Wie nah darf es denn sein? Windkraftanlage in Ihrer Nähe!

Von Dr. Rainer Link

Nun bin ich durchaus ein Freund der „Erneuerbaren Energien“, aber man darf dabei die Realität nicht aus den Augen verlieren!! Die Bundesregierung plant die Energieerzeugung in der Zukunft nur noch durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen. Zu diesen gehören Wasserkraft, Biomasse, Solarenergie und Windenergie. Insbesondere die beiden letzteren sollen die Hauptlast tragen. Dies gilt nicht nur für die Netto-Stromerzeugung, sondern den gesamten Primärenergieverbrauch. Letzterer umfasst die Netto-Stromerzeugung sowie fossile Energie für Haushalte, Industrie, Landwirtschaft, Verkehr. Im Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft „bdew“ oder in „statista“ findet man die folgenden Angaben für Deutschland 2020/2021 (ca. Werte).

Nettostromerzeugung/Primärenergieverbrauch = 15%

Windenergie / Nettostromerzeugung = 27%, davon

An Land,  Onshore : 79%     Auf See, Offshore: 21%

Solarenergie / Nettostromerzeugung = 10%

Für die Stromerzeugung mit Windenergie sind bisher ca. 29.000 Windkraftanlagen (WKA) Onshore installiert. Jede Windenergieanlage hat eine Nettoleistung von etwa 7 MW (Megawatt) und eine mittlere Leistung von 3,5 MW. Damit kann man nun rechnen (Ergebnisse auf- oder abgerundet):

Das Verhältnis der Windenergie Onshore zur Primärenergie beträgt 15%*27%*79%=3,125%. Dafür wurden ca. 29.000 WKA Onshore benötigt. (Nebenbei: der Zubau an WKA pro Jahr beträgt derzeit 500 WKA)

Übernimmt die Windenergie Onshore alle fossilen Energieträger und die Kernkraft, bei ansonsten gleichbleibenden erneuerbaren Energien, so müssen insgesamt 29.000 WKA / 3,125% = 928.000 WKA !!! Onshore errichtet werden !!! Was geschieht dabei eigentlich mit den gefiederten Freunden!? Und dies bis 2050, also 30 Jahre lang, ergibt einen Zubau von 31.000 WKA pro Jahr !!!

(Wie gesagt kommen derzeit max. 500 WKA pro Jahr hinzu. Abgezogen müssten die WKA werden, die ihre Lebensdauer erreicht haben.)

Die Bundesrepublik Deutschland umfasst eine Fläche von ca. 360.000 km2. Somit insgesamt etwa eine WKA pro 0,388 km2 oder alle 623 m in allen Richtungen !!! Ein wahrhaft irres Vorhaben?! Nimmt man an, dass die Solarenergie und die Offshore Windanlagen ihren Anteil von 10%+27%*21%=15,7% an der Nettostromerzeugung für den Primärenergieverbrauch ähnlich erweitern wie die Windenergie Onshore – alle anderen erneuerbaren Energieträger, Biomasse und Wasserkraft, erhöhen ihren Anteil nicht – so beträgt der Anteil an WKA Onshore zum Primärenergieverbrauch derzeit

15%*(27%*79%)/(15,7%+27%*79%)=8,75%

Es müssten also noch errichtet werden:

29.000 WKA/8,75% = 331.400 WKA – oder innerhalb 30 Jahren 11.000 WKA/Jahr – mit einem Platzbedarf insgesamt von „nur“ 1,09 km2 pro WKA dh. „nur“ alle 1040 m in allen Richtungen eine WKA.

Da bleibt nicht mehr sehr viel Grünfläche für Photovoltaikplantagen. Ob also wie in der letzten Berechnung angenommen Photovoltaik und Offshore WKA ihren Anteil am Primärenergieverbrauch gleichermaßen erhöhen können wie die WKA Onshore, sei dahingestellt, ist jedoch zu bezweifeln.

Diese Rechnungen umfassten keine Mathematik sondern einfaches Rechnen: addieren, malnehmen, teilen, Prozentrechnen! Da kann man nur hoffen, dass der Wirtschafts- und Klimaminister und seine Kollegen und Anhänger dies auch können und alles gut durchdacht haben!!! Nicht thematisiert habe ich bisher das Problem der Speicherung des produzierten Stromes für Zeiten der Dunkelflaute, wenn weder Wind weht noch die Sonne scheint.

Nein, Frau Baerbock, Strom wird in den Leitungen nicht gespeichert. Die Akkus der E-Autos als Reserve bei Bedarf zu nutzen ist auch keine glückliche Idee! Bleibt derzeit eigentlich nur die Produktion und Speicherung von Wasserstoff mit überschüssigem Strom!? Derzeit noch recht Teuer! Das würde auch die mögliche Einsparung an Primärenergie durch E-Autos und Wärmepumpen wieder aufheben. Nicht gewollt sind Kernkraftwerke der neuen Generation, z.B. Thorium-Salz-Reaktoren, die inhärent sicher sind. Vielleicht gelingt es auch, die Kernfusion innerhalb der nächsten 30-50 Jahre soweit zu entwickeln, dass wirtschaftlich Strom erzeugt werden kann.

Schaun wir mal!!

Dr. Rainer Link
Physiker
August 2022