AKW-Betreiber erteilt Reservebetrieb von Isar 2 Absage

Wer berät den Wirtschaftsminister Robert Habeck? Diese Frage kann man sich durchaus immer wieder stellen, wenn man die Stellungnahme des Betreibers des Kernkraftwerkes Isar 2 liest. Beim Bayerischen Rundfunkt heißt es dazu:

“Nach BR-Informationen hatte PreussenElektra schon im August angekündigt, dass ein flexibles Anheben oder Drosseln der Leistung nicht mehr möglich sei. Das gelte umso mehr, wenn die Anlage komplett heruntergefahren werden solle. Dann nämlich sei mit den eingeschränkten Möglichkeiten des Reaktorkerns ein Wiederanfahren im fortgeschrittenen Streckbetrieb nicht machbar – und schon gar nicht kurzfristig innerhalb einer Woche.

Ein Wiederanfahren mit einem Kern im Streckbetrieb wird dem Schreiben zufolge in dieser Form nicht praktiziert. Außerdem habe das Unternehmen damit keine Erfahrungswerte, heißt es. Das Austesten eines noch nie praktizierten Anfahrvorgangs solle nicht mit einem kritischen Zustand zusammenfallen. Dieses Vorgehen sei mit der Sicherheitskultur des Kraftwerksbetreibers nicht vereinbar.”

Doch die Robert Habeck Logik geht noch weiter, wenn man den Tagesspiegel liest. Die Betreiber hätten es einfach nicht verstanden. Der Germanist Robert Habeck erklärt also den Technikern wie ein Kernkraftwerk funktioniert oder zu funktionieren hat? Das scheint eine Kernkompetenz der Grünen zu sein, denn auch die Diplom Sozialarbeiterin und Grüne Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann, erklärt den Betreibern bei n-tv, wie der Hase läuft in Sachen Reserve. Der Bayerische Rundfunk:

“Die Betreiber des AKW Isar II hätten Habeck zufolge offenbar das Konzept der Einsatzreserve nicht verstanden. Dabei gehe es nicht um ein mehrfaches Hoch- und Runterfahren des Kraftwerkes, sondern um eine einmalige Entscheidung, ob die beiden dafür vorgesehenen AKW benötigt würden oder nicht.

Das könne beispielsweise im Dezember, Januar oder Februar geschehen. „Das ist offensichtlich an den Technikern von Preussen Elektra vorbeigegangen“, sagte Habeck.

Knott warnte in seinem Schreiben an Habeck etwa vor erheblichen Verzögerungen und Risiken bei einem potenziellen Streckbetrieb. In diesem Zustand sei etwa „ein flexibles Anheben oder Drosseln der Leistung nicht mehr möglich ist“, so zitiert der „Spiegel“ den Preussen Elektra Chef.””

Dabei ist es doch so einfach, wie diese Grafik von Quark zeigt.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Die Entscheidung des Wirtschaftsministers nach dem Ergebnis des Stresstests sind ohnehin nicht nachzuvollziehen. Bei der Pressekonferenz sitzt nur wenige Plätze von Robert Habeck entfernt der Vertreter eines Netzbetreibers, der klipp und klar sagt, dass in allen drei Szenarien, die die Betreiber geprüft hätten, Strom fehlt. Das wird gekonnt von Habeck und seinem Ministerium ignoriert. Warum hört Robert Habeck nicht auf Experten wie die Wirtschaftsweise Veronika Grimm? Die erklärt im ZDF-Interview, warum die Habeck-Lösung die Schlechteste aller Möglichkeiten ist.

“Man müsse „das Stromangebot ausweiten, sodass das große Stromangebot auf die Nachfrage trifft und dadurch der Preis nach unten gedrückt“ werde. „Das sind Kohlekraftwerke, die reaktiviert werden, aber das sind eben auch die Atomkraftwerke, die aktuell produzieren können“, sagte Grimm”

„Den Strompreis künstlich zu drücken, indem man ihn staatlich deckelt und ihn kompensiert, das ist viel umständlicher“, sagt Grimm über die diskutierte Strompreisbremse der Regierung. Da ist überhaupt nicht gesagt, ob das so gut funktioniert und ob das auch so einfach realisierbar ist. Stromangebot schaffen ist das Gebot der Stunde. Die Versorgung durch Kohlekraftwerke, das habe sich nun herausgestellt, sei gar nicht so einfach, wie ursprünglich gedacht. Deswegen sei es so wichtig, über alle Möglichkeiten nachzudenken.”

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

Nach seinem missglückten Auftritt bei Maischberger (wir berichteten) verteidigt nun das eigene Ministerium seinen Minister in Sachen Insolvenzgefasel.

“Das Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck ist heftiger Kritik an Äußerungen des Grünen-Politikers zur Frage einer möglichen Insolvenzwelle entgegengetreten. Der Minister habe lediglich „den wichtigen Unterschied“ zwischen Insolvenzen und Betriebsaufgaben deutlich machen wollen, erklärte eine Sprecherin am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme.”

Der Postillon bringt es diesbezüglich auf den Punkt.

““Ihre Oma ist nicht tot, sie hat nur einfach erst mal aufgehört zu atmen“ – Habeck beruhigt Trauernde bei Beerdigung”

Derweil lädt das Bäckerhandwerk laut Welt den Wirtschaftsminister ein, sich vor Ort ein Bild zu machen. Habeck hatte schließlich auch Bäckereine als Beispiel bei Maischberger genommen.

“Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat Wirtschaftsminister Robert Habeck nach seinen Äußerungen zu einer möglichen Insolvenzwelle kritisiert und zu sich eingeladen. Es scheine so, als habe Habeck die Probleme der Handwerksbäcker nicht im Blick, sagte Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider am Mittwoch nach einem Auftritt des Grünen Politikers in der ARD-Sendung „Maischberger“. „Gern laden wir Herrn Habeck ein, sich direkt in der Backstube ein Bild von der schwierigen Situation eines mittelständischen Unternehmers zu machen.“”

Den Vogel in Sachen Bäcker schießt allerdings der WDR-Mitarbeiter und Anti-Atomkraft-Aktivist Jürgen Döschner ab. Die Bäcker sollen doch einfach Risikokapital einsammeln, dann geht das schon. Wie weit entfernt ist man vom warmen WDR-Büro in Köln aus von der Realität, wenn gerade eine ganze Berufsgruppe um die eigene Existenz bangt? Vermutlich sehr weit. Vielleicht ist Döschner aber nur das, was man in Japan einen Fenstergucker nennt? So einen Platz hätte er sich nach seinem 2017er Aussetzer allerdings reichlich verdient.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Und weiter geht es in der Energieposse der Ampel-Regierung: In Sachen Erinnerungslücken ist Kanzler Olaf Scholz ja durchaus berüchtigt. Wer seine Rede zur General-Debatte gehört hat, der kann nur zu dem Schluss kommen, dass Scholz vergessen hat, dass er in der Vorgängerregierung 4 Jahre Vizekanzler im Kabinett von Angela Merkel war. Die CDU habe eine Abwehrschlacht gegen jede einzelne Windkraftanlage geführt, so Scholz in der General-Debatte im Bundestag.

Wer bisher glaubte, dass betroffene Bürger oder Verbände sich gegen den Bau der Anlagen juristisch gewehrt haben, der wird eines Besseren belehrt, es war immer die CDU. Ob Scholz das Prinzip des Rechtsstaats bekannt ist? So wie Olaf Scholz seine Vizekanzlerschaft vergessen hat, scheint das auch bei Robert Habeck der Fall zu sein. Laut Welt holte er in der Bundestagsdebatte gegen die CDU aus aber nicht gegen den damaligen Koalitionspartner SPD.

“Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat auf die harsche Kritik der Union an ihm mit einem Gegenangriff geantwortet. Der „Sound der Selbstkritiklosigkeit“, der sich in der Generaldebatte am Vortag gezeigt habe, erfordere eine Antwort, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag im Bundestag bei der Debatte über den Haushalt seines Ministeriums. Er attestierte der Union „16 Jahre energiepolitisches Versagen“ in Anspielung auf die 16 Jahre Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) und warf ihr „Möchtegern-Wirtschaftspolitik“ vor.

CDU-Chef Friedrich Merz hatte unter anderem Habecks Plan, zwei der drei letzten Atomkraftwerke im kommenden Jahr in eine Reserve zu schicken, als „Irrsinn“ bezeichnet. Habeck hielt ihm entgegen: „Lieber Herr Merz, sechzehn Jahre lang hat die Union dieses Land regiert und viele Bundesländer. Und wir räumen in wenigen Monaten auf, was sie in sechzehn Jahren verbockt, verhindert und zerstört haben.“”

Unter welchem Stein mag Scholz in der Zeit gelegen haben?

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Bei Energie-Experten.org gibt es eine Zusammenfassung des Stresstests. Kurz gesagt wird Deutschland dem Ausland ab dem Herbst kräftig die Daumen drücken, dass genügend Strom vorhanden ist, um Deutschland auszuhelfen. Das ist bemerkenswert, denn die Seite richtet sich in erster Linie an Energieberater, dürfte also den Erneuerbaren Energien sehr offen gegenüberstehen.

“Nach den Ergebnissen des zweiten Stresstests spart ein Weiterbetrieb der drei Atomkraftwerke damit nur ein Promille des deutschen Gasverbrauchs von jährlich rund 998 TWh Erdgas ein. Das Gasspar-Potenzial wird im Stresstest dabei noch geringer eingeschätzt als frühere Untersuchungen prognostizierten. So schätzte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW das Potenzial der Kernkraftwerke, Gaskraftwerke in der Stromproduktion zu ersetzen, auf rund drei TWh.

Allerdings könnten durch einen Streckbetrieb die Lastunterdeckungen in Deutschland weitestgehend vermieden werden. Der Bedarf an Redispatch-Potenzial im Ausland für das Netzengpassmanagement sinkt von 5,1 GW durch den Streckbetrieb der Kernkraftwerke im Szenario (++) um 0,5 GW auf 4,6 GW, bleibt aber kritisch. In Deutschland sind daher weitere Maßnahmen zum erzeugungs- und lastseitigen Engpassmanagement und zur Erhöhung der Transportkapazitäten im Übertragungsnetz erforderlich.

Darüber hinaus empfehlen die Übertragungsnetzbetreiber eine Reihe von dringenden Maßnahmen, um die Strom-Erzeugungs- und Transportkapazitäten zu erhöhen. Insbesondere solle der Redispatch-Bedarf durch klare und verbindliche Absprachen mit den Nachbarländern abgesichert werden. Auch alle in einer Stresssituation notwendigen Gaskraftwerke sollen dann gesichert mit Gas versorgt werden.”