Wissenschaftler verkünden nicht die Wahrheit, sondern nur beste Erklärung

Wir starten mit zwei Videoempfehlungen. Die erste gilt dem Videopodcast von Schlumpf und Rentsch. Die beiden Schweizer beschäftigen sich mit den Ergebnissen der Klimakonferenz von Glasgow. Die Erkenntnis der beiden:

“Mit dem Festhalten am illusionären 1,5-Grad-Ziel ist garantiert, dass die Klimapolitik weiterhin eine Quelle der Frustration über verfehlte Zwischenziele bleiben wird.”

Ähnlich argumentiert ein Kommentar in der Welt (Bezahlschranke)

“Das 1,5-Grad-Ziel ist unrealistisch, unehrlich und sogar gefährlich”

Im Jahr 2016 hielt Hans von Stoch im Bayrischen Rundfunk innerhalb der Sendung Alpha einen ca. 13 Minuten langen Vortrag zum Thema Klimawandel. Der Bayrische Rundfunk stellt diese Sendung im Januar 2020 dankenswerterweise (wieder) online. Jedes auffällige Wetterereignisse als Beleg für den menschengemachten Klimawandel zu nehmen, damit hat von Storch offenbar seine Probleme. Wissenschaftler verkünden nicht die Wahrheit, sondern nur beste Erklärung, lautet seine These. Alles steht immer unter dem Vorbehalt, dass es in der Zukunft neue oder gar andere Erkenntnisse gibt.

Von Storch spricht im anschließenden Gespräch von Forschung im hochpolitisierten Raum, die ihm ganz eindeutig nicht sympathisch ist. Welcher “Fachidiot” kann schon das große Ganze überblicken?
Er geht auch davon aus, dass das 2 Grad Ziel ein politisches Ziel ist. Er hält das strengere 1,5 Grad als Ziel für illusorisch bzw. politisches Wunschdenken. Ihn verwundert auch, dass Deutschland seine Kernkraftwerke abstellt, so schlimm kann es dann hierzulande mit den Emissionen wohl doch nicht sein. Vielleicht hat Sara Schurmann sich dieses Video auch angesehen und ist seither so schlecht zu sprechen auf von Storch. Alle anderen dürften ihren Spaß an den undramatischen 25 Minuten haben.

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Das Bundeswirtschaftsministerium aktualisiert seine Prognosen für den Stromverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2030. Haupttreiber beim Anstieg wird demnach die Elektromobilität sein. Sie könnte mit 70 TWh einen sehr großen Anteil haben am dann gesamten geschätzten Verbrauch von 660 TWh.

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Wir müssen Abbitte leisten. Ein Klimakochbuch, so wie in dieser Meldung lapidar dahergeschrieben, gibt es natürlich schon lange. Es gibt sogar Food For Future Kochbücher! Wer eine Suche bei einem Onlinebuchhändler startet, wird überrascht sein über die Zahl der Produkte, die auf dem Klimazug mitreisen. Skifahren dürfte als Klima-Trendsportart eher ausscheiden. Die US-Skiläuferin Mikaela Schiffrin erwägt laut Magdeburger Volksstimme aus Klimagründen ihren Sport aufzugeben. Schiffrin ist mit 27 allerdings auch bereits im fortgeschrittenen Skifahreralter…

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Belgien geht den deutschen Weg. Das bedeutet, bis 2025 werden die Kernkraftwerke dort abgeschaltet. In Ermangelung von zuverlässigen Grünen Stromquellen wird auf Erdgas gesetzt. Das wird die Emissionen zwangsläufig erhöhen. Das Land hat allerdings einen Anteil von 40% Kernenergie, es gibt also viel zu ersetzen. Ein Artikel bei Ingenieur.de beschreibt die Situation, lässt allerdings außen vor, ob in Belgien bereits neue Gaskraftwerke gebaut werden. Immerhin, LNG Terminals, also Häfen für Flüssiggas, hat Belgien schon.

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Man kann dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung nicht absprechen, dass es nach Fehlschlägen bei den Prognosen nicht mutig aufsteht und es gleich wieder versucht. Wir erinnern uns an die Vorhersage eines El Niño, der Ende 2020 kommen sollte. Dank neuester Modelle und Hardware wurde 2019 ein hohe Wahrscheinlich errechnet, dass das Ereignis so eintritt. Gekommen ist das Gegenteil, eine La Niña. Die Klimaschau berichtete. Nun nehmen die Forscher einen neuen Anlauf und dabei wird der 2019er Fehlschlag mal ganz elegant unter den Tisch fallen gelassen. Wer will schon gern an so etwas erinnern?

„Die neue Herangehensweise hat sich in den letzten Jahren in mehreren Fällen als sehr effizient erwiesen, um verschiedene Klimaphänomene viel früher als bisher vorherzusagen. El Niño zum Beispiel konnte bis zu einem ganzen Jahr früher vorhergesagt werden, im Vergleich zu etwa sechs Monaten mit den Methoden, die heute Standard sind“, erklärt Josef Ludescher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Hauptautor des Perspective Artikels, der in den Proceedings of the US National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wird. „Der Beginn des indischen Sommermonsuns in Zentralindien, der für die Wirtschaft in dieser Region lebenswichtig ist, wurde dank des neuen Ansatzes mehr als einen Monat im Voraus vorhergesagt, viel früher als die derzeit verwendeten Prognosen.“

Natürlich ist es wichtig, Wetterphänomene so früh wie möglich vorherzusagen. Es nützt aber wenig, ob ein El Niño ein Jahr oder nur ein halbes Jahr falsch vorhergesagt wird. Eine korrekte kurzfristige Prognose hilft den Betroffenen weitaus mehr als eine langfristig falsche. Man fragt sich, wieso US-Forscher bei den Vorhersagen in Sachen ENSO (El Niño Southern Oscillation) so viel vorsichtiger sind. Die Aussicht auf November 2021 bis Januar 2022 erfolgte erst am 11.11.2021.

“La Niña is likely to continue through the Northern Hemisphere winter 2021-22 (~90% chance) and into spring 2022 (~50% chance during March-May).”

Was weiß man beim PIK, was die Kollegen in den USA nicht wissen?

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Der Klimaforscher Andrew Rifkin sieht auf seinem Blog die Ergebnisse der Klimakonferenz in Glasgow deutlich positiver als viele der Aktivisten. Seine Zusammenfassung:

–Dieser Pakt ist zutiefst menschlich, ein Triumph der Unvollkommenheit
–Energie-Ethik ist Teil der Klima-Ethik
–COPs markieren Veränderungen mehr als sie hervorbringen
–Innovation – für saubere Energie, Überwachung, Konnektivität – steigert die Ambitionen

Das Kontrastprogramm kann man in der taz lesen. Aktivisten, die mit Gewalt das Klima retten wollen, im wahrsten Sinne des Wortes.

“”Die Zeit der Eskalation ist da“, sagte sie mit Blick auf den Klimawandel. Ich hatte das nicht erwartet. Natürlich gibt es schon länger Stimmen, die sagen, dass es nicht reicht, was Fridays for Future tun, demonstrieren, so wichtig das ist, Aufmerksamkeit schaffen, friedlich bleiben. Und auch Extinction Rebellion, die etwas weiter gehen in ihren Mitteln, haben sich von Gewalt im eigentlichen Sinn ferngehalten.”

Wolfram Weimer kommentiert im Focus, wie China die EU in Sachen Kohle auf dem Klimagipfel ausgetrickst hat.

“Während Deutschland sich von der günstigen Kohle verabschiedet, steigt China massiv ein. Nach Angaben des Global Energy Monitors brachte China 2020 neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 38,4 Gigawatt ans Netz – das ist dreimal so viel wie der gesamte Rest der Welt zusammen. Derzeit sind mehr als 200 neue Kohlekraftwerke im Bau. Die Expertengruppe Carbon Tracker beziffert Pekings Planungsvorhaben auf 368 neue Kraftwerke. Greenpeace berichtet, dass allein im laufenden Jahr weitere 24 neue Steinkohlekraftwerke genehmigt worden seien.”

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Während das zögerliche Zufrieren der Arktis in den letzten beiden Jahren schon als Zeichen des Klimawandels gehandelt wurden (vgl. Meereisportal) sieht es in diesem Jahr ganz anders aus:

Wir sehen den gegenwärtig dritthöchsten Stand nach 2012, nur getoppt durch 2014 und 2015. Die Entwicklung von 2019 und 2020 findet also keine Fortsetzung. Es war schlicht das Wetter und nicht: „Die Aussichten sind alarmierend, denn je später das Wachstum einsetzt, umso dünner ist das Eis, dass sich über den Winter bilden kann und umso schneller kann es im kommenden Frühjahr wieder schmelzen.“, wie das Meereisportal vor Jahresfrist formulierte.

Dazu passt auch eine Meldung von Arctic Today, die wahrhaft alarmierend ist. Es stecken an die 20 Schiffe fest im schnell dicker werdenden Meereis in der ostsibirischen See und es wird fraglich, ob sie noch rechtzeitig freizubekommen sind mit Eisbrecherhilfe. Wenn nicht, müssten sie da überwintern, mit all den verbundenen Gefahren für die Schiffe z.B. durch Eispressing. Dabei hatte doch die russischen Stellen versprochen, dass der nördliche Seeweg ab 2023 ganzjährig frei wäre und DIE Alternative zum Suezkanal:

„The complicated conditions with sea-ice is alarming for Russian authorities that are promoting the Northern Sea Route as a future alternative to the Suez Canal. Already by the winter of 2023-2024 there is to be year-round commercial shipping on the route and goods volumes are planned to rocket to 150 million tons already by year 2030.” (Quelle: The Barents Observer).

So ist es halt, wenn man einfach von Jahr n auf Jahr n+1 folgert. Das ist nicht Wissenschaft, das ist science fiction.

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Dr. Rainer Link auf seiner Webseite am 15.11.2021:

Die Windkraft – ein Windei !?

Ein wichtiger, oder sogar der wichtigste der Energieträger der Zukunft soll die Windkraft werden, die Photovoltaik spielt nur eine untergeordnete Rolle, alles andere Kernenergie, Kohle, Gas werden ja schließlich abgestellt. Nun sollte man annehmen, dass die Befürworter derselben sich einmal überlegt haben, was das eigentlich bedeutet. Ein gewisses Vorwissen ist dabei Voraussetzung. Das verlange ich nicht von jedem Menschen, aber zumindest von denen, die die Windkraft propagieren (also von Windkraftlobbyisten, Politikern und ja, auch von den Fridays For Future und sonstige Klima-Aktivisten). Nun die Voraussetzungen für diese Überlegungen, sonst kann man die Statistiken nicht verstehen, sind:

Weiterlesen bei Dr. Rainer Link.

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Revierkohle hat einen Bericht zur 14. EIKE-Konferenz. Bitte hier lang. Auf der gleichen Plattform findet man auch einen kritischen Beitrag zur COP26-Kimakonferenz in Glasgow.

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JF-TV Direkt:

Fritz Vahrenholt: Warum die deutsche Energiewende verantwortungslos ist

Auf dem selben Kanal gibt es auch Teil 2 einer interessanten Doku:

Manipulation, Desinformation, Panikmache: Mythos Klimakatastrophe Teil 2