Wie der Schwarzstorch über Pfingsten verschwand

Wer ist der größte Feind der Grünen? Offenbar nicht andere Parteien mit denen die Grünen im politischen Wettstreit stehen, sondern Tiere. Ganz besonders Vögel scheinen ein ernstzunehmender Gegner zu sein, der bei der Umsetzung Grüner Politik im Wege steht und dort speziell der Schwarzstorch. Anders ist es kaum zu erklären, was wir jetzt bei Riff-Reporter lesen können. Es ist ein Interview mit Rainer Borcherding, demjenigen Grünen, der aus der Heimat von Robert Habeck stammt und der jetzt sein Amt aus Protest gegen die Pläne der Grünen aufgegeben hat. Was mag in den Köpfen von Robert Habeck und seinem Staatssekretär Giegold wohl vorgegangen sein, als sie eine extrem bedrohte Art wie den Schwarzstorch mal eben von der Liste durch Windkraftanlagen bedrohter Tierarten über Pfingsten strichen?

“Sie schreiben in Ihrer Rücktrittserklärung, dass sie es nicht mehr mit ihrem Gewissen als Biologe und Naturschützer verantworten können, im Wahlkreis von Robert Habeck als Kreisvorsitzender die Verantwortung für die Politik der Grünen zu tragen. Federführend für die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, das die von Ihnen kritisierten Rückschritte für den Artenschutz bringt, ist aber Bundesumweltministerin Steffi Lemke. Müsste sich ihre Kritik nicht an sie richten?

Formal ja, und natürlich bin ich auch von ihr enttäuscht. Aber es ist offensichtlich, dass das Wirtschaftsministerium beim Schnüren des Pakets maßgeblich die Feder geführt hat. Der entscheidende Druck scheint von Roberts Ministerium ausgegangen zu sein – und ein Vizekanzler wie er kann da auch viel Druck entwickeln. Nur ein Beispiel: Die letzten Details der Änderungen wurden über das Pfingstwochenende auf höchster Ebene geklärt. Pfingstfreitag war der Schwarzstorch noch in der Liste windkraftsensibler und damit wenigstens etwas geschützter Arten enthalten. Montag war er nicht mehr drin. Das kommt sicher nicht von Lemke. Zudem ist absehbar, dass Habeck auch auf europäischer Ebene den Naturschutz weiter schwächen will. Einen Vorstoß seines Staatssekretärs Sven Giegold dazu hat es ja bereits gegeben.”

Hier kollidieren in der Tat zwei Welten miteinander. Die EU-Umweltgesetze gehen immer von Tötungsverbot für eine Spezies aus. Diese Regelung ist auch ein Ergebnis eines jahrelangen Kampfes von Umweltschützern. Dieses Gut wird nun geopfert auf dem Altar der Energiewende. Vielleicht hat man den Schwarzstorch auch deshalb unter den Tisch fallen lassen, weil man ihm mit geschätzten 500 Brutpaaren ohnehin keine Chance gegeben hat.

Ganz besonders bei Abstandsregeln stören die Tiere, weil diese 3.000 Meter zu einer Windkraftanlage betragen und es sogar einen 10.000 Meter Prüfbereich um Brutplätze gibt, damit die Tiere bei der Nahrungssuche nicht gefährdet werden. Da man über klagende Anwohner gern schimpfen kann, wird man Schwarzstörchen aber so etwas nicht anlasten können. Sie haben keine wirkliche Lobby und daher ist es für die Grünen in gewisser Art und Weise konsequent sie dann besser ganz aus dem Fokus zu nehmen. Vielleicht fällt es ja niemanden auf? Ob diese Regelungen allerdings juristisch Bestand haben werden, das dürfte in Kürze die Gerichte interessieren. Einige Verbände haben bereits Klagen angekündigt. Für die Schwarzstörche könnten solche Verfahren und eine entsprechende Rechtsprechung, die in der Regel sehr langwierig sind, aber zu spät kommen.

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Die Probleme mit Wettermodellen haben wir erst kürzlich beschrieben. Einige Meteorologen gingen mit der These von 45 Grad Celsius in Köln steil. Das GFS-Model, welches diese Vorhersage machte, irrte sich um bis zu 15 Grad. Der Grund waren falsche Bodenfeuchtewerte. Wir berichteten.

Es gibt mittlerweile bei Kachelmannwetter einen längeren Bericht zum Thema der Modelle und deren Tücken. Vor allem wird aufgeklärt, wie man solche Modelle zu interpretieren hat. Das hindert einige der 45er-Protagonisten allerdings nicht daran, wieder Werte von 40 Grad Celsius zu verbreiten. So retweetet Özden Terli eine entsprechende Meldung aus dem Vereinigten Königreich.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Mal sehen, ob am Ende die 40 Grad in der Gegend um Petersborough erreicht werden. Andere Modelle sehen maximal 35 Grad Celsius vor – das klickt aber nicht ganz so gut wie 40 Grad und mehr, auch wenn es für einige Gegenden im Vereinigten Königreich tatsächlich neue Rekorde bedeuten könnten.

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Ein Monument des Versagens ist das Interview der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer in den Tagesthemen zum Thema Flut im Sommer 2021 im Ahrtal.

“Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal das Katastrophenmanagement verteidigt. Jahrzehntelang habe der kommunale Katastrophenschutz gut funktioniert und auch schwere Hochwasser gut bewältigt, sagte die SPD-Politikerin im Interview mit den Tagesthemen. „Das Ausmaß dieser Katastrophe konnte so niemand voraussehen“, stellte sie fest. Einen Grund, sich für das Krisenmanagement des Landes zu entschuldigen, sehe sie daher nicht.”

Warum weigert sich Dreyer die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses zur Kenntnis zu nehmen? Dort erklärten Experten, dass es durchaus vorher entsprechende Hinweise über das Ausmaß gegeben hat. Eine Präsentation dazu ist bei Kachelmannwetter verfügbar. Diese Präsentation belegt auch, dass genügend Zeit zur Evakuierung zur Verfügung gestanden hätte, denn bereits 3 Tage vor der Flut warnten die Kachelmann-Experten schon in sozialen Netzwerken und in Videos vor dem Regen.

Über die Rolle von Anne Spiegel, zum Zeitpunkt der Katastrophe Umweltministerin in Rheinland-Pfalz, haben die Medien bereits ausführlich berichtet. Ihr war es wichtiger das “Campingplatzbesitzer” korrekt in Mitteilungen ihres Ministeriums zur Flut gegendert ist, als am Abend des Unglücks verfügbar zu sein. Die Ministerpräsidentin Dreyer sagt bei den Tagesthemen ganz offensichtlich nicht die Wahrheit. Wie mögen ihre Aussagen bei den Opfern der Flut wohl ankommen?

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Zeke Hausfather und Jane Flegal schreiben bei MIT Technology Review zum Thema Kohlenstoff-Entnahme aus der Atmosphäre. Das kann über Senken wie Bäume geschehen oder auch über technische Verfahren. Solche technischen Verfahren sind in Deutschland allerdings verboten. Eigentlich ein weiteres gutes Beispiel, dass Teile der Politik immer nur dann der Wissenschaft folgen, wenn deren Erkenntnisse irgendwie ins eigene Narrativ passen. Hausfather ist unter anderem einer der IPCC-Leitautoren.

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Leserpost von Hans Ambos:

Zum Weinen oder Lachen:

Atomstrom aus der Ukraine fließt nach Deutschland

Bei uns herrscht z. Z. mal wieder Dunkelflaute mit Strommangelwirtschaft. Von ca.18 Uhr bis ca. 7 Uhr laufen bei uns nur die Kohle- (18 GW), Gas- (8 GW) und die letzten 3 KKWs (4 GW). Siehe https://www.smard.de/home

Zum Glück ist die Ukraine vor kurzem erfolgreich an das westliche europäische Verbundnetz angeschlossen worden. Siehe https://app.electricitymaps.com/map

Wir bekommen über Polen und Tschechien 200 MW und über Ungarn und Österreich 800 MW elektrische Leistung (Beispiel: 11. bis 13. Juli, durchschnittlich). Die KKWs Chmelyzkyi, Riwne, Saporischja und Süd-Ukraine mit insgesamt 15 Blöcken a 950 MW sind größtenteils im Leistungsbetrieb.

Unsere Außenministerin Annalena Baerbock hat aber hoffentlich an der Grenze zu Österreich einen Atomstromfilter einbauen lassen, sonst kippen die Grünen aus den Latschen. Es kann also nur gereinigter und klimaneutraler Kohlestrom nach Deutschland durchkommen, denn das CO2 aus den Rauchgaskaminen ist ja zum Glück für uns in der Ukraine geblieben.

Übrigens sind die Österreicher echt witzig: Sie haben keine Kernkraftwerke und wettern ständig dagegen, kommen aber ohne Atomstrom aus den Nachbarländern nicht aus.

Hans Ambos, Bensheim

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn

Betreff: Windenergie, Postillon, LNG aus den USA

Sehr geehrte Damen und Herren,

von mir einige Anmerkungen zu mehreren Artikeln aus dem Blog von 14. 07. 22. In einem Artikel wird über Widerstände zu Windrädern in Schweden berichtet. Ich habe volles Verständnis für Widerstände in der Bevölkerung zum Ausbau der Windenergie. Die Bereiche, in welchen Windräder stehen stellen eine optische Verschandlung der Landschaft dar. Darüber hinaus bringen die Windräder erhebliche Gefahren für Greifvögel, Fledermäuse und sicherlich eine Reihe weiter Tiere mit sich. Ganz abgesehen von gesundheitlichen Problemen für Menschen, welche in der Nähe von Windrädern leben. Außerdem sind die Windräder äußerst ineffektiv. Beim Bau werden tausende Tonnen Stahl und Beton verarbeitet. Für den Bau sind Schwerlastfahrzeuge erforderlich, um die Lasten zur Baustelle zu befördern und in die Höhe zu bringen. Die Windkraftanlagen sind dann 20 Jahre in Betrieb, bevor diese dann wieder zurückgebaut werden. Für andere Bauwerke werden deutlich längere Nutzungszeiten angesetzt.

Ein weiterer Artikel stellt eine Satire aus dem Postillion dar. Der handelt von Hitzerekorden unter Heizpilzen. Ich muss dabei stets an Meldungen in den Medien denken, dass einzelne Monate die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnung darstellen. Ist das überraschend? Wir leben nun einmal in einer Warmphase. Der Beginn der Aufzeichnungen liegt in der Endphase der kleinen Eiszeit, also einer der kältesten Phasen der letzten 10.000 Jahre. Würde man im Januar mit Temperaturaufzeichnungen beginnen, um dann festzustellen, dass der Mai der wärmste Monat seit Aufzeichnungsbeginn ist. Sollten diese Werte auf das Jahr hochgerechnet werden ist es im Dezember sehr heiß. Im Postillion wurde etwa im November eine Meldung veröffentlicht, dass die Tage immer dunkler werden. Wenn das so weiterginge würde es Mitte 2022 keine Helligkeit an den Tagen mehr geben.

Ein weiterer Artikel im Blog handelt von Flüssiggaslieferungen aus den USA. Ein Ausfuhrterminal in den USA ist ausgefallen, was die Gaspreise in den USA absinken ließ, während in Europa der Preis weiter angestiegen ist. Anscheinend wollten Interessenten in den USA die Ausfuhr verhindern, um das Gas für die eigene Wirtschaft zu nutzen. Das ist sicherlich irgendwie verständlich (obwohl Gewaltakte, wie die Zerstörung des Ausfuhrterminals abzulehnen sind). Gerade in Deutschland sollte die Politik endlich den Weg zur Förderung von Erdgas freimachen. Das im Untergrund befindliche Gas reicht für mehrere Jahrzehnte. Die Fracking-Technik wird in verschiedenen Teilen der Welt eingesetzt und ist soweit recht sicher. Deutschland hat auch kein Problem damit, Frackinggas aus den USA oder anderen Ländern zu beziehen, lehrt diese Technik im eigenen Land aber ab. Diese Doppelmoral sollte endlich eingestellt werden.

In diesem Zusammenhang noch etwas zu Energielieferungen aus dem Ausland. Deutschland verlässt sich in Zeiten von zu wenig Wind- und Sonnenenergie, dass Strom aus dem Ausland eingeführt werden kann. Doch wie lange werden die Nachbarländer im Zweifelsfall ihre eigene Wirtschaft herunterfahren, um Deutschland mit Strom zu versorgen, wenn sich Deutschland auf der anderen Seite weigert, neue Kernkraftwerke zu bauen oder zumindest die vorhandenen weiter am Netz zu lassen.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn