News und Termine

Internationale Umfrage zur Klimagefahr: Nur ein Drittel der befragten Deutschen sieht den Klimawandel als bedeutendes Problem an

Baumringe sind so eine Sache. Manchmal sind sie ausgezeichnete Temperatur- und Klimaindikatoren, und manchmal halt auch nicht. Dies musste auch das legendäre Hockeystick-Team auf die harte Tour lernen. Erst “rekonstruierten” sie die Temperaturen der letzten 1000 Jahre mithilfe von (u.a.) Baumringen, dann jedoch versagten die Ringe in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Baumdaten weigerten sich standhaft, die per Thermometer gemessene Erwärmung zu reproduzieren. Peinlich.

Auf der Iberischen Halbinsel ist nun eine weitere interessante Fallstudie zum Thema dazugekommen. In Spanien machte man sich Sorgen, da die Wachstumsraten der Pinien zurückgegangen sind. Ist vielleicht der Klimawandel Schuld? Das Team der Universidad Politécnica de Madrid um Agustin Rubio Sánchez untersuchte Baumringe und ihr Verhältnis zu anderen Parametern wie etwa Dürren. Das Fazit fällt eindeutig aus: Es war nicht der Klimawandel, der den Pinien so zusetzte. Vielmehr steht ein Wechsel in der Waldbewirtschaftung in Verdacht. Im Zuge der allgemeinen Landflucht wird der Wald heute viel weniger genutzt als noch vor etlichen Jahrzehnten.

Zur Pressemitteilung (Titel: “Dendroecology: not everything is caused by climate change“) geht es hier, das Paper finden Sie hier.

———————–

Eigentlich lohnt es sich nicht, auf Umfragen zum Klimawandel einzugehen. Wissenschaft wird nicht auf der Straße im Rahmen von Umfragen betrieben, sondern von naturwissenschaftlich ausgebildeten Fachleuten, wobei die Wahrheit nicht unbedingt durch einen Konsens erlangt werden kann. Trotzdem wollen wir auf eine recht detaillierte Umfrage des Pew Research Centers hinweisen, die am 14. Juli 2015 veröffentlicht wurde. Dort gibt es unter anderem eine Weltkarte, auf der die von der jeweiligen Bevölkerung am stärksten gefürchtete Gefahr aufgetragen ist. Auffällig: Klimaangst hat man vor allem auf der Südhalbkugel, während auf der Nordhalbkugel die Angst vor dem Islamischen Staat (IS), Russland sowie wirtschaftlicher Instabilität vorherrschen. Hier gehts es zur Graphik.

Weiter interessant ist die Bewertung der Klimagefahr in Deutschland. Nur ein Drittel der befragten Deutschen sieht den Klimawandel als bedeutendes Problem an. Dies ist einer der geringsten Werte aller 40 Staaten, die in der Befragung ausgewertet wurden. Nur in Polen, Russland, Ukraine, Israel, Palästina, China und Pakistan stufte man das Klima noch niedriger in der Dringlichkeitsstufe ein. Der Klimadaueralarm von PIK & Co. wirkt offenbar nicht. Ist das Vertrauen in die Klimawarner durch übertriebene Darstellungen in der Vergangenheit nachhaltig beschädigt? Sind die Menschen vielmehr an fachlich ausgewogenen Informationen und Diskussionen interessiert, wie wir sie hier im Kalte-Sonne-Blog anzubieten versuchen? Wir möchten alle Interessierten weiterhin ermutigen, sich selbst ein Bild zu machen und sich vielseitig zu informieren, anstatt nur den IPCC-Erzählstrang gelten zu lassen.

———————–

Im niederländischen Blog Klimaatverandering hat sich Jos Hagelaars Mitte Juli 2015 mit Temperaturprognosen und ihrem Vergleich mit den Messwerten beschäftigt. Dabei wird klar, dass die realen Temperaturen allmählich aus dem vom IPCC genannten Unsicherheitsbereich nach unten herauslaufen und die Überschätzung der Klimaerwärmung immer deutlicher wird. Hagelaar hat dankenswerterweise auch die Prognose aus unserem Buch “Die Kalte Sonne” (KS) in den Vergleich aufgenommen. Wenn man ähnlich großzügige Unsicherheitsbereiche anwendet wie der IPCC (plus-minus 0,2°C), befindet sich die aktuelle Temperatur auch in unserer Prognose noch im vorhergesagten Bereich. In den kommenden Jahren wird sich dann jedoch zeigen, wer wirklich Recht hat: Die IPCC-Prognose weist nach oben, die KS-Prognose nach unten. Die Ozeanzyklen treten in ihre kühlende Phase ein (“University of Southampton: Kühlender Ozeanzyklus lässt Atlantik in den kommenden Jahrzehnten um ein halbes Grad abkühlen, globaler Erwärmungshiatus setzt sich fort und Hurrikane werden seltener“). Und auch die Sonne weist in Richtung Abkühlung (“Nationales Astronomisches Observatorium von Japan sagt Abkühlung voraus“).

———————–

Kritischer Beitrag zur Energiewende im Manager Magazin am 9. Juli 2015 von Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI):

Die romantische Rhetorik der Energiewende: Bitte nicht mit Argumenten stören!

Ob August Heinrich von Fallersleben sich über das deutsche Projekt der sogenannten ‘Energiewende’ gefreut hätte? Immerhin hat Deutschland wieder eine Mission. Dieses Mal geht es um nichts weniger als die Rettung der Welt. Hehre Ziele für die Gestalt unseres Energiesystems sollen uns zu edler Tat begeistern. Und auch wenn wir nur ein Vierzigstel der globalen Energiewirtschaft sind, ist unsere Verantwortung gewaltig. Denn, so wird gesagt, “wenn es Deutschland nicht schafft, wer dann?” (Jeffrey D. Sachs). Kritischen Beobachtern wird getrotzt statt ihnen zugehört. Denn nun halten wir in guter deutscher Tradition auf dem einmal eingeschlagenen Weg brüderlich zusammen. Die Energiewende sei “ein nationaler Konsens” (Winfried Kretschmann) und daher müssten sie “alle Menschen in Deutschland gemeinsam stemmen” (Peter Altmaier). Die großspurige Rhetorik, zu der die “Energiewende” seit dem atomaren Raus-aus-den-Kartoffeln-Moment im März 2011 offensichtlich einlädt, hätte Herrn von Fallersleben sicherlich gut gefallen. Doch genau diese Grandiosität der Sprache steht einer aufgeklärten Debatte über die deutsche Energiepolitik im Wege.

Weiterlesen im Manager Magazin

 

Ungesunder Klimaalarm: Viele IPCC-nahe Wissenschaftler leiden unter prä-traumatischem Stress

Es ist wirklich ein anstrengendes Geschäft, dieser Klimaalarmismus. Ständig muss man an die “gute Sache” denken, darf Kritik an Kollegen oft nicht aussprechen, wenn diese mal wieder übertrieben haben. Die Klimaskeptiker könnten dies ja für ihre Seite ausschlachten. Die Produktion von schlechten Klimanachrichten geht natürlich nicht spurlos an den beteiligten Wissenschaftlern vorbei. Viele glauben sogar ihre eigenen Geschichten und können vor lauter Angst nachts nicht mehr schlafen. Dies ist übrigens kein Scherz. Judith Curry hat sich in Ihrem Blog der Sache einmal angenommen und lässt Betroffene und Psychologen zu Wort kommen. Letztere haben auch bereits eine Diagnose des Phänomens: Prä-traumatischer Stress.

Siehe auch Artikel in der Washington Post vom 14. Juli 2015:

What it’s like when your job is to predict the end of humanity
As recently as 2009, Camille Parmesan had a career that most scientists can only dream of. That year, the University of Texas professor was named one of Atlantic Monthly’s 27 “Brave Thinkers” for her efforts to save species whose habitats are threatened by climate change. The distinction — which placed Parmesan on a list alongside Steve Jobs, Mark Zuckerberg and Barack Obama — arrived two years after she shared a Nobel Peace Prize with Al Gore for serving as a lead author of the Third Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). But beneath the acclaim, Parmesan recalls, her work left her “professionally depressed” and panicked — so much so that she eventually abandoned her life in the United States for a new one on the other side of the Atlantic, according to the environmental news website Grist.

Weiterlesen in der Washington Post

———————–

Die australische Regierung besitzt in Sachen Klimawandel durchaus eine realistische Sichtweise. Immer wieder werden aus der Politik Stimmen laut, die eine wissenschaftliche Überprüfung der IPCC-Klimahorrorszenarien fordern. Eine Gruppe prominenter australischer Klimawissennschaftler aus dem IPCC-Umfeld macht dieser Drang nach mehr Transparenz offenbar so starke Kopfshmerzen, dass sie nun einen Brief an die Regierung verfassten, in dem sie von einer solchen Überprüfung dringend abraten. ABC News berichtete am 7. Juli 2015:

A group of prominent Australian scientists has warned climate sceptic MPs against wasting time and parliamentary resources on an inquiry into the evidence of human influence on climate change. The scientists have sent a letter to West Australian MPs Dennis Jensen and Chris Back, offering to brief them on the latest science instead. The letter was sent by Professor Ove Hoegh-Guldberg from the University of Queensland’s Global Change Institute and co-signed by 12 others, including Professor Will Steffen from the Australian National University and Professor Lesley Hughes from Macquarie University.

Weiterlesen auf ABC News.

Was treibt die Briefschreiber an? Ist es die Angst vor Entdeckung?

———————–

Es ist immer wieder interessant, einen Einblick in Strategiegedanken der Klimaalarmisten zu gewinnen. Am 9. Juli 2015 gelang dies wieder einmal, als die Taylor & Francis Group in einer Pressemitteilung erklärte, man müsse den Klimawandel viel stärker mit dem Thema Krankheiten verweben, um die Leute effektiv zu erreichen. Machen Sie sich also auf eine neue Welle von “Klimawandel fördert Schnupfen”-Zeitungsartikel in der nahen Zukunft bereit:

How to engage the population with climate change? Frame it as a public health issue.

Recent research in Environmental Communication examines the powerful influence of mass media portrayal of climate change and subsequent public identification with the issue.  Climate change is often reported as an environmental issue, this depiction arguably lacks personal relevance to individuals.  Weathers and Kendall study US reportage of climate change in a public health frame; a more powerful presentation for motivating public engagement and action against climate change?

The majority of the US public are known to largely gain their understanding of climate change from the mass media. Previous climate change communications have largely been from a scientific and environmental perspective, leaving audiences disaffected.  Little coverage has raised public health consequences of climate change such as higher incidence of asthma, allergies, disease and heat stroke amongst many.  Would US citizens alter consumer decisions and seek solutions to climate change if they realised the implications for human health in their own communities as well as the Arctic?  The authors conduct a multi-year content analysis of 270 US climate change news reports in a public health context to assess quantity and style of reporting delivered to Americans.  (weiterlesen …)

Neue GWPF-Broschüre: Ungewollte Folgen der Klimapolitik

Die Wissenschaft ist leider keine demokratische Veranstaltung. Selbst wenn tausende von Wissenschaftlern einen Konsens finden, kann das Modell trotzdem falsch sein und ein Außenseiter Recht haben. So geschehen zum Beispiel im Fall der Plattentektonik (siehe unsere Blogbeiträge “Kontinentalverschiebung und Klimawandel: Die wundersame Wiederholung der Wissenschaftsgeschichte” und “Die Plattentektonik setzt sich durch: Lehren für die Klimadebatte“).

Ein schönes Beispiel ist auch der Fall des Atmosphärenphysikers Heinz-Wolfram Kasemir. Der 1913 in Tilsit geborene und 2007 verstorbene Forscher entwickelte Theorien, die gegen den damaligen wissenschaftlichen Mainstream liefen, sich letztlich aber mehrfach als korrekt erwiesen. Als er seine entsprechenden Arbeiten publizieren wollte, schlug ihm oft Ablehnung entgegen. Zeitschriften-Gutachter erkannten oft den Wert der Arbeiten nicht und lehnten Kasemirs Manuskripte ab. Schön nachzulesen in einem Interview der AGU Mitgliederzeitschrift Eos (vol. 95, N. 17, 29. April 2014, p. 146) mit Vladislav Mazur, der zusammen mit Lothar Ruhnke kürzlich einen Sammelband mit Kasemirs Arbeiten herausgab.

———————–

Die GWPF hat vor kurzem einen Bericht mit dem Titel “Ungewollte Folgen der Klimapolitik” herausgegeben, in dem es um sozioökologische Probleme geht, die durch Erneuerbare Energien und andere klimapolitische Maßnahmen verschuldet werden. Autor der Analyse ist Andrew Montford, der bereits in seiner Rückschau zum “Hockeytick” bewies, dass er unbequeme Themen seriös aufzubereiten weiß. Hier geht es zum Bericht.

Im Telegraph fragt sich Christopher Booker, weshalb den Klimaschützern der Umwelschutz so egal sein kann:

Why are greens so keen to destroy the world’s wildlife?
This pursuit of the dream of “carbon-free energy” is creating an ecological catastrophe

Weiterlesen in The Telegraph.

Wo ist der Aufschrei der deutschen Naturschutzgruppen, wenn Klimamaßnahmen in der Tierwelt massiven Schaden anrichten? Es herrscht eine unerklärliche Stille. Lieber kümmert man sich um CO2-Senkungen und schwer vorhersagbare Klimaveränderungen, als sich mit den realen Problemen im Hier und Jetzt zu belasten. Eine schlimme Schlappe für die Naturschutzbewegung, die vom CO2-Pendel hypnotisiert nur noch den Klimawandel sieht.

Zu den unbequemen wissenschaftlichen Erkenntnissen in Sachen “grünes Leben” gehört leider auch, dass der Anbau von Biogemüse offenbar deutlich höhere CO2-Emisssionen verursacht als konventionelle Landwirtschaft. Details hierzu in der Daily Mail vom 15. Juli 2015.

———————–

Malaria ist eines der großen Probleme dieser Welt. Mithilfe von DDT hatte man das Problem vor einigen Jahrzehnten bereits ganz gut im Griff, allerdings erkannte man dann, dass DDT wohl auch für den Menschen schädlich ist und krebsfördernd wirkt. Zwischenzeitlich hatten Klimaaktivisten versucht, Malaria mit der Klimaerwärmung in Zusammenhang zu setzen, ein Zusammenhang der von Fachwissenschaftlern jedoch nicht geteilt wird. Siehe u.a. “Neue Studie der UCSB: Klimaerwärmung führt zur Abnahme der Malaria in aktuellen Problemgebieten“.

Nun hat die University of Leicester gute Nachrichten: Am 7. Juli 2015 teilte sie per Pressemtteilung mit, dass man Malaria zukünftig wohl auch ohne DDT bekämpfen kann (mit Dank an WUWT für die Info):

————————–

Study identifies new way to kill the malaria parasite

Scientists have discovered new ways in which the malaria parasite survives in the blood stream of its victims, a discovery that could pave the way to new treatments for the disease. The researchers at the Medical Research Council’s (MRC) Toxicology Unit based at the University of Leicester and the London School of Hygiene & Tropical Medicine identified a key protein, called a protein kinase, that if targeted stops the disease. The study is published today (Tuesday) in Nature Communications.

Malaria is caused by a parasite that enters the body through the bite of an infected mosquito. Once inside the body, parasites use a complex process to enter red blood cells and survive within them. By identifying one of the key proteins needed for the parasite to survive in the red blood cells the team have prevented the protein from working and thereby kill the parasite – in this way they have taken the first step in developing a new drug that could treat malaria.

The scientists – funded by the Medical Research Council (MRC) and the Wellcome Trust – used state-of–the-art methods to dissect the biochemical pathways involved in keeping the malaria parasite alive. This included an approach called chemical genetics where synthetic chemicals are used in combination with introducing genetic changes to the DNA of the parasite.

The researchers found that one protein kinase plays a central role in various pathways that allow the parasite to survive in the blood. Understanding the pathways the parasite uses means that future drugs could be precisely designed to kill the parasite but with limited toxicity, making them safe enough to be used by children and pregnant women.

Co-lead author of the study Professor Andrew Tobin from the MRC Toxicology Unit which is located at the University of Leicester, said: “This is a real breakthrough in our understanding of how malaria survives in the blood stream and invades red blood cells. We’ve revealed a process that allows this to happen and if it can be targeted by drugs we could see something that stops malaria in its tracks without causing toxic side-effects.”

Professor David Baker, co-lead author from the London School of Hygiene & Tropical Medicine, said: “It is a great advantage in drug discovery research if you know the identity of the molecular target of a particular drug and the consequences of blocking its function. It helps in designing the most effective combination treatments and also helps to avoid drug resistance which is a major problem in the control of malaria worldwide.”

According to the World Health Organization malaria currently infects more than 200 million people worldwide and accounts for more than 500,000 deaths per year. Most deaths occur among children living in Africa where a child dies every minute of malaria and the disease accounts for approximately 20% of all childhood deaths.

Professor Patrick Maxwell, chair of the MRC’s Molecular and Cellular Medicine Board, said: “Tackling malaria is a global challenge, with the parasite continually working to find ways to survive our drug treatments. By combining a number of techniques to piece together how the malaria parasite survives, this study opens the door on potential new treatments that could find and exploit the disease’s weak spots but with limited side-effects for patients.”

 

Palmöl-Plantagen bedrohen Zukunft der südostasiatischen Küstenzonen: Entwässerung und Landabsenkung öffnen Salzwasser Tür und Tor und führen zur Vernichtung des Lebensraumes

Der Klimawandel und der damit verbundene Meeresspiegelanstieg bedrohe ganz besonders Südostasien, schrieb das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Bericht für die Weltbank. Dabei hatte das PIK jedoch nicht nur die Ozeanzyklen übersehen, die den Meeresspiegel in der Region mal schneller und mal langsamer ansteigen lassen, sondern auch unbequeme Folgen der Palmölgewinnung. Die Energiewende und der damit verbundene hohe Bedarf an Palmöl gibt Grund zu großer Sorge: Küstennahe Sumpflandschaften in Südostasien werden unter einem grünen Deckmäntelchen im großen Maßstab entwässert, um lukrative Palmöl-Pflanzungen anzulegen. Dazu gibt es oft dann noch grüne, blaue und sonstwiefarbene Öko-Engel aufgestempelt, die die Maßnahmen im Ausland scheinheilig als nachhaltig ausgeben.

In Wahrheit lässt die massive Entwässerung das Land absinken, was bei Sturmfluten dem salzigen Meerwasser Tür und Tor öffnet. In den kommenden Jahrzehnten wird so der Lebensraum der Menschen versalzen und zerstört, die wirtschaftliche Grundlage der Region geraubt und die Biodiversität untergraben. Durch die Entwässerung gelangen zudem größere Mengen an zusätzlichem CO2 in die Atmosphäre, was den grünen Anstrich des Palmöls weiter abblättern lässt. Die Erkenntnisse wurden im Rahmen einer Studie gewonnen, die kürzlich von Deltares im Rajang-Delta in Malaysia im Auftrag von Wetlands International durchgeführt wurde.

Das Thema scheint die deutsche Presse jedoch nicht im Geringsten zu interessieren. Eine Google-News-Suche ergab, dass offenbar keine einzige Redaktion über die Studie berichtete. Wir wollen die Nachrichtenlücke zu diesem wichtigen Thema gerne füllen. Im Folgenden die Pressemitteilung von Wetlands International vom 6. Juli 2015:

—————————

Peatlands of South East Asia are heading towards a socio-economic disaster

Agricultural production in vast regions of South East Asia will be lost in the coming decades as a result of flooding of extensive lowland landscapes due to unsustainable development and management of peat soils. About 82% of the Rajang Delta in Sarawak (East Malaysia) will be irreversibly flooded within 100 years and substantial areas are already experiencing drainage problems. This will increasingly impact local communities, the economy and biodiversity and will develop over time into disastrous proportions unless land-use on the region’s peatlands is radically changed. Therefore Wetlands International calls for conservation and sustainable management of peatlands in South East Asia.

A study commissioned by Wetlands International and executed by Deltares suggests that extensive drainage of peatlands for oil palm cultivation in the Rajang river delta results in such massive land subsidence that this will lead to extensive and devastating flooding incidents in the coming decades. The study analysed an area of 850,000 hectares of coastal peatlands in Sarawak, and produced a model which demonstrates that in 25 years 42% of the area will experience flooding problems. In 50 years the percentage affected will increase to 56% while the nature of flooding becomes more serious and permanent, and in 100 years 82% of the peatlands will be affected.

Such extensive flooding is due to massive conversion of peat swamp forests to agriculture, mainly oil palm plantations: currently only 16% of Sarawak’s natural peat forests remain. These valuable crops require drainage in order to be profitable. “The results of the model clearly shows the need for a radical change in peatland landuse not only in Sarawak but in all peat landscapes in the region”, said Lee Shin Shin, Senior Technical Officer of Wetlands International – Malaysia.“Current trends whereby vast areas of peatlands are opened up for drainage-based activities will render these areas unproductive and useless and this will adversely impact communities, industries and biodiversity that rely on such areas for their very survival and existence.”

Peat soils are made up of 10% accumulated organic material (carbon) and 90% water. When water is drained from the peat soil, the carbon in the peat soil is turned into CO2 and emitted into the atmosphere causing climate change. This carbon loss reduces the peat volume and thus causes the peat soil to subside. This process continues as long as drainage is continued and until the soil surface reaches sea or river levels constraining the outflow of water and thus leading to flooding. In tropical conditions, peat drainage causes the soil to subsidence at a rate of 1 to 2 metres in the first years of drainage, and 3 to 5 centimetres per year in subsequent years. This results in the subsidence of the soil by up to 1.5 metres within 5 years and 4 to 5 metres within 100 years.

“The study results are very relevant to Indonesia as well, where we observe the same patterns of peat swamp forest conversion, drainage and expansion of oil palm and Acacia for pulp wood plantations”, said Nyoman Suryadiputra, Director of Wetlands International – Indonesia. “Thousands of square kilometres in Sumatra and Kalimantan may become flooded in the same way as the Rajang delta, affecting millions of people who depend on these areas for their livelihoods”.

“Highly developed countries or regions in temperate areas, such as the Netherlands, cope with soil subsidence by building dykes and pump-operated drainage systems, but this is impossible in Malaysia or Indonesia”, explained Marcel Silvius, Programme Head for Climate Smart Land Use at Wetlands International. “The predominantly rural economy along thousands of kilometres of coastline and rivers, combined with the intense tropical rainfall makes it economically and practically impossible to implement such costly water management measures in the Southeast Asian region”.

Governments and industry should therefore immediately stop the conversion of remaining peat forests to agricultural or other use, and actively promote peatland conservation and restoration. Industry will need to phase out drainage-based plantations on peatlands, as these areas will be increasingly subject to flooding and eventually become unsuitable for any form of productive land-use. Effective policies should be drawn up, implemented and enforced to conserve and ensure the wise use of peatlands. There are many crops that can be cultivated on peatlands without drainage. Over 200 commercial local peat forest tree species have been identified, such as Tengkawang (Shorea spp.) which produces an edible oil and Jelutung (a latex producing species). These can provide alternative and sustainable livelihood opportunities for local communities but require piloting, improvement of varieties and up-scaling for industrial plantations.

—————————

Eine weitere aktuelle Studie zeigt deutlich auf, dass die früher behauptete Klimabilanz des Palmöls viel schlechter ausfällt als lange gedacht. Die University of Minnesota gab am 9. Juli 2015 in einer Pressemitteilung bekannt, dass die CO2-Emissionen im Rahmen der Entwässerung der Palmölplantagen wohl knapp doppelt so hoch sind wie vom IPCC im letzten Klimabericht angenommen. Hier die Pressemitteilung in Vollversion (deutsche Zeitungen ignorierten auch die Studie bislang):

—————————

Tropical peatland carbon losses from oil palm plantations may be underestimated (weiterlesen …)

Tierwelt des Amazonas-Regenwaldes durch Staudammprojekte akut gefährdet: Neue Studie der University of East Anglia ist der deutschen Presse keine Silbe wert

In den Kieler Nachrichten konnte man am 6. Juli 2015 schön sehen, dass der Klimawandel offiziell nur negative Folgen haben darf. Forscher hatten herausgefunden, dass die Pflanzen in der Arktis bei steigenden Temperaturen größer wachsen. Eigentlich braucht man dazu kein Riesenforschungsprogramm, das Ergebnis liegt irgendwie auf der Hand. Schön für die Pflanzen, möchte man meinen. Die Kälte hat lange Zeit ihr Wachstum eingeschränkt, nun dürfen sie endlich mal so richtig loslegen. Das ist jedoch nicht die Erzählrichtung der Kieler Nachrichten. Dort macht man sich Sorgen, dass die größeren Pflanzen den Permafrostboden auftauen lassen könnten:

Studie: Auch Pflanzen in arktischer Tundra erhöhen Klimawandel
Die arktische Tundra kann die Erderwärmung noch stärker beschleunigen als bislang gedacht. Zunehmende Temperaturen lassen nach Forscherangaben Pflanzen in bestimmten Gebieten der Tundra größer werden. Dadurch könnten diese das Auftauen der Permafrostboden und damit die Entstehung von Treibhausgasen indirekt beschleunigen. Am stärksten reagieren Büsche und Sträucher im Übergangsbereich der Tundra zur Hocharktis auf den Klimawandel, wie der Professor für Landschaftsökologie, Martin Wilmking, von der Universität Greifswald am Montag sagte.

Weiterlesen in den Kieler Nachrichten.

Eine schöne Klimaschauergeschichte. Leider ohne viel Substanz, denn andere Studien konnten zeigen, dass man die Permafrost-Gefahr wohl erheblich überschätzt hat. Siehe: “Spektrum der Wissenschaft: Klimagefahr durch auftauenden Permafrostboden wurde überschätzt“.

———————–

Der Papst hat den 1. September zum Klimawandel-Gebetstag erklärt. Daher nicht vergessen, heute für oder gegen das Klima zu beten! Je nach Vorliebe. Weitere Informationen hierzu auf WUWT.

———————–

Erneuerbare Energien sind zunächst einmal eine gute Sache. Energie frei Haus: Solarkraft, Wind, Wasserkraft und Biotreibstoffe – ohne die antreibende Kraft der Sonne gäbe es gar keine Erneuerbare Energien. Nun ist es sicher richtig, die Erneuerbaren zu fördern und auszubauen. Allerdings ist es hierbei wichtig, aus der initialen “Alles ist möglich und notwendig”-Pionierstimmung endlich in eine seriösere Planung einzusteigen. Stichwort Biotreibstoff-Monokulturen, Zerstörung des tropischen Regenwaldes für Palmöl, Überflutung riesiger Gebiete durch Staudämme, Verspargelung urtümlicher Landschaften durch Windkraftanlagen… Auch für die Erneuerbaren Energien müssen Grenzen gelten, wenn Natur in unverhältnismäßiger Weise zerstört wird oder andere schwerwiegende Nachteile drohen.

In Brasilien kann man den zerstörerischen Einfluss von Staudämmen auf das Ökosystem exemplarisch studieren. Der Balbina-Staudamm hat weite Teild des Amazonas-Urwalds überflutet. Forscher haben nun genauer nachgeschaut, welche Auswirkungen dies auf Flora und Fauna hatte. Sie fanden dabei Erschreckendes, wie National Geographic am 1. Juli 2015 berichtete. Eine wahrlich menschengemachte Katastrophe:

Amazon’s Wildlife Threatened By Hydropower Dams, Study Says
As countries build more hydropower projects, new research warns that massive dams pose an extinction threat to mammals, birds, and tortoises—at least in the Amazon. Brazil’s Balbina Dam has turned what was once undisturbed forest into an artificial archipelago of 3,546 islands where many vertebrates have disappeared, according to a study published Wednesday by England’s University of East Anglia. “We’re watching extinction unfold right in front of us,” says co-author Carlos Peres, a Brazilian professor at the university’s School of Environmental Sciences. “We uncovered astounding local extinction rates,” he says, even in areas that belong to a biological reserve and are protected from hunting.

Weiterlesen bei National Geographic.

Artensterben als Folge der Energiewende – ein unbequemes Thema im Jahr der Pariser Klimakonferenz. Die deutsche Presse ignorierte die wichtige Studie einfach. Eine Google-Nachrichten-Suche ergibt keinen einzigen Treffer. Anders hier im Kalte-Sonne-Blog, wo wir auch unangenehme Themen angehen. Im Folgenden die Pressemitteilung der University of East Anglia vom 6. Juli 2015 zur Amazonas-Studie:

——————–

Hydroelectric dams drastically reduce tropical forest biodiversity

Widely hailed as ‘green’ sources of renewable energy, hydroelectric dams have been built worldwide at an unprecedented scale. But research from the University of East Anglia reveals that these major infrastructure projects are far from environmentally friendly.

A study published today in PLOS ONE reveals the drastic effects of the major Amazonian Balbina Dam on tropical rainforest biodiversity. The research reveals a loss of mammals, birds and tortoises from the vast majority of islands formed by the creation of the vast Balbina Lake, one of the world’s largest hydroelectric reservoirs. Lead author Dr Maíra Benchimol (pictured below), a former PhD student at UEA and now at Universidade Estadual de Santa Cruz, Bahia, Brazil, said: “Hydroelectric dams have been thought to be an environmentally friendly source of renewable power – and in recent years they have been built to supply the burgeoning energy demands of emergent tropical countries. “Previous studies have shown that large dams result in severe losses in fishery revenues, increases in greenhouse gas emissions, and socioeconomic costs to local communities. Our research adds evidence that forest biodiversity also pays a heavy price when large dams are built. (weiterlesen …)

Kurios: Schweizer Tagesschau macht aus “Zwei-Grad-Ziel” ein “Zwei-Prozent-Ziel”

Es ist Sommer. Es ist heiß. Das muss wohl der Klimawandel sein. Das sieht auch Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) so und meldete am 4. Juli 2015:

Bald jeder zweite Sommer ein Rekordsommer?
Es herrscht eine Gluthitze: Zur Freude von Wasserratten, Glacefreunden und Sonnenanbetern. Bisher blieben negative Folgen weitgehend aus. Das ist nicht selbstverständlich. Eine Risikoanalyse des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz zeigt: Eines der drei grössten nationalen Risiken ist eine Hitzewelle.

Amüsant ist hierbei, dass die SRF-Redaktion eine noch ziemlich gewagte Voraussage für das Ende des Jahrhunderts im Titel als “Bald” klassifiziert… Ebenfalls Anfang Juli 2015 kam in den Schweizer Nachrichten aber auch ein überraschender Bericht, der zeigt, dass das Abschmelzen von Alpengletschern keineswegs ewig-öde Gesteinswüsten hinterlässt, sondern dass sich diese Flächen bald in blühende Gärten verwandeln. Eigentlich passen diese “Good News” ziemlich schlecht zur üblichen “Klimaerwärmung-ist-immer-ganz-schlimm”-Story, und daher ist es bemerkenswert, dass dieser Bericht – im Vorfeld von COP21 in Paris – in die Schweizer Nachrichten gelangte:

Bakterien verwandeln Steinwüsten in blühende Natur
Wo Gletscher verschwinden, bleiben karge Steinwüsten übrig. Bereits nach wenigen Jahren erobern verschiedenste Pflanzen und Tiere die scheinbar lebensfeindlichen Gebiete wieder. Wie, das hat nun ein Wissenschaftlerteam beim Urner Dammagletscher untersucht.

Weiterlesen beim SRF.

Nicht überraschend war hingegen, dass in der Deutschlandfunk-Reportage über den Klimabericht der Ostsee-Region die Begriffe “Kleine Eiszeit” und “Mittelalterliche Wärme Periode” nicht mit einer Silbe erwähnt wurden. Hätte ja auch schlecht zur obligaten Klima-Alarm-Botschaft gepasst:

Klimabericht für Ostsee-Raum: Im Norden weniger Eis, im Süden weniger Regen
Die Berichte des Weltklimarates IPCC gehören zu der Art Publikationen, über die unter Experten, in der Öffentlichkeit und in den Medien kontrovers diskutiert wird, die aber nur die wenigsten tatsächlich gelesen hat. Besser ergeht es hoffentlich dem “kleinen IPCC-Report” für den Ostsee-Raum. Dessen Fazit: Die Anrainerstaaten müssen sich auf spürbare Veränderungen gefasst machen.

Auch das beteiligte Helmholtz-Zentrum Geesthacht war diese Auslassung sichtlich peinlich, als es hierauf von uns angesprochen wurde (siehe “Um Antwort wird gebeten: Warum verschweigt das Geesthachter Institut für Küstenforschung die Mittelalterliche Wärmeperiode in seiner Pressemitteilung zum Zweiten Ostee-Klimazustandsbericht?“).

———————–

Immer wieder herrlich: Alle reden über den Klimawandel, aber nur sehr wenige verstehen die Grundlagen. Bei der Schweizer Tagesschau wurde aus dem “Zwei-Grad-Ziel” kürzlich das “Zwei-Prozent-Ziel”. Amüsant.

Anstieg globaler Extrem-Regenfälle? Australische Forscher widersprechen den Ergebnissen einer neuen PIK-Studie

Die Sintflut wird in den mythologischen Erzählungen verschiedener antiker Kulturen als eine göttlich veranlasste Flutkatastrophe beschrieben, die die Vernichtung der Menschheit und der Landtiere zum Ziel hatte. Als Gründe für die Sintflut nennen die historischen Quellen zumeist Verfehlungen der Menschheit. Die Idee findet im Rahmen des aktuellen Klimakatastrophismus eine Rennaissance. Durch unser frevelhaftes Tun steige der Meeresspiegel und schlimme Regenfälle lassen die Flüsse über die Ufer treten und schwemmen alles Sündige hinfort.

Da passt es ganz gut, dass der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans-Joachim Schellnhuber kürzlich bei der päpstlichen Enzyklika als Ghostwriter mitgeschrieben hat. Am 8. Juli 2015 befeuerte sein Institut mit einer Pressemitteilung das Sintflut-Thema:

Klimawandel: Immer mehr Rekord-Regenfälle
Weltweit haben extreme Regenfälle in den vergangenen dreißig Jahren zu immer neuen Rekorden geführt. Bis 1980 lassen sich Schwankungen in der Häufigkeit von Starkregen mit natürlichen Faktoren erklären,– für die jüngste Zeit aber haben Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung einen klaren Aufwärtstrend solcher zuvor nie dagewesener Regenfälle entdeckt. Diese Zunahme passt zum Anstieg der globalen Mitteltemperatur, die verursacht wird von Treibhausgasen aus dem Verbrennen von Kohle und Öl. Sturzbachartige Regenfälle können zu folgeschweren Überschwemmungen führen.

Die These: Die Häufigkeit extremer Regenfälle hätte sich in den letzten 35 Jahren im globalen Maßstab so weit gesteigert, dass der Bereich der natürlichen Schwankungsbreite nun verlassen wurde. Das dazugehörige Paper stammt von einem PIK-Forschertrio um Jascha Lehmann und erschien in der Juli 2015-Ausgabe des Fachblatts Climatic Change. Das PIK beschreibt die wichtigsten Ergebnisse in seiner Pressemitteilung wie folgt:

Eine statistische Analyse von Regendaten aus den Jahren 1901-2010, gewonnen aus Tausenden von Wetterstationen weltweit, zeigt für den Zeitraum seit 1980 einen Anstieg solcher Rekord-Regen-Ereignisse um 12 Prozent verglichen mit einem Szenario ohne Klimawandel. „Weil der Trend nach oben weist, beträgt die Zunahme von Rekord-Regenfällen im letzten der untersuchten Jahre sogar 26 Prozent“, so Lehmann. Diese Rekorde brechende Abnormität ist auf den verschiedenen Kontinenten der Erde unterschiedlich ausgeprägt; feuchte Regionen erleben eine stärkere Zunahme, trockene eine weniger starke. In den Ländern Südost-Asiens wurde eine Zunahme von Rekord-Regenfällen um volle 56 Prozent verzeichnet, in Europa um 31 Prozent. Andere Regionen hingegen beobachten eine Abnahme von Rekord-Regen. Im Mittelmeer-Raum beträgt diese Abnahme 27 Prozent, im Westen der USA 21 Prozent. Beide Regionen sind von Trockenheit bedroht.

Die komplizierte Formulierung lässt aufhorchen: ein Anstieg “verglichen mit einem Szenario ohne Klimawandel”. Die Stationsdaten wurden offenbar nicht mit einer Referenzperiode der Vergangenheit verglichen, so wie es in der Meteorologie normalerweise üblich ist. Weshalb so kompliziert? Haben Lehmann und Kollegen die natürliche Variabilität extremer Regenfälle voll im Griff, die in das “Szenario ohne [anthropogenen] Klimawandel” zwingend einfließen müsste? Ergibt sich der proklamierte Anstieg von 12% vor allem aus dem Unterschied zwischen tatsächlicher Datenbasis und dem PIK-Klimamodell? Weshalb verwenden die Autoren nicht einfach die simplen, harten Messdaten und überprüfen, ob es einen Trend in der Häufigkeit extremer Regenfälle gibt?

Genau dies hatte ein australisches Team um Fubao Sun von der National University in Canberra getan und die Ergebnisse 2012 in den Geophysical Research Letters publiziert. Das Ergebnis: Trotz globaler Erwärmung  sind die globalen Niederschläge in den letzten 70 Jahren  weniger extrem geworden, und dies sowohl in zeitlicher wie auch räumlicher Hinsicht. Trockene Gebiete wurden feuchter, und feuchte Gebiete wurden trockener. Eine Temperaturabhängigkeit der Niederschlagsvariabilität war nicht festzustellen. Die Forscher vermuten, dass Aerosole eine viel wichtigere Rolle spielen.

Wundert es Sie auch ein bisschen, dass das PIK-Forschertrio diese wichtige Studie einfach ignoriert? In der Literaturliste der neuen Arbeit sucht man das Paper der Australier jedenfalls vergeblich. Weshalb haben die Reviewer nicht auf eine Diskussion der abweichenden Ergebnisse bestanden? Auch in anderen Fallstudien aus verschiedenen Teilen der Erde findet sich kein Hinweis auf eine Verschärfung der Extremregengefahr:

Deutschland:
Klimabericht des Umweltbundesamtes (UBA) zu Deutschland: Kein statistisch gesicherter Anstieg extremer Niederschläge oder von Trockenperioden

England & Wales:
Simpson & Jones 2013

Frankreich:
Extremregen war in den Französischen Alpen während der Kleinen Eiszeit häufiger als heute

Italien:
Kein Anstieg der extremen Niederschläge in Norditalien während der vergangenen 90 Jahre

Marokko:
Extreme Regenfälle in Marokko während der letzten 50 Jahre nicht häufiger geworden

USA:
Extremregen in den USA war Anfang des 20. Jahrhunderts häufiger als heute

Natürlich gibt es auch Gebiete, in denen eine Zunahme extremer Regenfälle zu verzeichnen ist. Der IPCC fasste in seinem letzten Klimabericht (AR5) die globale Situation wie folgt zusammen:

Precipitation extremes also appear to be increasing, but there is large spatial variability.

Man gibt sich beim IPCC also überaus vorsichtig. Aus gutem Grund, denn die Datenlage ist alles andere als eindeutig, wie auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) in der Welt vom 9. Juli 2015 zu bedenken gibt:

Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) möchte man der Schlussfolgerung des PIK mit Blick auf Deutschland nicht komplett folgen. “Das stellt sich für uns noch nicht eindeutig dar und müsste durch weitere Arbeiten belegt werden”, sagt der Klima- und Extremwetter-Experte des DWD, Thomas Deutschländer. Anders als bei den steigenden Jahresmitteltemperaturen sei beim Starkregen ein Zusammenhang mit dem Klimawandel schwieriger herzustellen – und die bisherige Beobachtungsphase zu kurz. “Wir haben in Deutschland derzeit gewisse Indizien für eine Zunahme im Winter, jedoch nicht für Sommer oder Herbst”, sagt Deutschländer. “Das sind noch keine markanten Trends.” Zwischen 1980 und 2000 habe es in Deutschland eine Art Starkregen-Loch gegeben. “Seit 2000 zieht die Zahl der Ereignisse wieder an. Aber auch zwischen 1950 und 1980 hat es eine Phase mit relativ vielen Starkregen gegeben.”

 

Geschlechtsumwandlung durch Klimawandel: Wenn Dracheneidechsen-Männchen plötzlich zu Weibchen werden

Eigentlich sind wir ja eine jugendfreie Webseite, trotzdem wollen wir heute aus wissenschaftlichen Gründen eine Ausnahme machen und möchten über eine neue Studie der australischen University of Canberra berichten. Forscher fanden dort etwas Ungeheuerliches: Erstmals konnte man nachweisen, dass der Klimwandel zu Geschlechtsumwandlungen in der Natur führen kann. Die Wissenschaftler setzten Dracheneidechsen warmen Temperaturen aus, die daraufhin von männlich auf weiblich umschalteten. Hoffentlich passiert dies nicht auch bei den Menschen… Am 2. Juli 2015 gab die Universität die spektakulären Ergebnisse im Rahmen einer Pressemitteilung bekannt:

Reptile sex goes wild in the outback, UC research finds

A climate-induced change of male dragons into females occurring in the wild has been confirmed for the first time, according to University of Canberra research published on the cover of prestigious international journal Nature today. The researchers, who have long studied Australia’s bearded dragon lizards, have been able to show that a reptile’s sex determination process can switch rapidly from one determined by chromosomes to one determined by temperature.

Lead author Dr Clare Holleley, a postdoctoral research fellow at the University of Canberra’s Institute for Applied Ecology, explained: “We had previously been able to demonstrate in the lab that when exposed to extreme temperatures, genetically male dragons turned into females.” “Now we have shown that these sex reversed individuals are fertile and that this is a natural occurring phenomenon.”

Using field data from 131 adult lizards and controlled breeding experiments, Dr Holleley and colleagues conducted molecular analyses which showed that some warmer lizards had male chromosomes but were actually female. “By breeding the sex reversed females with normal males, we could establish new breeding lines in which temperature alone determined sex. In doing so, we discovered that these lizards could trigger a rapid transition from a genetically-dependent system to a temperature-dependent system,” she said. “We also found that sex-reversed mothers – females who are genetic males – laid more eggs than normal mothers,” Dr Holleley said. “So in a way, one could actually argue that dad lizards make better mums.”

University of Canberra Distinguished Professor Arthur Georges, senior author of the paper, also highlighted the importance that these discoveries have in the broader context of sex determination evolution. “The mechanisms that determine sex have a profound impact on the evolution and persistence of all sexually reproducing species,” Professor Georges said. “The more we learn about them, the better-equipped we’ll be to predict evolutionary responses to climate change and the impact this can have on biodiversity globally.” The paper Sex reversal triggers the rapid transition from genetic to temperature-dependent sex.

Science Daily griff die Geschichte auf und titelte:

Climate change is turning male dragon lizards into females

Im folgenden Videoclip der University of Canberra kann man mehr über die Studie erfahren:

Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz braucht dringend Klimakompetenzzentrum

Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz sieht für sein Bundesland immer stärkere Anzeichen einer nahenden Klimakatastrophe. Am 3. Juli 2015 teilte das Ministerium mit:

Klimawandel auch in Niedersachsen immer deutlicher spürbar – Landesregierung richtet Klimakompetenzzentrum ein

Seit drei Monaten herrscht in Niedersachsen eine ungewöhnlich trockene und zunehmend wärmere oder sogar heiße Witterung. Nach Aussage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist damit im Langzeitvergleich der sechste zu trockene Frühling in den letzten sieben Jahren zu zählen. Besonders betroffen hiervon war und ist Niedersachsen.

Zwar lasse sich zwischen Wetterereignissen und Klimaveränderungen keine wissenschaftlich belastbare Kausalität im Einzelfall herstellen, gleichwohl gebe es immer mehr Grund anzunehmen, dass diese Veränderungen des Wettergeschehens deutliche Anzeichen des menschengemachen Klimawandels sind, so Umweltminister Stefan Wenzel am Freitag in Hannover. „Der Klimawandel und seine Folgen werden sich auch in Niedersachsen verschärfen.

Jetzt mal langsam. Erst wird im Titel der Meldung behauptet, die Anzeichen würden immer stärker werden, und dann räumt man ein, dass man noch keine wissenschaftlich belastbaren Erkenntnisse hätte? Das passt nicht zusammen. Der Umweltminister flüchtet sich daraufhin in Spekulationen über die Zukunft, die ebenfalls wenig belastbar sind. Wo sind die harten Fakten? Das Ministerium schreibt:

Die Zunahme von außergewöhnlichen Wetterereignissen sind hierfür Indiz und Warnung zugleich: In den Sommern 2013 und 2014, vor einem Jahr also, standen wir vor den Herausforderungen von Hochwasserlagen und Überschwemmungen, heute hingegen müssen wir mit Trockenheit und Hitzebelastungen umgehen – Für diese wachsenden Schwankungen und Verschärfungen von Wetter und Klima müssen wir Mensch und Natur in Niedersachsen also noch besser wappnen.”

Mal Hochwasser, mal Dürre, natürlich gibt es Schwankungen im Wettergeschehen. Behauptet wird, dass diese Schwankungen zugenommen hätten. Wie sieht die Statistik aus? Die Kollegen vom Umweltbundesamt (UBA) haben hier kürzlich eine klare Aussage getroffen: Im Klimabericht des UBA steht schwarz auf weiß: Es gibt keinen statistisch gesicherten Anstieg extremer Niederschläge oder von Trockenperioden in Deutschland. In Mitteldeutschland haben schwere sommerliche Regengüsse während der letzten 100 Jahre sogar abgenommen. Das Niedersächsisch Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz stochert im Dunkeln und lehnt sich weit aus dem Fenster. Wissenschaftlich ist dies überaus bedenklich. Wenn es doch jemanden gäbe, der hier fachlichzur Seite stehen könnte. Das Ministerium hat hier selber eine Idee:

Um der Herausforderung Klimaanpassung begegnen zu können, plant das Land Niedersachsen ein Klimakompetenzzentrum als zentrale Beratungs- und Unterstützungsstelle für den Klimawandel und seine vielfältigen Folgen. Hier wird eine umfassende Klimarisikoanalyse für das Land entwickelt, bei deren Erarbeitung neben der Landesverwaltung auch externe Fachleute eingebunden werden. Diese Klimarisikoanalyse soll die besonders akuten Handlungsfelder identifizieren und die bestehende Anpassungsstrategie ergänzen und fortentwickeln. Zudem soll in dem Klimakompetenzzentrum das gesamte Klimawissen für Niedersachsen gebündelt und zugänglich gemacht werden, damit zum Beispiel Landwirte, Naturschützer, Kommunen, Unternehmen und letztlich alle Bürgerinnen und Bürger einen zentralen Ansprechpartner haben, wenn sie Informationen und Unterstützung im Hinblick auf den Klimawandel und seine Folgen benötigen.

Die Landregierung befasst sich darüber hinaus auch mit der Umsetzung der niedersächsischen Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Diese erstreckt sich auf eine Vielzahl von Handlungsfeldern – vom Naturschutz über die Wasserwirtschaft und den Küstenschutz bis hin zur Katastrophenvorsorge und gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen. Insgesamt enthält die Strategie rund 120 Einzelmaßnahmen.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Trockenperiode sind insbesondere folgende Maßnahmen und Aktivitäten des Landes hervorzuheben:

Die Grundwasserstände sinken: Im Bereich Lüneburg beispielsweise liegen sie im Juni 2015 rund 55 cm unter den langjährigen Mittelwerten. Dennoch stellt die derzeit andauernde Niederschlagssituation noch kein ungewöhnliches Ereignis dar. Auch für die Trinkwasserversorgung, die zu rund 85 Prozent aus dem Grundwasser erfolgt, sind derzeit keine Engpässe zu erwarten. Allgemein ist die Grundwasserbewirtschaftung in Niedersachsen über einen Mengenbewirtschaftungserlass geregelt, der die Wasserbehörden bei der Vergabe von Wasserrechten bindet.

Wieder muss man einräumen, dass sich die Situation noch voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite bewegt.

Auch im Hinblick auf die Wasserqualität in Fließgewässern und Seen sind die Auswirkungen des zu erwartenden Klimawandels deutlich. Ein wesentliches Ziel des wasserwirtschaftlichen Handelns ist darauf ausgerichtet, die hier wirksamen Belastungsfaktoren wie z.B. Kühlwassereinleitungen oder Sauerstoffzehrung durch biochemische Belastungen zu minimieren.

Genial, erst gibt man zu, dass man den Klimawandel noch gar nicht nachweisen kann, und dann spricht man über “deutliche Auswirkungen”, wohlgemerkt wieder spekulativ in der Zukunft.

Zudem ist seit Wochen ein Rückgang der Wasserstände der Elbe zu beobachten. Hiervon ist auch der niedersächsische Streckenabschnitt von Schnackenburg bis Geesthacht betroffen. Der Wasserspiegel liegt derzeit deutlich unter dem, was in dieser Jahreszeit üblich ist. Die niedrigen Wasserstände haben Auswirkungen auf die Schifffahrt und die Gewässergüte. Die Gewässergüte der Elbe wird im Rahmen des sogenannten „Messprogramms Extremereignisse” regelmäßig überwacht.

Wasserspiegel tiefer als normal – das hat es schon vielfach in der Vergangenheit gegeben. Mal liegt der Spiegel höher, mal tiefer als normal. What’s new?

Die Pressemitteilung zeigt schön, wie hier mithilfe fragwürdiger Behauptungen Klimapolitik betrieben wird. Aus wissenschaftlicher Sicht hat man noch nichts in der Hand, trotzdem versucht man ein Schreckensgebäude aufzubauen, noch eine weitere staatliche Institution einzurichten und Stellen zu schaffen, um das geliebte Thema Klimakatastrophe zu beackern. Dabei hält man sich nicht lange mit den klimatischen und klimahistorischen Basisdaten auf, sondern geht lieber direkt zu unkalibrierten Zukunftsprognosen über. Auf diese Weise schafft man dann ein geeignetes Schreckensszanario, das die Akzeptanz in der Bevölkerung für weitreichende strukturelle Veränderungen erhöht. Ein schlauer Plan.

 

Klimaalarm im Programmkino: Neuer Dokumentarfilm ‘ThuleTuvalu’ fällt beim wissenschaftlichen Faktencheck glatt durch

Ein paar Monate vor der Pariser Klimakonferenz wird die Bevölkerung auf allen Kanälen medial auf die Klimakatastrophe vorbereitet. Hierzu gehört auch ein neuer Dokumentarfilm, der Anfang August 2015 in die Programmkinos gekommen ist und auch als DVD verfügbar ist: ThuleTuvalu. Hier der offizielle Trailer:

Im Prinzip bietet der Film nichts richtig Neues. Der Schweizer Filmregisseur Matthias von Gunten drückt kräftig auf die Tränendrüse mit zwei alten Klischees: Das Pazifikatoll Tuvalu drohe der Untergang und Tauwetter in Grönland zerstöre den dort lebenden Menschen die Lebensgrundlage. So richtig tief hat von Gunten offenbar nicht recherchiert, bevor er seinen Film gemacht hat. Denn Wissenschaftler lehnen die Südsee-Sintflutszenarien mittlerweile entschieden ab (siehe “Spektrum der Wissenschaft über angeblich vom Untergang bedrohte Südseeatolle: “Noch keine der betroffenen Inseln ist in nächster Zeit von Überflutung bedroht. Einige vergrößern sich sogar auf Grund natürlicher ökologischer Vorgänge”“). Weshalb hat von Gunten die Wissenschaft ignoriert? Vermutlich hätte die Realität die herzzerreißende Story beschädigt, womöglich unglaubwürdig gemacht.

Die ARD-Sendung Titel, Thesen, Temperamente (ttt) befasste sich in einem 6-minütigen Beitrag mit dem Dokumentarfilm. Darin wird behauptet, der Klimawandel hätte eine Dürre über Tuvalu gebracht, so dass das Trinkwasser nun mühsam aus Australien per Boot angeliefert werden müsse. Dabei wird übersehen, dass Dürren im Pazifik keineswegs ein ganz und gar neues Phänomen sind. Vielmehr existiert eine charakteristische Zyklik. Siehe „Überraschung: Feucht- und Trockenphasen wechselten im Südpazifik in vorindustrieller Zeit stets ab“ und „Tropfstein aus Tuvalu birgt Überraschung: Niederschläge im Südpazifik schwankten in vorindustrieller Zeit viel dramatischer als heute“.

ThuleTuvalu bzw. ttt behauptet, es würde jetzt in Tuvalu häufigere Wirbelstürme als früher geben. Auch dies ist falsch.  In den offiziellen Statistiken ist keine Zunahme von Stürmen im Pazifik erkennbar. Siehe “Schwerer Wirbelsturm verwüstet Vanuatu. Premierminister sieht es realistisch: “Stürme sind kein neues Phänomen, wir Insulaner leider darunter seit Besiedelung Vanuatus vor 5000 Jahren”“. Aus den kurzen Filmausschnitten im Internet wird vor allem eines klar: Regisseur Matthias von Gunten fehlinterpretiert Armut und Unterentwicklung in Tuvalu als Klimawandelfolge. Er denkt offenbar, jedes Übel der Welt müsse klimatische Ursachen haben, ein weitverbreiteter aber falscher Ansatz.

Natürlich darf im Film auch das photogene schmelzende Eis nicht fehlen. Dazu reist von Gunten nach Thule in Grönland. Die Jagdsaison würde jetzt 3 Monate früher beginnen als früher, sagt der einheimische Jäger. Na prächtig, eine schöne Verbesserung. Nein, das mildere Klima wird im Film sogleich verdammt, alles werde dadurch schlechter. Der Großteil der Grönländer sieht dies gänzlich anders (siehe “Gehirnwäsche bei Planet Schule: Grönländern steht aus Klimaschutzgründen keine wirtschaftliche Entwicklung zu“). Überhaupt scheint ThuleTuvalu kein gesteigertes Interesse an der Klimahistorie zu haben. Dabei gibt es hier Aufregendes zu berichten (siehe “Ein Thema das die Medien meiden wie der Teufel das Weihwasser: Vor 5000 Jahren war es in Grönland zwei bis drei Grad wärmer als heute“).

Kalte-Sonne-Chefredakteur Sebastian Lüning hat sich per Email an den Regiesseur gewandt und um Aufklärung dieser Sachverhalte gebeten. Matthias von Gunten antwortete schnell und erklärte überraschenderweise:

“In meinem Film wird nirgendwo etwas von anthropogenen Ursachen erwähnt. Von daher nehme ich an, dass Sie den Film nicht gesehen haben, weshalb sich eine Stellungnahme meinerseits erübrigt.”

Eine kleine Sensation. Da haben doch in der Tat sämtliche berichtende Medien von Guntens Film fehlinterpretiert. Es ging ihm offenbar gar nicht um den anthropogenen Klimawandel. Die Veröffentlichung des Films kurz vor der Pariser Klimakonferenz muss ein Zufall gewesen sein.

Den Schriftwechsel mit Herrn von Gunten können Sie hier finden.

 

 

 

Um Antwort wird gebeten: Weshalb ignoriert der Dokumentarfilm ‘ThuleTuvalu’ wichtige wissenschaftliche Fakten?

An: Matthias von Gunten, Regisseur des Dokumentarfilms ‘ThuleTuvalu
Von: Dr. habil. Sebastian Lüning

Gesendet: 21.8.2015

 

Sehr geehrter Herr von Gunten,

Mit Interesse habe ich die Berichterstattung zu Ihrem neuen Film ThuleTuvalu gesehen. Ich bin Geologe und beschäftige mich seit längerem mit dem Klimawandel. Hinsichtlich des Klimawandels in Tuvalu habe ich drei Anmerkungen:

1) Pazifische Koralleninseln erheben sich allgemein nur knapp über den Meeresspiegel. Grund hierfür ist, dass die Inseln aus Korallen bestehen, die auf einem meist vulkanischen Sockel aufsitzend exakt bis zur Meeresoberfläche wachsen. Eine wichtige Eigenschaft der Korallenriffe ist es, dem steigenden Meeresspiegel stets hinterherzuwachsen (“catch-up”). Dies hat zum Beispiel sehr gut funktioniert, als der Meeresspiegel vor 10.000 Jahren nach Beendigung der letzten Eiszeit etwa zehnmal schneller anstieg als heute. Insbesondere die aktuelle Anstiegsrate stellt für die Pazifikatolle kein Problem dar. Dies wurde in etlichen Studien nachgewiesen und erst kürzlich wieder in einem Beitrag in Spektrum der Wissenschaft populärwissenschaftlich zusammengefasst.

http://www.spektrum.de/magazin/sind-inselstaaten-akut-gefaehrdet/1343335

Aus diesem Grund wundere ich mich, dass Sie die Situation entgegen der wissenschaftlichen Sachlage im Film künstlich dramatisieren.

 

2) Im Film wird behauptet, die Wasserknappheit auf Tuvalu wäre eine Folge des Klimawandels. Hierbei übersehen Sie jedoch, dass es im Pazifik stets starke natürliche Schwankungen in den Niederschlagsmengen gegeben hat. Diese sind recht gut untersucht und die Dürrezyklen entsprechend publiziert. Siehe z.B. Studie der University of Texas
http://www.jsg.utexas.edu/news/2013/09/rainfall-in-south-pacific-was-more-variable-before-20th-century/

sowie Verweise auf weitere Fachpublikationen hier:
http://www.kaltesonne.de/uberraschung-feucht-und-trockenphasen-wechselten-im-sudpazifik-in-vorindustrieller-zeit-stets-ab/

Es ist mir daher schleierhaft, auf welcher Grundlage Sie die aktuelle Dürrephase auf Tuvalu als anthropogene Folge einstufen.

 

3) Im Beitrag der ARD-Sendung titel thesen temperamente zu Ihrem Film wird behauptet, Wirbelstürme hätten auf Tuvalu und im tropischen Pazifik zugenommen. Dies ist nicht richtig wie offizielle Statistiken zeigen:
http://www.kaltesonne.de/wer-hatte-das-gedacht-studien-konnen-keine-zunahme-der-tropischen-wirbelsturme-im-indischen-und-pazifischen-ozean-finden/

Wie kam es zu dieser Fehlinterpretation?

Ich würde mich freuen, wenn Sie zu diesen Punkten Stellung nehmen könnten. Ich würde Ihre Antwort gerne im Blog www.kaltesonne.de bekanntgeben. Vielen Dank im voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Lüning

——————–

An: Sebastian Lüning
Von: Matthias von Gunten

Gesendet: 23.8.2015

 

Sehr geehrter Herr Luening,

vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Film. In meinem Film wird nirgendwo etwas von anthropogenen Ursachen erwähnt. Von daher nehme ich an, dass Sie den Film nicht gesehen haben, weshalb sich eine Stellungnahme meinerseits erübrigt. Falls Sie sich über Klimafragen informieren möchten (und da ich selbst kein Klimaexperte bin), kann ich Ihnen brillante Fachleute in Deutschland als Gesprächspartner empfehlen, zum Beispiel Prof. Mojib Latif oder Herrn Prof. Hartmut Graßl, bez.. die Lektüre deren Bücher ‚Das Ende der Ozeane‘, und ‚Wir Klimamacher‘. Ebenfalls empfehle ich Ihnen, sich im regelmässig im IPCC-Bericht der UNO über den Stand der Klimakenntnisse zu informieren.

Mit freundlichen Grüssen

Matthias von Gunten

 

 

Studie der University of Washington: Klimaerwärmung lässt sauerstoffarme Zonen schrumpfen und das Leben gedeihen

Kaum einer zelebriert den Klimaalarm so schön schaurig wie Michael Odenwald vom Focus. Am 2. Juli 2015 schlug er wieder zu:

Erderwärmung: Sauerstoffarmut im Meer drängt Tiere in andere Lebensräume

  • Durch die Erderwärmung sinkt der Sauerstoffgehalt im Meer.
  • Fische und andere Ozeanbewohner suchen nach neuen Lebensräumen.
  • Der Äquator wird bei weiter steigenden Temperaturen unbewohnbar.

Weiterlesen im Focus.

Es geht dabei um eine Studie einer Gruppe um Curtis Deutsch in Science, die dort im Juni 2015 erschienen war. Unbewohnbarer Äquator? Vor 100 Millionen Jahren, als die globale Temperatur sehr viel höher war als heute, blühte die Lebewelt am Äquator. Korallenriffe, bunte Fische und allerlei anderes Meeresgetier ließen es sich gutgehen. Die Idee einer äquatorialen Todeszone scheitert schnell im klimahistorischen Schnell-Check.

Interessant: Ein Jahr zuvor hatte das Forscherteam um Curtis Deutsch schon einmal einen Artikel in Science gehabt. Über diesen hatte Odenwald jedoch leider nicht berichtet. Das hat wohl gute Gründe, denn die Wissenschaftler erklärten damals in der Arbeit, dass die Klimaerwärmung zu einem Schrumpfen der sauerstoffarmen Zonen im Ozean führen wird, diese Meeresgebiete also lebensfreundlicher werden. Die University of Washington hatte hierzu am 7. Augst 2014 eigens eine Pressemitteilung herausgegeben, die der Focus offenbar als nicht berichtenswert einstufte, vermutlich weil zu wenig alarmistisch:

Ocean’s most oxygen-deprived zones to shrink under climate change

As the complex story of climate change unfolds, many of the endings are grim. But there are exceptions. Predictions that the lowest-oxygen environments in the ocean would get worse may not come to pass. Instead, University of Washington research shows climate change, as it weakens the trade winds, could shrink the size of these extreme low-oxygen waters. “The tropics should actually get better oxygenated as the climate warms up,” said Curtis Deutsch, a UW associate professor of oceanography. He is lead author of the study published Aug. 8 in Science. The low-oxygen zone is below the surface off the coasts of Mexico and Peru. Sediment cores were collected at the northern low-oxygen zone, near Santa Monica and Baja California.C. Deutsch / UW

Warmer water contains less gas, so climate change is expected to reduce oxygen levels. Observations show this is already taking place in many places around the world. Declines during the past 20 years in the tropical low-oxygen zones, the lowest-oxygen waters on the planet, had led to a 2008 study proposing that these zones would also get worse over time.

Tropical regions are usually associated with an abundance of life, but they have some of the most inhospitable places for ocean dwellers. The oxygen minimum zones off Mexico and Peru have oxygen levels already too low to support most animals (so, unlike in other low-oxygen zones, here there’s no risk of killing fish). But when those levels drop even further, a particular group of bacteria, which can use nitrogen instead of oxygen as a source of energy, thrive. Nitrogen is an essential and very scarce nutrient for marine plants. When oxygen levels get low enough for that particular group of bacteria to take over, significant amounts of the ocean’s fertilizer get deep-sixed to the bottom of the tropical ocean.

The new paper shows that water flowing into the tropics is indeed likely to get lower in oxygen, decreasing the initial oxygen supply. But demand will also shift under climate change. Specifically, as the trade winds weaken, the whole sequence of events that feeds this bacterial food chain will slow down, and the low-oxygen zone will shrink. “If we want to understand how biological and chemical aspects of the ocean will change in the future, we really have to pay a lot of attention to what happens with the winds,” Deutsch said. “The winds can lead to conclusions that are exactly the opposite of what you’d expect.”

Trade winds from the west cause deep water to percolate up along western coasts, bringing nutrients up from the deep sea. These nutrients feed marine plants, which feed marine animals, which decompose to feed bacteria that use up the remaining oxygen. As trade winds weaken, less nutrient-rich water percolates up from the deep. Fewer plants grow at the surface. Finally, fewer oxygen-gobbling bacteria can survive. Sediment records show nitrogen from bacteria that thrive without oxygen has been decreasing for most of the time that carbon dioxide has been increasing. The past 20 years shows a different trend, possibly related to changes in Pacific Ocean winds.

Deutsch is a climate modeler who studies tropical ocean circulation. He learned of sediment cores, collected off Mexico by co-authors William Berelson at the University of Southern California and Alexander van Geen at Columbia University, that showed a puzzling longer-term trend. The authors worked together to interpret the samples. Results show that for most of the time since 1850 the population of these nitrogen-eating bacteria has been going down, coincident with warming oceans and weakening trade winds. This implies that the local oxygen levels, for which few direct measurements exist, have been rising.

“I find it an interesting question for understanding the way the ocean functions on climatic or geologic timescales,” Deutsch said. Most climate models predict that trade winds will continue to weaken in the future, shrinking the oxygen-minimum zones in the Pacific Ocean off the coasts of Mexico, Chile and Peru, and in the Indian Ocean off western Australia. Decreasing oxygen in the wider ocean is still a major concern, Deutsch said, as are overfishing, ocean acidification and warming water temperatures. “This study shows that what happens to the winds, which is sometimes overlooked, is really important for predicting how the oceans will respond to climate change,” Deutsch said.

 

Kostenloser Online-Klimakurs von WWF und Deutschem Klimakonsortium: Stehen auch natürliche Klimaschwankungen auf dem Lehrplan?

Interessieren Sie sich für die IPCC-Sichtweise des Klimawandels? Falls ja, dann können Sie ab dem 9. November 2015 an einem kostenlosen fünfwöchigen Online-Klimakurs teilnehmen. Das Deutsche Klimakonsortium (DKK) hat die Einzelheiten:

Deutschlands Top-Klimawissenschaftler erklären den Klimawandel
Neue Online-Vorlesung zu Klimawandel und seinen Folgen

Erstmals beschäftigt sich eine deutsche, frei zugängliche Online-Vorlesung mit dem Klimawandel und seinen Folgen. Entwickelt wurde sie gemeinsam vom WWF Deutschland und dem Deutschen Klima-Konsortium (DKK). Der interdisziplinäre Massive Open Online Course (MOOC) „Klimawandel und seine Folgen“ startet am 9. November [2015] auf der MOOC-Plattform Iversity online. Dort kann man sich seit heute dafür anmelden: https://iversity.org/de/courses/klimawandel. Der fünfwöchige Kurs ist kostenlos und steht jedermann offen. Insbesondere Studierende und Lehrkräfte können sich dort auf dem neuesten Stand der Klimawissenschaften informieren.

Weiterbildung ist immer gut, und das Klimathema ist überaus interessant. Schade nur, dass der Kurs mit den Klimaaktivisten des WWF zusammen erstellt wurde, die auch bereits den IPCC unterwandert haben. Trotzdem lohnt sich sicher eine Anmeldung, denn neben den üblichen strittigen Themen sollten 90% des Inhalts eigentlich unverfänglich sein. Das Kalte-Sonne-Team meldet sich daher auf jeden Fall an und wird berichten. In der DKK-Ankündigung heißt es weiter:

„Anfang Dezember trifft sich die internationale Staatengemeinschaft in Paris, um den Rahmenvertrag zum globalen Klimaschutz zu verhandeln. Der Klimawandel zählt zu den drängendsten Problemen der Menschheit. Mit unserem Online-Kurs können sich Teilnehmer von führenden Klimaexperten lebhaft und prägnant die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels und der Folgen für Natur und Gesellschaft erklären lassen. Damit sind sie top informiert, um einschätzen zu können, was in Paris auf dem Spiel steht“, sagt Bettina Münch-Epple, Leiterin des Fachbereichs Umweltbildung beim WWF Deutschland.

„Wir möchten die Erkenntnisse der Klimawissenschaften in die Politik, die Wirtschaft und die breite Öffentlichkeit bringen. Dabei sind uns junge Menschen besonders wichtig – denn sie werden von den Folgen des Klimawandels deutlicher betroffen sein und sie sind es, die die Veränderungen in unserer Gesellschaft mittragen und vorantreiben müssen“, sagt Marie-Luise Beck, Geschäftsführerin des DKK. „Die wissenschaftlichen Hintergründe und Belege für den – überwiegend – menschgemachten Klimawandel werden in unserem MOOC von den besten Köpfen Deutschlands erklärt. Und die User bekommen einen systematischen Überblick über das, was zu tun ist: Klimaschutz, um den Klimawandel zu begrenzen, und Anpassung dort, wo die Klimaveränderung nicht mehr vermeidbar ist.“

Und was ist mit der wichtigen natürlichen Komponente des Klimawandels? Wird auch auf sie eingegangen? Hoffentlich werden sich die “besten Klimaköpfe Deutschlands” auch um diesen Themenbereich kümern. Ansonsten sind wir hier im Kalte-Sonne-Blog gerne bereit mitzuhelfen. Auch wir haben gute Köpfe anzubieten. Weiter beim DKK:

Die Liste der 19 Dozenten und ihrer Institute liest sich wie dem Who is Who der deutschen Klimawissenschaften entnommen. Für den Kurs konnten unter anderem Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie Hamburg, Michael Schulz vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen, Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, und Anita Engels, Sprecherin eines Klimaforschungs-Exzellenzclusters an der Universität Hamburg, gewonnen werden. Außerdem tragen Dr. Christiane Textor, Leiterin der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle in Bonn, Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach, und viele andere mit ihren jeweiligen Spezialgebieten dazu bei, dass alle Facetten des Klimawandels und des menschlichen Umgangs damit zur Sprache kommen. Als Moderator wirkt ZDF-Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens („Terra X“) mit. Gefördert wird das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung.

Zur Einstimmung ein paar Hintergrundinformationen zu ausgewählten Dozenten:

Mojib Latif: (weiterlesen …)

Um Antwort wird gebeten: Weshalb lässt sich die Pressestelle des Hamburger Max-Planck-Instituts in grüne Lobbyarbeit hineinziehen?

An: Dr. Annette Kirk, Pressstelle Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg
Von: Dr. Sebastian Lüning

Gesendet: 20.8.2015

Sehr geehrte Frau Dr. Kirk,

Mit Interesse sah ich einen Artikel auf feelGreen.de vom 2. Juli 2015, in dem Sie zitiert werden:
http://www.feelgreen.de/klimawandel-verlaeuft-drastischer-als-gedacht-keine-pause/id_74584820/index

Dort heißt es:

“Die Redaktion von feelgreen.de hat mit Dr. Annette Kirk gesprochen. Sie ist Pressereferentin des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. [...] Laut der Klimaexpertin ist seit Beginn der Industrialisierung die Temperatur um etwa ein Grad angestiegen. “Das klingt nicht viel, ist regional aber durchaus sehr drastisch, insbesondere in der Arktis. Beeindruckend ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Werte in die Höhe klettern.” Als Vergleich nennt Kirk die Erwärmung von der Eiszeit hin zur Warmzeit. Über zehntausende Jahre hinweg hätte der Temperaturanstieg gerade einmal etwa fünf Grad betragen – und sei wesentlich langsamer vonstatten gegangen.”

Es ist allgemein anerkannt, dass ein Teil dieser Erwärmung von knapp einem Grad seit 1850 der natürlichen Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit entspricht. Die feelGreen-Autorin Ann-Kathrin Landzettel lässt es fälschlicherweise so aussehen, als wäre das gesamte Grad anthropogen. Wie kam es zu diesem Fehler? Ich vermute, Sie konnten den Artikel vor Veröffentlichung gegenlesen?

Weiterhin vermisse ich in dem Artikel jeden Hinweis auf natürliche holozäne Klimaschwankungen. Weshalb wird die Mittelalterliche Wärmeperiode nicht erwähnt, als es bereits einmal so warm war wie heute? Oder das mittelholozäne Klimaaoptimum vor 6000 Jahren, als es sogar wärmer war als heute? Frau Landzettel (und Sie als Interviewpartner) lassen es so aussehen, als hätte es “über zehntausende von Jahren” eine langsame und stetige Erwärmung seit der Eiszeit bis heute gegeben. Dies ist nicht der Fall.

Ich würde mir wünschen, dass die Pressestellen staatlicher Institute hier aufklärend mitwirken und helfen, derartige Fehler und Verzerrungen in der Presseberichterstattung auszumerzen. Nur eine realistische und transparente Darstellung des Klimawandels kann uns weiterbringen. Es wäre schön, wenn Sie zu dem Artikel Stellung nehmen könnten. Ich möchte Ihre Antwort gerne im Blog www.kaltesonne.de bekanntgeben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning

 

Studie der Friedrich-Schiller Univerität Jena: Klimawandel hat nur geringen Einfluss auf Artenvielfalt in gemäßigten Wäldern

Die Wälder Mitteleuropas kommen mit dem Klimawandel offenbar besser zurecht als lange angenommen. Der Standard berichtete am 2. August 2015 über eine hochinteressante neue Studie:

Klimawandel hat nur wenig Einfluss auf Artenvielfalt in gemäßigten Wäldern
Detaillierte Analyse zeigt: Lokale Faktoren, Stickstoffverfügbarkeit und die Dichte des Wildbestandes sind wichtiger. [...] Gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam aus ganz Europa hat Bernhardt-Römermann die Artenvielfalt in Wäldern der gemäßigten Zone Europas umfassend analysiert und dabei festgestellt, dass sich im Mittel die Pflanzenvielfalt in der Krautschicht in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht verändert hat. Dieses zunächst überraschende Ergebnis bedeute allerdings nicht, dass in Sachen Biodiversität alles zum Besten stehe, macht der Ökologe deutlich. Denn: “Auf lokaler Ebene können die Veränderungen durchaus gravierend sein.” So gebe es Regionen, in denen die Artenvielfalt in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist, während sie in anderen Regionen zugenommen habe.

Ganzen Artikel im Standard lesen.

Selbst Greeenpeace wollte seinen Mitgliedern die gute Nachricht nicht vorenthalten und titelte in seinem Magazin am 9. August 2015:

Wälder trotzen dem Klimawandel
[...]  Markus Bernhardt-Römermann von der Universität Jena [...] untersuchte mit einem internationalen Forscherteam 39 Standorte in 13 europäischen Ländern. Ergebnis: Die Pflanzenvielfalt in der Krautschicht hat sich im vergangenen Jahrzehnt nicht verändert.

Die entsprechende Studie erschien Ende Juli 2015 online im Fachblatt Global Change Biology. Die Friedrich-Schiller-Universität gab am 27. Juli 2015 die folgende Pressemitteilung zur Publikation heraus:

Wälder im Wandel – was die Artenvielfalt beeinflusst

Ökologenteam legt detaillierte Biodiversitätsanalyse für gemäßigte Wälder in Europa vor
Der Klimawandel, Umweltverschmutzung oder unkontrollierter Holzeinschlag – es gibt zahlreiche Einflüsse, die die Artenvielfalt in den Wäldern rund um den Globus bedrohen. Dass die Biodiversität in der Folge immer weiter zurückgeht, darüber herrscht unter Wissenschaftlern und auch in der öffentlichen Wahrnehmung heute weitgehend Einigkeit.

Pflanzenvielfalt in der Krautschicht unverändert

Doch diese Sicht sei zu einfach, sagt Dr. Markus Bernhardt-Römermann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. (weiterlesen …)

Kritik am Umweltbundesamt: Wie mit Zahlen zum Klimawandel Politik gemacht wird

Prinz Charles hat sich geirrt, das gibt er jetzt ganz offen zu. Noch 2009 warnte er, die Erde würde innerhalb von nur 8 Jahren in eine Klimaapokalypse stürzen, wenn nicht schnell  gehandelt werden würde. Nun rückt der genannte Stichtag immer näher – und der Prinz bekam kalte Füße. Nein, er habe sich in der Prognose geirrt, so schnell komme die Klimakatastrophe dann doch nicht, sagt er jetzt. So verlängerte er kürzlich die Wartezeit bis zum klimatischen Weltuntergang um erstaunliche 33 Jahre. Erst 2050 sei nun mit dem Schlimmsten zu rechnen. Dann wird Charles 102 Jahre alt sein. Sehr praktisch. Noch ist unklar, ob er dann die Frist noch ein zweites Mal erweitern muss.

Nachzulesen am 28. Juli 2015 in der Washington Times.

———————–

Was ist bloß beim Umweltbundesamt (UBA) los? Nun sind die Tricksereien sogar dem Tagesspiegel aufgefallen, der in Sachen Klimawandel ansonsten fest auf der UBA-Seite steht. Am 4. August 2015 kritisierte der Tagesspiegel:

Umweltbundesamt: Wie mit Zahlen zum Klimawandel Politik gemacht wird
Das Umweltbundesamt hat seinen Jahresbericht vorgelegt. Seine Chefin Maria Krautzberger betont negative Zahlen, obwohl die Entwicklung nach ihren eigenen Unterlagen positiv ist.
Nach den Zahlen des Bundesamtes sei der Verkehr mit 18 Prozent maßgeblich am Emissionsausstoß beteiligt. „Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, der seine Emissionen seit 1990 nicht mindern konnte“, sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA). Ursache sei der Rebound-Effekt. So würden zwar effizientere Motoren gebaut, die Reduktion des Schadstoffes jedoch durch größere und schwerere Autos wieder aufgehoben. Wichtig sei, die Schadstoff-Grenzwerte weiter zu senken. Auch eine generelle Tempobegrenzung wäre wünschenswert, sagte die Präsidentin des Bundesamtes weiter. Konkrete Pläne gebe es dazu aber nicht. Die Präsidentin des Bundesamtes wies darauf hin, dass der Schadstoffausstoß durch den Verkehr zwischen 1990 und 2012 um 0,6 Prozent gestiegen sei. Betrachtet man aber den Zeitraum ab dem Jahr 2000, ergibt sich laut eigenen Zahlen ein anderes Bild. Demnach ist der Ausstoß um mehr als ein Prozent gesunken. Darauf wies die UBA-Chefin aber in der Pressekonferenz nicht nicht hin.

Ganzen Artikel im Tagesspiegel lesen.

Bereits am 14. Juli 2015 gab es im Tagesspiegel Kritik am UBA:

Risikobewertung nicht wissenschaftlich genug: Kritik am Umweltbundesamt
Um Risiken für die Umwelt einschätzen zu können, leistet sich der Bund das Umweltbundesamt. Jetzt fordert der Wissenschaftsrat von den UBA-Forschern mehr Wissenschaftlichkeit in ihrer Risikobewertung. [...] Aus der Veröffentlichung von Risikobewertungen der Bundesbehörde müsse „generell hervorgehen, wie belastbar diese aus wissenschaftlicher Sicht sind“. Dies gelte besonders, wenn die Risikobewertung wissenschaftlich (noch) nicht eindeutig gesichert ist. Wenn das Amt eine Frühwarnung als verpflichtend ansieht, müssten die unterschiedlichen Standpunkte innerhalb und außerhalb des UBA differenziert dargelegt werden.

Weiterlesen im Tagesspiegel.

Auch wir hatten uns an dieser Stelle bereits mehrfach kritisch mit dem UBA beschäftigt:

 

 

Windlobby gibt sich uneinsichtig: Windräder in Weihnachtsbaum-Monokulturen sind ok

Der Schutz der Natur ist ein hohes Gut. Erst in den letzten Jahrzehnten haben wir richtig gemerkt, wie sehr wir der Umwelt mit unseren ungeklärten Abwässern und ungefilterten Schornsteinausdünstungen zugesetzt hatten. Heute kann man in Elbe und Rhein wieder schwimmen und im Ruhrgebiet unbesorgt tief durchatmen. Die Umweltschutzmaßnahmen haben gegriffen. Allerdings gibt es auch heute wieder Fehlentwicklungen, die nachdenklich machen. Ulli Kulke stellte in einem Beitrag in der Welt am 23. Juli 2015 wichtige Fragen, die wir dringend angehen sollten:

Kommt der Wald unter die Räder?
Klimaschützer und Windkraft-Lobby wollen auch in bisher geschützten Mittelgebirgen Anlagen aufstellen. Die Mehrheit der Bürger lehnt das ab, Waldfreunde wehren sich.
Die gute alte Bürgerinitiative, jahrzehntelang hoch gelobt als positives Element der Demokratie, ist in Verruf geraten. Stromleitungen, Speicherbecken, Windkrafttürme – seit solche Vorhaben für die Energiewende landauf, landab ins Stocken geraten, weil sich Anwohner gegen die Anlagen vor ihrer Haustür wenden, stehen Mitglieder solcher Vereinigungen heute schnell im Verdacht, nur ihren Egoismus auszuleben. Ihre Devise laute: Baut den Kram woanders hin, aber nicht bei uns. Insbesondere anspruchsvolle Vorhaben für Windparks, zuletzt auch in Wäldern, scheitern immer häufiger am Einspruch der Menschen aus den benachbarten Ortschaften. Tourismus-Hochburgen fürchten um ihr Geschäft, Anwohner um ihren naturbelassenen Horizont. Immer wieder provozierten sie damit den Vorwurf von Politikern, von Windkraftbetreibern, von Klimaschützern: Grundsätzlich seien die Menschen von der Notwendigkeit des Ausbaus überzeugt, auch auf Kosten der Landschaft. Nur wenn es um ihren Sprengel ginge, zeigten sie sich bockig.

Weiterlesen in der Welt.

Eigentlich sollte es common sense sein, dass man seine Windräder nicht in ökologisch sensitive Gebiete stellt und Bergrücken dafür abrasiert. Für Lobbyisten der Windenergie wird es immer schwieriger, diese Naturzerstörung als Maßnahme zum Natur-und Klimaschutz zu verkaufen. Nicole Weinhold versuchte es auf der Webplattform “Erneuerbare Energien” in einem Artikel vom 30. Juli 2015 trotzdem:

Darum an dieser Stelle ein bisschen Aufklärungsarbeit für diejenigen, die gegen Windkraft im Wald sind: Es gibt nicht “den Wald”. Man muss unterscheiden! In Deutschland gibt es nur noch kleinste Reste von naturbelassenem Urwald, der selbstverständlich geschützt werden muss und in dem natürlich keine Windkraft gebaut wird. Die meisten Wälder dagegen werden seit Jahrhunderten bewirtschaftet. 

Weihnachtsbaum-Monokultur

Häufig ist Waldwirtschaft aber nicht naturnah. Viele Wälder bestehen nur aus Nadelbäumen, die in Reih und Glied gepflanzt sind. Solche Wälder nennt man Monokultur. Das bedeutet, dass hier nur eine einzige Baumart wächst. Nadelbäume haben für den Waldbesitzer große Vorteile: Sie wachsen schnell und können gut verkauft werden – zum Beispiel als Weihnachtsbäume oder für Ikea-Möbel. Nachteil: In ihnen können sich Schädlinge rasch verbreiten und sie sind sturmanfällig.

Eine seltsame Argumentation: Die winzigen Reste deutschen “Urwalds” möchte man schützen, der Rest kann weg? Es gäbe angeblich gute und schlechte Bäume. Und man würde ja nur die ‘schlechten’ Bäume wegrasieren. Ob Weinhold damit jemanden überzeugt? Auch an das Landschaftsbild verschwendet sie keinen Gedanken. Offenbar nicht schützenswert.

 

Klimaaktivist James Hansen ist mit Obamas Klimarettungsplan unzufrieden: “Maßnahmen sind praktisch wertlos”

Versteh einer die grüne Logik: Am 2. Juli 2015 titelte Ann-Kathrin Landzettel auf feelGreen.de dramatisch:

Keine Pause: Klimawandel verläuft drastischer als gedacht

Das ist schon seltsam. Der IPCC prognostizierte eine Erwärmung von 0,2°C pro Jahrzehnt und genau diese Erwärmung blieb jetzt unerwarteterweise seit 1998 aus. Inwieweit verläuft der Klimawandel jetzt eigentlich ‘drastischer als gedacht’? Die korrekte Schlagzeile wäre gewesen “Unerwartete Pause: Klimawandel verläuft milder als gedacht”. Im Artikel stürzt man sich auf die NOAA-”Korrekturen”, mit der das Temperaturplateau künstlich gekippt wurde (siehe “NOAA in Not: Erwärmungspause der letzten 15 Jahre lässt sich nicht so einfach wegtricksen“). Aber auch in Punkto Klimahistorie nimmt man es im FeelGreeen-Artikel mit der Wahrheit nicht allzu genau:

Die Redaktion von feelgreen.de hat mit Dr. Annette Kirk gesprochen. Sie ist Pressereferentin des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. [...] Laut der Klimaexpertin ist seit Beginn der Industrialisierung die Temperatur um etwa ein Grad angestiegen. “Das klingt nicht viel, ist regional aber durchaus sehr drastisch, insbesondere in der Arktis. Beeindruckend ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Werte in die Höhe klettern.” Als Vergleich nennt Kirk die Erwärmung von der Eiszeit hin zur Warmzeit. Über zehntausende Jahre hinweg hätte der Temperaturanstieg gerade einmal etwa fünf Grad betragen – und sei wesentlich langsamer vonstatten gegangen.

Heut ist es ein Grad wärmer als zu Zeiten der Kleinen Eiszeit, korrekt. Aber ein Großteil des Temperaturanstiegs ist doch die natürliche Wiedererwärmung nach dieser natürlichen Kältephase. Ann-Kathrin Landzettel lässt es fälschlicherweise so aussehen, als wäre das gesamte eine Grad anthropogen. Natürlich wird auch vergessen zu erwähnen, dass es vor 1000 Jahren zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode bereits einmal so warm war wie heute. Und die Erwärmung “über zehntausende von Jahren” ist einfach murks. Die wärmste Phase der Nacheiszeit ereignete sich vor 6000 Jahren, während des mittelholozänen Klimaoptimums. Von stetiger Erwärmung über zehntausende von Jahren kann keine Rede sein, vielmehr gab es charakteristische Klimazyklen im Milenniumstakt, die in diesem Artikel glatt unterschlagen werden.

Auch der behauptete “drastische” Klimawandel in der Arktis ist nicht ganz so eindeutig, wie feelGreeen es gerne hätte (siehe “Arktische Turboerwärmung auf dem Prüfstand: Ein Konzept auf wackeligen Beinen“).

Ein Wunder, dass das Max-Planck-Institut diese verzerrte und unwissenschaftliche Darstellung so absegnete. Annette Kirk und das MPIM sollten sich für so etwas nicht hergeben.

———————–

In den USA will Barack Obama als Klimapräsident in die Geschichtsbücher eingehen. Der Parteigenosse von Al Gore will im letzten Jahr im Amt klimatisch noch einmal richtig Gas geben, wie ntv am 2. August 2015 meldete:

“Größter und wichtigster Schritt”: Obama entdeckt den Klimawandel
Die USA haben sich bislang nicht besonders im Kampf gegen den Klimawandel hervorgetan. Doch nun macht Präsident Obama Druck. Er spricht “vom größten und wichtigsten Schritt, den wir jemals getan haben” – dabei geht es aber auch um ihn selbst. US-Präsident Barack Obama will die Ziele zur Bekämpfung des Klimawandels verschärfen. Nach den neuen Vorgaben müssten Kraftwerke ihren Schadstoffausstoß bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern, berichtete die “New York Times”.

Weiterlesen auf ntv.

Die Süddeutsche Zeitung war sich sichtlich von Obamas Plan angetan:

Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten einen Plan vorstellt, mit dem sein Land bis 2030 die Emissionen von Treibhausgasen aus Kraftwerken um 32 Prozent reduzieren soll, dann sind das gute Nachrichten. Wie es alle Nachrichten über Maßnahmen gegen den Klimawandel sind, die über die bisher angekündigten hinausgehen.

Anstatt sich zu freuen, gab es aus der Hardcore-Klimaaktivistenecke jedoch heftige Kritik. James Hansen erklärte, die Maßnahmen seien “praktisch wertlos”. Auf MSNBC konnte man am 4. August 2015 lesen:

Obama’s climate policy is ‘practically worthless,’ says expert
“The actions are practically worthless,” said James Hansen, a climate researcher who headed NASA’s Goddard’s Institute for Space Studies for over 30 years and first warned congress of global warming in 1988. “They do nothing to attack the fundamental problem.” “You’ve got to be kidding,” he wrote, when asked if the plan would make continued climate activism unnecessary. Obama’s plan, and for that matter the proposed plan Democratic front-runner Hillary Clinton, he continued, “is like the fellow who walks to work instead of driving, and thinks he is saving the world.”

 

Zyklenanalyse von Klimadaten

Von Horst-Joachim Lüdecke und Carl Otto Weiss

Die Klimaentwicklung ist oft zyklisch, was für fast alle Zeitskalen bis zu einer Million Jahre gut bekannt ist. Am populärsten sind die drei Milankovitch-Zyklen [1], hauptverantwortlich für die Warm- und Eiszeiten der letzten 500 000 Jahre. Sie haben Periodendauern von Hunderttausend bis mehreren Zehntausend Jahren. Für die aktuelle Frage nach einem vermuteten Klimaeinfluss des anthropogenen CO2 sind dagegen Klimazyklen von weit geringeren Periodenlängen maßgebend.

Zusammen mit dem dritten Autor Dr. Alexander Hempelmann von der Universitätssternwarte Hamburg haben wir über diese kürzeren Klimazyklen zwei Fachpublikationen in Zeitschriften der Europäischen Geophysikalischen Union (EGU) veröffentlicht [2], [3]. Die erste der beiden Publikationen, erschienen am 22. Feb. 2013, hat sechs der längsten existierenden Thermometermessungen aus Mitteleuropa im Hinblick auf Zyklen hin analysiert sowie zusätzlich eine Stalagmitenreihe und eine antarktische Eisbohrkernreihe. Der untersuchte Zeitraum erstreckt sich von 1757 – 2010. Die zweite Publikation, erschienen am 12. Feb. 2015, umfasst den längeren Zeitraum über 2500 Jahre von 500 v.Chr. bis 2010.

 

Analyse der letzten 2500 Jahre

Mittels der umfangreichsten  Klimadatenbank für diese Zeit (Daten aus Baumringen, Sedimenten, Stalagmiten etc.) zeigen wir, dass die wesentlichen Temperaturänderungen über den gesamte Zeitraum vom wohlbekannten ~200 jährigen „De Vries / Suess Zyklus“ der Sonne bewirkt wurden. Da die derzeitigen Temperaturen völlig im Bereich des klimahistorisch Normalen liegen, aber behauptet wird, die Erwärmung sei jetzt ungewöhnlich schnell,  verwendeten wir keine direkten Temperaturen sondern Temperaturdifferenzen über jeweils 100 Jahre Dauer, die die Erwärmungs- und Abkühlungsgeschwindigkeit wiedergeben. Diese Methode liefert eine besonders gute Visualisierung der Zyklen im Bereich zwischen etwa 100 bis 400 Jahren Zyklusdauer (Abb. 1) und kommt ohne Fitten oder Glätten aus.

Abb. 1 (rechts oben): Temperaturänderungen über jeweils 100 Jahre rückwärts (mit linearer Regression), gewonnen aus den Originaldaten. Erläuterung: Das blaue Maximum im Jahre 1429 von 1,56 °C bedeutet beispielsweise 1,56 °C Temperaturzunahme über die 100 Jahre von 1329 bis 1429. Grün –  Büntgen  Zeitreihe [4], braun –  Christiansen Ljungqvist Zeitreihe [5]. Das rote Rechteck im Jahr 2000 zeigt die 100-jährige Temperatursteigerung des 20. Jahrhunderts.

 

Verglichen mit den Maxima und Minima der weiteren Vergangenheit  zeigen die Maxima und Minima der aktuellen Zeit (Abb. 1), dass die als ungewöhnlich behaupteten Temperatursteigerungen der jüngsten Zeit im klimahistorischen Normalbereich liegen. Insbesondere das 20. Jahrhundert zeigt keine Auffälligkeiten. Wiewohl die beiden Zeitreihen in ihren Maxima und Minima meist übereinstimmen, zeigt es sich, dass offenbar autogene Klimavorgänge von Zeit zu Zeit für Abweichungen vom periodischen Verlauf  sorgen.

Abb. 1 legt bereits dem unbewaffneten Auge nahe, dass Zyklen eine maßgebende Rolle spielen. Dies konnten wir mathematisch bestätigen (Abb. 2). An jede der gezeigten Reihen lässt sich eine einfache Sinusfunktion mit hoher Korrelation anpassen. Die Frequenzen der Sinusse sind dabei die Frequenzen der jeweils stärksten periodischen Komponente  im zugehörigen Spektrum (Fourier-Transformation), die Anpassung ist somit kein Fit. Nur die Phasen wurden optimiert, so dass die Korrelation zwischen Sinus und Datenreihe ein Maximum aufweist. Die Amplituden der Sinusse sind willkürlich, sie wirken sich auf die Korrelation nicht aus. Die Korrelation der beiden Reihen (Abb. 1, 2) ist geringer als die Korrelation mit den Sinusfunktionen. Dies zeigt, dass das wesentliche Charakteristikum der Messreihen die Periodizität ist.

Abb. 2: Sinus-Repräsentationen der Sonnenaktivität und von 3 Proxy-Temperaturreihen. Rot: Sonnenaktivität als 10Be, 14C Produktionsrate, Sinusperiode = 208 Jahre, Korrelation 0,68; grün: Büntgen Reihe [4], Sinusperiode = 186 Jahre, Korrelation 0,49; braun: Christiansen/Ljungqvist  Reihe [5], Sinusperiode = 189 Jahre, Korrelation 0,58; blau: Cook Reihe [6], Sinusperiode = 201 Jahre, Korrelation 0,41. Kurven sind zur besseren Übersicht höhenverschoben.

 

Als ein aktuelles Ergebnis der guten Wiedergabe von Temperaturreihen über 2500 Jahre durch Sinusfunktionen ist die Annahme berechtigt, dass sich der De Vries / Suess Zyklus auch in Zukunft fortsetzt. Dies bedeutet, dass in den nächsten 60 Jahren globale Abkühlung zu erwarten ist (Abb. 3). Während die Phasenübereinstimmung der beiden nordhemisphärischen Reihen Christiansen/Ljungqvist und Büntgen recht genau ist, weicht die südhemisphärische, sehr viel ungenauere Cook Reihe ab. Dies mag das bekannt unterschiedliche Klimaverhalten von Nord- und Südhemisphäre widerspiegeln.

Abb. 3: Sinusse der Reihen von Christiansen/Ljungqvist [5] (braun) und Büntgen [4] (grün) zusammen mit der antarktischen Reihe [7] (blau) bestätigen, dass der De Vries / Suess Zyklus global wirksam und für die Zukunft Abkühlung zu erwarten ist.

 

Analyse der letzten 250 Jahre (weiterlesen …)

Studie der Universität Siegen zeigt: Einfluss natürlicher Ozeanzyklen auf Änderungen des Meeresspiegels ist größer als gedacht

Pressemitteilung der Universität Siegen vom 29. Juli 2015:

————————————-

Natürliche Meeresspiegel-Schwankungen unterschätzt

Studie der Universität Siegen zeigt: Einfluss natürlicher Ozeanzyklen auf Änderungen des Meeresspiegels ist größer als gedacht.

Wissenschaftler sind sich einig, dass der weltweite mittlere Meeresspiegel seit 1900 um etwa 14 bis 21 Zentimeter gestiegen ist. Bisher wird davon ausgegangen, dass der Großteil dieses Anstieges mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel im Zusammenhang steht. Wie neue Berechnungen eines Teams um den deutschen Wissenschaftler Dr. Sönke Dangendorf vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) der Universität Siegen nun zeigen, sind die kausalen Unsicherheiten jedoch viel größer als bisher angenommen. Der Einfluss natürlicher Ozeanzyklen auf Änderungen des Meeresspiegels ist damit größer als gedacht.

„Die bisher publizierten Unsicherheiten über die Ursache des beobachteten Meeresspiegelanstiegs seit 1900 schwanken üblicherweise um 2 bis 3 Zentimeter. Bisher führte man rund 90 Prozent des Anstiegs auf anthropogene Einflüsse zurück, also vom Menschen verursacht. Diese Zahlen basieren auf der Annahme, dass natürlich verursachte Schwankungen im Ozean nicht länger als einige wenige Jahre andauern und damit nur einen sehr geringen Teil des beobachteten Anstiegs erklären können. Die aktuellen Ergebnisse zeigen jedoch, dass die natürlichen Ozeanzyklen sogar über einige Dekaden oder Jahrhunderte andauern können. Damit können wir nun nicht mehr ausschließen, dass natürliche Schwankungen einen Anteil von bis zu ±8 cm zum beobachteten Meeresspiegelanstieg beigetragen haben“, erklärt Dangendorf (Foto). Die Ergebnisse wurden aktuell in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ publiziert.

Der Weltklimarat resümierte im fünften Sachstandsbericht von 2014, dass die Erwärmung des Ozeans sowie abschmelzende Gletscher ungefähr 80 Prozent des beobachteten Meeresspiegelanstiegs seit 1900 erklären. Die Anteile der beiden Eisschilde in Grönland und der Antarktis hingegen sind über diese Zeitspanne immer noch sehr unsicher. Klar ist jedoch, dass weder die Ozeanerwärmung, noch die Gletscherschmelze zu 100 Prozent auf anthropogene Einflüsse zurückgeführt werden können. Eduardo Zorita, Mitautor und Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum Geesthacht, führt hierzu aus: „Aus früheren Studien wissen wir, dass ein beträchtlicher Anteil des Gletscher-Beitrags über das vergangene Jahrhundert beispielsweise noch aus der kleinen Eiszeit resultiert und nur rund 50 Prozent mit anthropogenen Faktoren in Verbindung stehen. Auf Grund unzureichender Messdaten ist der menschliche Anteil an der Ozeanerwärmung nur über die vergangenen Dekaden bekannt, in denen er etwa 90 Prozent der gesamten Erwärmung erreichte. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass anthropogene Effekte mehr als 50 bis 60 Prozent über das gesamte 20. Jahrhundert ausgemacht haben, da sich die Treibhausgasemissionen während dieser Zeit signifikant beschleunigt haben.“

Tidepegel, welche die Wasserstände entlang der Küsten messen, sind die Hauptinformationsquelle über vergangene Meeresspiegeländerungen. Ein Problem dieser Pegel ist jedoch, dass diese neben den Effekten der Ozeanerwärmung und Eisschmelze auch regionale windinduzierte Massenumverteilungen messen. Faktisch ist es sogar so, dass diese Schwankungen das Meeresspiegelsignal auf kurzen Zeitskalen dominieren. Dr. Alfred Müller, Mitautor und Professor für Mathematik an der Uni Siegen, argumentiert hierzu: „Die Windsignale maskieren jegliche Langzeitänderungen, nicht nur anthropogene, sondern auch natürliche Ozeanzyklen. Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass man fast den gesamten Meeresspiegelanstieg anthropogenen Einflüssen zugeschrieben hat“.

Die Wissenschaftler wählten nun einen neuen Ansatz, bei dem sie die Einzelkomponenten vom gemessenen Signal separiert analysiert haben. Dies ermöglicht folglich eine genauere Beschreibung der natürlichen Variabilität. „Mit unserer Methodik kommen wir zu dem Schluss, dass der Mindestanteil des anthropogenen Anteils am Meeresspiegelanstieg seit 1900 rund 45 Prozent beträgt. Diese Zahl ist kleiner als bisher vermutet, stimmt allerdings besser mit unabhängigen Studien der Einzelkomponenten (z. B. Ozeanerwärmung, Gletscherschmelze) überein“, fasst Dangendorf zusammen. „Auch wenn die Werte geringer sind als bisher angenommen, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass ein signifikanter Anteil des Anstiegs auf anthropogene Einflüsse zurückzuführen ist“, sagt Dr. Jürgen Jensen, Mitautor und Professor für Hydromechanik und Wasserbau an der Uni Siegen: „Aus diesem Grund und um Unsicherheiten zukünftiger Projektionen zu minimieren ist es daher eminent wichtig, dass wir die Einzelkomponenten sowie natürliche und anthropogene Faktoren besser verstehen.

Die Veröffentlichung wurde im Rahmen des Projektes OPTEM („Optimierte Extremwertstatistik für hydro-meteorologische Daten“) der internen Förderung für vernetzte Forschungsprojekte der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät der Universität Siegen erstellt.

Referenz:
Dangendorf, S., Marcos, M., Müller, A., Zorita, E., Riva, R.E.M., Berk, K., Jensen, J. (2015): Detecting anthropogenic footprints in sea level rise, Nature Communications, doi:10.1038/ncomms8849.

————————————-

Siehe auch Beitrag auf Scinexx:

Natürliche Meeresspiegel-Schwankungen unterschätzt?

Einfluss des Menschen auf Änderungen des Meeresspiegels ist niedriger als gedacht

Mehr Einfluss der Natur: Der menschliche Anteil am Anstieg der Meeresspiegel ist geringer als gedacht. Statt bei 80 bis 90 könnte er zwischen 45 und 68 Prozent liegen, wie Forscher ausgerechnet haben. Der Rest sind natürliche Schwankungen.

Weiterlesen auf Scinexx.

Weitere Beiträge in der WAZ und im Standard.

————————————-

Trendsetter: Auf die bedeutende Rolle der Ozeanzyklen hatten wir hier im Blog bereits mehrfach hingewiesen. Es ist schön, dass ihr Einfluss auf den langfristigen Meeresspiegeltrend jetzt in diesem Paper bestätigt wurde.