News und Termine

Steigender oder fallender Wasserstand der Great Lakes: Schuld hat stets der Klimawandel

Das schweizerische Boulevardblatt Blick brachte am 25. April 2015 einen Artikel, der einen klassischen Denkfehler enthält:

Arktis-Staaten beraten über Klimawandel
[...] Der Klimawandel sei eine der grössten Herausforderungen überhaupt, sagte US-Aussenminister John Kerry. “Wir tun die notwendigen Schritte, um uns auf den Klimawandel vorzubereiten, aber wir teilen auch eine Verantwortung, um alles uns Mögliche zu tun, um die Erwärmung zu verlangsamen”, fügte er hinzu. Die Arktis erwärmt sich zweimal schneller als der Rest der Welt. Im vergangenen Winter war das Packeis nach US-Angaben so stark geschmolzen wie seit Beginn der Satellitenbeobachtung Ende der 70er Jahre nicht. Das Schmelzen des Packeises lässt den Meeresspiegel dramatisch ansteigen, öffnet aber auch neue Handelsrouten zwischen Asien und Europa. Zudem weckt es Begehrlichkeiten wegen freiwerdender riesiger Erdöl- und Erdgasvorkommen.

Mit Packeis ist das Meereis gemeint. Die gute Nachricht: Wenn das Meereis schmilzt, steigt der Meeresspiegel nicht nennenswert an. Das Meereis verdrängt so viel Wasser, wie es selber an Volumen beisteuert, wenn es schmilzt. Sehr peinlich. Aber auch die Behauptung, die Arktis erwärme sich zweimal schneller als der Rest der Welt ist irreführend. Hier werden zyklische Entwicklungen, Datenlücken und Temperaturkorrekturen einfach übersehen. Siehe unseren Blogbeitrag “Arktische Turboerwärmung auf dem Prüfstand: Ein Konzept auf wackeligen Beinen“.

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Auf dem historischen Höhepunkt des Klimaalarms, im Jahr 2007, vermeldete Der Standard einen vermuteten Klimawandelschaden von den Great Lakes in den USA:

Größter See Nordamerikas auf tiefstem Wasserstand seit 81 Jahren: Zusammenhang mit Klimawandel wird befürchtet
Der Obere See, der größte der fünf großen Seen zwischen den USA und Kanada, ist einem Zeitungsbericht zufolge auf den tiefsten Wasserstand seit 81 Jahren gesunken. Der Wasserspiegel liegt laut “USA Today” 50 Zentimeter unter dem Durchschnitt und 30 Zentimeter unter dem Tiefststand vom vergangenen Jahr. Wissenschafter der Universität von Minnesota untersuchten derzeit, ob der Wasserverlust mit der globalen Erwärmung zusammenhängt. Die Durchschnittstemperatur des Wassers sei seit 1979 um ungefähr zwei Grad gestiegen.

Man konnte sich damals vor acht Jahren einfach nicht vorstellen, dass es eine natürliche Klimavariabilität gibt, die den Wasserstand beeinflussen könnte. Jede Veränderung schlug man automatisch dem menschengemachten Klimawandel zu. Geologen konnten zwischenzeitlich jeoch die natürliche Zyklik des Wasserstands eindrucksvoll dokumentieren (siehe unseren Blogartikel “Wasserstand der Großen Seen in Nordamerika schwankte die letzten 70 Jahre im 12-Jahrestakt: Steckt die Sonne dahinter?“).

Mittlerweile sind auch die letzten Klimaalarmisten verstummt, wenn es ums Thema “Große Seen” geht. Denn der Wasserstand der Great Lakes ist in den vergangenen Jahren raketenhaft nach oben geschossen und liegt nun deutlich über dem langjährigen Durchschnittswert. Nun macht man sich nicht mehr Sorgen über Wassermangel, sondern Überflutungen. Die Internetplattform Capcon fasste die für IPCC-Anhänger peinliche Thematik sehr schön im folgenden Artikel zusammen:

Low or High, Great Lakes Water Levels Always Blamed on Global Warming
Michigan legislators once tried restricting the sale of bottled water for fear of running out. Today, water levels are once again high and rising. Last spring, Great Lakes water levels rose above what’s considered average, based on the brief 97-year period that they have been continuously measured. Since then, the lakes have risen enough to cause the sort of concerns associated with high-water periods of the Great Lakes cycle. Those concerns include disappearing beaches, flooding near waterfront dwellings, menacing waves, and even trouble for rescue teams. Great Lakes water levels rose so quickly compared to other periods that numerous claims – posted on various websites during the most recent trough of the cycle – that low-water levels were evidence of man-made global warming still reside on the Internet. Other residue from the low water level period includes echoes of the political clamor it caused in the mid-2000s. The 2000 to 2013 low-water level period of the Great Lakes cycle lasted a few years longer than the declines that began in 1926 and 1964. It also became politicized. Former Gov. Jennifer Granholm seized the issue and made it her own.

Weiterlesen auf Capcon.

 

Norwegens Finanzministerin zweifelt daran, dass der Mensch Hauptursache des Klimawandels ist

Norwegens Finanzministerin Siv Jensen hat im April 2015 in einem Interview mit der Zeitung Aftenposten Zweifel angemeldet, dass der Mensch als Haupttreiber hinter dem Klimawandel des 20. Jahrhunderts steckt. Die ABC News (via WUWT) berichteten:

Norway’s finance minister says she doubts that global warming is man-made, seemingly contradicting the country’s official position in U.N. climate talks. In an on-camera interview posted on the Aftenposten newspaper’s website on Tuesday, Siv Jensen answered “no” to a question about whether she was convinced that climate change was caused by humans. Asked to clarify whether she was in doubt about man-made warming, she said “yes.”

Die mutige Positionierung der norwegischen Ministerin passt gut in die realistische Sichtweise der Forschungsinstitutionen Norwegens, die wir an dieser Stelle bereits mehrfach thematisiert haben:

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Das SRF vermeldete am 23. April 2015 eine schlimme “Klimapanne” aus der Schweiz:

Klimawandel: Warum es in den Bergen trotzdem kälter wurde
Im Winter 2011/12 mass man auf dem Jungfraujoch den kältesten Winter seit über 40 Jahren. Und in den vergangenen 20 Jahren wurden die Winter in den Schweizer Bergen deutlich kühler – trotz Klima-Erwärmung. Deutsche Forscher erklären nun, dass gerade der Klimawandel die Ursache sei.

Winter immer kälter. Wie passt das zu den Warnungen an die Skiliftbetreiber in den Alpen, dass ihnen demnächst wohl der Schnee ausgehen wird? Die Schweizer sind verzweifelt:

«Das ist eine signifikante Abkühlung», erklärt Stephan Bader vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie ( MeteoSchweiz), «seit Anfang der 90er-Jahre stellen wir in den Gebirgsregionen einen Abwärtstrend fest. Heute sind wir wieder ungefähr im gleichen Bereich wie vor dem Temperatursprung Ende der 80er-Jahre.»

Wird der IPCC jetzt den Schweizern die Weltklimaratszentrale in Genf wegnehmen? Deutsche IPCC-Freunde springen den Nachbarn zur Seite:

Einen Erklärungsversuch präsentierten Klimaforscher des deutschen Alfred-Wegener-Instituts. Kältere Winter, so die Fachleute, gebe es nicht trotz Klimaerwärmung, sondern gerade wegen ihr. Die Ursache für die Abkühlung in West- und Mitteleuropa sehen sie in der fernen Arktis: Der Temperaturunterschied zwischen der kalten Arktis und den warmen Tropen verursache Westwinde, die im Winter eher mildere Luft zu uns bringen.

Eine nett gemeinte Hilfestellung. Allerdings hatte sich die renommierte ETH-Zürich bereits mit dieser Idee beschäftigt und sie als untauglich verworfen (siehe unseren Blogbeitrag “Neue Studie der ETH Zürich lehnt schwindendes arktisches Meereis als Hauptauslöser für kalte europäische Winter ab“). Es wird daher allmählich brenzlig im Alpenlande. Ganz offensichtlich boykottiert die heimische Bergwelt die Erwärmungsvorgaben des Weltklimarats. Reise in eine ungewisse Zukunft…

Eine ganz andere Strategie als das SRF scheint das Boulevardblatt Blick zu fahren. Hier ignoriert man einfach die wissenschaftlichen Fakten und behauptet frech das Gegenteil. Offenbar fühlt man sich ziemlich sicher, dass niemand aus der Leserschaft die Fachliteratur und wahren Daten kennt. Blick.ch behauptete am 24. April 2015 frech:

Klimawandel: In den Bergen wird es schneller warm
In Hochgebirgen wie den Alpen, den Rocky Mountains und dem Himalaya schreitet der Klimawandel schneller voran als in Tiefländern. Wassermangel könnte schnell zum Problem werden.

Siehe auch unseren Beitrag "Bald kein Schnee mehr in den Schweizer Alpen? MeteoSwiss-Studie widerspricht und belegt Zunahme der Schneemengen seit 2000".

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Es ist schon kurios: Keines der IPCC-Klimamodelle hat die Erwärmungspause der letzten 17 Jahre vorhergesagt. Eine böse Panne. Forscher wie Stefan Rahmstorf waren bestürzt und stritten öffentlich ab, dass es überhaupt eine Pause im Temperaturanstieg gäbe. Diese Strategie konnte auf lange Sicht natürlich nicht erfolgreich sein. Am 23. April 2015 publizierte eine Forschergruppe um Matthew England einen Artikel in Nature Climate Change, in dessen Titel der Erwärmungshiatus nun auch endlich offiziell eingeräumt wird:

Robust warming projections despite the recent hiatus

In der Kurzfassung der Arbeit heißt es:

The hiatus in warming has led to questions about the reliability of long-term projections, yet here we show they are statistically unchanged when considering only ensemble members that capture the recent hiatus. This demonstrates the robust nature of twenty-first century warming projections.

Eine tolle Strategie. 95% aller Modelle liegen falsch (siehe Abbildung von Roy Spencer). Also nimmt man einfach die verbliebenen 5% der Modelle und erklärt sie kurzerhand als “robust” und verlässlich prognosefähig. Eine echte Witznummer.

 

Spurious Correlations: Es ist nicht ganz das, als was es erscheint

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat seine Mitarbeiter offenbar handverlesen. Nur wer fest an die Klimakatastrophe glaubt, bekommt dort einen Büroplatz. Der PIKler Christopher Reyer, Coautor der Studie “Turn Down The Heat”, hat nun in einem Interview am Rande einer Weltbank-Tagung in Marrakesch der Huffington Post erklärt, dass die extremen Hitzeprognosen des IPCC auf keinen Fall eintreten könnten. Denn zuvor würde die Weltwirtschaft zusammenbrechen und damit der CO2-Ausstoß abrupt absinken. Eine interessante klimatische “Schutzfunktion”. In der Huffington Post wird Reyer wie folgt zitiert:

“I guess it should be between three and four degrees hotter. We used to think that we were headed for +8°C, but that will never happen. We are not even on track for +6°C because economies will be collapsing long before we get there. We know that after +2°C, dangerous things start happening, and we start passing crucial tipping points, like the West Antarctica ice sheet collapse, which has reportedly already begun.”

Kollaps des Antarktischen Eisschildes? Vor wenigen Wochen hatte das PIK doch noch eine ganz andere Prognose abgegeben. Siehe “Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Antarktisches Inlandeis wird im Zuge der Erderwärmung anwachsen” und “Klimakatastrophe in der Antarktis abgesagt: Eisschild ist weitgehend stabil und Modellierungen prognostizieren Zunahme der antarktischen Eismasse“. Hatte man Reyer nicht über die inhaltliche Kehrtwende informiert?

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CO2 ist ein starkes Treibhausgas, sagt der IPCC. Dazu bräuchte man nur den Verlauf des CO2 und der Temperatur in den letzten 100 Jahren anschauen: Beides stieg an. Fertig ist der Beweis.

Abbildung: Verlauf von CO2 (grün und blau) und globaler Temperatur (rot) während der vergangenen 110 Jahre. Quelle: IPCC-nahe Webseite Skeptical Science.

 

Überzeugt? Tyler Vigen hat in der großen weiten Welt der Statistiken nach ähnlichen Korrelationen gesucht und wurde fündig. Auf seiner Webseite “Spurious Correlations” hat er die interessantesten Korrelationen zusammengestellt. Unter den dort aufgeführten 30.000 Beispielen findet sich auch die folgende Kurve. Hätten Sie gedacht, dass die Anzahl der in Schwimmbecken ertrunkenen Unfallopfer bestens mit der Anzahl von Filmen korreliert, in denen der Schauspieler Nicolas Cage mitwirkt?

 

Interessant auch das nächste Chart. Dort erkennt man eine ziemlich gute Korrelation zwischen dem Alter von Miss America und der Anzahl von Mordfällen bei denen heißer Dampf und andere heiße Objekte eine Rolle gespielt haben:

 

Sehr überzeugend auch die folgenden beiden Kurven. Es scheint einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Anzahl weltweiter nichtkommerzieller Weltraum-Raketenstarts mit den Soziologie-Promotionsabschlüssen in den USA zu geben: (weiterlesen …)

Sickerstellen!

Von Frank Bosse

Dieser Schreckensruf erschütterte in den letzten Tagen die Klimaszene. Wenn etwas einsickert droht ein Damm zu brechen oder ein Dach ist undicht. Was ist also gemeint? Mit dem Blick auf das offizielle NASA- Diagramm der Temperaturen gab es seit einiger Zeit Dutzende von Arbeiten, die den stark verlangsamten Anstieg der Temperaturen seit Beginn des aktuellen Jahrtausends zu erklären versuchten. Sie nannten den nahezu konstanten Abschnitt aus Bild 1 den Hiatus oder die Pause.

 

 

Abb. 1: Die globalen Temperaturen mit einem 5-jährigen gleitenden Mittelwert (rot). Quelle: NASA/GISS

 

Einigen Hardcore-Propagandisten konnte dies nicht gefallen und so schrieb ein Team um den Psychologen Stephan Lewandowski eine Arbeit die das „Einsickern“ von Argumenten und Formulierungen aus dem Umfeld nicht ganz so gläubiger Betrachter in den heiligen Gral der Klimawissenschaften beklagt. Die „Pause“ dient in der genannten Arbeit als Beispiel dafür.  Die Verwendung eines einfachen gleitenden Mittelwertes wie in der Abbildung der NASA und die Bezeichnung „Pause“ für das Plateau nach 2000 ist nach Lewandowski u.a. schon ein Sakrileg.

Das wollten einige realistischere Vertreter der Klimawissenschaften so nicht gelten lassen.  Richard Betts, der Chef des britischen MetOffice, schrieb auf einem Blog eine geharnischte Kritik an der Arbeit. Er fasst seinen Standpunkt zusammen mit den Worten:

„Die Autoren lassen jeden Nachweis für ihre Spekulationen vermissen. Ihre Schlussfolgerungen sind m.E. falsch.“

Er betont, dass Klimawissenschaften nicht nur den Nachweis der menschgemachten Erwärmung antreten sollen und die natürlichen Schwankungen bestenfalls als Rauschen zu betrachten hätten sondern es um die Erforschung des Klimasystems insgesamt geht und damit auch um die natürliche Variabilität, die wohl für die  „Pause“ verantwortlich zeichnet.

Demgegenüber vertritt Stephan Rahmstorf vom PIK eine ganz andere Meinung: Es gibt keine Pause und die Verwendung solcher Vokabeln in der Wissenschaftswelt ist Abweichlertum. So droht Rahmstorf ganz offen: “Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, den Aufsatz von Lewandowsky et al zu lesen“. Es ist schon interessant, dass mehr als 60 Arbeiten von Klimawissenschaftlern über etwas geschrieben wurde, das es angeblich gar nicht gibt!

Mit allerlei Spielereien wird versucht, die GISS- Abbildung 1 zu relativieren, z.B. indem völlig zutreffend gezeigt wird, dass der Trend des Anstieges der globalen Temperaturen seit 1970 keinen Unterschied aufweist wenn man als Endpunkt das Jahr 2000 oder das Jahr 2014 wählt. Aber was sagt das genau?

Abb.2: Die Trends seit 1970 für die Beobachtungen nach GISS und den Mittelwert der  Klimamodelle

 

Die dunkelblaue Kurve in Abb. 2 zeigt die Steigungen der Trends mit dem konstanten Anfangsjahr 1970. Tatsächlich ist der Wert bis 2014 mit ca. 0,16K/Dekade recht genau gleich zum Anstieg bis 2000. Es wird nur vergessen zu erwähnen, dass er 2006-2007 nahezu 0,18K/Dekade betrug und seitdem zurückgeht. Dies ist nur zu erklären, wenn sich die Temperaturen genau so verhalten wie Abb. 1 es zeigt. Das ist natürlich statistisch nicht signifikant aber eben klar sichtbar, vor allem wenn man wie die NASA eine Glättung der jährlichen Werte vornimmt. Im oben verlinkten Blogartikel von Rahmstorf vermeidet er daher eine solche sinnvolle Operation, die sehr oft angewendet wird, z.B. wenn man die globalen Temperaturen von den El Nino-Schwankungen befreien will.

Und die Abb. 2 zeigt noch mehr: Das Auseinanderklaffen zwischen Modellprojektionen und  der Realität. Die CMIP5-Modelle sind die, die für sämtliche Vorhersagen der klimatischen Zukunft im letzten Bericht des IPCC benutzt wurden. Sie sind nach wie vor der „Stein der Weisen“ der Klimafolgenforscher. Und genau da liegt auch deren Problem mit der „Pause“: Das Verhalten des realen Klimasystems wie es Bild 1 zeigt, passt nicht zu den Rufen nach sofortiger Verhinderung des Kollapses wie er in Bild 2 mit Hilfe der Modelle (rot) annonciert wird. Dort nämlich nimmt der Trend auch zukünftig immer mehr zu und das blaue reale Dümpeln mit der Abwärtsrampe zum Ende hin lockt wohl keinen Entscheider hinter dem Ofen vor. Wie weit sich die Modellwelt inzwischen vom „richtigen Leben“ entfernt hat zeigt dieses Bild:

Abb. 3: Die prozentuale Überschätzung des Erwärmungstrends seit 1970 durch Modelle ab 2000.

 

Die Überschätzung der Erwärmungstrends seit 1970 wächst recht gut linear an. In 2000 wurde der Trend noch gut (mit nahe 100% Genauigkeit) abgebildet, inzwischen sind wir bei stolzen 29% Überschätzung denn wir haben keinen Trend von 0,21 K/ Dekade Erwärmung.  Auch ein noch etwas wärmeres Jahr 2015 als 2014, wie es sich durch einen gerade eingetretenen  El Nino andeutet, kann an der wachsenden Kluft nur Marginales ändern. Dazu sind die Trends seit 1970 nämlich zu lang.

Es scheint sich also wirklich ein Dammbruch oder ein undichtes Dach durch Sickerstellen anzukündigen: Im Gebäude der Lewandowskis, Rahmstorfs und Co. Denn die Welt der Wissenschaft funktioniert nicht so, wie die es gerne hätten: Ein Wissenschaftler wird sich nicht vorschreiben lassen, dass er das Wort „Pause“ oder „Hiatus“ beim Anblick von Abbildung 1 nicht benutzen soll, denn das sei „Lingua non Grata“. Wenn offensichtliche Sachverhalte nicht mehr benannt werden dürfen, weil es nicht in die politisch motivierte Gedankenwelt einiger Katastrophen-Propheten passt, dann hat dies mit Religion mehr zu tun als mit Wissenschaft. Hans von Storch drückte es auf einer Veranstaltung der Leibnitz- Gesellschaft in Geesthacht im September 2014 so aus:

„Jede Woche wird eine neue Sau durch das Dorf getrieben, und man kann recht gut vorhersagen, aus welchem Hause die entsprechende Publikation kommt. Viele dieser Studien sind auch gemeint als Unterstützung für die vermeintlich gute Sache, für die große Transformation, die die Welt zu einem besseren Ort macht, für Ökosysteme und für Kinder und Kindeskinder….Insofern beschädigt sich Wissenschaft durch laufende Kompetenzüberschreitungen und dem Gefallen an dramatisierenden Zuspitzungen selbst.“

 

Späte aber wichtige Erkenntnis: CO2-Klimasensitivität sinkt, extreme Hitzemodelle werden verworfen, Ozeanzyklen als wichtiger systematischer Klimafaktor anerkannt

Neuere Studien zeigen immer deutlicher, dass die Klimawirkung des CO2 wohl lange Jahre lang signifikant überschätzt wurde (siehe hier, hier, hier). Am 30. März 2015 erschien nun im IPCC-nahen Fachblatt Nature Climate Change eine weitere Arbeit, die dem CO2 einen Teil seiner Klimakraft entreißt. Eine schwedisch-US-amerikanische Forscherguppe um Daniel Johannson präsentierte in der Studie einen neuen Mittelwert für die CO2-Klimasensitivität, der gegenüber dem 4. Klimazustandsbericht (AR4) des IPCC deutlich niedriger liegt.

Der Mittelwert im AR4 betrug 3°C Erwärmung pro CO2-Verdopplung. Im 5. IPCC-Bericht (AR5) wollte man sich offensichtlich nicht die Blöße geben, einen verringerten Wert anzugeben – also gab man einfach gar keinen an und nannte nur die weite Spanne von 1,5-4,5°C. Einzige Neuerung war die Herabsetzung der unteren Grenze der Spanne von 2,0 auf 1,5°C. Daniel Johannson und seine Kollegen sprachen nun aus, was eigentlich der IPCC schon vor zwei Jahren hätte einräumen müssen. Die mittlere Klimasensitivität liegt nun ein halbes Grad niedriger als zuvor, nämlich bei 2,5°C. Hätte man dies zur Zeit der AR5-Herausgabe transparent berichtet, so hätte dies politisch sicher “das falsche Signal” ausgesandt, hatte man sich sicher gedacht. Also verfiel man in Trickserei. Im Folgenden die Kurzfassung der neuen Arbeit:

Equilibrium climate sensitivity in light of observations over the warming hiatus
A key uncertainty in projecting future climate change is the magnitude of equilibrium climate sensitivity (ECS), that is, the eventual increase in global annual average surface temperature in response to a doubling of atmospheric CO2 concentration. The lower bound of the likely range for ECS given in the IPCC Fifth Assessment Report (AR5; refs 1, 2) was revised downwards to 1.5 °C, from 2 °C in its previous report3, mainly as an effect of considering observations over the warming hiatus—the period of slowdown of global average temperature increase since the early 2000s. Here we analyse how estimates of ECS change as observations accumulate over time and estimate the contribution of potential causes to the hiatus. We find that including observations over the hiatus reduces the most likely value for ECS from 2.8 °C to 2.5 °C, but that the lower bound of the 90% range remains stable around 2 °C. We also find that the hiatus is primarily attributable to El Niño/Southern Oscillation-related variability and reduced solar forcing.

Im Schlußabschnitt wird nun endlich auch erkannt, dass Ozeanzyklen wohl die wahrscheinlichste Erklärung für die Erwärmungspause sind. Dies hatten wir 2012 bereits in unserem Buch “Die kalte Sonne” erklärt, ernteten aber von der deutsche Klimaforschung damals nur Kritik. Ebenfalls interessant ist im Abstract der Hinweis auf die Klimawirkung der reduzierten Sonnenaktivität. Auch dies war vor 3 Jahren noch komplett undenkbar. Die Sonne wurde als Teufelszeug abqualifiziert. Jeder, der die Sonne als Klimafaktor ins Spiel brachte, wurde sogleich als gefährliche Klimahexe gebrandmarkt. Nur gut, dass die Scheiterhaufen der heiligen Inquisition auf den Marktplätzen nicht mehr in Betrieb sind.

Am 21. April 2015 legte dann die Duke University in der Nature-Tochterzeitschrift Scientific Report nach. Ein Autorenteam um Patrick Brown schaltete den Common Sense an und konzedierte, dass Klimasensitivitäten im oberen Bereich der vom IPCC genannten Spanne eher unwahrscheinlich sind und nicht zur realen Temperaturentwicklung der Vergangangenheit passen. Man könne die Worst-Case-Szenarien daher wohl zu den Akten legen. Die beobachtete Erwärmungspause von mittlerweile 17 Jahren lässt sich mit einem sehr stark erwärmenden CO2 nicht vereinbaren, das die natürliche Variabilität in solch einem Falle klar übertrumpfen müsste.

Patrick Brown und seine Kollegen fordern insbesondere, dass man zunächst die natürlichen Klimazyklen verstehen müsse, welche die Erwärmung steigern aber auch bremsen können. Diese “neue” Erkenntnis von Brown et al. spiegelt exakt unser Modell in der “kalten Sonne” wieder, wo wir eine Verstärkung der Erwärmung 1977-1998 durch die Ozeanzyklen PDO und AMO beschrieben hatten. Auch Brown und Kollegen warnen nun davor, die Erwärmungsraten solch kurzer Zeiträume als langfristige Trends fehlzuinterpretieren. Späte aber wichtige Erkenntnisse der offiziellen Klimawissenschaften. Im Folgenden die Pressemitteilung der Duke University zum neuen Paper:

Global Warming More Moderate Than Worst-Case Models
A new study based on 1,000 years of temperature records suggests global warming is not progressing as fast as it would under the most severe emissions scenarios outlined by the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).  “Based on our analysis, a middle-of-the-road warming scenario is more likely, at least for now,” said Patrick T. Brown, a doctoral student in climatology at Duke University’s Nicholas School of the Environment. “But this could change.”

The Duke-led study shows that natural variability in surface temperatures — caused by interactions between the ocean and atmosphere, and other natural factors — can account for observed changes in the recent rates of warming from decade to decade. The researchers say these “climate wiggles” can slow or speed the rate of warming from decade to decade, and accentuate or offset the effects of increases in greenhouse gas concentrations. If not properly explained and accounted for, they may skew the reliability of climate models and lead to over-interpretation of short-term temperature trends.

The research, published today in the peer-reviewed journal Scientific Reports, uses empirical data, rather than the more commonly used climate models, to estimate  decade-to-decade variability. “At any given time, we could start warming at a faster rate if greenhouse gas concentrations in the atmosphere increase without any offsetting changes in aerosol concentrations or natural variability,” said Wenhong Li, assistant professor of climate at Duke, who conducted the study with Brown. The team examined whether climate models, such as those used by the IPCC, accurately account for natural chaotic variability that can occur in the rate of global warming as a result of interactions between the ocean and atmosphere, and other natural factors.

To test how accurate climate models are at accounting for variations in the rate of warming, Brown and Li, along with colleagues from San Jose State University and the USDA, created a new statistical model based on reconstructed empirical records of surface temperatures over the last 1,000 years. “By comparing our model against theirs, we found that climate models largely get the ‘big picture’ right but seem to underestimate the magnitude of natural decade-to-decade climate wiggles,” Brown said. “Our model shows these wiggles can be big enough that they could have accounted for a reasonable portion of the accelerated warming we experienced from 1975 to 2000, as well as the reduced rate in warming that occurred from 2002 to 2013.”

Further comparative analysis of the models revealed another intriguing insight. “Statistically, it’s pretty unlikely that an 11-year hiatus in warming, like the one we saw at the start of this century, would occur if the underlying human-caused warming was progressing at a rate as fast as the most severe IPCC projections,” Brown said. “Hiatus periods of 11 years or longer are more likely to occur under a middle-of-the-road scenario.” Under the IPCC’s middle-of-the-road scenario, there was a 70 percent likelihood that at least one hiatus lasting 11 years or longer would occur between 1993 and 2050, Brown said.  “That matches up well with what we’re seeing.” There’s no guarantee, however, that this rate of warming will remain steady in coming years, Li stressed. “Our analysis clearly shows that we shouldn’t expect the observed rates of warming to be constant. They can and do change.”

 

Klimawissenschaften in Not: Immer mehr Nachwuchwissenschaftler entscheiden sich gegen eine Karriere im von Denkverboten eingeengten Klimafach

Am 7. April 2015 brachte das führende Wissenschaftsblatt Nature einen Nachrichtenbeitrag, der hellhörig und stutzig machte. Die Klimawissenschaften haben offenbar arge Nachwuchsprobleme. Universitätsabsolventen der Fachrichtungen Mathematik und Physik wollen nicht mehr in die Klimatologie einsteigen und ziehen Karrieren in Astrophysik und Kosmologie vor. Vielleicht sind es die vielen Denkverbote, Pflicht zur Einhaltung der IPCC-Parteilinie und Seilschaften-Klüngelei, die den jungen Wissenschaftlern den Spass an den Klimawissenschaften verderben?

Interessant ist auch die Feststellung, dass es noch eine ausreichende Anzahl an ungeklärten fundamentalen Fragen im Bereich der Klimawissenschaften gäbe, so dass sich ein Einstieg in das Fach noch lohne. Möglicherweise hat da der ein oder andere Jungforscher noch den Slogan “The Science is Settled” im Ohr, was sich nun gleich in mehrfacher Weise rächt. Wo alles erforscht ist, braucht man auch keine Forscher. Dumm gelaufen. Im Folgenden ein Auszug aus dem angesprochenen Nature-Beitrag:

Climate science needs more mathematicians and physicists. So say prominent climatologists who are trying to spark enthusiasm for their field in budding researchers who might otherwise choose astrophysics or cosmology. Talented physical scientists are needed to help resolve mysteries that are crucial to modelling the climate — and, potentially, saving the planet — the group says, such as the ways in which clouds are formed. There is a misconception that the major challenges in physical climate science are settled. “That’s absolutely not true,” says Sandrine Bony, a climate researcher at the Laboratory of Dynamic Meteorology in Paris. “In fact, essential physical aspects of climate change are poorly understood.”

In einer Sache hat Nature jedoch nur halb Recht: Natürlich brauchen die Klimawissenschaften Mathematiker und Physiker für Modellierungen. Aber noch dringender werden eigentlich Geowissenschaftler benötigt, um die lange vernachlässigte paläoklimatologische Seite zu stärken. Wo ist die geowissenschaftliche Initiative, die schon lange überfällig ist? Vor einem Jahr wurde Kalte-Sonne-Coautor Sebastian Lüning von offizieller Seite her angeboten, einen Klimabeitrag für das geowissenschaftliche Nachrichtenblatt GMit zu verfassen. Als der Text dann fertig war, herrschte nur noch Schweigen im Walde: Politisch zu brisant. Veröffentlichung abgesagt. Noch immer überwiegt hier offenbar die Angst vor wissenschaftspolitischen Repressalien. Offene Diskussion unerwünscht.

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Meldung des NABU Schleswig Holsteins am 10. Februar 2015:

Strenges OVG-Urteil zur Windkraftplanung
NABU: Landesregierung muss aus Fehlern lernen!
Mit der Rechtswidrigkeit der Teilfortschreibungen der Regionalpläne, mit denen zuvor mehr als 13.000 ha zusätzliche Flächen für die Windenergienutzung ausgewiesen wurden, sieht der NABU das Land in der Pflicht, Fehler der Vergangenheit umfassend zu korrigieren.

Weiterlesen beim NABU Schleswig Holstein

Bereits 2009 hatte die Umweltgruppe Kritik am ungezügelten Ausbau der Windkraft im nördlichsten Bundesland geübt:

NABU kritisiert mangelnde Bodenhaftung der Windkraftlobby
Übergeordnete Vorgaben der Landesplanung sind zu berücksichtigen
Windenergie-Lobby und einige Kommunen ignorieren übergeordnete Aspekte des Vogel- und Fledermausschutzes bei der Planung neuer Windparks in Ostholstein. Der NABU Schleswig-Holstein ist nicht begeistert.

Weiterlesen beim NABU Schleswig Holstein. Siehe weitere Artikel zum Thema hier und hier.

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Kürzlich verriet US-Präsident Barack Obama, weshalb er fest an eine drohende Klimakatastrophe glaubt. Sein Aha-Erlebnis ereignete sich als seine heute sechzehnjährige Tochter Malia im Alter von vier Jahren Asthma-Attacken erlitt. Damals wurde ihm klar, dass es böse um das Weltklima bestellt ist. The Hill berichtete am 8. April 2015: (weiterlesen …)

Abrupter Klimawandel während der letzten Eiszeit: Temperaturen in Grönland und der Antarktis entwickelten sich gegensätzlich

Das Klima ist komplexer als es viele früher angenommen hatten. Eine der Seltsamkeiten ist, dass sich das Klima an Nord- und Südpol zeitweise entgegengesetzt entwickelt. Über dieses Phänomen hatten wir bereits im Oktober 2012 an dieser Stelle berichtet (siehe: “Die unbequeme Klimaschaukel: Natürliches Wechselspiel zwischen Arktis und Antarktis“). Im April 2015 hat nun eine Forscherguppe um Christo Buizert von der Oregon State University weitere Details hierzu in Nature veröffentlicht. Fazit: Während der letzten Eiszeit gab es wiederholte starke natürliche Erwärmungsereignisse, die sich zunächst in Grönland ereigneten und erst 200 Jahre später in der Antarktis auftraten, als sich Grönland schon wieder abkühlte. Volker Mrasek berichtete am 30. April 2015 im Deutschlandfunk:

Das Rätsel der polaren Klimaschaukel
Während der letzten Eiszeit – die vor 12.000 Jahren endete – standen die beiden Pole in einem rätselhaften Wechselverhältnis: War es auf Grönland warm, so herrschte in der Antarktis Kälte und umgekehrt. Lange blieb unklar, wodurch diese Fernverbindung zustande kam. Eine neue Studie bringt jetzt Licht ins Dunkel.
Während der letzten Eiszeit war die Erde im Mittel vier Grad Celsius kühler als heute – und Grönland sogar 20 Grad. Doch das nicht permanent! Immer wieder entzog sich die größte Insel der Welt dem Klammergriff der Eiseskälte. Rund zwei Dutzend Male erwärmte sie sich im Laufe der Eiszeit – um bis zu zehn Grad Celsius, und das jedes Mal ziemlich flott, innerhalb von ein, zwei Jahrzehnten. Der Paläoklimatologe Christo Buizert von der Oregon State University in Corvallis in den USA: “Diese Klimaschwankungen sind die abruptesten und stärksten, die wir aus den historischen Aufzeichnungen kennen. Es waren regionale Klimaveränderungen. Im Nordatlantik und insbesondere in Grönland.” Während dieser Fieberschübe verhielt sich die Antarktis offenbar genau umgekehrt: Sie kühlte sich ab. Und immer dann, wenn die Temperaturen auf Grönland wieder fielen, kletterten sie auf dem Süd-Kontinent.

Weiterlesen beim Deutschlandfunk.

Im Folgenden die Pressemitteilung der Oregon State University zur Studie:

Researchers find 200-year lag between climate events in Greenland, Antarctica
A new study using evidence from a highly detailed ice core from West Antarctica shows a consistent link between abrupt temperature changes on Greenland and Antarctica during the last ice age, giving scientists a clearer picture of the link between climate in the northern and southern hemispheres.

Greenland climate during the last ice age was very unstable, the researchers say, characterized by a number of large, abrupt changes in mean annual temperature that each occurred within several decades. These so-called “Dansgaard-Oeschger events” took place every few thousand years during the last ice age. Temperature changes in Antarctica showed an opposite pattern, with Antarctica cooling when Greenland was warm, and vice versa.

In this study funded by the National Science Foundation and published this week in the journal Nature, the researchers discovered that the abrupt climates changes show up first in Greenland, with the response to the Antarctic climate delayed by about 200 years. The researchers documented 18 abrupt climate events during the past 68,000 years.

“The fact that temperature changes are opposite at the two poles suggests that there is a redistribution of heat going on between the hemispheres,” said Christo Buizert, a post-doctoral research at Oregon State University and lead author on the study. “We still don’t know what caused these past shifts, but understanding their timing gives us important clues about the underlying mechanisms.

“The 200-year lag that we observe certainly hints at an oceanic mechanism,” Buizert added. “If the climatic changes were propagated by the atmosphere, the Antarctic response would have occurred in a matter of years or decades, not two centuries. The ocean is large and sluggish, thus the 200-year time lag is a pretty clear fingerprint of the ocean’s involvement.” (weiterlesen …)

Treffen der Initiative KlimaKontroverse am 21. Mai 2015 in Hannover

Nächstes Treffen der Initiative KlimaKontroverse am Do, 21. Mai 2015, 19:30, Freizeitheim Linden, Hannover

Das Hauptthema des nächsten Treffens ist die Dürre in Kalifornien. Wie historisch ist diese und spielt der Mensch dabei eine Rolle?
Weitere Themen: Neues über Temperaturmanipulationen, Rekordernten in der Sahel-Zone und mehr. (weiterlesen …)

Temperaturen auf Spitzbergen seit Beginn der Messungen vor 20 Jahren dramatisch gestiegen – allerdings nur auf das Niveau von 1930

Der Nabu Schleswig-Holstein stellte in einer Untersuchung fest, dass die vormals hochgelobten Biogasanlagen aus Sicht des Klima- und Umweltschutzes purer Unsinn sind:

Kein Beitrag zum Klimaschutz, ökologische Auswirkungen katastrophal: NABU-Hintergrundbericht zu Agrargasanlagen
Biogasanlagen sind weder energieeffizient, noch schützen sie das Klima. Zudem gefährdet der Maisanbau Boden, Grundwasser, Seen und Fließgewässer und die Biodiversität. Dies ist Fazit einer von Recherchen des NABU Schleswig-Holstein.

Weiterlesen auf nabu.de.

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NTV verbreitete am 6. April 2015 ungeprüfte Klimapropaganda:

“Der Klimawandel ist kein Scherz”: Kaliforniens Gouverneur sendet Alarmsignal
In Kalifornien kann man die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt beobachten. Seit vier Jahren leidet der US-Bundesstaat an einer Dürre. Gouverneur Brown nennt die Lage in Kalifornien ein “Alarmsignal”.

Offenbar kennt der Gouverneur die neueste Fachliteratur nicht. Siehe unseren Blogbeitrag: “NASA- und NOAA-Forscher: Kalifornische Dürre Anfang 2014 durch Ozeanzyklen augelöst. Kein langfristiger Austrocknungstrend in den vergangenen 100 Jahren erkennbar“. Alarm wieder abgeblasen! Man muss die Zyklen der Natur akzeptieren, leugnen bringt nichts.

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Was tut man, wenn andere die eigene Meinung nicht teilen? Man könnte fachlich diskutieren. Das ist aber anstrengend und birgt stets das Risiko, dass man argumentativ den Kürzeren ziehen könnte. Der grüne Aktivist Adam Weinstein fordert daher, dass Skeptiker der Klimakatastrophe juristisch bestraft werden müssen:

Man-made climate change happens. Man-made climate change kills a lot of people. It’s going to kill a lot more. We have laws on the books to punish anyone whose lies contribute to people’s deaths. It’s time to punish the climate-change liars.

In Nordkorea oder im Mittelalter wäre dies durchaus vorstellbar. Aber ist dies wirklich eine gute Lösung in der aufgeklärten Welt von heute? Kritik an Weinsteins Vorschlag gab es seitens der IPCC-Wissenschaftler übrigens keine. Auch dies ist äußerst bedenklich.

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Die Bundesregierung ist uns immer noch eine Antwort schuldig (siehe hier). Anstatt uns zu antworten, schob man lieber gleich noch einen weiteren Klimaalarm-Beitrag auf der Webseite des BMBF nach:

In der Arktis wird der Klimawandel besonders deutlich
Bundesforschungsministerin Johanna Wanka besucht die Arktis, die durch den Klimawandel und geopolitische Interessen immer mehr in den Mittelpunkt rückt. “Eine starke Polarforschung ist wichtig”, sagte die Bundesministerin.

Gegen Polarforschung ist nichts einzuwenden. Ein spannendes und nützliches Feld. Aber wie stehts dort mit dem “besonders deutlichen Klimawandel”? Das BMBF schreibt:

Die abnehmende Meereisbedeckung, schrumpfene Eisschilde und veränderte Ozeanströmungen haben erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des gesamten Erdklimas.

Auf der Webseite “Entwicklungspolitik Online” (epo online) finden sich weitere Details:

Seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1993 haben sich die Lufttemperaturen auf Spitzbergen im Jahresmittel um 1,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt erhöht. Insbesondere in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar sei die Erwärmung mit 3,4 Grad Celsius pro Dekade besonders ausgeprägt gewesen, teilten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der deutsch-französischen Forschungsbasis AWIPEV beim Besuch von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) in Ny-Ãlesund auf Spitzbergen mit.

Dramatische Erwärmung in Spitzbergen. In Worten klingt das bedrohlich. Gerne würden wir jedoch die Temperaturkurve dazu sehen. Die Entwicklung der GISS-Temperaturen kann man zum Glück mit wenigen Klicks anhand einer Auswahlfunktion auf einer Weltkarte aufrufen:

Abbildung 1: Temperaturentwicklung in Spitzbergen gemäß GISS-Temperatursatensatz.

 

Die Überraschung ist riesengroß: Zwar hat sich Spitzbergen von 1970 bis 2000 kräftig erwärmt, allerdings lediglich auf dasselbe Niveau, das das arktische Inselarchipel bereits in den 1930er Jahren besaß. Hier scheint eine zyklische Entwicklung vorzuliegen, die glatt verschwiegen wird. Eine ähnlich starke Erwärmung hat es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gegeben, als CO2 noch keine große Rolle spielte. Zu allem Überfluss scheint die Erwärmung in den letzten 15 Jahren auch noch zum Erliegen gekommen sein. Unter diesem Hintergrund bekommt Ministerin Wankas Aussage auf epo online eine schon fast karnevalistische Note:

“Nirgendwo sonst ist der Klimawandel so sichtbar wie in der Arktis. Dies macht die Bedeutung unseres Forschungsengagements deutlich”, sagte Wanka. [...] Gleichzeitig zeigen die Temperaturaufzeichnungen der letzten Jahrzehnte: Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie andere Regionen der Welt. Denn das komplexe Zusammenspiel von Ozean, Meereis und Atmosphäre führt zu Rückkopplungseffekten, welche die Erwärmung verstärken. Wissenschaftler sprechen von der sogenannten “€šArctic Amplification”.

Wäre Wanka vor 50 Jahren im Amt gewesen, hätte sie sich vermutlich Sorgen um eine bevorstehende Eiszeit gemacht. Eine langfristig doppelt so schnelle Erwärmung der Arktis ist Quatsch. Siehe auch unseren Blogbeitrag “Arktische Turboerwärmung auf dem Prüfstand: Ein Konzept auf wackeligen Beinen“.

Aber das BMBF lehnt sich sogar noch weiter aus dem Fenster. Auf epo online heißt es:

Zunächst klinge es paradox, so das BMBF, aber mit der Erwärmung der Arktis könnte sich die Häufigkeit kalter europäischer Winter erhöhen. Denn mit der Erwärmung scheinen sich auch die wetterbestimmenden Muster in der Atmosphäre und auf den Weltmeeren langfristig zu verändern.

Auch dies ist großer Unsinn, wie jüngst eine Studie der Colorado State Unversity herausfand. Siehe “Studie der Colorado State University findet keinen Zusammenhang zwischen Kälte- oder Hitzewellen und schrumpfendem Meereis“. Wir könnten nun wieder eine Email an das BMBF schicken, aber momentan erscheint deren Posteingang eher einem Schwarzen Loch zu gleichen. Wer hat Zugang zum Ministerium und könnte unseren Brief persönlich mit Empfehlung in Berlin vorbeibringen?

 

Loriot lässt grüßen: Entschließung des Europäischen Parlaments über Frauen und Klimawandel

Ende November 2015 heißt es wieder für tausende von Delegierten und Aktivisten Leinen los. Die 21. UN-Klimakonferenz lädt diesmal in die romantische Seine-Metropole Paris ein. Flug, Unterkunft, Essen, Trinken – alles umsonst. Die Konferenztouristen freuen sich jetzt schon auf Eifelturm, Louvre und leckere Croissants. Auch die letzten Treffen hatte man an hübsche Orte gelegt, darunter Cancun, Bali und Lima. Da wollten wir doch alle schon einmal hin.

Ärgerlich nur, dass das Ergebnis der vorangegangenen Konferenzen immer das selbe war: Keines. Der Klima-Chefverhandler Frankreichs, Paul Watkinson, hat jetzt ausgeplaudert, was er wirklich von diesen Konferenzen hält: Er würde sie am liebsten abschaffen! Er hält die Treffen für einen globalen Reisezirkus, bei denen man sich inhaltlich im Kreise drehe. Der energypost.eu sagte Watkinson am 23. März 2015 im Interview:

ENERGYPOST: Would you like to get rid of the COPs [the annual climate conferences]?

WATKINSON: I’d love to! I attended 16. I would love to end them one day. They are considered an enormous global circus where people keep saying the same things.

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Am 20. April 2012 machte das Europäische Parlament ernst und veröffentlichte die Resolution 2011/2197 mit dem Titel “Frauen und Klimawandel”. Vom Titel allein ist nicht ganz klar, worum es geht. Ist es vielleicht gar nicht so sehr ein “menschengemachter”, sondern vielmehr ein “frauengemachter” Klimawandel? Sollte man hier mit zusätzlichen Bildungsmaßnahmen der Damenwelt unter die Arme greifen, um klimaschädliche Ausgasungen im Haushalt zu begrenzen? Zum Beispiel: Ab heute keine Spülmaschine mehr!

Nein, im Gegenteil. Die EU sagt, dass vor allem die Männer das Klima schädigen, es sich also ganz klar um einen “männergemachten Klimawandel” handelt. Stöbern wir ein wenig im Text der Resolution (ab Seite 52 in diesem pdf auf europa.eu):

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 20. April 2012 über Frauen und Klimawandel (2011/2197(INI))

Das Europäische Parlament [...]

A. in der Erwägung, dass der Klimawandel nicht geschlechtsneutral ist und je nach Geschlecht unterschiedliche Auswirkungen hat
[B-E]
F. In der Erwägung, dass es ohne eine wirkliche Gleichstellung der Geschlechter keine Klimagerechtigkeit geben wird und dass die Beseitigungder Ungleichheiten und der Kampf gegen den Klimawandel nicht als Widerspruch angesehen werden dürfen
[G-J]
K. In der Erwägung, dass durch Familienplanung die Gesundheit der Mütter und die Kontrolle über die Größe der Familie erheblich verbessert und letztendlich die Unabhängigkeit der Frauen gestärkt und ihre Arbeitsbelastung verringert werden können, da es in erster Linie immer noch die Frauen sind, die sich um die Kinder kümmern, und dass Frauen und ihre Familien sich so besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen können, wie im 20-Jahres-Plan der Weltbevölkerungskonferenz festgehalten,
[L-T]

[1.-19]
20. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die geschlechtsspezifische Dimension in die Strategien zur Verhütung und zum Risikomanagement von Naturkatastrophen einzubeziehen und die Stärkung der Stellung der Frauen durch einen Kapazitätsaufbau vor, während und nach Klimakatastrophen und durch deren aktive Einbindung in Systeme für die frühzeitige Erkennung der Gefahr von Katastrophen, die Frühwarnung und die Verhütung von Katastrophen im Rahmen des Aufbaus ihrer Widerstandsfähigkeit zu fördern;
[21.-35.]
36. erkennt deshalb den bedeutenden Beitrag an, den Frauen aufgrund ihrer pädagogischen Fähigkeiten zu erfolgreicher Innovation sowohl in Unternehmen als auch im Haushalt leisten können.
[37-47]

Insgesamt erinnert das Dokument ziemlich an Loriots Vereinssitzung, wo es um die Aufnahme von Frau und Umwelt in den Karnevalsgedanken geht.

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Die Behörden von Oberösterreich schlagen auf ihrer Webseite Alarm:

Klimawandel global und in Österreich
Der natürliche Treibhauseffekt macht Leben auf der Erde erst möglich. Aber wir Menschen stören dieses empfindliche Gleichgewicht mit vermehrtem Treibhausgasausstoß. Die Klimaänderung ist bereits spürbar, auch in Österreich.

Der Klimawandel sucht Österreich heim. Gemeint ist damit sicher der “menschengemachte Klimawandel”. Was genau ist bisher im Alpenland passiert? Auf der Webseite heisst es: (weiterlesen …)

Spektrum der Wissenschaft: Klimagefahr durch auftauenden Permafrostboden wurde überschätzt

Immer wieder tauchen in der Klimadiskussion die Permafrostböden auf, deren allmählicher Rückgang im Zuge der Erderwärmung einige Zeitgenossen zu apokalyptischen Visionen inspirierte. Permafrostböden sind ab einer gewissen Tiefe das ganze Jahr hindurch gefroren. Sie bilden sich dort, wo die Jahresdurchschnittstemperatur −1 °C und der Jahresniederschlag 1000 Millimeter nicht übersteigt. Die großen Permafrostareale der Erde befinden sich in den arktischen und antarktischen Tundren, in großen Teilen der borealen Nadelwaldgebiete, aber auch in sämtlichen Gebieten, die die Voraussetzungen für Permafrost erfüllen, wie etwa Hochgebirge.

Ein schönes Beispiel für die Permafrostboden-Hysterie konnte man am 28. November 2012 in der Tageszeitung Die Welt bewundern:

Wenn Permafrostböden tauen, droht der Klima-Gau
UN-Experten warnen eindringlich vor Gefahr, die Folgen der auftauenden Dauerfrostböden weiter zu ignorieren: Durch die Schmelze heizen künftig riesige Mengen Kohlendioxid und Methangas dem Klima ein.

Natürlich war das ein schönes Thema, das auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) nur zu gerne befeuerte. Am 13. Februar 2013 brachte das Institut eine Pressemitteilung mit dem folgenden Titel:

Das Auftauen von Permafrost-Böden beschleunigt den Klimawandel – trotz mehr Pflanzenwachstum

Kritik an den klimatischen Katastrophenszenarien zum Permafrost war selbstverständlich unerwünscht. Der größte Teil der Presse spielte das Spiel lage Jahre mit und verbreitete ungefiltert die attraktiven populärwissenschaftlichen Gruselgeschichten. Umso größeren Respekt gebührt daher nun Spektrum der Wissenschaft, das sich in seiner März-Ausgabe 2015 mit der Thematik ausführlich und in kritischer Weise beschäftigt hat. Der Berliner Wissenschaftsjournalist Gert Lange beginnt seinen gut recherchierten 11-seitigen Artikel wie folgt:

Permafrost – die große Unbekannte im Klimawandel
Die Erderwärmung lässt dauerhaft gefrorene Böden in der Arktis tauen. Weil die dadurch freigesetzten Treibhausgase den Klimawandel beschleunigen, befürchteten manche Umweltschützer einen verhängnisvollen Teufelskreis. Genauere Untersuchungen in jüngster Zeit bestätigen zwar den Effekt, sprechen aber gegen eine drohende Katastrophe.

Keine Permafrost-Katastrophe! Eine gute Nachricht. In der Zusammenfassung zu seinem Beitrag schreibt Lange:

GEFAHR ÜBERSCHÄTZT?

1. Noch bis vor Kurzem geäußerte Warnungen vor einer drastischen Zunahme der Erderwärmung durch das Tauen von Permafrostböden beruhten auf qualitativen Überlegungen, groben Abschätzungen und punktuellen Beobachtungen.

2. Genauere Messungen aus den letzten Jahren, die insbesondere an einer deutsch-russischen Forschungsstation in Sibirien durchgeführt wurden, relativieren das Bild teils erheblich.

3. So sind weite Flächen der Permafrostböden seit dem Ende der letzten Eiszeit schon aufgetaut, und erhebliche Teile des enthaltenen organischen Kohlenstoffs wurden bereits bakteriell abgebaut und als Gas in die Atmosphäre freigesetzt.

4. Außerdem ist die sommerliche Auftauschicht, in der die Mikroben aktiv sind, trotz Erderwärmung nicht dicker geworden. Ob die Treibhausgasemissionen wesentlich zugenommen haben, erscheint deshalb fraglich.

5. Auch die bisherigen Versuche, diese Emissionen großräumig zu erfassen – was sehr schwierig ist –, ergaben keine dramatischen Steigerungen.

Lesen Sie den ganzen Artikel online in Spektrum der Wissenschaft (nur für Abonnenten). Das Einzelheft kann auch als pdf (€ 5,99) oder in Papierform (€ 8,20) bestellt werden. Die entsprechende Arbeit in Nature finden Sie hier.

 

Mit Dank an Hartmut Hüne für den Hinweis.
Siehe auch unsere Beiträge: "Ist der Permafrostboden in Gefahr? Vielleicht in ein paar tausend Jahren"), "Potsdamer Methan-Klimabombe erweist sich als Blindgänger: Karbonhaushalt in Tundra trotz Klimawandels stabil",  und "Wunder in der Arktis: Um schrumpfende Seen herum bildet sich neuer Permafrostboden".

Nachfrage bei Oxfam zu umstrittenem Klimabericht: Schweigen im Walde

An: Nikolai Link, Oxfam Deutschland; Abteilung Bildung, Entwicklungsfinanzierung, Gesundheit, Klima
Von: Sebastian Lüning

Gesendet: 18.4.2015
Antwort: unbeantwortet

 

Sehr geehrter Herr Link,

Wir haben am 16. April 2015 in unserem Blog über einen möglichen Fehler auf der Webseite des UN World Food Programme berichtet, der offenbar auf einen Oxfam-Bericht zurückgeht.

http://www.kaltesonne.de/um-antwort-wird-gebeten-welternahrungsprogramm-der-vereinten-nationen-beim-tricksen-erwischt-wann-wird-der-fehler-korrigiert/

Konkret geht es um eine angebliche Vervierfachung der klimabedingten Wetterdesaster. Wie Martin Schlumpf in seinen Ausführungen zeigt und wie auch der IPCC selbst schreibt, hat eine solche Vervierfachung jedoch gar nicht stattgefunden. Könnten Sie uns bitte die Oxfam-Sichtweise näher erläutern? Weshalb weicht Ihre Analyse von der des IPCC so sehr ab? Wir würden Ihre Antwort gerne bei uns im Blog www.kaltesonne.de bekanntgeben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning

 

Wissenschaftsethisch bedenklich: Stefan Rahmstorf verschweigt in Golfstrom-Zeitungsinterview anderslautende Ergebnisse

Großer Auftritt von Stefan Rahmstorf in der Märkischen Allgemeine Zeitung (MAZ) am 23. März 2015:

Ein Kipp-Element für das Schicksal des Globus
Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf und seine Kollegen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung haben Belege für eine weitere Abschwächung des Golfstromes gefunden.

Kalter Kaffee. Wie wir bereits an dieser Stelle berichtet haben, konnten andere Forschergruppen die angebliche Golfstromabschwächung leider nicht nachvollziehen, so dass Rahmtorf mit seiner Behauptung ziemlich allein auf weiter Flur steht. Das ist offenbar auch der MAZ nicht verborgen geblieben. Sie hakte couragiert nach:

MAZ: Klimaskeptiker wie der frühere Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt bezeichnen die Verlangsamung des Golfstroms aber als Bestandteil natürlicher Zyklen.

Rahmstorf: Da wäre ich neugierig auf Beweise dafür – leider hat Herr Vahrenholt bislang praktisch nichts zum Klima in der Fachliteratur publiziert. Wir haben nach natürlichen Zyklen gesucht und festgestellt, dass es in den vergangenen 1000 Jahren keine signifikanten zyklischen Schwankungen gegeben hat.

Stimmt, Fritz Vahrenholt hat dazu nichts publiziert. Dafür haben es aber andere ausführlich getan, und die zitiert Vahrenholt. So funktioniert es in der Wissenschaft: Man muss nicht alles selber erforschen, man stützt sich auf den großen Forscherverbund und die begutachtete Literatur. Zu nennen sind hier z.B. Studien der University of Rhode Island, NASA, Universität Heidelberg, Universität Hamburg sowie norwegischer Wissenschaftler. Gerade die Hamburger hatten auch Zyklen nachweisen können. Es ist schon verwunderlich, dass sich Rahmstorf an all diese Studien gar nicht mehr erinnern kann und lieber Vahrenholt-Bashing betreibt. Die MAZ findet diese Ausflüchte offenbar ebenfalls wenig hilfreich und hakt daher erneut nach:

MAZ: Der Klimaforscher Mojib Latif glaubt ebenfalls nicht an aktuell zurückgehende Geschwindigkeiten beim Golfstrom.

Rahmstorf: Die aktuelle Abschwächung wurde ja bereits zuvor durch andere Studien belegt, wir verfolgen die Strömung mit Hilfe der Proxydaten nur weiter in der Zeit zurück. Kollege Latif hat in einer Studie von 2004 Temperaturdifferenzen von Nord- und Südatlantik benutzt, um auf die Strömungsgeschwindigkeit zu schließen. Dabei blieb unberücksichtigt, dass wir auf der Nordhalbkugel der Erde bedingt durch Luftverschmutzung eine Aerosol-Abschattung der Sonneneinstrahlung haben. Diesen Effekt kann man so nicht eindeutig von dem einer Strömungsänderung trennen; wir haben seine Methode daher verfeinert.

Wer es glaubt. Rahmstorf verkauft hier einer Zeitung seine sehr einseitig geprägte Sichtweise als angeblichen Konsens in der Forscherwelt. Überaus peinlich und wissenschaftsethisch äußerst unsauber. Schade.

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Die wichtige Rolle Vahrenholts in der Klimadiskussion wird auch an anderer Stelle deutlich. Die Internet-Plattform “Klimaretter” wirbt seit neuestem mit einem Vahrenholt-Foto für ihre Klima-App. Offenbar beschäftigt die in unserem Buch “Die kalte Sonne” geäußerte Kritik die Aktivisten weiterhin. Ob es dort bereits Lesezirkel für einzelne Kapitel gibt?

 

MPIM-Klimawissenschaftler Bjorn Stevens: “Mein Job ist nicht, die Öffentlichkeit vom Klimawandel zu überzeugen. Die wissenschaftliche Wahrheit wird sich im Laufe der Zeit von ganz alleine durchsetzen”

Kürzlich haben wir an dieser Stelle zwei wichtige neue Arbeiten des Hamburger Max-Plack-Wissenschaftlers Bjorn Stevens vorgestellt (“Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie: Aerosole kühlen weniger stark als vormals angenommen” und “Wendepunkt in der Klimadebatte? Klimamodelle nähern sich den Realitäten an“). Die bekannte Klimawissenschaftlerin Judith Curry hat nun diese Arbeiten in ihrem Blog kommentiert. Darin zitiert sie auch Stevens, der von IPCC-Hardlinern für seine Studien scharf kritisiert wurde. Stevens beschreibt seine Rolle als ergebnisoffener Wissenschaftler wie folgt treffend:

“My job isn’t to convince the public more” about the reality of climate change. “I have a naïve faith the truth will win out.”

Der unabhängige Klimawissenschaftler Nic Lewis hatte Stevens Resultate in Klimamodelle eingesetzt und schloss, dass die CO2-Klimasensitivität wohl deutlich geringer ausfällt als vom IPCC angenommen. Die Zeitschrift Scientific American (deutsche Ausgabe: Spektrum der Wissenschaft) konstruierte daraufhin, dass Lewis die neuen Ergebnisse wohl komplett missverstanden hätte. Lewis wandte sich daraufhin an Stevens und fragte ihn, ob er dies auch so sehe. Stevens verneinte und erklärte, dass es zwar noch zu früh sei, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, aber eine Falschdarstellung durch Lewis sähe er nicht. Daraufhin änderte der Scientific American seine aggressive Schlagzeile und blies die Attacke gegen Lewis wieder ab. Ganz offensichtlich ist man im IPCC-Camp und den angeschlossenen Medienanstalten mittlerweile hochnervös und versucht mit allen Mitteln, unbequeme Studien aus dem Rampenlicht herauszuhalten bzw. kleinzureden.

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Manchmal könnte man meinen, die Wissenschafts-Redaktoren des Deutschlandfunks (DLF) leben auf einem anderen Planeten… Wer dieser Meldung des DLF vom 27. März 2015 Glauben schenkt, müsste eindeutig annehmen, die Antarktis schmelze immer schneller ab:

Eisschmelze am Südpol legt zu
Die Menge des Packeises in der Antarktis hat seit dem Jahr 2003 fast um ein Fünftel abgenommen. [...]

Natürlich wird vom DLF mit keinem “Pieps” erwähnt, dass es in den letzten Jahren immer grössere antarktische Meereis-Rekorde gab. Und genauso wenig wird klar gestellt, dass die Lage in der weit grösseren Ostantarktis durchaus anders bewertet werden kann, als es die Headline der DLF Meldung suggeriert. Selbst die (immer noch einseitige) Berichterstattung vom Science-Magazin über die zugrundeliegende Originalarbeiten geht im Text auf diese Unsicherheiten ein und benennt diese:

By piecing together an 18-year record of ice shelf thinning from three different sets of satellite data, the researchers found that some ice shelves in West Antarctica have lost as much as 18% of their volume in the last 2 decades. But the story in East Antarctica is still murky, they report; although the volume of its ice shelves has fluctuated significantly, they found no clear trend of volume loss during that time period. [...] Together, the three missions span nearly 20 years of observations. And that matters, Paolo says, because in some parts of Antarctica, there have been significant fluctuations in the loss or gain of ice. While some regions—such as the Amundsen and Bellingshausen seas—are experiencing steady enough losses that the time period of observation might not influence the result, that’s not the case in other regions, particularly those in the EAIS, he says. “That’s where the long record is very important; you can start to see these fluctuations.” [...] But in the Totten and Moscow University ice shelves over on the eastern half of the ice sheet, the story was far less clear, Paolo says. “We still are not able to say with confidence whether that ice shelf is thinning or thickening—the data are very noisy, very difficult to interpret.” Although their data concurred with the earlier finding that the shelves had thinned from 2003 to 2008, he says, “before and after those 5 years the conditions changed. The ice shelves gained thickness.” [...]

 

Die Sonne im April 2015

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Die einzig nennenswerte Energiequelle unseres Planeten war auch im April unterdurchschnittlich aktiv: Die festgestellte SSN (SunSpotNumber) betrug 54,4. Dies sind 70% dessen, was als Mittelwert der bisher beobachteten 23 vollständigen Zyklen im entsprechenden Monat verzeichnet ist. Damit stieg die Aktivität im Vergleich zum März (46%) etwas an. Diese kurzfristigen Änderungen sind jedoch eher ein Rauschen auf dem Signal und das sagt: die Gesamtaktivität seit Beginn des Zyklus 24 beträgt nur 53% des Mittelwertes seit 1750.

Abb.1: Der aktuelle Zyklus 24 (rot), der mittlere solare Zyklus (blau) und der jetzt ähnlichste Zyklus 7. Er war der letzte des Dalton- Minimums und wurde 1823-1833 beobachtet.

 

Der Vergleich mit dem Zyklus 7 könnte in den kommenden Jahren immer größere Abweichungen produzieren, die Sonnenaktivität erholte sich ab 1827 spürbar, daher auch die recht großen positiven Spikes im Bild 1 auf der schwarzen Linie. Eine solche Entwicklung erscheint im SC24 recht unwahrscheinlich. Der Vergleich der Zyklen untereinander:

Abb.2: Die über alle Monate (bis einschließlich dem 77., der aktuell letzte beobachtete im aktuellen Zyklus seit Dezember 2008)  aufsummierte SSN-Anomalie aller Zyklen.

 

 

Abb.3: Die Geschwindigkeit des Sonnenwindes, der auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre wirkt, ist seit den frühen 90er Jahren ebenso zurückgegangen. In erster Näherung wird dies durch den geomagnetischen Ap- Index beschrieben. Er ist ein Maß für die Beeinflussung des Erdmagnetfeldes durch die Sonne. Abbildungsquelle: Climate4you.

 

Nicht nur die Erde wird vom Sonnenwind beeinflusst. Die gesamte Umgebung der Sonne bis weit hinaus ins All, die Heliosphäre reagiert auf den Strom von Teilchen aus der Sonne. Ist er schwächer – wie im Minimum der Aktivität – kann mehr kosmische Strahlung aus unserer Milchstraße eindringen, und das wird auf der Erde gemessen, z.B. in Moskau seit 1958:

Abb. 4: Die Änderung der kosmischen Strahlung

 

In den SSN-Maxima (vgl. nach 2000) ist der Sonnenwind stärker und reduziert die kosmische Strahlung um bis zu 20% im Vergleich zu den Minima der Aktivität. Der aktuelle Zyklus (sein Maximum ist bereits vorüber) bringt es nur auf etwa 8% Reduktion. Über den gesamten Zeitraum seit 2006 ist also deutlich mehr galaktische kosmische Strahlung als in vergleichbar langen Zeiträumen nach 1958 nachzuweisen.

Ein weiterer Einfluss der Sonnenaktivität ist die UV- Strahlung. Sie hängt recht stark von der SSN ab, da die ultraviolette Strahlung in der Umgebung der Sonnenflecken erst produziert wird. Anders als im sichtbaren Bereich des Spektrums erscheinen die Sonnenflecken im UV-Bild heller als die Umgebung. Die UV wirkt vor allem auf die Stratosphäre, es gibt jedoch „Top-Down“- Effekte, so dass über diesen Weg auch die Troposphäre beeinflusst wird.

Die Zeichen für die Sonnenaktivität stehen weiterhin auf „sehr niedrig“. Wir dürfen gespannt sein, welche Auswirkungen bei sehr langer „solarer Sparflamme“ zu verzeichnen sein werden.

 

Keine Erwärmung in der Antarktis. Südlicher Ozean kühlt sich ab

In der Antarktis bricht ein Stück Eis ab. Medien in der ganzen Welt berichten eifrig. Wie konnte das nur passieren? Das muss wohl der Klimawandel sein. Ja, die globale Erwärmung schlägt auch in der Antarktis voll zu und zeigt dort ihre hässliche Fratze. Jeder von der Eiskante abrechende Eisberg ist ein Mahnmal der Klimakatastrophe. Amen.

Nun sind aber auch in der vorindustriellen Vergangenheit regelmäßig Eisstücke in Meers geplumpst. So funktioniert halt das Gletscher-Förderband: Schnee lagert sich im Kontinentinneren ab, der dann als Eis langsam Richtung Küste gleitet. What’s new? Und um wieviel hat sich die Antarktis in den letzten Jahren und Jahrzehnten eigentlich erwärmt? Man liest und hört in der Presse so wenig darüber. Wir wollen dieses Informatonsdefizit einmal zum Anlass nehmen, die Temperaturgeschichte des großen weißen Kontinents näher unter die Lupe zu nehmen.

Paul Homewood hat einmal die per Satellit (UAH) ermittelte Entwicklung in der Südpolregion für die vergangenen 35 Jahre aufgetragen:

Es ist keine Erwärmung zu erkennen. Es war früher kalt und es ist heute kalt. Kein Trend. Vielleicht hat das Thermometer auf der Amundsen-Scott-Basis am Südpol eine Erwärmung aufgezeichnet? Paul Homewood generierte auf Basis der GISS-Daten die folgende Kurve:

Nein, auch im Bereich der Südpolstation ist keine Erwärmung erkennbar, und das gilt gleich für die letzten 50 Jahre. Im nächsten Schritt verlassen wir das Festland und schauen uns an, ob sich wenigstens der Ozean rund um die Antarktis erwärmt hat. Bob Tisdale hat die Temperaturkurve auf Basis der KNMI Climate Explorer-Daten zusammengestellt: (weiterlesen …)

Klimakatastrophe in der Antarktis abgesagt: Eisschild ist weitgehend stabil und Modellierungen prognostizieren Zunahme der antarktischen Eismasse

Am 17. März 2015 räumte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ein, dass das antarktische Inlandeis im Zuge der zukünftigen Erderwärmung anwachsen und wohl doch nicht schrumpfen wird. Eine hochinteressante Prognose. Unter diesem Hintergrund lesen sich einige Meldungen der Vormonate ziemlich seltsam. So hatte die Augsburger Allgemeine noch am 3. Dezember 2014 die Antarktis kurz vor dem Zusammenbruch gesehen:

KLIMAWANDEL: Gletscher in der Antarktis schmelzen immer schneller
Das Tempo der Gletscherschmelze in einer besonders sensiblen Antarktis-Region hat sich im vergangenen Jahrzehnt fast verdreifacht.
Das geht aus einer vergleichenden Studie hervor, die Forscher der kalifornischen Universität Irvin (UCI) und des Nasa-Labors JPL am Dienstag veröffentlichten. Demnach schmolzen seit 1992 zunächst jährlich 6,1 Milliarden Tonnen Eis an den Küsten der Amundsen-See; von 2003 bis 2009 erhöhte sich der jährliche Eisverlust jedoch auf 16,3 Milliarden Tonnen. Das Schmelzen der Polkappen lässt den Meeresspiegel anschwellen und bedroht damit die Küstenregionen weltweit. Schon im vergangenen Mai kamen Studien zu dem Schluss, dass die großen Gletscher der westlichen Antarktis wegen der Klimaerwärmung immer schneller schmelzen.

Vielleicht erklärt sich der Klimaalarm, wenn man dazu weiß, dass vom 1. bis 13. Dezember 2014 in Lima eine wichtige UN-Klimakonferenz abgehalten wurde, die traditionell von der Presse mit mehr oder weniger kreativen Meldungen begleitet wird. Aber auch knapp zwei Wochen vor der PIK-Meldung gab es noch Versuche, die Antarktis als todkrank darzustellen. Euronews schrieb am 4. März 2015:

Eisschmelze in der Antarktis – Eine Bedrohung für Küstengebiete weltweit
Ewig ist das Eis der Antarktis schon längst nicht mehr. Es schmilzt, verflüssigt sich und bringt den globalen Meeresspiegel zum Steigen, eine Bedrohung für Küstengebiete weltweit. Laut Messungen von Nasa-Satelliten gingen im vergangenen Jahrzehnt 118 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren. Besonders deutlich wird der Rückgang auf Robert Island, vor der antarktischen Halbinsel. Dort wacht seit Jahren der Brite Peter Convey über das schwindende Eis.

Die Sintflut ist nahe, rette sich wer kann. Während sich die Presse jedoch bewusst auf die attraktiven Klimahorrorstücke geworfen hat, geht die seriöse Forschung im Stillen unbeirrt weiter. In die trockene Welt der Fachliteratur verirrt sich jedoch nur selten ein auf Publikumseffekt spezialisierter Journalist. Wir wollen an dieser Stelle aushelfen und die wahre Sachlage anhand ausgewählter jüngerer Literatur darstellen. Es soll später niemand sagen können, er hätte davon nichts gewusst.

Bereits 2009 hatten Genthon et al. in den Annals of Glaciology berechnet, dass die Zunahme des Schneefalls in der Antarktis bis zum Ende des 21. Jahrhunderts einen Absenkungsbeitrag von 1 mm pro Jahr zur globalen Meeresspiegelentwicklung beisteuert.

Neuere Untersuchungen bestätigen die Grundidee einer wachsenden antarktischen Eismasse. So veröffentlichte im Juni 2014 ein Team um Gong et al. von der University of Bristol ihre Berechnungen im Fachblatt The Cryosphere. Die Forscher modellierten den Lambert-Gletscher in der Ostantarktis, der in den Amery-Eisschelf mündet. Auch Gong und Kollegen fanden, dass das Eisssystem im Zuge der Klimaerwärmung im 21. und 22. Jahrhundert anwachsen und nicht etwa schrumpfen wird. Ursache sind der stark zunehmende Schneefall, der auch durch die beschleunigte Gletscherbewegung nicht ausgeglichen werden kann. Die Eisvorgänge in der Ostantarktis werden daher laut Gong und Kollegen in den kommenden ein bis zwei Jahrhunderten einen Absenkungsbeitrag zur globalen Meeresspiegelentwicklung beisteuern. In der Kurzfassung der Arbeit heißt es:

Modelling the response of the Lambert Glacier–Amery Ice Shelf system, East Antarctica, to uncertain climate forcing over the 21st and 22nd centuries
[…] Overall, the increased accumulation computed by the atmosphere models outweighs ice stream acceleration so that the net contribution to sea level rise is negative. (weiterlesen …)

Universität Gießen: Natürliche Temperaturschwankungen in der Antarktis unterschätzt

Gemeinsame Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Hamburg vom 16. April 2015:

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Klimawandel in der Antarktis: Natürliche Temperaturschwankungen unterschätzt

Für die Entwicklung der globalen Umwelt unter wachsendem menschlichem Einfluss ist die Antarktis von größter Bedeutung, gilt sie doch wegen ihrer riesigen Eismassen als mögliches Kipp-Element im Weltklimasystem. Das teilweise Abschmelzen ihrer Eismassen würde den Meeresspiegel deutlich steigen lassen. Daher ist es besonders wichtig, fundierte Kenntnisse über das Ausmaß der bisherigen anthropogenen – also vom Menschen hervorgerufenen – Erwärmung  der Antarktis zu gewinnen. Wie neue Berechnungen Gießener Physiker zeigen, ist die kausale Unsicherheit über Ursachen der Erwärmung der antarktischen Luft größer als bislang angenommen. In Kooperation mit Wissenschaftlern aus Hamburg und Potsdam konnte nachgewiesen werden, dass die bisherigen Annahmen zur Abschätzung der anthropogenen Erwärmung der Antarktis unzureichend sind.

„Man ist bisher davon ausgegangen, dass es im letzten Jahrhundert in der Antarktis kaum größere natürliche Temperaturschwankungen gab, und hat deshalb fast jede Temperaturerhöhung dem Menschen zugeschrieben“, sagt Prof. Dr. Armin Bunde vom Institut für Theoretische Physik der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Die globale Erwärmung als Ergebnis unseres Ausstoßes von Treibhausgasen aus fossilen Brennstoffen ist ein Fakt. In der Westantarktis jedoch ist der menschliche Einfluss um ein Vielfaches kleiner als bisher angenommen. Und in der Ostantarktis lässt sich die Erwärmung sogar ganz ohne menschlichen Einfluss erklären, also nur durch natürliche Schwankungen.“ Eine entsprechende Studie wurde jetzt in der Fachzeitschrift „Climate Dynamics“ veröffentlicht.

Für die Schmelze der antarktischen Eisschelfe spielt neben der Erwärmung der Luft auch die Erwärmung der Ozeane eine große Rolle. Im Gegensatz zur Lufttemperatur liegen hier jedoch noch keine aussagekräftigen Langzeitdaten vor, die Studie konzentriert sich deshalb auf die Temperaturtrends des Eiskontinents.  Gemeinsam mit Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Dr. Christian Franzke vom Exzellenzcluster für integrierte Klimaforschung (CliSAP) der Universität Hamburg konnten die JLU-Physiker Armin Bunde und Dr. Josef Ludescher zeigen, dass es in der Antarktis große natürliche und sehr beharrliche Temperaturschwankungen gibt.

„Das Klima in der Antarktis, wie auch weltweit, hat eine ausgeprägte natürliche Erhaltungsneigung – es verharrt lange in bestimmten Temperaturbereichen. Dies führt zu einer Berg- und Talstruktur der Temperaturen“, betont Christian Franzke. „Auf ein Tal, also auf eine längere Kälteperiode, folgt stets auch eine längere Wärmephase, und diese  natürliche Erwärmung  muss von der überlagerten anthropogenen Erwärmung unterschieden werden“, ergänzt Armin Bunde. Die Wissenschaftler haben sich dazu nicht nur die Messdaten der einzelnen Stationen angesehen, sondern auch regionale Mittelwerte gebildet. Die Ergebnisse zeigen, dass der Mensch in der Westantarktis einen Anteil an der Erwärmung haben muss – wenn auch einen schwächeren als bislang gedacht. Die Erwärmung der Antarktis insgesamt wird jedoch aller Voraussicht nach bald wieder stärker ansteigen. (weiterlesen …)

Überraschende Entdeckung am westantarktischen Thwaites-Gletscher: Vulkanismus heizt das Eis von unten

Ein großer Gletscher in der Westantarktis schrumpft. Ohne lange nachzudenken wurde der Rückzug sogleich reflexhaft dem Klimawandel angelastet. Alternative Erklärungsmöglichkeiten suchte man zunächst nicht. Mit dem Klimawandel liegt man eigentlich immer richtig, dachte man sich wohl. So zum Beispiel der Deutschlandfunk am 10. Juni 2010:

Beunruhigende Vorboten: Westantarktischer Gletscherriese hat Fahrt aufgenommen
[…] Sridhar Anandakrishnan ist Eisforscher an der Pennsylvania State University. Er redet von der Amundsenbucht im Norden der Westantarktis, einem Gebiet, das etwa doppelt so groß ist wie Deutschland. Ähnlich wie ein Sandhaufen wird der Eispanzer der Antarktis ständig von seinem eigenen Gewicht in die Breite gedrückt und schiebt sich in Eisströmen wie dem Thwaites Gletscher gen Ozean. Aber seit einigen Jahren bewegen sich dieser Gletscher und einige weitere in der Amundsenbucht immer schneller und entlassen immer mehr Eis ins Meer. Anandakrishnan: “Die meisten Gletscher in der Antarktis schieben sich als Schelfeisplatten auf den Ozean hinaus. Wenn sie dabei auf Untiefen stoßen, werden sie abgebremst. Das Schelfeis wirkt also wie ein Korken im Flaschenhals. Wenn Sie es aber wegnehmen, kann der Gletscher ungehindert in den Ozean strömen. Wir vermuten dass genau das in den 90ern am Thwaites Gletscher passiert ist: durch wärmeres Ozeanwasser ist das Schelfeis geschmolzen und der Gletscher konnte sich beschleunigen.”

Vier Jahre später, am 13. Mai 2014, steigerte die Wissenschaftssendung Nano auf 3SAT den Klimaalarm am Thwaites-Gletscher sogar noch:

Kein Halten mehr: Eisschmelze in der Antarktis nicht mehr zu stoppen
Der Zusammenbruch des Eisschildes im Westen der Antarktis ist wahrscheinlich nicht mehr zu stoppen. Zu diesem Ergebnis kommen Analysen zweier Forscherteams.
Der für die Westantarktis entscheidende Thwaites-Gletscher könnte schon in 200 Jahren verschwunden sein. Spätestens in gut 1000 Jahren ist er den Berechnungen zufolge weg. Der Gletscher, der in die Amundsen-See mündet, dient als Stütze der benachbarten Eismassen. Kollabiert er, könnten weitere Gletscher rasch folgen.
Die schnelle Schmelze des Thwaites-Gletschers ergibt sich aus Computersimulationen. Der globale Meeresspiegel steige in der Folge um 60 Zentimeter, so Forscher um Ian Joughin von der Universität von Washington in Seattle. Ein komplettes Abschmelzen des westantarktischen Eisschilds als Folge des Klimawandels würde demnach zu einem Anstieg um drei bis vier Meter führen.

Was Nano damals noch nicht wusste war, dass Ian Joughin und sein Team einen wichtigen Faktor außer acht gelassen hatten: Der Untergrund unter dem Thwaites-Gletscher ist nämlich vulkanisch geprägt und an einigen Stellen ungewöhnlich heiß. Ein Teil der vormals dem Klimawandel zugerechneten Hitze stammte also aus dem aufgeheizten Erdinneren. Mit der Auslassung dieses wichtigen Umstandes war die Modellierung hinfällig.

Die geothermale Hitzeanomalie gefunden hatte eine Forschergruppe von der University of Texas at Austin um Dustin Schroeder, die ihre Ergebnisse im Juni 2014 im Fachblatt PNAS publizierten. Sven Titz berichtete am 18. Juni 2014 in der Neuen Zürcher Zeitung über die neue Studie:

Eisschmelze in der Antarktis: Vulkanismus heizt den Thwaites-Gletscher von unten
Nicht nur Eis und Kälte prägen die Antarktis, sondern auch Vulkane und ihre Hitze. Daran erinnert jetzt eine neue Studie zum Thwaites-Gletscher in der Westantarktis, einem Eisstrom, der halb so gross wie Deutschland ist. In den letzten Jahren rutschte der Gletscher, ebenso wie seine Nachbarn, immer schneller Richtung Küste. Das trug etwa zehn Prozent zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Glaziologen sehen die Ursache der Beschleunigung darin, dass warmes Meerwasser unter die Eiszunge vordringt und das Eis schmelzen lässt. Eine neue Studie in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» liefert jetzt genauere Zahlen zu einer Randbedingung des Schmelzens: dem Wärmestrom aus dem Erdinneren. Gemäss der Studie ist diese Wärmequelle stärker als bisher gedacht. Das Eis wird von unten mit mindestens 114 Milliwatt pro Quadratmeter geheizt, an einzelnen Stellen sogar mit 200 Milliwatt pro Quadratmeter. Der durchschnittliche Wärmefluss beträgt bei Kontinenten 65 Milliwatt pro Quadratmeter, ist also deutlich kleiner.

Weiterlesen in der NZZ.

Berichte gab es auch auf antarktis.net und wetter-center.de. Ansonsten vermied man das unbequeme Thema in der deutschsprachigen Presse. Dabei hatte sich die Wissenschaftlergruppe der University of Texas at Austin am 10. Juni 2014 durchaus Mühe gegeben, die Publikation per Pressemitteilung bekannt zu machen: (weiterlesen …)

Alfred-Wegener-Institut: Ostantarktischer Eisschild ist stabil und wächst sogar leicht an

Die Geschichte passte gut ins Sommerloch des letzten Jahres. Am 20. August 2014 meldete das Alfred-Wegener-Institut (AWI) per Pressemitteilung, dass es den polaren Eiskappen gar nicht gut ginge:

Rekordrückgang der Eisschilde: Wissenschaftler kartieren erstmals die Höhenveränderungen der Gletscher auf Grönland und in der Antarktis
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), haben mit Hilfe des ESA-Satelliten CryoSat-2 erstmals flächendeckende Karten der Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis erstellt und dabei nachweisen können, dass die Eispanzer beider Regionen derzeit in einem Rekordtempo schrumpfen. Insgesamt verlieren die Eisschilde pro Jahr rund 500 Kubikkilometer Eis. Diese Menge entspricht einer Eisschicht, die rund 600 Meter dick ist und sich über das gesamte Stadtgebiet Hamburgs erstreckt. Die Karten und Ergebnisse dieser Studie erscheinen heute in The Cryosphere, dem frei zugänglichen Onlinemagazin der European Geoscience Union (EGU).

Unklar bleibt zunächst, um welchen Zeitraum es sich handelt. Das AWI hat die Information in der Mitte der Pressemitteilung gut versteckt: Es dreht sich um die letzten 3 Jahre, eine Zeitspanne die weit von einer klimatisch relevanten 30-jährigen Betrachtungen entfernt ist. Das AWI schreibt:

[…] dokumentierten die Forscher auf Basis weiterer CryoSat-2-Daten, wie sich die Dicke der Eisschilde im Zeitraum der Jahre 2011 bis 2014 verändert hat. […] Für die Darstellung der Höhenveränderungen hatte das AWI-Wissenschaftlerteam über 200 Millionen SIRAL-Messpunkte für die Antarktis und rund 14,3 Millionen Messpunkte für Grönland ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass allein der grönländische Eispanzer pro Jahr rund 375 Kubikkilometer Eis einbüßt. „Wenn wir diese aktuellen Daten mit jenen des ICESat-Satelliten aus dem Jahr 2009 vergleichen, hat sich der Massenverlust des grönländischen Eisschildes seit jener Zeit verdoppelt. Die Verlustrate des Westantarktischen Eisschildes ist im gleichen Zeitraum um das Dreifache gestiegen. Rechnet man beides zusammen, nimmt das Volumen beider Eisschilde derzeit um 500 Kubikkilometern pro Jahr ab. Das ist die höchste Verlustrate seit Beginn der Satelliten-Höhenmessungen vor rund 20 Jahren“, sagt Prof. Dr. Angelika Humbert, Glaziologin am Alfred-Wegener-Institut und Co-Autorin der aktuellen Studie. Die schnellsten Höhenveränderungen beobachten die Wissenschaftler am westgrönländischen Jakobshavn Isbræ-Gletscher sowie am Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis. Über den Jakobshavn Isbræ wissen Forscher seit Februar 2014, dass er mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 46 Metern am Tag ins Meer fliesst. Der Pine-Island-Gletscher machte u.a. im Juli 2013 Schlagzeilen. Damals berichteten AWI-Forscher, dass ein Tafeleisberg so groß wie die Fläche Hamburgs von seiner Schelfeisspitze abgebrochen war (Link auf AWI-Pressemitteilung vom 9. Juli 2013). Aber: Während die Gletscher der Westantarktis und auf der Antarktischen Halbinsel schrumpfen, wächst der Eispanzer der Ostantarktis – allerdings in einem so geringen Maße, dass die Zuwächse die Verluste auf der anderen Seite des Kontinents nicht ausgleichen können.

Der echte Knaller steht erst im letzten Satz der Meldung. Dort räumt das AWI ein, dass die ostantarktische Eiskappe absolut stabil ist und sogar leicht anwächst. Zur Orientierung: Das ostantarktische Eis besitzt neun Mal mehr Volumen als das westantarktische. Der Titel der Pressemitteilung hätte daher auch lauten können: Ostantarktisches Eis ist stabil und wächst sogar leicht an.

Das Problem mit all diesen satellitengestützten Eisvolumenmessungen ist, dass die jeweiligen Satelliten nur wenige Jahre lang im Einsatz sind, bevor sie dann inaktiv werden. Die Vergleichbarkeit der Daten verschiedener Satelliten ist eingeschränkt. In der vorliegenden Studie wird ein CryoSat-Datensatz von 2011-2014 mit einem ICESat-Datensatz von 2003-2009 verglichen. Dabei wird die Eisvolumenermittlung mit unterschiedlicher Methodik durchgeführt. Ist das Ergebnis des Vergleichs zuverlässig?

Ein weiteres Problem ist die kurze betrachtete Zeitspanne von lediglich 3 Jahren. Die natürliche Variabilität spielt in diesen Zeiträumen eine bedeutende Rolle (siehe auch unseren Blogartikel „Universität Gießen: Natürliche Temperaturschwankungen in der Antarktis unterschätzt“). Unter anderem unterliegt das klimatische Geschehen in der Westantarktis der Antarktischen Oszillation, worauf Klaus-Eckart Puls auf EIKE eindrücklich hinwies. Der dort beheimatete und laut AWI besonders stark schrumpfende Pine-Island-Gletscher hatte bereits in vorindustrieller Zeit intensive Abschmelzphasen (siehe unseren Blogartikel „Hilfe, der westantarktische Pine-Island-Gletscher schmilzt unaufhaltsam! British Antarctic Survey gibt Entwarnung: In den letzten 300 Jahren hat es in der Gletscherregion sogar noch intensivere Erwärmungsepisoden gegeben als heute“). Wie kann das AWI diese heftigen natürlichen Schwankungen am Pine-Island-Gletscher von anthropogenen Trends unterscheiden?

Die Klimamodelle haben sich mittlerweile vom antarktischen Schmelzalarm abgewandt. Sie sehen für die kommenden Jahrzehnte einen bedeutenden Eiszuwachs auf den Gesamt-Kontinent zukommen (siehe “Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Antarktisches Inlandeis wird im Zuge der Erderwärmung anwachsen”).