Wissen, das beste Mittel gegen “Klimaangst”

Die 10 Euro im Monat für ein Digital-Abo der Welt können gut investiertes Geld sein. Man erhält aktuell damit Zugriff auf ein Interview mit Lennart Bengtson. Lennart Bengtsson, Jahrgang 1935, leitete zwei der wichtigsten Klimainstitute: Von 1981 bis 1990 war er Direktor des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts in England, danach Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass der Klimawandel aufgrund von Treibhausgasen in 100 Jahren kein Thema mehr sein wird.

WELT: Was macht Sie optimistisch, dass der Klimawandel gebremst werden kann?

Bengtsson: Signifikanter wissenschaftlicher Fortschritt und zuverlässigere Wettervorhersagen und besseres Verständnis des Klimasystems. Zweites: Bisherige Beobachtungen zeigen, dass die Klimaerwärmung etwas langsamer voranschreitet als in den meisten Computersimulationen. Drittens: Der Ausstoß von Treibhausgasen ist innerhalb der OECD in den letzten zehn bis 15 Jahren erheblich zurückgegangen. Es gibt Grund zu der Annahme, dass dies einige Jahrzehnte später auch in Schwellenländern der Fall sein wird. Viertens: Ich habe starkes Vertrauen in den wissenschaftlichen und technischen Einfallsreichtum der Menschen und glaube, dass dieser gedeihen wird, wenn wir das derzeitige intensive Forschungsniveau und die gute internationale Zusammenarbeit aufrechterhalten können. Die besten Länder können die Grundlagenforschung fördern, um neue Methoden der Energieerzeugung mit minimalen negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu finden. In 100 Jahren glaube ich, dass der Klimawandel aufgrund von Treibhausgasen kein Thema mehr ist.

Zuvor verwies Bengtson auf noch ungelöste Phänomene in Sachen Klima. So sei nach wie vor nicht klar, was die kleine Eiszeit von 1350-1850 ausgelöst hat. Man muss aber gar nicht so weit zurückblicken. Selbst im 20. Jahrhundert gab es Phasen wie die signifikante Erwärmung von 1910-1940, die nach wie vor Rätsel aufgibt. Kältere Periode von 1960-1970 führt Bengtson auf zufällige Ereignisse zurück. Keinen Zweifel hat Bengtson, dass die Erwärmung der letzten 40-50 Jahre auf Treibhausgase zurückzuführen ist.

Interessant ist sicherlich auch, dass der Schwede über positive Effekte der Klimaerwärmung spricht. Für ihn gehört die Fischerei oder auch die Forstwirtschaft in den nördlichen Breiten dazu. Seine Meinung zum Thema Klimaangst ist bemerkenswert. Panik scheint ihm fremd zu sein.

WELT: Die Temperatur der Erde sei um etwa ein Grad gestiegen und werde in diesem Jahrhundert wahrscheinlich noch um ein oder zwei Grad ansteigen, schreiben Sie in Ihrem Buch. Was sagen Sie Jugendlichen oder Ihrer Landsmännin Greta Thunberg, die deshalb in Panik geraten?

Bengtsson: Meine Empfehlung an die jungen Generationen ist, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, um mehr über das Klimasystem zu erfahren. Wissen ist meiner Meinung nach das beste Medikament gegen „Klimaangst“.

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Laut Polarportal.dk verzeichnet die Ostküste von Grönland momentan ein für die Jahreszeit eher ungewöhnliches Wachstum an Eis. Eigentlich beginnt im Juni die Schmelzsaison. Bereits in der Saison 2021 gab es im Sommer Tage mit einem Wachstum der SMB (Surface Mass Balance). Das sind aber lediglich Stichtagsbetrachtungen und keine langfristigen Entwicklungen.

(Abbildung: Screenshot Polarportal.org)

Die Meereisausdehnung liegt nach Angaben des Alfred-Wegener-Instituts unter dem langjährigen Mittel.

(Abbildung: Screenshot Meereisportal.de)

Im Kontrast dazu steht die Inlands-Eismasse. Sie bewegt sich sehr dicht am Mittelwert von 1981-2010. Dort war die Saison 2011-2012 diejenige mit den größten Verlusten (rote Linie).

(Abbildung: Screenshot polarportal.org)

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Was kostet Wasserstoff jetzt und in Zukunft? Dieser Frage ist Chemietechnik.de nachgegangen.

“Optimistische Szenarien gingen bisher davon aus, dass die Kosten für grünen Wasserstoff – auch etwa in Deutschland – schon 2030 auf 2 bis 2,50 Euro/kg sinken könnten. Eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research legt jedoch nahe, dass dieser Maßstab – zumindest für Europa – zu optimistisch ist. Aurora geht davon aus, dass grüner Wasserstoff im Jahr 2030 in den meisten europäischen Ländern zu einem Preis von 3 Euro/kg produziert werden kann. Am günstigsten ließe sich grüner Wasserstoff in Europa in Ländern wie Norwegen, Spanien und Großbritannien produzieren, da hier vor Ort viel Wind- bzw. Sonnenenergie günstig verfügbar ist.

Aurora rechnet damit, dass sich die 2-Euro-Schwelle mit einem Elektrolyseur erreichen lässt, der mit einer Auslastung von 50 % und durchschnittlichen Stromkosten von 10 Euro/MWh betrieben wird. So niedrige Stromkosten hält das Beratungsunternehmen jedoch auf absehbare Zeit für unrealistisch. Mit einem Durchbrechen der 2-Euro-Schwelle rechnen die Experten erst bis 2050. Schon 2034 könnte nach deren Einschätzung grüner Wasserstoff aber mit den Kosten von blauem Wasserstoff konkurrieren – eine Voraussetzung hierfür wäre jedoch, dass die Staaten ihren zum Teil hohen Netzentgelte für Elektrolysestrom streichen.”

Stichwort Wasserstoff: Ein Artikel im Standard versucht sich an einer Bewertung von Wasserstoff. Besonders angesprochen werden die Wirkungsgradverluste bei der Herstellung und die Probleme bei der Lagerung und beim Transport.

“Das hänge mit thermodynamische Wärmeverluste zusammen, die in Wasserstoff-Autos gleich doppelt nachtteilig wirken: Grüner Wasserstoff muss zuerst mittels Ökostrom per Elektrolyse gewonnen und dann in einer Brennstoffzelle wieder in elektrische Energie rückverwandelt werden. Im Elektroauto kann Strom hingegen mit hohem Wirkungsgrad (95 Prozent) in Batterien gespeichert und direkt in den Elektromotor fließen. „Der Wirkungsgrad von Wasserstoffautos ist damit mit einem Diesel- oder E-Fuel-PKW vergleichbar.“ Für weite Distanzen sei es sinnvoll, Wasserstoff und E-Fuels zur Direktverbrennung einzusetzen, wenn eine Dekarbonisierung anders nicht möglich wäre.”

“Wird Wasserstoff in Zukunft vermehrt eingesetzt, müsste man auch auf einen bisher wenig beachteten Aspekt Rücksicht nehmen: „Wasserstoff kann zu erheblichen Korrosionsproblemen führen“, sagt Valtiner. Erdgasleitungen könnten daher nicht ohne weiteres für den Wasserstofftransport mit mehr als zehn Volumprozent Gasanteil freigegeben werden. Doch: „Wir forschen am CEST daran wie Wasserstoff sich in Materialien verhält um eine sichere Nutzung zu ermöglichen.„”

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Über die Online-Plattform Watson.de, ein Unternehmen des Werbeunternehmens Stroer, haben wir schon einige Male berichtet. Wenn man sich vor Augen führt, dass es dort um Werbung geht, die mit Inhalten angereichert wird, dann kann man auch verschmerzen, dass journalistische Grundsätze komplett ignoriert werden. Nur sollte man es dann halt nicht für journalistisch relevant halten. Es geht um Klickvieh.

Watson.de befasst sich mit dem Thema Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken und schafft es tatsächlich drei Stühle mit einer Meinung zu besetzen. Es wurden Mycle Schneider, Volker Quaschning und Claudia Kemfert befragt. Schneider hat keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund, die beiden anderen sind keine Kernenergie-Experten. Das Ergebnis ist dann wie offensichtlich von Watson gewünscht.

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Leserpost von Reinhard Storz:

Im Blog vom 15.6.2022 berichten Sie über Hochwasser in Mainz in den Jahren 1882 /83. Aus Köln wird über ein extremes Hochwasser ein Jahrhundert früher berichtet. Einen besonders schweren Eisgang erlebte Köln im Jahre 1784. Der Rhein war zugefroren, die Eisdicke betrug ca. drei Meter. Schollen wurden vom Oberlauf angetrieben, türmten sich auf, gleichzeitig stieg der Rheinpegel durch Schmelzwasser an. Der einsetzende Eisbruch führte zu schweren Zerstörungen im Hafenbereich. Ein Augenzeuge beschrieb seinen Eindruck von der überfluteten Stadt so: „Mich trieb die Neugierde auf einen der höchsten Thürme der Stadt. Ich sah das ganze Meer, und Berge von Eisschollen. Deutz, Mühlheim und Rodenkirchen und die dem Strom nächstgelegenen Orte ließen nichts von sich sehen, als die Spitzen der Thürme und die Dächer der Häuser.“ Noch heute erinnert eine viel bestaunte Markierung am Westportal der Kirche St. Maria Lyskirchen an den höchsten Wasserstand, der am 28. Februar 1784 erreicht war – umgerechnet auf den heutigen Pegel 12,60 Meter, also weit höher als die heutige Schutzmauer vor der Altstadt.

Quelle: DIETMAR, C. et al. (2002): Köln, der Rhein, das Meer: 2000 Jahre Kölner Schifffahrts- und Hafengeschichte. Köln, S. 56, 57.

Wie man inzwischen festgestellt hat, war die Ursache dieser Katastrophe der Ausbruch des Vulkans Laki auf Island, der zu extremer Kälte im Winter geführt hatte. Alle Flüsse in Deutschland, von der Ems bis zur Oder sowie Rhein und Donau hatten eine außergewöhnlich dicke Eisschicht. Siehe auch folgende Links im Internet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Winter_1783/84

https://www.focus.de/wissen/natur/katastrophen/serie-die-schlimmsten-katastrophen-der-menschheit-vulkanischer-winter-wenn-vulkane-die-eiszeit-bringen_id_4609559.html