Die Woche der Schnappatmung

Die Woche der Schnappatmung. Grund dafür die EU, denn Gas und Atom erhalten Ökolabel, so berichtet die Tagesschau.

“Das Europäische Parlament hat den Weg freigemacht, Investitionen in Erdgas und Atomkraft unter bestimmten Bedingungen als nachhaltig einzustufen. Es wies den Einspruch gegen die Verordnung der EU-Kommission zur sogenannten Taxonomie zurück.

Mindestens 353 der 705 Abgeordneten hätten dagegen stimmen müssen, um das grüne Siegel für Atomkraft und Gas zu stoppen. Es stimmten 328 dagegen, 278 Abgeordnete dafür und 33 enthielten sich der Abstimmung.

Damit dürften die sogenannten Taxonomie-Regeln für den Finanzmarkt ab 2023 greifen. Die Taxonomie ist ein Klassifikationssystem, das private Investitionen in nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten lenken und so den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen soll.”

Jetzt folgen Tage des Jammerns und vor allen Dingen Tage der Wut. Es versteht sich von selbst, dass die Gegner des Kommissionsvorschlags, über den hier abgestimmt wurde, den Rechtsweg beschreiten wollen. Denn parlamentarische Entscheidungen darf man nicht akzeptieren, man muss klagen, denn das kann nur eine Verschwörung sein, wenn man keine geforderte Mehrheit bekommt. Eine andere Möglichkeit kommt nicht in Betracht.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Schnappatmung werden auch Teile der Spiegel-Redaktion bekommen, wenn sie den Gastbeitrag von Anna Veronika Wendland im eigenen Blatt lesen. Zunächst muss da jemand in der Redaktion eine gewisse Portion Mut gehabt haben, um so einen Meinungsartikel überhaupt zuzulassen.

“Mit Sorgenfalten auf der Stirn erklärt Habeck uns, wie sehr ihm seine Entscheidung für Kohle und Katar-Gas zu schaffen macht. In Wahrheit ist seine Verneigung vor der Fossilokratie grüne Parteitradition. Bereits vor 40 Jahren verklärte man die »heimische Kohle« zur Brückentechnologie, obwohl sie nachweislich für viele Tausende vorzeitige Todesfälle im Jahr verantwortlich war. Die Opferbilanz der deutschen Kernkraftwerke lag hingegen Jahr für Jahr bei null. Sollte Habeck sich ausrechnen, 2025 als grüner Kanzlerkandidat anzutreten, weiß er: Nicht die Kohle, der Klimakiller Nummer eins unter den deutschen Verstromungsoptionen, würde ihm dabei schaden. Es ist die Kernenergie, die seiner Partei die größte Angst macht.”

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Russland lässt die Muskeln spielen. Kaum hatte Kasachstan sich als Lieferant für Öl und Gas angeboten, wird eine für das Land wichtige Pipeline durch Russland gesperrt. Kasachstan braucht als Binnenland den Transit durch Russland. Bizarr ist die Begründung für den Stopp der Pipeline: Mögliche Umweltschäden. Die Tagesschau berichtete.

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Unternehmen baut Speicher für CO2-freie Energieversorgung. Das Berliner Unternehmen Lumenion stellt einen Hochtemperaturspeicher aus Stahl vor. Er soll als Speicher dienen und insbesondere mit sonst abgeregeltem grünem Strom betrieben werden. Der RBB hat einen zwei Minuten Bericht über die Anlage.

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Energiewende und Energieende unterscheiden sich nur durch einen Buchstaben. Die NZZ benutzt das Wortspiel für einen Bericht über die Schweizer Energiewende.

“Die Schweizer Bevölkerung und die Schweizer Wirtschaft bezahlen dann den Preis dafür, dass die Politik das Thema Gasversorgung in den letzten zehn Jahren auf die lange Bank geschoben hat. Bundesrat und Parlament haben schlicht ihre Hausaufgaben nicht gemacht: Bereits die frühere Energieministerin Doris Leuthard hatte beim Gas ein übergeordnetes Gesetz versprochen, das zentrale Fragen der Marktordnung und der Versorgungssicherheit klären sollte. Doch den Worten folgten keine Taten.

Auch beim Strom ist die angespannte Lage zu einem grossen Teil hausgemacht. Spätestens jetzt zeigt sich, dass die 2017 vom Volk angenommene Energiestrategie 2050 ein Schönwetterprogramm war, das auf unrealistischen Grundannahmen fusste. Statt frühzeitig in die Stromproduktion zu investieren, verliess sich die Politik auf Importe aus den Nachbarländern. Das rächt sich nun. Weil in Frankreich derzeit fast die Hälfte der Atommeiler aufgrund von Korrosionsschäden im Kühlsystem abgeschaltet ist und in Deutschland zu wenig Gas zur Stromproduktion zur Verfügung steht, drohen hierzulande im Winter die Lichter auszugehen.”

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Spiked nimmt sich der Grünen Agenda und der deutschen Energiewende an. Immerhin ist Energiewende eines der wenigen Worte, die so einzigartig sind, dass sie im englischen Sprachraum deutsch weiterexistieren. Es hat also gute Chance so wie “Kindergarten” auch in den englischen Sprachraum einzugehen.

“The Energiewende is also unravelling. Many Germans are starting to recognise that it is ultimately what has led to Germany’s dependence on Russian gas. The end of nuclear power, alongside the switch to expensive and intermittent renewables (which depend on the sun shining and the wind blowing), created a gap that was then filled by Russian gas. As a result, even before Russia’s invasion of Ukraine, Germany had some of the highest electricity prices in Europe – and now its energy supplies are under even greater threat.

The green ideology that brought us here has long dominated German politics, even though the Green Party has never been especially popular. In the last federal election, though the media were excited about the prospect of a Green chancellor, the party won just 14.8 per cent of the vote.”

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Wieder einmal bewahrheitet sich: Ohne Menschen keine Waldbrände. RBB mit einem kurzen Artikel über einen Waldbrand, der durch Menschen ausgelöst wurde. Trockenheit und Menschen, diese Kombination braucht es, auch wenn es in den Medien immer wieder anders dargestellt wird.