Streitpunkt ‘absolute globale Mitteltemperatur’: Viel Wirbel um nichts

Die Klimadiskussion ist facettenreich. Wie in jeder wissenschaftlichen Diszipin gibt es unterschiedliche Interpretationen und Ansichten. Es wäre schlimm, wenn dies nicht so wäre. Aus politischen Gründen wird jedoch oft behauptet, es gäbe nur zwei Gruppen: Die schlauen Anhänger der IPCC-Auslegung sowie die dummen Skeptiker. Eine gefährliche Verklärung der Realität. Gute Gedanken gibt es bei allen Teilnehmern, wenn man sich die Mühe macht, mitzudenken. Aber es passieren auch Fehleinschätzungen, und über die muss man auch sprechen dürfen. In unserem Blog ‘Die kalte Sonne’ kommentieren wir die Vorgänge in den Klimawissenschaften. Wir loben, wenn es etwas zu loben gibt. Und wir kritisieren, wenn wir einen Denkfehler erkannt haben. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, auf welcher Seite die Protagonisten stehen. Es geht allein um die Inhalte. Verzeihlich sind Fehler, die aus Versehen passieren. Wo geabeitet wird, passieren Fehler. Diese müssen dann aber auch anschließend klar eingeräumt werden. Probematisch sind logische Fehler und Fehlinterpretationen, die vorsätzlich gestreut werden, um politische Wirkung zu erzeugen.

Ein Großteil unserer Kritik im Blog zielt auf Klimaalarm ab, also das Aufbauschen von klimatischen Trends unter Vernachlässigung natürlicher Klimaprozesse und ihrer aktuellen Wirkung. Heute wollen wir jedoch auch ein beliebtes Skeptikerargument unter die Lupe nehmen, nämlich Probleme mit der Angabe der mittleren globalen Erdtemperatur. Wie wir sehen werden, gibt es hier in der Tat Probleme. Allerdings hat sich in der Argumentation ein Denkfehler eingeschlichen, so dass das Argument letztendlich nicht greift und as acta gelegt werden sollte. Schwache Argumente sollten so schnell wie mögloch aussortiert werden, um Raum für furchtbarere Diskussionen zu schaffen.

 

Die absolute globale Durchschnittstemperatur

Auf der Erde gibt es eine Vielzahl von Wetterstationen, außerdem überwachen Satelliten die Temperaturentwicklung des Globus nahezu flächendeckend. Natürlich ist es schwierig, aus der Vielzahl von Datenpunkten und Lücken eine globale Durchschnitts-Temperatur zu berechnen – aber es ist natürlich mathematisch möglich. Einige Gebiete der Erde erwärmen sich, andere sich kühlen ab. Es gibt jahreszeitliche Effekte, Gebirgseffekte und Datenlücken in schwer zugänglichen Regionen, die man auf verschiedene Weise interpolieren kann. Der Durchschnitt aller Weltregionen ergibt dann einen Mittelwert, der für ein konkretes Zeitfenster definiert ist. Dieses Zeitfenster kann z.B. ein bestimmtes Jahr oder ein bestimmtes dreißigjähriges Intervall sein.

Immer wieder liest und hört man Angaben absoluter globaler Temperaturen. Sie werden von NASA, GISS, WMO und anderen Organisationen herausgegeben. Leider sind diese unkoordiniert und weichen z.T. stark voneinander ab. Paul Bossert und Rainer Hoffmann vom «Klimamanifest von Heiligenroth» kritisieren seit Jahren diese Konfusion in Blogartikeln und Youtubevideos. Sie tun dies zu Recht, denn der Vergleich der Werte erbringt verwirrende Resultate. Im September 2018 formulierten sie beispielsweise ihre Kritik als Frage, die der SRF an den ehemaligen IPCC-Mann Thomas Stocker weiterreichte:

FRAGE 3: In den Jahren 1988 bis 1995, also in den Anfangsjahren des Weltklimarates IPCC, sei nach mehreren übereinstimmenden Quellen die absolute globale Mitteltemperatur zwischen 15,4 °C bis 15,5 °C ausgewiesen worden. Seit dem wissenschaftlichen 4. IPCC-Bericht 2007, für den auch Sie mitverantwortlich waren, verlaufe aber die globale Absoluttemperatur einer globalen Erderwärmung nur noch zwischen einem absoluten Temperaturfenster von 13,67 °C (für das Jahr 1850) und bis zu 14,8 °C (laut WMO in Genf für das Jahr 2017). Wurde es in den letzten 30 Jahren also kälter?

Bossert und Hoffmann haben natürlich Recht. Die Werte sind richtig zitiert und suggerieren auf den ersten Blick eine Absenkung der globalen Mitteltemperatur in neueren Klimaberichten, was natürlich nicht zur gemessenen Klimaerwärmung passt. Die IPCC-nahe Webplattform RealClimate räumt das Problem unumwunden ein:

Like the proverbial elephant, the internet never forgets. And so the world is awash with quotes of absolute global mean temperatures for single years which use different baselines giving wildly oscillating fluctuations as a function of time which are purely a function of the uncertainty of that baseline, not the actual trends. A recent WSJ piece regurgitated many of them, joining the litany of contrarian blog posts which (incorrectly) claim these changes to be of great significance. One example is sufficient to demonstrate the problem. In 1997, the NOAA state of the climate summary stated that the global average temperature was 62.45ºF (16.92ºC). The page now has a caveat added about the issue of the baseline, but a casual comparison to the statement in 2016 stating that the record-breaking year had a mean temperature of 58.69ºF (14.83ºC) could be mightily confusing. In reality, 2016 was warmer than 1997 by about 0.5ºC!

Das Problem: Die Berechnung von globalen Mitteltemperaturen ist schwierig und hängt von einer Vielzahl von Annahmen und Methoden ab. Da wundert es nicht, dass die globalen Temperatur-Kurven der verschiedenen Auswertprodukte deutlich voneinander abweichen. GISS strich gar eine Umrechnungsformel von seiner Webseite, vielleicht um Konfusion zu vermeiden. Zudem kann sich im Laufe der Jahre auch die Methodik und das Bezugsniveau verändert haben. Realclimate zeigt ein Beispiel dafür:

Abbildung: Entwicklung der globalen Mitteltemperatur laut verschiedener Reanalysis-Modelle. Quelle: RealClimate.

 

Die Einzelkurven laufen ziemlich paralell zueinander, sind jedoch vertikal gegeneinander versetzt. Dieser vertikale Versatz ist ein Problem, das nicht leicht in den Griff zu bekommen ist. Daher ist es einfach, die Kurven einfach auf ein gemeinsames Nullniveau (baseline) zu setzen, und dann ihren Verlauf miteinander zu vergleichen. Hier steckt die wahre Information für die Klimadiskussion, nämlich die Erwärmungsrate pro Jahrzehnt, die bei den dargestellten Kurven trotz vertikalem Versatz sehr ähnlich ist. Wenn sich alle öffentlichen Aussagen auf ein Datenprodukt mit über die Jahre stabiler Methodik beziehen würde, so gäbe es gar keine Diskrepanz. Der ständige Hinweis auf den vertikalen Versatz der globalen Temperaturkurven führt in der Klimadiskussion nicht weiter, da er schnell erklärt werden kann. Entsprechend einfach hatte es Stocker im SRF-Interview:

Thomas Stocker: «Die Wissenschaft steht nicht still, das heisst, dass auch diese Zahlen ständig hinterfragt und kritisch beurteilt werden. Wenn in einem nachfolgenden IPCC Bericht Zahlen korrigiert werden, erfolgt dies erst nach einem langwierigen Begutachtungsverfahren, eingehender Debatte und genauer Nachprüfung, bis schliesslich ein Konsens gefunden wird. Das bedeutet, dass die erwähnten Zahlen von einem früheren Bericht nicht mit denjenigen eines nachfolgenden Berichts verrechnet werden können.»

Stocker hätte das noch viel klarer als Problem der Methodik erklären können, aber im Prinzip hat er Recht. Wir möchten daher allen Klimadiskutanten empfehlen, sich die Sache noch einmal genau anzuschauen. Der entsprechende Artikel auf RealClimate bildet eine gute Grundlage, unabhängig von der Kritik, die an vielen anderen RealClimate-Artikeln zu üben ist. Wenn die Klimadiskussion Fortschritte machen soll, so müssen beide Seiten ihre Argumente schärfen, das gilt auch für die Skeptikerseite. Auf diese Weise werden sich schnell die echten Knackpunkte herauskristallisieren, die voraussichtlich im Bereich der Attribution von Klimaschwankungen und der groben Unterschätzung natürlicher Klimafaktoren liegt.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die vorgebrachte Kritik stellt keinswegs die großen Leistungen der genannten Klimaskeptiker oder anderer Skeptiker in Frage, die diese Argumente in der Vergangenheit vorgebracht haben. Im Gegenteil, die klimaskeptische Seite ist sich bewusst, dass Diskussion und Kritik integraler Bestandteil der Wissenschaft ist. Stichhaltige Argumente sollten immer mehr zählen, als eingefahrene Positionen aussichtslos zu verteidigen. Für die IPCC-Seite lässt sich diese Offenheit leider nicht feststellen. Sie ignoriert Kritik lieber und grenzt Kritiker aus, anstatt Kritikpunkte ernsthaft und ergebnisoffen zu erörtern.

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P.S. Nur um vorzubeugen: Die oben gezeigten Temperaturkurven sind natürlich nur ein Beispiel, um das Prinzip zu erläutern. Auch wenn die absolute globale Mitteltemperature hier keinen große Ansatzpunkt liefert, so muss doch kritisiert werden, dass die von Real Climate verwendeten Kurven vor allem die GISS-Version der Temperaturentwicklung propagieren. Das verwundert wenig, ist doch Gavin Schmidt als GISS-Direktor auch Co-Autor der RealClimate Aktivistenseite. Daher hier noch einmal die realistischere globale Temperaturentwicklung auf Basis der UAH-Satellitendaten:

Abbildung: Globale Temperaturentwicklung auf Basis der UAH-Satellitendaten. Quelle: Woodfortrees.org.

 

 

Reduktion der CO2-Emissionen möglicherweise ohne Wirkung auf Klima der kommenden 20 Jahre

Jochem Marotzke machte sich Gedanken, ob die CO2-Einsparungen wirklich in nähere Zukunft reinen Einfluss auf den Temperaturverlauf haben können. In einem neuen Paper (Marotzke 2018) simuliert der Hamburger Klimaforscher den durch Klimamodelle prognostizierten Temperaturverlauf der 2030er Jahre und verwendet einmal einen konventionellen Emissionsverlauf (Szenario RCP 4.5), und einmal ein politisch reduziertes Emissionsszenario. Fazit: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird wohl kein Unterschied zu bemerken sein, da die natürliche Klimavariabilität in diesen Zeitmaßstäben die Oberhand behält. Das Paper erschien in WIREs Climate Change und kann kostenfrei als pdf heruntergeladen werden:

Quantifying the irreducible uncertainty in near‐term climate projections
If the Paris agreement at the Conference of Parties 21 is implemented very effectively, greenhouse‐gas emissions might decrease after year 2020. Whether this would lead to identifiable near‐term responses in “iconic” climate quantities of wide scientific and public interest is unclear, because the climate response would be obscured by quasi‐random internal variability. I define the climate response as an increase or decrease in a linear climate trend over the period 2021–2035, compared to 2006–2020, and establish the probability of such a trend change being caused by an assumed policy shift toward emissions reductions after 2020. I quantify the irreducible uncertainty in projecting such a trend change through very large (100‐member) ensembles of the state‐of‐the‐art climate model MPI‐ESM‐LR. Trends in global‐mean surface temperature (GMST) are higher over the period 2021–2035 than over 2006–2020 in one‐third of all realizations in the mitigation scenario RCP2.6, interpreted as implementing the Paris agreement, compared to around one‐half in the no‐mitigation scenario RCP4.5. Mitigation is sufficient to cause a GMST trend reduction with a probability of 0.40 and necessary with a probability of 0.33. Trend increases in Arctic September sea‐ice area and the Atlantic meridional overturning circulation are caused by the emissions reductions with a probability of only around 0.1. By contrast, emissions reductions are necessary for a trend decrease in upper‐ocean heat content with a probability of over one‐half. Some iconic climate quantities might thus by year 2035 exhibit an identifiable response to a successful Paris agreement but sometimes with low probability, creating a substantial communication challenge.

In den Conclusions finden sich noch einige deutlichere Aussagen. Marotzke warnt, dass selbst schmerzhafte Anstrengungen zur CO2-Reduktion in den kommenden zwei Jahrzehnten kaum einen Einfluss auf das Klima haben könnten:

My thought experiment demonstrates that it is crucial to have realistic expectations of the efficacy of climate policy in the near‐term: Even if greenhouse‐gas emissions begin to decline after year 2020, the probability is substantial that the response of iconic climate quantities to this decline will not have emerged by year 2035.

Mit 90%-iger Wahrscheinlichkeit werden das arktische Meereis (SIA ) und der Golfstrom (AMOC) in den 203oer Jahren nicht auf Änderungen in den CO2-Emissionen reagieren. Schon jetzt sieht Marotzke eine große Kommunikations-Herausforderung auf die Wissenschaftler zukommen, ähnlich wie bereits beim unerwarteten Hiatus der letzten Jahre.

The major advance brought about by my analysis lies in the ability to quantify the degree of irreducible uncertainty about whether the assumed emissions reduction will cause the desired climate response over a given timescale. The probability of this response occurring depends on the quantity in question but also on the type of causation; for the time horizon out to 2035 the probability lies here in the range between a bit under 0.1 for causation both sufficient and necessary for SIA and AMOC and a bit above one‐half for necessary causation for ocean heat content.

Communicating these probabilities will be nontrivial but will be aided by the precise definitions and meanings underlying them (Hannart et al., 2016; Pearl, 2000). The communication challenge (Deser et al., 2012) furthermore supports the notion that the recent hiatus was not a distraction to the scientific community (Lewandowsky, Risbey, & Oreskes, 2016) but instead provided an opportunity to communicate the role of internal variability (Fyfe et al., 2016) to an audience that might otherwise be disinclined to engage in this discourse.

Die Klimawissenschaften steuern weiter in schwerem Fahrwasser. Die natürliche Variabilität bereitet ihnen riesige Probleme, da sie in den Modellen stark vernachlässigt wurde. Noch immer träumt Marotzke davon, dass die Natur nur Rauschen hervorbringt (“quasi‐random internal variability“). Es wird jedoch sicher der Tag kommen, an dem auch er die systematische Wirkung natürlicher Klimafaktoren wie Ozeanzyklen und solare Aktivitätsschwankungen anerkennen wird. Vielleicht sollte er anfangen sich für die Paläoklimatologie zu interessieren, die gerade auf der rechten Spur an ihm vorbeizieht…

Früher alles besser? Im Mittelalter litt der Westen der USA unter einer unheimlichen Dürreserie

Ein Hauptproblem der Klimadebatte ist, dass stets dieselben Akteure auf der Medien-Bühne stehen. Beim Stichwort “Klimawandel” drängen sich sofort die üblichen Verdächtigen vor die Mikrofone und Journalisten-Schreibblöcke: Latif, Schellnhuber und Rahmstorf. Ab und zu Marotzke. Dazu kommen noch ein paar B-Klimaprominente, die aber fleißig im Hintergrund werkeln. Wie schaft es diese kleine verschworene Gruppe, die öffentliche Meinung so sehr zu beeinflussen, obwohl hunderte und tausende Wissenschaftler in Deutschland und in der Welt am Thema forschen?

Stefan Rahmstorf betreibt ein Blog, Die Klimalounge. Und dort hat er im September 2018 ein Ranking der besten Klimaforscher Deutschlands vorgestellt. Seinen Beitrag betitelte der Potsdamer mit “Wie erkennt man echte Klimaexperten?“. Wenig verwunderlich erzielte Rahmstorf selber einen Treppchenplatz in der Rangliste, sonst hätte er das Ergebnis sicher nicht im Blog erwähnt.

 

Quelle: Klimalounge, Stefan Rahmstorf.

 

Führender in der Liste ist der ehemalige Chef von Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber. Der veröffentlicht gerne in PNAS, auch weil man da seine Gutachter selber auswählen kann (siehe “Gutachtersystem unterhöhlt: Hans-Joachim Schellnhuber wählt die Prüfer einfach selber aus“). Der zweitplatzierte Wolfgang Lucht ist PIK-Regenwaldforscher, zum Glück ohne große Alarmagenda. Rahmstorf an Nummer drei fällt regelmäßig durch umstrittene Arbeiten auf, deren Inhalt etwas später von Fachkollegen in Frage gestellt wird (z.B. hier und hier). Gerald Haug an vierter Stelle ist solider Paläoklimatologe und ist seit längerer Zeit nicht mehr aktivistisch in Erscheinung getreten.

Latif an Nummer 5 ist lupenreiner Aktivist. Hat neben seinen lukrativen Klimavortragsreisen sicher nicht mehr allzuviel Zeit für eigene Forschung. Jochem Marotzke an Nummer sechs befindet sich möglicherweise in einer Umdenkphase. Die Modellierer hatten jahrelang behauptet, bei den Modellen fehlten nur noch die i-Tüpfelchen, wobei immer klarer wird, dass dies nicht der Realtität entspricht. Siehe “Klimamodellierer Jochem Marotzke: Mehr Zeit zur Dekarbonisierung, frühere Klimamodelle waren zu empfindlich“.

Siehe auch Beitrag von Michael Krueger im ScienceSkepticalBlog: “Prof. Schellnhuber & Prof. Rahmstorf: Wenn „Klimaexperten“ von Atmosphärenphysik keine Ahnung haben … “.

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Die Prognose von Weltuntergangsszenarien hat die Menschheit schon immer fasziniert. Angst ist ein etabliertes Machtinstrument und als Verkünder der schlechten Botschaft ist einem die ungeteilte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewiss. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von klimaalarmistischen Online-Tools zur Zukunftsvorhersage. Dort kann man virtuell Küstenebenen fluten und Ackerflächen in der Sommerhitze verbrennen lassen. Gruselig. Allen Prognosen gemein ist, dass sie nicht ausreichend kalibriert und in der Klimageschichte verwurzelt sind. Der berücksichtigte Zeitraum reicht gerade anderthalb Jahrhunderte zurück, also die Endphase der Kleinen Eiszeit. Das ist so, als wenn man den zukünftigen Streusalzbedarf am Verbrauchstrend der Monate Januar bis September festmacht. Solider wäre eine mehrjährige Analyse, übersetzt in die Welt des Klimawandels sprechen wir von 2000 Jahren.

Physics Today brachte am 1. August 2018 eine solche Fallstudie, in der die enorme natürliche Dynamik des Klimasystems deutlich wird. Während der Mittelalterlichen Wärmeperiode wurde der nordamerikanische Westen von einer unheimlichen Dürreserie heimgesucht (800-1500 n. Chr.):

Four ways we know pre-Columbian America was plagued by megadroughts

Tree rings tell much but not all of the story of decades-long dry spells that transformed terrain and disrupted civilizations.

 In the August issue of Physics Today, climate scientists Toby Ault and Scott St. George share a pair of startling research findings. Between roughly 800 and 1500 CE, the American West suffered a succession of decades-long droughts, much longer than anything we’ve endured in modern history. And statistical models suggest that, as the climate warms, such megadroughts are increasingly likely to return.

How can scientists be so sure about the duration and extent of droughts that happened long before the era of instrument-based precipitation records? As Ault and St. George explain, the annual growth rings of ancient trees contain a rich paleoclimatic record of precipitation and soil moisture patterns. The width of a tree ring gives clues as to how well nourished the tree was in a given year.

Weiterlesen auf Physics Today

 

David und Christian haben keine Ahnung vom Klimawandel

Im Bundestag gab es kürzlich eine Anhörung zum Klimawandel. Auf Seiten des Klimaalarmismus trat der PIK’ler Anders Levermann an, während die klimaskeptische Seite durch Nir Shaviv vertreten wurde. Highlight war sicher die verbale Entgleisung Levermanns, der Shavivs Argumente pauschal als “Quatsch” bezeichnete, ohne auf die Argumente fachlich näher einzugehen. Nur weil man vielleicht unterschiedliche wissenschaftliche Ansichten vertritt, rechtfertigt dies noch lange nicht unprofessionell und unkollegiales Verhalten, zudem es sich dazu noch um einen ausländischen Kollegen handelt, dem eine faire Behandlung zustehen sollte. Das unerklärliche Verhalten von Levermann ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Nervosität auf der Alarmseite immer weiter steigt. Wie lange ist die mediale Lufthoheit noch zu verteidigen?

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Realsatire am 3. Dezember 2018 auf jetzt.de:

David und Christian hatten keine Ahnung vom Klimawandel
Also haben sie ein Buch geschrieben, in dem sie ihn uns allen erklären.

Eine schöne Beschreibung des Zustands in der Klimadebatte. Fachfremde erklären der Welt den Klimawandel. Weshalb mit Ausbildung, Erfahrung und Wissen belasten, wenn man schwierige naturwissenschaftliche Zusammenhänge auch salopp und sinnfrei zusammenpinseln kann. Die Wirkung ist vermutlich sogar noch stärker, als die Wissensvermittlung und Aufklärung durch Fachleute. Ein gefährliches Spiel auf Kosten der Wahrheit.

Und were steckt hinter dem Projekt? Der Südkurier verrät es: Die Einflüsterer Schellnhuber & Rahmstorf:

Rund 100 Wissenschaftler, darunter Klimawandel-Ikonen wie der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Professor Joachim Schellnhuber, oder Klimaforscher Professor Stefan Rahmstorf, berieten und begleiteten die Studierenden bei ihrem Schreibprozess.

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Spektrum.de am 20. Oktober 2018:

Wie Wälder das Wetter beeinflussen

Weltweit werden riesige Flächen abgeholzt, aber auch aufgeforstet. Und das beeinflusst das Klima und Wetter noch tausende Kilometer entfernt.

[...] Swann untersucht nun die Auswirkungen von Waldveränderungen auf verschiedene Größenordnungen. 2016 berichtete sie, dass die Zerstörung von Wäldern im westlichen Nordamerika die Wälder im östlichen Südamerika kräftiger wachsen ließ und gleichzeitig das Wachstum in Europa reduzierte. Und in einer im Mai 2018 veröffentlichten Studie stellte sie die Frage, wie sich Waldsterben in Teilen der USA auf Wälder an anderer Stelle im Land auswirken würden. In ihren Modellen ließ sie Wälder in 13 stark bewaldeten Regionen absterben, die die National Science Foundation als unterschiedliche Ökosysteme identifiziert hatte. Die Ergebnisse waren dramatisch. Als sie Bäume im pazifischen Südwesten vernichtete, litten die Wälder im Mittleren Westen und Osten der USA. In den letzten Jahren hat der pazifische Südwesten in der Tat schätzungsweise 100 Millionen Bäume verloren, vor allem durch Dürren und Insektenplagen.

Aber Auswirkungen des Waldsterbens können auch positiv sein. In Swanns Studie half das Entfernen von Bäumen an der Atlantikküste der USA den Wäldern andernorts, indem es die Sommer in diesen Regionen kühler oder feuchter machte. Swann betont, dass dies nicht bedeutet, dass Menschen Wälder abholzen sollten, da sie unzählige weitere Vorteile bieten, etwa Kohlenstoffspeicherung, Lebensraum für Wildtiere und Wasserspeicherung. Doch sie merkt an, dass Umweltgruppen oft Bäume als Lösung für den Klimawandel pflanzen, ohne darüber nachzudenken, ob diese Wälder an anderer Stelle schädigen könnten – oder den Planeten durch geringere Reflexion von Sonnenstrahlung erwärmen. [...]

Ganzen Artikel aiuf Spektrum.de lesen.

 

Nicht falsifizierbare Klimakatastrophe: Ob heiß, ob kalt – stets ist es die Klimaerwärmung

Der mitteleuropäische Hitzesommer 2018 war ein gefundenes Fressen für die Anhänger der Kimakatastrophe. Die Medien überschlugen sich in Sensationsmeldungen und sahen ganz eindeutig den Klimawandel am Werk. Und dann kam der Winter. In den USA gab es dieses Jahr (2018) eines der kälteste Thanksgiving-Feste der letzten 100 Jahre. Das passte dem PIK gar nicht. Schnell gab es eine Pressemitteilung heraus (22.11.2018), dass die Kältewelle ja ebenfalls ein Resultat der Klimaerwärmung sei:

Winterliche Wetterextreme in den USA und Europa: Riesige durcheinandergewirbelte Luftströme in der Stratosphäre
In den USA bringen arktische Luftmassen in diesen Tagen über Thanksgiving einen Kälteeinbruch, es werden eisige Temperaturen und kalte Winde vorhergesagt. Treiber für solche Winterwetterextreme ist häufig der stratosphärische Polarwirbel, ein Band sich schnell bewegender Winde 30 Kilometer über dem Boden. Im Winter, wenn der Polarwirbel durch nach oben wehende Luftmassen gestört wird, kann das zu Kälteeinbrüchen über dem Nordosten Amerikas oder Eurasien führen, wie eine neue Studie jetzt zeigt. Und so paradox es auch erscheinen mag, der Klimawandel könnte die komplexe Dynamik in der Atmosphäre weiter stören – und uns so nicht nur mehr heiße Extreme im Sommer, sondern möglicherweise auch Kälteeinbrüche im Winter bringen.

Weiterlesen.

Ob heiß, ob kalt – stets soll es die Klimaerwärmung sein. Die verrückte Welt des Klimaalarmismus. Folgt man dieser Logik, gibt es keine einzige Wetterlage, die das Konzept widerlegen könnte. Das Modell der Klimakatastrophe ist damit nicht falsifizierbar, ganz egal welches Wetter herrscht. Damit wird zwar mit einem wichtigen Grundatz der Wissenschaft gebrochen. Aber um das Wohlergehen der Menschheit zu sichern, müssen halt auch wissenschaftliche Opfer gebracht werden. Die autokratische Klimaherrschaft bringt tolle Blüten hervor…

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Weihnachten steht vor der Tür. Haben Sie schon alle Geschenke? Josh hat einen tollen antialarmistischen Klimakalender erstellt, den Sie für 17,50 GBP plus Porto bei ihm bestellen können.

 

Quittung für Klimaalarm: Mehrere Länder verweigern kürzlichem IPCC-Bericht die Anerkennung

Der IPCC ist dafür bekannt, abweichende Meinungen zu ignorieren. Aufgrund der politischen Kräfteverhältnisse fuhr der Weltklimarat bisher damit gut. Auf der COP24 UN-Klimakonerenz in Katowice beginnt die IPCC-Übermacht jedoch erste Risse zu bekommen. Die USA, Russland, Saudi Arabien und Kuwait haben sich geweigert, die dramatisierenden Schlussfolgerungen des kürzlichen IPCC Berichts zum 1,5-Gradziel in einer gemeinsamen COP24-Erklärung anzuerkennen. Gemäß den UN-Regularieren bleibt der IPCC-Bericht damit unerwähnt. Aktivisten und am Bericht beteiligte Autoren zeigten sich entsetzt. Letztendlich ist dies aber eine logische Entwicklung, wenn Kritiker bei der Berichtserstellung systematisch ausgeschlossen werden und auch ihre Gutachterhinweise vollständig ignoriert werden.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Im Februar 2019 wird es nochmal spannend, wenn der IPCC die detaillierten Gutachterkommentare mit den Antworten der IPCC-Berichtsautoren veröffentlichen will. Mittlerweile präsentiert der IPCC seine Webseite in einem neuen Layout. Dabei scheinen dann auch die Gutachterkommentare zu den früheren Berichten “verloren” gegangen zu sein, wie ein Blick in den AR5 von 2013 zeigt. Verschämt bietet man auch noch die alte Version der Webseite als “Archivversion” an, wo die Reviewkommentare zum Glück noch vorhanden sind.

Der kürzliche Eklat in Katowice sollte Anlass auf eine Kurskorrektur des IPCC sein. Die IPCC-Vertreter der harten, rechten Klimalinie sollten ihren konfrontativen Kurs überdenken und die ihnen entgegengebrachte Kritik annehmen. Wo sind die Konferenzen und Workshops auf denen die Gegensätze der Klimadebatte öffentlich und ergebnisoffen diskutiert werden? Wann hat das stumpfe Skeptikermobbing endlich ein Ende, so dass endlich ein fruchtbarer wissenschaftlicher Dialog einsetzen kann? Ein wenig erinnert die Situation an die letzten Tage der DDR, in denen sich das Regime krampfhaft an der Macht hält und den Dialog mit dem Volk schon lange aufgegeben hat.

Abseits der alarmistischen Medienbeiträge zum 1,5-Grad-IPCC-Bericht, enthält der Bericht hochinteressante Aussagen. Klammheimlich hat der neue Bericht die “noch erlaubte” Ausstoßmenge bis zur Überschreitung der 1,5°C-Marke deutlich erhöht. Statt bisher 400 Gigtonnen dürfen nun mehr als das doppelte an CO2 emittiert werden. Zitat aus dem IPCC 1,5°C-Bericht (via Nic Lewis auf Climate Etc.):

This assessment finds a larger remaining budget from the 2006-2015 base period than the 1.5°C and 2°C remaining budgets inferred from AR5 from the start of 2011, [which were] approximately 1000 GtCO2 for the 2°C (66% of model simulations) and approximately 400 GtCO2 for the 1.5°C budget (66% of model simulations). [xi] In contrast, this assessment finds approximately 1600 GtCO2 for the 2°C (66th TCRE percentile) and approximately 860 GtCO2 for the 1.5°C budget (66th TCRE percentile) from 2011.

Hatten Sie das schon gewusst? In den Pressemitteilungen zum Bericht wird dies gerne verschwiegen. Bereits 2010 hatte eine Untersuchungkommission festgestellt, dass der IPCC dazu neigt, die Klimagefahr zu überzeichnen. Selbst Al Gore musste jetzt einräumen, dass der IPCC bewusst dramatisierende Sprache verwendet, um in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erheischen. Vielleicht entschieden sich im Herbst 2018 auch deshalb viele britische Zeitungen, den Bericht nicht auf der Titelseite ihrer Ausgaben zu erwähnen. Prominente Forscher, wie der amerikanische Wissenschaftsastronaut Harrison Schmitt, sprechen sich entschieden gegen den Klimaalarm des IPCC aus. Wundert es, dass drei der noch vier lebenden NASA-Astronauten, die den Mond betraten, Klimaskeptiker sind?

Und schließlich noch dies: Ein indisches Gericht hat im September 2018 entschieden, dass sich der ehemalige IPCC-Chef Rajendra Pachauri wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung von Mitarbeitern vor Gericht verantworten muss. Die Vorgänge werfen nicht nur auf Pachauri, sondern auc auf den IPCC ein schlechtes Licht.

 

Probleme beim Klimaproblem

Von Eike Roth

KURZFASSUNG
Weltweit sind Ziele für den „Klimaschutz“ festgelegt worden, insbesondere im Pariser Klima-Abkommen. In diesem Beitrag wird untersucht, wie weit diese Ziele sachlich begründet sind und wie sie optimiert werden können. Der Verlauf der global gemittelten Temperatur wird mit dem der CO2-Konzentration verglichen, Übereinstimmung und Unterschiede werden herausgearbeitet und es wird versucht, diese zu begründen und zu erklären. Die Zuverlässigkeit und Aussagekraft von Klimamodellen wird untersucht und bewertet. Mögliche Beiträge anderer Ursachen zur Klimaentwicklung werden diskutiert. Die in Deutschland beschlossenen Maßnahmen zum Klimaschutz werden hinsichtlich ihrer Erfolgschancen überprüft. Als Ergebnis werden viele offene Fragen identifiziert.

ABSTRACT
Goals for climate protection have been established globally, particularly in the Paris Climate Agreement. This paper analyzes the reasons behind and how to optimize the goals. The development of global temperatures is checked against the concentration of carbon dioxide, matches and discrepancies are identified and reasons and explanations are discussed. Reliability and validity of climate models are examined and assessed. Possible contributions of other causations to global warming are examined. Climate protection measures Germany has decided on are checked regarding their chances of success. As a result, a lot of open questions are identified.

Über den Autor:
Eike Roth, Jahrgang 1941, studierte Experimentalphysik an der Uni Wien, Promotion 1967. Berufliche Tätigkeit im Kernenergiegebiet, zuletzt als Technischer Leiter des Kernkraftwerkes Mülheim Kärlich in der Nähe von Bonn. 2001 pensioniert. Seit 40 Jahren intensive Beschäftigung mit Energie- und Umweltfragen und dem Klimaproblem, einschlägige Vorlesungen, Fachveröffentlichungen und populärwissenschaftliche Bücher.

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Vorbemerkungen

Beim Klima ist die Welt gespaltener denn je. Auf der einen Seite werden die Warnungen vor anthropogenen Klimaänderungen immer drastischer. Wir müssten sofort und durchgreifend handeln, auch wenn das schwer fällt. Darüber sei sich die Wissenschaft einig. Wir müssten unsere Anstrengungen sogar verdreifachen. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Skepsis. Trump hat den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen beschlossen, der neu gewählte Präsident Bolsonaro in Brasilien hat ihn angekündigt und andere Länder könnten folgen. Fast überall wächst der Widerstand gegen teure Klimaschutzmaßnahmen. In Frankreich hat er bereits zu gewalttätigen Protesten geführt. Viele Menschen sehen andere Probleme als wichtiger an.

In der veröffentlichten Meinung wird die Einigkeit der Wissenschaft immer wieder betont. Hält das einer Überprüfung stand? In diesem Beitrag möchte ich auf 4 Problembereiche näher eingehen, bei denen meiner Meinung nach noch ganz erheblicher Diskussionsbedarf besteht. Vielleicht könnte die Klärung dieser Punkte die Diskrepanz zwischen den beiden Seiten verkleinern.

  1. Klimaoptimum: Wo liegt dieses tatsächlich? Wie weit dürfen wir es überschreiten?
  2. Gegenrechnung: CO2 ist auch nützlich (erhöht das Pflanzenwachstum) und zu viel Klimaschutz ist auch schädlich (erschwert die Lösung anderer Probleme). Wo liegt das Gesamt-Optimum?
  3. Klimamodelle: Wie gut sind die und wie belastbar sind ihre Ergebnisse?
  4. Gegenmaßnahmen: Wie wirksam sind die beschlossenen? Können sie überhaupt Erfolg haben?

 

Als Ergebnis wird sich zeigen, dass tatsächlich vielfach noch weitere Überlegungen und Forschungen notwendig sind, um dann mit mehr Klarheit zielgerichtet die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Anderenfalls sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Misserfolge zu erwarten. Allem Anschein nach befinden wir uns auf geradem Weg dorthin.

 

1        Wo liegt das Klimaoptimum tatsächlich?

Klimageschichte

„Klima“ ist der langjährige (meist 30 Jahre) Mittelwert von Wetterdaten. Sein Wesensmerkmal ist der Wandel. Geändert hat es sich schon immer, es ändert sich jetzt und es wird sich auch in der Zukunft ändern. Bekannt sind vor allem die Wechsel zwischen Warm- und Eiszeiten in etwa 100000-jährigem Rhythmus (wobei – wenn man die Geschichte fortschreiben darf – der nächste Wechsel langsam fällig wird, denn die Warmzeiten waren immer viel kürzer als die Kaltzeiten).

Aber auch in der jetzigen Warmzeit gab es erhebliche Klimaschwankungen. Abb. 1 zeigt die Temperaturentwicklung. Man sieht insbesondere viererlei:

  • Erstens ein dauerndes Auf und Ab.
  • Zweitens nichts Besonderes am Ende des Betrachtungszeitraumes (hierzu später mehr mit verbesserter Auflösung).
  • Drittens in den letzten ca. 4000 Jahren einen deutlich ausgeprägten Zyklus mit einer Warmperiode etwa alle 1000 Jahre ohne insgesamt steigende oder sinkende Tendenz.
  • Viertens noch etwas wärmere Phasen vor ca. 4500 und 7000 Jahren.

 

Als Ursache für diese Veränderungen kommen wohl nur Schwankungen der Intensität der Sonne und der Parameter der Erdumlaufbahn um die Sonne in Frage, unterstützt vielleicht noch durch langfristige Änderungen der Meeresströmungen und der Vulkanaktivität. Der Mensch hatte in dieser Zeit sicher noch keinen Einfluss auf das (globale) Klima.

 

Abb. 1.: Entwicklung der global und jahreszeitlich gemittelten, bodennahen Lufttemperatur der Erde seit dem Ende der letzten Eiszeit. Quelle: Fritz Vahrenholt, Sebastian Lüning: „Die Kalte Sonne“, ISBN 978-3-455-50250-3, nach Kehl, H. (2008) „Das zyklische Auftreten von Optima und Pessima im Holozän“, http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de/project/lv-twk/002-holozaene-optima-und-pessima.htm.

 

Prinzipiell ist dieser Temperaturverlauf seit langem bekannt. Aus der Geschichte weiß  man auch, dass es der Menschheit insgesamt in den warmen Zeiten immer besser gegangen ist als in den kalten. So hat z. B.

  • das „Römische Klimaoptimum“ die kulturelle Blüte und den Aufstieg des Römischen Weltreiches begünstigt
  • die Kaltzeit danach vermutlich wesentlich die Völkerwanderung mit verursacht und dadurch zum Untergang dieses Reiches beigetragen
  • das mittelalterliche Klimaoptimum einen Aufschwung in Europa, die Besiedelung von Island und Grönland und die ersten Fahrten nach Amerika (als “Vinland“ bezeichnet) mit sich gebracht und
  • die „Kleine Eiszeit“ danach zu weit verbreitetem Hunger und Elend in Europa (und damit ganz wesentlich zur Auswanderung nach Amerika) beigetragen.

 

Folgerichtig hat man die wärmeren Zeiten immer schon als „Klimaoptimum“ bezeichnet. Dabei wissen wir gar nicht, ob diese Bezeichnung überhaupt berechtigt ist. Es waren zwar die warmen Zeiten immer besser als die kalten, ob aber „noch etwas wärmere Zeiten“ nicht „noch bessere Zeiten“ gewesen wären, wissen wir nicht, da fehlt uns ganz einfach die Erfahrung. Bei Rückschlüssen aus den beiden „holozänen Klimaoptima“ (Abb. 1) mit tatsächlich höheren Temperaturen ist Vorsicht geboten, weil die Informationen aus so alter Zeit spärlich sind. Aber immerhin hatte sich die Menschheit damals gewaltig weiterentwickelt und die Sahara war damals fruchtbares Grünland. „Noch besser“ bei „noch wärmer“ ist daher keineswegs abwegig.

Zwischenergebnis: Wo das Klimaoptimum liegt, wissen wir nicht. In den 400 Jahren seit dem Höhepunkt der Kleinen Eiszeit ist es zweifelsfrei wärmer geworden. Der Rückgang der Gletscher in den letzten 150 Jahren macht das für Jedermann ersichtlich. Aber die Erfahrung sagt uns, dass das gar nicht so schlecht ist. Der Menschheit insgesamt ist es immer umso besser gegangen, je wärmer es war. Ob das auch über das heutige Niveau hinaus noch so weiter geht, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, wie rasch es bei Überschreiten des Optimums wieder schlechter wird. Hier besteht dringender Forschungsbedarf. (weiterlesen …)

Guinea schickt 406 Delegierte auf Klimakonferenz in Katowice

Die Klimakonferenz in Katowice ist in vollem Gange. Eine Vielzahl von CO2-sparenden Initiativen wird diskutiert: Weniger Fleisch essen, weniger Heizen und weniger Flugreisen. Bei letzterem führt sich die Konferenz natürlich selbst ad absurdum. Es wäre leicht gewesen, die Konferenz in ein Internet-Treffen mit Livestreaming und Online-Kommentarfunktion umzuwandeln. Aber dann wäre ja die schöne und ziemlich lange “Dienstreise” futsch, samt allen Empfängen, Tagegeldern und vorweihnachtlichen Kollegentreffen. Diesmal sollen sich im Zuge der Klimaschonung mehr als 22.000 Teilnehmer auf den Weg nach Polen gemacht haben, die meisten bequem per Flugzeug.

Die größten Delegationen zur Klimakonferenz stammen dabei aus afrikanischen Ländern. Guinea schickt dieses Jahr 406 Delegierte ins Rennen, die Demokratische Republik Congo ist mit 237 Teilnehmern dabei, und die Elfenbeinküste schickt 191 Landsleute nach Polen. Die Teilnehmerliste gibt es auf der Homepage der Konferenz als pdf und ist 1084 Seiten lang. Die Auflistung der Delegierten aus Guinea beginnt auf Seite 239 und reicht bis Seite 273. Darauf finden sich 406 Namen. Im Vorjahr in Bonn war die Gruppe aus Guinea sogar noch um 86 Teilnehmer größer, mit einer Delegationsstärke von fast 500 Personen. Auch die Elfenbeinküste hat sich dieses Jahr “stark eingeschränkt”. Bei der COP23 in Bonn war das Land mit 492 Teilnehmern dabei. War Bonn velleicht ein attraktiveres Reiseziel als Katowice? Eco-business.com hat die Teilnehmerzahlen der Klimakonferenzen der letzten Jahre in einer Exceltabelle zusammengestellt, die hier verfügbar ist.

Die offensichtlichen Frage: Welche Aufgabe haben all diese Delegierten? Und wer kommt für die Reisekosten auf? Beginnen wir mit Teilfrage 1, die Rollenverteilung. Hier können wir eigentlich nur raten, da wir das individuelle Tagesprogramm der Teilnehmer nicht kennen. Ein Blick in die Zugehörigkeit (“affiliation”) der Teilnehmer gibt eine erste Idee. Unter anderem tauchen dort mehrere Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung aus Guinea auf. Außerdem gibt es Journalisten, eine Vielzahl von NGO-Mitarbeitern, Vertreter der Wasserbehörde etc. Es bleibt unklar, wer hier wirklich Mehrwert liefert und wer nur als Tourist bzw. Tagegeldbezieher mitreist. Das gilt übrigens nicht nur für Guinea, sondern für alle Delegationen.

Teilfrage 2 ist vielleicht einfacher zu beantworten? Wer zahlt Reise und Tagegelder? Auf der Webseite der Bonner COP23 werden wir fündig:

Daily subsistence allowance disbursement and travel
Delegates from Parties eligible for funding are kindly requested to contact the daily subsistence allowance (DSA) office located in the temporary structure in the foyer of the main building of the World Conference Center Bonn as of Monday, 30 April 2018. Delegates attending the pre-sessional meetings of the regional groups are invited to come to the DSA office in room H-030 in the Altes Abgeordnetenhochhaus building on the United Nations Campus from Tuesday, 24 April to Friday, 27 April. Please bring your passport, electronic flight ticket confirmation and boarding pass(es). After receiving clearance from the DSA office, delegates can proceed to the bank to collect their DSA.

Es gibt also Teilnehmergruppen, denen eine Förderung von Flug, Unterkunft und Tagegeld zusteht. Man muss mit seinem Pass und den Flugtickets nur zu einem Stand auf der Konferenz gehen, dann gibt es Cash von der Bank. Es ist davon auszugehen, dass die Teilnehmer der meisten afrikanischen Länder von der UN vollfinanziert werden. Angesichts der schönen Tagegelder und Reisegelegenheit ist das Interesse an einer Teilnahme an den Klimakonferenzen groß. Die COP24 hat eine eigene Webseite für “Funded Delegates Accomodation“. Der Mindestaufenthalt in Katowice beträgt 12 Tage. Wie hoch ist das übliche UNO-Tagegeld? Laut ICSC-Webseite erhält man in Polen pro Tag außerhalb Warschaus 194 US$. Bei einem Aufenthalt von 12 Tagen sind das 2328 US$ pro Person. In Bonn waren es im Vorjahr noch 272 US$ pro Tag. Das erklärt vielleicht auch den leichten Rückgang der Interessenten dieses Jahr…

Geht es bei der COP24 wirklich vor allem um das Klima?

 

WWF schickt den Eisbär in Rente: Jetzt muss das Rentier als Spendeneintreiber ran

Unser täglichen Klimaalarm gib uns heute… Die Tageschau fährt weiter Klimadauerberieselung. Am 8. Dezember 2018 legte uns die Tagesschau-Redaktion nahe, in möglichst engen und unbequemen Flugzeugen zu reisen, da diese klimafreundlicher seinen. Alternativ könnte man durch Ablasszahlung an Atmosfair aber auch etwas komfortabler reisen:

Ranking von Atmosfair TUI Airways schont Klima am meisten

Zwei deutsche Fluglinien gehören laut einer Studie zu den zehn am wenigsten klimaschädlichen Airlines der Welt: TUIfly und Condor. Als Siegerin ermittelte die Umweltorganisation Atmosfair die britische TUI Airways.

[...] In die Bewertung fließen insbesondere der CO2-Ausstoß pro Nutzlastkilometer und dessen Vergleich mit dem bestmöglichen Flug ein. Vergeben werden dabei “Effizienzpunkte”. Die besten Werte erreichen Airlines mit modernen Flugzeugen und vielen Sitzen darin, die zusätzlich sowohl die Sitze als auch den Frachtraum gut auslasten. [...] Oft gewinnen diese Airlines Punkte durch eine überdurchschnittliche Bestuhlung und Auslastung. Atmosfair bietet Fluggästen ebenso wie auch Nutzern anderer Verkehrsmittel an, den durch ihre Mobilität verursachten CO2-Ausstoß durch Zahlungen zu kompensieren, die dann in Klimaschutzprojekte fließen.

Ganzen Artikel auf Tagesschau.de lesen.

Die Effektivität etlicher durch CO2-Ablassbriefe finanzierter Klimaschutzprojekte ist allerdings fraglich. Siehe unseren Beitrag “University of Washington: Holzkocher der CO2-Kompensationsprojekte bringen keinen Nutzen für Klima und Umwelt“.

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Kurios auch die Vielfliegerei des höchsten UN-Umweltschützers. Anstatt mit gutem Vorbild voranzugehen, hat Erik Solheim tief in die UNO-Reisekasse gegriffen und sein jährliches CO2-Budget deutlich überzogen. Die Deutsche Welle fand am 22. November 2018 deutliche Worte:

Kommentar: Erik Solheims Klimaheuchelei
Der Leiter des UN-Umweltprogramms ist zurückgetreten, weil er eine halbe Million Dollar für Flüge in alle Welt ausgegeben hat. Aber fatal ist nicht nur der gigantische CO2-Ausstoß des UNEP-Chefs, meint Sonya Diehn.

Der Grund für den Rücktritt des Leiters des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ist ein kleiner Schock. In nur 22 Monaten gab er fast eine halbe Million Dollar für Jet-Setting auf der ganzen Welt aus. Das war das Letzte, was man von Erik Solheim erwartet hätte, einem Mann, der stets über die Dramatik von Umweltproblemen wie dem Artensterben, dem Plastikmüll in den Weltmeeren sowie dem Klimawandel sprach.

Doch eine UN-interne Untersuchung zwang ihn nun genau deshalb zum Rückzug. Sicher, Führungskräfte müssen reisen, um ihren Job zu erledigen. Aber Solheim hat offenbar alle Regeln und Vorschriften der UN für Dienstreisen missachtet. Und nachdem deswegen einige Länder damit gedroht haben, kein Geld mehr an die UNEP zu zahlen, stand eine Haushaltskrise unmittelbar bevor. Doch in Zeiten schwindenden Vertrauens in öffentliche Einrichtungen ist es wichtig, die Legitimität einer solch bedeutenden Umweltinstitution zu erhalten.

Weiterlesen auf dw.com.

In der Welt kann man weitere pikante Details lesen:

Das Blatt „The Guardian“ hatte im September berichtet, dass Solheim laut einem UN-internen Rechnungsprüfungsentwurf in nur 22 Monaten rund 424.000 Euro für Flugtickets und Hotelübernachtungen ausgegeben habe. Zu 80 Prozent seiner Arbeitszeit sei er zudem nicht am Hauptquartier des UN-Umweltprogramms (UNEP) in Nairobi anzutreffen.

Seinen Dienstsitz Nairobi mochte der Norweger offenbar nicht, vermied die kenianische Stadt so oft er nur konnte. Von insgesamt 668 Diensttagen, verbrachte Solheim satte 529 Tage auf Reisen. Die Reisen wurden Solheim von einem seiner eigenen, ihm unterstellten Mitarbeiter “genehmigt”. Wie oft die “Dienstreisen” den Norweger in seine norwegische Heimat führten, ist unklar.

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Lukasz Dziubyna versuchte auf Kickstarter die Summe von 13.000 US$ für ein klimaskeptisches Filmprojekt einzuwerben. Allerdings kamen bis zum Ende der Spendenaktion nur knapp 500 US$ zusammen, so dass die Finanzierung scheiterte.

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Sie erinnern sich vielleicht an die eindrucksvollen Bilder von im Polarmeer schwimmenden Eisbären. Aktivisten suggerierten mit diesen Bildern, dass der Klimawandel die Eisbären töten würde. Allerdings wurde es in letzter Zeit recht still um die Eisbären. Das überrascht nicht, denn offizielle Zählungen zeigen, dass die Eisbärepopulation viel stabiler ist als von den Klimaaktivisten behauptet.

Erfinderische Aktivisten fackelten nicht lange und tauschten den Eisbären einfach gegen ein Rentier. Auf der Webseite des WWF schwimmt ab jetzt ein Rentier um sein Leben (Bild hier) und wirbt um WWF-Spenden:

Klimawandel und Wilderei: Rentiere schwimmen um ihr Leben
Eine Rentierherde durchschwimmt die Chatanga, ein Fluss im Norden Sibiriens. Der Strom ist breit und eisig. Die Tiere sind erschöpft, es ist bereits ihr dritter Anlauf. Besonders die frisch geborenen Kälber kämpfen gegen das Ertrinken. Früher überquerten die Rentiere nach der Kalbung die zugefrorenen Flüsse zu Fuß auf ihren langen Wanderungen von den Winter- zu den Sommerweiden in der Russischen Arktis. Doch nun schmilzt das Eis eher. „Es ist ein ganz neues Problem und niemand weiß bislang, ob und wann die Art sich anpassen kann.“ WWF-Arktisexpertin Eva Klebelsberg ist besorgt. Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die Rentiere und öffnet auch Wilderern Tür und Tor.

Früher wäre doch alles so perfekt gewesen, und nun habe der Mensch alles kaputt gemacht. Das meint jedenfalls der WWF. Weit gefehlt. Ein einziger Blick in die Klimageschichte hätte den WWF-Aktivisten ihren Denkfehler schnell aufgezeigt. In Wirklichkeit war das vorindustrielle Klima im Norden Sibiriens viel variabler als vom WWF vorgegaukelt. Naurzbaev et al. 2002 rekonstruierten die Temperaturgeschichte der Eastern Taimyr Peninsula und fanden mehrere vorindustrielle Warmphasen, zu deren die Rentiere genau die gleichen Herausforderungen zu meistern hatten:

Summer temperatures in eastern Taimyr inferred from a 2427-year late-Holocene tree-ring chronology and earlier floating series
A brief review is presented of the progress, to date, in constructing a long, continuous ring-width chronology from living and subfossil Siberian larch (Larix gmelinii) in the eastern part of the Taimyr peninsula. A near 2500-year chronology running up to the present has been assembled and several shorter, earlier series have been produced that are dated approximately on the basis of radiocarbon dates. A description is given of the production of separate early summer and annual mean temperature histories based on the recent chronology, spanning more than 2000 years. These two reconstructions are based on alternative methods of statistical processing of the measured tree-ring data. The early summer and annual reconstructions agree well in the long-term components of their variability, providing evidence for anomalous warmth in the third, tenth to twelfth, and twentieth centuries, and a prolonged cool period throughout the sixteenth and seventeenth, and in the early nineteenth centuries. The mean growth and other statistical parameters of the earlier chronologies also suggest that conditions for tree growth were very favourable in the earlier Holocene, particularly in the fourth millen nium bc. This is strongly indicative of an early Holocene Climatic Optimum in Taimyr at that time. Other material in hand, and earlier published radiocarbon dates, demonstrate the feasibility of constructing continuous ring-width chronologies and temperature estimates extending throughout all of the last 8000 years.

 

Guter Klimarealismus braucht Förderer: Unterstützer für das Kalte-Sonne-Blog gesucht

UPDATE 05.12.2018:
Allen Spendern der letzten Tage ein ganz herzliches Dankeschön! Mit Ihrem Beitrag helfen Sie, den Betrieb des Kalte-Sonne-Blogs aufrecht zu erhalten. Falls Sie noch nicht die Gelegenheit hatten sich zu beteiligen: Wir freuen uns weiterhin über alle Spenden zur Förderung einer fairen Klimadebatte.

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