Der Spiegel kriegt die Erosion nicht in den Griff

Von Thomas Anderl erschien Ende Juli 2019 das Buch „Unser Klima – Abseits ausgetretener Pfade: Dem eigenen Verständnis auf der Spur„.

Aus der Buchbeschreibung:

Würden Sie gerne mehr verstehen zu: Klimawandel, Treibhausgase, CO2, Erderwärmung, Vorgänge in der Natur versus menschenverursachte Wirkungen, mit Blicken in die Vergangenheit sowie in die Zukunft? Wir haben uns auf die Suche begeben nach Erklärungsmodellen, abseits bestehender Pfade, und sind fündig geworden. Es ist gelungen, ein komplexes Thema mit einfachen Ansätzen umfassend zu beschreiben. Mit einfachen Schlussfolgerungen, untermauert von wissenschaftlichen Betrachtungen, ist für jeden etwas dabei: Die Anleitung zur eigenen Meinungsbildung anhand simpler Zusammenhänge ebenso wie Anregungen zum Verständnis wissenschaftlicher Details, dabei gleichzeitig die Einordnung der großen Vielfalt an Einzelaspekten zu einem Gesamtbild, die natürlichen und menschengemachten Vorgänge übergreifend.

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Ein schwedischer Professor hat vorgeschlagen, das Fleisch von verstorbenen Menschen zu essen, um das Klima zu schützen. Klimaschutz koste Überwindung, wobei auch Tabus wie Kannibalismus hinterfragt werden müssten.

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Ozeane erwärmen sich langsamer als das Land. Grund ist die starke Verdunstungskälte über den Ozeanen, da Wasser in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht. Anders an Land, wo es begrenzte Wassermengen gibt. Robert Rohde, immerhin Mitverantwortlicher von Berkeley Earth, weiß dies offenbar nicht und schiebt es auf die Wärmeträgheit des Wassers. Ein Klimaforscher macht einen Anfängerfehler!

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Axel Bojanowski hat den Spiegel verlassen, und schon geht es drunter und drüber. Spiegel am 11. September 2019:

Erosion an der Elfenbeinküste – Meer frisst Dorf

[…] Das Dorf Lahou-Kpanda versinkt. Seit 30 Jahren müssen Anwohner zusehen, wie die Siedlung 140 Kilometer südwestlich von Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, untergeht. Das Gefängnis, das Hospital und die Schule sind bereits verschwunden. Auch der Friedhof ist bedroht: Einige Bewohner exhumieren die Überreste ihrer Vorfahren, bevor die Gräber von den Wellen verschluckt werden. […] Bis zum Jahr 2100 könnte der weltweite Meeresspiegel um bis zu 2,38 Meter steigen, warnen Forscher. Die Schätzungen sind umstritten, allerdings zeigen Satellitendaten, dass sich der Meeresspiegel schon jetzt schneller anhebt als erwartet. 2018 ist er laut der Weltwetter-Organisation (WMO) um 3,7 Millimeter im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das ist der höchste Stand seit dem Beginn systematischer Satellitenmessungen. Insgesamt liegt er ungefähr acht Zentimeter über dem Wert von 1993.

Inwieweit der Klimawandel am Untergang von Lahou-Kpanda schuld ist, lässt sich nicht genau sagen. Aber das Dorf zeigt, was anderen Orten der Region noch bevorstehen könnte. Ein Drittel der Bevölkerung in Westafrika lebt an der Küste, an denen sich nicht nur der steigende Meeresspiegel bemerkbar macht, sondern vor allem zunehmende Erosionen. Experten warnen, viele Siedlungen lägen zu nahe an der Küste. Zudem würden viele Gebäude mit Sand von den Stränden gebaut, was die Erosion weiter beschleunige.

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Listig: Erst wird die Erosion dem Meeresspiegelanstieg angelastet, dann wir scheinheilig formuliert, dass man es nicht so genau wisse, aber anderswo wäre es klar. Hier fehlt der Geologe. Zum mitschreiben: Erosion ist fester Bestandteil von Sand- und Steilküsten. Es reicht ein kurzer Google Maps-Click und schon wird klar, dass das entsprechende Dorf der Elfenbeinküste an einer besonders gefährdeten Stelle liegt, nämlich auf einer vorgelagerten Barriereinsel, die von den küstenparallelen Strömungen ständig umgebaut wird. Da sollte man nun wirklich nicht siedeln. Eine Verknüpfung mit dem Klimawandel ist dumm und falsch. Lieber Spiegel: Holt Euch schnell einen neuen Geologen, ansonsten sauft Ihr inhaltlich ab.