Der genehmigte Windpark Gennaker gefährdet das Urlaubsparadies Fischland/Darß/Zingst

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern hatte am 03.06.2019 eine amtliche Bekanntmachung gemäß § 10 Abs. 8 Satz 2 und 3 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) i. V. m. § 21a der Verordnung über das Genehmigungsverfahren (9.BImSchV) für die Errichtung und Betrieb von 103 Offshore-Windenergieanlagen im Offshore-Windpark Gennaker veröffentlicht. Eine Abbildung dieses Windparks im Bereich Fischland/Darß/Zingst findet man in der Ostsee-Zeitung. In einer früheren Petition hatte der Unternehmerstammtisch Zingst  gegen den inzwischen genehmigten Windpark Gennaker mit der folgenden Begründung argumentiert, Zitat:

Geplanter Windpark gefährdet Ihr Urlaubsparadies

Vor der Halbinsel Fischland-Darß- Zingst soll ein neuer Windpark mit 103 Windrädern entstehen. Dieser grenzt unmittelbar an die Naturschutzgebiete und die berüchtigte Kadettrinne.

Die 103 geplanten Windräder sind mit 175 Metern über 50% höher als die 21 Windräder des bereits bestehenden Pilotprojektes „Baltic 1“. Der Windpark belegt am Nordstrand den gesamten Horizont. Einen Sonnenuntergang ohne blinkende Windräder wird es nicht mehr geben.Menschen kommen zu uns ans Meer um die Weite und unberührte Natur zu erleben! Echte Erholung am Meer braucht den natürlichen Horizont.

Die Kadettrinne gilt als einer der meistbefahrenen Seewege der Welt. 2014 gab es 54.592 Schiffsbewegungen, davon 8719 Öltanker. An der schmalsten Stelle verringert sich der schiffbare Bereich je nach Tiefgang der Schiffe auf 500 bis 1000 Meter; gleichzeitig wird hier ein Kurswechsel von etwa 90° erforderlich.Glaubt man der „Seeverkehrs-Prognose 2025“, so müssen 2025 durch dieses Nadelöhr rund 95.000 Schiffe. Das sind über 260 Schiffe/ Tag, darunter 42 Öltanker/ Tag.

Die Kadettrinne ist ein unfallträchtiges, enges Fahrwasser. Schon kleinste Navigationsfehler können hier zur Havarie führen. Zudem versuchen immer wieder Schiffsführer aus Zeit- und Kostengründen den Umweg um das Flachwasser abzukürzen. Dies beweisen die zahlreichen Havarien der letzten Jahre. Der Windpark erhöht dieses Risiko erheblich. Vorgeschriebene Mindestabstände werden nicht eingehalten, ein Notfallplan für eine Havarie im angrenzenden Windpark existiert nicht. Die Seenotrettung muss im Havariefall erst das Windparkgebiet umfahren bzw. als Fahrthindernis bei schwierigen Witterungsverhältnissen berücksichtigen, was zu lebensbedrohendem Zeitverlust führt. Ab ca. 2m Seegang kann hier eine Ölpest nicht mehr bekämpft werden, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Ein Seeheilbad und Gesundheitstourismus sind dann Geschichte.

Nearshore-Windparks erhöhen die Gefahr von katastrophalen Schiffsunfällen. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ein Windrad onshore fern einer Straße oder offshore an einer der meist befahrendsten Schifffahrtsstraße ohne Leitplanken steht. Was passiert wenn ein Tanker an einer Anlage zerbricht und eine Ölpest Natur und Strände verschmutzt?

Betroffen wären im touristischen Einzugsgebiet rund 11.600 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. 224 Beherbergungsbetriebe, sowie eine Vielzahl von Ferienwohnungen- die rund 2,17 Mio. Übernachtungen generieren- wären ebenfalls direkt betroffen. Die direkte touristische Wertschöpfung hieraus beläuft sich auf rund 200 Mio. € p.a. Darüber hinaus wären eine Vielzahl touristischer Dienstleister wie z.B. Gaststätten, Cafés, Reinigungsfirmen, Garten und Landschaftspflege… betroffen. Die gesamte Wertschöpfung ginge der Region im schlimmsten Fall auf Jahre ersatzlos verloren. Die Mehrzahl der Betriebe müsste schließen, die betroffenen Arbeitnehmer fielen in die Arbeitslosigkeit.

Ein Naturparadies im Nationalpark mit einer einmaligen Vogelwelt und mehr als 70 km teilweise urwüchsigen Stränden wären ölverseucht. Die Ostsee als Binnenmeer wäre auf Jahre hinaus nachhaltig geschädigt.Ihr Urlaubsparadies ist dann auf Jahre zerstört.

Betrachtet man die Einflüsse der Verlärmung bei Bau und Betrieb der Anlage, so sind diese auf die Vielzahl der Tiere z.B. Kranichzug, Schweinswale nicht erforscht. Gerade bei Schweinswalen wird eine Beeinträchtigung der Wanderungen durch elektromagnetische Felder angenommen. Es ist auch denkbar, dass Kraniche ihre Route durch dieses über 17 Km breite Hindernis verändern. Damit würde eine große touristische Attraktion der Halbinsel verloren gehen.

103 Fundamente der Windräder sollen auf Pfahlgründung basieren, das bedeutet viele Monate Rammarbeiten in Sichtweite.

Ein nach unserem Verständnis sinnvolles und dringend notwendiges Raumordungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit wurde nicht durchgeführt. Die Landesregierung gibt nach unserem Eindruck unzureichend Informationen über Wirtschaftlichkeitsanalysen und Beteiligungen heraus. Die Fortschreibung des Landesraumentwicklungsprogramms erfolgte unter Nichtachtung unserer Bedenken, mitgeteilt über die Gemeinde Ostseeheilbad Zingst, die gemeindeeigene Kur- und Tourismus GmbH Zingst und den in unserer Region die Wirtschaft vertretenden Tourismusverband Fischland-Darß- Zingst e.V.“

Die Einspruchsfrist gegen die Genehmigung des Windparks Gennaker endet am 2. Juli 2019.