Eine Moräne macht noch keinen Winter: Mittelalterliche Wärmeperiode behauptet sich im Faktencheck gegen plumpes Aktivistenpaper zur kanadischen Baffininsel

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Am 4. Dezember 2015 erregte das Earth Institute der New Yorker Columbia University Aufsehen mit einer provokanten Pressemitteilung: Die Besiedelung Grönlands durch die Wikinger ab 985 n. Chr. hätte rein gar nichts mit dem Klima zu tun.

Study Undercuts Idea That ‘Medieval Warm Period’ Was Global
Vikings May Not Have Colonized Greenland in Nice Weather

Anstatt mildem Klima der Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP) wäre es in Grönland vielmehr so kalt gewesen, dass sich Gletschervorschübe ereigneten. Ein Team um den Glaziologen Nicolás Young hätte nun auf der Grönland westlich vorgelagerten Baffininsel den Beweis hierfür gefunden. Die MWP wäre daher wohl doch nur ein lokales europäisches Phänomen:

“It’s becoming clearer that the Medieval Warm Period was patchy, not global,” said lead author Nicolás Young, a glacial geologist at Columbia University’s Lamont-Doherty Earth Observatory. “The concept is Eurocentric—that’s where the best-known observations were made. Elsewhere, the climate might not have been the same.”

In der Pressemitteilung zeigte man sich überzeugt, die Studie habe dem MWP-Konzept nun endgültig den Gnadenstoß versetzt:

Gifford Miller, a paleoclimatologist at the University of Colorado, called the paper “a coup de grace on the Medieval Warm Period.” Miller said it shows “with great clarity of evidence” that “the idea of a consistently warm Medieval period is certainly an oversimplification and of little utility.”

Es verwundert schon, dass die Columbia University eine solch emotionale und kämpferische Pressemitteilung überhaupt durchgehen ließ. Mediale Aufmerksamkeit um jeden Preis? Die Presse schien dies zu spüren und griff das Thema nur zögernd auf. So berichtete der Toronto Star erst am 14. Dezember 2015, mehr als zehn Tage nach der Pressemitteilung. Im Titel des Artikels machte man zudem kenntlich, dass es sich nicht unbedingt um gesichertes Wissen handelt, sondern den Vorschlag einer einzelnen Wissenschaftlergruppe (“study suggests”):

Climate change didn’t force Vikings to abandon Greenland, study suggests

Die International Business Times verwendete sogar den Begriff “behaupten” (claim) in ihrer Überschrift:

Climate change did not force Vikings to abandon Greenland, claim scientists

In der deutschsprachigen Presse suchte man Berichte zur Baffin-Arbeit vergebens. Hatte man auch hier bemerkt, dass hier etwas faul sein könnte? Allein Scinexx.de stieg relativ groß ein und verbreitete die Story, schön bebildert, Wiki läßt schön grüßen:

Grönland: Verschwinden der Wikinger bleibt rätselhaft
Neue Messungen sprechen gegen eine plötzliche Abkühlung des Klimas als Ursache

Sind die Ergebnisse der neuen Studie wirklich so robust wie von der Columbia University dargestellt, dass solch weitreichende Schlussfolgerungen mit letzter Sicherheit gezogen werden können? Ein Fall für das MWP-Kartierprojekt! Im Folgenden wollen wir die Studie und Pressemeldung auf Herz und Nieren checken. Was ist dran an der Behauptung der Mittelalterlichen Kälteperiode auf Grönland?

Der guten Ordnung halber zunächst einmal die die Kurzfassung der betreffenden Arbeit von Young und Kollegen, die am 4. Dezember 2015 in Science Advances erschien, einer Schwesterzeitschrift von Science:

Glacier maxima in Baffin Bay during the Medieval Warm Period coeval with Norse settlement
The climatic mechanisms driving the shift from the Medieval Warm Period (MWP) to the Little Ice Age (LIA) in the North Atlantic region are debated. We use cosmogenic beryllium-10 dating to develop a moraine chronology with century-scale resolution over the last millennium and show that alpine glaciers in Baffin Island and western Greenland were at or near their maximum LIA configurations during the proposed general timing of the MWP. Complimentary paleoclimate proxy data suggest that the western North Atlantic region remained cool, whereas the eastern North Atlantic region was comparatively warmer during the MWP—a dipole pattern compatible with a persistent positive phase of the North Atlantic Oscillation. These results demonstrate that over the last millennium, glaciers approached their eventual LIA maxima before what is considered the classic LIA in the Northern Hemisphere. Furthermore, a relatively cool western North Atlantic region during the MWP has implications for understanding Norse migration patterns during the MWP. Our results, paired with other regional climate records, point to nonclimatic factors as contributing to the Norse exodus from the western North Atlantic region.

Wir haben die Arbeit von Young et al. speziell zum Anlass genommen, die MWP-Kartierung im Bereich Kanadas und Grönlands voranzutreiben. Nach drei Wochen Kartierarbeit sind nun die wichtigsten Studien erfasst und erlauben uns, die neue Baffin-Publikation im Kontext der Literatur-Gesamtlage zu bewerten. Die Baffininsel liegt wie erwähnt westlich von Grönland. Wir werden im Folgenden Studien aus der nordöstlichen kanadischen Arktis sowie der Westküste von Grönland heranziehen. In der untenstehenden Karte (Abbildung 1) sind alle relevanten Papers aufgeführt und zur Vereinfachung der Diskussion durchnummeriert. Die Karte lässt sich auch in Google Maps öffnen, wo die Punkte interaktiv geklickt werden können, wobei Zusatzinformationen wie Zeitschriftenlink, Methodik, MWP-Analyse und die wichtigste Abbildung erscheinen. Rote Punkte markieren Studien, in denen die MWP als Warmphase ausgebildet war, blaue Punkte markieren Arbeiten, in denen die MWP als kalt beschrieben wurde. Der kühle blaue Punkt mit der Nummer 1 steht für die neue Arbeit von Young und Kollegen.

Zunächst einmal ist erkennbar, dass es in dem gesamten Kartenausschnitt nur zwei blaue Punkte und eine Vielzahl von roten gibt. Die MWP-Warmphase ist also aus der Region ausführlich beschrieben. Da ist es schon reichlich vermessen, auf Basis einer einzigen neuen Arbeit plötzlich die MWP in Kanada/Grönland und sogar weltweit in Frage zu stellen. Hatte man vielleicht gehofft, die Öffentlichkeit würde von den anderen Studien aus dem Gebiet schon nichts erfahren?

 

Abbildung 1: Lagekarte von Studien mit Ergebnissen zur Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP). Zahlen beziehen sich auf die Reihenfolge der Diskussion im Text. Rote Punkte: MWP war warm; blaue Punkte: MWP war kalt. Dazugehörige interaktive Google Maps Karte hier.

 

Keine Angst, wir wollen Sie hier nicht mit einer ellenlangen Marathonbeschreibung der verschiedenen Studien langweilen. Ein paar Basisdaten wollen wir trotzdem aufführen und uns dann auf die richtig interessanten Aspekte beschränken. Von der Baffininsel selbst sind 10 MWP-Studienlokationen bekannt:

(2) Im Nordwesten der Insel illustrierten Briner et al. 2009 auf Basis anderer Arbeiten eine prominente Gletscherrückzugsphase, die sich dort 800-1200 n.Chr. ereignete – also genau zur Zeit der MWP, als die Wikinger das benachbarte Grönland besiedelten.

(3) Anderson et al. 2008 datierten vom Gletscher überfahrene Vegetation und fanden eine Warmphase 1000-1250 n.Chr. Ab 1280 n.Chr. dokumentierten sie eine starke Abkühlung und Vorrücken von Gletschern.

(4) Dieser Punkt steht für 94 Gletscherfront-Lokationen auf Baffin Island, die Miller et al. 2012a untersuchten. Ergebnis: Eine Warmphase 950-1275 n.Chr. Die Kälte der Kleinen Eiszeit und Eiswachstum begann abrupt zwischen 1275-1300 n.Chr., die sich um 1430-1455 n.Chr. noch einmal intensivierte.

(5) Studienpunkt 5 namens ‘Big Round Lake’ liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Young-et-al-Studiengebiet. Thomas & Briner 2009 beschrieben hier eine Warmphase für die Zeit 970–1150 n.Chr, die aber angeblich mehr als ein Grad unter den heutigen Temperaturen gelegen haben soll. Stutzig macht die Methodik, mit der Thomas & Briner diese Erkenntnis erlangt haben wollen. Die Forscher vermaßen die Schichtdicke von sogenannten Warven, also jahreszeitlich geschichteten Seensedimenten. Dabei fanden sie für die vergangenen Jahrzehnte eine schöne Korrelation zwischen Sommertemperaturen und Schichtmächtigkeit. Dickere Schichten fielen mit warmen Temperaturen zusammen. Ein empirischer Befund. Unklar ist nun, ob dieser Zusammenhang auch für die letzten 1000 Jahre gilt. Thomas & Briner 2009 nahmen dies zunächst mutig an. Allerdings weisen Vergleiche mit anderen Untersuchungsgebieten nun darauf hin, dass die Forscher hier wohl falsch lagen. Früher führten warme Sommertemperaturen offenbar zu dünneren Lagen. Steve McIntyre zeigte in seinem Climate Audit-Blog hierzu eine schöne Analyse. Auch Balascio et al. 2015 scheinen die Warven-Daten mittlerweile uminterpretiert zu haben und sehen die recht dünnen Varven im Big Round Lake zwischen 1000-1400 n.Chr. als Hinweis auf warme Temperaturen und eine gut ausgebildete MWP. Lediglich zwischen 1200-1300 n.Chr. nimmt die Varvendicke etwas zu, was auf eine kühlere Zwischenepisode hinweisen könnte. Dies sind die Zusammenhänge und Stories, die erst bei einem tieferen Eintauchen in die Materie zum Vorschein kommen.

(6) Joynt III et al. 2001 untersuchten Diatomeen im Fog Lake und dokumentierten eine Warmphase im Bereich 1000 n.Chr., die etwa 1°C wärmer war als die nachfolgende Kleine Eiszeit. (weiterlesen …)

Die Mittelalterliche Wärmeperiode in Afrika

Die Mittelalterliche Wärmeperiode war bereits um die Jahrtausendwende Gegenstand der berühmten Hockeystick-Kontroverse. Damals behauptete eine Forschergruppe um Michael Mann, dass das vorindustrielle Klima ereignislos monoton gewesen sei. In den nachfolgenden Jahren stellt sich diese Idee jedoch als falsch heraus, und die historische Wärmephase vor 1000 Jahren wurde wieder in die offiziellen Klimakurven aufgenommen. Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP) wäre ein regional begrenztes Phänomen gewesen, ohne globale Bedeutung. Die Implikationen sind klar: Falls sich die MWP als globales Ereignis herausstellen sollte, müssten die natürlichen Klimafaktoren in den Modellen kräftig nachjustiert werden. Insbesondere die Sonne wird in den aktuellen Simulation in ihrer Klimawirkung fast auf Null heruntergedreht. War es wirklich nur Zufall, dass die Sonne während der MWP besonders stark war?

Auf der IPCC-nahen Klimaplattform klimafakten.de ist die Denkweise der IPCC-Seite zur MWP dokumentiert:

Es ist häufig zu hören, die Mittelalterliche Warmzeit (ca. 950 bis 1250 n. Chr.) sei genauso warm wie das heutige Klima gewesen – oder gar noch wärmer. Implizit wird daraus geschlossen, die heutige Erwärmung sei natürlich und nicht durch menschliche Einflüsse verursacht. Oder die aktuell zu beobachtende Klimaerwärmung sei unproblematisch. Doch diese Argumente sind eher rhetorischer als wissenschaftlicher Art.

Erstens war die Mittelalterliche Warmzeit ein eher regionales Phänomen. Zwar gibt es in der Tat Belege dafür, dass damals Teile der Erde (etwa der Nordatlantik) wärmer waren als heute. Diese Erwärmung und der damit verbundene Rückgang des arktischen Eises ermöglichte es beispielsweise den Wikingern, weiter nach Norden zu fahren, als dies vorher denkbar gewesen wäre. Doch gleichzeitig war es an anderen Orten der Erde wesentlich kälter als heute, etwa im tropischen Pazifik (Mann 2009) – siehe dazu die ausführliche Antwort.

Die von klimafakten.de und IPCC behauptete regionale Beschränkung der MWP wollen wir im Folgenden näher unter die Lupe nehmen. Im Rahmen des MWP-Kartierungsprojektes wühlen wir uns derzeit durch die Literatur und recherchieren, wie das globale Klima 800-1200 n Chr. nun wirklich ausgesehen hat. Heute geht es nach Afrika, wo die Anzahl der Arbeiten bislang recht überschaubar ist.

Die vorhandenen Studien haben wir in der nachfolgenden Karte zusammengestellt. Rot markiert sind Studien, bei denen vor 1000 Jahren eine Wärmephase herrschte. Wie man schnell erkennt, häufen sich die roten Punkte in drei großen Provinzen: In Nordwest Afrika, im südlichen Afrika und in Ostafrika. Aus den anderen Teilen Afrikas gibt es keine hochauflösenden Temperaturdaten aus dieser Zeit. Blaue Punkte haben wir für Studien reserviert, in denen sich die MWP durch Abkühlung auszeichnet. Allerdings gibt es in ganz Afrika keinen einzigen dokumentierten Fall dieser Art. Graue Punkte im Bereich Kamerun und Gabon zeigen Untersuchungsergebnisse an, in denen kein Trend im Bereich der MWP nachzuweisen war. Man darf gespannt sein, ob sich diese Temperaturmonotonie in weiteren Arbeiten bestätigten lässt.

 

Die gelben und grünen Punkte geben Studien an, die sich ausschließlich mit den Niederschlägen beschäftigt haben. Gelbe Punkte bezeichnen Orte, an denen die MWP durch Dürre und Trockenheit gekennzeichnet ist. Grüne Punkte stehen hingegen für Gegenden, die während der MWP feuchter wurden. Die Auswertung zeigt, dass der allergrößte Teil Afrikas während der MWP unter Dürre litt. Nur in Südwest Afrika und möglicherweise Teilen der Sahara hat es offenbar häufiger geregnet. Dies ist durchaus verständlich, da ein massiver Klimawandel samt Temperaturerhöhung im Zuge der MWP auch die Regengürtel verschiebt. Da können einige Gegenden trockener und andere feuchter werden. Trotzdem fällt in Afrika insgesamt der Trend zu verstärkter Dürre auf. Das passt ins Bild.

Sie können die einzelnen Studienzusammenfassungen per Mausklick auf der Original-Google-MWP-Karte aufrufen. Im Folgenden möchten wir Ihnen die Temperaturkurven im einzelnen vorstellen. Wir beginnen in Nordwest-Afrika und bewegen uns dann gegen den Uhrzeigersinn um den Kontinent herum. Die in der Karte eingetragenen Zahlen bezeichnen die verschiedenen Publikationen. Die Abfassung einer englischsprachigen Facharbeit zur MWP in Afrika ist in Vorbereitung. Dort sollen dann die Einzelheiten in aller Ausführlichkeit beschrieben und diskutiert werden.

 

0) Martin-Puertas et al. 2010: ODP 976

Starten möchten wir unsere historische Afrikarundreise im spanischen Andalusien. Das liegt zwar nicht in Afrika, ist aber nahe dran. Eine Forschergruppe um Celia Martín-Puertas vom Potsdamer Geoforschungszentrum hat Sauerstoffisotope und andere chemische Klimaproxies in einem See nahe dem andalusischen Cordoba sowie in einer Offshore-Forschungsbohrung südlich von Malaga untersucht. Anhand dieser Daten konnten die Autoren die Temperaturentwicklung der Region während der vergangenen 4000 Jahre rekonstruieren. Dabei fanden Martín-Puertas und Kollegen eine ausgeprägte Wärmespitze um das Jahr 1000 n. Chr., die laut Diagramm eine Gesamtdauer von etwa 200 Jahren besaß (rechte Kurve in Abbildung unten; SST steht für sea surface temperature). Die heiße Phase entspricht der Mittelalterlichen Wärmeperiode.

 

 

1) Chedaddi et al. 1998: Tigalmamine lake, Middle Atlas

Springen wir über die Meerenge von Gibraltar nach Marokko. Im Mittleren Atlas untersuchte ein Forscherteam um Rachid Cheddadi die Ablagerungen des Tigalmamine Sees. Anhand von Pollen rekonstruierten sie die Juli- und Januar-Temperaturen der letzten 10.000 Jahre (Graphen B und C in der beigefügten Graphik). Deutlich erkennbar ist eine Wärmephase, die etwa 1000 n. Chr. begann und einige hundert Jahre andauerte und schließlich durch die Kälte der Kleinen Eiszeit abgelöst wurde.

 

 

2) McGregor et al. 2007: GeoB 6008-1 & 2

Nordwestlich von Agadir wurden vor einigen Jahr die Bohrkerne GeoB 6008-1 & 2 gewonnen. Mithilfe der sogenannten Alkenon-Paläothermometrie ermittelten McGregor et al. 2007 die Temperaturentwicklung der vergangenen 2500 Jahre. Die Daten zeigen eine Wärmephase, die bereits um 700 n Chr. früh und abrupt beginnt und bis ca. 1100 n Chr. langsam abfallend anhält. (weiterlesen …)

Juni-Temperaturen im Visier der Fahnder: Sieger der Tour de Temperatur unter Dopingverdacht

Wir leben in einem Rekordzeitalter. Schneller, höher, weiter. Ein Jahr ohne Rekord wäre eine große Enttäuschung. Das gilt auch fürs Klima. Der Monat Juni war dieses Jahr (2015) ganz besonders ergiebig:

JUNI

Weltrekord! Am 21.7.2015 hängte Spiegel Online dem Juni 2015 die Goldmedaille um den Hals:

Globale Messungen: Juni knackt Wärmerekord
Noch nie haben Meteorologen global einen heißeren Juni registriert als in diesem Jahr [2015]. Die Forscher gehen davon aus, dass 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen wird. [...] Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg von 0,12 Grad Celsius – und der Juni 2014 war bereits der heißeste seit Beginn der Messungen 1880.

Toller Witz. Erst werden die Originalmessdaten so lange korrigiert, bis wieder ein Erwämungstrend herauskommt, und dann kürt man die gedopten Temperaturen auch noch ziemlich frech als Sieger der Tour de Temperatur. Hier werden dringend Dopingkontrollen benötigt, die wieder einen fairen Wettbewerb herstellen. Wir hatten über die fragwürdigen Datenmanipulationen an dieser Stelle bereits berichtet (“NOAA in Not: Erwärmungspause der letzten 15 Jahre lässt sich nicht so einfach wegtricksen“). Bob Tisdale hat einmal den Vorher-Nachher-Vergleich gemacht (Abbildung 1). Der neue, “gedopte” Datensatz der NOAA mit der Bezeichnung ERSST.v4 wurde für die letzten Jahrzehnte um ein ganzes Zehntel Grad gegenüber dem früheren Datensatz ERSST.v3b angehoben. Das funktioniert wie EPO im Ausdauersport und gibt das kleine bisschen Extra, das schließlich den Sieg bringt.

Abbildung 1: Der neue, “gedopte” Datensatz der NOAA mit der BezeichnungERSST.v4 wurde für die letzten Jahrzehnte um ein ganzes Zehntel Grad gegenüber dem früheren Datensatz ERSST.v3b angehoben. Quelle: Bob Tisdale/WUWT.

 

Die NOAA-Daten fließen direkt in die GISS-Temperaturen der NASA sowie NCEI ein, wo sich die Dopingkette dann fortsetzt. Die beiden Datensätze werden damit leider unbrauchbar. Vertrauenswürdiger sind die HadCRUT Temperaturen, die in Großbritannien gesammelt werden, sowie die Satelliten-Temperaturen UAH und RSS. Entsprechend sieht der Vergleich der Datenreihen aus. Die mit stimulierenden Medikamenten vollgestopften Reihen GISS und NCEI zeigen für die vergangenen 14 Jahre seit 2001 eine überraschende Erwärmung von fast einem Zehntel Grad (Abbildung 2). Beim regulär kämpfenden HadCRUT fällt diese Erwärmung jedoch nur halb so hoch aus. Per Satellit ist überhaupt keine Erwärmung festzustellen, im Gegenteil, es wurde in den letzten knapp anderthalb Jahrzehnten sogar leicht kühler.

Abbildung 2: Vergleich verschiedener Temperaturdatensätze für die vergangenen 14 Jahre. Quelle: Bod Tisdale

 

Abbildung 3: “Ich ändere die Daten. Bete, dass ich sie nicht noch weiter ändere.” Zeichnung: Josh.

 

Auch in Deutschland will man fündig geworden sein. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete am 29.6.2015: (weiterlesen …)

Keine Erwärmung in der Antarktis. Südlicher Ozean kühlt sich ab

In der Antarktis bricht ein Stück Eis ab. Medien in der ganzen Welt berichten eifrig. Wie konnte das nur passieren? Das muss wohl der Klimawandel sein. Ja, die globale Erwärmung schlägt auch in der Antarktis voll zu und zeigt dort ihre hässliche Fratze. Jeder von der Eiskante abrechende Eisberg ist ein Mahnmal der Klimakatastrophe. Amen.

Nun sind aber auch in der vorindustriellen Vergangenheit regelmäßig Eisstücke in Meers geplumpst. So funktioniert halt das Gletscher-Förderband: Schnee lagert sich im Kontinentinneren ab, der dann als Eis langsam Richtung Küste gleitet. What’s new? Und um wieviel hat sich die Antarktis in den letzten Jahren und Jahrzehnten eigentlich erwärmt? Man liest und hört in der Presse so wenig darüber. Wir wollen dieses Informatonsdefizit einmal zum Anlass nehmen, die Temperaturgeschichte des großen weißen Kontinents näher unter die Lupe zu nehmen.

Paul Homewood hat einmal die per Satellit (UAH) ermittelte Entwicklung in der Südpolregion für die vergangenen 35 Jahre aufgetragen:

Es ist keine Erwärmung zu erkennen. Es war früher kalt und es ist heute kalt. Kein Trend. Vielleicht hat das Thermometer auf der Amundsen-Scott-Basis am Südpol eine Erwärmung aufgezeichnet? Paul Homewood generierte auf Basis der GISS-Daten die folgende Kurve:

Nein, auch im Bereich der Südpolstation ist keine Erwärmung erkennbar, und das gilt gleich für die letzten 50 Jahre. Im nächsten Schritt verlassen wir das Festland und schauen uns an, ob sich wenigstens der Ozean rund um die Antarktis erwärmt hat. Bob Tisdale hat die Temperaturkurve auf Basis der KNMI Climate Explorer-Daten zusammengestellt: (weiterlesen …)

Neue Studie in Nature Geoscience: Nicht CO2 sondern Ozonloch ist Hauptgrund für die Klimaerwärmung im südlichen Afrika

Im südlichen Afrika ist es in den letzten 30 Jahren um ein ganzes Grad wärmer geworden. Schnell war der Schuldige gefunden: Es muss wohl der Mensch gewesen sein, der durch die Nutzung von fossilen Brennstoffen den CO2-Gehalt der Atmosphäre nach oben getrieben hat. Im Oktober 2013 erschien nun im Fachmagazin Nature Geoscience eine neue Studie, die zu einem ganz anderen, überraschenden Ergebnis kommt: Der Großteil der Erwärmung im südlichen Afrika geht nicht auf das CO2 zurück, sondern ist Folge des in den letzten Jahrzehnten über der Antarktis klaffenden Ozonslochs. Die internationale Forschergruppe aus Simbabwe, Japan und Italien um Desmond Manatsa fand, dass sich durch die Ozonarmut über dem Südpol die Windsysteme veränderten und im frühen Sommer verstärkt warme Luft aus der afrikanischen Äquatorregion ins südliche Afrika strömt. Dies ist die eigentliche Wärmequelle der beobachteten Temperaturerhöhung.

Das Ergebnis hat auch große Bedeutung für Klimaprognosen in der Region: Die Wissenschaft geht momentan davon aus, dass sich das Ozonloch aufgrund der Maßnahmen gegen die schädlichen Fluorkohlenwasserstoffe um 2065 wieder geschlossen haben wird. Parallel zur allmählichen Schließung erwarten Manatsa und Kollegen, dass die Erwärmung im südlichen Afrika allmählich stoppt und schließlich sogar eine Abkühlung einsetzt. Warme äquatoriale Luftmassen werden dann wieder seltener ihren Weg an den Südzipfel des afrikanischen Kontinents finden und die Temperaturen sinken.

Gute Besprechungen der Studie erschienen auf phys.org und livescience.com. In Deutschland hingegen zog man es vor, über diese neue Arbeit zu schweigen. Im Folgenden die englischsprachige Zusammenfassung des Papers:

Link between Antarctic ozone depletion and summer warming over southern Africa
The notable rise in surface air temperatures over southern Africa over the past two decades is thought to largely result from the human-induced increase in atmospheric greenhouse gas concentrations. In addition, the loss of stratospheric ozone over Antarctica is thought to have had a significant impact on tropospheric circulation, and hence climate, in the Southern Hemisphere summer, by favouring the positive phase of the Southern Annular Mode. Here, we use reanalysis data to compare the climate of southern Africa before and after the development of the large ozone hole, and investigate possible links between the development of the Antarctic ozone hole and summer warming in the region, defining 1970–1993 as the pre-ozone hole era, and 1993–2011 as the large ozone hole era. We find that the ozone-induced shift in the polarity of the Southern Annular Mode after 1993 coincided with an intensification of the Angola Low, a continental low pressure system that normally develops in austral summer and is mostly located over Angola. We show that the deepening of this low pressure system, in turn, was associated with an increase in the flux of warm surface air from the lower latitudes to southern Africa. We suggest that the recent summer warming over southern Africa is linked to these shifts in atmospheric circulation that are probably induced by Antarctic ozone loss.

 

Neuer IPCC-Bericht entdeckt den wichtigsten Klimafaktor…und ignoriert ihn

Von D. E. Koelle

Der IPCC (Internationale Ausschuss für Klimawandel) ist laut seinen Statuten primär für den anthropogenen Klimawandel zuständig – weniger für den natürlichen Klimawandel, den es seit Bestehen der Erde gibt. Dies mag der Grund sein, dass der Einfluss der Sonne auf das Klima zwar erwähnt wurde, aber nur in Form der Strahlungsintensität am Rande der Atmosphäre. Die Strahlung ist dort mit 1361 W/m2 relativ konstant, woraus man die Rolle der Sonne für den (mittelfristigen) Klimawandel als unbedeutend betrachtete.

Erstmals in der Geschichte der IPCC-Berichte wurde nun in der Ausgabe von 2013 auch der entscheidend wichtige Faktor der effektiv an die Erdoberfläche gelangende Solarstrahlung (SSR = Surface Solar Radiation) diskutiert (Kapitel 2.3.3.). Entscheidend für das Klima- und die Temperatur-Änderungen ist nicht die Solarstrahlung am Rand der Atmosphäre, sondern das was auf der Erdoberfläche ankommt. Dazwischen liegt die Atmosphäre mit ihren Wolken und Aerosolen verschiedener Art, die bestimmen, wie viel Solarstrahlung auf die Erdoberfläche gelangt. Seit 1983 gibt es daher das ISCCP (International Satellite Cloud Climatology Program) zur Bestimmung der mittleren globalen Wolkenbedeckung. Ein spektakuläres Ergebnis war die Beobachtung eines Rückganges der globalen Wolkenbedeckung im Zeitraum 1987 – 2000 von 69 auf 64 %, d.h. genau in der Periode der Erwärmung, welche die CO2-Hypothese auslöste.

Bild 1: Mittelfristige Variation der mittleren globalen Wolkenbedeckung nach den Daten des ISCCP im Zeitraum 1983 bis 2010 

 

Dieses Ergebnis passte nicht zur vorherrschenden Meinung und wurde sofort kritisiert und angezweifelt. Das verhinderte die Aufnahme in den IPCC-Bericht von 2007. Tatsächlich ist die Wolkenbeobachtung und Datenauswertung von Satelliten schwierig und die Ergebnisse auslegungsfähig. Inzwischen hat man aber erkannt, dass es eine objektive Methode gibt, den Wolkeneinfluss, bzw. den Effekt des “solar dimmings” festzustellen: durch Messung der effektiv am Boden auftreffenden Solarstrahlung.  Diese Thematik wird erstmals im neuen IPCC-Bericht in Kapitel 2.3.3 behandelt und belegt durch das Beispiel der längsten existierenden Datenreihe von Stockholm. Sie zeigt eine wesentliche Schwankung der solaren Energie zwischen 90 und 135 W/m2, ein Bereich, der bei geringeren Breitengraden noch wesentlich höher ist.

Bild 2:  Effektive Solarstrahlung (Insolation) am Erdboden für Stockholm 1922-2010 (59°nördl. Breite)

 

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Überraschende Forschungsergebnisse des AWI aus dem subarktischen Kamtschatka: In den letzten 4500 Jahren war es bis zu 4 Grad wärmer als heute

Kennen Sie Kamtschatka? Vor allem Spieler des Gesellschaftsspiels ‘Risiko’ werden diese Halbinsel im ostasiatischen Teil Russlands zu verorten wissen. Die größte Halbinsel Ostasiens ist etwa so groß wie Deutschland und befindet sich zwischen dem Beringmeer/Nordpazifik im Osten und dem Ochotskischen Meer im Westen. Ihre Fortsetzung in Richtung Japan ist die Inselkette der Kurilen. Die Kamtschatka-Halbinsel wurde von Kosaken auf ihren Streifzügen in den Osten Russlands im Jahre 1697 entdeckt. Da es hier vor allem sehr viele Zobel gab, wurde das Gebiet kurz darauf von Russland annektiert. Die dort lebenden Ureinwohner, die Korjaken, Itelmenen, Ewenen, Tschuktschen und Aleuten (Unangan), wurden blutig unterworfen und fast ausgerottet.

Das Klima in Kamtschatka ist arktisch bis subarktisch. Wie konnten die Ureinwohner in dieser unwirtlichen Region bestehen? Hat die Klimaerwärmung des letzten Jahrhunderts die Region in klimatisch bessere Zeiten katapultiert? Eine Forschergruppe um Larisa Nazarova vom Alfred Wegener Institute (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Potsdam untersuchte jetzt anhand von Seenablagerungen die klimatische Vergangenheit Kamtschatkas für die vergangenen 4500 Jahre. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Mai 2013 in den Quaternary Science Reviews. Überraschenderweise fanden Nazarova und ihre Kollegen, dass es in der Zeit vor 4500 bis 4000 Jahren bereits einmal so warm wie heute gewesen ist (Abbildung 1). Dies war jedoch nur der Anfang einer unerwarteten Entwicklung. In der Zeitspanne von 3700 bis 2800 Jahren vor heute kletterten die Temperaturen sogar noch höher und erreichten ein Niveau, das knapp 4 Grad über dem heutigen lag. Nach einer nur wenige Jahrhunderte andauernden kälteren Phase kletterten die Temperaturen vor 2500 Jahren wieder in die Höhe und lagen 1400 Jahre lang 1-2 Grad über dem heutigen Temperaturniveau. In diese Phase fallen auch die Römische Wärmeperiode und die Mittelalterliche Wärmeperiode.

Den Ureinwohnern kamen diese ausgedehnten Wärmephasen gelegen, machten sie die Lebensbedingungen doch etwas erträglicher. Die heutigen Temperaturen in dieser arktisch/subarktischen Region stellen damit keinesfalls eine noch nie dagewesene Hitzesituation dar. Im Gegenteil, über lange Strecken war es in Kamtschatka in den letzten Jahrtausenden sogar wärmer als heute. (weiterlesen …)

Die unterschätzten Millenniumszyklen: Erst wenn die natürliche Zyklik verstanden ist, kann der Beitrag des Menschen abgeschätzt werden

Angesichts der gerade zu Ende gehenden wissenschaftshistorischen Phase des Klimaalarmismus muss man sich fragen, wie es eigentlich zu diesem Irrglauben kommen konnte. Drang nach öffentlicher Beachtung, aktivistische Neigungen und Groupthink sind nur einige Teile dieses Puzzles. Ein anderes wichtiges Element ist die Fehlinterpretation der natürlichen Klimavariabilität in der vorindustriellen Zeit. Noch vor einem Jahrzehnt war man davon überzeugt, die Temperaturen wären über viele Jahrhunderte und Jahrtausende stabil geblieben, und erst seit Beginn der industriellen Phase ab 1850 wäre das Thermometer dann angestiegen.

Heute wissen wir es besser. Eine Vielzahl von Studien dokumentiert natürliche, zyklische Schwankungen des Klimas, mit Temperaturänderungen, die in ihrem Betrag der Erwärmung des 20. Jahrhunderts entsprechen oder diese sogar übertreffen. In der Dezember 2103-Ausgabe des Fachmagazins Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology erscheint jetzt eine Arbeit eines brasilianisch-norwegischen Forscherteams um Thiago Santos. Mithilfe von Isotopen rekonstruierten die Wissenschaftler die Temperaturgeschichte des Südatlantiks vor der Küste Brasiliens für die vergangenen 10.000 Jahre. Dabei fanden sie charakteristische Zyklen im hundert bis tausend-Jahres-Maßstab. Als Auslöser dieser systematischen Schwankungen sehen Santos und seine Kollegen Änderungen der Sonnenaktivität sowie im Klimasystem selbst erzeugte, interne Schwingungen. (weiterlesen …)

Klimaerwärmung in China, Alaska und Kanada verzweifelt gesucht

Mitte Oktober 2013 erschien im Fachmagazin Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology eine Temperaturrekonstruktion von Nordostchina auf Basis von Baumringen für die vergangenen 250 Jahre. Erfasst wurden dabei die Werte für die Zeitspanne Mai bis Juni, also für den späten Frühling und frühen Sommer. Die chinesische Wissenschaftlergruppe um Yu Liu fand, dass die Temperaturen in der vorindustriellen Zeit von 1745-1900 weitgehend stabil waren. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts begannen sich die Temperaturen im Untersuchungsgebiet jedoch abzukühlen, so dass die Region heute um etwa 1 Grad kälter ist als noch vor 100 Jahren.

Abbildung 1: Entwicklung der Mai-Juni-Temperaturen in Nordost-China seit 1745. Ab 1900 setzte ein Abkühlungstrend ein. Quelle: Liu et al. 2013.

 

Schauen wir jetzt nach Alaska. Wie haben sich die Temperaturen dort in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt? Die Arktis soll sich ja angeblich immer schneller erwärmen, dass man es so richtig mit der Angst zu tun kriegt. Ein Blick auf die Temperaturkurve der letzten 60 Jahre fördert Überraschendes zu Tage (Abbildung 2). Bereits Ende der 1970er Jahre schnellten die Temperaturen nach oben und verharrten bis etwa 2005 auf einem hohen Plateau. Seitdem ist die Kurve jedoch jäh abgestürzt. Seit 8 Jahren kühlt sich Alaska nur noch ab. Die Temperaturentwicklung ist dabei eng an die Pazifisch Dekadische Oszillation (PDO) gekoppelt. (weiterlesen …)

Neue AWI-Studie: Heutige Sommertemperaturen in der sibirischen Arktis unterscheiden sich kaum von denen der letzten Jahrtausende

Die Arktis hat sich in den letzten Jahrzehnten schneller als andere Regionen der Erde erwärmt. Ist die Temperatur bereits aus dem Bereich der natürlichen Schwankungsbreite nach oben ausgebrochen? Laufen hier derzeit Temperaturentwicklungen ab, die es noch nie zuvor gegeben hat? Eine im September 2013 im Fachmagazin Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology erschienene Studie eines internationalen Forscherteams um Juliane Klemm von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts (Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung) hat sich die Klimageschichte im arktischen Sibirien näher angeschaut. Mithilfe von Pollenuntersuchungen konnten die Wissenschaftler für eine Übergangszone zwischen Tundra und Taiga die Juli-Temperaturen der letzten 12.000 Jahre ermitteln. Hier das überraschende Resultat (Zitat aus der Kurzfassung der Arbeit):

Anhand einer Klimarekonstruktion auf Basis von fossilen Pollenverteilungen in einem See-Sedimentkern in der sibirischen Arktis, der das gesamte Holozän [letzte 12.000 Jahre, Red. dkS] umfasste, konnten kalte Bedingungen für das späte Glazial [12.000-10.000 Jahre vor heute, Redaktion dkS] abgeleitet werden, mit Juli-Temperaturen die um 1 bis 2 Grad unter den heutigen lagen. Warme und feuchte Bedingungen wurden für das frühe und mittlere Holozän rekonstruiert. Die Juli-Temperaturen lagen etwa 2 Grad höher als heute. Die letzten 4000 Jahre lang herrschten im Untersuchungsgebiet ähnliche klimatische Bedingungen wie heute. 

Ein spannendes Ergebnis: Die heutigen Sommer-Temperaturen unterscheiden sich also kaum von den Werten der letzten Jahrtausende und liegen sogar niedriger als während eines Großteils der Nacheiszeit. Das sonst medial so eifrige AWI versäumte es bislang leider, eine Pressemitteilung zu dieser bemerkenswerten neuen Studie herauszugeben.

 

Abbildung: Dr. Andreas Hugentobler / Lizenz: This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Germany license.