FDP plant eine Energiehochburg Deutschland

Die Welt (Bezahlartikel) legt die Pläne der FDP dar:

“Gas- und Öl-Förderung in der Nordsee, schwimmende Windräder, Energie-Inseln: Norddeutsche FDP-Politiker legen einen Plan vor, um die Republik in die Energie-Unabhängigkeit von Moskau zu führen. Auch eine neue Autobahn ist vorgesehen. Der Tourismus soll im Zweifel zurückstecken.”

Wie schnell solche Pläne gelingen können, wird sich zeigen. Die FAZ bzw. ihr Interviewpartner jedenfalls glauben nicht an schnelle Lösungen. In einem Interview mit Holger Hanselka, KIT-Präsident und Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft für den Forschungsbereich Energie, kommt dieser zu interessanten Schlüssen.

“Eines muss uns klar sein: Eine Reduzierung der Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland auf Null bis Spätsommer ist eine Illusion. Wichtige Schritte zu einer vollständigen Substitution in sehr wenigen Jahren sind eine konsequente Diversifizierung unserer Energieimportländer, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Außerdem brauchen wir eine offene Kommunikation der Politik mit der Gesellschaft über die ökonomischen wie auch die ökologischen Konsequenzen. In meiner Rolle als Vizepräsident für den Forschungsbereich Energie der Helmholtz-Gemeinschaft spreche ich mich entschieden für eine enge Zusammenbindung der Kompetenzen in Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Umsetzung der Energiewende aus. Die Politik kann und muss uns den Rahmen setzen und kann damit bei der Umsetzung der Energiewende auf die volle Unterstützung aus der Wissenschaft aufbauen.”

Hanselka äußert sich auch zur grundsätzlichen Energie-Autarkie:

“Laut Osterpaket des Bundesministers für Wirtschaft und Klimaschutz sollen bis 2030 mindestens 80 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien bezogen werden. Elektrischer Strom deckt allerdings nur etwa 20 Prozent des deutschen Energiebedarfs ab, der Rest wird durch Brenn- und Kraftstoffe bestritten. Deutschland wird also immer Energieimportland bleiben, weil Deutschland nicht ausreichend Flächen für Wind- und Photovoltaik-Anlagen ausweisen kann und weil die klimatischen Verhältnisse, also jährliche Sonnen- und Windstunden, keine sehr hohe Ausbeute an Erneuerbaren Energien zulassen. So werden wir beispielsweise über erneuerbare Quellen hergestellten Wasserstoff aus Ländern mit großen Freiflächen und günstigen Erzeugungsbedingungen importieren müssen, also beispielsweise aus Australien oder dem nördlichen Afrika.”

Thematisch dazu passt ein Artikel in der Wirtschaftswoche über das geplante LNG-Terminal in Stade.

“110 solcher Schiffe sollen dann hier jedes Jahr anlanden können, die „Nominalkapazität“ soll bei 13,3 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr liegen, sagt Schubert, zwölf Milliarden Kubikmeter werden überall offiziell genannt. Zur Einordnung: Derzeit werden in Deutschland um die 90 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr verbraucht. Zu der Anlage sollen dann auch zwei Tanks gehören, jeder mit einem Fassungsvermögen von 240.000 Kubikmetern. Der nächste Zugang zum Gas-Hochdruckverbundnetz ist etwa 10 Kilometer Luftlinie entfernt. Dorthin muss noch eine Pipeline gebaut werden, damit das „regasifizierte Flüssiggas“ zu den Kunden transportiert werden kann. Läuft alles gut, wird das Projekt binnen eines Jahres genehmigt. Der Bau der Hafenanlage dauert in etwa zwei Jahre, der Bau des Terminals zwei bis zu drei Jahre.”

Derweil trommelt die Deutsche Umwelthilfe gegen die Terminals. Jetzt müsste nur noch jemand der DUH sagen, dass diese Anlagen in Zukunft auch Wasserstoff verarbeiten sollen und vielleicht, dass Deutschland sich gerade abkoppelt von russischen Gaslieferungen. Möglicherweise hat sich die neue Situation mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine noch nicht bis zur DUH herumgesprochen?

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Wenn es nach bestimmten Lobbystimmen gehen würde, dann wäre dieses Forschungsergebnis vermutlich ein Fake. Wir haben ja gerade erst wieder einmal gelernt, dass ausschließlich Katzen, Autos und Fensterscheiben für den Vogeltod verantwortlich sind. Beim Rotmilan ist es zusätzlich noch Gift, aber keinesfalls Windkraftanlagen. Die University of East Anglia hat Karten mit Kollisions-Hotspots von Vögeln erstellt. ScineXX stellt die Studie vor, die im Journal of Applied Ecology erschienen ist.

“Achtung Gefahr: Forscher haben erstmals ermittelt, wo in Europa Vögeln die höchste Gefahr durch Windanlagen und Stromleitungen droht. Demnach liegen gut 50 Prozent der Kollisions-Hotspots in nur fünf Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien. Ursache dafür ist die Lage an Hauptrouten des Vogelzugs, kombiniert mit einer hohen Dichte an Stromtrassen und Windrädern. Das Wissen um diese Gefahrenzonen könnte helfen, gezielte Schutzmaßnahmen einzuführen und neue Energieinfrastruktur möglichst außerhalb dieser Hotspots zu planen.”

„Die hohe Kollisionsgefahr in Mitteleuropa lässt sich primär auf die hohe Dichte von Windturbinen zurückführen“, erklärt das Team. „Allein Deutschland umfasst 55,2 Prozent aller Gitternetzzellen mit hohem Risiko furch Windturbinen.“ Bei Ländern wie Spanien und der Türkei geht ein Großteil des Risikos darauf zurück, dass die Vogelzugrouten dort Engstellen aufweisen, in denen sich viele Vögel auf engsten Raum konzentrieren.

Ganzen Artikel auf ScineXX lesen.

Die Welt berichtet über die gleiche Studie:

“Die Forscher bemängeln, dass Risikoeinschätzungen zu Windkraftanlagen oft erst nach der Wahl des jeweiligen Standorts erfolgen, da für die Betreiber rein wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stünden. „Wir wissen aus früheren Studien, dass es viel mehr geeignete Orte für Windturbinen gibt, als wir brauchen, um unsere Energieziele bis 2050 zu erreichen“, sagt Erstautor Gauld. „Wenn wir die Risikoeinschätzung für die Artenvielfalt, zu der auch die Vogelschlag-Gefahr gehört, schon früh im Planungsprozess verbessern können, begrenzen wir den Einfluss dieser Entwicklungen auf die Tierwelt und erreichen dennoch unsere Klimaziele.“”

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Deutsche wollen nicht frieren für die Freiheit. Zu diesem Schluss kann man kommen, wenn man einer Umfrage folgt, die die FAZ (Bezahlartikel) veröffentlicht. Eine Mehrheit wäre demnach gegen ein Energie-Embargo.

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Finnland hat kürzlich sein Kernkraftwerk Olkiluoto 3 in Betrieb genommen und fährt es jetzt Stück für Stück hoch. Die Anlage hat direkte Auswirkungen auf den Strompreis in dem Land, wie Montelnews berichtet. Gleichzeitig nahm die Produktion durch Windkraft zu und die Stromimporte aus Schweden nahmen ab.

“Spot prices in Finland have averaged EUR 70.58/ MWh since Olkiluoto 3 started test production on 10 March, significantly below the joint Nordic system price of EUR 132.95/MWh. In contrast, Finnish spot prices had averaged only EUR 3.90/MWh below the system price in the period 1 January to 10 March. Over the five-year period from 2017 to 2021 prices settled EUR 7.77/MWh higher due to a domestic supply deficit. The country’s power supply is improving. In addition to Olkiluoto 3 (1.6 GW), Finnish wind power capacity also set to rise by 1.5 GW this year, according to figures from the country’s Wind Power Association. At the same time, Finland has been unable to fully export electricity on its 1.2 GW link to Sweden’s largest SE3 bidding zone, due to internal bottlenecks in the Swedish grid. TSO Svenska Kraftnat has also warned restriction could last until the end of this decade.”

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Irgendwo wird der Wind schon wehen. Diese Hoffnung jedenfalls liest man immer wieder. Auf Windeurope.org kann man sich ansehen, wie es um die Erzeugung von Windstrom in bestimmten Ländern in Europa bestellt ist. In diesem Fall, wie es am 12.04.2022 war.

(Abbildung: Screenshot Windeurope.org)

Deutschland hatten seinen Peak an dem Tag um 19:00 mit ca. 24 GW Leistung.

(Abbildung: Screenshot Windeurope.org)

Die Windaussichten für die nächsten Tage sind allerdings bescheiden, folglich wird es der Stromertrag in Deutschland auch sein. Laut Windy.com können lediglich Dänemark sowie Teile von Schweden und Norwegen mit Wind bis zum 18.04.2022 rechnen. Der Rest von Europa ist in verschiedenen Blautönen dargestellt, was wenig Wind bedeutet. Die Leistung von Windkraftanlagen wächst mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Sie fällt allerdings auch so. Windstrom-Erfolgsmeldungen dürfte es daher über Ostern dieses Jahr nicht geben.

(Abbildung: Screenshot Windy.com)

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Am Donnerstag, den 12. Mai 2022, 13 Uhr, veranstaltet die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) den virtuellen Industrieworkshop zum Thema: „Sicherung der Rohstoffversorgung: Benchmarking von Beschaffungsmaßnahmen der Unternehmen und Handlungsempfehlungen.“

Weitere Infos hier.

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Leserpost von Reinhard Storz:

Wie sie in „Kalte Sonne“ berichteten wurde in Frankreich die kälteste Aprilnacht seit 1947 gemessen. Ähnliche Berichte gibt es aus Spanien. Von dort berichtete der Nachrichtensender 24h, vor etwa einer Woche, in den Pyrenäen sei mit 17 Grad unter Null Anfang April eine so niedrige Temperatur gemessen worden wie sie im gesamten vergangenen Winter in Spanien nicht vorgekommen sei.

Im Wetterbericht, beim selben Sender, wurde eine Landkarte gezeigt, mit allen den spanischen Provinzen, in der der dortige jeweilige Kälterekord für Anfang April aus der Vergangenheit angegeben wurde, beispielsweise aus den 1920er oder 1930er Jahren, dessen Temperatur jetzt beispielsweise um 1,5 oder bis zu 2 °C unterboten wurde. Es hat mich erstaunt wie viele Minusrekorde aus der Vergangenheit da gebrochen wurden.

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Wasserstoff und Agrarflächen

Sehr geehrte Damen und Herren,

einige Anmerkungen zum Blog vom 13.04.2022. Darin wird über Pläne berichtet, in Norddeutschland einen Speicher und eine Elektrolyseanlage für grünen Wasserstoff zu erstellen. Dabei frage ich mich, woher der Strom kommen soll, um die Elektrolyse zu betreiben. Die Herstellung von Wasserstoff ist sehr Energieaufwendig und es entstehen hohe Wirkungsgradverluste. Die Stromerzeugung durch Wind und Photovoltaik wird sicherlich nicht ausreichen. Aus Erfahrung gibt es wenige Zeiten, in welchen der Wind Überschussstrom erzeugt. Ich denke nicht, dass sich mit diesem geringen Überschussstrom, eine Anlage zur Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse wirtschaftlich betreiben lässt.

In einem weiteren Artikel wird über Agrarflächen berichtet, welche zum Anbau von Energiepflanzen genutzt werden, um Biokraftstoffe zu erzeugen und diese den fossilen Kraftstoffen beizumischen. Ich halte es, wie eine Reihe von Umweltschützern, ebenfalls für unsinnig, solche Agrarflächen für den Anbau solcher Energiepflanzen zu verschwenden. Neben den Problemen zukünftiger Energielieferungen aus Russland, bestehen auch Engpässe bei z. B. Getreidelieferungen. Deshalb sollten Agrarflächen weitgehend für die Erzeugung von Nahrungsmitteln genutzt werden. Das steht ebenfalls in Konkurrenz mit dem Ausbau von Photovoltaikparks und Windenergieanlagen. Mit diesen Anlagen lässt sich auch keine durchgängig sichere Stromerzeugung gewährleisten. Diese erheblichen Flächen, welche durch den Ausbau der erneuerbaren Energien verloren gehen, sollten lieber für die Agrarwirtschaft genutzt werden.

Als Energieträger kämen in Deutschland der weitere Abbau von Braunkohle und die Nutzung von Erdgasvorkommen in Norddeutschland in Frage. Damit wäre eine gewisse Energieunabhängigkeit gegenüber ausländischen Zulieferern zu erreichen.

Es ist sicherlich richtig, nach neuen Energiequellen zu suchen, denn die fossilen Brennstoffe werden nicht unendlich reichen. Doch bis solche Energiequellen verfügbar sind, sollten keine unsinnigen und unsicheren Zwischenlösungen wie Windenergie genutzt werden.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn

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For our international readers: The english version of a video on hydropower in Portugal and how it replaced coal is now online: