brasiliens und anderer Länder die Frage der Widerstandsfähigkeit des Regenwaldes bedeutungslos machen, so Boers. „Mit oder ohne Widerstandsfähigkeit gegen Klimastörungen: Es gibt keine Möglichkeit, sich an Motorsägen anzupassen.“

Artikel: Catrin Ciemer, Niklas Boers, Marina Hirota, Jürgen Kurths, Finn Müller-Hansen, Rafael S. Oliveira, Ricarda Winkelmann (2019. Higher resilience to climatic disturbances in tropical vegetation exposed to more variable rainfall. Nature Geoscience [DOI: 10.1038/s41561-019-0312-z]

Weblink zum Artikel: https://www.nature.com/articles/s41561-019-0312-z