Ein Brot für 8 Euro

Mal wieder Hart Aber Fair und erneut das Thema Energie, ganz genau lautete der Titel der Sendung vom 12.09.2022:

“Zu teures Gas, zu wenig Strom: Muss die Atomkraft doch länger laufen?”

(Abbildung: Screenshot ARD-Mediathek)

In die Sendung von Frank Plasberg war der Grüne Wirtschaftsminister Al-Wazir aus Hessen eingeladen und der glänzte leider nicht mit Fachwissen – im Gegenteil. Er reiht sich ein in die Liste der Grünen Politiker, die den Betreibern von Kernenergieanlagen deren Geschäft erklären wollen. Man müsse keinen Grünen erklären, wie ein Kernkraftwerk funktioniere, darin findet Kernfusion <sic> statt, so der Minister.

Fairerweise berichtigte sich Al Wazir gleich danach, aber da war die Fehlleistung mit der Kernfusion schon über den Sender gegangen. Und weil der Mann so viel von Kernenergie versteht, schob er gleich noch ein, dass der Brief von PreussenElektra, dem Betreiber des Kernkraftwerks Isar 2, an Bundeswirtschaftsminister Habeck eine Unverschämtheit sei. Das Unternehmen hatte in einem Brief vor dem von Habeck geplanten Reservebetrieb gewarnt. Die Tagesschau berichtete.

Die Kraftwerke haben gefälligst so zu funktionieren, wie die Grünen es sich vorstellen. Eine interessante Mischung aus Unkenntnis und Arroganz, die an diesem Abend rüberkam von dem Grünen Minister aus Hessen. Zu Gast war auch die Unternehmerin Künne, die in Hannover eine Kette mit Bäckereien betreibt. Ihre Energiekosten verzehnfachen sich gerade und sie müsste für ein Brot dann eigentlich 8 Euro nehmen, was aber unmöglich ist. Sie sieht sich als Grundversorger und nicht als Luxus-Geschäft.

Für sie hatte die Runde keine wirkliche Lösung, außer vielleicht noch die CDU-Politikerin Connemann, die eine Art Preisgrenze für einen Grundbedarf ins Spiel brachte. Das aber hilft einer Bäckerei nicht wirklich, denn es betrifft in erster Linie Privathaushalte. Al-Wazir brachte dann noch Liquiditätshilfen ein und Zuschussprogramme. Solche Programme haben den Charme, dass sie lange Bearbeitungszeiten haben und natürlich nicht unendlich sind. Bei Künne wäre der Bedarf 1 Million Euro im Jahr. Welches Programm bietet das? Das musste dann auch Al-Wazir eingestehen. Er setzt auf Regulierung durch die EU. Ob die den Strommangel und die hohen Preise beheben kann? Was bleibt nach solchen Sendungen als Fazit?

Ein Minister aus Hessen, der nicht nur alles weiß, sondern auch alles besser weiß. Der dann allerdings Kernfusion mit Kernspaltung verwechselt und auch sonst eher unangenehm auffiel, weil er den anderen Gästen gern hippelig ins Wort fiel. Natürlich gab er den schwarzen Peter weiter an die CDU-Politikerin Connemann. Die Vorgängerregierung sei schuld an allem. Leider wird der Faktencheck der Sendung sich vermutlich nicht ansehen, wie die Stromproduktion in Deutschland aktuell aussieht. Die bestand am 13.09.2022 um 08:00 zu 18,8% aus Windkraft und zu 6,4% aus Solarenergie. Die Differenz machten in erster Linie Kohle (33,5%) und Erdgas (14,4%) wett. Mehr vom Gleichen, das ist ja die Formel von Al-Wazir, hätte hier nicht wirklich etwas gebracht. Immerhin im Faktencheck findet sich eine Aussage zu den Äußerungen von Minister Al-Wazir. Er lag falsch.

“Die Diskussion drehte sich um das so genannte Energiekostendämpfungsprogramm (EKDP) mit einem Umfang von fünf Milliarden Euro, das die Bundesregierung für energieintensive Betriebe auf den Weg gebracht hat. Seit Mitte Juli können Unternehmen diese Hilfen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragen. Mit diesem Programm bezuschusst die Bundesregierung einen Anteil der Mehrkosten energieintensiver Betriebe für Strom und Gas. Die Zuschüsse staffeln sich von 30 Prozent der Mehrkosten oder maximal 2 Millionen Euro bis hin zu 70 Prozent der Mehrkosten oder maximal 50 Millionen Euro. Die Hilfe ist jedoch an zahlreiche Bedingungen geknüpft. So müssen unter anderem die Kosten für Strom und Gas mehr als doppelt so hoch ausgefallen sein wie im Durchschnitt des Jahres 2021 – allerdings werden nur die Kostensteigerungen zwischen Februar und September 2022 berücksichtigt. Die noch erwarteten Preissprünge im Winter – vor allem bei Gas – werden nicht berücksichtigt.

Der Bäcker von nebenan profitiert noch nicht

Grundlage für diesen Zuschuss ist eine Liste der EU-Kommission. Den Bäcker von nebenan sucht man auf dieser Liste aber bisher vergeblich, was auch unser Gast Catarina Künne kritisiert. Das Energiekostendämpfungsprogramm umfasst überwiegend Unternehmen mit industrieller Fertigung. Allerdings hat Wirtschaftsminister Habeck in der vergangenen Woche vor dem Deutschen Bundestag angekündigt, das Energiekostendämpfungsprogramm auch für kleine und mittelständische Unternehmen zu öffnen. An den Erweiterungen dieses Schutzschirms werde mit Hochdruck gearbeitet, so Habeck im “Focus“.”

Leidtun konnte einem daher Frau Künne, der Moderator Frank Plasberg versuchte sie mehrfach zu trösten, als er immer wieder betonte, dass die diskutieren Lösungen nicht für sie geeignet sind.

Immerhin hatte Franz-Josef Tenhagen von Finanztip für Zuschauer den Rat, bei Preiserhöhungen den Tarif des Grundversorgers zu prüfen, weil der oft deutlich günstiger ist als die Tarife von “Händlern”, die sich Energie sonst kurzfristig besorgt haben. Dieses Geschäfts-Modell kollabiert gerade.

Ein Lichtblick war auch der Ökonom Stefan Kooths, der darauf hinwies, dass gerade ein enormer Kaufkraftverlust durch die Energiepreissteigerungen stattfindet. Er macht einen interessanten Punkt als er bemerkte, dass das Stromproblem nicht im April 2023 gelöst ist. Er plädierte dafür, das Angebot zu vergrößern, dazu gehört auch, die Kernkraft noch einige Jahre weiterlaufen zulassen. Da hagelte es natürlich Kritik durch Al-Wazir. Die Anlagen in Frankreich sein marode und die Quelle aller Probleme. Es wäre fast so, als wenn Frankreich seine TGV-Flotte stilllegen würde, weil es in Deutschland Probleme mit dem ICE gibt. Die Begründung wäre ähnlich.

Das Thema der Sendung, nämlich Kernkraft kam im Grunde erst in den letzten 15 Minuten der Sendung zur Sprache. Das ist sicherlich bedauerlich, zeigt aber auch, dass es gerade sehr viele Facetten von Problemen gibt, die aber alle einen Ursprung haben. Die Sendung ist noch bis zum 12.09.2023 in der ARD-Mediathek zu sehen.

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EU verbietet alle Produkte aus Zwangsarbeit. Laut Handelsblatt sollen alle Produkte aus Zwangsarbeit aus dem Binnenmarkt entfernt werden.

“Dass es Zwangsarbeit weiterhin gibt, illustriert die Notwendigkeit für zusätzliche, gegen Produkte gerichtete Maßnahmen“, heißt es in dem Kommissionsentwurf, der dem Handelsblatt vorliegt. Es handelt sich dabei nicht um eine EU-Richtlinie, sondern um eine Verordnung. Diese muss von den Mitgliedstaaten nicht erst in nationales Recht umgesetzt werden, sondern gilt unmittelbar.””

Nach Informationen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gibt es Hinweise auf Zwangsarbeit in Sachen Solarprodukte aus China.

“Forschende des Helena Kennedy Center for International Justice der Sheffield Hallam University haben am vergangenen Freitag gemeinsam mit der Koalition zur Beendigung der Zwangsarbeit in der uigurischen Region einen entsprechenden Bericht veröffentlicht. Darin weisen sie nach, dass fast in der gesamten globalen Solarindustrie Polysilicium verwendet wird, das durch Zwangsarbeit in Xinjiang / Ostturkestan produziert wurde. Dem Bericht zufolge seien vier Polysilicium-Hersteller entweder durch direkte Teilnahme an Zwangsarbeitsprogrammen oder durch ihre Rohstoffbeschaffung an uigurischer Zwangsarbeit beteiligt. Die vier größten Solarmodulanbieter der Welt, JinkoSolar, JASolar, TrinaSolar und LONGi, beziehen alle Rohstoffe von mindestens einem dieser Polysilicium-Zulieferer.

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Einschätzung der Situation in Xinjiang / Ostturkestan darauf hingewiesen, dass deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in der Region ihre gesamte Lieferkette überprüfen müssten, um Zwangsarbeit auszuschließen. Kooperationen mit chinesischen Zuliefererbetrieben, die Zwangsarbeit anwenden, müssten dem Gutachten zufolge Konsequenzen haben: Die auftraggebenden Unternehmen müssen den Vorwürfen nachgehen und Druck auf die Zuliefererbetriebe ausüben, meschenrechtsverletzende Praktiken zu beenden. Wenn beispielsweise Zwangsarbeit daraufhin immer noch nicht ausgeschlossen werden könne, müsse ein Ende der Geschäftsbeziehungen Zuliefererbetrieben in Betracht gezogen werden. In Extremfällen könnten Unternehmensmitarbeiter individuell strafrechtlich belangt werden.”

Wir dürfen gespannt sein, ob diese Fakten weggelächelt werden.

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Rechenzentren gelten als Stromfresser, immer mehr wandern Daten und Anwendungen ins Netz, um als Cloudlösung zu fungieren. Datacenter-Insider.de hat einen interessanten Artikel dazu.

“Hyperscale-Rechenzentren müssen den Nachhaltigkeitsverpflichtungen ihrer Eigentümer und der Unternehmen, die sie nutzen, gerecht werden. Amazon, Google, Microsoft, Facebook und Apple verbrauchen zusammen mehr als 45 Terawattstunden Strom pro Jahr.

Diese fünf großen Unternehmen, die informell als GAFAM bekannt sind, haben sich öffentlich dazu verpflichtet, ihre Emissionen zu reduzieren, und müssen diese Ziele erreichen, um Image-Schäden und Probleme mit dem Gesetzgeber zu vermeiden. Gleichzeitig sind sie nicht bereit, bei ihrem Streben nach Netto-Null Kompromisse bei Kosten, Leistung, Sicherheit oder Zuverlässigkeit einzugehen.”

Offenbar rechnet man bei den Betreibern auch mit Ausfällen von Strom. Dieselaggregate sollen helfen. Deren Technik wird offenbar weiterentwickelt.

“Die Dieseltechnologie entwickelt sich ständig weiter. Hersteller von Stromaggregaten wie Kohler haben massiv in die Reduzierung von Emissionen investiert und erhebliche Verbesserungen vorgenommen. Sie arbeiten auch an der Digitalisierung und nutzen das Internet der Dinge (IoT) und die Fernüberwachung für eine verbesserte Diagnose.

Kohler hat eine Reihe technischer Kniffe eingeführt, um Dieselaggregate umweltverträglicher betreiben zu können.

Zylinderinterne Technologien reduzieren die vom Dieselmotor ausgestoßenen Schadstoffe. So kann beispielsweise die Umstellung von mechanischen Kraftstoffsystemen auf elektronische Kraftstoffeinspritzung die Entstehung von Schadstoffen erheblich reduzieren. Dank computergestützter Konstruktionswerkzeuge und computergestützter Flüssigkeitsdynamik konnte auch die Modellierung des Motorverhaltens verbessert werden. Diese und andere Entwicklungen im Zylinder, wie die Abgasrückführung, haben eine Optimierung des Systems ermöglicht, um den Kraftstoffverbrauch zu verbessern und die Emissionen zu senken.”