Das instrumentalisierte Schlittenhundfoto aus Grönland

Michael Miersch am 15. Juli 2019 auf Salonkolumnisten:

Wir sind noch einmal davongekommen

Seit 50 Jahren wird vor der bevorstehenden Naturapokalypse gewarnt. Und seit 50 Jahren fällt sie regelmäßig aus.

Durch den heißen Sommer 2018 und die Schülerdemonstrationen hat das Klima-Thema wieder einmal Hochkonjunktur. Das Erstaunlichste dabei: Erwachsene, die ernsthaft behaupten, dass ihnen der Klimawandel nun erstmals bewusst wird. Man fragt sich, wo diese Menschen in den vergangenen Jahrzehnten gelebt haben. Ohne Fernseher, Zeitungen, Internet? Haben sie sich nie gefragt, warum plötzlich überall Windkraftanlagen stehen. Nie ein Wahlplakat der Grünen gesehen? Nie mitbekommen, was die Kinder in Schule so lernen? Michael Miersch hat Warnungen und Prognosen von 1971 bis 2019 zusammengetragen: eine Blütenlese. 

 „Luftverschmutzung könnte die globale Temperatur um mehr als drei Grad sinken lassen…ausreichend, um eine Eiszeit auszulösen.“
Stephen Schneider, Klimaforscher in der Zeitschrift SCIENCE, 1971 

„Meteorologen sind uneins über die Ursache und das Maß der Abkühlung. Aber sie sind fast einstimmig der Ansicht, dass dieser Trend die landwirtschaftliche Produktivität für den Rest des Jahrhunderts verringern wird.“
NEWSWEEK vom 28.4.1975 

„Kommt eine neue Eiszeit? Nicht gleich, aber der verregnete Sommer in Nordeuropa, so befürchten die Klimaforscher, war nur ein Teil eines weltweiten Wetterumschwungs – ein Vorgeschmack auf kühlere und nassere Zeiten.“
DER SPIEGEL, 12.8.1974 

„Bei der heute geschätzten Geschwindigkeit der Wüstenausdehnung würden sich die Wüstengebiete auf der Erde, die jetzt etwa 800 Millionen Hektar umfassen, bis zum Jahr 2000 um fast zwanzig Prozent vergrößern.“
GLOBAL 2000 – Der Bericht an den Präsidenten (Zweitausendeins Verlag, 1980)

“Die sieben Atmosphärenforscher sagen eine globale Erwärmung von ‚geradezu beispiellosem Ausmaß‘ für das nächste Jahrhundert voraus. Sie könnte sogar die Eisdecke der West-Antarktis schmelzen, sagen sie. Und so letztendlich zu einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels um 4,6 bis 6 Meter führen… innerhalb eines Jahrhunderts oder auch schneller.“
NEW YORK TIMES, 22.8.1981

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Alarmisten greifen nach jedem Strohhalm, um die Apokalypse zu befeuern. Kürzlich machte ein Foto aus Grönland die Medienrunde, in dem ein Hundeschlittengespann durch eine riesige Pfütze über das Eis läuft. Eine noch nie dagewesene Folge des Klimawandels, ereiferten sich die Klimawarner. Alltag im grönländischen Sommer, korrigierten die Grönländer, die es ja wissen sollten. Die dänische Zeitung Berlingske berichtete am 24. Juni 2019:

Spring in Greenland interpreted as climate change: »This is completely normal«

CNN has presented a photo as evidence of the devastating impact of a warming planet, but that is not necessarily what the photo shows. Scientists say this is a typical and damaging climate doomsday story.

Sometimes a picture speaks more than a thousand words. Sometimes the picture merely speaks what the viewer wants to hear. Over the past week, a photo of a dog sled moving through melt water in a fjord near Thule in north-west Greenland went global. The picture was taken by a scientist at the Danish Meteorological Institute (DMI) and appears ominous. As if the ice is melting fast under the feet of the dogs and might at any moment crack and pull the sled down into the deep water. As if the very foundation of humanity is melting before the camera. The photo has been shared by CNN, the BBC and several of the world’s leading papers, and even the former U.S. Vice President and one-time presidential candidate Al Gore,…

Weiterlesen (und Foto) in Berlingske

Auch der Tagesspiegel ist drauf reingefallen. Die Bildzeitung hatte dann am 25. Juni 2019 den Mut, dem fragwürdigen Klimaalarm in Deutschland den Wind aus den Segeln zu nehmen:

Klimawandel oder normal? Streit um dieses Grönland-Foto

Schlittenhunde laufen auf Wasser, weil das Grönlandeis schmilzt. Das Foto ging mit dieser Botschaft um die Welt. Viele reagierten erschüttert und Al Gore (71), früherer Vize-Präsident der USA, hat sogar in Dänemark angefragt, ob er das Foto in seiner Kampagne gegen den Klimawandel verwenden kann.

Nun kommt aus dem hohen Norden, von den Einheimischen und von Forschern, Entwarnung – und die Botschaft: Das Foto ist noch keine total schlechte Nachricht! Das Wasser stammt nicht vom Eis. Es ist geschmolzener Schnee. Und es kann nicht abfließen, weil das Eis dieses Jahr sogar besonders dick ist.

Der Jäger Apollo Mathiassen lebt in der Gegend. Gegenüber der Zeitung „Berlingske Tidende“ sagte er: „Das passiert jedes Jahr, besonders dort bei Thule, wo das Foto entstanden ist. Es kommt darauf an, wie dick das Eis ist. Wenn das Eis dünn ist, entsteht keine Wasserdecke. Dann gibt es Löcher im Eis und das Wasser von der Schneeschmelze kann abfließen.“ Apollo Mathiassen hat 2017 das Phänomen sogar selbst gefilmt und damals das Video auf YouTube und Facebook veröffentlicht.

Weiterlesen in der Bildzeitung

Was meinen Sie, wieviele der deutschen Zeitungen haben anschließend ihre Berichte zum Foto korrigiert?