NASA rudert zurück: 2014 war möglicherweise doch nicht das wärmste Jahr der Messgeschichte. Experten: Erwärmungspause setzt sich noch 5, 10 oder 15 Jahre fort

Wie bereits an dieser Stelle berichtet, gab es zu Silvester 2014 bei den Freunden der Klimakatastrophe etwas zu feiern: Seht her, wir haben es Euch doch schon immer gesagt, der Globus kocht! Die FAZ brachte die Jubelmeldung am 14. Januar 2015:

Klimawandel 2014 war das wärmste Jahr seit 1880
Das Jahr 2014 war amerikanischen Regierungsangaben zufolge das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung 1880. Dazu trug vor allem die Erwärmung der Ozeane bei. Und schon bald könnten die globalen Temperaturen noch erheblich schneller steigen. [...] Für Deutschland haben die Meteorologen den Rekord schon vor zwei Wochen gemeldet, jetzt steht er auch weltweit fest: 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der regelmäßigen flächendeckenden Temperaturmessungen im Jahr 1880. Das melden das amerikanische Wetteramt NOAA und die Raumfahrtbehörde Nasa. Die Messungen der Behörden hätten ergeben, dass das vergangene Jahr noch wärmer als der bisherige Spitzenreiter 2010 war.

IPCC-Chef Thomas Stocker war sichtlich erleichtert, wie er am 28. Dezember 2014  über die “Schweiz am Sonntag” mitteilte:

…ich [bin] froh über das Rekordjahr 2014, denn der Begriff «Erwärmungspause» ist nun vom Tisch und wir können uns als informierte Bürger den Fakten zuwenden.

Offenbar haben sich die IPCC-Anhänger jedoch zu früh gefreut. Kleinlaut gab NASA’s Leiter des GISS-Temperatursystems Gavin Schmidt am 18. Januar 2015 zu, dass der Rekord keineswegs gesichert ist. Man sei sich nur zu 38% sicher, dass es zum Rekord gekommen ist. Aus statistischer Sicht sei es wahrscheinlicher – nämlich zu 62% – dass es keinen neuen globalen Temperaturrekord 2014 gegeben hat.  Schmidt hatte doch glatt vergessen, diese “kleine Einschränkung” in der ursprünglichen NASA/NOAA-Pressemitteilung am 16. Januar 2015 zu erwähnen…

Das Britische MetOffice formulierte hingegen von vorneherein viel vorsichtiger. In einer Pressemitteilung vom 26. Januar 2015 schrieb der Britische Wetterdienst:

The HadCRUT4 dataset (compiled by the Met Office and the University of East Anglia’s Climatic Research Unit) shows last year was 0.56C (±0.1C) above the long-term (1961-1990) average. Nominally this ranks 2014 as the joint warmest year in the record, tied with 2010, but the uncertainty ranges mean it’s not possible to definitively say which of several recent years was the warmest.

Für solche Feinheiten hatte die FAZ leider keinen Platz in ihrem Beitrag. Und die wirklich interessante Nachricht verschweigt die Zeitung doch glatt: Die Erwärmungspause geht nun in ihr 18. Jahr! Das Handelsblatt hat die Realität hingegen erkannt und berichtete am 18. Januar 2015 über den Hiatus offensiv:

Klimawandel: Warum die Erderwärmung Pause macht
Seit einigen Jahren beobachten Forscher, dass sich die Erde weniger stark erwärmt als von Klimamodellen vorhergesagt. Ist der Klimawandel damit also abgesagt?

Die unerwartet weiter andauernde Erwärmungspause wird auch von den Temperaturexperten des BEST-Projekts der University of California in Berkely als wichtige Botschaft hervorgehoben. Die Forscher stellen klar, dass es bei solch geringen Temperaturunterschieden statistisch gar nicht möglich ist, einen Spitzenreiter einwandfrei zu bestimmen. Im BEST-Newsletter vom 14. Januar 2015 schreiben die Forscher:

Numerically, our best estimate for the global temperature of 2014 puts it slightly above (by 0.01 C) that of the next warmest year (2010) but by much less than the margin of uncertainty (0.05 C). Therefore it is impossible to conclude from our analysis which of 2014, 2010, or 2005 was actually the warmest year. The margin of uncertainty we achieved was remarkably small (0.05 C with 95% confidence). This was achieved, in part, by the inclusion of data from over 30,000 temperature stations, and by the use of optimized statistical methods. Even so, the highest year could not be distinguished. That is, of course, an indication that the Earth s average temperature for the last decade has changed very little. Note that the ten warmest years all occur since 1998.

Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) war zunächst ähnlich forsch vorgesprescht wie die FAZ und hatte der Öffentlichkeit alle Zweifel am Temperaturrekord 2014 bewusst verschwiegen. Nach einer Protestwelle entschied sich AP jedoch dazu, die Trickserei offen einzugestehen und reichte am 23. Januar 2015 eine Zusatzerklärung nach, in der die Unsicherheit zugegeben wird:

[Our] story also reported that 2014 was the hottest year on record, according to the National Oceanic and Atmospheric Administration and NASA, but did not include the caveat that other recent years had average temperatures that were almost as high — and they all fall within a margin of error that lessens the certainty that any one of the years was the hottest. An earlier version of the story quoted Rutgers University climate scientist Jennifer Francis as noting that the margin of error makes it uncertain whether 2014 was warmest, or the second, third or sixth warmest year. She said that regardless, the trend shows a “clear, consistent and incontrovertible” warming of Earth. That reference to the margin of error was dropped in later versions.

Wann wird die FAZ nachziehen?

Die große Frage bleibt: Wann endet die Phase stagnierender Temperaturen? Mojib Latif hat die Rolle der Ozeanzyklen frühzeitig erkannt und sieht weitere fünf erwärmungslose Jahre auf uns zukommen, wie in der Augsburger Zeitung am 16. Januar 2015 nachzulesen war:

Klimaforscher: Die Erde erwärmt sich bald noch schneller
Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif sagt ab 2020 eine beschleunigte Erwärmung voraus. Die Ozeane nehmen aktuell noch viel Wärme auf. Das bleibt aber nicht so.

Die Überschrift ist schon ein wenig lustig. Momentan erwärmt sich die Erde überhaupt nicht, da kann man nicht richtig von “noch schneller” reden… Zudem weiß auch Mojib Latif, dass gemäß der 60-jährigen Ozeanzyklik wohl eher in den 2030er Jahren mit dem erneuten Anstieg der Temperaturen zu rechnen ist. Ein solches Szenario sieht die Klimaforscherin Judith Curry am wahrscheinlichsten, und auch in unserem Buch “Die kalte Sonne” rechnen wir mit einer Wiedererwärmung zu diesem Zeitpunkt. Sogar der IPCC-nahe NASA-Wissenschaftler und Leiter der GISS-Temperaturdatenbank Gavin Schmidt prognostiziert, dass der Hiatus noch bis zu 10 Jahre andauern könnte, wie reportingclimatescience.com am 19. Janar 2015 berichtete:

Pause over within 10 years says Nasa’s Schmidt
Global temperatures will resume their long term growth trend within five to 10 years ending the so called pause in global warming, a leading climate scientist has predicted. The pause – which on some measures has gone on since the mid-1990s – continued into 2014 on the basis of global temperature data released last week by US space agency NASA and the National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) of the US. However, the warming effect of greenhouse gases such as carbon dioxide will grow sufficiently to overcome the combined impact of various natural climate cooling factors, journalists on a telephone news conference were told last week by Gavin Schmidt, director of NASA’s Goddard Institute of Space Studies.

Weshalb besteht Latif auf den 5 Jahren? Dabei hilft ein Blick auf Latifs Geburtsjahr, 1954. In fünf Jahren wird Latif die 65 überschritten haben und beim Geomar pensioniert werden. Danach kann es ihm ziemlich egal sein, wie sich die Temperaturen entwickeln, oder?