Wo kommt die Energie der Zukunft her?

Ein längerer Hintergrundbericht bei Heise geht Punkt für Punkt die Energieträger durch. Das geschieht nicht immer kritisch, der Autor scheint ein Fan von Erneuerbaren Energien zu sein. Immerhin erkennt er, dass wir neue Abhängigkeiten schaffen, wenn wir uns aus alten Bereichen befreien wollen. Genau das geschieht ja gerade mit Rohstoffen, die für die Erneuerbaren Energien benötigt werden.

Der Artikel zitiert Bruno Burger vom Fraunhofer ISE, der anders als vermeintliche Experten erkannt hat, dass mit Gas nicht nur Strom sondern auch Wärme erzeugt wird. Im Gegensatz zu anderen Energie-Orakeln wie Kemfert oder Fell glaubt er offensichtlich nicht daran, dass wir mal eben in den nächsten 8 Jahren aus Erdgas aussteigen.

“Doch selbst ein solch rigoroses Durchregieren könnte nicht alle Hindernisse für die Erneuerbaren beseitigen. „Mit dem Aufbau neuer Wind- und Solaranlagen steigt auch der Bedarf an (Edel-)Metallen oder seltenen Erden“, warnt Kurt Wagemann, Projektmanager bei der Fachgesellschaft Dechema. Und auch davon stammt ein erheblicher Anteil aus Russland.

Wie man es auch dreht und wendet – überall lauern also neue Abhängigkeiten. Und als sei das alles nicht schon kompliziert genug, gibt es solche schwer zu lösenden Verknüpfungen auch noch innerhalb des eigenen Landes. So liefern viele Gaskraftwerke auch die Wärme für Fernwärmenetze. Entsprechend schwer lassen sie sich ersetzen. „Bis auf Null kriegen wir den Gasverbrauch [im Stromsystem] nicht, wir sind schon fast beim Minimum angelangt“, meint Bruno Burger vom Fraunhofer ISE.”

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Ein europäisches “Supernetz” für Strom könnte die Kosten für die Stromerzeugung um 32% senken. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht bei Forschung und Wissen.

“Die Kostensenkung von 32 Prozent kann laut den Wissenschaftlern primär durch den Ausbau der europäischen Stromflüsse entstehen. Könnte man Strom besser innerhalb von Europa handeln, würde dies dazu führen, dass erneuerbare Energiequellen nicht mehr unmittelbar in der Nähe der Verbraucher errichtet werden müssten. Stattdessen könnte man optimale Standorte mit besseren Bedingungen wählen. Dadurch würde die Stromerzeugung bei gleichbleibenden Investitionen in Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke deutlich zunehmen, was zu sinkenden Strompreisen führt.

Das Best-Case-Szenario mit der Kostensenkung von 48 Prozent setzt zusätzlich voraus, dass die Stromflüsse zwischen den Ländern vollständig ohne Restriktion erfolgen können.”

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Viel Bewegung ist gerade beim Thema Kernenergie zu verzeichnen. In einem Interview mit MDR Sachsen spricht sich Cartsen Lange von TU Dresden dafür aus, das komplette Feld der Reaktorphysik auch in Zukunft zu beherrschen.

Sind diese Forschungen noch zeitgemäß?

Natürlich. Mit der Neutronenradiografie können wir beispielsweise Wasserstoffspeicher für Brennstoffzellen untersuchen, was bei Elektrofahrzeugen ein Thema ist. Gerade Neutronenradiografie finde ich hochspannend. Wir untersuchen elektronische Platinen, wie sie sich unter dem Einfluss von ionisierender Strahlung verhalten. Das ist wichtig für elektronische Schaltungen, die bei Teilchenbeschleunigern im medizinischen Bereich und in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen. Die Anlage wird auch für die Reaktorsicherheitsforschung genutzt.

In einem Meinungsartikel im Bosten Globe (Bezahlartikel) spricht sich Jeff Howe dafür aus, dass wir Kernenergie in einem anderen Licht sehen sollte. Er rechnet für Deutschland vor, dass ein Weiterbetreib von 6 Kernkraftwerken etwa 14% des Gasverbrauchs einsparen könnte. Bei der FDP in Deutschland gibt es ebenfalls ein Umdenken. Die Partei spricht sich laut Cicero für eine begrenzte Laufzeitverlängerung aus. Der Artikel hat eine Bezahlschranke.

Südkorea hat sein Atomausstiegsprogramm laut Republicworld.com gestoppt. Das Land ist ebenso wie Deutschland stark von der Kohle abhängig. Zu guter Letzt eine sehr aufsehenerregende Äußerung einer Greenpeace Repräsentantin bei Aljazeera.

„Absolutely, the ambition to decarbonise is everything that we’re committed to doing. There’s no argument here.“

Gemeint sind hier allerdings nur Laufzeitverlängerungen von bestehenden Kernkraftwerken, aber keine Neubauten.

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In regelmäßigen Abständen tauchen Nachrichten über Wind-Drachen in den Medien auf. Sie sollen deutlich weniger Ressourcen verbrauchen als gängige Windkraftanlagen. Aktuell gibt es bei T-Online Neuigkeiten dazu. Bis zum Einsatz scheint es aber noch ein weiter Weg zu sein.

“Bisher haben die Prototypen eine Spannweite von 2,40 Metern und können aktuell 10 Kilowatt (kW) Strom erzeugen. Das entspricht der Energie, die man für 10 Ladungen Wäsche oder 100 Stunden am PC benötigt.

Sobald das Konzept ausgereift ist, sollen aber auch größere Drachen gebaut werden. Bei 20 Metern Spannweite könnten sie schon 500 kW ins Netz einspeisen – genug, um rund 350 Haushalte mit Strom zu versorgen. Langfristig sind noch größere Modelle denkbar. Doch auch die kleineren Vorläufer muss man erstmal in die Luft bekommen.”

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Der März war außergewöhnlich sonnig. Das spiegelt sich auch im Ertrag beim Sonnenstrom wider. 5,7 Terawattstunden waren es nach einem Bericht des PV-Magazins. Das lag nur wenig hinter der Windkraft, die auf 8 Terawattstunden kam. Der Marktwertpreis für Solarstrom machte in dem Monat einen Sprung auf 20,7 Cent pro Kilowattstunde.

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Die Türkei will ihren Energiebedarf in Zukunft laut Dailysabah.com durch eigene Gasförderung und durch Kernenergie decken. Das Land ist momentan stark auf russische Gasimporte angewiesen.
Vorgesehen sind außerdem Importe aus anderen Staaten wie Aserbaidschan, Turkmenistan, Iran und Irak. Geplant sind zudem 12 Kernkraftwerke. Energieminister Bayraktar geht allerdings davon aus, dass diese Zahl nicht reichen wird.

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Die nächste große Herausforderung für die Windkraftindustrie: Steigende Rohstoffpreise. Das berichtet Euractiv.

““At this time, it is very difficult for companies in the supply chain to predict where prices will go, which means that, if they are asked to make offers for delivery in four or five years from now, it’s very difficult to predict their costs,” he added.

Russia and Ukraine are major steel producers, which make up the bulk of a wind turbine, but since the war, imports of finished steel into the EU have dropped by a fifth.

Alongside this, the price of hot-rolled coil steel has increased by 40%. Steelmakers in Spain, such as ArcelorMittal and stainless steel producer Acerinox, have reduced their production, while Germany’s Lech-Stahlwerke has stopped output completely.

Aluminium is less relevant for the wind industry but is still used for several components, including rotors and cabling. Again, there are visible price increases in the supply chain.

Russia is also the leading global supplier of nickel, another essential component of wind turbines.”