Unheimliche Serie von Rahmstorf-Pannen setzt sich weiter fort: Neue Studie kann keinen robusten Zusammenhang zwischen schrumpfendem Meereis und europäischen Kältewellen finden

Es war einmal, vor gut drei Jahren, da empörte sich der schillernde Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf in seiner Klimalounge über den Deutschen Wetterdienst (DWD). Der DWD hatte es doch tatsächlich gewagt, Rahmstorf zu widersprechen. Konkret ging es um den vermuteten Zusammenhang zwischen der Ausdehnung des arktischen Meereises und kaltem Winterwetter. Rahmstorfs simples Modell: Weniger arktisches Meereis verursache kalte europäische Winter. Dazu führte er seinerzeit ein Sammelsurium an Studien an und behauptete:

Aus meiner Sicht liefern die oben genannten Studien deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem arktischen Eisverlust infolge der globalen Erwärmung, häufigeren Winter-Hochdrucklagen insbesondere über dem atlantisch-europäischen Teil der Arktis, und damit verbundenem Einstrom von Kaltluft nach Europa. Wie wir sie in den letzten Wintern oft erlebt haben – zum Beispiel spektakulär in der ersten Februarhälfte 2012.

Dabei schlug Rahmstorf verbal wild um sich und teilte kräftig aus. Der DWD sei blamabel, in Fragen des Klimawandels inkompetent, könne nicht mal wissenschaftliche Arbeiten lesen, die Argumente platt. Ein ungewöhnlich aggressiver Diskussionsstil, den man sonst in der Wissenschaft eher selten antrift. Rahmstorf O-Ton:

Die taz zitierte gestern dagegen den Sprecher des Deutschen Wetterdienstes mit der Aussage, wenn es einen direkten Zusammenhang mit der Meereisbedeckung geben würde, hätte ja der gesamte Winter in Deutschland zu kalt sein müssen. Dieses platte Argument, mit dem er die oben gezeigten Ergebnisse der Klimaforschung vom Tisch wischen möchte, halte ich für ziemlich blamabel für den DWD. Denn offenes Wasser in der Arktis setzt selbstverständlich das stochastische Wettergeschehen nicht außer Kraft; es wird immer einen Wechsel von kalten und warmen Perioden geben. In allen genannten Studien geht es um veränderte Wahrscheinlichkeiten in den vorherrschenden Wettermustern: Petoukhov und Semenov etwa schätzen, dass sich die Wahrscheinlichkeit von kalten Winterextremen verdreifachen könnte, das steht schon im Abstract. Man fragt sich, ob der DWD-Vertreter die relevanten Studien überhaupt gelesen hat – und wenn nicht, weshalb er sich berufen fühlt, sie in den Medien zu kommentieren. Leider hat es eine gewisse Tradition, dass Meteorologen, die sich mit Wettervorhersage befassen, wenig vertraut mit der Klimaforschung sind.

Drei Jahre sind seit Rahmstorfs digitalem Rumpelstielzchentanz ins Land gegangen. Die Forschung hat sich zwischenzeitlich des Themas professionell angenommen und konnte nun erste robuste Ergebnisse vorlegen. Am 11. August 2016 präsentierte eine Forschergruppe um Hans Chen von der Pennsylvania State University im Journal of Climate ein Paper, das Stefan Rahmstorf sicher eine schlaflose Nacht gebracht haben wird. Bitter: Rahmstorf lag voll daneben, er hatte den DWD offenbar ganz zu unrecht angepöbelt. In Wahrheit gibt es laut Chen et al. 2016 keinen robusten Zusammenhang zwischen dem arktischen Meereis und dem Wetter in mitleren Breiten.

Einige Zitate aus den Ergebnissen der Studie:

“ These results show that the linear relationship between Arctic  sea-ice loss and mid-latitude weather patterns is weak, suggesting that the remote atmospheric  response is small compared with the internal variability, or highly nonlinear with respect to the  sea-ice area anomalies.”

“Thus, our results do not show evidence of an unusually elongated jet stream associated with  Arctic sea-ice loss on a monthly time scale.”

“We have shown using several different  metrics that the remote atmospheric response can be non-robust due to internal dynamics alone,  and leave diagnosis of mechanisms behind this non-robustness for future studies. “

Fazit: Kalte Winter sind Wetter. Rahmstorfs Versuch der “Antropogenisierung” des Winterwetters scheiterte grandios. Es zeigt jedoch auch die kurzatmigen Versuche, einige kältere Winter zu “verklimatisieren”. Eine souveräne Wissenschaft hätte solche billig PR-Gags nicht nötig.

Im Folgenden der Abstract der neuen Studie von Chen et al. 2016:

The robustness of mid-latitude weather pattern changes due to Arctic sea-ice loss
The significance and robustness of the link between Arctic sea-ice loss and changes in mid-latitude weather patterns is investigated through a series of model simulations in Community Atmosphere Model 5.3 with systematically perturbed sea-ice cover in the Arctic. Using a large ensemble of ten sea-ice scenarios and 550 simulations, it is found that prescribed Arctic sea-ice anomalies produce statistically significant changes for certain metrics of the mid-latitude circulation but not for others. Furthermore, the significant mid-latitude circulation changes do not scale linearly with the sea-ice anomalies, and are not present in all scenarios, indicating that the remote atmospheric response to reduced Arctic sea ice can be statistically significant under certain conditions, but is generally non-robust. Shifts in the Northern Hemisphere polar jet stream and changes in the meridional extent of upper-level large-scale waves due to the sea ice perturbations are generally small and not clearly distinguished from intrinsic variability. Reduced Arctic sea ice may favor a circulation pattern that resembles the negative phase of the Arctic Oscillation, and may increase the risk of cold outbreaks in eastern Asia by almost 50 %, but this response is found in only half of the scenarios with negative sea-ice anomalies. In eastern North America the frequency of extreme cold events decreases almost linearly with decreasing sea-ice cover. Our finding of frequent significant anomalies without a robust linear response suggests interactions between variability and persistence in the coupled system, which may contribute to the lack of convergence among studies of Arctic influences on mid-latitude circulation.

Wie reagierte die deutsschprachige Presse auf die wichtige neue Veröffentlichung? Noch vor vier Jahren hatte man ausführlich über Rahmstorfs Visionen zu den Kältewellen berichtet (Zeit, Welt). Nun jedoch herrschte vielsagendes Schweigen. Keine einzige Zeitung griff das Thema auf. Man wollte sich offenbar nicht blamieren. Ein weiterer Fall für ungesundes “Schweigen im Walde” (“unbequeme wissenschaftliche Resultate, die von der deutschsprachigen Presse bzw. Medien totgeschwiegen werden, da sie nicht der im Mainstream-Journlismus fest etablierten Klima-Alarmismus-Storyline entsprechen.”).

 

Siehe auch: "Hypothese gefloppt: Kalte Winter keine Folge des schrumpfenden arktischen Meeereises"

 

Um Antwort wird gebeten: Weshalb beschränkt sich der ‘Bildungswiki Klimawandel’ auf den anthropogenen Klimawandel?

Alle reden über die globale Erwärmung und Temperaturen, aber kaum jemand versteht die Hintergründe. Roy Spencer, Klimawissenschaftler an der University of Alabama in Huntsville, hat daher nun einen Leitfaden zu Temperaturdaten geschrieben. Die lesenswerte Broschüre kann hier als pdf heruntergeladen werden.

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Michael Mann ist durch den Hockeystick berühmt geworden. LeftExposed.org hat jetzt einen biographischen Artikel über den umstittenen Forscher veröffentlicht, der an seiner Universität angeblich ein Jahresgehalt von mehr als 200.000 US$, inklusive  Zuwendungen beziehen soll.

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Süddeutsche Zeitung am 19. August 2016:

Zebrafinken zwitschern ihren Eiern was vom Klimawandel
[...] Über 600 Stunden aufgezeichnetes Vogelgezwitscher hörten die Evolutionsökologinnen Mylene Mariette und Katherine Buchanan von der australischen Deakin University ab, bis sie ein Muster erkannten. Immer wenn die Temperatur in der Umgebung über 26 Grad Celsius anstieg, begannen die Elterntiere zu zwitschern. So könne sich der Stoffwechsel der Küken wahrscheinlich bereits vor dem Schlüpfen an das gegenwärtige Klima anpassen, argumentieren die Forscherinnen im Fachblatt Science. Der gefundene Zusammenhang sei ein Beispiel dafür, wie sich Lebewesen an veränderte Umweltbedingungen anpassen könnten.

Ganzen Artikel in der Süddeutschen Zeitung lesen.

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Der eine oder andere wird bereits über den “Bildungswiki Klimawandel” gestolpert sein. In der Beschreibung zur Webseite heißt es:

Das “Bildungswiki Klimawandel” ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Deutschen Bildungsserver, dem Climate Service Center und dem Hamburger Bildungsserver zum Aufbau einer Enzyklopädie über den anthropogenen Klimawandel und seine Folgen. In der sachlichen Richtigkeit sind die Artikel an den Ergebnissen aktueller wissenschaftlicher Veröffentlichungen orientiert, die in renommierten Fachzeitschriften erschienen und zumeist in die zusammenfassenden Sachstandsberichte des Weltklimarates IPCC eingegangen sind.

Eine Enzyklopädie, die sich lediglich mit dem anthropogenen Klimawandel, nicht aber mit dem natürlichen Klimawandel beschäftigt? Das macht überhaupt keinen Sinn. Beides wirkt zusammen. Der Ausschluss der natürlichen Komponente ist ein großer Fehler. Auf der Webseite heißt es weiter:

Autorinnen und Autoren mit Fachwissen und Schreibfertigkeit sind jederzeit willkommen. Das Wiki “Klimawandel” ist auf die Nutzung im Bildungsbereich ausgerichtet. Wünschenswert sind daher einerseits populärwissenschaftliche Fachartikel, andererseits einfache Artikel für jüngere Schüler. Hinweise auf die Verwendung im Unterricht, von einfachen Fragestellungen oder Experimenten bis hin zu ganzen Unterrichtskonzepten, sind ausdrücklich erwünscht. Eine erste Einführung in die Arbeit mit dem Wiki “Klimawandel” bietet die Hilfe. Anmeldung zur Mitarbeit bitte über Dieter Kasang.

Wir wollten beim Bildungswiki Klimawandel nachfragen, weshalb der natürliche Klimawandel ausgepart wird. Zusätzlich wollen wir unsere Hilfe bei der Erstellung von Artikeln zum natürlichen Klimawandel anbieten:

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An: Bildungswiki Klimawandel
Von: Dr. habil. Sebastian Lüning

Gesendet: 27.9.2016

Sehr geehrter Herr [...],

Mit Interesse studierte ich Ihre Webplattform “Bildungswiki Klimawandel”. Dabei fiel mir auf, dass Sie sich allein auf den anthropogenen Klimawandel beschränken und den natürlichen Klimawandel offenbar unberücksichtigt lassen. In Ihrer Webseitenbeschreibung heißt es:

“Das “Bildungswiki Klimawandel” ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Deutschen Bildungsserver, dem Climate Service Center und dem Hamburger Bildungsserver zum Aufbau einer Enzyklopädie über den anthropogenen Klimawandel und seine Folgen.”
http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Hauptseite

Mich würde interessieren, weshalb Sie den natürlichen Anteil des Klimawandels auslassen. Es ist schwer bis unmöglich, den anthropogenen Anteil zu verstehen, ohne den natürlichen Anteil mitzudiskutieren.

Im nächsten Absatz der genannten Webseite bitten Sie um Mithilfe bei der Abfassung von Artikeln. Ich möchte Ihnen meine Hilfe anbieten, insbesondere im Bereich des holozänen Paläoklimas und der natürlichen Klimazyklen. Ich würde mich über Ihre positive Rückmeldung freuen.

Mit besten Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning

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Bereits am folgenden Tag erhielten wir eine Antwort. Man würde den natürlichen Anteil des Klimawandels sehrwohl behandeln, schrieb uns der Verantwortliche des Klimawikis. Dabei verwies er auf verschiedene Artikel zur Klimageschichte und zu natürlichen Klimaschwankungen:
http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Kategorie:Klimageschichte
http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Nat%C3%BCrliche_Klimaschwankungen
http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Sonneneinstrahlung_und_Klima%C3%A4nderungen

Das Mission Statement mit ausschließlichem Fokus auf anthropogenen Klimawandel will man aber offenbar trotzdem nicht ändern. Hat dies vielleicht politische Gründe?

Auf die von uns angebotene Mitarbeit erhielten wir eine Absage. Der ‘Bildungswiki Klimawandel’ würde sich ausschließlich auf die IPCC-Sichtweise beschränken. Abweichende Sichtweisen sollte man doch gefälligst auf kaltesonne.de oder anderswo platzieren, wird angeraten. Bitter. Da wollten wir natürlich nocheinmal nachhaken:

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An: Bildungswiki Klimawandel
Von: Dr. habil. Sebastian Lüning

Gesendet: 28.9.2016

Sehr geehrter Herr [...],

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich nehme an, Sie werden das “Mission Statement” auf der Eingangsseite schnellstmöglich um die natürlichen Klimafaktoren ergänzen. Das ist ein ziemlicher no-brainer. Wir scheinen einer Meinung zu sein, dass das eine (anthropogene Klimafaktoren) nicht ohne das andere (natürliche Klimafaktoren) Sinn macht.

Die Klimawissenschaften sind ein sehr aktives Feld, und sie entwickeln sich ständig weiter. Insofern möchte ich Ihnen ans Herz legen, Ihre Seiten entsprechend aktuell zu halten. Da Sie an meiner Mitarbeit offenbar wenig Interesse haben, möchte ich Ihnen auf diesem Weg bereits zwei Punkte nennen, die Sie dringend einarbeiten sollten, da Sie ansonsten den Lehrkräften unvollständige und teilweise irreführende Informationen an die Hand geben.

1) http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Sonneneinstrahlung_und_Klima%C3%A4nderungen
Hier verwenden Sie veraltete Sonnenaktivitätskurven. Mittlerweile hat man davon Abstand genommen, nur die Sonnenflecken zu betrachten. Über Isotope ermittelte neue Total Solar Irradiance (TSI) Kurven sehen das Maximum nun am Ende des 20. Jahrhundert, zeitgleich zur stärksten Erwärmung. Sie sollten dies aus Gründen der wissenschaftlichen Transparenz Ihren Lesern nicht verschweigen. Neue Kurven hier:
http://kaltesonne.de/eine-kleine-sensation-von-der-presse-unbemerkt-sonnenaktivitat-erreichte-im-spaten-20-jahrhundert-doch-maximalwerte/

Das hat im Übrigen nichts mit Klimaskeptizismus vs. Klimaalarmismus zu tun, sondern orientiert sich an den nüchternen wissenschaftlichen Fakten.

 

2) Sie erklären, Sie folgen inhaltlich dem IPCC. Dann sollten Sie auf der Seite zur Mittelalterlichen Wärmeperiode auch nicht verschweigen, dass die gängigen Klimamodelle laut IPCC-Bericht AR5 die paläoklimatologisch belegte Mittelalterliche Wärmeperiode nicht reproduzieren können. Das steht schwarz auf weiß im AR5. Insofern sind die Modelle explizit laut AR5 im Hindcast gescheitert, dieselben Modelle, die dann für Vorwärtsmodellierungen verwendet werden. Zitat aus AR5, Working Group 1, chapter 5.3.5.:

The reconstructed temperature differences between MCA and LIA […] indicate higher medieval temperatures over the NH continents […]. . The reconstructed MCA warming is higher than in the simulations, even for stronger TSI changes and individual simulations […] The enhanced gradients are not reproduced by model simulations … and are not robust when considering the reconstruction uncertainties and the limited proxy records in these tropical ocean regions […]. This precludes an assessment of the role of external forcing and/or internal variability in these reconstructed patterns.

Da wir offenbar nicht direkt zusammen auf Ihrer Webseite zusammenarbeiten können, greife ich Ihren Vorschlag gerne auf, Ihre Seiten auf www.kaltesonne.de zu kommentieren. Vielleicht können wir auf diese Weise Ihr Webangebot aktuell halten und inhaltlich weiter verbessern.

Mit besten Grüßen

Sebastian Lüning

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Wiederum ließ die Antwort nicht lange auf sich warten. In einem knappen Zweizeiler wünschte man sich, dass wir uns im Kaltesonne-Blog nicht mit den Klimawiki-Seiten beschäftigen. Sollen wir den Wunsch respektieren? Schreiben Sie uns.

 

Deutsche Bundesregierung antwortet auf kleine Anfrage zum Klimawandel mit großer Antwort in doktorarbeitsverdächtiger Länge

Trotz aller Befürchtungen vor einem Hitzekollaps ist die Erwärmung in Deutschland seit 15 Jahren ins Stocken geraten. Der berühmte Hiatus lässt grüßen. Dies hielt die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen nicht davon ab, eine sorgenvolle Kleine Anfrage zu möglichen klimawandelbedingten Risiken in naher (bis 2050) und ferner Zukunft (bis 2100) einzureichen. Staatssekretär Matthias Machnig beantwortete am 22. Juli 2016 die Fragen im Auftrag der Bundesregierung in einem 18-seitigen Papier, dessen pdf hier verfügbar ist.

Die Bundesregierung sieht es als wahrscheinlich an, dass Deutschland in zunehmen-dem Maße verwundbar gegenüber indirekten Folgen des Klimawandels in anderen Teilen der Welt werden wird. Durch einen immer intensiveren internationalen Handel zwischen den Weltregionen werden Klimafolgen im Ausland auch für die inländische Wirtschaft an Bedeutung gewinnen. Dies gilt gerade für Deutschland mit seinen umfassenden Handelsbeziehungen, einer ausgeprägten globalen Arbeitsteilung industrieller Fertigungsprozesse und einer hohen Bedeutung von Importen (insbesondere von Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Vorprodukten) und Exporten (insbesondere von Kraftfahrzeugen, Maschinen und Anlagen und chemischen Erzeugnissen).

Die Antwort stützt sich auf altbekannte klimaalarmistische Szenarien, die aus wissenschaftlicher Sicht höchstfragwürdig sind. Durch den Klimawandel soll es zu Straßenunterspülungen und Grundwasserproblemen kommen. Hier eine weitere Beispielsstelle aus dem Text:

Obwohl die Effekte des Klimawandels auf den Außenhandel schwierig zu quantifizieren sind und sich durch den Klimawandel auch neue Absatzmärkte und damit neue unternehmerische Chancen ergeben werden, können sich die Auswirkungen des Klimawandels auf andere Weltregionen auch für Deutschland zu einem relevanten Risiko entwickeln. Hinzu kommen weitere klimawandelbedingt veränderte Faktoren, die sich mittel- bis langfristig in einer zunehmenden Migration, veränderten grenzüberschreitenden Investitionen und Einflüssen auf die internationale Sicherheitslage auswirken können.

Insgesamt scheint die Bundesregierung nur auf die Gelegenheit gewartet zu haben, den Klimawandel mit allem und jedem zu verknüpfen. Gefahr des Klimawandels für die Stabilität von Klohäuschen, Einfluss von Hitzewellen auf die Herstellung von Vanilleeis, etc. etc. Hier hat sich eine Gruppe von Menschen in ein abstraktes Zukunfts-Thema verliebt. Weshalb verwenden wir unsere kostbare Zeit nicht auf die Lösung realer Probleme aus dem Hier und Jetzt? Wie können wir in Syrien Frieden schaffen? Kindersoldaten im Congo, verseuchtes Trinkwasser in südamerikanischen Slums, Massen-Migration. Die Verliebtheit in das CO2-Thema ist ethisch schwer erträglich, wenn man die wahren Krisenherde der Heutezeit betrachtet.

Bedenklich ist auch die Verbandelung mit der Versicherungsindustrie. Dankbar griff man das Papier der Bundesregierung auf und warb mit Hinweis auf das Klimadrohgebäude im brancheneigenen VersicherungsJournal kurz darauf neue Kunden. Eine erschreckende Zusammenarbeit zwischen eng verflochtenen Klimaalarminstituten, Bundesregierung und Versicherungsindustrie. Merkel wird von PIK-Chef Schellnhuber beraten, dessen Institut enge Beziehungen zur Münchener Rück unterhält. Kritische Nachfragen unerwünscht.

Auch die Linksfraktion beschäftigt sich lieber mit dem Klimawandel als mit realen Problemen. Sie fragte die Bundesregierung, ob sie einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration im Nahen Osten und in Nordafrika sähe. In ihrer Antwort bekleckern sich unsere Führer in Berlin einmal mehr nicht mit Ruhm. Das Neue Deutschland fasst zusammen:

Fluchtgrund Klimawandel: Im Prinzip ja, aber …
Die Bundesregierung nimmt Stellung zu Konflikten, die auch durch Umwelteinflüsse ausgelöst wurden

Die Bundesregierung sieht den globalen Klimawandel als eine Fluchtursache an. Au weia. Die Antwort vom 20. Juni 2016 ist in einem Schriftsatz von 152 Seiten (!) festgehalten. Pdf hier. Detailverliebt kümmert man sich um die Linkenanfrage. Wieviel Zeit und Geld hat die Beantwortung dieser Anfrage wohl gekostet? Zum Schmunzeln:

LINKE: 23. Welche Stellen in der Bundeswehr, Bundesgrenzschutz und im Bundesnachrichtendienst beschäftigen sich seit dem Jahr 2007 zuständigkeitshalber schwerpunktmäßig mit dem Zusammenhang von Klimawandel und Sicherheit (bitte nach Institution, Anzahl der Personalstellen sowie Mitteleinsatz auflisten)?

BUNDESREGIERUNG: Es gibt keine Stellen in der Bundeswehr und beim Bundesgrenzschutz, deren Arbeitsschwerpunkt auf dem Zusammenhang von Klimawandel und Migration liegt. Bezüglich des Bundesnachrichtendienstes (BND) sind die erbetenen Auskünfte einer Beantwortung in offener Form nicht zugänglich. Sie enthalten unter dem Aspekt des Staatswohls schutzbedürftige Informationen, die im Zusammenhang mit dem Auftragsprofil der Bundesregierung (VS-Geheim) und den sich daraus ergebenden nachrichtendienstlichen Aufklärungsaktivitäten stehen. Aus ihrem Bekanntwerden können Rückschlüsse auf Auftrag, Arbeitsmethoden und Vorgehensweise des BND im Rahmen der Aufgabenwahrnehmung gezogen werden. Folge einer offenen Bekanntgabe solcher Informationen wäre eine wesentliche Schwächung des dem BND zur Verfügung stehenden Aktionsradius. Dies kann für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland schädlich sein. Deshalb sind die entsprechenden Informationen als Verschlusssache gemäß der VSA mit dem VS-Grad „VS-Geheim“* eingestuft.

Die Linkenfraktion forderte außerdem eine detaillierte Aufstellung zu Klimaschäden in einer Reihe von Ländern aus Nordafrika und dem Mittleren Osten, darunter Mauretanien:

Mauretanien besteht zu etwa 80 Prozent aus Wüste und ist durch Temperaturanstieg, der Abnahme und gleichzeitig stärkeren Variabilität der Regenfälle sowie einer Zunahme von Extremwetterereignissen wie Dürreperioden und Starkregen einer der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten. Bereits seit der Staatsgründung 1960 haben sich die Gesellschaft und damit die Strukturen der Besiedlung und Landwirtschaft unter dem Eindruck immer wiederkehrender Trockenperioden stark verändert. Ausbleibende Regenfälle verursachten 1968 den Verlust von etwa 50 Prozent der Herden der mauretanischen Nomaden und damit eine erste Migrationswelle größerer Bevölkerungsgruppen aus dem Landesinneren in die Hauptstadt Nouakchott. Verheerende Trockenzeiten seit 1973 in den Sahel-Staaten drängten erneut Binnenmigranten an die Peripherie der Hauptstadt Nouakchott, wo 1977 über 40 Prozent der Gesamtbevölkerung lebten.

Der bereits angestiegene Meeresspiegel und der durch Sandabbau zerstörte, natürliche Dünenschutzwall erhöhen das Risiko von Überschwemmungen der Siedlungsquartiere in der Hauptstadt. Das bei Flut steigende Grundwasser und die unzulängliche wie überlastete Kanalisation sind Brutstätten für Mücken und andere Krankheitserreger. Die mit den Naturkatastrophen einhergehenden massiven Migrationsbewegungen in die städtischen Zentren und den Süden des Landes haben bereits in der Vergangenheit zu gesellschaftlichen Verwerfungen und Konflikten geführt und dürften sich im Zuge des Klimawandels verschärfen.

Ehemals fruchtbare Oasen wie Chinguetti und Oualata im Norden des Landes sind heute versandet. Die Nord-Süd-Wanderungsbewegung führte zur Konkurrenz zwischen ansässigen Bauern und nomadisierenden Viehzüchtern, so dass sich Spannungen und Konflikte um die knapper werdenden Ressourcen nutzbares Land und Wasser zuspitzten. Für Mauretanien ist ein optimiertes Wassermanagement maßgeblich, um sich auf die klimatischen Veränderungen einzustellen. Die Regierung plant im Küstenbereich den Wiederaufbau der Dünen, um den natürlichen Hochwasserschutz angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Meeresspiegels wieder herzustellen.

Der Text strotzt nur so von Irreführungen, Fehlinformationen und Auslassungen. Temperaturanstieg in den letzten 100 Jahren, richtig. Aber kein Wort über die Klimageschichte. Während der Mittelalterlichen Wärmeperiode vor 1000 Jahren war es schon einmal so warm wie heute. Hier zwei Bohrungen an der mauretanischen Küste. Zunächst Bohrkern ODP well 658C, off Cap Blanc, deMenocal et al. 2000 (rechte Kurve in folgender Abbildung):

 

Etwas südlicher GeoB 9501 (Kuhnert & Mulitza 2011). Kurve der Meeresoberflächentemperatur ganz oben, rot mit grauem Fehlerbalken:

 

Steigende Probleme mit den Regenfällen? Komplett falsch. Das Gegenteil ist der Fall:

Peinlich. Abschließend noch die erwähnte Oase Chinguetti. Sie liegt im Bereich von Wanderdünen. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass es den Ort einmal erwischt und er von einer Düne überrollt wird. Eine Folge des Klimawandels? Nein. Desertifizierung ist ein Prozess, der in Chinguetti seit Jahrhunderten andauert.

 

Was kümmern mich die Daten? Meeresspiegelanstieg hat sich angeblich beschleunigt, obwohl er sich gar nicht beschleunigt hat

Der Meeresspiegel steigt – seit 10.000 Jahren. Daran ist nicht zu rütteln. Seit etwa hundert Jahren gibt es Küstenpegelmessungen. Sie zeigen einen schwachen Anstieg während der Kleinen Eiszeit, der sich im Übergang zur Modernen Wärmephase dann beschleunigte. Seit etwa 1940 ist der Anstieg konstant geblieben, eine Beschleunigung ist nicht festzustellen.

Seit 1993 wird der Meeresspiegel auch von Satelliten vermessen. Auch hier das gleiche Phänomen: Ein konstanter Anstieg von 3 mm pro Jahr. In hundert Jahren ergäbe dies beherrschbare 30 cm Meeresspiegelanstieg. Dies ärgert die Anhänger des Klimakatastrophismus, denn sie prognostizieren eine starke Beschleunigung des Anstiegs und einen Anstieg um 70 oder 100 cm bis 2100. Ole Humlum hat in seinem August 2016-Klimanewsletter die Daten der University of Colorado zusammengestellt:

Abbildung 1: Globaler Meeresspiegelanstieg. Daten : University of Colorado. Graphik: Climate4you.

 

Eine peinliche Situation. Weshalb will sich der Anstieg des Meeresspiegel einfach nicht beschleunigen? Wieso hält er sich nicht an die Alarm-Modelle? Das Gremium “National Center for Atmospheric Research/University Corporation for Atmospheric Research” zeigte sich jetzt erfinderisch und pinselte ein Paper zusammen, in dem der Ausbruch des Pinatubo-Vulkans für die fehlende Beschleunigung verantwortlich gemacht wird. Hochkurios. Ähnlich wie bei der fehlenden Erwärmung der letzten 18 Jahre wurde kurzerhand ein Buhmann ernannt. Die Nachricht an die Öffentlichkeit: Die Klimamodelle sind alle richtig, auch wenn sie die Realität nicht vorhersehen konnten. Mit ein paar Repair-Patches wird die Bevölkerung beruhigt. Machen Sie sich keine Sorgen, die Katastrophe ist im Anflug, auch wenn es gerade überhaupt nicht danach aussieht.

Lust auf Grusel? Hier die NCAR/UCAR-Pressemitteilung vom 10. August 2016 in voller Länge:

Climate change already accelerating sea level rise, study finds
Pinatubo eruption masked acceleration in satellite record

Greenhouse gases are already having an accelerating effect on sea level rise, but the impact has so far been masked by the cataclysmic 1991 eruption of Mount Pinatubo in the Philippines, according to a new study led by the National Center for Atmospheric Research (NCAR).

Satellite observations, which began in 1993, indicate that the rate of sea level rise has held fairly steady at about 3 millimeters per year. But the expected acceleration due to climate change is likely hidden in the satellite record because of a happenstance of timing: The record began soon after the Pinatubo eruption, which temporarily cooled the planet, causing sea levels to drop.

The new study finds that the lower starting point effectively distorts the calculation of sea level rise acceleration for the last couple of decades. The study lends support to climate model projections, which show the rate of sea level rise escalating over time as the climate warms. The findings were published today in the open-access Nature journal Scientific Reports. “When we used climate model runs designed to remove the effect of the Pinatubo eruption, we saw the rate of sea level rise accelerating in our simulations,” said NCAR scientist John Fasullo, who led the study. “Now that the impacts of Pinatubo have faded, this acceleration should become evident in the satellite measurements in the coming decade, barring another major volcanic eruption.” (weiterlesen …)

Britisches Met Office: Veränderte globale Landnutzung ist ein viel stärkerer Klimatreiber als lange angenommen

Interessantes Thema am 8. August 2016 im Deutschlandfunk:

Weltklimaberichte: Einfluss von Regierungsvertretern untersucht

Der Weltklimarat IPCC hat bereits zum fünften Mal einen Sachstandsbericht veröffentlicht. Immer wieder werden Anschuldigungen laut, dass der Report vor der Veröffentlichung von Regierungen verwässert wurde. Ein aktuelle Studie ist diesen Vorwürfen nachgegangen.

[...] Doch wenn die Forscher ihre Texte überarbeiten, weil ein Staat X oder Y Einwände gegen diese oder jene Stelle hat – fallen dann unbequeme Befunde unter den Tisch? Verwässern die Korrekturen am Ende die Welt-Klimaberichte? Solche Stimmen hört man nach jedem Report. 

Die neue Studie kommt zu anderen Schlüssen. Das Autoren-Team analysierte die letzten acht Kurzfassungen aus der Feder des IPCC. Alle von ihnen wurden durch die Schlussrunde mit den Regierungen deutlich länger, um bis zu 50 Prozent. Die Texte enthielten am Ende mehr anschauliche Beispiele und wurden dadurch auch verständlicher, so Katherine Mach:

“Wir haben herausgefunden: Die beteiligten Forscher sind wirklich gut darin, den Wissensstand zum Klimawandel darzulegen. Erst durch die  Abstimmung mit den Regierungen gehen die Texte am Ende auch stärker darauf ein, welche Bedeutung das für die Gesellschaft hat.”

Ganzen Beitrag beim Deutschlandfunk lesen.

Die wirklich wichtige Frage untersuchte die Studie jedoch nicht. Inwieweit ist der IPCC von Vertretern der Umweltaktivistenverbände unterlaufen? Bereits vor einigen Jahren war ans Licht gekommen, dass sich WWF & Co. weitflächig in die Autorenschaft hineingemogelt haben. Die schwerwiegendsten Veränderungen geschehen daher bereits lange bevor Regierungsvertreter in der letzten Phase dazukommen. Die Beteiligung der Aktivisten an den IPCC-Studien ist ungeheuerlich, wenn man bedenkt, dass es sich hier eigentlich um eine unabhängige wissenschaftliche Zusammenfassung handeln sollte.

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Die veränderte anthropogene Landnutzung ist ein wichtiger Klimafaktor, der lange Zeit unterschätzt wurde. Dies bestätigte eine neue Modell-basierte Publikation von Timothy Andrew und Kollegen, die im August 2016 in Climate Dynamics herauskam.

Effective radiative forcing from historical land use change
The effective radiative forcing (ERF) from the biogeophysical effects of historical land use change is quantified using the atmospheric component of the Met Office Hadley Centre Earth System model HadGEM2-ES. The global ERF at 2005 relative to 1860 (1700) is −0.4 (−0.5) Wm−2, making it the fourth most important anthropogenic driver of climate change over the historical period (1860–2005) in this model and larger than most other published values. The land use ERF is found to be dominated by increases in the land surface albedo, particularly in North America and Eurasia, and occurs most strongly in the northern hemisphere winter and spring when the effect of unmasking underlying snow, as well as increasing the amount of snow, is at its largest. Increased bare soil fraction enhances the seasonal cycle of atmospheric dust and further enhances the ERF. Clouds are shown to substantially mask the radiative effect of changes in the underlying surface albedo. Coupled atmosphere–ocean simulations forced only with time-varying historical land use change shows substantial global cooling (dT = −0.35 K by 2005) and the climate resistance (ERF/dT = 1.2 Wm−2 K−1) is consistent with the response of the model to increases in CO2 alone. The regional variation in land surface temperature change, in both fixed-SST and coupled atmosphere–ocean simulations, is found to be well correlated with the spatial pattern of the forced change in surface albedo. The forcing-response concept is found to work well for historical land use forcing—at least in our model and when the forcing is quantified by ERF. Our results suggest that land-use changes over the past century may represent a more important driver of historical climate change then previously recognised and an underappreciated source of uncertainty in global forcings and temperature trends over the historical period.

Wieder stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich, wenn ein bestimmter Klimafaktor an Bedeutung und Klimakraft gewinnt? Zuletzt geschah dies vor einigen Jahren beim Ruß, der das Klima viel stärker erwärmt, als lange angenommen. Ein anderer Klimafaktor müsste dann doch eigentlich schwächer werden, z.B. CO2. Das Verrückte: Alles blieb beim Alten. Die Überschusswärme wurde einfach durch eine fiktive zusätzliche Abkühlung durch Schwefeldioxid ausgeglichen. Eine schlimme Buchhalter-Trickserei. Ob man sich das Gleiche jetzt auch bei der veränderten Landnutzung traut?

 

 

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Veganer schädigen das Klima. Durch ihre Extra-Nichtwurst wird kostbares Ackerland verschwendet, das im Normalfall viel mehr Menschen ernähren könnte als bei der Produktion von Vegankost. Die New York Post berichtete am 4. August 2016 über eine neue Studie:

Selfish vegans are ruining the environment
[...] Considering 10 different kinds of diet patterns, the study concluded that veganism rated only in the middle of the pack, as the fifth-most sustainable. Two kinds of omnivore scenarios did better, as did “dairy-friendly vegetarian,” which came in first, and “egg-and-dairy-friendly vegetarian,” which placed second. As for the omnivores, the highest-rated (third overall) in terms of sustainability was the scenario in which nobody is a vegetarian, but everybody cuts back on meat modestly (13 percent). Red meat, poultry and fish would continue to be the leading protein sources, as they are now.

Ganzen Beitrag in der New York Post lesen.

 

Steigender CO2-Gehalt erhöht weltweit landwirtschaftliche Erträge

Kürzlich haben wir an dieser Stelle über die erhöhte Effizienz der Wassernutzung von Pflanzen als Folge eines  erhöhten CO2-Gehaltes der Luft berichtet. Für die Ernährung einer steigenden Weltbevölkerung (derzeit 7.4 Mrd., jährlicher Zuwachs 80 Mio.) ist der landwirtschaftliche Ertrag unserer Kulturpflanzen wichtiger, die effizientere Wassernutzung kann ein Hilfsmittel zu diesem Ziel sein.

Im April 2016 hat nun Bruce A. Kimbal (Phoenix,USA) in der Zeitschrift „Current Opinion in Plant Biology“ die weltweiten Forschungsresultate der letzten ca. 30 Jahre zu Versuchen mit erhöhtem CO2-Gehalt der Luft zusammengefasst. Kimbal wertet dabei nur Versuche aus, die mit der sogenannten „Free-air  CO2 enrichment -“ Methode (FACE,CO2 Anreicherung unter Freiland-Bedingungen) erarbeitet wurden. Diese Methode wurde erstmals in den späten 1980er Jahren entwickelt: Die Testpflanzen werden nicht in Kammern, Gewächshäusern oder Küvetten mit der erwünschten CO2-Konzentration versorgt, sondern CO2 wird unter Freilandbedingungen (meist vom Boden her) in die Pflanzenbestände eingeführt. Mit dieser Freiland-Methode bleiben alle anderen Umweltparameter (Temperatur, Lichtquantität und -qualität, Windbewegung, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit) unverändert.

Ende der 1980er Jahre betrug der CO2-Gehalt der Umgebungsluft 350 ppm, in den ausgewerteten Versuchen wird normalerweise ein um 200 ppm auf 550 ppm erhöhter CO2-Gehalt der Luft eingesetzt, falls andere Konzentrationen eingesetzt wurden, so „normiert“ der Autor die Resultate auf 550 ppm (zulässig, da Abhängigkeit des Ertrages von CO2 zwischen 300 ppm und 1000 ppm linear ist). Insgesamt kann der Autor 244 Beobachtungen in ca. 20 Kulturpflanzen-Arten auswerten mit folgenden Ergebnissen:

Die Erhöhung des CO2-Gehaltes der Luft von 350 ppm auf ca. 550 ppm führt zu folgenden Ertragserhöhungen:

  • Ertragssteigerung 30 und mehr Prozent: Baumwolle, Kassava (Maniok), Hybrid- Reissorten,
  • Ertragssteigerung 15-30 Prozent: Weizen, Gerste, konventionelle Reissorten, Sojabohne, Erbse, Bohne, Erdnuss, Kartoffel, Klee, Raps, Reben
  • Ertragssteigerung 10-15 Prozent: Zuckerrübe, Kaffee, Weidelgras (als Indikatorpflanze für Grünland)
  • Besonderheit: Mais und Hirse. Diese beiden Kulturen reagieren nicht auf erhöhten CO2-Gehalt solange sie genügend Wasser zur Verfügung haben,  zeigen aber 30% Mehrertrag unter Wasserstressbedingungen. Dies ist zu erwarten für C4-Pflanzen
  • Ertragsreduktion: bei keiner Art nachweisbar

Bemerkung zu C3- und C4-Pflanzen: Wichtige C4-Kulturpflanzen sind Mais, Hirsen und Zuckerrohr, alle anderen sind C3-Pflanzen. Der derzeitige CO2-Gehalt der Luft ist für die Photosynthese suboptimal, das Optimum liegt bei etwa 1000 ppm (die Konzentration die bei der Gemüseproduktion als „CO2-Düngung“ in Gewächshäusern eingesetzt wird). Im Gegensatz zu den C3-Pflanzen (ca. 2 Mrd.Jahre alt), die abhängig sind von der gegebenen CO2-Konzentration haben die evolutionsbiologisch jüngeren C4-Pflanzen (ca. 30 Mio. Jahre alt) einen Mechanismus entwickelt um den Minimumfaktor CO2 zu erhöhen: sie sind auf Grund veränderter Anatomie und Biochemie in der Lage CO2 innerhalb des Blattes 3-5-fach anzureichern, sie optimieren den CO2-Gehalt. Dies ist der Grund, warum die C4-Pflanzen (Mais, Hirse) nicht positive auf eine CO2 Erhöhung um 200 ppm reagieren solange kein Wasserstress besteht.

Neben dem Endertrag in Form von Samen oder Früchten  analysiert der Autor auch die „vorgeschalteten Prozesse“ die zu dieser Ertragserhöhung führen:

  • Die grüne Biomasse (Spross und Blätter) wird in ähnlichem Ausmass wie der Ertrag um ca. 20 Prozent erhöht (wichtig für Futterpflanzen und Gemüse)
  • Der Wasserbedarf wird durch den erhöhten CO2-Gehalt um ca.10 Prozent reduziert

Zusammenfassung: Die Erhöhung des CO2-Gehaltes der Luft von 350 ppm auf ca. 550 ppm führt zu einem Mehrertrag von ca. 20 Prozent bei den wichtigsten Kulturpflanzen. Da der CO2-Gehalt seit der vorindustriellen Zeit um ca. 100 ppm (von 300 auf 400 ) angestiegen ist, kann der dadurch bisher bedingte Mehrertrag unserer Kulturpflanzen auf ca. 10 Prozent geschätzt werden.

 

Originalveröffentlichung: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1369526616300334

 

 

Klimaerwärmung senkt Denguefieber-Risiko in Nordost-Australien

Der fortschreitende Klimawandel bringt immer mehr Tropenkrankheiten nach Europa. So lautete die Warnung der Experten noch vor zehn Jahren. Mittlerweile sieht man dies jedoch deutlich differenzierter. Die Australian National University gab am 10. August 2016 per Pressemitteilung bekannt, dass ein wärmeres Klima wohl eher zu einem Rückgang der Denguefiebergefahr in vielen Gebieten führen wird, darunter Nordost-Australien:

Warmer climate could lower dengue risk

Health researchers predict that the transmission of dengue could decrease in a future warmer climate, countering previous projections that climate change would cause the potentially lethal virus to spread more easily.

Hundreds of millions of people are infected with dengue each year, with some children dying in severe cases, and this research helps to address this significant global health problem. Co-lead researcher Associate Professor David Harley from The Australian National University (ANU) said that dengue risk might decrease in the wet tropics of northeast Australia under a high-emissions scenario in 2050, due to mosquito breeding sites becoming drier and less favourable to their survival. “While climate change generally poses a major threat to humanity, it also may reduce the incidence of dengue in some areas,” said Dr Harley, an epidemiology researcher at the ANU Research School of Population Health and ANU Medical School.

The findings are also relevant to other mosquito-borne viruses including Zika because the mosquitoes that carry dengue also transmit the Zika virus. “There is significant concern in countries on the margin of the tropical areas where dengue is mainly found, that with global warming dengue and other mosquito-borne viruses such as Zika will encroach and become common,” Dr Harley said. “Previous projections have suggested that climate change will increase transmission of mosquito-borne diseases globally.  “Our work, using a mathematical model based on Queensland conditions, suggests that dengue transmission might decrease with greater warming.”

Dr Harley said the research findings did not suggest authorities could be complacent about climate change’s effect on people’s health. “Generally, health and other impacts of climate warming will be negative in Australia and elsewhere in the world,” he said. “While we could see some reduction in dengue in Far North Queensland in a future warmer climate, the disease is widespread elsewhere in the world where outcomes would be different.”  This study was funded by the National Health and Medical Research Council of Australia, and involved ANU, University of South Australia, James Cook University and Australian Red Cross Blood Service. It is published in the latest issue of Epidemiology and Infection.

Wie nahm die deutschsprachige Presse diese gute Nachricht auf? Gar nicht. Denn sie blieb einfach mausestumm. Eine weiterer Fall von Schweigem im Walde (“Unbequeme wissenschaftliche Resultate, die von der deutschsprachigen Presse bzw. Medien totgeschwiegen werden, da sie nicht der im Mainstream-Journlismus fest etablierten Klima-Alarmismus-Storyline entsprechen”).

Diesmal war es aber noch schlimmer. Die Studie wurde nicht nur verschwiegen, sondern es wurden stattdessen Artikel verbreitet, in denen vor einer Klimawandel-bedingten Ausbreitung des Denguefiebers in Europa gewarnt wird. So konnte man einen Monat nach der australischen Pressemitteilung in der Frankfurter Rundschau am 11. September 2016 lesen:

Die Klimaveränderungen lassen einige dieser Arten weiter nach Norden ziehen. Ich sehe hier nicht so sehr die Gefahr, dass die Malaria wieder nach Europa kommen könnte, sondern denke eher an Erkrankungen wie das Dengue-Fieber, Zika oder das Chikungunya-Fieber.

Zuvor konnte man sich am 26. August 2016 über den Deutschlandfunk wundern:

“Die Tigermücke ist einfach ein potenter Krankheitsüberträger für bestimmte, vor allem virale Erkrankungen. Dazu zählen Chikungunyafieber, Denguefieber, West-Nil-Fieber, und es gibt Hinweise, dass auch das Zika-Virus durch diese Mücke übertragen werden kann.” Und der Klimawandel sorgt dafür, dass die Mücke an immer mehr Stellen geeignete Lebensbedingungen findet. So wie in den vergangenen Jahren in Freiburg.

Wird es in Deutschland feuchter oder trockener? Vielleicht sollten sich die deutschen Experten einmal mit den australischen Forschern austauschen und mögliche Diskrepanzen in der Gefahren-Interpretation diskutieren.

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Spektrum der Wissenschaft nannte am 10. August 2016 Vor- und Nachteile des Kimawandels für Grönland. Ein ausgewogener, lesenswerter Beitrag. Weiter so.

 

 

 

Schimmlige Schummel-Orgel ist kein Klimaopfer

Klimaalarm am 12. August 2016 in der Nordwest Zeitung (NWZ):

Klimawandel macht Orgel zu schaffen
Durch immer feuchtere Luft sind die alten Musikinstrumente häufig von Schimmel befallen. [...] Die Orgel in Elsfleth wird in diesem Jahr 180 Jahre alt. Das imposante Musikinstrument wurde 1836 von dem Orgelbaumeister Johann Gerhard Schmid aus Oldenburg gebaut, sagt Orgelbaumeister ter Haseborg. [...] „Die Orgel ist akut von Schimmelpilz befallen“, sagt er. Das komme jedoch in vielen Kirchen vor, weiß der Experte. „Das Klima wird immer feuchter, dann bildet sich Schimmel in den Pfeifen.“

Bereits 2014 hatten wir das Klima-Orgelthema hier im Blog (“Bremer Weser Kurier ist sich ganz sicher: “Klimawandel schädigt Kirchenorgel”), wobei allerdings die harten Daten (am Beispiel Braunschweig) eher eine Abnahme der Luftfeuchtigkeit in Norddeutschland anzeigten. Der Weser Kurier schwieg damals beharrlich, als wir ihn zur Rede stellten. Ob die NWZ kommunikativer ist? Wir haben die Autorin des aktuellen Artikels angeschrieben und erhielten prompt eine freundliche Antwort, in der sich die Redakteurin für den Hinweis bedankte.

Hier einige weitere Kurven zur Entwicklung der relativen Luftfeuchtigkeit. Zunächst Beispiel Bremen. Auf der Webseite des norddeutschen Klimamonitors werden wir fündig. Dort heißt es:

Innerhalb der letzten 32 Jahre (1979-2010) zeigen die Messsungen an der Station Bremen eine Abnahme der relativen Luftfeuchte im Jahr von -1.3 %.

Abbildung 1: Entwicklung der relativen Luftfeuchtigkeit in Bremen. Quelle: Norddeutscher Klimamonitor.

 

Sehr aufschlussreich auch das Beispiel Hamburg-Neuwiedenthal:

Innerhalb der letzten 48 Jahre (1963-2010) zeigen die Messsungen an der Station Hamburg-Neuwiedenthal eine Abnahme der relativen Luftfeuchte im Jahr von -3.5 %.

Abbildung 2: Entwicklung der relativen Luftfeuchtigkeit in Hamburg-Neuwiedenthal. Quelle: Norddeutscher Klimamonitor.

 

Was steckt nun wirklich hinter dem Schimmel? Es könnte durchaus sein, dass der erhöhte Schimmelbefall bei Orgeln vor allem mit einer gestiegenen Innen-Luftfeuchtigkeit zusammenhängt, ausgelöst durch ungesunden “Dämm- und Energiesparwahn”, also zuviel Gebäudeisolation und zu wenig Heizung.

Unser Leser Michael Schult kommentiert den Fall wie folgt:

Den zunehmenden Schimmel an Orgeln mit der Klimaänderung in Verbindung zu bringen, ist natürlich Unsinn. Es ist aber fachlich auch nicht korrekt, die fallende relative Feuchte der Aussenluft als Gegenargument heranzuziehen. Entscheidend für den Schimmel ist die Konditionierung der Luft nahe dem Orgelholz. In diesem Link ist das gut dargestelt.

Hilfreich ist auch das HX-Diagramm. Hier ist sehr gut zu sehen, dass bei konstanter absoluter Feuchte (Wassergehalt der Luft) die relative Feuchte mit fallender Temperatur zunimmt. Tödlich für Orgeln sind, vereinfacht gesehen, die so beliebten winterlichen Veranstaltungen in nur kurz geheizten Kirchen. Hier steigt der Wassergehalt der Luft enorm an (Wasser in warmer Atemluft) der sich dann an den kalten Oberflächen der Orgeln als freies Wasser niederschlägt. Ungenutzte, ungeheizte und nicht luftdicht verschlossene Kirchen haben nur ein sehr geringes Schimmelproblem.

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Kalifornien möchte den Methanausstoß von Kühen drosseln. Die Farmer sind entsetzt. Kühe müssen rülpsen und pupsen dürfen, weil sie ansonsten explodieren würden! Nachzulesen am 10. August 2016 im Guardian:

“By nature’s design, (cows) pass lots of gas. Quite frankly, we want them to expel gas so they don’t explode.”

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Im Januar 2015 hatten wir an dieser Stelle über die ZDF-Doku „Klima macht Geschichte“ berichtet. Dieses Video hat jetzt einen kleinen Bruder bekommen und zwar beim ORF. Bemerkenswert ist, dass der Text in der österreichischen Version an einigen Stellen leicht verändert wurde. Vergleichen Sie z.B. die Eingangs-Passage beim ursprüngliches Video des ZDF (ab Sekunde 53) mit der ORF-Version (ab Sekunde 56). Günstiges Klima erzeugt Wohlstand, kaltes ungünstiges Klima brachte stets Krankheit und Verderben.

 

Mongolischer Klimaalarm entpuppt sich als pure Erfindung: Kältewellen sind in den letzten 60 Jahren nicht häufiger geworden

Klimaalarm in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am 12. August 2016:

Die Mongolei und der Klimawandel: Letzte Ausfahrt Ulaanbaatar
Jeder zweite der drei Millionen Mongolen lebt bereits in Ulaanbaatar – bei steigender Tendenz. In dem riesigen Land schlägt der Klimawandel gnadenlos zu. Die Nomaden mit ihren Tieren trifft es hart.

Wie genau gestaltet sich der Klimawandel in der Mongolei, der die Mongolen laut NZZ zu Alkoholikern macht? Der Autor erklärt:

In der Mongolei schlägt der Klimawandel mit voller Wucht zu. Seit 1940 ist die durchschnittliche Temperatur in der Mongolei um 2,14 Grad Celsius gestiegen – mit wärmeren Sommer- und kälteren Wintermonaten. Die Nomaden mit ihren Tieren sind die ersten Opfer. Ist der bereits kurze Sommer jedoch zu trocken, kann sich das Vieh wegen der geringen Vegetation kein Polster für den Winter zulegen. Von November bis April ist es in der jüngeren Vergangenheit jedoch noch kälter als sonst geworden, und es hat so viel geschneit, dass die bereits geschwächten Tiere keine Nahrung mehr fanden. Sie starben wie Fliegen. In der Mongolei wird das Wetterphänomen «Dzud» genannt. [...] Zumindest eine gute Nachricht gibt es in diesem Jahr jedoch: Der Sommer war bisher regenreich. Die Tiere können sich nun ein Polster für den Winter zulegen. Die guten Witterungsbedingungen gewähren der Landflucht in der Mongolei jedoch nur einen Aufschub. Die Entwicklung ist nicht zu stoppen.

Wir schreiten zur Prüfung.

1. Ungewöhnliche Erwärmung im 20. Jahrhundert?

Wir prüfen die GISS-Daten im Webtool des New Scientist (Abb. 1). Mitte der 1980erJahre stieg die Temperatur steil an, fiel dann aber um 2010 wieder ab. Ob hier ein Ozeanzyklus die Finger mit im Spiel hat? Die Daten enden um 2013, als der New Scientist das Tool einstellte (weshalb eigentlich?). Ein Blick in die aktuellen Stationsdaten in der Mongolei zeigt: Seit 1998 ist es dort nicht mehr wärmer geworden. Der berühmte Erwärmungs-Hiatus also auch hier.

Abb. 1: Temperaturentwicklung der Mongolei laut GISS.

 

Ist die Erwärmung im späten 20. Jahrhundert etwas noch nie Dagewesenes? Der Blick in die Klimageschichte bringt Aufklärung. Bereits um 1000 n. Chr., zu Beginn desr Mittelalterlichen Wärmeperiode, gab es eine starke Erwärmung, die sogar noch schneller ablief als in der aktuellen Erwärmungsphase. Hier eine Temperaturrekonstruktion von Davi et al. 2015 für die zentrale Nord-Mongolei (Abb. 2):

 

Abbildung 2: Temperaturrekonstruktin von Davi et al. 2015 für die zentrale Nord-Mongolei.

 

2. Kalte Winter als Folge der globalen Erwärmung?

Die Sommertemperaturen scheinen aber gar nicht das Problem darzustellen. Die kalten Winter töten. Sind sie wirklich eine Folge der globalen Erwärmung? Intuitiv will das nicht zusammenpassen. Wir schauen in der Fachliteratur nach. Journalisten tun so etwas offenbar nicht, behaupten einfach etwas, weil sie es irgendwo einmal aufgeschnappt haben. Mit drei Stichworten werden wir sofort fündig. Eine Forscherguppe um Xianfeng Liu hat das Thema professionell untersucht und im März 2015 im Journal of Geographical Sciences die Ergebnisse veröffentlicht. Das überraschende Resultat: Die Kältewellen (“Dzuds”) sind in den letzten 50 Jahren seltener (nicht häufiger) geworden. Die Forscher fanden zudem, dass die Häufigekeit der Kältewellen eng an die Entwicklung der Ozeanzyklen gekoppelt ist. Hier der Abstract:

Spatiotemporal changes of cold surges in Inner Mongolia between 1960 and 2012
In this study, we analyzed the spatiotemporal variation of cold surges in Inner Mongolia between 1960 and 2012 and their possible driving factors using daily minimum temperature data from 121 meteorological stations in Inner Mongolia and the surrounding areas. These data were analyzed utilizing a piecewise regression model, a Sen+Mann-Kendall model, and a correlation analysis. Results demonstrated that (1) the frequency of single-station cold surges decreased in Inner Mongolia during the study period, with a linear tendency of −0.5 times/10a (−2.4 to 1.2 times/10a). Prior to 1991, a significant decreasing trend of −1.1 times/10a (−3.3 to 2.5 times/10a) was detected, while an increasing trend of 0.45 times/10a (−4.4 to 4.2 times/10a) was found after 1991. On a seasonal scale, the trend in spring cold surges was consistent with annual values, and the most obvious change in cold surges occurred during spring. Monthly cold surge frequency displayed a bimodal structure, and November witnessed the highest incidence of cold surge. (2) Spatially, the high incidence of cold surge is mainly observed in the northern and central parts of Inner Mongolia, with a higher occurrence observed in the northern than in the central part. Inter-decadal characteristic also revealed that high frequency and low frequency regions presented decreasing and increasing trends, respectively, between 1960 and 1990. High frequency regions expanded after the 1990s, and regions exhibiting high cold surge frequency were mainly distributed in Tulihe, Xiao’ergou, and Xi Ujimqin Banner. (3) On an annual scale, the cold surge was dominated by AO, NAO, CA, APVII, and CQ. However, seasonal differences in the driving forces of cold surges were detected. Winter cold surges were significantly correlated with AO, NAO, SHI, CA, TPI, APVII, CW, and IZ, indicating they were caused by multiple factors. Autumn cold surges were mainly affected by CA and IM, while spring cold surges were significantly correlated with CA and APVII.

 

Abbildung 3: Häufigkeit (Frequenz) von Kältewellen in der Inneren Mongolei (typische Station). Aus: Liu et al. 2015.

 

Eine weitere Publikation stammt von Rao et al. 2015 und erschien in den Environmental Research Letters. Sie trägt den Titel:

Dzuds, droughts, and livestock mortality in Mongolia

Die wichtigste Abbildung aus dem Paper zeigt die Wintertemperaturen der letzten 60 Jahre (rote Kurve) und die Sterbeziffer des Viehs (schwarze Kurve). Auch hier wird klar: Phasen mit kalten Wintern hat es auch in der Vergangenheit gegeben, sogar mehr als heute. Die besonders hohen Mortalitätsraten in jüngster Zeit müssen also andere, nichtklimatische Gründe haben. Die Autoren führen Überweidung als Mitursache auf und zeigen, dass die Zahl der gehaltenen Ziegen und Schafe in der Mongolei in den letzten 20 Jahen geradezu explodiert ist.

Abbildung 4: Wintertemperaturen (rot) und Mortalitätsrate des Viehs in der Mongolei während der vergangenen 60 Jahre. Aus: Rao et al. 2015

 

 

Landgewinn trotz Meeresspiegelanstieg: Küsten haben sich in den vergangenen 30 Jahren um 13.500 Quadratkilometer ins Meer vorgebaut

Am 25. August 2016 gab es in Nature Climate Change ein kleines Wunder zu bestaunen. Eine Forschergruppe um Gennadii Donchyts vom niederländischen Deltares Research Institute veröffentlichte eine Statistik zu Landgewinnen und -verlusten in den Küstenzonen der Erde. Angesichts des steigenden Meeresspiegels war ein gewisser Landverlust zu erwarten. Umso größer die Überraschung, als nun die offiziellen Zahlen präsentiert wurden: Die Küstenzonen sind nicht etwa geschrumpft, sondern es wurden in den vergangenen 30 Jahren sogar 13,565 km2 neu geschaffen. Eine echte Sensation. Die deutsche Presse zog es allerdings leider vor, dazu zu schweigen. Unbequeme Daten, die man der Bevölkerung lieber nicht zumuten wollte. In der Publikation heißt es:

Earth’s surface gained 115,000 km2 of water and 173,000 km2 of land over the past 30 years, including 20,135 km2 of water and 33,700 km2 of land in coastal areas. Here, we analyse the gains and losses through the Deltares Aqua Monitor — an open tool that detects land and water changes around the globe.

Uns interessieren nur die Zahlen aus den Küstenzonen (die anderen Angaben beziehen sich auf Inlandsseen, die weitgehend unabhängig vom Meeresspiegel sind). Die Rechnung ist denkbar einfach:
33.700 km2 Landgewinn MINUS 20.135 km2 Landverlust = 13.565 km2 Netto-Landgewinn.

Ein wenig Angst hatte man im Deltares-Institut vor den Zahlen dann doch. In der Original-Pressemitteilung, sparte man dieses wichtige Resultat einfach aus:

How the earth has changed over the past 30 years

The world has gained 115,000 km2 of water and 173,000 km2 of land over the past 30 years. The Dutch research institute Deltares developed an open tool that analyses satellite data and visualises land and water changes around the globe. The results were published today in Nature Climate Change.

First global-scale tool that shows water and land conversion

The Deltares Aqua Monitor was developed by Gennadii Donchyts, a remote sensing expert at Deltares. It is the first global-scale tool that shows, with a 30-metre resolution, where water has been transformed into land and vice-versa. The Aqua Monitor uses freely available satellite data and Google Earth Engine, a platform for the planetary-scale scientific analysis of geospatial datasets that is now open to the general public. Gennadii Donchyts: “The Aqua Monitor shows that, around the world between 1985 and 2015, about 173 000 km2, an area about the size of Washington State, has been transformed into land. At the same time, an area of 115 000 km2 has been transformed into water. Both documented and undocumented changes due to man-made interventions, natural variability, and climate change have now been revealed.”

Known versus unknown

While many countries report on dam construction, information about more remote or isolated areas has been lacking. In Myanmar, the Global Reservoir and Dams database shows an increase in the water surface between 1985 and 2010 of about 400 km2. Using the Aqua Monitor, we found 1,180 km2 of new surface water during the same period. The damming of the Rimjin River in North Korea close to the border with South Korea resulted in a storage surface of 12.4 km2 that was actually due to the Hwanggang Dam, which was thought to be located 35 km to the east. These unknown reservoirs may have had a severe impact on the displacement of people and on the ecology. These issues still have to be investigated.

Created by nature or humans

The results of the Aqua Monitor show only the compound impact of natural and human change or variability. It is often hard to tell what has caused a change without determining the details of the local water and sediment budget. While changes in meanders in the Brahmaputra delta are clearly natural, the Mondrian-like shapes near Taiji Nai’er lakes in China are clearly man-made.

Big data at everyone’s fingertips

Universally-available analytics for big satellite data may have major implications for monitoring capacity and associated actions. At the very local scale, members of the general public can now make assessments without expert assistance if their houses are threatened by coastal erosion. At the regional scale, a downstream riparian state can conduct year-to-year monitoring to see whether upstream neighbours are establishing new impoundments. Finally, at the planetary scale, global agencies such as the United Nations International Strategy for Disaster Reduction can monitor the appearance of new reservoir storage capacity that may reduce flood hazards.

Jaap Kwadijk, the Deltares scientific director: “This has never been done before. So it is difficult to imagine all the new applications that will be made using this tool. But the tool can be used by everybody and so I am sure multiple applications will emerge in the next few years”.

Die BBC fuhr hier einen transparenteren Kurs und berichtete auch explizit über den Landgewinn an den Küsten:

Coastal areas were also analysed, and to the scientists surprise, coastlines had gained more land – 33,700 sq km (13,000 sq miles) – than they had been lost to water (20,100 sq km or 7,800 sq miles). “We expected that the coast would start to retreat due to sea level rise, but the most surprising thing is that the coasts are growing all over the world,” said Dr Baart. “We’re were able to create more land than sea level rise was taking.”

Wie funktionierts? Jeder Geologe lernt in den ersten Semestern, dass sich Deltas in das Meer vorbauen, wenn die Rate des Sedimenteintrags den Meeresspiegelanstieg übersteigt. Dies scheint also derzeit der Fall zu sein. Der Meeresspiegelanstieg ist zu gering, als dass es hier zu einer weiten Überflutung der Küstenebenen kommen könnte. Das System befindet sich im Zustand der Regression, wobei sich viele Sandküsten derzeit leicht in Richtung Meer vorschieben. Nach Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren sah dies noch anders aus. Damals besaß der Meeresspiegelanstieg ein Vielfaches der heutigen Rate und die Küsten wurden vom Meer überrannt. Man nennt dies im geologischen Fachjargon “Transgression”. Vielleicht sollte man politischen Entscheidungsträgern einen geologischen Grundkurs als Pflicht auferlegen, damit sie sich in der Klimadiskussion besser zurechtfinden.

Zum Online Aqua-Monitor geht es hier. Siehe auch Bericht zur Studie auf watson.ch.