Der Traum des Pharao als Rezept für die Lösung von Problemen bei der Energiewende

Von Reinhard Storz

Was passierte vor Jahrtausenden in Ägypten?
Wie die Bibel berichtet plagten den Pharao in Ägypten zwei sehr ähnliche Träume: Im ersten Traum steht er am Nil und sieben magere und sieben fette Kühe steigen aus dem Fluss. Dann fressen die sieben mageren Kühe die sieben fetten. Im zweiten Traum erscheinen sieben gute und sieben schlechte Ähren. Die sieben schlechten verschlingen die guten. Josef deutet den Traum so, dass man in Jahren mit Nahrungsüberschuss Vorsorge treffen soll für Jahre mit Nahrungsmangel. Der Pharao entscheidet das zu verwirklichen. So werden in 7 ertragreichen Jahren Nahrungsmittel gespeichert, die in den folgenden 7 Jahren der Dürre genutzt werden können. Während die Völker in den Nachbarländern hungern haben die Ägypter keinen Mangel dank der in Zeiten des Überschusses gespeicherten Vorräte.

Was können wir daraus lernen für die Lösung der Probleme der Energiewende in der heutigen Zeit?
In gleicher Weise wie die jährliche Ernte von Nahrungsmitteln in ihrer Menge Schwankungen unterliegt, schwankt auch die Ausbeute an elektrischem Strom, bei Solardächern  durch den Tag / Nacht Rhythmus und den unterschiedlichen Sonnenstand in den Jahreszeiten sowie bei  den Windenergieanlagen durch den dauernden natürlichen aber unregelmäßigen Wechsel zwischen Windstille und Sturm.

Auf der anderen Seite stehen wir Verbraucher. Wie schon im alten Ägypten brauchen wir Menschen nicht nur regelmäßig Nahrung sondern auch regelmäßig Energie für vielfältige Zwecke. In der Vergangenheit nutzten wir Brennstoffe wie Kohle, Mineralöl oder Erdgas, in denen die Natur Energie gespeichert hatte und die wir jederzeit durch Verbrennung nutzbar machen konnten. Für die elektrische Energie aus Solardächern und Windenergieanlagen gibt es derartige natürliche Speicher leider nicht. Deshalb ist es erforderlich solche Speicher künstlich zu schaffen, mit denen es möglich wird eine qualitativ gleichwertige Stromversorgung wie in der Vergangenheit zu ermöglichen.

Ohne eine kontinuierliche Stromversorgung würden beispielsweise Züge und Straßenbahnen nach Sonnenuntergang bei beginnender Windstille wegen Strommangel auf offener Strecke stehen bleiben, Informationen über Telefon, Funk und Fernsehen wären nur sporadisch möglich, ein durchgehender Betrieb von Wasserwerken und Kläranlagen wäre unmöglich, um nur einige Beispiele zu nennen.

Da in Deutschland der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen ist und auch von der Möglichkeit der CO2 – Abscheidung aus den Rauchgasen mit anschließender Verwendung als Rohstoff in der Chemie oder Speicherung im Untergrund, beispielsweise in erschöpften Erdgaslagern oder Ölfeldern kein Gebrauch gemacht werden soll, bleiben nur die Nutzung von Sonne und Wind zur Stromerzeugung um die durch zukünftigen Verzicht auf Kohle, Öl, Gas und Atom auftretenden Versorgungslücken beim Strom zu schließen. Denn Wasserkraft, Biogas etc. können keine nennenswerten zusätzlichen Strommengen liefern. So wird von Umweltverbänden und politischen Parteien gefordert die Zahl der Solardächer und Windenergieanlagen schnellstens zu vervielfachen. Aber ist das der richtige Weg?

Um das zu beurteilen gehen wir zurück ins alte Ägypten zum Pharao. Hätte der nach seinen Träumen angeordnet schnellstens zusätzliche Äcker anzulegen wäre damit die  nach 7 Jahren durch die Dürre bedingte Hungersnot nicht abzuwenden gewesen. Die Nahrung auf den zusätzlichen Äckern wäre ebenfalls verdorrt. Da waren die Speicher der richtige Weg.

Und so ist es auch bei der Solar- und Windenergie. Man hätte von Anfang an zu jedem Solardach und zu jeder Windenergieanlage einen entsprechenden Speicher benötigt um damit qualitativ gleichwertigen Strom liefern zu können, mit dem es möglich wäre auf die Verbrennung von Kohle, Öl, Gas sowie die Atomkraftwerke verzichten zu können.

Die Folgen dieser Fehlentscheidung erleben wir schon jetzt und sie werden sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Scheint die Sonne und der Wind weht stark kommt es zu Überschüssigem Strom, für dessen Weiterleitung zu den Verbrauchern die erforderlichen Leitungen nicht vorhanden sind oder der Strom von den Verbrauchern gar nicht benötigt wird. Dann reicht es nicht den Strom ins Ausland zu verschenken, es muss noch dafür bezahlt werden damit man den Strom abnimmt, bzw. Windräder werden abgeschaltet, den Betreibern wird aber der dadurch nicht produzierte Strom bezahlt. Die Kosten für dieses sinnlose Vorgehen zahlen wir als Stromverbraucher.

Was müsste also geschehen um diesem unsinnigen Vorgehen ein Ende zu bereiten?
Es müssten zunächst, wie beim Pharao für Lebensmittel,  ausreichende Speicher bereitgestellt werden, in denen bei überschüssiger Produktion der nicht benötigte Strom gespeichert werden kann, um in späteren Zeiten des Mangels wieder entnommen zu werden. Um nicht unnötig Geld für Stromleitungen auszugeben sollten diese Speicher in der Nähe der Stromerzeuger liegen. Auf diese Weise müssen die Kabel nicht für kurzzeitige Spitzenströme ausgelegt werden sondern für die viel niedrigere Dauerlasten.

Da es sinnlos ist Strom zu produzieren, der wegen fehlender Leitungen nicht zum Verbraucher gelangt, müssen in einem 2. Schritt die Stromnetze im erforderlichen Maß ausgebaut werden. Erst wenn diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind kann mit dem Ausbau der Solardächer und Windenergieanlagen sinnvoll fortgefahren werden. Diese grundlegenden Erkenntnisse sucht man in der gegenwärtigen öffentlichen Diskussion zur Zukunft der Stromversorgung leider vergeblich.