Ertappt: Geomar verschweigt in Pressemitteilung bedeutende Schmelzphase des arktischen Meereises in den 1960er Jahren

Die wohl bekannteste historische Schmelzphase des arktischen Meereises fand vor 1000 Jahren statt, als die Wikinger munter durch das eisarme Nordmeer schipperten und in diesem Zuge Island und Grönland kolonisierten. Das mag man heute nicht mehr so gerne hören, da es nicht in die Storyline der Klimakatastrophe passt. Im Jahr 1887 jedoch war das Thema noch unverfänglich. Damals kam die Welt gerade aus der Kleinen Eiszeit heraus. Man freute sich über die Wiedererwärmung. Warm war gut. Noch gab es keinen IPCC. So konnte man in der neuseeländischen Zeitung „The Press“ am 8. November 1887 auf Seite 6 doch tatsächlich über die Wikingerfahrten und das stark geschrumpfte Meereis lesen, heute unvorstellbar (mit Dank an Spürfuchs Steve Goddard):

 

Aber man muss gar nicht so weit zurückgehen. Auch zwischen 1920 und 1940 ereignete sich eine starke Schmelzphase im Nordpolarmeer. Der ehemalige Hamburger Max-Planck-Direktor Lennart Bengtsson fasste 2004 im Journal of Climate das Wissen über die Warmphase zusammen. Schon damals stellte er den Zusammenhang mit Ozeanzyklen her, die im 60-Jahres-Takt das Klimageschehen beeinflussen. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

The Early Twentieth-Century Warming in the Arctic—A Possible Mechanism
The huge warming of the Arctic that started in the early 1920s and lasted for almost two decades is one of the most spectacular climate events of the twentieth century. During the peak period 1930–40, the annually averaged temperature anomaly for the area 60°–90°N amounted to some 1.7°C. Whether this event is an example of an internal climate mode or is externally forced, such as by enhanced solar effects, is presently under debate. This study suggests that natural variability is a likely cause, with reduced sea ice cover being crucial for the warming. A robust sea ice–air temperature relationship was demonstrated by a set of four simulations with the atmospheric ECHAM model forced with observed SST and sea ice concentrations. An analysis of the spatial characteristics of the observed early twentieth-century surface air temperature anomaly revealed that it was associated with similar sea ice variations. Further investigation of the variability of Arctic surface temperature and sea ice cover was performed by analyzing data from a coupled ocean–atmosphere model. By analyzing climate anomalies in the model that are similar to those that occurred in the early twentieth century, it was found that the simulated temperature increase in the Arctic was related to enhanced wind-driven oceanic inflow into the Barents Sea with an associated sea ice retreat. The magnitude of the inflow is linked to the strength of westerlies into the Barents Sea. This study proposes a mechanism sustaining the enhanced westerly winds by a cyclonic atmospheric circulation in the Barents Sea region created by a strong surface heat flux over the ice-free areas. Observational data suggest a similar series of events during the early twentieth-century Arctic warming, including increasing westerly winds between Spitsbergen and Norway, reduced sea ice, and enhanced cyclonic circulation over the Barents Sea. At the same time, the North Atlantic Oscillation was weakening.

In der Presse liest man über diese Schmelzphase heute recht wenig. IPCC-nahe Wissenschaftler wollen uns glauben lassen, dass es in den letzten 150 Jahren angeblich nur einen einzigen Trend gibt, nämlich den stetig-schleichenden Tod des arktischen Meereises. So erschien im Dezember 2013 im Fachmagazin PNAS eine Rekonstruktion der arktischen Meereisbedeckung für die vergangenen 650 Jahre mithilfe von arktischen Algen. Die Studie wurde angeführt von Jochen Halfar von der University of Toronto. Auch das Kieler Geomar war in Person von Steffen Hetzinger an der Arbeit mit beteiligt. Bereits am 19. November 2013 gab daher das Geomar im Rahmen einer Pressemitteilung bekannt:

Seit dem Ende der Eiszeit um 1850 herum zeigt das Archiv der Rotalge einen kontinuierlichen Rückgang der Eisschicht, der bis heute andauert. Dieser Rückgang ist stärker, als wir jemals zuvor in der 650 Jahre langen Rotalgen-Zeit beobachten konnten.“

Der österreichische Standard fing den Klimaalarm-Ball sogleich auf und informierte seine Leser: (weiterlesen …)

Neue Zürcher Zeitung: Europa könnte ein strenger Winter (2014/15) bevorstehen

Seit mehr als anderthalb Jahrzehnten will es nicht mehr wärmer werden. Selbst die Winter halten sich nicht an das Drehbuch der Klimaerwärmung. Möglicherweise wird uns auch der bevorstehende Winter enttäuschen, wie ein Beitrag vom 3. Dezember 2014 in der Neuen Zürcher Zeitung warnt:

Vermutlich frostig: Europa könnte ein strenger Winter bevorstehen
Am Montag hat der meteorologische Winter begonnen. Diesmal könnte die Jahreszeit in Europa kälter als im Durchschnitt ausfallen. Darauf deuten verschiedene Wetterbeobachtungen hin. Mehrere Studien, die dieses Jahr erschienen sind, stützen die Vorhersage. Die Studien zeigen aber auch, wie überraschend komplex die Einflüsse auf das europäische Winterwetter sind, die aus dem hohen Norden ebenso wie aus den Tropen kommen.

Weiterlesen in der NZZ.

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Sie lieben die Klimakatastrophe und lassen sich gerne beim Sinnieren über das klimatische Ende der Welt einen angenehmen Schauer den Rücken herunterlaufen lassen? Dann könnte Sie dieses Angebot interessieren, garantiert klimaskepsisfrei, der puren Lehre des Klimaalarmismus folgend. Das Münster Journal hat die Einzelheiten:

Kostenloser Online-Kurs zu Umweltkatastrophen und Klimawandel
Die Vereinten Nationen und ein globales Netzwerk von Hochschulen bieten einen kostenlosen Online-Kurs zu Umweltkatastrophen und Klimawandel an Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP bietet in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln und einem weltweiten Netzwerk von Hochschulen den Online-Kurs „Disasters and Ecosystems: Resilience in a Changing Climate” an. Der Kurs wird weltweit am 12. Januar 2015 über die in Deutschland ansässige Online-Lernplattform iversity.org gestartet.

Ein Klimakurs, und das auch noch kostenlos. Ein Riesenspaß. Als Dozent ist kein Geringerer als der IPCC-Chef Pachauri mit dabei.

Der Online-Kurs wird als Massive Open Online Course (MOOC) angeboten. Er ist kostenlos für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und steht unabhängig vom Bildungshintergrund allen Menschen mit Internetzugang zur Verfügung.

Das klingt gigantisch, ein “Massive Open Online Course”. Oder anders gesagt: Ein Volkshochschulkurs im Internet. Ziel: Volkstümliche Pflege des Klimakatastrophengedankens. Je weniger Vorbildung, desto besser. Denn dann gibt es wenigstens keine unbequemen Rückfragen. Kritisches Mitdenken unerwünscht. Zuhören, aufschreiben, auswendig lernen. Psalm 3, Absatz 5: Ich bin Dein Herr, die Klimakatastrophe, Du sollst keinen anderen Herren haben neben mir.

Interessentinnen und Interessenten können sich über folgenden Link  auf den Seiten der Onlineplattform iversity anmelden: https://iversity.org/en/courses/disasters-and-ecosystems-resilience-in-a-changing-climate [...] Teilnehmer, die den Online-Kurs  erfolgreich abschließen, erhalten kostenlos eine Teilnahmebescheinigung.

Die Teilnehmerurkunde bzw. Teilnehmerurkundin kann man sich dann über den Küchentisch hängen. Aber vorsichtig, nur wer den Kurs “erfolgreich” abschließt, bekommt eine Bescheinigung ausgehändigt. Wer im Abschlusstest CO2-Klimasensitivitäten unterhalb von 2°C pro CO2-Verdopplung für möglich hält, fällt automatisch durch. Sitzenbleiber haben dann die Wahlmöglichkeit zwischen einem Monat Umerziehungslager mit Stefan Rahmstorf oder einer klassischen hochvoltigen Gehirnwäsche.

 

Vergessen und verdrängt: Vor einigen tausend Jahren war das Nordpolarmeer in den Sommern eisfrei

Erinnern Sie sich noch? Als eine Reihe von Wintern in den letzten Jahren kälter als normal ausfielen, erklärten uns pfiffige IPCC-nahe Wissenschaftler, dies wäre eine zu erwartende Folge des schrumpfenden Meereises in der Arktis. Allerdings hielt dieses schnell aus der Hüfte geschossene Modell nicht lange, denn andere Forscher konnten den Effekt in ihren Studien nicht nachvollziehen (siehe unsere Blogartikel hier, hier und hier). Als der März 2013 kälter als normal auffiel, kramte das Potsdamer PIK-Institut die Meereis-Kamelle wieder aus dem Keller heraus. Diesmal konnte sich jedoch nicht einmal mehr der Deutsche Wetterdienst mit Kritik zurückhalten und verwies die wilde PIK-Theorie in das Land der Fabeln. Die taz hielt diesen denkwürdigen Moment am 27. März 2013 fest:

Skeptisch zeigte sich der Deutsche Wetterdienst (DWD). „Der kalte März [2013] ist eine Laune im System Atmosphäre“, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. „Das muss man abgekoppelt von globalen Klimatrends betrachten, die sich über lange Zeiträume ergeben.“ Derzeit gebe es eine Wetterlage mit einem stabilen Hoch über Island, die kalte Luft aus Nordosten bringe. „Warum das so ist, weiß keiner.“ Wenn es einen direkten Zusammenhang mit der Meereisbedeckung geben würde, hätte ja der gesamte Winter in Deutschland zu kalt sein müssen. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Irgendwann werde es einen Impuls geben, der die Großwetterlage ändere. „Vielleicht bekommen wir eine Südwestlage mit über 25 Grad“, sagt Friedrich. „Sollen wir dann wieder über den Klimawandel als Ursache spekulieren?“

Stefan Rahmstorf war außer sich. In der Vergangenheit hatte er sich stets mit den Klimagruselstories des DWD solidarisiert. In seinem Blog sprach Rahmstorf kurzerhand seinen DWD-Kollegen die Qualifikation zur Teilnahme an der Klimadiskussion ab:

Leider hat es eine gewisse Tradition, dass Meteorologen, die sich mit Wettervorhersage befassen, wenig vertraut mit der Klimaforschung sind.

Das arktische Meereis schmilzt – und Schuld hat natürlich der Mensch. Allerdings gab es auch in vorindustrieller Zeit bereits Schmelzphasen. Hatte der Mensch damals auch Schuld? Würde das Eis heute auch schmelzen, wenn der CO2-Gehalt der Atmosphäre nach 1850 konstant geblieben wäre? Judith Curry hat nun eine Schätzung zum anthropogenen Anteil der arktischen Meereisschmelze abgegeben. Sie sieht die Schmelze nur zu 50% oder weniger vom Menschen verursacht, wie sie in einem Blogartikel vom 15. Oktober 2014 darlegte:

In my post at Climate Dialogue, I stated:

“So . . . what is the bottom line on the attribution of the recent sea ice melt? My assessment is that it is likely (>66% likelihood) that there is 50-50 split between natural variability and anthropogenic forcing, with +/-20% range. Why such a ‘wishy washy’ statement with large error bars? Well, observations are ambiguous, models are inadequate, and our understanding of the complex interactions of the climate system is incomplete.”

At this point, I think anthropogenic is 50% or less.

 

Vergessen und verdrängt: Vor einigen tausend Jahren war das Nordpolarmeer in den Sommern eisfrei (weiterlesen …)

Prima Klima in Lima. Und was macht China?

Die letzten Wochen standen ganz im Zeichen des großen Klima-Klassenausflugs nach Lima. Tausende Offizielle, Halboffizielle und Inoffizielle pilgerten in die Hauptstadt des Anden-Staates Peru und genossen das bunte Treiben in den schachbrettartig angelegten Straßen der UNESCO-geschützten Altstadt mit ihren prächtigen Bauten aus der Kolonialzeit. Und das Schönste: Alles umsonst. Flug, Unterkunft, Verpflegung – finanziert über Steuer- und Spendengelder.

Das Verhandlungs-Resultat der (K)Lima-Konferenz überraschte niemanden: Keines. Null. Nada. Michael Bauchmüller fasste am 14. Dezember 2014 in der Süddeutschen Zeitung das Resultat prägnant zusammen:

Der Gipfel in Lima war eine Enttäuschung. Klimaschutz wird immer mehr zu einem Projekt der Freiwilligkeit: ohne Kontrolle, ohne Ehrgeiz, ohne Gewähr. Auch dem Gipfel 2015 in Paris droht das Scheitern.

Ein weiterer Gipfel ohne Ergebnis. Und das ist auch gut so. Denn als wissenschafliche Grundlage dient noch immer die überholte Klimakatastrophenideologie des IPCC, ein peinliches Sammelsurium aus apokalyptischen Zukunftsvisionen und mittelalterlich-anmutenden Weltuntergangsszenarien. Das eigentliche Highlight der bunten Lima-Tage war die Beschädigung der historischen Nazca-Linien durch Greenpeace-Aktivisten. Die peruanische Regierung war wenig begeistert und verwies die Klimaaktivisten kurzerhand des Landes. Nun droht eine Anklage wegen Zerstörung archäologischen Kulturgutes. Jedoch weigert sich Greenpeace hartnäckig, den peruanischen Behörden die Namen der Ökohooligans zu nennen.

Gab es nicht doch irgendetwas Neues von der Konferenz zu berichten? Ja, doch. Der ehemalige Apollo-Astronaut Walt Cunningham ist aus Protest gegen den Klimaalarmismus von einer Klippe gesprungen. Glücklicherweise hatte der 82-jährige einen Falschschirm mit dabei und landete danach sanft in der Ebene. Die Chinesen unterzeichneten im Vorfeld der Konferenz einen hochgejubelten Klimadeal mit den USA, weigerten sich dann aber in Lima, die behaupteten CO2-Einsparungsmaßnahmen auch überprüfen zu lassen. Und Indien als einer der größten CO2-Produzenten widersetzt sich weiterhin heftig dem weltweiten Druck, seinen CO2-Ausstoß zu drosseln.

Zum schrägen Klimagipfel passt auch der Auftritt des bolivianischen Präsidenten, den das Neue Deutschland festhielt:

Stippvisite von Evo Morales: Der Kapitalismus ist schuld am Klimawandel
»Es geht nicht um Millionen oder Milliarden. Es geht um die Überwindung des imperialistischen Systems.« Am Dienstagvormittag redet Boliviens Präsident Evo Morales über eine Stunde lang im Plenum auf die Verhandler ein. Dabei wäscht er den Industrieländern den Kopf – sie seien für den Klimawandel verantwortlich. [...]  »Wir sind überzeugt, dass der Ursprung der Erderwärmung im Kapitalismus liegt«, so Morales. »Manche denken nicht an die Allgemeinheit, sondern nur ans Geld, nur an die Profite.« Marktwirtschaftliche Klimaschutzmechanismen, die einige Staaten anregen, lehnt er ab. Der Markt sei die Ursache des Klimawandels.

Nieder mit dem Kapital, her mit der Ökodiktatur! Das werden auch einige Vertreter des Wissenschaftlichen Beirats der deutschen Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) begrüßt haben. Ideologie getarnt als Umweltschutz, sehr clever. Ob Morales sich überhaupt schon einmal mit der wissenschaftlichen Seite des Klimawandels beschäftigt hat? Weiß er, dass wir heute ähnliche Temperaturen auf unserem Planeten haben, wie bereits vor 1000 Jahren? Neue Studien aus Bolivien zeigen zudem, dass die dortige Gletscherschmelze nicht nur ein Ergebnis der hohen Temperaturen der aktuellen Modernen Wärmeperiode ist, sondern dass Ruß aus der Verbrennung von Kohle und anderen natürlichen Brennstoffen sowie Waldbrände und Vulkane den Gletschern kräftig einheizen. Die schwarzen Partikel auf der Eisoberfläche absorbieren mehr Sonnenlicht und Wärme, als das besser reflektierende reine Eis. Vielleicht sollte Morales zunächst einmal die Rußproduktion in der eigenen Region drosseln oder die Schlote der Andenvulkane mit einem Korken verschließen.

Die Neue Rheinische Zeitung wollte in der Euphorie der Klimakonferenz nicht ganz ohne Alarmgeschichte dastehen und bat Stefan Rahmstorf, seine alte Antarktis Kamelle “Westantarktis überschreitet den Kipppunkt” wiederaufzuwärmen. Offenbar hatte keiner der Redakteure mitbekommen, dass Rahmstorf mit seiner Katastrophentheorie in der Fachwelt ziemlich alleine dasteht (siehe unseren Beitrag “Unumkehrbare Eisschmelze in der Westantarkis? Geologen widersprechen: Schon immer hat das Eis die Wende hinbekommen“).

Neben der üblichen Alarmberichterstattung gab es zum Glück auch einige kritische Berichte zur Lima-Klimakonferenz. Im Focus bemängelte Michael Miersch: (weiterlesen …)

Dirk Notz vom Hamburger Max-Planck-Institut: Arktisches Meereis könnte im kommenden Jahrzehnt wieder zunehmen

Das arktische Meereis ist in den letzten 30 Jahren spürbar geschrumpft. In den Jahren 2007 und 2012 wurden Negativrekorde erreicht, von denen sich das Eis jedoch in den jeweiligen Folgejahren wieder erholt hat. Offenbar stand der ehemalige US-amerikanische Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore noch ganz unter dem Eindruck des 2007er Schmelzrekordes als er 2008 erklärte, das Nordpolarmeer könnte bis 2013 komplett eisfrei sein. Das Jahr 2013 verstrich und das Eis blieb. In das gleiche Horn blies der US- Senator John Kerry als er 2009 ebenfalls das unmittelbar bevorstehende Ableben des arktischen Meereises verkündete:

“The truth is that the threat we face is not an abstract concern for the future. It is already upon us and its effects are being felt worldwide, right now. Scientists project that the Arctic will be ice-free in the summer of 2013. Not in 2050, but four years from now.“

Die Idee vom eisfreien Nordpolarmeer wurde den beiden Politikern offenbar von IPCC-nahen Forschern wie Wieslaw Maslowski eingeflüstert. Die BBC berichtete am 12. Dezember 2007:

Scientists in the US have presented one of the most dramatic forecasts yet for the disappearance of Arctic sea ice.
Their latest modelling studies indicate northern polar waters could be ice-free in summers within just 5-6 years. Professor Wieslaw Maslowski told an American Geophysical Union meeting that previous projections had underestimated the processes now driving ice loss.

Angesichts der schlimmen Fehlprognose sollte man denken, dass nun langsam Einsicht einkehrt. Aber nein, andere klimaalarmistische Wissenschaftler beharren darauf, dass das arktische Meereis nur noch wenige Jahre zu leben hätte. Eine totsichere Sache. Das ist wie mit dem Weltuntergang. Wenn ein vorhergesagter Weltuntergang nicht eintritt, konzentriert man sich einfach auf den nächsten.

Zu den Anhängern der eisigen Arktis-Todesspirale gehört auch Peter Wadhams von der englischen University of Cambridge. Er setzte 2012 eine Prognose in die Welt, dass es innerhalb von vier Jahren mit dem arktischen Meereis vorbei wäre. Zwei Jahre später geht der Trend jedoch in die ganz falsche Richtung. Es sieht nicht gut für ihn und seine Vorhersage aus. Das finden mittlerweile sogar hartgesottene Klimaalarm-Mitstreiter. Ihnen gehen die apokalyptischen Eis-Visionen kräftig auf den Senkel. Im Rahmen einer Meereis-Konferenz im September 2014 in London ätzte Gavin Schmidt gegen Wadhams per Twitter:

“Some anticipation for Peter Wadhams. Audience members already crying,” “Wadhams still using graphs with ridiculous projections with no basis in physics,” “Wadhams now onto methane pulse of 50 GT. But no better justified than his previous statements,” and “Wadhams clearly states that there is no physics behind his extrapolations.”

Die neueste Prognose stammt von James Overland und Muyin Wang, die sie im Mai 2013 in den Geophysical Research Letters veröffentlichten. Dabei gehen sie von drei Prognosemethoden aus, die das Ende des Eises wahlweise 2020, 2030 oder 2040 sehen. Man kann dankbar sein, dass sie nicht mit 10 Methoden arbeiten, da ansonsten wohl noch die Jahre 2050, 2060,…., 2110 für den Exitus des arktischen Meereis angeführt worden wären. Hier die Kurzfassung im englischen Original:

When will the summer Arctic be nearly sea ice free?
The observed rapid loss of thick multiyear sea ice over the last 7 years and the September 2012 Arctic sea ice extent reduction of 49% relative to the 1979–2000 climatology are inconsistent with projections of a nearly sea ice-free summer Arctic from model estimates of 2070 and beyond made just a few years ago. Three recent approaches to predictions in the scientific literature are as follows: (1) extrapolation of sea ice volume data, (2) assuming several more rapid loss events such as 2007 and 2012, and (3) climate model projections. Time horizons for a nearly sea ice-free summer for these three approaches are roughly 2020 or earlier, 2030 ± 10 years, and 2040 or later. Loss estimates from models are based on a subset of the most rapid ensemble members. It is not possible to clearly choose one approach over another as this depends on the relative weights given to data versus models. Observations and citations support the conclusion that most global climate model results in the CMIP5 archive are too conservative in their sea ice projections. Recent data and expert opinion should be considered in addition to model results to advance the very likely timing for future sea ice loss to the first half of the 21st century, with a possibility of major loss within a decade or two.

Andere Forscher sind hier vorsichtiger geworden. Zu oft hatten sie sich in der Vergangenheit die Finger verbrannt. Der Meereisforscher Dirk Notz vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie erklärte im September 2014 auf Anfrage von Pierre Gosselin von notrickszone.com, dass die natürliche Variabilität im kommenden Jahrzehnt das Eis sowohl schrumpfen wie auch anwachsen lassen könnte. Interessanterweise ist in den von Notz beigefügten Modellierungsgraphiken für die kommenden Jahrzehnte kein eisfreies Nordpolarmeer zu erkennen. Im Folgenden der exakte Wortlaut der bemerkenswerten Email von Notz an Gosselin: (weiterlesen …)

Wahl des Wissenschaftskritik-Blogs des Jahres 2014

Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu. Wie auch in den Vorjahren wurde die Klimadebatte wieder intensiv und leidenschaftlich geführt. In unserem Blog haben wir versucht, die wichtigsten Ereignisse zu protokollieren und zu kommentieren. Stammleser wissen, dass uns die Bekanntmachung der neueren Klimaliteratur besonders am Herzen liegt. Dies scheint insbesondere notwendig zu sein, da die unbequemen Ergebnisse in der Mainstream-Presse systematisch totgeschwiegen werden – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Unsere zweite große Aufgabe sehen wir darin, fehlerhaften klimaalarmistischen Presseberichten mit wissenschaftlichen Argumenten entgegenzutreten. An einigen Tagen erlauben wir uns zudem, die Stilblüten des schrillen Klimaalarmismus in ihrer ganzen Pracht zu präsentieren. In vielen Fällen sind die Themen dann so verrückt, dass sie bereits unkommentiert zum Schmunzeln anregen.

Wir hoffen, Sie fühlten sich auch im dritten Kalenderjahr seit Gründung des Kalten-Sonne-Blogs bei uns gut informiert und bleiben uns treu. Das Blog “Wissenschaft kommuniziert” ruft derzeit zur Wahl des Wissenschafts-Blogs des Jahres 2014 auf. Erstmals kann man dort nun auch für das Kalte-Sonne-Blog stimmen. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich dort an der Abstimmung beteiligen und uns Ihre Stimme schenken könnten. Zur Abstimmung geht es hier. Wir sind in der Kategorie “Blogs zur Wissenschaftskritik” gelistet (am unteren Ende des zweiten grauen Kastens). Die Wahl läuft bis zum 1. Januar 2015, 24.00 Uhr.

Ein bisschen seltsam ist die Einteilung jedoch schon. Noch im Vorjahr gehörten klimaskeptische Seiten in die Wissenschafts-Hauptkategorie. Da aber das Viertplatzierte Science Skeptical Blog damals um haaresbreit Rahmstorfs Klimalounge überholt hätte, wollte man es wohl nicht wieder drauf ankommen lassen und hat den Wettbewerb kurzerhand geteilt. Auch eine Methode, um sich unbequeme Kritik vom Hals zu halten. Das ist ein bisschen so, als wenn man die schnellsten Sprinter in den 120 m-Lauf strafversetzt und nur genehme Kandidaten im traditionellen Hundermeterlauf an den Start lässt.

Zu erringen gibt es den Titel “Blog-Teufelchen Wissenschaftskritik 2014″. Natürlich gibt es schönere Namen für einen solchen Preis.  Wie wäre es zum Beispiel mit “Querdenker des Jahres” oder “Out-of-the-Box-Thinker-Award”. Naja, trotzdem sollte man anerkennen, dass es überhaupt eine wissenschaftskritische Kategorie zur Abstimmung gibt. Also klicken Sie bitte eifrig.

 

Siehe auch Peter Hellers interessante Erläuterungen im ScienceSkepticalBlog zur Wahl. Auch EIKE beschäftigte sich mit dem Thema.

 

Alfred-Wegener-Institut trickst bei Pressemitteilung zum arktischen Meereis: Eis erreichte 2014 größte Sommerausdehnung der letzten 5 Jahre

Das arktische Meereis hat den Freunden der Klimakatastrophe in den letzten beiden Sommer (2013 und 2014) nicht viel Freude eingebracht. Es wollte einfach nicht so schön schmelzen wie 2012, als ein neuer Negativrekord für das Satellitenzeitalter erreicht wurde (Abbildung 1). Interessanterweise erreichte das arktische Meereis 2014 sogar die größte Sommerausdehnung der letzten 5 Jahre (Abbildung 2).

 

Abbildung 1: Arktische Meereisausdehnung für die Jahre 2012 (dunkelgrün gestrichelt), 2007 (hellblau), 2013 (braun) und 2014 (hellgrün). Die schwarze Linie stellt einen langjährigen Mittelwert für 1981-2010 dar. Quelle: NSIDC. Eine weitere schöne interaktive Meereisgraphik gibt es bei der University of Illinois (The Cryosphere Today).

 

Abbildung 2: Arktische Meereisausdehnung für die Jahre 2010-2014. Die schwarze Linie stellt das Jahr 2014 dar. Der langjährigen Mittelwert ist durch eine graue Linie und Flächen veranschaulicht. Quelle: DMI.

 

Nun hatten die IPCC-nahen Forschungsinstitute ein echtes Problem. Wie kann der Öffentlichkeit diese Zunahme des Eises am schonendsten beigebracht werden? Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) zeigte in seiner alljährlichen Pressemitteilung zum Meereis vom 16. September 2014, wie man es auf keinen Fall machen sollte. Das AWI titelte:

Aktuelle Meereis-Situation: Anhaltender Rückgang in der Arktis, neues Maximum in der Antarktis

Neues Maximum in der Antarktis, ok, das entspricht der Wahrheit und ließ sich wohl nicht mehr vertuschen. Aber „anhaltender Rückgang in der Arktis“ ist schlichtweg gelogen. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Lesen wir einige weitere Auszüge aus dem AWI-Text: (weiterlesen …)

Eisbären-Statistik-Gruppe räumt ein: Veröffentlichte Eisbärenzahlen sind lediglich eine “qualitative Vermutung mit dem Ziel das öffentliche Interesse zu befriedigen”

Seit langem wird der Eisbär von Klimaaktivisten als Maskottchen missbraucht. Der Klimawandel macht ihm den Gar aus, heißt es. Ironischerweise ist die Eisbärenpopulation heute jedoch sehr viel größer als noch vor 40 Jahren, wie Zac Unger auf Fox News in Erinnerung ruft:

Immer wieder heißt es, dass in der einen oder anderen Arktisregion die Eisbären weniger geworden wären. Grundlage sind meist „Zählungen” der Polar Bear Specialist Group (PBSG), die sich aus Wissenschaftlern und Wildhütern der arktischen Regionen zusammensetzt. Nun hat sich die PBSG jedoch kürzlich verplappert und zugegeben, dass es sich gar nicht so sehr um Zählungen oder statistische Stichproben handelt, sondern vielmehr um eine „qualitative Vermutung mit dem Ziel das öffentliche Interesse zu befriedigen”. Außerdem wurden in den Erhebungen gleich fünf wichtige Eisbärgebiete ausgespart (Abbildung 1). The Daily Caller enthüllte am 30. Mai 2014:

Researchers with the IUCN Polar Bear Specialist Group (PBSG) recently admitted to experienced zoologist and polar bear specialist Susan Crockford that the estimate given for the total number of polar bars in the Arctic was “simply a qualified guess given to satisfy public demand.” Crockford has been critical of official polar bear population estimates because they fail to include five large subpopulations of polar bears. Due to the uncertainty of the populations in these areas, PBSG did not include them in their official estimate — but the polar bear group did include other subpopulation estimates. PBSG has for years said that global polar bear populations were between 20,000 and 25,000, but these estimates are likely much lower than how many polar bears are actually living in the world. “Based on previous PBSG estimates and other research reports, it appears there are probably at least another 6,000 or so bears living in these regions and perhaps as many as 9,000 (or more) that are not included in any PBSG ‘global population estimate,’” Crockford wrote on her blog. […]  “It is also important to note that even though we have scientifically valid estimates for a majority of the subpopulations, some are dated,” PBSG continues. “Furthermore, there are no abundance estimates for the Arctic Basin, East Greenland, and the Russian subpopulations.”

Den Originalschriftverkehr von Susan Crockford und dem Vorsitzenden der PBSG gibt es in Crockfords Blog. Laut Susan Crockford hat sich die Zahl der Eisbären seit 2001 kaum verändert. Offizielle PBSG-Werte sind unvollständig und irreführend (Abbildung 2). Das stimmt mit der Beobachtung der kanadischen Inuit überein, die sogar feststellten, dass es heute mehr Eisbären denn je gibt. Siehe auch Artikel in der Mail on Sunday vom 28. September 2013:

Polar bear populations have stablised and may even be increasing. This is despite dire predictions of 70 per cent decline in numbers by 2050. One resident of Alaskan village says ’this has been a great year for bears’

Abbildung 1: Eisbärenzählgebiete. Schwarze Regionen warden statistisch nicht von der PBSG erfasst. CS, Chukchi Sea; LS, Laptev Sea; KS, Kara Sea; EG, East Greenland; AB, Arctic Basin Quelle: Polarbearscience.com. (weiterlesen …)

Alfred-Wegener-Institut: Glazial-/Interglazialänderungen der CO2-Konzentration primär von der Temperatur kontrolliert

Wer erinnert sich nicht an die legendäre Vorstellung von Al Gore, als er in seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ den Zusammenhang zwischen CO2 und der Temperatur während der letzten 650.000 Jahre erklärte. Sogar Lieschen Müller würde sehen, dass beide Kurven parallel laufen und dass das CO2 die Temperaturveränderungen steuert, sagt Al Gore in dem Streifen.

 

Für diese und andere Erläuterungen erhielt Gore einen Oscar und den Nobelpreis. Eine schöne Leistung. Die Anhänger Klimakatastrohen-Ideologie überschlugen sich in ihren Lobgesängen. Auch der IPCC beglückwünschte den ehemaligen US-Vizepräsidenten, Präsidentschaftskandidaten und Hobbyklimatologen zu diesem Superstreifen. Dabei hätten sie es besser wissen müssen. Denn was Herr Gore da über den Zusammenhang von CO2 und Temperatur während der letzten paar hunderttausend Jahre behauptet, ist schlichtweg falsch. Nicht das CO2 hat die Temperaturachterbahn verursacht, sondern vielmehr haben die Klimaveränderungen den CO2-Gehalt der Atmosphäre kontrolliert.

Das Grundprinzip ist dabei recht einfach. In den Ozeanen ist eine riesige Menge CO2 gespeichert, das den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre um den Faktor 50 übersteigt. Dabei kann warmes Wasser weniger Kohlendioxid lösen als kaltes Wasser. Bei einer Klimaerwärmung sprudelt nun das CO2 einfach aus dem Ozean heraus und reichert sich in der Atmosphäre an. Wenn sich das Klima in den Eiszeiten dann wieder abkühlt, wanderte ein Teil des atmosphärischen CO2 wieder in die Meere.

Im Prinzip kannte man diese Zusammenhänge in der Fachwelt bereits seit langer Zeit. Offenbar hat Al Gore in seinem Volkshochschulkurs zur Klimatologie genau diese Stunde geschwänzt, anders kann man die peinliche Panne in seinem Film nicht erklären. Um die Zusammenhänge noch einmal ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, hat das Alfred Wegener Institut dankenswerterweise am 29. März 2012 eine lesenswerte Pressemitteilung zu diesem Thema herausgegeben (Auszug, Fettsetzung ergänzt):

CO2 verbarg sich während der Eiszeit im Ozean
Bremerhaven/Bern, den 29. März 2012. Warum enthielt die Atmosphäre während der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren so wenig Kohlenstoffdioxid (CO2)? Warum stieg dieses an, als das Erdklima wieder wärmer wurde? Vorgänge im Ozean sind dafür verantwortlich, besagt eine Studie, die auf neuentwickelten Isotopenmessungen basiert. Wissenschaftler der Universitäten Bern und Grenoble und des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft haben die Ergebnisse nun im Wissenschaftsjournal „Science“ veröffentlicht.

Die atmosphärische CO2-Konzentration während der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren war deutlich niedriger als in der nachfolgenden Warmperiode. Das zeigten Messungen an Eisbohrkernen aus der Antarktis bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten. Anschließend blickte das internationale Team von Glaziologen sogar noch weiter zurück: Die Klimaforschenden fanden heraus, dass dieser enge Zusammenhang zwischen Kohlenstoffdioxid und Temperatur bereits über die letzten 800.000 Jahre bestand: mit niedrigen CO2-Konzentrationen während der Eiszeiten und höheren CO2-Werten in den Warmzeiten. So gingen sie der Frage nach: Wo verbarg sich das Kohlenstoffdioxid während der Eiszeiten – und wie gelangte es am Ende der Eiszeit wieder in die Atmosphäre?

„Wir konnten nun Vorgänge im Ozean identifizieren, die mit den beobachteten CO2-Anstiegen in Verbindung stehen“, sagt Dr. Jochen Schmitt, Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie und Forscher am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern. Während der Eiszeit sammelte sich gemäß Schmitt mehr und mehr Kohlenstoffdioxid in den Tiefen des Ozeans an, wodurch die atmosphärische CO2-Konzentration sank. Erst am Ende der Eiszeit wurde dieses gespeicherte CO2 durch die sich ändernden Ozeanströmungen wieder an die Meeresoberfläche und somit in die Atmosphäre gebracht, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science“. (weiterlesen …)

Studie: Eisbären können ihre Fressgewohnheiten den Umweltbedingungen anpassen

Die Aktivistenwebseite Klimaretter.info trieb ihren Lesern am 7. August 2013 mit einer herzzerreißenden Story die Tränen in die Augen:

Klimawandel treibt Eisbär in den Tod
Er muss wochenlang gewandert sein, vom Hunger getrieben, bis er vor Erschöpfung einfach umfiel und verendete: Wie der britische Guardian berichtet, wanderte ein Eisbär 250 Kilometer nach Süden, weil er durch die fortschreitende Eisschmelze keine Nahrung mehr fand. Forscher des Norwegischen Polarinstituts fanden die Überreste des völlig ausgehungerten Eisbären auf der Inselgruppe Spitzbergen. Der Wissenschaftler Ian Stirling hatte den Eisbären noch vor rund einem Jahr untersucht. Da sei er noch putzmunter gewesen, sagte er dem Guardian. Jetzt seien von dem Tier nur noch Haut und Knochen übrig gewesen. Stirling geht davon aus, dass der Eisbär durch die Eisschmelze in der Arktis gezwungen war, abseits seiner üblichen Jagdgründe nach Nahrung zu suchen. 2012 ging als das Jahr der Rekord-Eisschmelze in die Geschichte ein. “Aufgrund seiner Liegeposition nehmen wir an, dass der Bär genau an der Stelle verhungert ist, an der er entkräftet zu Boden fiel”, sagte Stirling. Weil Eisbären sich fast ausschließlich von Robben ernähren, sind sie auf das Eis angewiesen, um an ihre Beute heranzukommen und sie zu erlegen, so der Forscher.

Eine Kleinigkeit „vergaß“ der Klimaretter dann doch noch mitzuteilen. Im angesprochenen Guardian-Artikel heißt es, der Bär wäre 16 Jahre alt geworden, was der durchschnittlichen Lebenserwartung von Eisbären recht nahe kommt. Hierauf wies die Zoologin Susan Crockford auf ihrer Webseite polarbearscience.com hin. Vielleicht war der Bär einfach nur krank oder verletzt, konnte daher nicht mehr richtig auf die Jagd gehen und sich ernähren, ganz unabhängig vom Zustand des Meereises? Nach Veröffentlichung des Guardian-Artikels schlug dem Eisbärenforscher von Fachkollegen und der Öffentlichkeit eine Welle der Kritik entgegen. Ganz offensichtlich hatte er in unwissenschaftlicher Weise einfach eine vage Vermutung in den Raum gestellt, die er nicht belegen konnte, jedoch der Öffentlichkeit als wissenschaftliche Wahrheit zu verkaufen suchte.

Eisbärentränen rannen auch am 27. November 2014 auf Spiegel Online, wo sich Haluka Maier-Borst ganz schlimme Sorgen über die Zukunft der Eisbären machte:

Hochrechnung: Eisbären verlieren wichtige Heimatregion
Sterben die Eisbären aus wegen des Klimawandels? Simulationen zufolge verlieren die Tiere an Lebensraum: Aufgrund der Meereis-Schmelze in der Arktis droht eines ihrer wichtigsten Jagdreviere zu verschwinden. […] Stephen Hamilton von der University of Alberta und seine Kollegen sagen voraus, dass durch eisfreie Monate im Meer der Arktis die rund 25.000 Eisbären auf der Welt einen ihrer Lebensräume verlieren werden – den kanadisch-arktischen Archipel. Dass Eisbären durch eisfreie Perioden bedroht sein könnten, ahnten Wissenschaftler schon länger. Brechen die eisigen Verbindungen weg, wird es für die Einzelgänger schwieriger, einen Partner zur Fortpflanzung zu finden. Das größte Problem für die Tiere ist jedoch, dass sie ohne Meereis weniger Chancen haben, Seerobben zu jagen, von denen sie sich ernähren.

Liebe Frau Haluka Maier-Borst, lassen Sie sich da mal keinen Bären aufbinden. Der Eisbär ist als Art viele hunderttausende Jahre alt und hat etliche Warmphasen wie die heutige mit noch viel stärker reduziertem arktischem Meereis überlebt. Sie brauchen sich über sein Liebesleben und seine Fortpflanzung also keine Sorgen zu machen. In einem früheren Beitrag aus dem Februar 2013 berichteten wir hierzu:

In einer neuen Studie konnte jetzt zum Beispiel ein Forscherteam aus den USA und Kanada zeigen, dass Eisbären viel bessere Langstreckenschwimmer sind als früher angenommen. Mit schmelzendem Eis kommen sie daher offenbar viel besser zurecht als gedacht. Das verwundert auch nicht so richtig, hatte doch im April 2012 eine Studie einer Gruppe um Frank Hailer vom Senckenberg Institut Frankfurt herausgefunden, dass es Eisbären viel länger gibt als zuvor angenommen, nämlich seit 600.000 Jahren. Wir hatten darüber in unserem letzten Eisbären-Blogartikel berichtet. Nun hat sich die Eisbärenära sogar noch weiter nach hinten ausgedehnt. Im Juli 2012 erschien in den Proceedings of the National Academy of Sciences eine neue Arbeit eines internationalen Forscherteams um Webb Miller, das zeigen konnte, dass die Ahnenreihe der Eisbären sogar 4 bis 5 Millionen Jahre zurück reicht (siehe Berichte im Examiner, World Climate Report, New Scientist, The Resilient Earth, NIPCC und Science Daily). Eisbären gab es also sogar vor dem Beginn der pleistozänen Vereisungsphase, die erst vor knapp 2 Millionen Jahren begann.

Desweiteren ist seit längerem bekannt, dass sich Eisbären vielseitiger ernähren als zuvor gedacht. Die Menschheit stirbt ja auch nicht aus, wenn es aufgrund von Vogelgrippe kein Hühnchen mehr gibt. Dann weichen wir eben auf Schweinegulasch oder Tofu aus. In den Ecological Monographs erschien 2008 die Studie eines Forscherteams um Gregory Thiemann, die den Speiseplan der kanadischen Eisbären genauestens unter die Lupe genommen hatten. Dabei fanden sie neben der Robben-Lieblingsspeise eine Vielzahl anderer Gerichte, die sich die weißen Gesellen hineinstopften. Hier ein Auszug aus der Kurzfassung:

We used quantitative fatty acid signature analysis (QFASA) to examine the diets of 1738 individual polar bears (Ursus maritimus) sampled across the Canadian Arctic over a 30-year span. Polar bear foraging varied over large and small spatial and temporal scales, and between demographic groups. Diets in every subpopulation were dominated by ringed seals (Phoca hispida) and, in the eastern Arctic, secondarily by harp seals (Pagophilus groenlandica). Beluga whales (Delphinapterus leucas) were an important food source for bears in the High Arctic, which is consistent with previous anecdotal reports. Foraging patterns were most similar among neighboring subpopulations with similar prey assemblages, but also differed geographically within Western Hudson Bay. The sexual size dimorphism of polar bears had an important effect on foraging, as large bearded seals (Erignathus barbatus) and walruses (Odobenus rosmarus) were consumed most often by older, male bears, whereas ringed seals and, where available, harbor seals (P. vitulina) were most important to younger age classes. Larger, older bears also had the greatest dietary diversity, apparently because of their ability to include larger-bodied prey. During spring and summer, polar bears in some areas increased predation on migratory harp seals and beluga whales. In Western Hudson Bay, bearded seal consumption declined between 1995 and 2001 for both male and female bears and continued to decline among females up to the most recent sampling (2004). Ringed seal consumption in Western Hudson Bay increased between 1998 and 2001, perhaps in response to increased ringed seal productivity, but was not significantly affected by date of sea-ice breakup. Overall, our data indicate that polar bears are capable of opportunistically altering their foraging to take advantage of locally abundant prey, or to some degree compensating for a decline in a dominant prey species. However, in other areas polar bears are dependent on the availability of ringed and bearded seals. Recent population data suggest that polar bears with the most specialized diets may be most vulnerable to climate-related changes in ice conditions. The results of this large-scale, ecosystem-based study indicate a complex relationship between sea-ice conditions, prey population dynamics, and polar bear foraging.

Die wissenschaftliche Studie zeigt, dass es also durchaus Eisbärenpopulationen gibt, die sich den veränderten ökologischen Situationen anpassen können. Da wundert es schon, dass Haluka Maier-Borst dies in ihrem Spiegel Online-Artikel ausschließt: (weiterlesen …)