CO2-Klimasensitivität im Sinkflug: Neues aus der Fachliteratur

Die CO2-Klimasensitivität ist das Maß für die Erwärmungswirkung des CO2. Eine Vielzahl von neueren Studien zeigt, dass der ursprünglich vom IPCC angenommene “beste Schätzwert” von 3,0°C Erwärmung pro CO2-Verdopplung deutlich zu hoch liegt. Im Jahr 2013 kam ein Paper von Otto et al. 2013 heraus, das 2,0°C vorschlug, ein Paukenschlag. Wir berichten regelmäßig an dieser Stelle über Neues zu diesem Thema. Heute wieder eine neue Sammlung von neuen publizierten Ergebnissen, unterschieden in die langfristige Klimasensitivität (equilibrium climate sensitivity – ECS) und die kurzfristigere, die sich noch nicht richtig vollständig aufgebuat hat (Transient Climate Response, TCR). Die üblicherweise zitierten Werte entsprechen der ECS.

ECS: Equilibrium climate sensitivity

bis zu 6°C Proistosescu & Huybers 2017
Pressemitteilung hier; ein wirklich heftiges Alarmpaper, das es wohl darauf anlegt, im 6. IPCC-Bericht zitiert zu werden und den Mittelwert aller Studien nach oben zu ziehen. Nic Lewis hat das Ganze detailliert auf Climate Audit auseinandergenommen.

3,7°C  Brown & Caldeira 2017
Auch dies wohl eher ein Ausreißer nach oben. Das gibt kräftig Fördergelder.

2,8°C Cox et al. 2018; Eingrenzung auf 2.2-3.4°C
Pressemitteilung hier. Die deutsche Presse berichtete eifrig über diese Studie: FAZ, Tagesspiegel, Spektrum

1,79°C Mauritsen & Pincus 2017
Siehe auch Beitrag im Kalte-Sonne-Blog.

1,4°C Orssengo 2018

0°C Nikolov & Zeller 2017
CO2 ohne Klimawirkung?

Zum Vergleich: In unserem Buch ‘Die kalte Sonne’ stellten wir ein 1,5°C-Szenario dar. Das liegt am unteren Ende der Spannbreite des IPCC AR5-Berichts, 1,5-4,5°C.

 

TCR: Transient Climate Response

1,32 °C Mauritsen & Pincus 2017
Kalte-Sonne-Beitrag dazu ist hier.

1,29°C Bosse 2017

1,10°C Christy & McNider 2017
Bericht hierzu auf WUWT.

Zum Vergleich: Der TCR Durchschnitt aller Klimamodelle im IPCC AR5-Bericht betrug 2.31 °C.

 

Alles deutet auf eine seismische Verschiebung im Verständnis der CO2-Klimasensitivität im gerade entstehenden 6. IPCC-Bericht hin. Der ‘beste Schätzwert’ wird sich auf jeden Fall deutlich nach unten bewegen. Das bereitet eingefleischten Klimakämpfern natürlich bereits jetzt schon Bauchschmerzen. Sie bereiten die Welt bereits auf die Veränderungen behutsam vor. So schrieben Knutti et al. 2017 in Nature Geoscience, dass man auf jeden Fall die Treibhausgasemissionen weiter einschränken müsse, egal ob der Wert der CO2-Klimasensitivität nun möglicherweise niedriger liegt:

Beyond equilibrium climate sensitivity
Equilibrium climate sensitivity characterizes the Earth’s long-term global temperature response to increased atmospheric CO2 concentration. It has reached almost iconic status as the single number that describes how severe climate change will be. The consensus on the ‘likely’ range for climate sensitivity of 1.5 °C to 4.5 °C today is the same as given by Jule Charney in 1979, but now it is based on quantitative evidence from across the climate system and throughout climate history. The quest to constrain climate sensitivity has revealed important insights into the timescales of the climate system response, natural variability and limitations in observations and climate models, but also concerns about the simple concepts underlying climate sensitivity and radiative forcing, which opens avenues to better understand and constrain the climate response to forcing. Estimates of the transient climate response are better constrained by observed warming and are more relevant for predicting warming over the next decades. Newer metrics relating global warming directly to the total emitted CO2 show that in order to keep warming to within 2 °C, future CO2 emissions have to remain strongly limited, irrespective of climate sensitivity being at the high or low end.

Dabei verschleiern die Autoren, dass Werte am unteren Ende des Spektrums eine deutlich weniger dramatische Lage repräsentieren als die höheren Werte, die uns vielleicht wirklich in eine Klimakatastrophe gestürzt hätten. Die Zeit der Rechtfertigungen hat begonnen, “wir haben es ja nur gut mit Euch gemeint”. Ebenfalls erst vor ein paar Monaten mussten Millar et al. 2017 einräumen, dass die Klimamodelle wohl in der Tat viel zu heiß laufen und das 1,5-Gradziel auch mit der dreifachen Menge an CO2-Emissionen erreicht werden kann.  

Andere wollen die neuen Realitäten immer noch nicht wahr haben. Ein Team um Kate Marvel (darunter auch der bekennende Klimaaktivistktivist Gavin Schmidt) behauptete im Februar 2018 in den Geophysical Research Letters, dass die reale Temperaturentwicklung der letzten Jahrzehnte gar nicht dazu taugt, die CO2-Klimasensitivität zu berechnen. Korrekt wären vielmehr die theoretischen Simulationen aus dem Computer. Das hinterlässt einen schon ziemlich sprachlos. Nic Lewis analysierte das Paper und entdeckte eine Vielzahl von Problemen. Die Vorphase zum 6. IPCC-Bericht treibt wundersame Blüten. Beide Seiten laufen zu Höchstleistungen auf, um ihre Sichtweise zitierbar zu dokumentieren. Da scheinen auch die absurdesten Publikationen jetzt durchzukommen, wenn Gutachter mit ähnlicher Gesinnung gefunden werden können.

 

Verrücktes Amerika: Das wandernde Winter-Erwärmungsloch und die Abkühlung im Mittleren Westen

Die Welt wird immer wärmer und wärmer. Die ganze Welt? Nein! In den südöstlichen USA gibt es ein Gebiet, dass sich der Besetzung durch die Klimaerwärmung bisher erfolgreich widersetzt hat. Hier wird es sogar immer kälter. In den Staaten spricht man auch vom “Winter Warming Hole”. Eine Studie des Dartmouth College hat das Loch in der Erwärmung näher untersucht und herausgefunden, dass es sich bewegt. Es lebt! Schuld ist der polare Vortex. Nun ist alles klar. Wer es genau wissen will, der möge bitte die Pressemitteilung des College studieren.

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Es gab eine Zeit, da maß man jegliche registrierte Erwärmung und andere klimatische Unregelmäßigkeit dem CO2 zu: Man war stolz auf seinen One-Stop-Shop. Temperaturen hoch: CO2! Ein Sturm wirft einen Apfelbaum um: CO2! Der Rhein tritt über die Ufer: CO2! Endlich war die Weltformel für alle Probleme gefunden. Und die Schuldigen waren schnell ausgemacht: Wir alle. Und wir müssen für unsere Missetaten zahlen, Buße tun. Kling bekannt, ein uraltes Prinzip.

Allmählich kamen den Menschen aber Zweifel? CO2 als zentrale Erklärung für alles Böse auf der Erde? Ungläubige Wissenschaftler versündigten sich und fanden doch tatsächlich heraus, dass auch andere Faktoren außer den Treibhausgasen die Temperaturen nach oben treiben können. Zum Beispiel die wärmende Phase der Ozeanzyklen (1977-1998). Oder der städtische Wärmeinseleffekt. Oder der Ruß.

Und nun wird es ganz bitter. Im Mittleren Westen der USA sind die Sommer kälter und feuchter geworden. Wie kommts? Das Massachusetts Institute of Technology klärte am 13. Februar 2018 auf: Es ist die Intensivierung der Landwirtschaft! Sie lässt die Temperaturen fallen und den Regen üppiger werden:

Intensive agriculture influences US regional summer climate, study finds
An increase in corn and soybean production in the Midwest may have led to cooler, wetter summers there

Scientists agree that changes in land use such as deforestation, and not just greenhouse gas emissions, can play a significant role altering the world’s climate systems. Now, a new study by researchers at MIT and Dartmouth College reveals how another type of land use, intensive agriculture, can impact regional climate.

The researchers show that in the last half of the 20th century, the midwestern U.S. went through an intensification of agricultural practices that led to dramatic increases in production of corn and soybeans. And, over the same period in that region, summers were significantly cooler and had greater rainfall than during the previous half-century. This effect, with regional cooling in a time of overall global warming, may have masked part of the warming effect that would have occurred over that period, and the new finding could help to refine global climate models by incorporating such regional effects. The findings are being published this week in Geophysical Research Letters, in a paper by Ross Alter, a recent MIT postdoc; Elfatih Eltahir, the Breene M. Kerr Professor of Hydrology and Climate; and two others.

The team showed that there was a strong correlation, in both space and time, between the intensification of agriculture in the Midwest, the decrease in observed average daytime temperatures in the summer, and an increase in the observed local rainfall. In addition to this circumstantial evidence, they identified a mechanism that explains the association, suggesting that there was indeed a cause-and-effect link between the changes in vegetation and the climatic effects.

Eltahir explains that plants “breathe” in the carbon dioxide they require for photosynthesis by opening tiny pores, called stoma, but each time they do this they also lose moisture to the atmosphere. With the combination of improved seeds, fertilizers, and other practices, between 1950 and 2009 the annual yield of corn in the Midwest increased about fourfold and that of soybeans doubled. These changes were associated with denser plants with more leaf mass, which thus increased the amount of moisture released into the atmosphere. That extra moisture served to both cool the air and increase the amount of rainfall, the researchers suggest. “For some time, we’ve been interested in how changes in land use can influence climate,” Eltahir says. “It’s an independent problem from carbon dioxide emissions,” which have been more intensively studied.

Eltahir, Alter, and their co-authors noticed that records showed that over the course of the 20th century, “there were substantial changes in regional patterns of temperature and rainfall. A region in the Midwest got colder, which was a surprise,” Eltahir says. Because weather records in the U.S are quite extensive, there is “a robust dataset that shows significant changes in temperature and precipitation” in the region. Over the last half of the century, average summertime rainfall increased by about 15 percent compared to the previous half-century, and average summer temperatures decreased by about half a degree Celsius. The effects are “significant, but small,” Eltahir says.

By introducing into a regional U.S. climate model a factor to account for the more intensive agriculture that has made the Midwest one of the world’s most productive agricultural areas, the researchers found, “the models show a small increase in precipitation, a drop in temperature, and an increase in atmospheric humidity,” Eltahir says — exactly what the climate records actually show. That distinctive “fingerprint,” he says, strongly suggests a causative association. “During the 20th century, the midwestern U.S. experienced regional climate change that’s more consistent with what we’d expect from land-use changes as opposed to other forcings,” he says. This finding in no way contradicts the overall pattern of global warming, Eltahir stresses. But in order to refine the models and improve the accuracy of climate predictions, “we need to understand some of these regional and local processes taking place in the background.”

Unlike land-use changes such as deforestation, which can reduce the absorption of carbon dioxide by trees that can help to ameliorate emissions of the gas, the changes in this case did not reflect any significant increase in the area under cultivation, but rather a dramatic increase in yields from existing farmland. “The area of crops did not expand by a whole lot over that time, but crop production increased substantially, leading to large increases in crop yield,” Alter explains. The findings suggest the possibility that at least on a small-scale regional or local level, intensification of agriculture on existing farmland could be a way of doing some local geoengineering to at least slightly lessen the impacts of global warming, Eltahir says. A recent paper from another group in Switzerland suggests just that.

But the findings could also portend some negative impacts because the kind of intensification of agricultural yields achieved in the Midwest are unlikely to be repeated, and some of global warming’s effects may “have been masked by these regional or local effects. But this was a 20th-century phenomenon, and we don’t expect anything similar in the 21st century,” Eltahir says. So warming in that region in the future “will not have the benefit of these regional moderators.”

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Vor kurzem rauschte es kräftig im medialen Blätterwald. Ein Forscherteam behauptete, der Meeresspiegelanstieg würde sich immer weiter beschleunigung. Potsdam stand Kopf. Die fünfte Jahreszeit war angebrochen. Im Internet bestellten einige Zeitgenossen bereits Tickets für die Arche Noah vor, um auf Nummer sicher zu gehen.

Au weia. Offensichtlich hat die Welt die Kunst des Lesens verloren, und damit ist das Lesen der Originalfachpublikation gemeint. Dabei hätte schon der Abstract gereicht:

Climate-change–driven accelerated sea-level rise detected in the altimeter era
Using a 25-y time series of precision satellite altimeter data from TOPEX/Poseidon, Jason-1, Jason-2, and Jason-3, we estimate the climate-change–driven acceleration of global mean sea level over the last 25 y to be 0.084 ± 0.025 mm/y2. Coupled with the average climate-change–driven rate of sea level rise over these same 25 y of 2.9 mm/y, simple extrapolation of the quadratic implies global mean sea level could rise 65 ± 12 cm by 2100 compared with 2005, roughly in agreement with the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) 5th Assessment Report (AR5) model projections.

Eine simple Trendextrapolation eines quadratischen Trends. Science at it’s best!? Dabei wissen wir, dass Ozeanzyklen mit einer Periodenlänge von 60 Jahren hier eine maßgebliche Rolle spielen. Dafür sind die Satellitendatenreihen aber viel zu kurz. Das ist so ein bisschen, als wenn man die Temperaturentwicklung von März bis August misst und dann für die kommenden 10 Jahre extrapoliert. Hilfe, wir werden verbrennen!

 

Der Forsythien-Klimalügenbusch in Seesen

Früher wurde davor gewarnt, der Klimawandel würde das Malariarisiko steigern. Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen nun das Gegenteil. Trotz weiterer Erwärmung ist die Zahl der Malariatoten seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gesunken (via WUWT).

Abbildung 1: Malariatodesopfer in der Welt seit 2000. Graphik: OurWorldInData. Daten: WHO.  

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Eine traurige Nachricht: Klimaalarmisten leiden verstärkt unter Depressionen und Angstzuständen. Das fand jetzt die University of Arizona heraus. Nun ist es amtlich: Klimaalarmismus schadet der Gesundheit. Kalte Sonne-Blogleser leben eindeutig gesünder. Weitersagen.

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Eine gute Nachricht: Unsere Publikation zu den mittelalterlichen Niederschlagsveränderungen in Afrika ist bis zum 12. April 2018 kostenfrei bei Elsevier herunterladbar. Das pdf gibt es hier. Klicken Sie auf jeden Fall au der linken Seite der Webseite auch zusätzlich auf ‘Appendix A: Supplementary Data’. Denn hier ist sozusagen der Motor des schlanken Papers. Im Supplement befinden sich die Detailbeschreibungen der 99 Studienlokalitäten. Der 50-tägige kostenlose Zugang ist ein guter Service von Elsevier. Bitte nutzen!

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Das Kapitel ‘Nachhaltigkeit’ bei Alfred Brandenberger gibt es hier. Ozonschicht hier. Siehe hierzu auch den Artikel in der Basler Zeitung:

Der Fluch der Simulationen. Die Ozonschicht schliesst sich nicht. Das sollte auch Klimaforschern zu denken geben

Weiterlesen in der Basler Zeitung

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Sie erinnern sich an die Hamburger Forsythienblüte. Ein mittelgroßes Fiasko für die Torwächter von Wikipedia. Sie versuchten plump, unbequeme Fakten mit Gewalt zu verschweigen. Hier kommt nun weiteres Ungemach. In Seesen gibt es nämlich ebenfalls einen Forsythienbusch. Und dessen Blühtermin verspätet sich während der letzten 31 Jahre ebenfalls immer weiter. Wieso tut der Busch das? Ist es ihm zu kalt? Kennt er nicht das Konzept der stetig voranschreitenden Klimaerwärmung, das ihn eigentlich dazu verpflichtet, immer früher zu blühen? Wir müssen uns nicht wundern, wenn der widerspenstige Busch demnächst von Klimaaktivisten in einer Nacht- und Nebelaktion umgehauen wird. Er steht dem Klimaschutz eindeutig im Wege. Ein Klimalügenbusch sozusagen. Wir wünschen ihm trotzdem weiterhin gutes Gedeihen. Er wird hoffentlich das Zeitalter der Klimaverwirrung unbeschadet überstehen.

Abbildung 2: Forsythienblüte in Seesen/Kirchberg. Quelle: Kowatsch, EIKE

 

Kalkalge Emiliania huxleyi kommt mit Ozeanversauerung besser zurecht als gedacht

Pressemitteilung des Geomar vom 14. Februar 2018:

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Rasante Evolution einer Kalkalge
Emiliania huxleyi überrascht durch schnelle Änderungen der ökologischen Fitness

Bei der Simulation zukünftiger Umweltbedingungen gibt es ein Problem: Laborexperimente sind leicht kontrollier– und reproduzierbar, bilden die komplexen Ökosysteme aber nur ungenügend ab. Versuche unter realen Bedingungen in der Natur sind demgegenüber deutlich aufwendiger und schwerer kontrollierbar. Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel haben in einer Studie beide Ansätze verknüpft, um die Reaktion einer wichtigen Planktonart auf die zunehmende Ozeanversauerung zu untersuchen. Die Ergebnisse haben sie jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution veröffentlicht.

Die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre steigt unvermindert an. Dadurch löst sich auch vermehrt CO2 im Ozean, wo es zu Kohlensäure reagiert und das Meerwasser zunehmend versauert. Während die Ozeanversauerung stetig voranschreitet, versucht die Wissenschaft Antworten auf die Frage zu finden, welche Konsequenzen dies für die marinen Ökosysteme haben wird. Ein Team von Forscherinnen und Forschern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel hat jetzt erstmals in einer Kombination von Labor- und Freilandexperimenten die Anpassungsfähigkeit der Kalkalge Emiliania huxleyi an die Ozeanversauerung untersucht. „Dabei zeigten einige der Algenstämme im Experiment eine extrem schnelle Veränderung ihrer ökologischen Fitness. Damit haben wir so nicht gerechnet“, sagt Erstautor Dr. Lennart Bach vom GEOMAR. Die Studie erschien jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution.

Den aktuellen Versuchen vorangegangen waren jahrelange Laboruntersuchungen mit Emiliania huxleyi am GEOMAR in Kiel. Dr. Kai Lohbeck, Ko-Autor der aktuellen Studie, setzte die Algen in streng kontrollierten Versuchsreihen erhöhten CO2-Konzentrationen aus. Drei Jahre später zeigte sich, dass Emiliania huxleyi besser mit der Versauerung zurechtkam, als zu Beginn der Studie. „Für uns war das ein klarer Hinweis auf die Anpassungsfähigkeit der Alge. Aber der Versuch fand unter Laborbedingungen statt. Deshalb blieb die Frage offen, ob die evolutive Anpassung unter isolierten Laborbedingungen auch unter natürlichen Bedingungen einen Vorteil bringen würde“, sagt Lohbeck.

Die Gelegenheit, dieser Frage nachzugehen, ergab sich im Frühjahr 2013. Mit den Kieler Offshore-Mesokosmen führte die Arbeitsgruppe von Prof. Ulf Riebesell im Rahmen des Verbundprojekts BIOACID (Biologische Auswirkungen von Ozeanversauerung) Versuche zur Anpassung von Ökosystemen an Ozeanversauerung im schwedischen Gullmarsfjord durch. Aus dem Labor in Kiel kamen einige der bereits angepassten Algenkulturen sowie die dazu gehörigen Kontrollgruppen mit nach Schweden. Dort wurden sie den bereits an hohe CO2-Werte angepassten Lebensgemeinschaften zugesetzt.

„Zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass die im Labor bereits an Ozeanversauerung angepassten Algenstämme unter den natürlicheren Bedingungen nicht besser mit niedrigen pH-Werten zurechtkamen als die Kontrollgruppen, die bisher keine Versauerung kennengelernt hatten.“ Ein ebenso überraschender Befund: Obgleich alle Algenstämme denselben Vorfahren hatten, unterschieden sie sich nach nur drei Jahren erheblich in ihrer Fähigkeit, sich in der natürlichen Planktongemeinschaft durchzusetzen. Während einige Stämme sich rasch vermehrten, wurden andere nach kurzer Zeit von anderen Planktonstämmen verdrängt, unabhängig davon, ob sie zuvor an Ozeanversauerung angepasst waren oder nicht. „Das spricht für die Fähigkeit von Emiliania huxleyi, sich innerhalb sehr kurzer Zeit weiterzuentwickeln“, fasst Dr. Bach die Ergebnisse der Studie zusammen.

Prof. Dr. Ulf Riebesell, Ko-Autor der Studie und Koordinator der Projektes BIOACID, sieht darin auch einen Hinweis darauf, wie wenig wir bislang über Langzeitwirkungen der Ozeanversauerung wissen: „Auch wenn die hohe Anpassungsfähigkeit der Organismen an neue Umweltbedingungen uns immer wieder aufs Neue überrascht, so ändert es dennoch nichts an der Tatsache, dass bei fortschreitender Ozeanversauerung viele Arten nicht imstande sein werden, ihre ökologische Nische zu behaupten. Der Verlust an Artenvielfalt ist damit vorprogrammiert.“

Originalarbeit
Bach, L. T., K. T. Lohbeck, T. B. H. Reusch, U. Riebesell (2018): Rapid evolution of highly variable competitive abilities in a key phytoplankton species. Nature Ecology and Evolution, http://dx.doi.org/10.1038/s41559-018-0474-x

 

Dumm gelaufen: Wie die Solarlobbyistin Eva Stegen auf Wikipedia-Aktvisten hereinfiel

Wir freuen uns stets, wenn unsere Beiträge gelesen und diskutiert werden. Am 29. Januar 2018 wurden wir von Eva Stegen auf Freitag.de geehrt, indem sie uns in ihrem Beitrag „Dat is Physik!“ erwähnte. Eva Stegen posiert in ihrem Profilfoto vor Solarzellen, was ihre ideologische Richtung gut beschreibt. Der Untertitel ihres Textes lautet:

Alternative Fakten: Über Treibhausgase und Flüchtlinge. Wenn Populisten es aus Versehen bis in die Top TV-Satire schaffen …

Dort lesen wir unter anderem:

Man ist geneigt, Klimawandel-Populisten wie Rainer Kraft oder auch den Ex-RWE-Angestellten Sebastian Lüning und Fritz Vahrenholt, die mit Schriften wie „die kalte Sonne“ vorsätzlich Zweifel säen, genervt die Worte des Kabarettisten Jochen Malmsheimer entgegenzuschleudern: “Dat is Physik!“. Voll daneben liegen die kalte-Sonne-Autoren bereits nach wenigen Jahren mit ihren Temperatur-Vorhersagen, wie Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK mit nachfolgender Grafik eindrücklich belegt.

Dazu zeigt Eva Stegen dann diese Rahmstorf-Graphik aus dem September 2016:

Abbildung 1: Vergleich der GISS-Temperaturen und Prognose Vahrenholt/Lüning. Gleitendes Mittel über 12 Monate. Graphik Aus Freitag.de, kopiert aus Wikipedia, Von Stefan Rahmstorf – http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/rekordwaerme-auf-der-erde-trotz-kalter-sonne/, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51349874, aus dem September 2016.

 

Wie gesagt, die Graphik brachte Frau Stegen Ende Januar 2018. Dabei übersah Sie offenbar, dass sich die Erdkugel weitergedreht hat, der El Nino seit längerem vorüber ist, der Rahmstorf zwischenzeitlich einen kleinen Vorteil einbrachte. Die aktuelle Version der Graphik sieht anders aus und transportiert eine ganz andere Nachricht:

Abbildung 2: Vergleich der GISS-Temperaturen und Prognose Vahrenholt/Lüning. Aktualisiert, letzter Datenpunkt Januar 2018. Braune Kurve zeigt 12-Monatsmittel.

 

Die nach dem El Nino abstürzenden Temperaturen wollte Frau Stegen ihren Lesern offenbar nicht zumuten. Lieber verharrte sie auf der ihr genehmen veralteten Version. Auf Wikipedia hat ein Kaltesonne-Leser bereits die fehlende Aktualisierung der Graphik bemängelt. Die Aktivisten-Torwächter wehren sich mit Händen und Füßen dagegen. “Du kommst hier nicht rein!”. Ärmlich. Erstes Opfer: Eva Stegen, die wirklich glaubt, dies wäre die korrekte Version, die sie nun (vermutlich unwissentlich) weiterverbreitet und tolle Geschichten dazu spinnt. In Wahrheit stehen die Chancen gut, dass wir in den kommenden Monaten wieder bequem im Prognosebereich landen werden. Außergewöhnliche Wetterphasen wie El Nino’s waren nicht Bestandteil unserer Prognose. Nicht umsonst ist der Begriff “Klima” üblicherweise mit Durchschnittswerten von 30 Jahren verbunden. Naja, hier ist Eva Stegen eine blöde Panne passiert, wobei sie sich von Wikipedia-Aktivisten schön an der Nase herumführen ließ. Kann jedem mal passieren. Wir lernen daraus, dass man die Thesen aus Wikipedia und von Stefan Rahmstorf mit Vorsicht genießen muss.

 

Querdenker in den Klimawissenschaften unerwünscht

Unerwarteter Realismus beim PIK am 7. Februar 2018:

Untergang der Kohle zu früh ausgerufen
Der Rückgang neuer Kohlekraftwerke in China und Indien wird durch den geplanten Zubau in schnell wachsenden Schwellenländern wie etwa der Türkei, Indonesien und Vietnam teilweise zunichte gemacht. Nur wenn die Staaten der Welt diesem Trend aktiv entgegen wirken, können sie die im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaziele erreichen. Das sind Ergebnisse der Studie „Reports of coal’s terminal decline may be exaggerated“. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) haben sie in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlicht.

Das Kohleproblem erledigt sich trotz aller Fortschritte bei den erneuerbaren Energien keinesfalls von selbst. Wenn die internationale Gemeinschaft ihre Ziele zur Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen erreichen will, um die größten Klimarisiken noch zu vermeiden, dann muss sie entschlossen handeln“, sagt Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des PIK und Direktor des MCC. „Nötig wäre ein Kohleausstieg, und zwar weltweit. Das beste Mittel hierfür ist aus ökonomischer Sicht eine substanzielle Bepreisung von CO2. Diese kann von einem Land zum anderen unterschiedlich aussehen, aber eine Koalition von Pionieren müsste den Anfang machen – noch in diesem Jahrzehnt.“

China und Indien haben im Laufe des Jahres 2016 jeweils über 50 Prozent ihrer Pläne für neue Kraftwerke zurückgenommen. Doch global gesehen steigt die Zahl der Kohlekraftwerke weiter an. So haben zum Beispiel die Türkei, Indonesien und Vietnam vor, zusammengenommen ihre Kapazität um circa 160 Gigawatt zu erhöhen. Das würde etwa der Leistung aller bereits bestehenden Kohlekraftwerke in den 28 EU-Staaten entsprechen.

Hinzu kommt, dass im Jahr 2016 andere Länder ihre Zubaupläne massiv erhöht haben, zum Beispiel Ägypten um fast 800 und Pakistan um 100 Prozent. Diese Entwicklungen gefährden die nationalen Selbstverpflichtungen der Länder zum Klimaschutz (NDCs): Sie würden bedeuten, dass sich der CO2-Ausstoß aus Kohlekraftwerken von 2012 auf 2030 beispielsweise in Vietnam fast verzehnfachen und in der Türkei fast vervierfachen würde.

„Zwar hat China jüngst weniger auf Kohle gesetzt und vielleicht sogar den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen überschritten“ sagt Edenhofer. „Das hat zu Recht starke Beachtung gefunden – doch der Untergang der Kohle wurde zu früh ausgerufen: Neuste Daten zeigen auch, dass China zunehmend in Kohlekraftwerke im Ausland investiert.“

Der ungebremste Zubau von Kohlekraftwerken wird das weltweite CO2-Budget, um wie im Paris-Abkommen vereinbart die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen, nahezu aufbrauchen. Wenn die Welt mit hoher Wahrscheinlichkeit unterhalb dieser Grenze bleiben will, kann sie laut Weltklimarat IPCC nur noch circa 700 bis 800 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre ausstoßen.

Doch die bestehende Infrastruktur, etwa Kraftwerke und Gebäude, emittiert über ihre lange Lebensdauer von vielen Jahren bereits etwa 500 Gt. Mit den aktuell im Bau befindlichen und den zusätzlich geplanten Kohlekraftwerken kämen 150 Gt hinzu. Weitere Emissionen wie die aus dem Wachstum beim Verkehr oder der Landwirtschaft würden das Gesamtbudget dann übersteigen. Die Wissenschaftler bauen ihre Untersuchung auf Daten der US-amerikanischen Organisation CoalSwarm und der Internationalen Energieagentur (IEA) auf und haben sie durch eigene Forschungen weitergeführt.

„Obwohl die Kosten bei den Erneuerbaren Energien zuletzt gefallen sind, können sie sich noch nicht flächendeckend mit der billigen Kohle messen“, sagt Jan Steckel, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Klimaschutz und Entwicklung. „Die Finanzierungskosten für die Erneuerbaren in Entwicklungs- und Schwellenländern stagnieren auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Damit es hier zu höheren Investitionen kommt, müssten die Kapitalkosten durch kluge Finanzpolitik wie etwa den Einsatz von Kreditausfallversicherungen sinken.“ Die Wissenschaftler zeigen Lösungen für einen globalen Kohleausstieg auf. Denkbar wären demnach ein Fahrplan zur Schließung von Kohleminen, strengere Kraftwerksvorschriften und weltweit steigende CO2-Preise, kombiniert mit dem Einsatz der Einnahmen aus der Bepreisung in den sozial gerechten Umbau der Steuersysteme oder den Ausbau von gesellschaftlich notwendiger Infrastruktur.

Artikel: Edenhofer, Ottmar; Steckel, Jan Christoph; Jakob, Michael; Bertram, Christoph (2018): Reports of coal’s terminal decline may be exaggerated. Environmental Research Letters. [DOI: 10.1088/1748-9326/aaa3a2]

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Sie interessieren sich für das Klima der Alpen? Dann schauen Sie bei Alfred Brandenberger herein, der wichtige Artikel hierzu gesammelt hat.

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Viele Firmen wünschen sich in den eigenen Reihen Querdenken, englisch: Contrarians. Denn nur wer ab und zu aus der Mainstream-Denkmühle ausbricht, kann innovativ sein und Fehler ausmerzen. In den Klimawissenschaften hat man lange Erfahrung mit Querdenkern. Man mobbt sie, schließt sie aus, beschimpft sie. Wer nicht das IPCC Lied singt, darf beim Konzert nicht mitwirken. Eine unwissenschaftliche Marotte, die man den Klimawissenschaften aber offenbar verzeiht. Denn die Politik hat keinerlei Interesse daran, die volle wissenschaftliche Wahrheit zu erfahren. Als es vor zehn Jahren hieß “The Science is settled”, richtete man seine Politik danach aus, da würde es ja komisch wirken, wenn man sie jetzt wieder ändern müsste, nur weil sich die Faktenbasis als nicht ganz so robust erwiesen hat, wie früher behauptet.

Siehe auch Brandenbergers Kapitel “Ausschluss und Maulkorb für Kritiker“.

 

Nur noch kurz durch die Welt jetten – Die Klimaretter von Davos

Das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik denkt immer noch, dass Migration eng an den Klimawandel geknüpft sei und gibt fleißig Publikationen zum Thema heraus (pdf hier). Vermutlich will man sich ein Stück des finanziellen Klimakuchens sichern. Die Fachliteratur siehtdas mittlerweile ganz anders. Siehe unseren Beitrag” Kriege wegen Klimawandel? Fragwürdige Studien fallen beim Statistiktest glatt durch“.

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Pressemitteilung des AWI vom 15. Februar 2018 zu Klimawechsel zwischen Eiszeiten und Zwischeneiszeiten:

Klimaschwankungen in Vergangenheit und Zukunft
AWI-Wissenschaftler vergleichen weltweite Temperaturvariabilität von Eis- und Warmzeiten

Weiterlesen beim AWI

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Spiegel Online am 30. Januar 2018:

Alpenpflanzen: Viele Arten profitieren bisher vom Klimawandel

Beitrag auf Spiegel Online lesen.

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RT am 28. Januar 2018:

Nur noch kurz durch die Welt jetten – Die Klimaretter von Davos
Die Politelite auf dem Weltwirtschaftsforum befasst sich mit den großen Themen. Das Klima zum Beispiel ist eines davon, bedeutend für die Menschheit und den Wohlstand und ein hervorragendes Themenbeispiel dafür, wie Worte oft mehr zählen als Taten.

[...] So prognostizierte Air Charter Service (ACS), einem Anbieter für Privatjetflüge, dass es während des Forums der Globalisierungsverfechter in nur fünf Tagen 1.000 Flüge mit Privatjets geben werde. Auch sei dank des Forums der Klimaretter in Davos für die Hauptanflughafen für Privatjets in der Schweiz mit einem Anstieg um 335% Prozent zu rechnen. So haben Untersuchungen im Auftrag der Jetanbieter ergeben, dass während des einwöchigen Forums durchschnittlich 218 private Jetflüge pro Tag stattfinden, im Vergleich zu den 65 täglichen Flügen, mit denen Schweizer Flugplätze üblicherweise zu tun haben. An zwei besonders geschäftigen Davos-Tagen sind es 251 beziehungsweise 301 Flüge.

Ganzen Beitrag auf RT lesen.

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Times of San Diego am 5. Februar 2018:

Scripps: Cooling Sun May Partially Offset Climate Change by Humans
The Sun might emit less radiation by mid-century, giving Earth a chance to warm a bit more slowly but not halting human-induced climate change, according to a new study by Scripps Institution of Oceanography.

Our star’s cool down would be the result of what astrophysicists call a “grand minimum,” a periodic event during which the Sun’s magnetism diminishes, sunspots form infrequently, and less ultraviolet radiation makes it to the surface of Earth. This last happened in the 17th century. A team of scientists led by research physicist Dan Lubin at Scripps has created the first estimate of how much dimmer the Sun should be when the next minimum takes place, which could be by the middle of this century. His team’s study, “Ultraviolet Flux Decrease Under a Grand Minimum from IUE Short-wavelength Observation of Solar Analogs,” appears in the publication Astrophysical Journal Letters and was funded by the state of California. “Now we have a benchmark from which we can perform better climate model simulations,” Lubin said. “We can therefore have a better idea of how changes in solar UV radiation affect climate change.”

Weiterlesen in der Times of San Diego. Siehe auch Pressemitteilung der University of California San Diego.

 

Falsche Gewichtsklasse: Eine regionale Pollenstudie, die nur zu gerne die ganze Welt erklären würde

Am 30. Januar 2018 beschrieb Gemma Derick in Nature die Problematik von Gutachterrunden. Die Idee, dass hier jeder Einzelgutachter zu gleichen Teilen mithilft, entspricht leider nicht der Realität. Vielmehr scheinen sich Seilschaften zu bilden, wobei Teil der Gutachter nur Abnicker sind und sich nicht trauen, eine eigene Meinung zu haben.

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Am 31. Januar 2018 erblickte ein neues Paper das Licht der Welt, das wohl mehr Verwirrung stiftete als das Klimaverständnis nach vorne trieb. Marsicek et al. (2018) gab an, die Temperaturen der letzten 10.000 Jahre rekonstruiert zu haben, wobei die Resultate nun endlich, endlich mit denen der Klimamodelle übereinstimmen. Frühere Temperaturrekonstruktionen auf Basis von geologischen Daten wollten einfach nicht zu den Simulationen passen. Der Freundeskreis des IPCC jubelte, da ihnen die Diskrepanz schon länger ein Dorn im Auge war. In einer dazugehörigen Pressemitteilung packte die University of Wyoming die “gute Nachricht” gleich in die Titelzeile:

Most of last 11,000 years cooler than past decade in North America, Europe

Rätsel gelöst? Leider nein. Denn im Abstract des Papers mussten die Autoren einräumen, dass sie ihre Temperaturrekonstruktion nur auf einer einzigen Datenquelle aufgebaut haben, nämlich einer einzigen Pollendatenbank.

Although our results depend on a single source of palaeoclimatic data (pollen) and a single climate-model simulation,…

Deren Inhalt hat zum Teil einen Blackbox-Charakter, ohne durchgängige transparente Begutachtung. Die Berechnung der Temperatur über 10.000 Jahre anhand von großregionalen Pollendaten ist, gelinde ausgedrückt, ziemlich gewagt. Es wäre toll, wenn eine solche Universalformel funktionieren würde. Den Beweis ist sie bislang noch immer schuldig geblieben. Interferenzeffekte durch gleichzeitig ablaufende Schwankungen der Niederschläge geben wenig Hoffnung, dass hier der große Wurf gelungen sein könnte.

Unberücksichtig sind dabei alle anderen Paläoklimadaten wie etwa Eisbohrkerne, Berechnungen über Diatomeen, Foraminiferen, Isotope etc etc. Und was ist mit den anderen Erdteilen? Nein, die holozäne Klimaentwicklung ist damit noch lange nicht geklärt. Es ist außerordentlich verwunderlich, weshalb hier niemand sich die Mühe macht, endlich die Daten zusammenzusammeln. Eine frühere Studie von Marcott und Kollegen hat nur die Meerestemperaturen berücksichtigt. Dabei weiß man, dass Gebiete wie Skandinavien vor 6000 Jahren sehr viel wärmer waren als heute. Ist das vielleicht der Elefant im Raum, den niemand in solchen Studien beschreiben möchte?

 

Die Sonne im Januar 2018 und der GroKo-Vertrag klimatisch

Von Fritz Vahrenholt und Frank Bosse

Unsere Sonne (Sie ahnen schon was kommt…) war auch im Januar 2018 unterdurchschnittlich aktiv. Die festgestellte SSN (SunSpotNumber) betrug 6,7 und war damit den dritten Monat in Folge nur einstellig. Für den aktuellen Zyklusmonat (Nr. 110 seit dem Beginn des 24. Zyklus im Dezember 2008) ergibt sich damit eine Aktivität, die nur 19% der zu diesem Monat üblichen (als Mittelwert des 110. Monats über alle bisher systematisch beobachteten Zyklen) Sonnenfleckenzahl ausmachte. An 15 der 31 Tagen des Januars 2018 war die Sonne gänzlich fleckenlos. Im letzten Monatsdrittel war fast an jedem Tage das Wort „spotless“ zu lesen.

Abb.1: Der aktuelle Zyklus 24 (Solar Cycle: SC 24,rot) im Vergleich zu einem mittleren Zyklus als Mittelwert der Zyklen (blau) und dem recht ähnlichen Zyklus 5.

 

Die Zyklen untereinander:

Abb.2: Die aufsummierten monatlichen Abweichungen der einzelnen Zyklen bis zum aktuellen 110. Monat des SC24.

 

Bei diesem Bild beachten Sie bitte, dass die Zahlen mit Unsicherheiten behaftet sind. Besonders vor 1880, also vor dem SC12 der 1879 begann, können sich größere Abweichungen ergeben. Daher ist ein Vergleich z.B. mit den Zyklen des Dalton-Minimums (SC 5,6,7) mit Unsicherheiten verbunden. Die Community der Sonnenexperten ist sich da recht einig. So bleibt festzuhalten: Der laufende Zyklus ist der mit der geringsten Aktivität bei halbwegs gesicherter Kalibrierung bis zurück zu 1880. Das mit Bezug auf Dauer und Amplitude aufgetretene Maximum ab Mitte des vorigen Jahrhunderts ist unstrittig, der dramatische Absturz der Aktivität ab dem Beginn des Zyklus 24 (2009) ebenso.

Wie wird sich ein weiterer schwacher Zyklus (davon ist mit hoher Sicherheit auszugehen, wir berichteten in den letzten Ausgaben unserer Kolumne) auf das Klima auswirken? Wenn es nach den bisher fast ausschließlich berücksichtigten Strahlungsdaten geht, sollten nur marginale Spuren im Klimageschehen zurückbleiben. Dabei betrachtet man unmittelbare Antriebsänderungen, vergleichbar mit einer etwas zurückgeregelten Heizplatte, die die Temperatur einer Flüssigkeit darauf fast sofort folgen lässt.

Das Klima besteht jedoch aus vielen Rückwirkungen, viele sogenannte „Teleconnections“ auch mit langen Verzögerungen beispielsweise durch Beteiligung tieferer Ozeanschichten sind schon nachgewiesen. Nur bei der Sonne bleibt man häufig bei „Heizpattenklimatologie“. Wir jedenfalls sind gespannt auf weitere Jahre verminderter Aktivität unseres Zentralgestirns.

 

Der GroKo-Vertrag und Eulenspiegeleien

Die globalen Temperaturen fielen im Laufe des vergangenen Jahres wieder auf das Vor-El Nino Niveau von 2015 zurück, vgl. unsere Darstellung in der letzten Ausgabe. Sie sinken  also  und sogar die Ober-Alarmisten Gavin Schmidt und James Hansen vom NASA-GISS-Institut „befürchten“ einen 10 -jährigen Stopp der Erwärmung.  Der Koalitionsvertrag von CDU und SPD (Groko-Vertrag) propagiert derweil immer noch das „Grüne“-Mantra der notwendigen Vorreiterrolle Deutschlands zur Einhaltung der nationalen und internationalen Klimaziele für 2020, 2030 und 2050. Das ist schon ganz schön mutig, dem Klima Ziele zu setzen.

Die große Koalition will die CO2 -Emissionen um 60 % bis 2030 reduzieren (die Zahl steht klugerweise nicht im Koalitionsvertrag , sondern man muss sie sich im Internet aus dem Klimaschutzplan herauspicken) und dann wird das Klima schon sehen , wo es längs geht und sich an das Pariser Klimaabkommen halten und sich nicht mehr als 2 Grad, besser noch 1,5 Grad erwärmen.

Wie soll denn das neue System aussehen? (S.73) Aus Erneuerbaren, Energieeffizienz, einem beschleunigtem Ausbau der Stromnetze und einer forcierten Nutzung der Digitalisierung. Da weder Einsparungen, Netze noch Digitalisierung Strom erzeugen können, ruht die Erzeugung allein auf Erneuerbaren, und in der Tat ruht sie des Nachts, was die Photovoltaik betrifft und bei Windflaute – immerhin zwei Drittel des Jahres. Aber die Lösung der Versorgung mit Flatterstrom ist in Sicht: die Bundesregierung wird eine Batteriezellproduktion (S.14) unterstützen! Da wird richtig Geld in die Hand zu nehmen sein, denn Batterieherstellung ist eine der stromintensivsten Produktionen und das kostet viel Steuergeld im Land mit den mittlerweile zweithöchsten Strompreisen ( nach Dänemark)  in Europa. Anders ausgedrückt: Wir haben uns aus dem Markt stromintensiver Produkte selbst herausgeschossen, und zwar auf Dauer.

Aber es gibt auch einen Hauch von Realismus. Wurde noch in der letzten Koalitionsvereinbarung  von 2013 die Energiewende gefeiert, Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, so weiß man mittlerweile, wo die Arbeitsplätze der Solarindustrie hin gewandert sind ( zwischen 2010 und 2015 gingen über 70% der Arbeitsplätze verloren, siehe hier ) und wohin die Arbeitsplätze der Windindustrie hinwandern werden. Daher sind die Koalitionäre bescheiden geworden und wollen nur noch zusätzliche Wachstumschancen. (S. 71) Aber dafür gibt man aber auch gerne das Geld der Bürger aus, die über die EEG -Umlage jede neue Photovoltaik -oder Windkraftanlage bezahlen, bislang fast 30 Milliarden € pro Jahr, ein Kleinwagen pro Haushalt.

Grund für eine Verstärkung des Zubaus in 2019 und 2020 von jeweils 4000 MW Photovoltaik und Wind (S. 71) ist die Nichterreichung der CO2 Minderungsziele von 2020. Dann macht man zum Ausgleich ein bisschen mehr Wind. Dann folgt aber ein kluger Satz, der mit Sicherheit in keinem Jamaika-Papier gestanden hätte: „Voraussetzung ist die Aufnahmefähigkeit der entsprechenden Netze“.  Da muss ein Eulenspiegel am Verhandlungstisch dabei gewesen sein, der das hereingeschmuggelt hat. Denn schon heute ist die Aufnahmefähigkeit des Netzes bei Starkwind nicht mehr gegeben. Für Redispatch- Maßnahmen oder Abregelung von Windkraftanlagen wurden im letzten Jahr rund 1 Milliarde € bezahlt. Der Netzbetreiber schaltet also Windkraftanlagen bei zu viel Wind ab, um den Zusammenbruch des Netzes  zu vermeiden und der Windkraftbetreiber bekommt Geld, als ob das Windrad gedreht hätte. Die 4000 MW zusätzlicher Windenergiekapazität führen also nur dazu, dass bei Starkwind bestehende Windkraftanlagen in dieser Größenordnung abgeschaltet werden. Wie gesagt: Eulenspiegelei.

Eine Reform der Netzentgelte soll die Kosten „unter angemessener Berücksichtigung der Netzdienlichkeit verteilen“. (S.72) Wer weiß schon, worum es dabei geht? Heute bezahlen diejenigen Bürger, in deren Gegend mehr Windkraftanlagen stehen, als die Netze und der regionale Bedarf verkraften können, die Kosten der Abschaltung sowie die Kosten der Eingriffe über die Netzkosten. Das ist ein brisantes Thema in Ostdeutschland – viel Windkraft, wenig Verbrauch führt zu den höchsten Netzkosten. Brandenburg hat daher mittlerweile die höchsten Stromkosten in Deutschland. Und wenn der Ministerpräsident nicht aufpasst, entsteht dort eine explosive Stimmung durch die Zerstörung der Landschaft und der Natur, Entwertung der Grundstücke und die höchsten Stromrechnungen.

Vielleicht steht auch deswegen der Satz auf Seite 72: „Wir werden beim weiteren Ausbau der Windenergie an Land einen besseren Interessenausgleich zwischen Erneuerbaren-Branche einerseits und Naturschutz- und Anwohneranliegen andererseits gewährleisten“. Wohlgemerkt nicht  „Wir wollen“ sondern „wir werden“.  Wenn aber die bayerische Regelung  - 10 mal Höhe des Windrads gleich Abstand zur nächsten Bebauung ( also zwischen 1,5 und 2 Kilometer) – zum Ansatz käme und die Forderung der Staatlichen Vogelschutzwarten von 1 Kilometer Abstand zum nächsten Horst eines Rotmilans ( oder 6 km beim Schreiadler) realisiert würde, gäbe es in ganz Ostdeutschland keinen einzigen neuen Standort mehr. Vielleicht war da ja jemand am Tisch, der weiß, wie stark die Anti-Windkraftbewegung geworden ist. 1000 Bürgerinitiativen sind im ländlichen Raum mittlerweile eine stärkere „pressure group“ als die Anti AKW Bewegung in ihren besten Tagen.

Wie groß die Not der politisch Handelnden ist, sieht man an folgendem Prüfauftrag: „Wir werden prüfen, inwieweit zukünftig nicht mehr benötigte Kraftwerksstandorte für große thermische Speicher-Kraftwerke genutzt werden können.“ (S.73) Da will man also überschüssigen Strom nehmen, zu Wärme degenerieren (indem man die Entropie erhöht!)  und über Nah-oder Fernwärmenetze zur Beheizung einspeisen.  Vielen Energiefachleuten sträuben sich da die Nackenhaare.

Auf S. 73 ist dann auch das Kernstück der Klimapolitik, über das so viel berichtet wurde, nachzulesen:

„Wir werden eine Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ unter Einbeziehung der unterschiedlichen Akteure aus Politik, Wirtschaft, Umweltverbänden, Gewerkschaften sowie betroffenen Ländern und Regionen einsetzen, die auf Basis des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 und des Klimaschutzplans 2050 bis Ende 2018 ein Aktionsprogramm mit folgenden Elementen erarbeiten soll:

– Maßnahmen, um die Lücke zur Erreichung des 40 Prozent-Reduktionsziels bis 2020 so weit wie möglich zu reduzieren,

– Maßnahmen, die das 2030-Ziel für den Energiesektor zuverlässig erreichen, einschließlich einer umfassenden Folgenabschätzung,

– einen Plan zur schrittweisen Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung, einschließlich eines Abschlussdatums und der notwendigen rechtlichen, wirtschaftlichen, sozialen und strukturpolitischen Begleitmaßnahmen und

– die finanzielle Absicherung für den notwendigen Strukturwandel in den betroffenen Regionen und einen Fonds für Strukturwandel aus Mitteln des Bundes“.

Das Ganze soll in ein Gesetz im Jahre 2019 münden. Zu begrüßen ist das Eingeständnis, dass das 2020er Ziel um 25 % verfehlt wird. Das war noch unter Jamaika für Frau Göring-Eckhardt („Kampf gegen die Klimaerhitzung“) und ihrem Hofreiter inakzeptabel und sollte zur sofortigen Stilllegung von 7000 MW (die Forderung der Grünen waren 12000 MW) führen. Frau Merkel hätte das mitgemacht, Herr Lindner dankenswerterweise nicht. Wir werden uns an ihn wohlwollend erinnern im Jahre 2022, wenn das letzte Kernkraftwerke vom Netz geht und die Versorgungssicherheit auch ohne grün-schwarzen spielerischen Umgang mit dieser so essentiellen Frage auf dem Prüfstand steht.

Der oben genannte Eulenspiegel hat dann auch noch folgenden Satz reingeschmuggelt. „Die laufende Hochtemperatur-Plasmaforschung in Deutschland wollen wir angemessen finanziell absichern.“ (S.35)  Das wäre der erhitzten Karin Göring-Eckhardt und ihrem Hofreiter nicht durchgeflutscht. Denn dahinter versteckt sich schamhaft, aber immerhin, die Fusionsforschung in Greifswald und Garching, die weltweit exzellenteste Wirkungsstätte hunderter Forscher, die sich um die Verwirklichung der Zukunftsenergie Fusion bemühen -und das erste Plasma erfolgreich zünden konnten. Und dann gibt es noch den schönen Satz: „Wir stehen weiterhin für eine wissenschaftlich fundierte, technologieoffene und effiziente Klimapolitik“. Das weiterhin sagt alles.

Wir werden jedenfalls weiterhin dafür sorgen, dass die im wissenschaftlichen Gewande propagierten Glaubenssätze einiger alarmistischer Klimaforscher  mit den realen empirischen Messungen und Ergebnissen konfrontiert werden.

 

Kartierung des Mittelalterlichen Klimawandels in Afrika

Pressemitteilung des Instituts für Hydrographie, Geoökolgie und Klimawissenschaften (IFHGK) vom 15. Februar 2018:

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Kartierung des Mittelalterlichen Klimawandels in Afrika:
Erwärmung des Kontinents, Abkühlung der Küstenmeere, Verschiebung der Regengürtel vor 1000 Jahren

Der globale Klimawandel gibt Anlass zu großer Sorge. Experten sind sich einig, dass die beobachteten Veränderungen der letzten 150 Jahre durch eine Kombination von menschengemachten und natürlichen Klimafaktoren verursacht worden sind. Eine vollständige Quantifizierung beider Beiträge ist jedoch noch immer nicht möglich und Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Um den natürlichen Beitrag besser einzugrenzen und diesen besser von anthropogenen Klimatreibern unterscheiden zu können, haben Klimawissenschaftler in den letzten anderthalb Jahrzehnten eine Vielzahl von Feldstudien durchgeführt. Ziel dieser Anstrengungen war es, die vorindustrielle Klimageschichte zu rekonstruieren und möglichst viele Datenpunkte über den Globus verteilt zu sammeln. Von besonderem Interesse sind hier die letzten 1000 Jahre. Zu Beginn dieser Zeitspanne ereignete sich im Mittelalter in Europa und Nordamerika eine Wärmephase, die bereits nach einigen Jahrhunderten durch die sogenannte ‚Kleine Eiszeit‘ abgelöst wurde, wahrscheinlich die kälteste Phase der letzten 10.000 Jahre. Ab 1850 erholte sich das Klima dann wieder und pendelte nach Abschluss des Kälteextrems zurück in einen wärmeren Zustand. Der zeitgleich beginnende Ausstoß von Treibhausgasen durch den Menschen verstärkte diesen Trend. Beide Prozesse vereint führten zur Modernen Wärmephase. Die Wärmephase des Mittelalters stellt dabei eine wichtige Referenz für die heutige Klimaerwärmung dar, jedoch ist unser Wissen zum mittelalterlichen Klima außerhalb der nordatlantischen Region noch immer unvollständig.

Ein internationales Forscherteam um den Geowissenschaftler Sebastian Lüning möchte diese wichtige Lücke schließen. Lüning ist im Hauptberuf Rohstoffgeologe und arbeitet in seiner Freizeit als Mitglied des schweizerischen Instituts für Hydrographie, Geoökolgie und Klimawissenschaften (IFHGK) an paläoklimatologischen Studien. Zusammen mit Kollegen aus Polen, Nigeria, der Türkei und Deutschland durchforsteten sie die voluminöse Fachliteratur und setzten aus den publizierten Daten ein spannendes Mosaik zusammen, das ein neues Licht auf die Mittelalterliche Klimaanomalie in Afrika wirft. Mithilfe von moderner Datenbank- und Visualisierungstechnik konnten sie Temperatur- und Niederschlagstrends für die Zeit 1000-1200 n.Chr. auf dem afrikanischen Kontinent auskartieren und die Klimageschichte vergangener Hitzewellen, Kältephasen, Dürren und Feuchtperioden lebendig werden lassen. Lüning erläutert die Herausforderungen, mit denen sich sein Team konfrontiert sah:

“Man könnte uns als eine Art wissenschaftliche ‚Datendetektive‘ beschreiben. Wir haben uns durch hunderte von Publikationen gearbeitet und nach belastbaren Aussagen zum mittelalterlichen Klima gesucht. Ohne wissenschaftliche Ausdauer und Passion wäre dies kaum zu bewältigen gewesen. Natürlich gibt es aus dieser Zeit keine Thermometermessungen oder gar Satellitendaten. Die Rekonstruktion des Mittelalterklimas geschieht daher über geologische Archive, insbesondere Sedimentkerne aus dem Meeresboden, Seen und Sümpfen. Aber auch Höhlentropfsteine liefern wichtige Informationen. Die Klimainformation steckt in den Veränderungen der chemischen Zusammensetzung sowie dem Fossilinhalt der Schichten. Dies muss dann nur noch ‚klimatisch rückübersetzt‘ werden. Alterdatierungen über die C14-Methode bilden das Altersgerüst dieser Studien.“

Die aus den Publikationen herausgefilterten Daten sammelten die Forscher zunächst in einer Google Map. Die Klimakurven wurden dann sorgfältig miteinander verglichen und die daraus abgeleiteten Klimatrends kartographisch erfasst. Der allergrößte Teil aller Studien vom afrikanischen Festland weist dabei eine deutliche Erwärmung während der Mittelalterlichen Klimaanomalie auf, ähnlich wie in Europa und Nordamerika. In vielen Küstengebieten rings um Afrika kühlte sich das Meer dagegen ab. Offenbar haben sich im Mittelalter in den sogenannten ‚Auftriebszonen‘die Winde verstärkt und so größere Mengen an kaltem Tiefenwasser nach oben gespült. Allerdings fallen die schmalen Küstenstreifen im Vergleich zur großen afrikanischen Landmasse flächenmäßig nur gering ins Gewicht. Die Studie erschien im Fachjournal Paleoceanography und fußt auf insgesamt 44 veröffentlichten Fallstudien in Afrika und den Nachbarregionen.

Neben der Temperatur interessierten sich Lüning und sein Team auch für Veränderungen in den Niederschlägen. Ein besseres Verständnis der natürlichen Variabilität der Regenfälle ist besonders für die halbtrockenen und trockenen Teile Afrikas wichtig, da Trinkwasser, Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion stark vom saisonalen Niederschlag abhängen. Lüning beschreibt die Motivation für die Untersuchung:

“Unsere Anfangsvermutung war, dass wir eine über den ganzen Kontinent einheitliche Niederschlagsänderung im Mittelalter finden würden. Dies war jedoch nicht der Fall. Bei der Verschiebung von Regengürteln werden nämlich einige Bereiche trockener und andere feuchter. Es ist überaus wichtig, diese natürlichen Veränderungen der Niederschlagsmuster und ihre Antriebsfaktoren möglichst genau verstehen, denn sie bilden wichtige Kalibrierungsdaten für Klimamodelle, die leider noch immer Schwierigkeiten haben, regionale Niederschläge korrekt zu simulieren.”

Die Studie identifizierte drei Gebiete in Afrika, in denen die Niederschläge während der mittelalterlichen Klimaanomalie zunahmen: Tunesien, westlicher Sahel und der allergößte Teil des südlichen Afrikas. Zur selben Zeit wurden die Regenfälle im übrigen Afrika seltener: Nordwest- und Nordostafrika, Westafrika, Ostafrika und die Winterregenzone Südafrikas. Zu letzterer Region gehört auch Kapstadt, das derzeit unter einer schlimmen Dürre leidet, die bereits zu schweren Einschnitten in der Trinkwasserversorgung geführt hat. Die klimahistorische Auswertung zeigt, dass ähnliche Dürren hier wohl auch vor 1000 Jahren geherrscht haben. Die regenbringenden Westwinde verlagerten sich damals so weit nach Süden, dass sie den Kontinent meist verfehlten und die Wolken über dem Ozean abregneten. Die Hydroklima-Studie erschien Mitte Februar im Fachblatt Palaeo3 und basiert auf 99 Fallstudien aus Afrika.

Da sich die CO2-Konzentration in vorindustrieller Zeit kaum geändert hat, kommen in erster Linie natürliche Klimafaktoren als Antrieb für den beobachteten Klimawandel des Mittelalters in Betracht. Am wahrscheinlichsten sind hier Änderungen der Sonnenaktivität sowie Ozeanzyklen, die im Takt von Jahrzehnten bis mehreren Jahrhunderten schwanken. Die beiden neuen Übersichtsstudien aus Afrika unterstreichen die große Bedeutung der natürlichen Klimavariabilität im globalen Maßstab. Ein robustes Grundverständnis des natürlichen Herzschlags des irdischen Klimasystems ist Grundvoraussetzung, um verlässlich zwischen anthropogenen und natürlichen Komponenten des modernen Klimwandels unterscheiden zu können und die Prognoseleistung von Klimamodellen weiter zu verbessern.

Die vorgestellten Arbeiten basieren auf einer großen Zahl von veröffentlichten Fallstudien, an denen hunderte von Wissenschaftlern beteiligt waren. Trotz großer Fortschritte im Bereich der klimageschichtlichen Forschung in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten klaffen jedoch noch immer riesige Lücken in unserem regionalen Wissen zur mittelalterlichen Klimaentwicklung. So sind riesige Gebiete im Inneren des afrikanischen Kontinents paläoklimatologisch noch immer unerforscht. Afrika und die Arabische Halbinsel bilden knapp ein Viertel der globalen Landmasse, sind aber in den globalen Temperaturrekonstruktionen der letzten 2000 Jahre stark unterrepräsentiert. Angesichts der großen Bedeutung dieser Basisdaten für Klimamodelle und letztendlich für klimapolitische Entscheidungen sind weitere strukturierte Forschungsanstrengungen dringend notwendig, um die großen Datenlücken zeitnah zu schließen.

 

Veröffentlichungen:

Lüning, S., M. Gałka, F. Vahrenholt (2017): Warming and cooling: The Medieval Climate Anomaly in Africa and Arabia. Paleoceanography 32 (11): 1219-1235, doi: 10.1002/2017PA003237.

Lüning, S., M. Gałka, I. B. Danladi, T. A. Adagunodo, F. Vahrenholt (2018): Hydroclimate in Africa during the Medieval Climate Anomaly. Palaeogeogr., Palaeoclimatol., Palaeoecol., doi: 10.1016/j.palaeo.2018.01.025.

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Ein großer Dank an alle Crowdfunder, die das Projekt so tatkräftig unterstützt haben! Die Studie zur mittelalterlichen Temperaturentwicklung in Afrika wurde am 9. Februar 2018 in Eos in der Kategorie “Research Spotlight” vorgestellt.