Kontroverse um die grüner werdende Erde

Fritz Vahrenholt hat an alle Bundestagsabgeordneten geschrieben. Anlass waren neueste Untersuchungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, die wir im kürzlichen Sonnenblog veröffentlicht hatten. Danach ist der Dämpfungseffekt der Pflanzen, anders als in den Klimamodellen angenommen, um 60 % höher. Rund vier Milliarden Tonnen CO2 werden jährlich zusätzlich  im Verlaufe des Jahrhunderts aufgenommen. Das entspricht ungefähr der Gesamtemission an CO2 durch die EU pro Jahr.

Berechnet man die Temperaturentwicklung dieser günstigeren CO2 Entwicklung mit Hilfe empirisch ermittelter CO2-Sensitivitäten, so kommt man zum Ergebnis, dass eine Reduktion des CO2 auf Null nicht erforderlich ist, wenn man 1,5- 2 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts einhalten will. Schon im letzten Jahr hatte Prof. Marotzke in einem Spiegel-Interview darauf hingewiesen, dass das CO2-Budget doppelt so hoch sei, wie bislang angenommen:

„Unsere Modelle sind an einer entscheidender Stelle zu empfindlich…. Weil Wälder und Ozeane mehr davon ( gemeint ist CO2) schlucken als gedacht.“

Eine solch erfreuliche Botschaft liess aber Stefan Rahmstorf nicht ruhen.  Er bat Brovkin um ein Interview auf seiner Web-Seite. Und dort verniedlichte Brovkin der Erwartung entsprechend seine sensationellen Forschungsergebnisse – und die seiner Mitautoren. Die Korrektur von 4 Mrd Tonnen CO2 „ klingt viel, ist aber nur 1 % der pflanzlichen Primärproduktion“. Das ist aber die völlig ungeeignete Vergleichsgröße. Die entscheidende Bezugsgrösse sind die von der Natur zu verkraftenden CO2-Emissionen der Menschen, und das sind rd. 35 Milliarden Tonnen, davon 4 Milliarden aus Europa. Wir sprechen also von einem Modellfehler der 10 % der Gesamtemissionen entspricht.

Das Schreiben an die Bundestagsabgeordneten lautete:

Sehr geehrtes Mitglied des Bundestages,

bei der anstehenden parlamentarischen Behandlung über die möglichst schnell umzusetzenden CO2-Reduktionen in Deutschland wird der wissenschaftliche Sachstand aus meiner Sicht nicht hinreichend berücksichtigt, wie er sich heute, geraume Zeit nach den Veröffentlichungen des IPCC zum 1,5°C Ziel und im 5. Assessment Report von 2013 ergibt.

In der beiliegenden Zusammenfassung habe ich dargelegt, dass aufgrund der Arbeiten von A. Winkler, R. B. Myeni, G. Alexandrov und V. Brovkin vom Februar 2019 (Nature.com) die Aufnahmefähigkeit des CO2 durch Pflanzen und Ozeane massiv unterschätzt worden ist. Ich komme mit vielen anderen Wissenschaftlern zum Ergebnis, dass daher eine Zielzahl Netto-Null für die CO2-Emission global überhaupt nicht erforderlich ist. In der von mir durchgeführten Modellrechnung ist es ausreichend, wenn die globale Emission ab 2030 bei 45 Mrd t jährlich eingehalten und nicht überschritten wird. Das stellt uns nicht frei von Emissionsminderungen in den entwickelten Staaten, da die Entwicklungsländer verständlicherweise auf eine wirtschaftliche Entwicklung pochen, die ihnen ein Recht einräumt, etwa 5 t CO2 pro Kopf emittieren zu können. Dies bedeutet allerdings, dass mit dieser Zielzahl (heute EU 6,5 t, Deutschland 9 t) die Anstrengungen in Deutschland deutlich weniger radikal ausfallen müssen. Bei einer Halbierung der CO2-Emissionen ist es eher möglich, die Gefahren für den Wirtschaftsstandort, Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu beherrschen.

Zu Rückfragen stehe ich jederzeit gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Fritz Vahrenholt

Die Antwort von Prof. Vahrenholt an Prof. Brovkin auf sein Rahmstorf-Interview können Sie hier lesen (pdf).